<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19751022.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19751021.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19751023.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Mittwoch, der 22. Oktober 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Matthias Trinkaus</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band27_1975-10-22</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1975-10-22">Mittwoch, 22. Oktober 1975</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2018-12-03">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="27-1188" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1188.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_01">Mittwoch, 22. Oktober 1975<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_02">Der ORF macht eine Brennpunktsendung über den Export und die<lb/>
Wirtschaftsentwicklung. Redakteur <rs type="person" ref="#per__122028">Freisleben</rs> schneidet also die<lb/>
Aussagen von den verschiedensten Politikern und Wirtschaftsleuten<lb/>
in einer Brennpunktsendung zusammen. Da es sich hier um kein heisses<lb/>
Eisen handelt, wird sicherlich nicht allzu viel manipuliert. Ohne<lb/>
Manipulation geht es aber deshalb nicht ab. denn letzten Endes<lb/>
weiss der Einzelne nicht, was der andere zu dem Problem gesagt hat<lb/>
und kann daher nicht darauf reagieren. Trotzdem wird durch das<lb/>
Zusammenschneiden die Richtung aus dem Interview herauskommen,<lb/>
die letzten Endes der Redakteur sich vorstellt. Natürlich geht<lb/>
es dabei auch um die restriktive Importpolitik insbesondere bei<lb/>
Textilien.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_03">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__139939">WANKE</rs> und <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte die Sendung anhören und von<lb/>
der Arbeiterkammer mitschneiden lassen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_04">Die Eröffnung der Fachausstellung Industrie-Elektronik am Messe<lb break="no"/>gelände, die ich zugesagt habe, muss ich trotz der bereits beginnen<lb break="no"/>den Klausurtagung im Redoutensaal durchführen. <rs type="person" ref="#per__97998">Strauss</rs>, der be<lb break="no"/>grüsst, und <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs>, der Vorredner, halten sich wirklich sehr kurz.<lb/>
Ich verweise nur auf die Industrieelektronenanlagen die immerhin<lb/>
in Österreich über 1 Dutzend Milliarden ausmachen und die vom Fach<lb break="no"/>referat gelieferten Ziffern präsentieren. Da meistens bei diesen<lb/>
Eröffnungen die Fachreferenten von uns anwesend sind, verwende ich<lb/>
auf alle Fälle zumindestens einen Teil der gelieferten Unterlagen.<lb/>
Wenn man nämlich, wie in diesem Fall unter Zeitdruck, darauf<lb/>
überhaupt nicht Bezug nimmt, dann wird der Betreffende frustriert<lb/>
und sagt sich sogar zu Recht, wozu plage ich mich, um das Material<lb/>
herbeizuschaffen, wenn letzten Endes davon gar nichts verwendet wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> verweist bei seiner Ansprache darauf, dass es ihm unheim<lb break="no"/>lich wird, wenn er daran denkt, wie die industrielle Elektronik<lb/>
in die Privatsphäre des Menschen eindringt. Da er keine Details<lb/>
sagt, kann ich mir unter dieser extemporierten Aussage nichts vor<lb break="no"/>stellen. Ich selbst weiss allerdings auch zu diesem Thema nichts<lb/>
besonderes zu sagen ausser, dass die Fortschritte auf diesem Gebiet<lb/>
ungeheuer schnell, rasant und kapitalintensiv vor sich gehen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_05">In der Klausurtagung, wo ich zu spät hinkomme, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bereits<lb/>
begonnen und erörtert, warum er den <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs>-Angriff <choice><choice><sic>an</sic><corr>auf</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> so<lb/>
<pb n="27-1189" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1189.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hart abwehrt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist überzeugt, dass es sich ausschliesslich<lb/>
gegen ihn handelt und er erwartet, dass das Parlament ihm auf<lb/>
alle Fälle die Immunität aberkennt. Dies ist auch ein weiterer Grund,<lb/>
dass er die ausserberufliche Immunitätsaberkennung in das Regierungs<lb break="no"/>programm aufnehmen wird. Selbst in der Bundesrepublik ist dies<lb/>
bei Verleumdungsklagen schon geschehen. Der Hinweis von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
dass auch in der ÖVP-Zeit und Regierung SS-Leute in der Regierung<lb/>
waren, bezieht sich auf <rs type="person" ref="#per__111742">Kamitz</rs>, dies ist allerdings schon längst<lb/>
