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            <title type="main">Donnerstag, der 27. November 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_01">Donnerstag, 27. November 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_02">Sekretär <rs type="person" ref="#per__113818">Gehart</rs> von der Perlmooser berichtet mir, daß sie die Kirch<lb break="no"/>dorfer Zementfabrik gekauft haben, die auch ein Elektrizitätswerk<lb/>
beinhaltet. Da ein Versorgungsgebiet von 13.000 Anschlüssen daran<lb break="no"/>hängt, möchte die OKA dieses kaufen, gegebenenfalls aber sogar ver<lb break="no"/>staatlichen. Im OKA-Aufsichtsrat haben auch die Sozialisten dieser<lb/>
Idee von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__137372">Klimesch</rs> zugestimmt. <rs type="person" ref="#per__113818">Gehart</rs> wünscht eine Unter<lb break="no"/>stützung, wenn es so weit käme, denn er möchte und erwartet eine<lb/>
friedliche Lösung, d.h. einen normalen Verkauf. Da Perlmooser<lb/>
aber nur 40 % der Kirchdorfer besitzen und 9 private Gruppen<lb/>
noch daran beteiligt sind, wird die Verhandlung nicht leicht sein.<lb/>
Ich hoffe auch, daß es gelingt eine einvernehmliche Lösung zu er<lb break="no"/>zielen. Andererseits aber wäre es sehr interessant und für mich<lb/>
politisch eine gute Argumentation, wenn tatsächlich die schwarz<lb/>
geführte OKA das Verstaatlichungsgesetz anwenden würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_03">Abg. <rs type="person" ref="#per__97993">Steininger</rs> erzählt mir im Klub, daß sie in der Landesparteivor<lb break="no"/>standssitzung eine heftige Diskussion wegen der Strompreiserhöhung<lb/>
gehabt haben. Die OKA-Vertreter, LHStV. <rs type="person" ref="#per__114936">Hartl</rs> plädierten für einen<lb/>
höheren Prozentsatz als Andere als Konsumentenvertreter wollten.<lb/>
Was <rs type="person" ref="#per__97993">Steininger</rs> und wahrscheinlich viele, die es wissen aufregten,<lb/>
daß ehemaliger LHStV. <rs type="person" ref="#per__125380">Fridl</rs> 80.000 Schilling als Generaldirektor<lb break="no"/>stellvertreter bei der OKA bezieht, ein herrlich ruhiges Leben<lb/>
hat, mit einem Wort ein guter Versorgungsposten für ihn. Anderer<lb break="no"/>seits sehe ich aber nicht ein, warum ein gelernter Industriekauf<lb break="no"/>mann, der auch vorher, bevor er Politiker wurde, gearbeitet hat,<lb/>
nicht wieder eine ruhige Arbeit bekommen sollte. Das lustigste<lb/>
war, daß zum Schluß die Bemerkung fiel, was streitet ihr euch,<lb/>
der <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> setzt doch dann sowieso einen tieferen Preis auf<lb/>
alle Fälle fest.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_04">Der Vorstand des Verbandes der Elektrizitätswerke <rs type="person" ref="#per__137372">Klimesch</rs> kam<lb/>
nachmittags dann mit einem Dutzend Direktoren um die Preisanträge<lb/>
und Wünsche zu besprechen. Ich ließ ihnen einleitend gleich<lb/>
keinen Zweifel, daß wenn sie den Preisantrag positiv erledigt<lb/>
haben wollen, ich von ihnen erwarte, daß der Ausbau der Verbund<lb break="no"/>gesellschaft und Landesgesellschaften nicht nur koordiniert, sondern<lb/>
jetzt auch wie besprochen durchgeführt werden muß. Darin muß<lb/>
auch die endgültige Bezugsaufteilung von Voitsberg III geregelt<lb/>
<pb n="28-1383" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-11-27_1383.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>werden. Ich erwarte ganz besonders an die Adresse Steiermarks<lb/>
Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__114463">Altziebler</rs> von der STEWEAG gerichtet, daß sich auch diese<lb/>
Gesellschaft daran beteiligt. Außerdem muß eine Reorganisation<lb/>
deutlich sichtbar wie bei der letzten Strompreiserhöhung Enns an<lb/>
