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            <title type="main">Dienstag, der  7. Oktober 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_01">Dienstag, 7. Oktober 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_02">Bei der Eröffnung des Weltbergbaukongresses sagte ich Dir. <rs type="person" ref="#per__97423">Fabricius</rs><lb/>
von der VÖEST-Alpine, dass jetzt die GKB endlich die Berechnungen<lb/>
über die Gestehungskosten der neuen Kohle in Köflach geliefert<lb/>
hat. Damit können jetzt die ÖDK konkrete Verhandlungen und eben<lb break="no"/>falls Berechnungen über Voitsberg III beginnen. Mir erscheint es<lb/>
dringend notwendig, dass dieses Projekt so schnell wie möglich<lb/>
in ein konkretes Ausbaustadium kommt, weil in den nächsten Monaten<lb/>
über Fohnsdorf entschieden werden muss. Die Verluste werden heuer<lb/>
mit 120 Mill. S geschätzt, d.h. dass wir besser wegkommen als be<lb break="no"/>fürchtet. Trotzdem muss jetzt ein Beschluss gefasst werden,<lb/>
weil in zwei oder drei Jahren wieder irgendwelche Wahlen vor der<lb/>
Tür stehen und vor allem dann die Auskohlung der rentablen Flöze zu<lb/>
erwarten ist. Wenn kein Beschluss gefasst wird, besteht die Ge<lb break="no"/>fahr, dass die Betriebsräte noch stärker als jetzt drängen, neue In<lb break="no"/>vestitionen zu tätigen. Dieselbe Mitteilung mache ich dann Gen.Dir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> bei der Unterzeichnung des Vertrages mit Vereinigten Edelstahl<lb break="no"/>werken und der russischen Gesellschaft Paton. Die Erfahrungen, die<lb/>
beide jetzt mit der Stillegung von Pölfing-Bergla und der Neu<lb break="no"/>errichtung der Wolframhütte in Pölfing gemacht haben sind sehr<lb/>
ermutigend. Um das neue Kohlenflöz endgültig aufzuschliessen,<lb/>
muss eine Finanzierung von ca. 600 Mill. S gefunden werden. Min.<lb/>
Rat <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> wird mit dem Finanzministeriumvertreter <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs> und den<lb/>
GKB-Leuten entsprechende Vorschläge und Variationen ausarbeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte auf Beschleunigung drängen, damit so<lb/>
schnell wie möglich Beschlüsse gefasst werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_04">Im Ministerrat beschlossen wir die Demission und es war wieder<lb/>
nicht ganz klar, ob wir dies sofort durchführen sollten oder wie<lb/>
das letzte Mal erst nach einer Woche bis die Ergebnisse vor<lb break="no"/>lagen. <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> hatte auf Grund der Mitteilung von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> im Partei<lb break="no"/>vorstand, dass wir so vorgehen werden wie das letzte Mal, angenommen,<lb/>
es wird erst in einer Woche sein. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint aber und dies glaube<lb/>
ich sehr zu recht, eine Regierung sollte immer sofort demissionieren<lb/>
um schon allein zu dokumentieren, dass sie nachdem der Wähler ge<lb break="no"/>sprochen hat, dem Bundespräsidenten sofort jedwede Handlungsfreiheit<lb/>
geben will.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_05">Zur Tagesordnung wurde nichts wieder diskutiert als das Problem<lb/>
der Dienstreisen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> hat ihr Kontingent erschöpft, die<lb/>
Beamten fahren aber meistens zu internationalen Tagungen, die<lb/>
von der OECD oder sonstigen Internationalen Organisationen bezahlt<lb/>
werden. Da die Beamten dort den Drittelsatz verrechneten, müsste<lb/>
trotzdem diese Dienstreise angerechnet werden. Damit die Beamten<lb/>
aber jetzt trotzdem fahren können, haben sie auf alles verzichtet<lb/>
und sich sogar einen Sonderurlaub genehmigen lassen, damit diese<lb/>