bekannt, das <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> seinerzeit zum Bundespräsidenten gesagt hat, den<lb/>
müssen's ma machen, des ist mein Ziffernspion. So detailliert hatte<lb/>
ich das nicht gewusst, obwohl auch ich neben <rs type="person" ref="#per__141035">Müller</rs> und <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs><lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> immer als Ziffernspion bezeichnet wurde.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_06"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> geht bei der Erstellung der Regierungserklärung zuerst<lb/>
davon aus, was aus den Regierungserklärungen vom 27.4.1970 und<lb/>
5.11.1971 angekündigt wurde und noch nicht erledigt ist. <rs type="person" ref="#per__97444">Heinzi<lb/>
Fischer</rs> hat eine Zusammenstellung der offenen Punkte auf 3 Seiten<lb/>
geliefert. Das Handelsministerium betreffend ist nur die Schaffung<lb/>
eines Filmförderungsgesetzes offen. Hier möchte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine Satz<lb break="no"/>formulierung vom Finanzminister, Unterrichtsminister und mir, wo<lb/>
er endgültig dann eine abschliessende Erklärung in der dritten Re<lb break="no"/>gierungserklärung abgibt, die wie er sich ausdrückt, dann aber<lb/>
endgültig effektuiert werden sollte. Ich hatte bereits bereinigen<lb/>
Vorbesprechungen zuerst darauf hingewiesen, dass die Kompetenz<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> wollte, ich sie sofort abtrat, jetzt <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> sie mir<lb/>
wieder zurückgibt, weil er nicht weiterkommt und vor allem mit<lb/>
seinen Geldmitteln nicht ein Filmförderungsgesetz finanzieren kann.<lb/>
Der Finanzminister hat aber mir gegenüber noch nicht zu erkennen<lb/>
gegeben, welchen Ansatz er dafür überhaupt in Aussicht stellt. Ich<lb/>
überlege mir deshalb, ohne es dort allerdings zu sagen, ob wir<lb/>
nicht eine einschränkende Formulierung, dass ein Filmförderungsgesetz<lb/>
geschaffen wird, wenn die davon betroffenen Stellen auch einen ent<lb break="no"/>sprechenden Beitrag leisten, die zweckmässigste ist.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_07">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Wie ist Deine Meinung zu diesem Problem?<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_08"><rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> hat eine Aktennotiz über das Gesetzgebungsprogramm<lb/>
des Gewerkschaftsbundes übermittelt. Darin gibt es keine neuen<lb/>
Gesichtspunkte, die uns nicht schon <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> gesagt hätte, die<lb/>
wir im ersten Jour fixe bereits besprochen haben. Der einzige Punkt<lb/>
ist die Verlagerung von der Strasse auf die Bundesbahn, die <rs type="person" ref="#per__97563">Hof<lb break="no"/></rs> <pb n="27-1190" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1190.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><rs type="person" ref="#per__97563">stetter</rs> als 13. Punkt dazugeschrieben hat. Hier gibt es auch schon<lb/>
bei der Nichterfüllung der Regierungserklärung von 1970, nämlich<lb/>
Lösung der Verkehrsprobleme in den österreichischen Ballungszentrum,<lb/>
Koordinierung des Verkehrs bei den einzelnen Verkehrsträgern, eine<lb/>
lebhafte Diskussion. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint, dass vor allem der Strassenbau<lb/>
nur fortgesetzt werden kann, wenn die Mineralölsteuer so erhöht wird,<lb/>
dass 50 Groschen pro Liter Benzinverteuerung sich ergeben würde.<lb/>
Ausserdem sei die Frage der Maut auf den Autobahnen zu klären. Er<lb/>
erwartet sich allerdings dass es schwer ist, ja fast unmöglich über<lb/>
die Südautobahn am Wechsel oder über die Pack tatsächlich Maut<lb break="no"/>stellen zu errichten. Bei dem Nahverkehr, den wir 1974 700 Millionen<lb/>
Schilling zukommen liessen in Hinkunft die grossen Anforderungen<lb/>
finanzieren zu können, soll die Kraftfahrzeugsteuer, die seit 1963<lb/>
unverändert ist, erhöht werden. Derzeit bekommt der Bund allerdings<lb/>
nur 4 % und 96 % die Länder. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> <del>er</del> sagt, er musste seinerzeit<lb/>
dieses Zugeständnis machen, weil ansonsten die Gefahr bestand, dass<lb/>
die Länder ihre Kraftfahrzeugsteuern länderweise verschieden einge<lb break="no"/>führt hätten. Jetzt aber möchte er einen zweckgebundenen Zuschlag<lb/>
machen, der bis 1.300 cbm weniger stark, bis 2.000 cbm stärker und<lb/>
über 2.000 cbm sehr stark gestaffelt sein soll und ungefähr 2x<lb/>
so hoch ist wie die jetzige Kraftfahrzeugsteuer. Dadurch soll er<lb/>