die Donau, jetzt durch Neuordnung der Atomkraftwerke erfolgen.<lb/>
Es entspannte sich eine lange Diskussion, in der die EVUs<lb/>
Direktoren erwarteten, daß ich mich so wie im Jänner l974, als<lb/>
ich die Kompetenz übernommen habe, mich für ein schnelles Ver<lb break="no"/>fahren entschließe. Ich erwiderte, daß dies sehr schwer sein wird<lb/>
weil jetzt ein ganz anderes Klima bei den Interessenvertretungen,<lb/>
ob bei Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund oder Handelskammer, Land<lb break="no"/>wirtschaftskammer vollkommen gleich herrscht. Die Polemik in den<lb/>
Zeitungen müßte für sie ein deutliches Zeichen sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_05">Im Bundesrat erklärt mir <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, daß er mit <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> vereinbart hat<lb/>
als erste Tranche 12–15 Millionen für die Textilorganisation Ost<lb/>
aus der Arbeitsmarktförderung zuzuschießen. Die weiters gewünschten<lb/>
2.7 Milliarden für Abfertigungen, die in den Abfertigungsrücklagen<lb/>
nicht gedeckt sind, lehnt <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> auf das entschiedenste ab. Am<lb/>
Nachmittag treffe ich <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> bei <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> im Spital und er will<lb/>
mir über die Aussprache berichten. Er ist sicherlich sehr erstaunt,<lb/>
daß ich bereits alle Details weiß und nimmt nur zur Kenntnis,<lb/>
daß auch die Aktionäre noch wesentliche Beiträge werden leisten<lb/>
müssen. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> verweist darauf, daß jetzt bereit die Aktionäre<lb/>
durch entsprechende Einschüsse und Aufkäufe von Konkursunterneh<lb break="no"/>mungen usw. einen großen Verlust erlitten haben. Er ist aber bereit<lb/>
zur Finalisierung, wenn die entsprechenden Berichte dann vorliegen,<lb/>
noch einen wesentlichen Beitrag zu leisten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_06">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Das Branchenreferat die bisherigen Leistungen<lb/>
der Aktionäre zusammenstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_07">Bei der Eröffnung von Unilever hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> anstelle von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
eine sehr humorvolle und geschickte Ansprache gehalten. Natürlich<lb/>
konnte ich darauf entsprechend replizieren. Auch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> als Präsident<lb/>
des Nationalrates, dort allerdings als Gewerkschaftsbundpräsident,<lb/>
hatte laut Protokoll das letzte Wort. Die Triple-Conference würde<lb/>
ich fast sagen ging um sehr ernste Probleme, wenn auch humorvoll<lb/>
vorgetragen und diskutiert. Sind Multinationale gut oder böse,<lb/>
<pb n="28-1384" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-11-27_1384.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sollen Unternehmer Gewinn machen, ist es Aufgabe der Gewerk<lb break="no"/>schaften auch dafür zu sorgen. Vollkommene Übereinstimmung<lb/>
herrschte darüber, daß in qualitativer Hinsicht auch die<lb/>
Gewinnchancen der Unternehmer für die Gewerkschaft von Bedeutung<lb/>
sind. Multinationale sind weder schlecht noch gut, sondern<lb/>
wenn starke Gewerkschaften existieren können sie nicht über die<lb/>
Stränge schlagen. Natürlich sollen Unternehmer Gewinne machen,<lb/>
es kommt immer nur eben auf die Quantität an. Die Multinationalen<lb/>
wurden seinerzeit wahrscheinlich wirklich gegründet um in anderen<lb/>
Nationen günstige Ausbeutung sei es von Material und Rohstoffen,<lb/>
sei es von Arbeitskräften, durchzuführen und besondere Profite<lb/>
zu erreichen. Wenn dies nicht mehr möglich war, haben sie sich<lb/>
