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            <title type="main">Freitag, der  4. Juli 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_02">Im Klub hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die ausscheidenden Nationalräte verabschiedet.<lb/>
Scheinbar ist es ihm erst im letzten Moment eingefallen, denn sein<lb/>
Sekretariat hat ihm nicht einmal alle Namen auf einen Zettel auf<lb break="no"/>geschrieben. Trotzdem hat er in der Improvisation keinen vergessen,<lb/>
nur halt wenig systematisch jeden einzelnen ein paar Worte gewidmet,<lb/>
obwohl nur sehr knapp Zeit war, da um 9 Uhr schon die Haussitzung<lb/>
begann und er nur 15 Minuten zur Verfügung hatte. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> bemerkte mir<lb/>
gegenüber dass auch hier wieder einmal ein typischer <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sprach.<lb/>
Insbesondere verwies er darauf, dass beängstigende Chancen für die<lb/>
SPÖ bei den nächsten Wahlen bestehen, beängstigend deshalb, weil<lb/>
dadurch unsere Genossen womöglich zu nicht höchster Anstrengung ange<lb break="no"/>spornt werden, wodurch sich die wirtschaftliche Situation so ver<lb break="no"/>schlechtern kann, dass es dann eben nicht zu den erwarteten oder<lb/>
besser gesagt den <sic>meinungsumfragenden</sic> Ergebnissen kommen kann.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> sagte mir dann die Ergebnisse von der Erhebung von 2.–15.6.,<lb/>
<choice><choice><sic>danach</sic><corr>demnach?</corr></choice></choice> hat die sozialistische Partei wieder 1% gewonnen, von 46 auf<lb/>
47, die ÖVP 2 verloren, von 38 auf 36, die Freiheitlichen mit 4.5<lb/>
und die KPÖ mit einen 1/2 % stagnierend. Wenn man die Unentschlossenen<lb/>
vorsichtig auf Grund der bisherigen Ergebnisse aufteilt, hat die<lb/>
sozialistische Partei derzeit 52 %. Im Juni hätte sich schon müssen<lb/>
das Riesengerede und die Angst um den Arbeitsplatz irgendwie negativ<lb/>
auf die Regierungspartei auswirken müssen, wenn eben ein negativer Ein<lb break="no"/>fluss überhaupt aus dieser Entwicklung für uns zu erwarten ist. Für mich<lb/>
steht fest, dass wenn die SPÖ einen so grossen Sieg erreichen würde,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sicherlich nicht nur diese Legislaturperiode, sondern ähnlich<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__114141">Adenauer</rs> dann auf lange Sicht eine vollkommen unbestrittene<lb/>
Stellung haben wird. Einige sehen darin eine grosse Gefahr, weil sie<lb/>
eben <rs type="person" ref="#per__114141">Adenauer</rs> vor Augen haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist aber meiner Meinung nach<lb/>
viel zu schlau und zu intelligent um selbst dann alle Leute von seiner<lb/>
Führungseigenschaft zu überzeugen, die nicht ausgesprochene <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-<lb/>
Fan sind. Sicherlich spielt der Altersstarrsinn aber dann schon eine<lb/>
gewisse Rolle. Jetzt glaube ich wenn er mit viele andere, mit mir<lb/>
hat er ja die geringsten Konflikte gehabt, seine Idee ohne den<lb/>
anderen zu überzeugen, sondern ganz einfach aufzwingt, primär eine<lb/>
Frage der Überlastung. Seinem Intellekt nach würde er sicherlich am<lb/>
liebsten in der Diskussion mit den anderen überzeugen und nicht so<lb/>
nervös reagieren wie dies manchmal der Fall ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_03">Die Betriebsräte der Ennskraftwerke, der Betriebsratsobmann der<lb/>
Verbundgesellschaft, <rs type="person" ref="#per__114380">Nischkauer</rs>, sowie <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> besprachen mit mir die<lb/>
