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            <title type="main">Dienstag, der 11. November 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_01">Dienstag, 11. November 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_02">Im Klub referierte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über die Wirtschaftslage und ganz besonders<lb/>
über seine Finanzgesetze. Interessant war nur, daß, obwohl er über<lb/>
10 Minuten für die Diskussion mehr zur Verfügung hatte sich kein<lb/>
einziger meldete. Die Geschlossenheit des Klubs ist unwahrscheinlich<lb/>
und im Vergleich zur ÖVP traumhaft. Er kündigte seine Steuer- und<lb/>
Tarifmaßnahmen an, die in einem ÖVP Gremium wahrscheinlich die<lb/>
heftigsten Diskussionen ausgelöst hätte, bei uns werden sie einfach<lb/>
hingenommen. Der Vorteil einer gewinnenden Partei und ein Wahlsieg<lb/>
sind so bedeutend, daß Maßnahmen vorgeschlagen werden können, die<lb/>
trotzdem von allen akzeptiert werden, die bei einer Niederlage nicht<lb/>
möglich wären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_03">Ich hatte durch einen reinen Zufall mit <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> eine Diskussion nach<lb/>
der Debatte über die Regierungserklärung. Bei dieser hatte ich fest<lb break="no"/>gestellt, daß <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> genau der robuste Politiker ist, der durch ge<lb break="no"/>schickte Formulierungen nun einige gute Gags zeigt, wie man Opposi<lb break="no"/>tionsreden hält, ich glaube sogar bei den Leuten gut ankommt und<lb/>
auf alle Fälle dokumentiert, wie auf lange Sicht Politik gemacht<lb/>
wird, ohne daß man daran persönlich zugrunde geht. Ganz anders<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs>, der bestrebt ist, eine hochgestochene dialogisch verbrämte<lb/>
Rede zu halten. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> bestätigte mir, daß er auch der Meinung ist,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> für das Geschäft des Parteiobmanns zu sensibel ist.<lb/>
Allerdings muss man bei <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> vorsichtig sein, weil er scheinbar doch<lb/>
auch Hoffnungen gemacht hat, sich in seiner jetzigen Position als<lb/>
Klubobmann doch auch gewissermaßen bedroht fühlte und deshalb,<lb/>
selbst wenn er sich noch so bemühte, dadurch nicht vollkommen objektiv<lb/>
sein kann. Richtig war nur seine Analyse, daß <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> als bisheriger<lb/>
Denker einen anderen Stil entwickelte, als er als Parteiführer<lb/>
braucht. Dort hatte er die Gelegenheit doch sehr autokratisch<lb/>
zu regieren, jetzt geht dies nicht mehr. Dort hatte er die Bitt<lb break="no"/>steller, die von ihm einen Kredit wollten, sich mit ihm gutstellen<lb/>
mußten, jetzt hat er Fordernde, die von ihm das und jenes erwarten.<lb/>
Dort konnte er einfach entscheiden aufgrund vorliegender Prüfungs<lb break="no"/>berichte, ja oder nein, jetzt muß er bei jeder Entscheidung auf<lb/>
dutzende Probleme Rücksicht nehmen und die Umstellung muß für <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs><lb/>
ungeheuerlich gewesen sein. Am Anfang als er am Parteitag hochge<lb break="no"/>jubelt durch die Presse und getragen von einer einmaligen Einigkeit<lb/>
der Partei, nach außen hin zumindestens euphorisch in Erscheinung<lb/>
trat und seinen jetzigen Auftreten, zeigt klar und deutlich, welch<lb/>
<pb n="28-1291" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-11-11_1291.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gigantischer Unterschied hier besteht. Einmal mehr habe ich wieder<lb/>
bestätigt bekommen, wie Politik ein hartes Geschäft ist, das halt<lb/>
auch gemacht werden muß, sich aber sicherlich in keiner Beziehung<lb/>
lohnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_04">Mit <rs type="person" ref="#per__134236">Kokail</rs>, dies ist der Vertreter der Bergarbeiter, und <rs type="person" ref="#per__114677">Schlager</rs><lb/>
besprach ich die weitere Vorgangsweise bei der Bergbauförderung.<lb/>
Ich erklärte ihnen rundweg, daß ich keine Möglichkeit sehe das<lb/>
steigende Defizit von Fohnsdorf durch die Bergbauförderung zu<lb/>
tragen. Nicht zuletzt durch die Aufschließung von Köflach für<lb/>
Voitsberg III werden ungeheure Mittel, auch der Bergbauförderung gebun<lb break="no"/>den sein. Der Nachfolger von Nationalrat, <rs type="person" ref="#per__97805">Pay</rs>, der jetzt Bürgermeister<lb/>
