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            <title type="main">Montag, der 10. November 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_01">Montag, 10. November 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_02">Beim Jour fixe sagte ich <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass die Aufsichtsbeschwerde<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__141054">Osberger</rs> über Absetzung von ihm und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> von mir sehr formell<lb/>
erledigt wurde. In dem Begleitbrief an die Handelskammer, wo ich<lb/>
diese kurze Entscheidung mitteilte, erwähnte ich aber handschriftlich<lb/>
dass ich über diese Vorgangsweise wie die Handelskammer dieses Problem<lb/>
auf mich abschiebt für nicht zweckmässig halte. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hatte diesen<lb/>
Brief mit und wollte sich wahrscheinlich bei mir darüber beschweren.<lb/>
Er meinte nämlich, dies hätte ich doch höchstens mündlich sagen<lb/>
sollen, genau das Gegenteil war allerdings meine Absicht. Auch<lb/>
dann, wenn er vielleicht verärgert ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_03">Aus der Regierungserklärung hat er einen einzigen Punkt für kritisch<lb/>
empfunden, wo wir bei Service für die Wirtschaft einen Beratungs<lb break="no"/>dienst aufziehen wollen, der eigentlich der Handelskammer als<lb/>
Interessensvertretung vorbehalten bleiben sollte. Immer mehr<lb/>
zeigt sich für mich, dass die Handelskammer die Angst hat, dass<lb/>
sie durch ein allzu aktives Ministerium ausgeschaltet wird. Ich<lb/>
versicherte ihm, keine Absicht zu haben, die Handelskammer auszu<lb break="no"/>schalten, ganz im Gegenteil, dass ich sogar warte, dass die Handels<lb break="no"/>kammer, wie ich es bereits in Vorarlberg gesagt habe untersuchen<lb/>
soll, wo sie Schwachstellen hat. Er kam sofort auf die beabsichtigte<lb/>
Meinungsumfrage von IFES und Fessel-Institut zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs><lb/>
fährt jetzt weg und deshalb meint er, wird sich die Aussprache mit<lb/>
diesen beiden Instituten ein wenig verzögern. Die Notwendigkeit wird<lb/>
von allen bejaht. Die österr. Kontrollbank macht jetzt Service für<lb/>
Exporteure, was der Handelskammer auch nicht recht ist. Andererseits<lb/>
gibt <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zu, dass gerade für die kleineren und mittleren<lb/>
Exporteure mehr geschehen muss. Dies gilt ganz besonders in den<lb/>
Bundesländern. Ich habe eigentlich schon Verständnis dafür, dass<lb/>
man als Interessenvertreter am liebsten ein Monopol hat. Anderer<lb break="no"/>seits sind vielleicht Konkurrenzverhältnisse – AK - ÖGB - BHK - Ind.-<lb/>
Vereinigung – auch nicht gerade das Schlechteste. Kritisch allerdings<lb/>
wird es für die Interessensvertretung, wenn zwischen den Spitzen<lb break="no"/>funktionären oder, was noch viel schlimmer ist, zwischen den Beamten<lb break="no"/>körpern nicht harmonisiert wird sondern womöglich intrigiert wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_04">Ich selbst habe eine solche Politik nie mitgemacht und vor allem<lb/>
einmal niemals eine solche Politik betrieben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_05">Mein einfachgesetzlicher Preisregelungsvorschlag kam wieder zur Dis<lb break="no"/>kussion und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, das ginge verfassungsrechtlich gar nicht<lb/>
und die ÖVP würde, wenn er beschlossen wird, sofort den Verfassungs<lb break="no"/>gerichtshof anrufen. Dies schreckte mich gar nicht, doch meinte ich,<lb/>
dann würde endlich eine Verfassungserklärung erfolgen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erkennen, dass hauptsächlich das Ganze wegen der agrarischen<lb/>
Fonds gemacht wird. Obwohl ich ihnen dies nicht sage, ja wahrschein<lb break="no"/>lich auch gar nicht zu sagen brauche. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> gibt zu erkennen,<lb/>
dass er selbst nicht mit der Fondslösung sehr glücklich ist. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