sofort in ihre nationale Produktion zurückgezogen. Dies mag in<lb/>
der Zeit der Entstehung der Multinationalen oder vielleicht sogar<lb/>
noch um die Jahrhundertwende und in den 30er-Jahren üblich<lb/>
gewesen sein. Heute ist es sicherlich anders.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_08">Die Fabrik ist mit 450 Millionen Schilling Investitionen sehr groß<lb break="no"/>zügig angelegt. Für 400 produktive Arbeiter bedeutet dies fast<lb/>
1 Million Schilling pro Arbeitsplatz. Der Unilever-Konzern der mit<lb/>
fast 3.800 Beschäftigten 4 Milliarden Schilling Umsatz macht,<lb/>
macht auch pro Beschäftigten ca. 1 Million Schilling Umsatz. Da<lb break="no"/>raus ersieht man schon die irrsinnige Kapitalintensivität. Bei<lb/>
der Besichtigung konnte ich dann feststellen, daß Waschpulver in<lb/>
Haushaltspackung, also fast in kleinsten Einheiten für Nigeria<lb/>
abgefüllt wurde. Tatsächlich ist der Produktionsbetrieb für den<lb/>
österreichischen Bedarf zu groß und muß deshalb 1/3 exportieren.<lb/>
Die Zuwachsraten waren bis zum Jahre 1975 ca. 3–4 % pro Jahr. Im<lb/>
heurigen Jahr ist ein minus von 10 % zu verzeichnen. Ich kann mir<lb/>
dies nur so erklären, daß der technische Bedarf so zurückgegangen<lb/>
ist und daher dort die Umsatzschrumpfung eintrat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_09">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte laß dies genau feststellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_10">Präs. <rs type="person" ref="#per__107940">Dittrich</rs> von der Wiener Handelskammer wollte sich unbedingt<lb/>
vorstellen kommen. Natürlich besprach ich sofort mit ihm was er<lb/>
zu der Studie von <rs type="person" ref="#per__141837">Lethmayer</rs> sagte, wo das Ministerium einen größeren<lb/>
Betrag zuschießen soll, um zu ergründen ob Hotelneubauten in<lb/>
Moskau möglich sind. <rs type="person" ref="#per__107940">Dittrich</rs> bestätigte mir, daß er keine<lb/>
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der Bauindustrie haben mir dann auch die beteiligten Bau<lb break="no"/>unternehmer, ja selbst alle dort Anwesenden gesagt, daß sie keine<lb/>
Chance mehr sehen dieses Geschäft zu bekommen. Die Sowjets<lb/>
zahlen zwar 30.000 Rubel pro Bett, aber die Preisbasis 1974, die<lb/>
durch keine Gleitung bis 1980 abgesichert ist, stellt ein unge<lb break="no"/>heures Risiko dar. Auch die Zinsdifferenz, die Russen wollen nur<lb/>
7 % anerkennen, 9 % müssen aber bezahlt werden, ist im Preis nicht<lb/>
drinnen. Mit Recht sagen deshalb die 4 beteiligten Firmen,<lb/>
Unilever, Porr, Neue Reform und Hofmann-Maculan, Geld können sie<lb/>
auch im Inland verlieren, da brauchen sie es nicht nach Moskau<lb/>
tragen. Die Franzosen haben 3.600 Betten, also dieselbe Größe<lb/>
die auch uns reserviert wäre, abgeschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_11">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Das Branchenreferat soll bei der Erhebung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__141837">Lethmayer</rs> nicht eine Hoffnung machen.<lb/>
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Kleinkreditaktionen, wo die Gemeinde Wien ca. 2 Millionen, die<lb/>
Handelskammer Wien 2 Millionen und der Bund 2 Millionen gibt,<lb/>
aufstocken könnte. Im Prinzip sagte ich, daß eine Möglichkeit<lb/>
besteht, denn wir werden im heurigen Budget zu den 12.3 Millionen<lb/>
die vorgesehen sind, noch ca. 3 Millionen zuschießen, Ich rief<lb/>
sofort <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, der die Details mit <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> besprechen wird.<lb/>
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Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs>, aber auch mit der WIBEBA engstes Einvernehmen<lb/>