1 Milliarde Schilling einnehmen. Um den Nahverkehr zu verbessern,<lb/>
möchte er auch das Kraftfahrzeugpauschale bis 20 km für die<lb/>
Unselbstständigen streichen. Für die Einkommensteuerpflichtigen<lb/>
wurde bereits 1970 eine wesentliche Erschwerung eingeführt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_09">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte informiere Dich und mich dann, was hier<lb/>
wirklich 1970 geschehen ist.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_10">Die Streichung des Kraftfahrzeugpauschales bis 20 km würde auf<lb/>
so grossen Widerstand im Gewerkschaftsbund stossen und wahrschein<lb break="no"/>lich auch der ARBÖ würde dies kaum akzeptieren, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> so<lb break="no"/>fort davon abrät. Die Mineralölsteuererhöhung ist aber fast schon<lb/>
eine beschlossene Sache, denn <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> erklärt er bekommt heuer um 6 %<lb/>
weniger durch den geringeren Verbrauch, das sind 3 Millionen<lb/>
Schilling Minderertrag<add>[Begriff i.O. mit Fragezeichen versehen, unklar, ob Absicht oder Tippfehler, Anm.]</add>. Für die Autobahn-Süd bräuchte er allein<lb/>
31 Milliarden Schilling und wenn er alle Strassen nach dem jetzigen<lb/>
Konzept bauen möchte, müsste er 200 Milliarden Schilling haben.<lb/>
Lauter gigantische Summen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_11">Bezüglich des LKW-Fernverkehrs wird festgehalten, dass die Kraftfahr<lb break="no"/><pb n="27-1191" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1191.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zeugbesteuerung in Deutschland wesentlich grösser ist als in<lb/>
Österreich. Dort hat der <rs type="person" ref="#per__137155">Leber</rs>-Groschen oder -Pfennig eine Einnahme<lb break="no"/>quelle des Bundes erschlossen. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> meint 800 Schilling in Öster<lb break="no"/>reich gegen 6.800 Schilling in Deutschland. Dies System hat sich<lb/>
deshalb entwickelt, weil bei der Mehrwertsteuer die Beförderungs<lb break="no"/>steuer aufgehoben wurde und dadurch diese Entlastung der Steuer<lb/>
für österreichische Strassenbenützer eingetreten ist. Der Durch<lb break="no"/>zugsverkehr durch Österreich aber schadet den Strassen ungemein.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> wird nun versuchen die internationalen Vereinbarungen so abzu<lb break="no"/>ändern, dass wir für den Transitverkehr wesentlich grössere Gebühren<lb/>
verlangen können. Bei dieser Gelegenheit sollen aber auch gleich<lb/>
die inländischen rollenden Bomber von der Strasse verschwinden. Vor<lb break="no"/>aussetzung dafür ist, obwohl es dort niemand ausspricht, die Eisen<lb break="no"/>bahn in die Lage zu versetzen, dass sie diese Transporte auch tat<lb break="no"/>sächlich durchführen kann. Das ÖBB Investitionskonzept sieht vor,<lb/>
dass jährlich 5 Milliarden Schilling ohne den Nahverkehr wie 1975<lb/>
weitergegeben werden. Dies ist aber durch die budgetären Schwierig<lb break="no"/>keiten 1976 nicht möglich und wird auf 2 Milliarden deshalb nur<lb/>
angesetzt. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> möchte die Investitionen aber nicht zur Erhaltung<lb/>
von alten Bauwerken und vielleicht sogar Verbesserungen von Bahn<lb break="no"/>höfen verwenden, sondern ausschliesslich für Investitionen die per<lb break="no"/>sonaleinsparend wirken. Nur so kann es zu einer Kostensenkung wie<lb/>
er sagt kommen. Gott sei Dank habe ich mit dem ganzen Strassenproblem<lb/>
nichts mehr zu tun. Ich bin nur überzeugt, dass wir infolge der tech<lb break="no"/>nischen Unmöglichkeit die Transporte von der Strasse tatsächlich<lb/>
durch die Bahn durchführen zu können, die besten Vorsätze nur bei<lb/>
entsprechend hohen Investitionen langfristig, d.h. in etlichen<lb/>
Jahren erst zum Tragen kommen könnten. Wie <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> dieses Dilemma<lb/>
löst, ist mir nicht ganz klar. Wahrscheinlich werden nur Verbote<lb/>
zielführend, die aber niemand aussprechen kann, weil eben die Ver<lb break="no"/>kehrsleistung der ÖBB gar nicht zur Verfügung steht. In die Re<lb break="no"/>gierungserklärung wird wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wünscht, eine der härtesten<lb/>
Formeln aufgenommen werden, die Durchführung wird wesentlich<lb/>
weicher sein, wenn überhaupt eine zustande kommt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_12">Über das Problem der Marktordnungsgesetze habe ich den Wunsch<lb/>
des Gewerkschaftsbundes, dass jetzt endgültig die Ersatzlösungen<lb/>
in Verhandlungen gezogen werden müssen, deponiert. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte<lb/>