Reise fast als Privatreise gilt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war mit dieser Vorgangs<lb break="no"/>weise einverstanden, meinte nur wegen der Drittelbelastung könne<lb/>
man schon auch reden, denn diese mache letzten Endes ja gar nicht<lb/>
so viel aus. Theoretisch wurde damit zum ersten Mal ein seiner<lb break="no"/>zeitigen Beschluss von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der sich allerdings nur auf<lb/>
private Firmen bezog, nämlich die Vergütung von Reisen durch<lb/>
Dritte durchbrochen. Ich bin überzeugt, dass früher oder später das<lb/>
ganze Reiseproblem neu verhandelt oder neu beschlossen werden muss.<lb/>
Derzeit allerdings gelten noch immer die 75 % und ich halte diese<lb/>
Einschränkung auch für richtig. Ansonsten wären die Reisen ins<lb/>
Uferlose ausgewuchert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Wir bleiben auf alle Fälle bei der jetzigen<lb/>
internen Regelung.<lb/>
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November im Messepalast eine Fremdenverkehrsausstellung machen. Er be<lb break="no"/>fürchtet, dass es zu entsprechenden Zwischenfällen kommt und hat<lb/>
deshalb die Messeleitung ersucht, ob man nicht diese ganze Aus<lb break="no"/>stellung absetzen oder zumindestens verschieben könnte. Messe<lb break="no"/>direktor <rs type="person" ref="#per__115005">Hintschig</rs> sagt, dass dies unmöglich ist, weil ein Ver<lb break="no"/>trag mit den Spaniern besteht. Ich erkläre mich bereit, nicht zu<lb break="no"/>letzt auch, weil der Außenminister <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> mich diesbezüglich er<lb break="no"/>sucht, mit den Spaniern zu verhandeln, ohne natürlich einen Druck<lb/>
auf die auszuüben. Ich werde diese Besprechung als Obmann der<lb/>
Fremdenverkehrswerbung machen, natürlich würde <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> mit der Polizei<lb/>
versuchen, diese Ausstellung zu schützen, aber es ist mit Sicher<lb break="no"/>heit anzunehmen, dass es ständig dort zu entsprechenden Ausschrei<lb break="no"/>tungen kommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111723">WIESINGER</rs>: Bitte sofort mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_09">Die VEW, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__114559">Bayer</rs>, sind an mich herangetreten, dass ich ihnen<lb/>
zur Vertragsunterzeichnung mit Paton, einem grossen Kiewer Institut,<lb/>
den Marmorsaal zur Verfügung stelle. Dies habe ich umso lieber getan<lb/>
als damit das Ministerium gegenüber den Russen ein bisschen in Er<lb break="no"/>scheinung tritt. Mit diesem Lizenzvertrag wurde ein jahrelanger<lb/>
Streit zwischen den sowj. Stellen und österr. Firmen bereinigt. Die<lb/>
Österreicher haben ein Elektroschlackenumschmelzungsverfahren<lb/>
entwickelt, um homogenere und fehlerfreie Blöcke herzustellen. Dabei<lb/>
haben sie einige Patente von Paton-Institut verletzt. Bis jetzt gab<lb/>
es nur eine irrsinnige und langwierige Patentstreitigkeit vor Gericht<lb/>
jetzt haben sich die beiden geeinigt und werden sogar noch kooperieren.<lb/>
Im einem vertraulichen Briefwechsel, der nicht bei mir unterschrieben<lb/>
wurde, sondern bei Böhler wird sogar eine Abgrenzung vorgenommen,<lb/>
wie man sich gegen Dritte und ganz besonders gegen starke Konkurrenz<lb/>
schützt. Die SU hat für 500.000 jato ESU-Kapazitäten errichtet und<lb/>
in der westlichen Welt hat Böhler über 20 Grossanlagen gebaut.<lb/>
Zu meiner grössten Verwunderung und das vermerke ich positiv, war<lb/>
diesmal auch die Industriesektion neben der Handelssektion zur<lb/>
Unterzeichnung gekommen. Ich bildete zwar nur die Staffage, bin<lb/>
aber tatsächlich sehr erfreut, dass es zu diesem Abschluss gekommen<lb/>