hält, weil er entsprechende Möglichkeiten der Ansiedlung resp.<lb/>
Umsiedlung von kleineren Gewerbetreibenden in Wien erreichen<lb/>
möchte. Er sieht auch in der Absiedlung von Wiener Gewerbetrieben<lb/>
nach NÖ und andere umliegende Ortschaften eine große Gefahr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107940">Dittrich</rs> wird als Präsident der Wiener Handelskammer wesentlich<lb/>
aktiver sein, als seine Vorgänger.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_14">Exekutivdirektor <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, <rs type="person" ref="#per__123367">Hladik</rs>, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
und mir sehr offen über die internationale Energieagentur und<lb/>
die österreichischen Probleme gesprochen. Er hatte Vormittag eine<lb/>
Gelegenheit mit 40 Experten von Österreich auch sehr hart zu<lb/>
diskutieren. Was ihn erschüttert hat war, daß er den Eindruck<lb/>
hatte, es fehle teilweise in Österreich schon der politische Wille<lb/>
d.h. die Bereitschaft in der internationalen Energieagentur so<lb/>
mitzuarbeiten, wie eigentlich von Mitgliedern erwartet wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_15"><rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> meinte, dies sei nur bei <rs type="person" ref="#per__140493">Romig</rs> von der ÖMV mit seinem<lb/>
negativen Beitrag möglich zu vermuten. Ich selbst bin dieser<lb/>
Ansicht sofort entgegengetreten, denn das wäre wirklich ver<lb break="no"/>heerend, wenn man in Paris in der Exekutive den Eindruck hätte,<lb/>
Österreich hat nicht objektive Schwierigkeiten, sondern hat<lb/>
subjektive Abneigung gegen die Intensionen des Abkommens. <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs><lb/>
hat zugegeben, daß wir personelle Schwierigkeiten haben und dies<lb/>
auch für andere kleine Länder, wenn auch nicht so stark für<lb/>
Dänemark, Schweden und Schweiz zutrifft. Die großen Mitglieds<lb break="no"/>länder haben ja gigantische Bürokratien auf diesem Gebiet.<lb/>
Großbritannien 10.000, Amerika 2.000 und selbst in Deutschland<lb/>
kennt <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs> die Situation genau und hat dort allein im Wirt<lb break="no"/>schaftsministerium von wo er kommt, 70 Akademiker zur Verfügung ge<lb break="no"/>habt. <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs> meint was funktionieren muß, ist das Informations<lb break="no"/>system im Notstandsfall und die Verpflichtungen die für den Notstands<lb break="no"/>fall übernommen wurden. Österreich ist glaube ich jetzt<lb/>
das einzige Land, was noch in Verzug ist. Das Informationssystem<lb/>
sonst insbesondere für die langfristige Politik, kann eine generelle<lb/>
Verzögerung ohne weiteres aushalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_16">Die internationale Energieagentur hat derzeit 44 Akademiker, in<lb/>
Summe 100 Beschäftigte und wird eine Forschungsabteilung jetzt<lb/>
noch mit 7 Akademikern aufbauen. Bis jetzt ist kein einziger Öster<lb break="no"/>reicher in Paris. <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs> macht Zeitkontrakte von 3 Jahren zu den<lb/>
Japanern von 4 Jahren und nimmt die Leute meistens aus den Regierungs<lb break="no"/>stellen, damit sie nach Zeitablauf dorthin wieder zurückkehren<lb/>
können. Er glaubt, daß schon auch für Österreich eine Möglichkeit<lb/>
besteht, jemanden dort unterzubringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_17">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs> und <rs type="person" ref="#per__107937">FRANK</rs>: Trotz unserer Personalschwierigkeit<lb/>
sollten wir versuchen tüchtige 1–2 Personen <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs> zu offerieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_18">Derzeit hat die Energieagentur einen Notstandsstab, darüber für<lb/>