von Köflach ist, nämlich Nationalrat <rs type="person" ref="#per__140426">Modl</rs> hat mich bereits<lb/>
interpelliert, daß wir ja nicht die zugesagte Aufschließung raus<lb break="no"/>zögern, oder gar vielleicht nicht durchführen. Ich sehe deshalb<lb/>
keine Möglichkeit Fohnsdorf weiter zu finanzieren und meinte dass<lb/>
man sich zeitgerecht in den dafür zustehenden Organen mit der<lb/>
Schließung Fohnsdorf befassen müsse. <rs type="person" ref="#per__134236">Kokail</rs> und <rs type="person" ref="#per__114677">Schlager</rs> waren<lb/>
sehr überrascht und meinten genau das Gegenteil geschieht jetzt;<lb/>
es werden nämlich Arbeiter in Fohnsdorf neu eingestellt. Ich rief<lb/>
sofort <rs type="person" ref="#per__132462">Juvancic</rs>, den Vorstandsdirektor von der GKB, an und er bestä<lb break="no"/>tigte tatsächlich, daß für Arbeiter, die entlassen werden mußten,<lb/>
weil sie blau machten oder sonstige Tachinierer waren, immer wieder<lb/>
Ersatzkräfte eingestellt werden. Er wollte mir erklären, daß es<lb/>
sich hier um Schlüsselpositionen handelt, die unbedingt besetzt<lb/>
werden müssen. Ich erwiderte sofort, daß wenn eine Schlüssel<lb break="no"/>position mit einem Tachinierer besetzt war, dann kann es keine<lb/>
Schlüsselposition gewesen sein, denn ansonsten hätte der Betrieb ja<lb/>
zugrunde gehen müssen. <rs type="person" ref="#per__132462">Juvancic</rs> meinte, daß der Vorstandsbe<lb break="no"/>schluß durch einen Aufsichtsratsauftrag und insbesondere durch die<lb/>
VÖEST-Alpine und ÖIAG so lautet, daß 1978 der Zuschnitt, wie er<lb/>
sich ausdrückte, erfolgt. Hier sagte <rs type="person" ref="#per__134236">Kokail</rs> mit Recht, und 1979<lb/>
haben wir Wahlen. Wenn tatsächlich dieses Problem solange hinaus<lb break="no"/>geschoben wird, dann befürchte ich, daß wieder eine unmögliche<lb/>
Situation entsteht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_05">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Was weiß <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> über diese Entwicklung?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_06">In der Beiratssitzung über die Richtpreise und Mindestpreise für<lb/>
Strumpfhosen gelang zu meiner Überraschung tatsächlich ein Kompromiß<lb/>
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Handelskammer, wurde ein einvernehmlicher Preis mit 5.10 Schilling<lb/>
festgelegt. Für die Verpackung, ob Einser oder Dreier<add>[?]</add>, 70 Groschen<lb/>
und für den Zwickel weitere 70 Groschen. Damit habe ich die innere<lb/>
politische Diskussion weg. Jetzt bleibt nur mehr, wenn die Ver<lb break="no"/>ordnung erlassen ist, die schwierige Auseinandersetzung mit den<lb/>
internationalen Behörden, insbesondere GATT.<lb/>
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der Außenhandelssektion die einwandfreiste Begründung gemeinsam<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_08">Da ich mir vorgenommen hatte die Ausschüsse auf Grund des Konsumenten<lb break="no"/>forums und Beirats persönlich zu konstituieren, bin ich auch zu den<lb/>
in den Konsumentenschutz, den <rs type="person" ref="#per__97843">Eva Preiß</rs> führt, gegangen. Hier be<lb break="no"/>stätigte sich für mich wieder einmal, wie sehr es abhängt wer einen<lb/>
solchen Ausschuß führt. Bei Präsident <rs type="person" ref="#per__97923">Schnell</rs>, Konsumentenerziehung,<lb/>
haben sich wesentlich mehr Leute gemeldet gehabt, weil eben viele<lb/>
vom Präsidenten des Stadtschulrates etwas wollten und daher mit ihm<lb/>
zusammenarbeiten, oder zumindestens in seiner Nähe arbeiten wollen.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__97843">Eva Preiß</rs> "nur" die Obmännin des Vereins für Konsumenteninfor<lb break="no"/>mation ist, war das Interesse dort wesentlich geringer. Trotzdem<lb/>
bin ich überzeugt, daß auch hier sehr gute Arbeit geleistet werden<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_09">Gestern hatte ich mir noch Gedanken gemacht, wie es mit der Diskussion<lb/>
über die Regierungserklärung, die sicherlich bis um 9 Uhr dauern<lb/>
würde, bei der Vorstellung, wenn sich die Minister einschalten,<lb/>
funktionieren sollte. Es kam für mich auch ganz unerwartet ganz<lb/>
anders. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> der nach der ersten Runde replizieren wollte, hat<lb/>
heute sich entschlossen überhaupt nicht zu reden. Hätte <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> mich<lb/>
