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            <title type="main">Dienstag, der 22. Juli 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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<rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs>, zeigt jetzt großes Interesse in Österreich jetzt doch eine<lb/>
Extraktionsanlage zu errichten. Nachdem sie sich überzeugt haben, daß<lb/>
in der Schweiz vom Bundesrat keine Möglichkeit besteht, eine Ge<lb break="no"/>nehmigung zur Errichtung der Ölmühle zu bekommen, versuchen sie schein<lb break="no"/>bar den Unilever-Konzern dafür zu gewinnen in Österreich eine solche<lb/>
zu errichten. Die einzige Ölmühle die sie zum Vergleich immer heran<lb break="no"/>ziehen, ist ihre Extraktionsanlage in Mannheim. Diese hat eine Kapa<lb break="no"/>zität von 1 Million Tonnen. Eine solche Großanlage hat natürlich<lb/>
gigantische Kostenersparnisse. In Österreich käme maximal ein<lb/>
Projekt mit 300.000–350.000 Tonnen in Frage. Auch dies geht mit<lb/>
fast 250.000 über die inländische Produktionsmöglichkeit. Wenn sich<lb/>
Unilever sehr anstrengt und die Landwirte bereit sind mitzumachen,<lb/>
können wir höchstens 100.000 Tonnen Saat in Österreich zur Verfügung<lb/>
stellen. 250.000 müßten importiert werden. Um aber qualitätsmäßiges<lb/>
Öl zu erzeugen, wäre es sowieso notwendig die Produktion nicht nur<lb/>
auf Raps und Sonnenblumen, sondern vor allem auch auf Soja einzu<lb break="no"/>richten. Soja gibt es aber in Österreich nicht und wird es sicher<lb break="no"/>lich auch niemals geben. Bis jetzt hat man mir mitgeteilt gibt es nur<lb/>
in Zisterzienser-Kloster in Burgenland einen Gartenversuch, wo Soja<lb/>
tatsächlich ausgereift ist. Nur aber mit der größten <sic>gärtenlichen</sic><lb/>
Mühe und Gartenkunst war es möglich, überhaupt dieses Soja zur Reife<lb/>
zubringen. Was nun die inländische Produktionsmöglichkeit betrifft,<lb/>
sie beschränke sich auf Raps und Sonnenblumenkerne. Raps muß aber<lb/>
laut der wissenschaftlichen Diskussion den EG-Richtlinien maximal mit<lb/>
10% in Hinkunft nur zugesetzt werden, die Hauptkomponenten werden<lb/>
deshalb immer Sonnenblumen und Soja und Kokosfett sein. Unilever hat<lb/>
nun ausgerechnet, daß sie fast l/2 Milliarde Schilling Stützung<lb/>
bräuchten, um diese inländische Produktion durchführen zu können.<lb/>
Den größten Teil davon würde die Landwirtschaft bekommen. Die Uni<lb break="no"/>lever geht mit Recht davon aus, daß der Bauer heute einen entsprechen<lb break="no"/>den Hektarertrag bei Weizen und insbesondere bei Mais hat. Wenn nun<lb/>
Sonnenblumen nicht den selben Hektarertrag von mindestens 20.000 Schil<lb break="no"/>ling erbringen, wird der Bauer sich von Mais auf Sonnenblumen nicht<lb/>
umstellen. Deshalb errechnen sie, daß sich die Aufkaufpreise ent<lb break="no"/>sprechend für Raps und insbesondere Sonnenblumen erhöhen müssen.<lb/>
Wir liegen mindestens zu 50% über den Weltmarktpreisen. Niemand weiß<lb/>
allerdings, wie in den 80er Jahren der Weltmarktpreis sein wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_03">Wahrscheinlich wird er anziehen, da die unterentwickelten Länder ihre<lb/>
Ölfrüchte entsprechen teurer verkaufen werden. Die Produktionskosten<lb/>
infolge der kleineren Anlage auch höher sind als man sie in Mannheim<lb/>
oder sonst in einem Großwerk erzielen kann, wird von Unilever auch<lb/>
eine gewisse Stützung in der Produktion für sie eingebaut. Ich habe<lb/>
sie nicht im Unklaren gelassen, daß diese Kalkulationspoeten niemals<lb/>
von mir akzeptiert werden. Auch dann wenn sie nur 1/10 der bäuerlichen<lb/>
Stützung betragen, werde ich sie nicht anerkennen, denn die optimale<lb/>
Größe von Mannheim kann eben nicht als Grundlage genommen werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> hat dies auch sofort eingesehen und meinte aber mit Recht,<lb/>
es war ihre Pflicht die notwendigen Kalkulationen so zu erstellen,<lb/>
daß auch ihre Wünsche entsprechend zum Ausdruck kommen. Unilever wird<lb/>
mit der Landwirtschaft gemeinsam die Anbauverträge und Versuche für<lb/>
Raps und Sonnenblumen weiter betreiben. Insbesondere ist es notwendig,<lb/>
daß bei Raps <choice><choice><sic>Eruca-freie</sic><corr>erucasäurefreie?</corr></choice></choice> Saat zur Aussaat kommt. Unilever möchte den<lb/>