wieder meint, wie sollen dann die Milliarden Schilling, die man<lb/>
jetzt für die Bauern über diese Fonds resp. Landwirtschaftskammern<lb/>
zur Verfügung stellt, ansonsten verteilt werden. Dass es Lösungen<lb/>
auf privatrechtlichen Verträgen gibt, bestreitet er nicht, nur<lb/>
weiss er genau, dass dies komplizierter ist und weniger Machteinfluss<lb/>
bedeutet für die Landwirtschaftskammer und für die Agrarbürokratie<lb/>
als das jetzige System. Typische Lösungsmöglichkeit ist Zucker,<lb/>
wo ohne Stützung bis jetzt ausgekommen wurde und wahrscheinlich<lb/>
auch in Hinkunft keine bezahlt wird. Derzeit erkläre ich ihm nur,<lb/>
gibt es die grossen Schwierigkeiten, weil der ÖGB und die AK eine<lb/>
Zuckerpreissenkung verlangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_06">Gegen das Energiesicherungsgesetz und ganz besonders dass ich nicht<lb/>
bereit bin, eine Abgabe mit einem Fonds oder eine beliehene Gesell<lb break="no"/>schaft zu akzeptieren, holt sich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> Verstärkung durch <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs>.<lb/>
Dieser mit <rs type="person" ref="#per__116015">Ertl</rs>, <rs type="person" ref="#per__137297">Messinger</rs> und Abg. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> waren von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> beauf<lb break="no"/>tragt worden, eine Lösung ohne die Fondsbasis zu suchen und sind<lb/>
aber zu keinem Ergebnis gekommen. Die 10-gr-Abgabe wären ausserhalb<lb/>
des Preisgeschehens und angeblich wettbewerbsneutral. Ansonsten wür<lb break="no"/>den ja bei einer Auflage für Lagererrichtung von seiten der Impor<lb break="no"/>teure die ÖMV und die RAG besser gestellt. Ich erklärte dezidiert,<lb/>
dass ich nicht bereit bin, einen Fonds zu schaffen oder gar eine<lb/>
beliehene Gesellschaft, wo ich dann so wie bei den Agrarfonds<lb/>
dann die Verantwortung hätte und nichts zu reden. Da <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sah,<lb/>
dass ich nicht nachgebe, schlug er dann vor, es gäbe eine Möglichkeit<lb/>
wenn die Befüllung, die ca. 4 Mia. S kostet, durch die ÖMV<add>[?]</add> finanziert<lb/>
wird und der Lagerneubau mit 2 Mia. S durch billige ERP-Kredite.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_07">Der Finanzminister hat sich ja auch schon gegenüber der Handels<lb break="no"/>kammer bereiterklärt, die ganze Bevorratung steuerneutral zu stel<lb break="no"/>len. Ich glaube, dass wir im Rahmen.des Unterausschusses im<lb/>
Parlament eine gemeinsame Lösung finden können.<lb/>
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da Abg. <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs>, eine Initiative entwickeln wird. Ich meinte,<lb/>
ein bisschen zynisch, wenn <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> jetzt die Kammerpolitik macht,<lb/>
habe ich auch dagegen nichts einzuwenden, ich werde nur bereits<lb/>
sein, im Konsumentenbeirat die entsprechenden Verhandlungen mit<lb/>
den Interessenvertretungen zu führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Der Arbeitskreis <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> – <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> muss so<lb break="no"/>fort beginnen und in der nächsten Beiratssitzung muss ich Grund<lb break="no"/>sätze vorlegen.<lb/>
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ich erkläre, dass ich bereit bin, noch einmal die Sozialpartner<lb/>
wegen einer Arbeitsgemeinschaft und wegen der Aufträge nach ent<lb break="no"/>sprechenden Vorberatungen zu mir zu bitten. Ich hatte in der<lb/>
Fraktion <rs type="person" ref="#per__112979">Verzetnitsch</rs>, den Jugendsekretär des ÖGB, bereits aufge<lb break="no"/>fordert, eine entsprechende Vorbesprechung mit der anderen Seite –<lb/>
Handelskammer – zu führen.<lb/>
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versuchen.<lb/>