ist. Für die VEW gibt es jetzt grosszügige Möglichkeiten von <choice><choice><sic>Anlage<lb break="no"/>vergrösserungen-Bauten</sic><corr>Anlagevergrößerungsbauten?</corr></choice></choice> und Exporten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_10">Im Wiener Vorstand wurde über die Wahlanalyse diskutiert, obwohl<lb/>
eigentlich überhaupt noch keine verlässliche vorliegt. Im Bund hat<lb/>
sich dasselbe wiederholt, was wir eigentlich bei uns auf der Land<lb break="no"/>strasse feststellen konnten. Kein einheitlicher Trend, <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> mit<lb/>
seinem IFES-Institut und Untersuchungen ist genauso ratlos wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112994">Bruckmann</rs> mit seinen Universitätsassistenten-Untersuchungen.<lb/>
Die Auswertung der Reststimmen hat dann ergeben, dass auch das<lb/>
11. Mandat von den Freiheitlichen wieder zur ÖVP zurückgewandert ist.<lb/>
Damit ändert sich gar nichts, es bleibt bei 93:80:10 wie jetzt<lb/>
auch der Nationalrat zusammengesetzt war. Ich konnte mir die bissige<lb/>
Bemerkung nicht verkneifen: Für den Bestätigungsvermerk mussten<lb/>
hunderte Millionen Schilling aufgewendet werden. Ich bin überzeugt,<lb/>
dass man früher oder später wahrscheinlich allerdings erst in Jahr<lb break="no"/>zehnten dazu übergehen wird, ein anderes System des Wählerwillens<lb/>
zu finden als so umständliche und kostspielige Wahl. Um den Wähler<lb break="no"/>willen zu ergründen, wird man entweder Teilerhebungen mit repräsen<lb break="no"/>tativem Charakter oder überhaupt Abstimmungsmodalitäten sich aus<lb break="no"/><pb n="27-1111" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-10-07_1111.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>denken, die auf alle Fälle nicht so aufwendig und kompliziert<lb/>
sind, wie wir dies jetzt machen. Lange wurde über die Besetzung<lb/>
der Reststimmenmandate diskutiert. Die Frauen meldeten ihre<lb/>
Zentralsekretärin <rs type="person" ref="#per__137885">Demuth</rs> an, die JG – ohne dass der Name gesagt<lb/>
wurde von <rs type="person" ref="#per__114129">Oblasser</rs> – behauptet, es müsste ein Junger endlich hinein<lb break="no"/>kommen, wobei er an <rs type="person" ref="#per__114541">Konecny</rs> dachte. Die Gewerkschaft wieder<lb/>
wollte <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs>, Liesing, hätte den Abg. <rs type="person" ref="#per__136059">Fleischmann</rs> an 24. Stelle<lb/>
wollten ihren Kandidaten auf Reststimmenmandat, wobei sie sich<lb/>
allerdings nicht sehr anstrengten. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> hatte Gott und die Welt<lb/>
mobilisiert, um seinen Sekretär Dr. <rs type="person" ref="#per__140510">Keller</rs> hineinzubringen, die<lb/>
Niederösterreicher wieder wollten den Arbeiterkammerpräsidenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs>, der nach <rs type="person" ref="#per__97809">Pfeifer</rs> auf der Liste war und das 17. Mandat be<lb break="no"/>kommen sollte. Der Klub aber und vor allem einmal auch die weit<lb break="no"/>blickenderen Abgeordneten und Funktionäre waren der Meinung,<lb/>
dass in den nächsten Nationalrat selbstverständlich wieder ein Arzt<lb/>
vertreten sein müsste. Bis jetzt war es Dozent <rs type="person" ref="#per__141609">Gisel</rs>, der allerdings<lb/>
mit dieser Legislaturperiode ausscheidet. In diesem Fall kann nur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117200">Kurt Steyrer</rs>, ein Facharzt von der Landstrasse, der sich seit Jahr<lb break="no"/>zehnten politisch betätigt und auch als Fachmann anerkannt ist,<lb/>
in Frage kommen. Dass ausser diesen sachlichen Notwendigkeiten<lb/>
dann noch dazu kommt, dass er ein Landstrasser ist, war für mich<lb/>
äusserst günstig. Bei einer Argumentation, man muss eine Frau<lb/>
hineinbringen, weil jetzt die ÖVP zwei Frauen mehr nominieren<lb/>