Preis für die Ölsaat aber nicht jetzt schon allzu hoch festlegen und<lb/>
ist deshalb bereit, durch entsprechende Beihilfen für Anbau, für Saat,<lb/>
für Ernte zur Verfügung zu stellen. Hier sieht man wie weitblickend.<lb/>
Unilever Projekte angeht, weil sie jetzt seit Jahrzehnten diesen Öl<lb break="no"/>fruchtbau indirekt subventioniert, dabei aber immer bestrebt ist den<lb/>
Preis nicht allzu hoch festzusetzen. Unilever ist sich vollkommen klar,<lb/>
daß sie eine Beteiligung von landwirtschaftlichen Kreisen und<lb/>
wenn es nach ihr geht auch von Konsumentenkreisen dringendst braucht.<lb/>
Sie möchte am liebsten nur das know how und die Techniker und Leute<lb/>
zur Verfügung stellen. Dies wird allerdings nicht ausreichen. Unilever<lb/>
befürchtet, daß sie mit dieser Ölextraktion ein weiteres Monopol<lb/>
bekommt, so wie sie dies de facto schon bei der Margarine hat. Der<lb break="no"/>zeit gibt es 4 Ölmühlen, Unilever, Wiener Ölwerke, Ebhart &amp; Herout<lb/>
und die Vereinigten Fettindustrie. Die Letztere ist allerdings,<lb/>
und Unilever wußte die Details, ohne daß ich es also erwähnte, ja wir<lb/>
auch nur ein Wort dafür verwendeten, wie schlecht es um diese Fabrik<lb/>
derzeit bestellt ist.<lb/>
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Daten und insbesondere Projektvergleiche durchführen. Wir haben jetzt<lb/>
in Österreich die glückliche Situation, daß es noch <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> mit<lb/>
seinem Projekt gibt, an dem sich die landwirtschaftliche Genossen<lb break="no"/>schaft über die Gmünder und auch die Konsumgenossenschaft gegebenenfalls<lb/>
beteiligen möchten.Diese verlangen aber eine vollkommene Marktordnung<lb/>
à la Fettwirtschaftsverband. Unilever dagegen sieht vollkommen ein, daß<lb/>
<pb n="26-0860" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-07-22_0860.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>es wahrscheinlich äußerst schwierig, je wahrscheinlich unmöglich ist<lb/>
im Rahmen des GATT eine Liberalisierung von Fett-und Fettprodukten<lb/>
aufzukündigen. Wir können dafür keine Ersatzposition anbieten.<lb/>
Unilever möchte deshalb primär eine kommerzielle Lösung dieses Problems.<lb/>
Sie stellen sich vor, dass es möglich sein müsste, mit den anderen<lb/>
Fettfabriken ein Gentlemen's Agreement zu erreichen und insbesondere<lb/>
wenn sich noch andere daran beteiligen und dass halte ich für äußerst<lb/>
notwendig, zu einem Ergebnis zu kommen, ohne dass wir einen Fett<lb break="no"/>wirtschaftsverband mit Bewirtschaftung usw. errichten müssen. Not<lb break="no"/>wendig wird es nur sein, wie man gegen die Außenseiter oder New<lb break="no"/>comer sich abschirmen kann. Der Zoll ist absolut unzulänglich,<lb/>
daß es aber zu einer solchen Ölextraktionsanlage in irgend einer<lb/>
Form kommen wird, ist mir klar. Die Landwirtschaft wird die 170.000<lb/>
Tonnen Weizen, die man durch eine Anbauerhöhung von Ölfrüchten in<lb/>
Hinkunft ersetzen kann, auf alle Fälle verlangen. Wir werden in<lb/>
kürzester Zeit, auch dann wenn die <choice><choice><sic>Hibro-Weizensorten</sic><corr>Hybridweizensorten?</corr></choice></choice> nicht kommen<lb/>
sollten, zu so großen Überschüssen kommen, dass wir diese Anbau<lb break="no"/>flächen für Weizen unter allen Umständen reduzieren müssen. Hier<lb/>
ergibt sich dann nur mehr die Möglichkeit auf Ölsaaten umzusteigen.<lb/>
Die Landwirtschaft wird sich deshalb für diese Produktionssparte und<lb/>
natürlich damit automatisch für die Weiterverarbeitung interessieren.<lb/>
Ebhart &amp; Herout haben sie einen Ansatzpunkt in der Ölproduktion und<lb/>
ich bin überzeugt früher oder später werden sie sich mit Unilever<lb/>
arrangieren., wie dies auch z.B. in Schweden der Fall ist. Was wir<lb/>
nur verhindern müssen dabei, ist, dass es dann nicht zu so teuren<lb/>
Ölpreisen für den Verbraucher kommt, wie dies derzeit in Schweden<lb/>
durch den hohen Rapsanbau der Fall ist. Dort muss Unilever mit der<lb/>
Genossenschaft der Landwirte, aber auch der Konsumgenossenschaften<lb/>
gemeinsam diese Ölsaaten übernehmen und da sie sie teilweise nur<lb/>
zu ganz tiefen Weltmarktpreisen exportieren können, der Raps ist<lb/>