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jetzt grosse Angst haben, dass bei der Überprüfung auch der inländi<lb break="no"/>sche Öl- und Gaspreis genauer kontrolliert wird. Sie hatten schein<lb break="no"/>bar angenommen, dass die Prüfung eine reine Augenauswischerei<lb/>
sei, da sie nicht einmal bereit waren, die Wirtschaftsprüferberichte<lb/>
herzugeben. Ich liess sie nicht im Unklaren, dass die AK und teilwei<lb break="no"/>se auch der ÖGB mich sehr bedrängen, endlich auch die inländische<lb/>
Ölproduktion und Gasproduktion sowohl bei der RAG als dann natür<lb break="no"/>lich in weiterer Folge bei der ÖMV genau zu prüfen. Damit hätte<lb/>
die gewohnte Schonfrist ein Ende. Wenn die ÖMV erklärt, sie könne<lb/>
ohne Aufsichtsratsbeschluss ja überhaupt nicht mir die entsprechen<lb break="no"/>den Unterlagen, die ich brauche freiwillig zur Verfügung stellen,<lb/>
dann bleibt nichts anderes übrig als ein Preisverfahren einzuleiten<lb/>
wonach ich dann vollkommene Bucheinsicht jederzeit verlangen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_13">Sehr erschüttert waren sie, dass die Wirtschaftspolizei mit<lb break="no"/>kommt, scheinbar haben sie geglaubt, es wird ein Beamter dort zu<lb/>
einer Plauderei erscheinen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_14"><rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> ersuchte mich dann, vielleicht dachte er, dass mich<lb/>
dies ein wenig versöhnt, bei meinem Pressefrühstück über den<lb/>
Abschluss mit der SU für die nächsten 3 Jahre 1976/78 eine Mill. t<lb/>
jährlich Rohöl, die er vereinbart hat, zu berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_15">Beim Journalistenfrühstück, wo hauptsächlich über Aussenhandel<lb/>
berichtet wurde, passte es gut, tatsächlich diese Ergebnisse<lb/>
der Lieferung SU mitzuteilen, Ansonsten wurde über die Ergeb<lb break="no"/>nisse bei der EFTA und auch über die CSSR-Verhandlungen berichtet.<lb/>
Dort ist es jetzt mit dem letzten Start geglückt, Schutzklauseln<lb/>
für Niedrigpreise und sonstige Störungen einzuführen. Bei dieser<lb/>
Gelegenheit konnte ich endlich anbringen, dass damit die Ostflanke<lb/>
endgültig nicht aufgerissen, wie die Handelskammer immer wieder<lb/>
behauptet, sondern jetzt von mir dicht gemacht wurde. Seit Ein<lb break="no"/>führung der Vidierung wurden um ganzen 20 Konsultationen notwendig,<lb/>
hauptsächlich auf Obst- und Gemüsekonserven und Textilien.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_16">Kritisch war nur die Frage der Kronenzeitung, ob ich mir einen<lb/>
Benzinpreis für Super von über 7.– S vorstellen könnte. Natür<lb break="no"/>lich erklärte ich sofort, ein Minister muss sich alles vorstellen<lb/>
können, doch liegt bis jetzt noch kein Antrag vor und bisher<lb/>
bin ich sicher, dass heuer, ja selbst nicht einmal mit Jahres<lb break="no"/>beginn sofort ein neuer Preis festgesetzt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_17">In der ÖGB-Fraktion habe ich <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> ersucht, nachdem er<lb/>
meinte, nachher müsse er mit den Textilarbeitern verhandeln, er<lb/>
sollte wegen der Strumpfhosen zu weiteren Kompromissverhandlungen<lb/>
zusammenkommen. Die Handelskammer ist von dem Preis 5.55 S bereits<lb/>
auf 5.30 zurückgegangen, der ÖGB von 4.– auf 4.60 hinaufgegangen,<lb/>
ich sehe also bei entsprechenden weiteren Verhandlungen noch die<lb/>
Möglichkeit zu einem Kompromiss, das ich unbedingt brauche.<lb/>
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der Arbeiterkammer ausscheidet und für die Chemiearbeiter ZS<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109297">Lackner</rs> in den Vorstand kommt. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> wird der neue Präsident<lb/>
und an seine Stelle wird ZS <rs type="person" ref="#per__121123">Mück</rs> jetzt in den Vorstand aufrücken,<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__141635">Roposs</rs> vom Handel und Transport und dann auch VP anstelle<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> werden. VP <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs> von den Eisenbahnern wird von<lb/>