die langfristige Analyse des Weltmarktes und auch für die Energie<lb break="no"/>politik und langfristiges Programm für Energieressourcen ausgenommen<lb/>
Öl und Gas. Eine eigene Abteilung besteht dann für Erdölmarkt und<lb/>
Gas und die Beziehungen zu den Förderländern. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> erklärte, daß<lb/>
wir insbesondere daran interessiert seien, an den Sicherheitsfor<lb break="no"/>schungen für Atomenergie und an der Abfallbeseitigung. Diese ist<lb/>
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niemand wie es weitergehen soll. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> meinte auch, daß in der<lb/>
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Informationen dringendst benötigen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> steckt wie ich auch<lb/>
abends bei der Vorsprache der Elektrizitätswerke feststellen konnte,<lb/>
in einem richtigen Dilemma. Auf der einen Seite möchte er zusätz<lb break="no"/>liche Informationen, weil er mit Recht feststellt, daß er dort<lb/>
oder da nicht alles weiß und letzten Endes Entscheidungen treffen<lb/>
muß, ohne eben gründlichst vorbereitet zu sein. Auf der anderen<lb/>
Seite aber hat er für die Aufarbeitung dieses Materials nicht ge<lb break="no"/>nügend Leute und wird wahrscheinlich auch nie so viele bekommen<lb/>
können, um die gründliche Arbeit, die ihm vorschwebt, zu leisten.<lb/>
Den einzigen Ausweg sehe ich darin, daß er eben Vorarbeiten,<lb/>
sei es von internationalen Stellen, sei es von österreichischen<lb/>
Stellen oder vielleicht sogar Firmen machen läßt. Diese liefern<lb/>
ihm aber entweder die Unterlagen unvollständig oder zu spät.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_19">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Wie kommt <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und damit auch wir<lb/>
aus diesem Dilemma heraus, ohne große Personaländerung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_20"><rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hat mir vorgeschlagen, daß ich mich nicht mehr an der<lb/>
Strumpfhosensitzung beteiligen soll, da er mit der Handelskammer<lb/>
nur mehr Details besprechen möchte. Er ist auch jetzt zu der Über<lb break="no"/>zeugung gekommen, daß ich die Strumpfhosenverordnung nach der<lb/>
Konsultation der EG und dem Gemischten Ausschuß unbedingt unter<lb break="no"/>fertigen muß. Wenn ich dies nämlich nicht machen würde, müßte<lb/>
bei den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel der Eindruck ent<lb break="no"/>stehen, man muß Österreich nur irgendwie zu verstehen geben, daß<lb/>
dies ein unfreundlicher Akt ist und schon ziehen sie selbst<lb/>
berechtigte Wünsche zurück. Da ich ja seit eh und je dazu ent<lb break="no"/>schlossen war, wenn die Interessenvertretungen eine Überein<lb break="no"/>stimmung erreichen, dann tatsächlich die Verordnung zu erlassen,<lb/>
ergibt sich für mich keine neue Situation. Ich war mir nämlich<lb/>
von allen Anfang an klar, daß wir das formelle Verfahren in den<lb/>
internationalen Organen einhalten werden und einhalten müssen,<lb/>
ich aber dann doch im Interesse der österreichischen Strumpfhosen<lb break="no"/>betriebe und vor allem der dort Beschäftigten, selbst eine unwirk<lb break="no"/>same Maßnahme wie die Mindestpreisverordnung erlassen werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_21">Botschafter <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs>, der übrigens behauptet er hat bei mir keinen<lb/>
Termin zeitgerecht bekommen und mußte deshalb schon mit Bundes<lb break="no"/>kanzler <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die Probleme sprechen, erzählte mir auch<lb/>
