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            <title type="main">Montag, der 15. September 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_01">Montag, 15. September 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_02">Beim Jour fixe startete <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> einen frontalen Angriff. Er hatte<lb/>
meine Presseaussendung vom Pressefrühstück 9.7. über die Export<lb break="no"/>offensive. Im letzten Punkt wo wir erklärten die Botschafter sollten<lb/>
stärker eingeschaltet werden, und wir deshalb die Informationsrunden<lb/>
starteten, sagte er ganz ernst unter beifälligen nicken von <rs type="person" ref="#per__97893">Sal<lb break="no"/>linger</rs>, hier handelt es sich um einen Angriff auf die Selbstständig<lb break="no"/>keit der Außenhandelsstellen. Ich replizierte sofort, daß dies<lb/>
nur ein schlechter Scherz sein könne. Ich hatte seinerzeit sogar<lb/>
den Text mit ihnen besprochen und er hat gewisse Formulierungen<lb/>
herausgestrichen. In diesem Moment erinnerte sich glaube ich<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> auf unsere seinerzeitige Debatte, lenkte dann ent<lb break="no"/>sprechend ein und als ich erklärte, daß bei diesen Besprechungen<lb/>
sowieso ein Handelskammervertreter immer dabei ist, war er absolut<lb/>
beruhigt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> warf ich nur vor, daß sein Büro langsam arbeitet.<lb/>
Vom Juli bis September, also 2 Monate bis sie überhaupt auf Presse<lb break="no"/>gespräche bei mir reagierten. Wie sehr die Handelskammer gerade auf<lb/>
diesem Sektor empfindlich ist, konnte ich auch daraus entnehmen, daß<lb/>
sie mit der Industriellenvereinigung eine Aussprache wegen des Evidenz<lb break="no"/>büros, das in gewissen Oststaaten Niederlassungen hat, verhandelten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meinte sie seien ausgesprochene Gegner dieses Evidenzbüros,<lb/>
kann aber scheinbar auch hier keine endgültige Lösung herbeiführen.<lb/>
Die Industriellenvereinigung macht ihnen immer stärkere Konkurrenz<lb/>
in der Frage der Außenhandelsvertretung, obwohl mir Dr. <rs type="person" ref="#per__112971">Weber</rs> von<lb/>
der Industriellenvereinigung beim letzten Besuch immer wieder erklärt,<lb/>
daß sie mit dem Evidenzbüro nichts zu tun haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_03">Ich startete sofort einen Gegenangriff und verwies darauf, daß das<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>-Pamphlet, Adressenverzeichnis der Selbständigen, an die<lb/>
politische Partei gekommen ist. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> der deshalb angegriffen<lb/>
wurde, daß dies von der Handelskammer ist, hat sich sofort vor die<lb/>
Handelskammer gestellt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> versicherte mir, daß dieses Ver<lb break="no"/>zeichnis keinesfalls von ihnen stammt. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> mit dem ich allerdings<lb/>
dann am Gewerkschaftskongreß sprach, ist davon überzeugt, daß von<lb/>
den Kammerwahlen noch dieses Adressenverzeichnis, daß auch so wie bei<lb/>
der Arbeiterkammerwahl die politischen Parteien kommen, aus dieser<lb/>
Zeit noch stammt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> beschwert sich wieder, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in<lb/>
einem Fernsehinterview darauf hingewiesen hat, daß die Entlassungen<lb/>
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Wirtschaftsbundes eine solche Politik wünschen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ist darüber<lb/>
sehr erbost und wird diesbezüglich auch mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_04"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> kam neuerdings auf die Textilindustriesanierung im Osten zu spre<lb break="no"/>chen. Er meint, für diese Fusion werden 120 Millionen Schilling benötigt.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> in dem Fall die Schoeller-Bank vertritt, <choice><choice><sic>Tambornino</sic><corr>?</corr></choice></choice> bei der<lb/>
Länderbank und Piering bei der CA verschuldet ist, müsse man auch die<lb/>
Kammervertreter heranziehen und insbesondere beschwerte sich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>,<lb/>
daß der Fachverband wieder einmal ausgeschaltet ist. Ich versprach<lb/>
ihm, die ganze Sache an mich zu ziehen und dann die Interessenver<lb break="no"/>tretungen einzuschalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_05"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wollte mir einen Brief schreiben, daß ich den Minister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__141039">Galanschin</rs> und den Präsidenten <rs type="person" ref="#per__141040">Melnikow</rs> aus der UdSSR auf Wunsch der<lb/>