man soll in der Regierungserklärung darauf hinweisen, dass der Markt<lb break="no"/>ordnung ständigen Änderungen, Anpassungen unterliegen muss. Ins<lb break="no"/>besondere aber ist zu prüfen, dass die Stützung den Produzenten<lb/>
<pb n="27-1192" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1192.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>maximal zugute kommen muss und nicht wie dies z.B. bei Vieh der<lb/>
Fall war, wo zwar direkte Stützung an die Bauern gegeben werden,<lb/>
dann aber der Händler entsprechend tiefere Preise automatisch den<lb/>
Bauern bezahlt und so indirekt die Stützung ihm zugute kommt.Die<lb/>
Auszahlung der Stützung dürfte nicht mehr durch die Landwirtschafts<lb break="no"/>kammern erfolgen. Begründen kann man dies durch die Verwaltungsver<lb break="no"/>einfachung und Ersparung in der Verwaltung, da <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> angeblich in<lb/>
Vorarlberg erklärt haben soll, die Landwirtschaftskammern sind des<lb break="no"/>halb auch so ineffizient, weil sie so viele staatliche Aufgaben zu<lb/>
erfüllen haben. Ich bin ja sehr gespannt was <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> in diesen Ge<lb break="no"/>bieten Marktordnungsgesetze-Förderung wirklich in Angriff nehmen<lb/>
wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_13">Das wirklich offenste Problem ist aber der Wohnbau. Hier hat er<lb/>
in der ersten Regierungserklärung ja bekanntlicherweise 5.000<lb/>
Wohnungen mehr pro Jahr versprochen. Jetzt geht es aber primär<lb/>
darum, dass die Wohnungskosten so hoch sind, dass eben sich die<lb/>
Leute die Wohnung gar nicht mehr leisten können. In Wien allein<lb/>
sollen 60.000 leer stehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwägt dass man dafür eine<lb/>
Abgabe finden müsste die für leerstehende Wohnungen zu bezahlen<lb/>
ist. Dafür sollte man dem Hausherren die Chance geben durch Ver<lb break="no"/>handlungen mit der Regierung den heute schon überholten Friedens<lb break="no"/>zins für Altwohnungen zu erhöhen. Noch immer geistert irgendwie<lb/>
die Idee herum, dass es Schilling-Friedenszinse gibt, die für<lb/>
Grosswohnungen 300–400 Schilling dann nur von den Hausherren<lb/>
verrechnet werden dürfen. Andererseits müssen junge Leute entsprechend<lb/>
grosse Beträge für Neubauten und dann noch wesentlich höhere Zinse<lb/>
bezahlen. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> erörtert, dass die Baukosten zwar 75 jetzt entsprechend<lb/>
gesenkt werden und der Anstieg nur 3 1/2 % beträgt, dass aber die<lb/>
Grundkosten die Kapitalzinsen und insbesondere die Betriebskosten<lb/>
zu einer gigantischen Steigerung der Zinse geführt haben. Allein<lb/>
wenn Zentralheizungen eingebaut sind, erhöht sich der Zins um 7–10<lb/>
Schilling pro Monat und Quadratmeter zwar reine Betriebskosten.<lb/>
Für die Länder möchte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> durchsetzen, dass eine einheitliche<lb/>
Wohnungsbeihilfe geschaffen wird und ihm schwebt die an und für<lb/>
sich so gut wie Wien vor. Die Ländervertreter erklären ihm aber,<lb/>
dass in jeden Land verschiedene Verhältnisse bestehen und deshalb eine<lb/>
Vereinheitlichung kaum zu erreichen ist. Wien hat seinerzeit die<lb/>
allgemeine Verbilligung durch Erhöhung des Gefördertenanteils von<lb/>
45 % auf 60 % nicht mitgemacht und dafür anstelle der dadurch er<lb break="no"/><pb n="27-1193" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1193.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>möglichten generellen Senkung der Zinse den sozial Schwächeren<lb/>
eine besondere gute Wohnungsbeihilfe gegeben. Da man aber um die<lb/>
Wohnungsbeihilfe einzeln ansuchen muss, kommt es jetzt vor, dass<lb/>
sich nur ein Bruchteil der Bezugsberechtigten um eine solche be<lb break="no"/>mühen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_14">Eine Diskussion ergibt sich auch noch über das Problem des Wasser<lb break="no"/>wirtschaftsfonds. Derzeit hat der Fond ca. 30 Milliarden Schilling,<lb/>
für 100 Milliarden Schilling liegen aber Anträge mit 2.3 Milliarden<lb/>
Vorbelastung, die aus den jetzigen Rückflüssen und Dotationen nicht<lb/>
annähernd gedeckt werden können. Insbesondere in den letzten Jahren<lb/>
wurde der Fonds stark beansprucht. Von 66 bis 69 hat er 2.4 Milliarden,<lb/>
von 70 bis 75 aber mehr als das Doppelte, nämlich 5.6 Milliarden<lb/>
Schilling ausgemacht. Für die betriebliche Abwasserbeseitigung<lb/>
soll deshalb auf die Gewerbesteuer ein Zuschlag von 10 % eingeführt<lb/>
werden, was ungefähr 500 Millionen Schilling erbringt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
möchte dann auch die 30 Schilling Wohnungsbeihilfe, die die Arbeiter<lb/>