ZS <rs type="person" ref="#per__132612">Schmölz</rs> abgelöst. In der Arbeiterkammer wird also eine ganze<lb/>
neue Führungsgarnitur installiert. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> erklärte, nachdem<lb/>
er jetzt schon 65 Jahre alt sein, sei es Zeit, dass er sich zurück<lb break="no"/>zieht und dies hätte er schon längst beabsichtigt. Dies glaubt<lb/>
ihm in dieser <choice><choice><sic>Dune</sic><corr>?</corr></choice></choice> dort gar keiner. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> meinte auch<lb/>
noch, sein Bestreben sei es gewesen, zum Unterschied von früher,<lb/>
dass zwischen ÖGB und AK immer bestes Einvernehmen herrschte, dies<lb/>
war sicherlich seine Politik, als ihn <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> zum Präsidenten machte,<lb/>
damals sogar gegen den Wunsch nicht nur der Lebensmittelarbeiter<lb/>
die wirklich ehrlich glaubten, dass ich der richtige Mann sei,<lb/>
und auch vielen anderen, die ebenfalls diese Meinung hatten,<lb/>
im Laufe der Jahre aber hat er dann gar nicht beabsichtigt<lb/>
sondern durch seine umständliche Art der Geschäftsführung immer<lb/>
mehr Schwierigkeiten mit dem ÖGB insbesondere <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gehabt. Eine<lb/>
ideale Harmonisierung zwischen diesen beiden Institutionen gibt<lb/>
es wahrscheinlich überhaupt nicht. Dies war ja mit ein Grund,<lb/>
warum <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> seinerzeit, als er die grossen Schwierigkeiten mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114575">Mantler</rs> gehabt hatte, mir immer wieder sagte, die beste Lösung<lb/>
ist, wenn eine Personalunion zwischen den Landesexekutiv-Obmännern<lb/>
der Gewerkschaft und dem Arbeiterkammerpräsidenten besteht.<lb/>
In weiterer Folge dachte er sicherlich auch daran, dass der<lb/>
Präsident des Gewerkschaftsbundes gleichzeitig Präsident der<lb/>
Arbeiterkammer sein sollte. Ob eine solche Machtfülle zweckmässig<lb/>
ist, bezweifle ich aber. Mit dem Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> wird <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
keinerlei Schwierigkeiten haben, da ja er letzten Endes als<lb/>
Metallarbeiter-Obmann von Wien sicherlich eine ideale Besetzung<lb/>
darstellt. Ich habe mich schon seit eh und je für <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> einge<lb break="no"/>setzt, da ich bereits 1970 überzeugt war, nie mehr in die Arbei<lb break="no"/>terkammer zurückzukommen. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe<lb/>
ich auch meinen Dienst so bald als möglich quittiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_20"><rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> und schon vorher telefonisch hat mich <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> er<lb break="no"/>suchte, ich sollte über die Wirtschaftssituation referieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> kam vorher noch zu mir und meinte, er hoffe, dass nicht<lb/>
auch ich jetzt in die pessimistische Linie einschwenke. Er hätte<lb/>
festgestellt, dass die Unternehmer ganz entsetzt feststellen, dass<lb/>
scheinbar überhaupt niemand mehr wirtschaftliche Zukunft sieht.<lb/>
Er sei jetzt der einzige Optimist, der noch den Unternehmer ein<lb/>
bisschen Halt gibt. Wenn ich jetzt auch noch umfalle, wäre dies<lb/>
in seinen Augen eine Katastrophe. Ich beruhigte ihn, und sagte,<lb/>
da wird er längst auch schon auf pessimistische Linie eingeschwenkt<lb/>
sein, werde ich noch immer, weil ich davon auch fest überzeugt bin,<lb/>
nicht Schönfärben aber Optimist sein. Ich legte dann der Fraktion<lb/>
die Gründe dar, warum ich an die Theorie von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt puncto<lb/>
Absturz nicht glaube. Die Daten lassen meiner Meinung nach eine<lb/>
solche Entwicklung nicht erwarten. Interessant war, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
meinte, er sei falsch interpretiert worden, und die 1–2 % Preis<lb break="no"/>erhöhungen mehr um die Vollbeschäftigung sei aus dem 75er-Jahr<lb/>