nun einmal uninteressant durch seine <choice><choice><sic>Eruca-haltigen</sic><corr>erucasäurehaltigen?</corr></choice></choice> schädlichen<lb/>
Stoffe, und kann nur zum geringen Teil, eben 10% zugemischt werden,<lb/>
dann zu Verbraucherpreisen kommen, die dreimal so hoch sind als der<lb break="no"/>zeit die österreichischen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_05">Ich habe den Generaldirektor und <rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs> empfohlen, sie sollen<lb/>
sich schön langsam um ein entsprechende Grundstück umschauen, das<lb/>
auf alle Fälle an der Donau gelegen sein muss. Sie selbst rechnen<lb/>
ja auch, dass der Rhein-Main-Donau-Kanal in den 80er Jahren fertig<lb/>
wird und dann, dass 1985 ein solches Werk ungeheuer<lb/>
günstige Frachtkosten für den Saatimport, aber auch für den eventuellen<lb/>
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wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_06">Mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> habe ich im Institut dieses Problem besprochen und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> ist natürlich noch sehr negativ eingestellt, gibt allerdings<lb/>
zu, daß die von mir prophezeite Entwicklung betreffend des Weizen<lb break="no"/>anbaues und der damit nur einzig möglichen Ersatzlösung Ölsaat<lb/>
<choice><choice><sic>richt</sic><corr>?</corr></choice></choice> ist. <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> wird sich auf alle Fälle an dieser Arbeitsgruppe<lb/>
beteiligen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_07">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte wenn die ersten Unterlagen von Unilever<lb/>
vorliegen, sich sofort mit einen Vertreter der Handelskammer. Land<lb break="no"/>wirtschaftskammer und Arbeiterkammer ebenfalls zusammensetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_08">Warum ich mich mit diesem Problem so eingehend beschäftige, ist<lb/>
weniger der Grund der Autarkieversorgung, oder der wirtschaftlichen<lb/>
Landesverteidigung, sondern weil ich fürchte, daß die Landwirtschaft<lb/>
sonst über das Landwirtschaftsministerium eine entsprechende Fett<lb break="no"/>verbandslösung durchsetzt. Die Landwirte werden nämlich die extremste<lb/>
für sie günstigste Lösung anstreben und dies ist und bleibt eine<lb/>
vollkommene Bewirtschaftung. Nur wenn es mir gelingt Unilever davon<lb/>
zu überzeugen, daß sie in Kooperation mit Landwirtschaftskreisen<lb/>
vielleicht auch mit Konsumgenossenschaftskreisen, eine marktwirt<lb break="no"/>schaftlich erträgliche Lösung zusammenbringt, kann ich dem gigantischen<lb/>
Ansturm und Verlangen der Landwirtschaft über das Landwirtschafts<lb break="no"/>ministerium nach einer Fettbewirtschaftung Parole bieten. Ich hoffe<lb/>
daß es mir gelingen wird auf Sozialpartnerebene insbesondere die<lb/>
Handelskammer und die Arbeiterkammer von dieser, wie ich glaube,<lb/>
besseren Lösung zu überzeugen. An und für sich liegt mir Unilever<lb/>
stagelgrün auf, doch sehe ich hier meine einzige Chance diese<lb/>
große Gefahr der weiteren Bewirtschaftung eines Agrargebietes<lb/>
abzuwehren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_09">Die Kraftfahrzeugmechaniker-3b-Delegierung muß ich nun doch<lb/>
durchführen. Die einzelnen Landeshauptleute, insbesondere <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs>,<lb/>
haben mir einen Brief geschrieben, wo sie dies erwähnen. Jetzt<lb/>
bewährt sich wie gut es ist, daß <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> diese Sektion führt. Wir<lb/>
haben in Besprechungen sofort die notwendigen Gegenargumente ge<lb break="no"/><pb n="26-0862" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-07-22_0862.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sammelt und er wird jetzt <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> dazu bringen, außer die Verordnung<lb/>
der Delegierung auch noch die Antwortschreiben so zu verfassen, daß<lb/>
wir auf die Vorwürfe, die die einzelnen Landeshauptleute erhoben haben,<lb/>
einzeln eingehen. Wegen dieser Delegierung bekomme ich nämlich einen<lb/>
ganz schönen Krieg mit den einzelnen Landeshauptleuten und natürlich<lb/>