Firma Voith einladen sollte. Ich erklärte ihm, ein diesbezügliches<lb/>
Schreiben sei überhaupt nicht notwendig, weil ichh diese Wünsche alle<lb/>
mündlich nur erledige. Ich möchte unter allen Umständen verhindern,<lb/>
daß irgendwo schriftlich ein solcher Firmenwunsch bei mir einläuft,<lb/>
damit nicht durch irgendwelche verhängnisvolle Umstände, womöglich<lb/>
dann die eingeladenen Länder erfahren, wie ich dieses System hand<lb break="no"/>habe. Ich erklärte, daß sich mein Büro sofort mit der Handelskammer<lb/>
ins Verbindung setzen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_06">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> soll sich mit <rs type="person" ref="#per__137384">Deuring</rs> sofort in Ver<lb break="no"/>bindung setzen und mir einen diesbezüglichen Einladungsbrief entwer<lb break="no"/>fen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_07"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ersuchte mich, was am Vortag schon <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> bei einer<lb/>
Konferenz mir sagte, man soll die Kommerzialräte für Oberösterreich<lb/>
und die Steiermark, wo auch jetzt Jubiläumsfeiern stattfinden, mit<lb/>
13 festsetzen. In der Steiermark würde die Aufteilung wie mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> sagt 4:9 sein und in Oberösterreich erklärte mir <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs><lb/>
beim SJ-Treffen 8:5. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> fragte mich ob ich für die Aufteilung<lb/>
zuständig wäre, resp. mich wieder einschalten würde, weil er das letzte<lb/>
Mal bekanntlicherweise mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> einen schlechteren Schlüssel<lb/>
vereinbart hat und ich dann dagegen protestierte. Da ich wußte, daß<lb/>
diesmal der Schlüssel sehr günstig ist, erklärte ich sofort, ich hätte<lb/>
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wir Vorarlberg 10, Salzburg 11 und Wien 15 Kommerzialratstitel zu<lb/>
den Jubiläumsfeiern seinerzeit verschafft haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_08">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mich bei der nächsten Gelegenheit wo<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> treffe erinnern und ein diesbezügliches Schreiben<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> vorbereiten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_09"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erinnerte mich, daß er mir vor längerer Zeit ein Straßenprojekt<lb/>
im Ötztal von der Firma Falkner übergeben hatte. Diese Ötztalstraße<lb/>
steigt von 1.400 auf 3.400 m, hat einen Sessellift auf 3500 und soll<lb/>
nun eine Seilbahn auf 3700 am Rettenbachgletscher erschließen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
fragte was aus diesen Unterlagen geworden ist. Ich muß gestehen, daß<lb/>
ich von <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> wieder nichts gehört habe. Ähnlich übrigens ist es mit<lb/>
dem Straßenzuschuß für Osttirol gewesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_10">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Ich verstehe nicht, wieso wir überhaupt nichts<lb/>
erfahren, obwohl ich dies auch schon einige Male urgiert habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_11">Die Eröffnung des ÖGB-Kongresses ist immer sehr feierlich. Die Regierung<lb/>
fast vollzählig anwesend und bildet immer den Höhepunkt des Gewerk<lb break="no"/>schaftskongresses. Dies vor allem weil selbst der Kardinal und der<lb/>
Bundespräsident kommt, der ihn übrigens auch dann feierlichst er<lb break="no"/>öffnet. Nachmittag ist daher nur mehr die Konstituierung der Sitzung<lb/>
und es beginnen die Begrüßungen und Berichte der Sekretäre, darum<lb/>
sich dann schon kaum mehr wer kümmert. Wegen des Journalistenfrühstückes<lb/>
mußte ich früher weggehen und habe mich deshalb nicht vorne hinge<lb break="no"/>setzt, sondern ganz rückwärts am Konzerthausausgang. Einige haben<lb/>
sicher wieder gedacht, daß ist meine sprichwörtliche Bescheidenheit.<lb/>
In Wirklichkeit war es nur aus der Not eine Tugend zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_12">Ich war sehr froh, daß ich zum Journalistenfrühstück gekommen bin,<lb/>
weil erstens der Besuch sehr gut war und die Besetzung optimal und<lb/>
weil zweitens wirklich die wichtigen Probleme der Lehrlingsausbildung<lb/>
