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            <title type="main">Dienstag, der  2. Dezember 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band28_1975-12-02</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_01">Dienstag, 2. Dezember 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_02">Betriebsräte von der MIAG und der Sekretär der Privatangestellten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__141825">Kurz</rs> wollten endlich wissen, wann ihr Betrieb und ob ihr Betrieb<lb/>
an die NÖM verkauft wird. Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> hat ihnen bereits<lb/>
vor einiger Zeit mitgeteilt, dass ein Verkauf mit Sicherheit ange<lb break="no"/>nommen werden kann, da die MIAG-Besitzerin ihr ganzes Kapital<lb/>
in ihre Textilfabriken investiert hat und dort grosse Verluste er<lb break="no"/>litten hat. Insbesondere die Angestellten bei der MIAG befürchten,<lb/>
dass nicht alle von der NÖM übernommen werden. Sobald wir Details<lb/>
wissen, werden wir sie selbstverständlich informieren. Der Verkauf<lb/>
ist aber ganz sicher.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_03">Die Betriebsräte der Fa. Cabos intervenieren neuerdings, dass ihr<lb/>
Direktor <rs type="person" ref="#per__141826">Kurt Beck</rs> den Kommerzialratstitel bekommen soll. Sie nehmen<lb/>
zwar zur Kenntnis, dass ich keinen Kommerzialratstitel verleihe,<lb/>
ersuchen aber, dass ich dem Direktor einen persönlichen Brief schrei<lb break="no"/>be, wo ich insbesondere auf die Intervention der Betriebsräte hinwei<lb break="no"/>se.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte einen ausführlichen Antwortbrief<lb/>
entwerfen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_05">Im Ministerrat berichtet nur <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs>, dem jetzt auf dem Golan<lb/>
das Mandat verlängert wurde, dass dort 520 Österreicher, in Sinai<lb/>
120 und auf Zypern 320 Soldaten dienen. In Zypern ergänzt <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> sind<lb/>
noch 56 Polizisten eingesetzt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> regt wieder an, dass für<lb/>
diese geschlossenen Gruppen ein Wahlrecht vorgesehen werden sollte,<lb/>
da diese auch Steuern bezahlen zum Unterschied von Auslandsöster<lb break="no"/>reichern, wo das Wahlrecht kaum möglich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_06">LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> ruft an und fragt, ob der Zinsenzuschuss für<lb/>
die Gemeinde Althofen vom 11 Mill.-S-Projekt schon erledigt ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> teilt mir später mit, dass dies positiv vorgesehen ist und<lb/>
in den nächsten Tagen der Akt von mir unterschrieben wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_08"><rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> möchte auch wissen, ob ich den Jugoslawen gegenüber eine<lb/>
Zusage wegen der Strassentunnel gemacht habe. Ich erkläre sofort,<lb/>
dass nur die Jugoslawen eine diesbezügliche Anfrage bei Verhandlungen<lb/>
an mich richten. Mit <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> bespreche ich dann dieses Problem und<lb/>
er erklärt, dass sie 16 Varianten den Jugoslawen mitgeteilt haben<lb/>
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Interesse von Villach die Autobahn nach Osten durch Österreich<lb/>
zu führen, bis dann das jug. Basistunnel ungefähr bei Jesenice<lb/>
errichtet werden müsste. Wir haben weder das Geld noch momentan die<lb/>
Absicht, hier konkrete Abschlüsse zu tätigen. Die Jugoslawen<lb/>
sollen insbesondere veranlasst werden, von Marburg bis Spielfeld-<lb/>
Strass die Autobahn so zeitgerecht fertig zu machen, dass der<lb/>
Anschluss mit der österr. Grazer Autobahn möglich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_09"><rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> teilt auch mit, dass er mit <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> und den anderen<lb/>
KELAG-Leuten jetzt einig ist und der Abschluss jetzt unmittelbar<lb/>
mit der Verbund bevorsteht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_10">Bei der Sitzung der Aussenhandelsstellenleiter von Nord- und<lb/>
Nordosteuropa bei Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> erkundige ich mich besonders über<lb/>