und beim Wahlkampf immer wieder unterstrichen wurde, welche Be<lb break="no"/>deutung die Frauen in Österreich haben, sehe ich nicht ganz ein.<lb/>
Die Frauen sind sicherlich, was ihre Anzahl betrifft unterrepräsen<lb break="no"/>tiert, doch darf man nicht vergessen, dass erst jetzt bei der ÖVP<lb/>
schön langsam annähernd derselbe Prozentsatz von Frauen kommen wird<lb/>
wie wir sie schon seit Jahrzehnten haben. Entscheidend ist, dass<lb/>
den grössten Anspruch auf das Reststimmenmandat die Niederöster<lb break="no"/>reicher haben, weil sie 21.000 bringen, die Burgenländer 15.000<lb/>
und die Wiener nur 9.000. Trotzdem glaube ich wird es gelingen,<lb/>
die Klubnotwendigkeit <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> durchzusetzen. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat mir<lb/>
vertraulich mitgeteilt, dass er einen Vorschlag machte, im nö.<lb/>
Präsidium, wo ja letzten Endes immer die Personalfragen entschie<lb break="no"/>den werden, man solle für das ausscheidende Bundesratsmandat <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs><lb/>
die Bundesrätin <rs type="person" ref="#per__137885">Demuth</rs> nach Wien übernehmen, dafür dann auf das nö.<lb/>
Bundesratsmandat Kammerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs>, womit auch dieser ein<lb break="no"/>verstanden ist und <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> damit in den Nationalrat einziehen könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_11">Die Reststimmenmandate wären dann für den Wahlkreisverband I<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114116">Kapaun</rs>, Kammeramtsdirektor von Burgenland, und <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs>, im Wahlkreis<lb break="no"/>verband II für Tirol <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>, für OÖ der Eisenbahnerobmann <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs><lb/>
und für Kärnten <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>. <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs> hat damit meinen alten Freund<lb/>
Univ.-Prof. <rs type="person" ref="#per__131037">Nowotny</rs> von Linz verdrängt, den die Linzer unbe<lb break="no"/>dingt wollten. Ich bin schon sehr froh, dass <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> noch an letzter<lb/>
Stelle mit dem Grundmandat im Nationalrat eingezogen ist, denn bei<lb/>
den Verhandlungen über Reststimmen wäre es nicht allzu leicht ge<lb break="no"/>wesen, ihn durchzubringen. Schlimmstenfalls habe ich ja überall er<lb break="no"/>klärt gehabt und dies hätte ich auch sofort getan, dass ich mein<lb/>
Mandat als Minister brauche ich es ja wirklich nicht, zurückgelegt<lb/>
hätte, damit die Landstrasse zumindestens mit einem Nationalrat<lb/>
vertreten ist. Wenn wir Glück haben, sind wir dann allerdings drei.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_12">Lange Zeit hat allerdings im Vorstand und noch viel mehr dann im<lb/>
Wiener Ausschuss die Diskussion wegen der Spaniendemonstration ge<lb break="no"/>dauert. Diese Diskussion wurde dann noch bei uns auf der Landstrasse<lb/>
im Bezirksausschuss fortgesetzt, resp. dauert dort ebenfalls eine<lb/>
gewisse Zeit. Soviele Darstellungen als man hört, wie es zu dieser<lb/>
gemeinsamen Aktion mit den Kommunisten gekommen ist, so viele Varia<lb break="no"/>tionen gibt es und umso weniger kann man dann eigentlich durchsehen.<lb/>
Immer wieder wird erklärt, dass man gar nicht mit diesen gerechnet hat<lb/>
dann doch aber entsprechende Kommunisten dabei waren, immer wieder<lb/>
wird erklärt, dass man zuerst verschieben wollte, es dann aber doch<lb/>
weil der Gewerkschaftsbund – allerdings der europäische – beschlossen<lb/>
hat, am 2. Oktober die Demonstrationen zu machen, sich dann auch die<lb/>
Österreicher dem fügten, sodass man eigentlich kaum ein klares Bild<lb/>