und der Lehrlingsstellenbesetzung zur Debatte standen. Von der Handels<lb break="no"/>kammer war der Vorsitzende des Beirates Dr. <rs type="person" ref="#per__139778">Meches</rs> und von der Arbeiter<lb break="no"/>kammer Dr. <rs type="person" ref="#per__123819">Neuwirth</rs> geladen. Ich bin neugierig wie lange die Bundes<lb break="no"/>kammer noch mir Gelegenheit gibt, immer wieder mit ihren Vertretern<lb/>
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Fälle Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auffordern auch zu kommen um diese Zusage<lb/>
die ich von ihm ja schon einmal hatte, auch tatsächlich einzulösen.<lb/>
Mit den alleinigen Berichten der Beamten und meiner Anwesenheit und<lb/>
Ergänzungen wird es nämlich auf die Dauer nicht gehen. Ich bin sehr<lb/>
gespannt was die Öffentlichkeit und insbesondere die Massenmedien<lb/>
und Zeitungen jetzt über diese Lehrlingssituation berichten werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat ganz richtig gesagt, daß eigentlich das Handels<lb break="no"/>ministerium, oder ich persönlich besser gesagt, überhaupt noch nicht<lb/>
angegriffen wurden. Dies ist tatsächlich der Fall und ich betrachte<lb/>
deshalb das Lehrlingsskandalplakat als einen Angriff auf das Handels<lb break="no"/>ministerium. Ich bin dafür zuständig und kann deshalb umso heftiger<lb/>
dagegen agieren. Bei dieser befriedigenden Entwicklung der Lehrstellen<lb/>
und Lehrlingsunterbringung in diesem Jahr habe ich gleichzeitig ange<lb break="no"/>kündigt, daß ich die Interessenvertretungen unmittelbar nach dem<lb/>
Kongreß zu mir bitten werde, um ein neues Berufsausbildungsgesetz<lb/>
basierend auf den Ideen des Jugendgewerkschaftskongresses auszuarbeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_13">Die ehemaligen Wiener Vorstandsmitglieder der SJ trafen sich im Rat<lb break="no"/>haus und ich war sehr erstaunt, wen ich dort allen treffen konnte.<lb/>
Da ich der einzige Minister war der zu dieser Veranstaltung kam, rechne<lb break="no"/>ten sie mir dies sehr hoch an. Interessant war, daß <rs type="person" ref="#per__140086">Otto Fielhauer</rs>,<lb/>
"Habakuk", zu mir kam und meinte, wieso ich in letzter Zeit so wenig in<lb/>
den Massenmedien erscheine und ob dies von mir beabsichtigt sei. Er<lb/>
hätte sich jetzt die Zeitungen durchgesehen vom Vorjahr und bemerkt<lb/>
wie viel ich damals mehr in der Öffentlichkeit erwähnt wurde. Ich<lb/>
sagte ihm freimütig, daß ich darauf keinen Einfluß nehme und auch<lb/>
keinerlei intensive Pressepolitik in dieser Richtung unternehme.<lb/>
Seit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> weg ist hat sich die Situation eben verschlechtert. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
meinte dann, der ebenfalls anwesend war, am Abend bei dem großen<lb/>
Empfang für die ehemaligen sozialistischen Jugendlichen, man müsse<lb/>
in dieser Richtung wirklich wieder etwas tun. Er ist davon überzeugt,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__140733">Braun</rs> in Hinkunft sehr wohl eine aktive Pressepolitik machen wird.<lb/>
Er kann erstens schreiben und zweitens hat er das notwendige politische<lb/>
G'schpür. Ich bin davon auch überzeugt, sehe nur große Schwierigkeiten<lb/>
wie man ihn im Ministerium stärker einschaltet, ohne daß <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> sich<lb/>
zurückgesetzt fühlt. Mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> habe ich dieses Problem besprochen<lb/>
und er meint, er wird neuerdings mit <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> reden und dann sollen wir<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_14">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte nimm Dich dieser Sache dringend an, sonst<lb/>
geht es schief und wird viel zu viel Mißtrauen aufgebaut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_15"><rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs>, der Einlader, und die ganzen alten SJ-ler diskutierten selbst<lb break="no"/>verständlich die Vergangenheit und wie sie mich damals aus der SJ<lb/>
Wien abwählten. <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs> hat heute glaube ich noch immer gewisse Hemmun<lb break="no"/>gen, weil er mein Nachfolger war, obwohl er sicherlich nur von <rs type="person" ref="#per__97552">Hindels</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97354">Blau</rs>, meinem Schwager <rs type="person" ref="#per__114117">Mayerhofer</rs> und vor allem <rs type="person" ref="#per__126282">Strasser</rs><add>[vor-]</add> geschoben wurde.<lb/>
Ich bin ihm wirklich überhaupt nicht bös und eine Genossin sagte, damals<lb/>