die Restriktionsmassnahmen, die von den anderen Staaten in Aussicht<lb/>
gestellt wurden. Tatsächlich hat nur Finnland für Hemden, Handschuhe<lb/>
und Strumpfhosen Mindestpreise und wird auch dort restriktivere<lb/>
Massnahmen anwenden. Schweden selbst hat ausser den Globalkontingent<lb break="no"/>regelung für Schuhe einige Absicht auf dem Textilsektor aber wird<lb/>
wahrscheinlich kaum zu konkreten Massnahmen schreiten. GB hat eine<lb/>
Lizenzpflicht für Textilien und für Bekleidung, diese dient aber nur<lb/>
zur Überwachung. Die Lizenzen werden in 10–14 Tagen gegeben,<lb/>
manchmal dauert es allerdings 3–4 Wochen. Vorbereitet werden<lb/>
solche Massnahmen eventuell für Schuhe, Elektrogeräte, Elektronik<lb/>
Fernsehen sonstige Weissware am Elektrosektor und Autos. Eine<lb/>
ähnliche Regelung macht auch Irland. In Norwegen ist es so, dass<lb/>
die Überwachungslizenz bei einigen Textil- und Bekleidungsprodukten<lb/>
erfolgt. Die Handelsdelegierten teilen mir mit, dass bei der<lb/>
Bundesländertour sie feststellen konnten, dass noch niemals so<lb/>
viele Firmen sich um Auskünfte und Informationen sich an die<lb/>
gewendet haben. Auf der einen Seite ein erfreuliches Zeichen,<lb/>
dass die Unternehmen sich jetzt mehr interessieren, wie sie doch<lb/>
exportieren könne, auf der anderen Seite ein schlechtes Zeichen,<lb/>
weil es zeigt, dass jetzt eine solche Information sich erst holen,<lb/>
wenn die Exportsituation sich verschlechtert hat. Die Jetzt vorliegen<lb/>
den Oktober-Ziffern zeigen aber deutlich, dass obwohl wir jedes Monat<lb/>
jetzt weniger Exporte insbesondere in die EFTA tätigen können,<lb/>
im ganzen Jahresschnitt bis jetzt nur 3 % Minus-Exporte bei 5 %<lb/>
Minusimporten verzeichnen können. Gegenüber den anderen westeuropä<lb break="no"/><pb n="28-1410" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-02_1410.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ischen Staaten sicherlich ein sehr schöner Erfolg.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_11">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> kommt mit Dr. <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs>, um mir mitzuteilen, dass<lb/>
die Handelskammer jetzt einen Antrag wegen der Benzinpreise bringen<lb/>
wird, die Tankstellenleute seien am Stubenring versammelt und<lb/>
es würde zu Streiks und zu Nichtauslieferung am 1. Jänner kommen,<lb/>
wenn nicht die Mehrwertsteuer zumindestens auf den Preis aufge<lb break="no"/>schlagen wird. Da <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst einsieht, dass man nur einmal<lb/>
einen Preis erhöhen kann, möchte er alle anderen Kostensteigerungen<lb/>
ja selbst auch die zukünftige Lagerhaltungs-Abgabe in den Preis<lb/>
einkalkulieren. Dafür soll solange im Parlament nicht das Gesetz<lb/>
endgültig beschlossen ist, ein Rabatt von Seiten den Benzin<lb break="no"/>firmen gewährt werden. Wenn das Gesetz dann in Kraft tritt, würde<lb/>
automatisch der Rabatt wegfallen, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist noch immer der<lb/>
Meinung, eine Novelle des Rohstofflenkungsgesetzes würde aus<lb break="no"/>reichen. Soweit wäre die ÖVP heute bereit mitzugehen. Ich erkläre<lb/>
ihm sofort, dass ich gar nicht daran denke, eine solche Preis-<lb/>
oder Versorgungspolitik zu machen. Ich habe den Erzeugerfirmen<lb/>
wissen lassen, dass sie die Mehrwertsteuer solange aus ihren<lb/>
Spannen tragen müssen bis eine endgültige Regelung möglich<lb/>
ist. Ausserdem hat die ÖMV am gestrigen Tag bei meiner Presse<lb break="no"/>konferenz erklärt, dass kein Antrag von ihr gestellt wird und wurde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> überraschte mich dann mit der Mitteilung, es läge vom Fach<lb break="no"/>verband, unterschrieben vom Fachverbandsvorsteher GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> der<lb/>
ÖMV ein Antrag in der Handelskammer. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst fühlt sich<lb/>
aber bei dieser ganzen Sache nicht sehr wohl, denn er erklärte,<lb/>
die Handelskammer stellt keinen Antrag sondern wird nur die<lb/>
Anträge weiterleiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_12">Ich nützte die Gelegenheit, um <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auch gleich die Punktation<lb/>