jetzt steuerfrei ausbezahlt bekommen und die für Mietzinserhöhungen<lb/>
im Zuge der Lohn-Preis-Abkommen einmal gezahlt wurden. den Wasserwirt<lb break="no"/>schaftsfonds zuführen. Dadurch würden weitere 800 bis 900 Millionen<lb/>
zur Verfügung stehen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> spricht sich sofort dagegen aus und meint,<lb/>
dass er diese 30 Schilling braucht, um die Sozialversicherung in ein<lb/>
paar Jahren zu sanieren. Die Krankenkassen müssen jetzt 26–28 % des<lb/>
Beitragsanteils für Spitalskosten bezahlen. Deshalb kommen sie späte<lb break="no"/>stens 1977 in ein Defizit und müssen Beitragserhöhungen vornehmen. Da<lb/>
der Zweckzuschuss für Spitalserhalter der bis jetzt 18.75 % des Verlu<lb break="no"/>stes abgedeckt hat, auf 28 % jetzt erhöht wurde, derzeit 250 Millio<lb break="no"/>nen Schilling nur aber für 74 und 75 vereinbart ist, wird den Spitals<lb break="no"/>erhaltern das Defizit weiter besonders steigen. Zur allgemeinen Sanie<lb break="no"/>rung hat eben <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> diese 30 Schilling vor längerer Zeit eingeplant.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, man solle auf gar keinen Fall die 30 Schilling jetzt<lb/>
für den Wasserwirtschaftsfonds inkammerieren, da die Gewerkschaften<lb/>
sich mit den Unternehmern ausmachen wollen und werden, wie sie diesen<lb/>
Betrag für die Sozialversicherungssanierung den Arbeitern wegnehmen,<lb/>
aber sicherlich den Unternehmern bei Lohnerhöhungen zahlen lassen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> plädiert für einen eigenen Zuschlag oder Steuer. Dies müsse<lb/>
man aber durch eine Aktion reines Wasser schon bei Sammlungen bei<lb/>
Schulkindern durch entsprechende Kampagne der Zeitungen, die sich<lb/>
dafür sicherlich gewinnen lassen, durch den Hinweis, dass Österreich<lb/>
als Fremdenverkehrsland als einziges in Europa bald nur mehr<lb/>
<pb n="27-1194" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1194.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>reines Wasser haben wird, eben entsprechend propagandistisch<lb/>
vorbereitet werden muss. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwähnt, dass er vor 2 Jahren<lb/>
gesagt hat, in sieben Jahren sind die österreichischen Seen rein<lb/>
und dass er daran gesehen hat, wie begeistert alles diese Parole<lb/>
aufgenommen hat. Dass alle für reines Wasser sind, bin ich überzeugt.<lb/>
Die Frage ist nur, wer soll es bezahlen. Die einfachste Lösung wäre<lb/>
natürlich, dass man das Wasser mit Abgaben belastet, um es rein<lb/>
halten zu können. Dies wird man sich allerdings wahrscheinlich nicht<lb/>
getrauen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_15">Ein weiterer Punkt ist dann bei der Besprechung der einzelnen<lb/>
Ressorts die Frage der Bauernpension. Dadurch dass für die Zuschuss<lb break="no"/>rentner ein fiktives Ausgedinge gerechnet wird, kann es in einzelnen<lb/>
Fällen vorkommen, dass ein Bauer zwar gar keinen Hof mehr hat, der<lb/>
übergebende Hof auch schon zugrunde gegangen ist und er trotzdem<lb/>
eben keine Ausgleichszulage bekommt, weil ein fiktives Ausgedinge<lb/>
angerechnet wird. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> verweist darauf, dass dies in den seltensten<lb/>
Fällen der Fall sein kann. 116.000 Zuschussrentnern in der Landwirt<lb break="no"/>schaft sind 3/4 Ausgleichszulagenempfänger. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte nun in<lb/>
die Regierungserklärung doch eine Formulierung aufnehmen, dass jemand<lb/>
der tatsächlich von 300 Schilling leben muss, entsprechende Bedin<lb break="no"/>gungen vorausgesetzt, eine frühere Rente bekommen kann, wenn die<lb/>
Länder auch die Hälfte dazuzahlen. Er möchte damit das Argument der<lb/>
österreichischen Volkspartei, dass man auf eine Politik des Ver<lb break="no"/>hungerns dieser Leute rechnet, entgegentreten. Ich versuche nun<lb/>
diesen Vorschlag nicht nur allein auf die Landwirtschaft zu be<lb break="no"/>schränken, sondern auf alle. Wenn nämlich jemand im ASVG nicht<lb/>
die Halbdeckung hat, oder wenn in der gewerblichen Pension der<lb/>
Betreffende zu wenig einbezahlt hat und wenn insbesondere jemand,<lb/>
sei es durch Krankheit, gar nicht entsprechende Sozialversicherungen<lb/>
eingehen konnte, dann bekommt er auch wenn er kein Bauer ist,<lb/>
keine Rente..Häuser meint mit Recht, dass dies eben die Fürsorgefälle<lb/>
sind. Genau dasselbe gilt aber in meinen Augen auch für den Bauern,<lb/>
die nur eine geringe Zuschussrente erhalten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_16">Bei den einzelnen Ressortvorschlägen wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, was selbstverständ<lb break="no"/>lich ist, eine entsprechende Kürzung vornehmen. Trotzdem möchte er<lb/>