bekommt. Für mich aus jahrzehntelanger Erfahrung und auch in meiner<lb/>
Funktion als ehemaliger Verbandsobmann der Soz. Studenten und Jugend<lb break="no"/>obmann von Wien, kenne ja, wie es zu solchen Kuddelmuddel kommt<lb/>
Irgendwelche Funktionäre entwickeln Aktivitäten, suchen Kontakt<lb/>
mit befreundeten Organisationen, diese wieder suchen Kontakt zu anderen<lb/>
Organisationen und letzten Endes glaubt man dann eine machtvolle Kund<lb break="no"/>gebung zu erreichen, wenn recht viele Organisationen beteiligt sind.<lb/>
Ausgelöst nämlich wurde das Bestreben, eine machtvolle Demon<lb break="no"/>stration zusammenzubringen aus dem beschämenden Ergebnis der ersten<lb/>
Protestaktionen gegen Spanien vor der Hinrichtung. Damals hat uns<lb/>
unser Jugendfunktionär auf der Landstrasse gesagt, waren maximal<lb/>
80 Personen bei einem Protestaufmarsch vor der Spanischen Botschaft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-10-07_13">Da die Partei aber nicht sofort entsprechend mit einer zweiten<lb/>
Massenkundgebung reagierte, glaubte man jetzt durch entsprechende<lb/>
Hilfe aller befreundeten Nationen, ja selbst der Kommunisten eine<lb/>
machtvolleren Demonstration zustandezubringen. Hätte der Gewerkschafts<lb break="no"/>bund sich nicht mit der Gewerkschaftsjugend eingeschaltet und damit<lb/>
auch Gewerkschaftsbundfunktionäre veranlasst, sich hinter diese<lb/>
Spaniendemonstration zu stellen, wäre wahrscheinlich es wieder nur<lb/>
von einem Häufchen weniger Funktionäre befreundeter Organisationen<lb/>
geblieben. So aber hat die AZ dann selbstverständlich die Aktion<lb/>
angekündigt, was ja viele veranlasst hat, daran teilzunehmen, wie z.B<lb/>
meine Frau, obwohl ich gar nicht wusste, wer dies organisiert und<lb/>
was dabei eigentlich herauskommen soll. Dass die Kommunisten sich<lb/>
dann auch noch diszipliniert verhielten, sondern nur noch die Maoisten<lb/>
und Chaoten, wie sie von den eigenen Leuten bezeichnet werden,<lb/>
aber auch die Germ, wie ich die <choice><choice><sic>GFM</sic><corr>GRM</corr></choice></choice> bezeichne, beteiligten steht auf<lb/>
einem anderen Blatt. Richtig ist, dass man die Aktivitäten der<lb/>
jungen Menschen nicht durch entsprechende Hinweise: Macht etwas,<lb/>
aber fallt nicht auf – oder vielleicht gar: Macht gar nichts, das<lb/>
zahlt sich nicht aus, bremsen kann. Richtig ist auch, dass man<lb/>
mit den jungen Leuten mehr Kontakt halten müsse. Genauso richtig<lb/>
aber ist es, dass auch wir in unserer Jugendzeit natürlich Aktivi<lb break="no"/>täten setzten, mit denen die damaligen Alten auch nicht einverstanden<lb/>
waren. Hier hilft allerdings nicht ein Jugendkomitee mit Koordination<lb/>
zu den Parteistellen, sei es dem Wiener Sekretariat, das vor Jahren<lb/>
geschaffen wurde, sondern eben nicht andres als mehr Zeit für die<lb/>
Probleme der Jugend, mehr Diskussion mit ihnen und vor allem mehr<lb/>
freie Aussprache. Eines konnte ich feststellen, dass die unteren<lb/>
oder mittleren Funktionäre der Organisationen über die Verhältnisse<lb/>
in Spanien, über die ETA-Gruppen usw. falsch informiert sind.<lb/>
Vielleicht allerdings sind die richtig informiert und wir haben nur<lb/>
eine falsche Meinung. Dies kann aber nur durch entsprechende<lb/>
Aussprachen geklärt werden. Der Wahlsieg wird durch diese Diskussionen<lb/>
jetzt natürlich überschattet, ja ich würde fast sagen, verdrängt.<lb/>
Dies ist aber eine typisch sozialistische Eigenschaft, nämlich wenn<lb/>
man auch einen ganz grossen Sieg errungen hat, sich nicht daran zu<lb/>
freien, sondern sich mit Missinterpretationen mit Fehlentscheidungen<lb/>
mit einem Wort dem Negativen mehr zu befassen als mit der positiven<lb/>
Tatsache des wirklich grossen Wahlerfolges. Vielleicht ist die mit<lb/>
einer der Gründe, warum allerdings dadurch die Bäume nicht in<lb/>