bezüglich des Berufsausbildungsgesetzes, das von ÖGB vorgeschlagen<lb/>
wird, zu geben. Ich forderte ihn auf, dies in kleinstem Kreis<lb/>
und dann im Parlament mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, er und <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs><lb/>
mit mir zu besprechen. Ich wies besonders darauf hin, dass die FPÖ<lb/>
– Dr. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> – im Budgetausschuss ja verlangt hat, ich möge eine<lb/>
grosse Enquete machen, d.h. die FPÖ sich jetzt in diese Verhandlungen<lb/>
einschalten möchte. Bei dieser Gelegenheit informierte ich auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass die FPÖ die Absicht gehabt hätte, dem Handelsbudget<lb/>
zuzustimmen, wenn ich gewisse Änderungen vorgenommen hätte. Da<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist dies auf der einen Seite sicherlich recht, auf der<lb/>
anderen Seite aber möchte er so lange wie möglich und so wenig<lb/>
wie möglich bei Verhandlungen zugestehen. Hier wird es eine<lb/>
schwerere Auseinandersetzung geben. Da der Entwurf des ÖGB auch Ver<lb break="no"/>fassungsbestimmungen enthält, habe ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erklärt, wenn es<lb/>
hier nicht zu einer einvernehmlichen Auffassung der Sozialpartner<lb/>
kommt, müsste ich dann eine einfachgesetzliche Regelung wie im<lb/>
Berufsausbildungsgesetz jetzt ebenfalls geregelt anstreben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_13">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__130458">Vito</rs> von der Agip erzählte uns, <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und mir, über die<lb/>
schlechte Situation der Firma. Sie haben 16 Tankstellen, das sind<lb/>
7,2 %, aufgelassen, allerdings 36 neu in Vertrag genommen. 8 Neubauten<lb/>
allerdings nur und 28 schon bestehende, wo sie nur Lieferverträge<lb/>
jetzt abgeschlossen haben. Ihre Aussenstellen in Graz, Linz, Salzburg<lb/>
und Klagenfurt haben sie aufgelöst. Das Personal von 200 auf 164<lb/>
das sind 17,2 % gekürzt. Die Investitionen, die von 1970–1973<lb/>
60–70 Mill. S pro Jahr betragen haben, wurden 1974 auf 19 Mio<lb/>
und heuer auf 10 Mill. S gekürzt. Der Umsatz mit 9,7 Mill. t<lb/>
pro Jahr ist derselbe Umsatz heuer wie 1972. Trotz dieser Ratio<lb break="no"/>nalisierung sind sie in roten Zahlen und dies wollte er mir sagen,<lb/>
weil ich immer grosses Verständnis auch für Agip gehabt habe.<lb/>
Natürlich nützte ich die Gelegenheit, um neuerdings diesen inter<lb break="no"/>nationalen Konzern mitzuteilen, dass es jetzt noch viel schlech<lb break="no"/>ter wird, wenn es nicht gelingt, eine gemeinsame Lösung für die Vor<lb break="no"/>ratslage und für das Preisproblem zu finden. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__130458">Vito</rs><lb/>
hat dies vollkommen eingesehen. Da auch ENI, die verstaatlichte<lb/>
Firma in Italien eine ähnliche Politik machen muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_14">Dir. <rs type="person" ref="#per__141827">Pfandler</rs> und <rs type="person" ref="#per__114511">Fritz Muliar</rs>, WDS-Film, wo <rs type="person" ref="#per__114511">Muliar</rs> scheinbar be<lb break="no"/>teiligt ist, urgieren das Filmförderungsgesetz. Mit <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> aber<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> und <rs type="person" ref="#per__140749">Wagner</rs> kommen wir überein, dass wir nur den<lb/>
kommerziellen Film fördern würden, was auch Dir. <rs type="person" ref="#per__141827">Pfandler</rs>, der<lb/>
gleichzeitig Fachgruppenobmann ist, bejaht. <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> wird jetzt<lb/>
inoffiziell unseren seinerzeitigen Entwurf mit <rs type="person" ref="#per__141827">Pfandler</rs> be<lb break="no"/>sprechen. <rs type="person" ref="#per__114511">Muliar</rs> ärgert sich insbesondere, dass im Fernsehen<lb/>
Filmproduzenten nur dann zum Zug kommen, wenn sie beim Produktions<lb break="no"/>verantwortlichen Dr. <rs type="person" ref="#per__141828">Scheib</rs> durch nicht ganz saubere Methoden,<lb/>
z.B. Aufträge für dessen Frau usw., sich beliebt mahnen. Auf den<lb/>
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weise in diese Problematik hineingezogen werden, da ich letzten<lb/>