zu erklären. In Hinkunft nimmt er an, dass die Preise sinken,<lb/>
obwohl er sich für die erhöhten Tarife einsetzt. Dadurch könnte die<lb/>
öffentliche Hand mehr für Investitionen ausgeben. Die Gewerkschafter<lb/>
müssten eine politische Lohnpolitik machen, damit es nicht zu<lb/>
einer Entwicklung wie in Grossbritannien kommt, wo sich die Ge<lb break="no"/>werkschaften um die Regierungspolitik überhaupt nicht gekümmert<lb/>
haben. Eine Steuersenkung sie für 1976 auszuschliessen, man müsse<lb/>
sich aber überlegen, ob man die Sparförderung 3 Mia. Bundeszuschuss<lb/>
noch leisten könne. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> soll allerdings ihm erklärt haben,<lb/>
dass er daran nichts ändern möchte. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> berichtete, dass die<lb/>
OECD zwar ebenfalls eine pessimistische Prognose stellt, doch für<lb/>
USA und Japan bereits den Aufschwung prognostiziert, der meiner<lb/>
Meinung nach dort übrigens schon eingetreten ist. Der wirklich<lb/>
interessanteste Beitrag für mich war der von <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>, der erklärte,<lb/>
er sei glücklich, dass ich nicht in dieses Pessimisten-Gejeier ein<lb break="no"/>stimme, denn das hätte katastrophale Folgen. Die Nachfrage geht zu<lb break="no"/>rück, die Leute werden verunsichert, die Unternehmer werden inaktiv<lb/>
usw. Das Gezeter von <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> wegen der Verschuldung sieht er auch<lb/>
bei 100 Mia. gar nicht so gross, denn als wir die Regierung über<lb break="no"/>nommen haben, betrug die Verschuldung 13 %, sei auf 10 % 1973<lb/>
zurückgegangen und jetzt auf 15 % gestiegen, keinesfalls beängstigend.<lb/>
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wirtschaftspolitischen These Vollbeschäftigung Zurückhaltung<lb/>
bei der Lohnpolitik, wie er sich ausdrückte, weiter zu trommeln.<lb/>
Für mich interessant war, dass ich mich nicht nur in diesem Kreise<lb/>
wohlfühle, sondern dass auch dort die optimistische Linie viel<lb/>
lieber ankommt und gesehen wird als sonst irgendwo in anderen<lb/>
Gremien. Leider konnte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht kommen, diese Konfrontation<lb/>
wäre sicherlich sehr interessant gewesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_22"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> berichtete von der nächsten Bundesvorstandssitzung, wo die<lb/>
acht Viril-Stimmen so vergeben werden, dass die christliche Fraktion<lb/>
der Metallarbeiter <rs type="person" ref="#per__141636">Mayer</rs> schicken wird und ihren neuen Obmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113374">Gassner</rs>. Dieser hatte angefragt, ob wieder die Sozialisten gegen<lb/>
ihn stimmen würden, wurde aber sofort gesagt, dass dafür gar keine<lb/>
Begründung vorliege. Die Vereinbarung lautet, dass bis zu 5 Dele<lb break="no"/>gierten die christlichen Gewerkschaften 2 Viril-Stimmen bekommt.<lb/>
Wenn der öffentliche Dienst aber ein viertes reguläres Mandat,<lb/>
da sie wahrscheinlich schon über 150.000 Mitglieder abrechnen,<lb/>
um Bundesvorstand bekommt, würde die Virilstimme in eine ordentliche<lb/>
Delegierung umgewandelt. Die christlichen Gewerkschafter haben die<lb/>
grosse Schwierigkeit, dass sie fast nur Delegierte aus dem öffent<lb break="no"/>lichen Dienst haben und keine Arbeitervertreter. Die KP wieder<lb/>
wird <rs type="person" ref="#per__126212">Hofer</rs> und <rs type="person" ref="#per__141637">Slavik</rs> delegieren, die Gewerkschaftliche Einheit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116408">Zickler</rs>, die kath. Arbeiterjugend <rs type="person" ref="#per__141638">Summerauer</rs>, die Freiheitlichen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113375">Kindl</rs>, die Unparteiischen <rs type="person" ref="#per__141639">Grabner</rs>. Kooptiert werden ausser den<lb/>
drei Frauen-Delegierten auch <rs type="person" ref="#per__113117">Kinigadner</rs> von den Jugendlichen.<lb/>