eine verhältnismässig lange Regierungserklärung abgeben, wobei die<lb/>
Wirtschaftspolitik dominieren wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_17">Die Aussprache mit den Ländervertretern ergab, dass 3mal jährlich<lb/>
jetzt eine diesbezüglich Aussprache stattfinden wird. Einmal im<lb/>
<pb n="27-1195" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1195.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Jahr sollen aber dann nicht nur die Landeshauptleute oder<lb/>
Stellvertreter, sondern alle Landesregierungsmitglieder, ja<lb/>
selbst die Landtagsabgeordneten zu einer grossen Konferenz<lb/>
zusammengerufen werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erinnert neuerdings darauf, dass<lb/>
jeder Brief, der an einen Landeshauptmann geht, schriftlich den<lb/>
sozialistischen Stellvertretern mitzuteilen ist.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_18">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte diese von uns, wie ich weiss, ja seit<lb/>
Jahren <choice><choice><sic>behabte</sic><corr>beliebte? gehandhabte?</corr></choice></choice> Praxis genau kontrollieren.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_19"><rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> streicht besonders heraus, dass die Kontakte zwischen<lb/>
dem Handelsminister und den Landeshauptleuten sehr gut sind, wie<lb/>
z.B. auf dem Preissektor. Hier bewährt sich dass wir doch vor längerer<lb/>
Zeit, als ich die Preiskompetenz bekommen habe, sofort die ent<lb break="no"/>sprechenden Landespreisreferenten ständig zu mir gebeten und<lb/>
entsprechend informiert habe. Angeblich geschieht das noch beim<lb/>
Gesundheitssektor von <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_20">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte für das Ersatzlösungssystem die Referenten<lb/>
neuerdings einladen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_21"><rs type="person" ref="#per__114936">Hartl</rs> fragt an, ob für den Kohlenbergbau Details in die Regierungs<lb break="no"/>erklärung kommen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, das sei nicht der Fall, sondern<lb/>
es wird nur eine allgemeine Bemerkung sein. teils könne man der<lb break="no"/>zeit noch nichts sagen, doch müsse Fohnsdorf jetzt unverzüglich<lb/>
gelöst werden. Bis jetzt wurde 1 Milliarde Schilling hineingesteckt<lb/>
und damit hätte man herrlichste Ersatzarbeitsplätze schaffen können.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_22">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> soll über den letzten Stand informieren<lb/>
und gleichzeitig die Verhandlungen weitertreiben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_23"><rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> schneidet an, dass die Schweden bereits die Steuer so erhöht<lb/>
und auf alle Gebiete ausgedehnt haben, dass heute die Meinung dort<lb/>
ist, eine Umverteilung könnte jeder für sich selbst vornehmen. Wenn<lb/>
man nämlich tatsächlich allzu viel Steuern von der Bevölkerung ver<lb break="no"/>langt und gleichzeitig dann ihr immer wieder welche Zuckerln gibt.<lb/>
dann kommt bei den Leuten das Gefühl auf, das Beste ist, wir bezahlen<lb/>
dies gleich selbst. Ein typisches Beispiel für <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ist in Wien<lb/>
die Vergnügungssteuer. 90% davon gehen an die Theater und Sport<lb break="no"/>vereine wieder zurück. Wien hat nur 20% Einhebungskosten, die nicht<lb/>
annähernd gedeckt werden können. So sehr diese Theorie richtig<lb/>
ist, ergibt sich in der Praxis halt doch, dass die, die<add>[die]</add> Steuer auf<lb break="no"/><pb n="27-1196" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1196.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bringen, nicht unbedingt dieselbe Steuer, nämlich im Ausmass<lb/>
zurückbekommen müssten. Trotzdem glaube ich wird man gezwungen sein<lb/>
das ganze System neu zu überdenken.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_24">Globale Berechnungen sind eben immer etwas anderes als wenn man<lb/>
dann spezifische Überlegungen anstellt. Dies gilt auch für das jetzt<lb/>
so grosse Schlagwort, die Leute sparen zu viel. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat sich<lb/>
eine schichtenspezifische Untersuchung angeschaut und dabei festge<lb break="no"/>stellt dass die kleineren Einkommen bis 2.000 Schilling natürlich<lb/>
nicht mehr sparen, sondern weniger, dass gewisse Gruppen der Be<lb break="no"/>völkerung weniger sparen, dass in Wirklichkeit die höheren Einkommen<lb/>
oder wenn man so will, selbst aus Sozialprestige-Gründen gewisse<lb/>