mit der Bundeskammer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_10">Die Bundeshandelskammer hat sich auch ganz entschieden gegen die Aus<lb break="no"/>zeichnungspflicht für Dienstleistungsbetriebe ausgesprochen. Hier ist<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> der Meinung und ich teile dies, daß wir weitere Besprechungen<lb/>
führen sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_11">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte diese Besprechungen sobald als möglich<lb/>
einleiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_12">Mit Uruguay haben wir jetzt ein Abkommen unterzeichnet, wo diese für<lb/>
handwerkliche Erzeugnisse entsprechende Zollermäßigung, resp. sogar<lb/>
Nullzölle bekommt. Von den 30 möglichen Staaten haben wir jetzt<lb/>
1/2 Dutzend bald. Wenn man bedenkt, was hier für ein Aufwand betrieben<lb/>
wird und in Wirklichkeit wahrscheinlich ein minimaler Erfolg über<lb break="no"/>haupt sowohl für den Lieferstaat als auch bei Belastung für Österreich<lb/>
ist, so frage ich mich wozu dies gut ist. Ich weiß es dient primär<lb/>
dazu, um im Rahmen der UNCTAD und GATT und sonstiger internationaler<lb/>
Organisationen schön zu machen, daß wir es sind, die hier den Ent<lb break="no"/>wicklungsländern weitestgehend entgegenkommen. Jetzt kann ich verstehen<lb/>
wenn diese Entwicklungsländer aber dann erkennen, wie wenig ihnen solche<lb/>
Verträge bringen und dadurch vielleicht ein negativer Effekt erzielt<lb/>
wird.<lb/>
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eine Aussprache mit Kelag-Vertretern und festgestellt, daß diese<lb/>
behaupteten es gehe mit der Verbund deshalb nichts weiter, weil immer<lb/>
wieder alles mehr oder minder zerredet wird. Die Verbundgesellschaft<lb/>
möchte, wenn sich die KELAG am Malta-Kraftwerk beteiligt, auch teuren<lb/>
Spitzenstrom beziehen muß. <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> behauptet nun er hätte mit der<lb/>
Verbund Vereinbarungen, daß er in den ersten Jahren auf gar keinen<lb/>
Fall einen solchen Strom abnehmen muß, weil er aus seinen Werken<lb/>
noch selbst mehr als genug produziert und ihn gar nicht verbrauchen<lb/>
kann. Eine Rückfrage mit <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> und dieser wieder mit <rs type="person" ref="#per__115646">Hofstätter</rs><lb/>
ergab, daß die Kelag tatsächlich auf den Standpunkt steht, sie hat<lb/>
mit der Verbund durch Jahre hindurch Verhandlungen geführt und Zu<lb break="no"/>sicherungen bekommen, daß in den ersten Jahren keinen Strom abnehmen<lb/>
<pb n="26-0863" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-07-22_0863.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>muß. Ein schriftlicher Vertrag liegt allerdings nicht vor,<lb/>
sondern eben nur positiv geführte Besprechungen. Es wird höchste<lb/>
Zeit, daß ich zu einer Lösung des Kelag-Verbundproblemes komme,<lb/>
weil sich die politische Situation zwischen den Verbundleuten und<lb/>
den Kelag-Leuten, auch dann wenn sie Genossen sind, immer mehr ver<lb break="no"/>schlechtert. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> wird jetzt auch immer aggressiver und möchte,<lb/>
daß so schnell als möglich eine Einigung erzielt wird. Andererseits ver<lb break="no"/>suchen die Verbundgenossen mit Recht eine entsprechende bessere Rege<lb break="no"/>lung mit der Kelag herbeizuführen, als dies zur Zeit der Minister<lb break="no"/>schaft <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauers</rs> zu Ungunsten der Verbund scheinbar in Aussicht<lb/>
gestellt war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_14">Mit den Illwerken ist es jetzt zu einer befriedigenden Lösung gekommen.<lb/>
Das Land hat eine Erklärung der Illwerke zur Kenntnis genommen, daß<lb/>
diese nicht einen Versäumnis geltend machen wird, weil das Land<lb/>
eben nicht seine Ansprüche jetzt bereits gerichtlich verlangt. Ich<lb/>
hoffe, daß ich bei meiner Besprechung nach der Dornbirner Messe zu<lb/>
einer endgültigen befriedigenden Lösung kommen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_15"><rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat sich über die Forderung der Kärntner Landesregierung wegen<lb/>
der Zuständigkeit zum Stromwegegenehmigung so geärgert, daß er<lb/>
irgendwo den Ausspruch getan hat, sie können dies am Salzamt ein<lb break="no"/>klagen. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> hat darauf einen geharnischten Brief geschickt.<lb/>