Dies ist ein neuer Sitz. Ich bin neugierig, wie die erste Bundes<lb break="no"/>vorstandssitzung laufen wird, wenn <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> nicht mehr seine<lb/>
lange und angriffslustige Rede halten wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_23">In der Sektionsleitersitzung besprachen wir und es waren alle<lb/>
damit einverstanden, die neue Form. In Hinkunft soll, womöglich ein<lb break="no"/>mal monatlich, spätestens alle 6 Wochen eine Sektionsleitersitzung<lb/>
stattfinden. Vom 10. eines jeden Monats wird wird für das Vormonat<lb/>
jede Sektion einen Tätigkeitsbericht schriftlich über das Büro<lb/>
<rs type="person" ref="#per__131309">Bock</rs> zur Verfügung gestellt werden. Dieser kann dann ein umfassendes<lb/>
Protokoll erstellen, das gleichzeitig dann das BKA bekommt wie<lb/>
das im Ministeriengesetz vorgesehen ist. Wir wollen dann auch nicht<lb/>
mehr jede Einzelheit diskutieren, sondern nur mehr die Probleme,<lb/>
die von Interesse sind. Ich möchte, dass aus der Sektionsleiter<lb break="no"/><pb n="28-1286" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-11-10_1286.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sitzung nicht nur eine mehr oder weniger interessante Aktivitäts<lb break="no"/>aufzählung wird, sondern wirklich ein Diskussionsforum. Ob es mir ge<lb break="no"/>lingt, bezweifle ich allerdings. Wir werden sehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_24">Anschliessend hatte ich eine Sektionsbesprechung mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs>. Es wurde einvernehmlich festgehalten,<lb/>
dass die Reorganisation des Hauses so zu geschehen hat, dass nicht<lb/>
eine Sektion, wie z.B. jetzt <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> auf Abteilungen oder Gruppen<lb/>
verzichtet und die anderen sich ständig ausweiten. Gruppenbe<lb break="no"/>setzungen aber auch Abteilungsleiterbesetzungen müssen nach<lb/>
Zweckmässigkeitsgründen vorgenommen werden. Der wichtigste Punkt<lb/>
dabei ist, dass entsprechend tüchtige Leute, wenn möglich natür<lb break="no"/>lich von unserer Partei zur Verfügung stehen. Die Gruppenleitung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> wurde seinerzeit der Personalkommission zugesagt und<lb/>
muss daher jetzt eingehalten werden. Niemals aber von mir zugesagt<lb/>
wurde, dass alle Abteilungen <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> unterstellt werden müssen<lb/>
ja auch nur sollen, sondern dies bestimmt ausschliesslich die Sek<lb break="no"/>tion nach Zweckmässigkeitsgesichtspunkten. Auch das von der<lb/>
Personalvertretung verlangte System, kein Gruppenleiter dürfte<lb/>
eine Abteilung führen, war von mir nie zugesichert und kann auch<lb/>
nicht durchgestanden werden. <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> wird selbstverständlich<lb/>
seine Abteilung weiterführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_25">Da in der Laufbahn von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> kein Nachteil eintreten darf, muss<lb/>
er seine Abteilung formell weiterführen. De facto wird sie aber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> übernehmen, die <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>-Abteilung aber wird der Gruppenleiter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> jetzt übernehmen. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> ist mit dieser Lösung, die <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs><lb/>
sehr geschickt vorbereitet hat und die für ihn so wichtig ist,<lb/>
einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_26"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> berichtet, dass die IFES – <rs type="person" ref="#per__117164">Gehmacher</rs> – ausser einem offiziel<lb break="no"/>len Offert noch eine Unterlage der Abteilung gegeben hat, wo zu<lb/>
erkennen ist, dass aus einer allgemeinen Umfrage, die die IFES<lb/>
ständig macht, die Präferenzen für die Soz. Partei ebenfalls einen<lb/>
Umfragebestandteil darstellen. Aus diesem Grund und <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat<lb/>