Gruppen die sparen könnten, nicht sparen. Die schichtenspezifische<lb/>
Untersuchung eben ein anderes Bild gibt als man makroökonomisch<lb/>
annimmt. Hier wären neue Überlegungen über sozialistische Vertei<lb break="no"/>lungspolitik, sozialistische Steuerpolitik, sozialistische Ein<lb break="no"/>kommenspolitik dringend notwendig. Sicher ist nur eines für mich,<lb/>
dass ein Zeiten der Rezession die Lohnbewegungen und dies gilt<lb/>
hoffentlich auch dann für den Öffentlichen Dienst dazu führen<lb/>
werden, dass man durch absolute Beträge die Teuerung abgilt und<lb/>
die perzentuellen Zuschläge wesentlich verringert. Dadurch tritt<lb/>
zwar eine Nivellierung ein, die aber sicherlich berechtigt und<lb/>
auch gerechtfertigt ist. Diese sozialen Gesichtspunkte müsse man<lb/>
soweit sie administrierbar sind und nicht allzu viel Kosten und<lb/>
Aufwand verursachen, auch bei den Abgaben mehr oder minder ein<lb break="no"/>führen resp. verstärken.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_25"><rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> sagt mir, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht daran denkt, persönlich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> zu reden, sondern hofft, dass ich diese Arbeit ihm<lb/>
abnehme. Er will bei <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> nicht den Eindruck erwecken, dass er<lb/>
ihn los haben möchte. <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> sagt, dass auch neben <rs type="person" ref="#per__97340">Bodo Beelitz</rs><lb/>
sich <rs type="person" ref="#per__136059">Fleischmann</rs><add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> sich um die Stelle des Leiters der Industrie<lb break="no"/>sektion bewerben wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_26">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> für Freitag Termin<lb/>
vereinbaren.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-22_27"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="27_1187_05" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1187-05.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 22.10.1975</head>
         </div>
         <pb n="27_1187_06" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-22_1187-06.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97563">
               <persName type="label">Hofstetter, Erich</persName>
               <persName><surname>Hofstetter</surname><forename>Erich</forename></persName>
               <occupation>Leitender Sekretär ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/136895662</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97749">
               <persName type="label">Mitterer, Otto</persName>
               <persName><surname>Mitterer</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97686">
               <persName type="label">Lanner, Sixtus</persName>
               <persName><surname>Lanner</surname><forename>Sixtus</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/120934426</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97340">
               <persName type="label">Beelitz, Bodo</persName>
               <persName><surname>Beelitz</surname><forename>Bodo</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97755">
               <persName type="label">Moser, Josef</persName>
               <persName><surname>Moser</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Bautenminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97994">
               <persName type="label">Steinocher, Karl</persName>
               <persName><surname>Steinocher</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>LH-Stv. Sbg., SPÖ</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97311">
               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118503049</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97444">
               <persName type="label">Fischer, Heinz</persName>
               <persName><surname>Fischer</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-Klubsekr./-obmann</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97807">
               <persName type="label">Peter, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Peter</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>FPÖ-Obmann</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__136649">
               <persName type="label">Wiesenthal, Simon</persName>
               <persName><surname>Wiesenthal</surname><forename>Simon</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__108609">
               <persName type="label">Sterk, Georg</persName>
               <persName><surname>Sterk</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97998">