nicht ausdrücklich zitiert und provoziert, hätte ich auch gar keinen<lb/>
Grund gehabt mich zu melden. Nicht nur weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gestern meinte,<lb/>
auf Angriffe sollten die Minister sofort antworten, sondern weil der<lb/>
nächste sozialistische Redner <rs type="person" ref="#per__141657">Kittl</rs>, obwohl ich ihm vorschlug, mir<lb/>
alle Unterlagen zu geben, nicht bereit war auch nur auf seinen<lb/>
Vorredner <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> einzugehen, habe ich mich entschlossen dann<lb/>
selbst mich zu melden. Mein Prinzip war und dabei möchte ich bleiben,<lb/>
wenn ich angegriffen werde, mich auf alle Fälle selbst zu wehren.<lb/>
Denn wie <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> dabei auf meine Zwischenrufe, die ich zuerst machte,<lb/>
überhaupt nicht einging, blieb mir keine andere Wahl als mich eben<lb/>
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allerdings sehr zahm. Dabei konnte ich feststellen, wie innerhalb<lb/>
der ÖVP er sich förmlich nachher entschuldigen mußte, weil er<lb/>
dadurch die Sitzung ein wenig verlängerte. Wenn die Opposition,<lb/>
obwohl am nächsten Tag noch eine Sitzung stattfindet, schon jetzt<lb/>
mit der Zeit so knausert, dann kann ich nur sagen, wird sie sich<lb/>
in den nächsten 4 Jahren sehr hart tun. Als wir in der Oppositions<lb break="no"/>zeit waren, hat in einem solchen Fall niemand, oder vielleicht sich<lb/>
wirklich höchsten Einzelne aufgeregt, daß es dann länger dauert,<lb/>
sondern alle waren wir erfüllt von der Absicht, man kann die Re<lb break="no"/>gierung gar nicht genug und lange attackieren. Auch hier zeigt sich<lb/>
für mich klar und deutlich der große Unterschied zwischen den beiden<lb/>
Parteien.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-11_10">Spät abends kam <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>, um sich glaube ich mit Recht darüber aufzu<lb break="no"/>regen, daß <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> bezüglich der Ausschreibung den Wunsch der Per<lb break="no"/>sonalvertretung mitzureden, dahingehend lenkt, daß er die Schuld,<lb/>
daß es noch zu keiner Ausschreibung gekommen ist, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> resp. mir<lb/>
in die Schuhe schieben möchte. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> meint, er hätte ihm seinerzeit<lb/>
darauf aufmerksam gemacht, was eigentlich jetzt mit den Ausschrei<lb break="no"/>bungen sei, bei dieser Gelegenheit erfahren, daß <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> ernstlich<lb/>
geglaubt habe, er könne dies allein machen und jetzt in einen Akten<lb break="no"/>vermerk feststellen muß, daß <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> sagt, der Minister hätte dies<lb/>
und jenes verlangt. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> meinte, er hätte ihm nur seine Meinung<lb/>
gesagt und <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> legt das jetzt so aus, als wenn es meine gewesen<lb/>
wäre. Wenn auch <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> natürlich sich jetzt reinwaschen will, so ist<lb/>
für mich erfreulich, daß er annimmt, alles was <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> sagt, sagt er<lb/>
im Namen des Ministers und gilt daher als Ministerwort. Genau dies<lb/>
erklärte ich <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> ist die Politik, die uns seinerzeit, als wir<lb/>
ins Ministerium gekommen sind, stark gemacht hat und zu der wir wie<lb break="no"/>der zurückkehren müssen. Wenn es den Beamten des Hauses in den Kram<lb/>
paßt, werden sie immer wieder erklären, das Büro hat ihnen das<lb/>
oder jenes gesagt und das haben sie angenommen, ist die Meinung<lb/>
des Ministers. Was wir verhindern müssen, und scheinbar kommt das<lb/>
jetzt schön langsam wieder, ist, daß in wichtigen Fragen selbst<lb break="no"/>ständig ohne Rücksprache mit dem Büro oder gar wie <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> sagt in<lb/>
diesem Fall gegen die Meinung von ihm, Abteilungen handeln und<lb/>
entscheiden. In der Ausschreibung haben wir noch Zeit, auch dann<lb/>
wenn die Personalvertretung meint, wir hätten schon 3 Monate vorher<lb/>
entscheiden können, sehe ich dazu im konkreten Fall vor Durchführung<lb/>
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            <head>hs. Notiz (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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