vollkommen recht, können wir daher diesen Auftrag nicht der IFES<lb/>
vergeben. Er schlägt deshalb vor, wir sollten von der IFES nur den<lb/>
Teil, der sich mit Fremdenverkehr beschäftigt und den wir immer<lb/>
in Auftrag gegeben haben, dann kaufen, wenn die Ergebnisse vorliegen.<lb/>
Ich bin mit dieser Vorgangsweise einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_27">In der Ministerratsvorbesprechung meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, die Minister<lb/>
müssten sich vorbereiten, in der Regierungserklärungsdiskussion<lb/>
aufklärend kurz präzise zu intervenieren, wenn sie angegriffen<lb/>
werden. In der Praxis stellt sich dann allerdings sehr bald heraus,<lb/>
dass dazu kaum eine Möglichkeit sein wird. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> wird eröffnen,<lb/>
dann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs>, dann kommt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und wieder ein ÖVP-ler,<lb/>
interessant wird, ob es <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> ist, der abfällig bemerkt haben<lb/>
soll, jetzt lassen wir halt <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> einmal versuchen, dann wieder<lb/>
ein SPÖ-ler, vor dem natürlich kein Minister reden soll, damit<lb/>
er ihm nicht wegnimmt, wahrscheinlich wieder ein FPÖ-ler und dann<lb/>
käme als zweiter Minister sicherlich der angegriffene <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>.<lb/>
Bei der letzten Regierungserklärung hat dann auch noch <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs><lb/>
eingegriffen, der auch diesmal sicherlich wegen der Zuschussrenten<lb/>
Landwirtschaft das Wort ergreifen muss. Die ÖVP argumentiert noch<lb/>
immer, 40.000 müssen unter 500.– S leben und 4.000 davon sind<lb/>
schon gestorben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_28"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte, man müsste gegen die hysterische Belastungswelle<lb/>
irgendetwas unternehmen. Der Salzpreis sei seit 1960 unverändert<lb/>
geblieben und musste deshalb 1974 erhöht werden, die KFZ-Steuer<lb/>
ist seit 1965 unverändert, die Eingangsgebühren, die 15.– S sind<lb/>
seit 1965 ebenfalls unverändert. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sprach sich gegen Schock<lb break="no"/>tarife aus und meinte, es sei viel zweckmässiger, des öfteren<lb/>
kleinere Schritte zu gehen. Dies ist für mich nichts neues, so<lb break="no"/>weit ich es in meinem Ressort habe, tue ich es beim Strompreis<lb/>
sowieso. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtete, dass er jetzt die Begutachtung für Post<lb/>
und Telegraf abgeschlossen hat und nur bei Massenaufgebot, beim<lb/>
Versandhandel eine kleine Reduktion vornimmt. Der Zeitungstarif<lb/>
geht unverändert hinüber und soll gegebenenfalls im Parlament<lb/>
verhandelt werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fragte, wie die Entwicklung in den<lb/>
nächsten Monaten sein wird und ich erklärte, dass wir bis Jahres<lb break="no"/>ende gut durchkommen und dann allerdings durch de diversen<lb/>
Steigerungen und zu erwartenden Preiserhöhungen wieder einen<lb/>
Aufwärtstrend verzeichnen werden. Die Politik der ÖVP ist es,<lb/>
die jetzigen Tariferhöhungen teils als Ausrede zu verwenden,<lb/>
dass eben eine Preisauftriebswelle dann kommt. Ich erwarte, beim<lb/>
Konjunkturaufschwung nämlich eine stärkere Inflationswelle,<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> allerdings nicht sieht. Er meint durch die Rezession<lb/>
werden die Preise jetzt noch wesentlich zurückgehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_29"><rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> hätte gerne gehabt, wenn bei der Mehrwertsteuer-<lb/>
Zigarettenpreiserhöhung bereits die Zigarette TREND mit 1,8 Mill.<lb/>
Packungen im Preis unverändert bleibt und dadurch der Finanzmini<lb break="no"/>ster zwar 13 Mill. S verzichten hätte müssen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint, er<lb/>