hätte ich erklärt, dann gehe ich halt in die Arbeiterkammer, bin ohne Ver<lb break="no"/>bitterung mich aus dem Wiener Vorstand und damit auch automatisch aus<lb/>
dem Wiener Parteivorstand ausgeschieden. Ich kann mich an diese Zeit<lb/>
nicht mehr so genau erinnern, weiß nur eines, daß ich dadurch die<lb/>
Chance gehabt habe mein Doktorat doch noch zu machen. Vielleicht habe<lb/>
ich damals auch schon meine heutige Auffassung gehabt, alles ist<lb/>
Kismet und es kommt schon so wie es kommen muß. Vor allem aber<lb/>
kommt es immer anders als manche denken und manche wünschen. Nur<lb/>
nicht scheinbar über Karrieren sich den Kopf zerbrechen. Heute weiß<lb/>
ich mehr den je, sie sind alle nicht erstrebenswert. Was wirklich<lb/>
bei mir dahintersteckt, möchte ich selbst gerne wissen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_16">Im Wiener Ausschuß berichtete <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> über die Milliarden-Projekte<lb/>
die er jetzt offiziell erklären wird, keinesfalls eingeschränkt werden<lb/>
sollen. Er meinte es wäre dringendst notwendig, daß der Wiener Aus<lb break="no"/>schuß dies auch einstimmig zur Kenntnis nimmt. Die ÖVP wird wahrschein<lb break="no"/>lich diese neuerdings attackieren. In der Diskussion meinte jemand<lb/>
nur die Pfänderautobahn und der Bregenzer Bahnhof, er meint wahr<lb break="no"/>scheinlich Wolfurt seien Milliarden-Projekte in den Ländern. Dort<lb/>
werden nur die Straßenprojekte in dieser Größenordnung. In Wien<lb/>
dagegen und ich versuchte von <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr Hans</rs> sofort Größenordnungen ziffern<lb break="no"/>mäßig zu bekommen, die <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> nicht sagte, sind es das Allgemeine Krankenhaus<lb/>
20 Milliarden, die U-Bahn 15 Milliarden, davon 6 schon verbaut, die<lb/>
UNO-City 13 Milliarden, die Investitionen der Stadtwerke 2.5 Milliarden,<lb/>
die Donauinsel 2 Milliarden, die Großkläranlage 700 Millionen, eine<lb/>
Wohnbauanlage in Jedlersdorf 650 Millionen und im II. Bezirk auf den<lb/>
Siemensgründen 480 Millionen. Wenn man dies zusammenrechnet, ergibt<lb/>
dies allein 54 Milliarden Schilling. Wirklich gigantische Projekte,<lb/>
die man allerdings vom ökonomischen Standpunkt vertreten kann,<lb/>
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solche Großprojekte haben, diskutierte ich abends mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> beim<lb/>
Empfang für die ehemaligen SJ-ler über die Rennweger-Kaserne. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
hat neuerdings von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Zusicherung, daß nach den Wahlen<lb/>
sofort der Verkauf erfolgen müsse. Eine gemeinsame Planung die <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
für zweckmäßig hält und von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> gefordert wird, dürfte nach<lb/>
Meinung <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> auf keinen Fall abgewartet werden. Wenn zwei Stellen,<lb/>
nämlich der Bund und die Gemeinde, ein solches Grundstück gemeinsam<lb/>
planen, bedeutet dies, daß mindestens weitere 5 Jahre vergehen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ist fest davon überzeugt, diesen alten Wunsch endlich durchzu<lb break="no"/>ziehen. Er war sehr erstaunt zu erfahren, daß in der Regierung auch<lb/>
darüber gesprochen wurde, daß die Gemeinde Wien andere Kasernen<lb/>
nicht wünscht. Eine diesbezügliche Forderung wurde vor längerer Zeit<lb/>
bereits dem Bautenministerium übermittelt. Ich kann mir sehr gut<lb/>
vorstellen, da niemand hinter den anderen Projekten steht, daß sich<lb/>
eben daraus eine Diskussion, fast würde ich sagen beamtenmäßig<lb/>
zwischen Bund und Gemeinde, entwickelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_17">Die Aussprache bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, <rs type="person" ref="#per__140313">Helbich</rs>, dem Direktor der<lb/>
Vöslauer <rs type="person" ref="#per__140596">Giessrigl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> und <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs> ergab,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, wie er uns nachher intern sagte, größten Wert darauf<lb/>
legt diese Aktion der Schoeller-Bank mit der <choice><choice><sic>Industriellenverband</sic><corr>Industriellenvereinigung?</corr></choice></choice><lb/>
an der Spitze zu unterstützen. Er meint es würden dann allerdings<lb/>
auch die anderen Textilbetriebe früher oder später kommen, die gesamte<lb/>
Papierindustrie und ich erwähnte dann auch noch die Glasindustrie,<lb/>