nichts anderes, als was wir schon wußten, oder zumindestens, wie ich<lb/>
<pb n="28-1388" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-11-27_1388.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hoffe, unsere Abteilungen wissen. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> war anwesend und hat<lb/>
zumindestens keine gegenteilige Bemerkung gemacht. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> be<lb break="no"/>richtet, daß jetzt endlich die Verhandlung mit der Simmering-<lb/>
Graz-Pauker über Lokomotivlieferung auch von 3.000 PS erfolgen<lb/>
soll. Die SGP könnte auch Zisternen liefern gegen Heizöl. Eine<lb/>
Möglichkeit ergibt sich auch Metrozüge die Polen braucht und die<lb/>
angeblich in Wien sehr gefallen haben, zu verhandeln. Plasser &amp;<lb/>
Theurer wird 130 Maschinen à 5 Millionen Schilling liefern können.<lb/>
Mit der ÖMV soll ein Petrolkoksabkommen geschlossen werden, wo<lb/>
die VÖEST dafür 1.5 Milliarden Schilling Investitionen liefern<lb/>
könnte. Steyr-Daimler-Puch hat auch eine Chance jetzt für 50.000<lb/>
Fahrräder ein Offert abzugeben. Außer dem Konsumkredit soll jetzt<lb/>
noch eine Paketlösung, die <rs type="person" ref="#per__140706">Hrynkiewicz</rs> vorgeschlagen hat als ich<lb/>
in Polen war von 50–100 Millionen Dollar möglich sein. Konkret<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> dann neuerdings festgestellt, daß das Anker 2.500 Kassen<lb/>
Lieferungsgeschäft noch immer nicht endgültig abgeschlossen ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> konnte darauf nur feststellen, was auch ich ihm bestätigen<lb/>
mußte, daß sich der Direktor bei allen schon bedankt hat, daß<lb/>
jetzt endlich dieses Geschäft zur Auslieferung kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_22">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte stelle fest, was hier wirklich los ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_23"><rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> kam in Wirklichkeit, um für <rs type="person" ref="#per__140706">Hrynkiewicz</rs>, der die technisch<lb/>
polnischen Wochen eröffnet, wo auch ich anwesend sein werde, dann<lb/>
das weitere Programm zu besprechen. Ich bot ihm sofort einen Opern<lb break="no"/>besuch an, den er ablehnte weil an dem Abend die Handelskammer<lb/>
einen Heurigenbesuch macht und selbstverständlich ein Mittagessen.<lb/>
Auch ein neuer Minister für Kohle der von der VÖEST Alpine Berg<lb break="no"/>baumaschinen kaufen will, wird nach Österreich kommen. Ich habe<lb/>
mich auch für ihn selbstverständlich sofort zur Verfügung gestellt<lb/>
und ein weiteres Essen offeriert. Das Traurige bei diesen ganzen<lb/>
Besuchen ist, daß die Bürokratie versteht zu verhindern, daß<lb/>
diese Minister Samstag oder Sonntag kommen, wo ich wesentlich<lb/>
mehr Zeit hätte mich ihnen zu widmen. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> hat ganz offen erklärt,<lb/>
wenn er am Samstag oder Sonntag einen Empfang geben würde, ist er<lb/>
überzeugt, daß niemand kommen würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_24">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Vielleicht kann man doch im Laufe der<lb/>
Monate mit den Botschaftern Lösungen finden, wo die Wochenenden<lb/>
zur Ministerbetreuung zur Verfügung stehen würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_25">Beim Empfang des Fachverbandes der Bauindustrie im Hotel<lb/>
Hilton waren höchstens an die 40 Personen. Dies ist nicht<lb/>
zu verwundern, denn der ganze Fachverband der wie mir dort<lb/>
übereinstimmend versichert wurde, nur durch meine Initiative<lb/>
und Unterstützung zustande kam, umfaßt nur 42 Unternehmungen.<lb/>
Diese allerdings haben 22 Milliarden Schilling Bauaufträge,<lb/>
d.h. die Hälfte des gesamten Bauvolumens. Anwesend war auch der<lb/>