ist bereit über die nikotinschwachen Zigaretten geringere Be<lb break="no"/>lastung zu reden, aber erst bis der neue Index vorliegt. Derzeit<lb/>
nämlich haben die nikotinstarken Zigaretten C und 3-er ein starkes<lb/>
Indexgewicht, basierend auf die Erhebung 1965. 1975 hat sich ein<lb/>
ganz anderer Verbrauch ergeben, der dem neuen Index zugrundeliegen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_30">Neuerdings kam natürlich das Problem der Reisen zur Sprache, weil<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sein Kontingent erschöpft hat und er dringendst vom Innen<lb break="no"/>minister aufgefordert wird, nach München zwecks Absteckung der<lb/>
Touristenzone mit Österreich zwei Delegierte zu schicken. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ist nicht bereit von der 75 %-igen Lösung abzugehen, sondern meint<lb/>
nur im Sonderfall müssten eben von ihm Sondergenehmigungen dann<lb/>
über Kontingent gegeben werden. Er meinte die Budgetziffern liessen<lb/>
eine Auslandsreise-Vermehrung nicht zu. Ich erwiderte in meinem<lb/>
Budget seien 2,2 Mill. vorgesehen und 850.000 bis jetzt verbraucht.<lb/>
Mit Recht sagte er, Du schwindelst ja, du fährst mit Auto und<lb/>
Handelskammer usw. Ich bin überzeugt, dass mit der 75-%-Lösung erst<lb break="no"/>malig jetzt eine gewisse Reduktion der Auslandsreisen erreicht<lb/>
wurde. Einen anderen Weg hätte auch ich nicht gewusst, als eben<lb/>
global zu beschränken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_31">Im Ministerrat musste ich dann feststellen, dass ich nicht einmal<lb/>
von meinem Haus die Unterlagen bekommen habe, die zur Debatte<lb/>
standen, z.B. Verlängerung des Internationalen Weizenabkommens.<lb/>
Nicht nur, dass ich die Tagesordnung nicht bekommen, bekomme ich<lb/>
nicht einmal unsere Unterlagen. Das wird wirklich schon schön<lb/>
langsam ein Skandal.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_32">ANMERKUNG FÜR DAS BÜRO: Hier muss ein grundsätzlicher Wandel<lb/>
geschaffen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_33">Beim 8. Wiener Verbraucherparlament, wo ich durch den Minister<lb break="no"/>rat zu spät hingekommen bin, hatte bereits <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> referiert<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__140510">Keller</rs> berichtete gerade über die Aktivitäten des Justiz<lb break="no"/>ministeriums bezüglich Gewährleistung und Service. Vor mir<lb/>
sprach dann noch <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> von der Handelskammer und ich habe<lb/>
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Objektivität als Handelsminister darzulegen und gleichzeitig<lb/>
aber doch die manchmal sehr komischen Ansichten von <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> zu<lb/>
widerlegen. Da dort lauter Sozialisten fast waren, musste ich<lb/>
mich sehr zurückhalten, um ihn nicht allzu hart zu attackieren<lb/>
und damit das Publikum sofort auf meine Seite zu bekommen.<lb/>
Im Schlusswort musste er ganz schöne Unmutsäusserungen des<lb/>
Publikums zur Kenntnis nehmen, was allerdings auch berechtigt<lb/>
war, denn er hat manchmal schon sehr einseitige Ansichten<lb/>
als Interessenvertreter. Mehr als 30 Debattenredner kritisierten<lb/>
oder stellten Forderungen auf. Die wichtigste erschien mir,<lb/>
dass mit Recht gesagt wurde, die Waagen, die jetzt auch gleich<lb break="no"/>zeitig den Preis ausrechnen, müssten durch Verordnung so geregelt<lb/>
sein, dass man sie erstens deutlich lesbar auch für den Kunden auf<lb break="no"/>stellt und dass zweitens der gesamte Vorgang, der auf der einen<lb/>
Seite vom Verkäufer gemacht wird, nämlich Preiseinstellung<lb/>
auch auf der anderen Seite vom Kunden abgelesen werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-11-10_34">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte diesen Wunsch mit dem Bautenministerium,<lb/>
das dafür zuständig ist, besprechen.<lb/>
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            <head>Nachtrag TO 3. Ministerratssitzung, 10.11.1975</head>
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