die dringendst einer Sanierung, d.h. einer Strukturänderung bedarf.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> wird jetzt mit den Vöslauern den Personalplan besprechen.<lb/>
Er ist bereit einen Zuschuß zu geben, weil ihm diese Lösung lieber<lb/>
ist als einer oder anderer Textilindustriebetrieb im Osten sperrt<lb/>
zu. <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> wird jetzt wegen der Kredite mit der Österreichischen<lb/>
Kontrollbank, <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> verhandeln und mit dem E+E-Fonds. Ich selbst<lb/>
wurde beauftragt die Koordinierung durchzuführen und vor allem mal<lb/>
das ganze Projekt jetzt in den Details darzustellen. Zu diesem Zweck<lb/>
habe ich erklärt werde ich auch die Interessenvertretungen hinzu<lb break="no"/>ziehen und MR <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> bei mir beauftragen, unverzüglich mit <rs type="person" ref="#per__140596">Giessrigl</rs><lb/>
die notwendigen Detailinformationen und vor allem den endgültigen<lb/>
Plan zu erstellen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erklärte nämlich ausdrücklich, ihm genügt<lb/>
<pb n="27-1001" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band27/27_1975-09-15_1001.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>vollkommen anstelle von eines riesigen Wirtschaftsprüferberichtes<lb/>
oder sonstigen Elaborates von einem teuer zu bezahlenden Sachver<lb break="no"/>ständigen, wenn das Handelsministerium ein wirkliches Konzept mit<lb/>
der Firma erarbeitet vorlegt. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> kam auch auf die Angelegenheit<lb/>
Piering-Strumpfimporte aus Rumänien zu sprechen. Er hätte mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
vereinbart, daß jetzt ein gemeinsames Projekt Handelskammer-Piering<lb/>
gefunden wird, damit das Selbstbeschränkungsabkommen für Strumpf<lb break="no"/>hosen durch die Importe nicht gestört wird. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> erklärt, daß 21<lb/>
Millionen Schillinge durch Strumpfimporte hereinkommen müßten, weil<lb/>
angeblich die Maschinen, die dafür exportiert wurden, tatsächlich<lb/>
so viel wert sind. Andere Berechnungen sprechen allerdings von 5 Mil<lb break="no"/>lionen Schillinge. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> wird es übernehmen dem Handelsministerium<lb/>
einen entsprechenden Vorschlag nach Rücksprache mit dem Fachverband<lb/>
und der Bundeshandelskammer und insbesondere den Importeuren zu<lb/>
machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_18">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte das ganze Projekt jetzt von der Sektion und<lb/>
insbesondere Branchenreferat <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> dringendst erarbeiten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band27_1975-09-15_19">Das Zusammentreffen ehemaliger SJ-ler ist deshalb interessant weil<lb/>
man alte Gesichter wieder sieht, feststellt wie alle alt werden,<lb/>
daß man sich kaum mehr erkennt und wie doch eine Art Zusammengehörig<lb break="no"/>keit festzustellen ist. Alle erzählen immer wieder, daß dies die<lb/>
schönste Zeit gewesen ist. Hier glaube ich gilt aber der alte Er<lb break="no"/>fahrungssatz, daß eben die Vergangenheit immer goldiger erscheint.<lb/>
Dies ist sicherlich darauf zurückzuführen, weil man damals eben jung<lb/>
war und natürlich im Alter verklärt auf die Jugendzeit zurückblickt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hatte eingeladen, viele waren gekommen und vielleicht ist es<lb/>
wirklich ein bißchen Stolz der anderen, daß sie auch zwei Minister,<lb/>
nämlich <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> und mich, als einen der ihrigen jetzt haben. Niemand<lb/>
würde mir glauben, daß es reiner Zufall war, daß ich eine solche<lb/>
Karriere hatte, doch glaube ich, niemand weiß besser als ich, von<lb/>
wieviel Zufälligkeiten es wirklich abhängte.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 15.9.1975</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>IV, GD Wr. Schwachstromwerke (WSW)</occupation>
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               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <occupation>Wr. Betriebsansiedlungsgesellschaft, Schwager Staribachers</occupation>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>SJ-Vors. 1946-54</occupation>
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               <occupation>Kabinettschef Kreisky [ident mit Reiter, C; 3.11.1971 Fredi Reiter
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               <occupation>Chefredakteur AZ, ÖGB-Bildungsreferent</occupation>
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