neue Obmann der Sektion Gewerbe und gleichzeitiger Obmann des<lb/>
Baumgewerbes <rs type="person" ref="#per__140050">Molzer</rs>. Wir unterhielten uns mit einem größeren Kreis<lb/>
von Bauindustriellen und ihm über die Wirtschaftslage. Die Bau<lb break="no"/>unternehmer erwarten, daß frühestens in 1 – 1 1/2 Jahren ihre<lb/>
Konjunktur wieder beginnt. Selbst wenn 1976 ein Konjunkturaufschwung<lb/>
ist, dauert es infolge der Ausschreibung und Zuschläge usw.<lb/>
lange bis endlich dann auch sie den Konjunkturaufschwung spüren.<lb/>
Die großen Industrieunternehmungen haben derzeit keine Aufträge<lb/>
zu vergeben. Da auch die Wohnbauten sehr zurückgegangen sind,<lb/>
leidet die Bauindustrie, außer eben die großen öffentlichen<lb/>
Infrastrukturaufträge unter einem irrsinnigen Arbeitsmangel.<lb/>
Mein Hinweis, daß wir in der BÜRGES-Aktion große Aufträge jetzt<lb/>
vergeben, daß dort noch niemals so viele Ansuchen kamen und<lb/>
letzten Endes auch zugeschlagen wurde, wird rundweg erklärt, geht<lb/>
meistens in den Pfusch. Meine Hoffnung, daß wir z.B. heuer anstelle<lb/>
der 150 Millionen ERP, 560 Millionen vergeben haben und dies für<lb/>
die kleinen örtlichen Bauunternehmer von Bedeutung ist, weil es<lb/>
sich um Fremdenverkehrsbetriebe handelt, die letzten Endes die<lb/>
Aufträge geben werden, wird erklärt, belebt nur den Baustoffhandel<lb/>
resp. Produktion. Der größte Teil davon wird in Pfusch geleistet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140050">Molzer</rs> selbst hat zugegeben, daß die Baumeister selbst daran<lb/>
schuld sind, da sie ihre Konzessionstafel zur Verfügung stellen.<lb/>
Ein Aufschwung in der Bauwirtschaft bin ich überzeugt, wird tat<lb break="no"/>sächlich erst kommen, bis wieder die Industrie mit größeren Bau<lb break="no"/>aufträgen bei einem zu erwartenden oder abzuzeichnenden Konjunktur<lb break="no"/>aufschwung Aufträge vergibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-27_26">Die Großwohngemeinschaften von Kaplan <rs type="person" ref="#per__140362">Pöschl</rs> der diese schon<lb/>
in meiner Arbeiterkammerzeit gründete, sind jetzt auf 7 angewachsen.<lb/>
Die Letzte besuchte ich, dort waren ca. 20 Mädchen. Insgesamt hat er<lb/>
160 Mädchen jetzt so untergebracht. Die letzte Wohnung kostet ihm<lb/>
zum adaptieren 700.000 Schilling. Was sich die Mädchen dort wünschten<lb/>
war ein Fernsehapparat. Da mir klar ist, daß ich nicht einen nur<lb/>
<pb n="28-1390" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-11-27_1390.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zur Verfügung stellen konnte, habe ich <rs type="person" ref="#per__140362">Pöschl</rs> vorgeschlagen,<lb/>
wir werden uns mit dem Fachverband für Elektroindustrie, <rs type="person" ref="#per__97396">Dolinay</rs><lb/>
in Verbindung setzen und sehen, daß eventuell alte, auch Schwarz-<lb/>
Weiß-Fernseher in alle 7 Wohngemeinschaften gegeben werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat es übernommen mit <rs type="person" ref="#per__97396">Dolinay</rs> zu sprechen. Sollte es aller<lb break="no"/>dings Schwierigkeiten geben, dann bin ich fest entschlossen, dies<lb/>
aus meinem Budget irgendwo billigst anzukaufen und den Wohngemein<lb break="no"/>schaften zu geben. <rs type="person" ref="#per__126887">Roden</rs> von der Arbeiterkammer, der die Lehr<lb break="no"/>lingsheime verwaltet war ebenfalls anwesend und bestätigt mir<lb/>
immer wieder, daß diese Art der Fürsorge für diese 160 Mädchen<lb/>
eine wesentlich billigere ist als wenn man irgendwo ein großes<lb/>
Mädchenheim bauen würde. Die Initiative von Kaplan <rs type="person" ref="#per__140362">Pöschl</rs><lb/>
hat mir schon immer imponiert.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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