Die einzige Lösung für dieses Problem ist nun, daß wir einen<lb/>
Ministerratsbeschluß herbeiführen wollen, wo wir verlangen, daß der<lb/>
Verfassungsgerichtshof prüft ob das Land oder der Bund dafür zu<lb break="no"/>ständig ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-22_16">Mit den Burgenland, BEWAG, wird sich jetzt die Verbund nicht zuletzt<lb/>
auf meinen Druck mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> gemeinsam versuchen zu einigen. Nach all<lb/>
den elektrizitätswirtschaftlichen und preispolitischen Erfahrungen<lb/>
auf diesem Gebiet komme ich immer mehr zur Überzeugung, wie schwierig<lb/>
es z.B. für <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist, im Rahmen der verstaatlichten Wirtschaft zu<lb/>
Lösungen zu kommen. Jedes Ministerium, welches nur ganz allgemeine<lb/>
Kompetenzen wahrnimmt, wie z.B. das Handelsministerium in fast allen<lb/>
Gebieten, hat in Wirklichkeit keine Schwierigkeiten. Hier kann man<lb/>
auf allgemeine Richtlinien, Direktiven, Erlässe, Verordnungen usw.<lb/>
ausweichen. Wo es aber um konkrete Exekutivmaßnahmen geht, die zu<lb/>
treffen sind, wie z.B. bei uns in der Kohlenbergbaupolitik durch die<lb/>
Bergbauförderung oder in der Elektrizitätswirtschaft durch die un<lb break="no"/><pb n="26-0864" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-07-22_0864.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mittelbaren Eigentümerinteressen die wahrzunehmen sind, muß man<lb/>
sehr konkrete Entscheidungen fällen. Hier ergibt es dann die Notwendig<lb break="no"/>keit entsprechende gemeinsame Lösungen zu finden, die die Partner<lb/>
dann einigermaßen befriedigt. Dies ist bei den Länderwünschen und<lb/>
der Verbundidee nicht immer leicht. Ich glaube aber, daß es notwendig<lb/>
ist, trotz der Verbundidee, d.h. der Zentralisierung der Energie<lb break="no"/>wirtschaft so weit als wie möglich die Länderinteressen nicht so zu<lb/>
vernachlässigen. oder die Landesgesellschaften so zu vergrämen<lb/>
daß sie in Frontstellung zu der Verbundgesellschaft kommt.Dies gilt<lb/>
ganz besonders für die Genossen in den Ländern. Die erwarten doch,<lb/>
daß sie mehr oder minder ihre Interessen als auch für die Partei<lb/>
richtige Interessen auf jeden Fall durchsetzen können. Hier kann<lb/>
man nur durch geschickte Verhandlungen diese Wünsche abwehren, resp.<lb/>
auf das Maß reduzieren, was vom zentralistischen Verbund und Ressort<lb break="no"/>standpunkt noch akzeptiert werden kann.<lb/>
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               <persName type="label">Hofstätter, Anton</persName>
               <persName><surname>Hofstätter</surname><forename>Anton</forename></persName>
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               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Bauer, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
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               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Frank</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
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               <persName type="label">Wais, Anton</persName>
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               <persName><surname>Kurzel-Runtscheiner</surname><forename>Oswald</forename></persName>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName><surname>Eisenberg</surname><forename>Shoul N.</forename></persName>
               <occupation>Vermittler von Geschäften, öst. Generalkonsul in Seoul,
                  Südkorea</occupation>
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               <persName><surname>Pacheiner</surname><forename>Josef</forename></persName>
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               <persName><surname>Frühbauer</surname><forename>Erwin</forename></persName>
               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
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               <persName type="label">Hautzenberg, Hans</persName>
               <persName><surname>Hautzenberg</surname><forename>Hans</forename></persName>
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