Reorganisation der Enns. Der jetzt ausscheidende Direktor der<lb/>
Enns von der ÖVP-Seite, <rs type="person" ref="#per__140603">Petelnik</rs>, hat um sich bei den Leuten beliebt<lb/>
zu machen, insbesondere seinen Parteifreunden irrsinnige Zugeständ<lb break="no"/>nisse gemacht. In der Elektrizitätswirtschaft spielte in der Ver<lb break="no"/>gangenheit die Lohntangente nicht die grosse Rolle, weshalb unter<lb/>
parteipolitischem Druck gerade in den einzelnen Kraftwerken Leute<lb/>
angestellt werden, die man oft gar nicht unbedingt braucht. Hier<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schon recht, wenn er besonders jetzt anprangert dass<lb/>
bei guter Konjunktursituation die Manager oft nicht ihre Verpflichtung<lb/>
erfüllen, nämlich in der Aufnahme äusserst vorsichtig vorgehen, sondern<lb/>
eben sagen, jetzt können wir es uns leisten, warum soll ich hier ent<lb break="no"/>sprechenden Widerstand leisten. Dazu kommt bei der Enns, dass die<lb/>
Aktionärsvertreter, die von der Verbund gekommen sind, mindestens<lb/>
was den sozialistischen Vertreter betrifft, er durch die Arbeit im<lb/>
Kraftwerk Korneuburg, das er zu leiten hat und sonstige Leitungsarbei<lb break="no"/>ten die er für den Verbundkonzern als Hauptabteilungsleiter ver<lb break="no"/>antworten muss, überlastet ist. Der ÖVP-Vertreter, Hauptabteilungs<lb break="no"/>leiter <rs type="person" ref="#per__140604">Loidolt</rs> der inneren Revision, hat mit den zwei von der OKA<lb/>
entsendeten ÖVP Aktionärsvertreter, wodurch es 3:1 steht, rein<lb/>
fachlich eigentlich damit nichts zu tun. Hier würde die Konzern<lb break="no"/>revision, nämlich dieser Hauptabteilungsleiter von der Verbund<lb/>
hingehören. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> wird wie er den Betriebsräten der Enns <rs type="person" ref="#per__140601">Ludwig</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__140600">Gollner</rs> versicherte, mit <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> über diese Entwicklung bei<lb/>
der Reorganisation sprechen. Unter anderem wurde mir ein Bericht<lb/>
seinerzeit vorgelegt, wonach die Automatisierung der einzelnen<lb/>
<choice><choice><sic>Ennskraftstufen</sic><corr>Ennskraftwerksstufen</corr></choice></choice> noch bis in die 90er Jahre dauern würde. In<lb/>
Wirklichkeit könnte man in maximal 2 Jahren alles abschliessen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_04"><rs type="person" ref="#per__114380">Nischkauer</rs>, der Verbundbetriebsratsobmann, intervenierte dann bei<lb/>
mir wegen <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs> als Direktor bei den Tauern. Zum Glück hatte ich<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> zu dieser Besprechung zugezogen, sodass ich hier, als<lb/>
ich meine Stellung ihm gegenüber abgab, einen Zeugen habe. Nicht dass<lb/>
er dies einmal abstreiten würde, aber auch <rs type="person" ref="#per__114380">Nischkauer</rs> musste zugeben,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs> vielleicht politisch der richtige Mann wäre, dass aber<lb/>
die optimale Lösung <rs type="person" ref="#per__114091">Gmeinhart</rs> von der ÖDK ist. Alle die noch bei mir<lb/>
wegen <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs> intervenierten, machten dies scheinbar aus politischen<lb/>
Überlegungen und geben dann freimütig zu, dass die fachlichen Vor<lb break="no"/><pb n="26-0825" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-07-04_0825.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>aussetzungen nicht mit <rs type="person" ref="#per__114091">Gmeinhart</rs> zu vergleichen sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_05">Ein Prokurist der Negrelli und die Betriebsräte intervenierten mit<lb/>