Endes dafür auch überhaupt nicht verantwortlich bin.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_15">Im Klub wird eine Aufstellung der Ministerien und der Sekreta<lb break="no"/>riate verteilt, die typisch schlampig gearbeitet ist und voll<lb break="no"/>kommene Fehlinformationen enthält. Beim Handelsministerium wird<lb/>
nicht einmal der Handelsminister erwähnt, wie mich jemand anderer<lb/>
aufmerksam macht, mir ist es gar nicht aufgefallen, viel schlim<lb break="no"/>mer ist, dass dort auf vollkommen unerklärliche Weise <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> als<lb/>
Dr. und Kabinettchef bezeichnet wird. Auch bei den anderen Mini<lb break="no"/>stern wurde das Büro vollkommen falsch klassifiziert. Ich stelle<lb/>
daher sofort im Klub dies richtig und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint und wundert<lb/>
sich über meine Bescheidenheit, da ich erkläre, dass wir keinen<lb/>
Kabinettchef hatten und haben werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_16"><rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> berichtet, dass sich der Klubvorstand über das Problem der<lb/>
Immunität eingehend unterhalten hat und feststellt, dass das<lb/>
Immunitätsrecht nicht ein Recht des Abgeordneten ist, sondern des<lb/>
Parlamentes. Noch niemals wurde auf Wunsch eines Abgeordneten<lb/>
die Immunität aufgehoben und dies soll auch bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> so gelten.<lb/>
Bei der Diskussion über diese Aufhebung der Immunität im Plenum<lb/>
soll dann ein Untersuchungsausschuss von uns eingesetzt werden.<lb/>
Sollte es aber zu einer Erklärung von <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs> kommen und keine<lb/>
Klage erfolgen, dann würde auch kein Untersuchungsausschuss<lb/>
eingesetzt werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erörtert dann und begründet das<lb/>
erste Mal, warum er gegen <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs> eine so harte Sprache geführt<lb/>
hat. Nach <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Meinung, und darüber gibt es ja gar keine<lb/>
Zweifel, handelt es sich hier um politische Manöver, die letzten<lb/>
Endes die FPÖ so <choice><choice><sic>diskriminieren</sic><corr>diskreditieren</corr></choice></choice> sollen, dass eine Koalition mit<lb/>
ihr unmöglich ist. Jetzt hofft man von Seiten der ÖVP, und <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs><lb/>
ist ein prononcierter Mann dieser Partei, die FPÖ so zu ändern,<lb/>
dass ein eventueller liberaler Flügel so geschwächt wird, dass<lb/>
er nicht 1979 als Koalitionspartner der SPÖ in Frage käme, sondern<lb/>
nur mehr dann eine Koalition ÖVP-SPÖ übrigbliebe. <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs> hat<lb/>
bereits 1970, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitteilt, erklärt, er wird aufzeigen,<lb/>
wer aller Nazi in der Regierung sind, warum <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> nicht zum<lb/>
Tode verurteilt wurde und er wird der Welt zeigen, dass Öster<lb break="no"/>reich nicht durch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> rehabilitiert werden kann. <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesen<lb break="no"/>thal</rs> hat immer nur eventuelle Nazimitglieder hie uns aufgestöbert<lb/>
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zumindestens in der Öffentlichkeit gekümmert.Kreisky selbst wird<lb/>
ständig von einer Gruppe von Leuten auch im Ausland <choice><choice><sic>diskriminiert</sic><corr>diskreditiert</corr></choice></choice>.<lb/>
So hat man auch erzählt, er kümmert sich nicht um seinen Bruder,<lb/>
der betteln gehen muss. In Wirklichkeit unterstützt ihn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
seit Jahrzehnten. Um einen entsprechenden Eindruck zu erwecken, hat<lb/>
man dem Bruder erklärt, man möchte eine Filmvorführung machen,<lb/>
damit er sich wochenlang nicht den Bart rasiert und besonders<lb/>
verwahrlost aussieht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_17">Die ganze Angelegenheit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-<rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs> kam auch wieder einmal<lb/>
mehr bei unserer Bezirksausschuss-Sitzung zur Sprache. Es ist<lb/>