den Himmel wachsen werden und können.<lb/>
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feststellen konnte, dass unser Büro jetzt schön langsam wirklich ein<lb/>
Team wird, das sich ausschliesslich nach den personellen Notwen<lb break="no"/>digkeiten richtet und nicht durch ähnliche persönliche Motive<lb/>
in dieser Entwicklung gehemmt wird. Der Landessekretär von Tirol<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114508">Herbert Tieber</rs>, ein guter alter Freund von mir aus der Arbeiter<lb break="no"/>kammerzeit noch, wo er in der Arbeiterkammer Tirol beschäftigt<lb/>
war, ist mit seinem Posten nicht glücklich. Er hat sich deshalb<lb/>
nach dem Wahlkampf entschlossen, auf alle Fälle nach Wien zu<lb/>
übersiedeln. Er konnte scheinbar als Steirer, der jahrelang in Wien<lb/>
gearbeitet, studiert und sich vor allem einmal politisch betätigt<lb/>
hat, in Tirol nicht entsprechend Fuss fassen. Als er Interesse<lb/>
zeigte, gegebenenfalls zu mir ins Büro zu kommen, war ich sehr<lb/>
besorgt, ob sowohl <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> davon so begeistert wären<lb/>
wie ich es war. <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> hat mir nun mitgeteilt, dass er mehrere<lb/>
Angebote hat, u.a. auch von <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> in den Klub zu gehen.<lb/>
Diese Mitteilung machte er mir strengst vertraulich, wie er<lb/>
mir heute telefonisch aber mitteilte, hat er sich trotz dieses<lb/>
guten Angebotes vom Klub entschlossen, doch zu uns zu kommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs>, der <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> von der JG her sehr genau kennt, war begeistert.<lb/>
Er meinte, wäre <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> damals nicht nach Tirol gegangen, wäre<lb/>
er heute bereits Vorsitzender der JG. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>, der ihn nicht so<lb/>
genau kennt, war ebenfalls sofort damit einverstanden, dass wir<lb/>
ihn in unser Büro bringen sollten, weil wir dringendst noch Ver<lb break="no"/>stärkung brauchen. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> meinte, jetzt sei <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> weggegangen,<lb/>
weshalb ein guter Grund sei, einen Mann dafür in unser Büro<lb/>
zu nehmen. Auch <rs type="person" ref="#per__139939">Wanke</rs>, der ihn kennt, hält ihn für äusserst tüchtig<lb/>
und meint, das sei eine gute Bereicherung. <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs> kennt ihn ja nicht,<lb/>
aber auch er war glaube ich sehr zufrieden, dass wir jetzt stärker<lb/>
werden. Wir haben es alle sehr notwendig. Ich bin mir allerdings<lb/>
der Schwierigkeiten vollkommen bewusst. Die ÖVP wird mich hart<lb/>
attackieren, dass ich jetzt einen Politruk, nämlich einen Partei<lb break="no"/>landessekretär, in das Büro nehme. <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> wird nämlich nicht von<lb/>
der Partei ausscheiden, weil wir nur so erreichen können, dass<lb/>
er keinen finanziellen Verlust erleidet. Wir werden der Partei<lb/>
sein Gehalt refundieren. <rs type="person" ref="#per__97891">Herbert Salcher</rs>, der Parteiobmann,<lb/>
ist mit dieser Lösung sehr einverstanden.<lb/>
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            <head>Tagesordnung 181. Ministerratssitzung, 7.10.1975</head>
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               <occupation>Büro Staribacher, Botschafter in Sofia/Straßburg</occupation>
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               <occupation>Vizepräs. AK Wien, SPÖ-BR, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>SPÖ-NR-Abg., ab 1981 Gesundheitsmin.</occupation>
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