               <persName type="label">Strauß, Eduard</persName>
               <persName><surname>Strauß</surname><forename>Eduard</forename></persName>
               <occupation>Präs. Wiener Messe</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113083">
               <persName type="label">Sinowatz, Fred</persName>
               <persName><surname>Sinowatz</surname><forename>Fred</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97525">
               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__136059">
               <persName type="label">Fleischmann, Franz</persName>
               <persName><surname>Fleischmann</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>ÖIAG, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__137155">
               <persName type="label">Leber, Georg</persName>
               <persName><surname>Leber</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>Verkehrsminsiter, BRD</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__107938">
               <persName type="label">Leodolter, Ingrid</persName>
               <persName><surname>Leodolter</surname><forename>Ingrid</forename></persName>
               <occupation>Gesundheitsministerin</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__110923">
               <persName type="label">Lanc, Erwin</persName>
               <persName><surname>Lanc</surname><forename>Erwin</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__98040">
               <persName type="label">Wais, Anton</persName>
               <persName><surname>Wais</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/1017902909</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__98072">
               <persName type="label">Wiesinger, Anna</persName>
               <persName><surname>Wiesinger</surname><forename>Anna</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97468">
               <persName type="label">Gatscha, Otto</persName>
               <persName><surname>Gatscha</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__98066">
               <persName type="label">Weisz, Robert</persName>
               <persName><surname>Weisz</surname><forename>Robert</forename></persName>
               <occupation>FSG-Vors., SPÖ-Klubobmann, Volksanwalt</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113038">
               <persName type="label">Reim, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Reim</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98087">
               <persName type="label">Wirlandner, Stefan</persName>
               <persName><surname>Wirlandner</surname><forename>Stefan</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/13892421X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97488">
               <persName type="label">Gratz, Leopold</persName>
               <persName><surname>Gratz</surname><forename>Leopold</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister, Bgm. Wien</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108223">
               <persName type="label">Lausecker, Karl</persName>
               <persName><surname>Lausecker</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Staatssekretär/Verkehrsminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__122028">
               <persName type="label">Freisleben, Wolfgang</persName>
               <persName><surname>Freisleben</surname><forename>Wolfgang</forename></persName>
               <occupation>"Die Presse"; evtl. Falschidentifikation</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97676">
               <persName type="label">Lachs, Thomas</persName>
               <persName><surname>Lachs</surname><forename>Thomas</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__111742">
               <persName type="label">Kamitz, Reinhard</persName>
               <persName><surname>Kamitz</surname><forename>Reinhard</forename></persName>
               <occupation>ehem. ÖVP-FM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97852">
               <persName type="label">Raab, Julius</persName>
               <persName><surname>Raab</surname><forename>Julius</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__98055">
               <persName type="label">Weihs, Oskar</persName>
               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/130620351</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__114936">
               <persName type="label">Hartl, Rupert</persName>
               <persName><surname>Hartl</surname><forename>Rupert</forename></persName>
               <occupation>oö. LH-Stv., SPÖ</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>