gar nicht so leicht, unsere Genossen davon zu überzeugen, dass<lb/>
es sich hier um ein politisches Manöver handelt. Sie stehen auf<lb/>
dem Standpunkt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat sein Wort verpfändet und müsste dies<lb/>
jetzt auch auf alle Fälle einhalten, d.h. dass er seine Immunität auf<lb break="no"/>heben lässt oder gegebenenfalls zurücklegen. Wieder einmal mehr<lb/>
hat sich für mich gezeigt, dass man äusserst vorsichtig sein muss<lb/>
mit entsprechenden Erklärungen in der Öffentlichkeit. Unsere besten<lb/>
Funktionäre sind nicht imstande, so schnell zu erkennen, ob es sich<lb/>
um taktische Manöver handelt oder sich um grosse Politik handelt<lb/>
und ob letzten Endes emotionell irgendetwas nur geäussert hat, das<lb/>
dann sehr schwer ist, auch tatsächlich durchzuführen. Da ich<lb/>
ja selbst auch nicht innerlich sehr überzeugt bin, dass der Weg<lb/>
sehr glücklich war, habe ich, obwohl ich mich sehr angestrengt<lb/>
habe, wahrscheinlich auch gar nicht die richtige Überzeugung unseren<lb/>
Funktionären geben können, dass dies der einzig richtige Weg war<lb/>
Die Autorität <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> ist Gott sei Dank in der Welt und auch in<lb/>
unserer Partei so stark, dass er selbst so verhältnismässig in der<lb/>
Öffentlichkeit und insbesondere vom Gegner hochgespielte Probleme<lb/>
ihm fast nichts anhaben können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-02_18">Die Personalvertretungswahlen gehen in manchen Dienststellen gut,<lb/>
in manchen Dienststellen sehr schlecht aus. Hier zeigt sich halt wieder<lb/>
deutlich, dass es auf die dort wirkenden Funktionäre ankommt. Im<lb/>
Handelsministerium hat unsere sozialistische Fraktion sehr gut abge<lb break="no"/>schnitten, wir konnten der ÖVP, d.h. dem ÖAAB und sogenannten christ<lb break="no"/>lichen Gewerkschaftern ein Mandat abnehmen. In Hinkunft steht es<lb/>
nicht 8:1, sondern 7:2 bei einem Stimmenanteil von 25 %,<lb/>
was ein gigantischer Erfolg ist. In der ehemaligen ZAE wurde nur ein<lb/>
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Schlecht abgeschnitten hat die Namensliste im Patentamt, dort verlor<lb/>
sie ein Mandat an die ÖVP, es war 3:3, 4:2 ist es jetzt. Im Zentral<lb break="no"/>ausschuss wird sich mit 3:1 bei 23 % Stimmenanteil nichts ändern.<lb/>
Ebenfalls ein sehr schöner Erfolg. Besonders schlecht haben wir<lb/>
bei den Schulen abgeschnitten, dies gilt insbesondere bei den<lb/>
Berufsschulen, aber auch Pflichtschulen. Dagegen soll es in den<lb/>
Mittelschulen besser gewesen sein. Ich glaube, dass das Verhalten<lb/>
von einigen Funktionären, ganz besonders aber manche Erklärungen,<lb/>
die Lehrer arbeiten zu wenig und so weiter, dazu beigetragen haben,<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> im Klub mit Recht feststellte. Ein wirklich katastrophales<lb/>
Ergebnis soll es bei der Polizei in Innsbruck gegeben haben. Dort<lb/>
ist der Polizeidirektor gleichzeitig Landtagsabgeordneten geworden<lb/>
und dies dürfte mit einer entsprechend schlechten Politik zu diesem<lb/>
Ergebnis geführt haben. Die anderen Polizei- und Gendarmeriedienst<lb break="no"/>stellen haben nämlich anders gewählt. Im Landesarbeitsamt Vorarlberg,<lb/>
wo wieder ein sehr tüchtiger Landtagsabgeordneter, <rs type="person" ref="#per__115703">Neururer</rs>, gleich<lb break="no"/>zeitig Leiter ist, gab es wieder einen ganz guten Erfolg. Für mich<lb/>
ist die ganze Personalvertretungswahl wieder mehr ein Beweis, dass<lb/>
es notwendig ist, gute Leute in diese Funktionen zu bringen, weil<lb/>
nur sie letzten Endes für einen Stimmengewinn garantieren können.<lb/>
Wenn es nämlich die angeblich so gegen die öffentlich Bediensteten<lb/>
schlechte Politik der Regierung gewesen wäre, dann müsste ein einheit<lb break="no"/>licher negativer Trend überall festzustellen sein. Dies ist aber<lb/>
Gott sei Dank nicht der Fall.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 2.12.1975</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 6. Ministerratssitzung, 2.12.1975</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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            <head>hs. Notiz Gehart betr. HM-relevante TOP, 29.11.1975</head>
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