NR <rs type="person" ref="#per__97805">Pay</rs>, da sie für Feber 1976 derzeit keinen Vertrag mehr mit der<lb/>
GKB haben, bezüglich Abbau von übergelagerter Erde beim Tagbau Kohle<lb/>
in Köflach. Der Prokurist war sehr verwundert von mir zu erfahren,<lb/>
dass ich eigentlich erwarte, dass die GKB jetzt endlich eine<lb/>
finanzielle Studie über den Kohlenabbau vorlegt, weil wenn es nach<lb/>
der Bundesregierung geht, dass Projekt sofort in Angriff genommen<lb/>
werden müsste. Nach Auffassung von Negrelli, ohne genau kalkuliert zu<lb/>
haben, müsste für 1 Million Tonnen Kohle jährlicher Abbau, ca.<lb/>
400.000 m³ Lagerung abgeräumt werden. Bei 10–12 Schilling würde dies<lb/>
45 Millionen Schilling ca. pro Jahr Aufwand sein, der zusätzlich auf<lb/>
den Kohlenpreis dazugeschlagen werden muss. Die Negrelli-Bauarbeiter<lb/>
befürchten nun, dass wenn sie keinen Anschlussauftrag bekommen,<lb/>
ihre dort eingesetzten Arbeitsplätze verlorengehen, die Firma be<lb break="no"/>fürchtet dass sie die Investitionen, die sie getätigt hat unausgenützt<lb/>
liegen und dann später erst bei den Neuaufschluss eingesetzt werden<lb/>
können. Sie schätzen dass dort 150 Millionen Schilling Investitionen<lb/>
notwendig sind, die die Firma Negrelli finanzieren würde wenn sie mit<lb/>
den Abbauen entsprechend beauftragt wird. Im Unterton hörte ich he<lb break="no"/>raus, dass sie Angst haben jetzt infolge der schlechten Baukonjunktur,<lb/>
dass sich vielleicht eine Konkurrenzfirma dann findet, die ganz unab<lb break="no"/>hängig wie die Kostensituation ist, nur um den Auftrag zu bekommen,<lb/>
jedwede Kalkulationsrichtlinien ausser acht lässt und einen ent<lb break="no"/>sprechend verheerend tiefen Preis anbietet. Als Anschlussauftrag<lb/>
gäbe es eine Möglichkeit bei<add>[-m?]</add> Mutter-Kogel noch ein Feld anzuschneiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_06">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs><add>? Gehart</add>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> feststellen was hier möglich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_07">Die Klubobleute haben um die Abgeordneten zeitgerecht nach Hause<lb/>
zu bringen beschlossen gehabt, dass zu den internationalen Energie<lb break="no"/>agenturvertrag niemand spricht. Deshalb wurde von allen Seiten auf<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und auch auf mich ein entsprechender Druck ausgeübt. Von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> und ganz besonders von <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> wurden sogar unsere abgeordneten<lb/>
Frauen organisiert, um mich davon abzuhalten, dass wir durch ent<lb break="no"/>sprechende Diskussion die Sitzung verlängern. Ich hatte bereits am<lb/>
Vortag ventiliert wie wir aus dieser schwierigen Frage am besten<lb/>
herauskommen. Auf der einen Seite war es für mich klar, dass <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
sicherlich nicht reden wird, um nicht zuletzt sich es auch mit den<lb/>
<pb n="26-0826" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-07-04_0826.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>anderen Kollegen zu verscherzen. Immer noch haben <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, aber auch<lb/>
besonders ich in meiner langjährigen Praxis im Nationalrat das Prinzip<lb/>
aufrechterhalten, die beste Rede ist die, die man nicht hält. Darüber<lb/>
hinaus ist es ja eindeutig so, dass gerade bei einem Kehraus im Parla<lb break="no"/>ment niemand mehr die Reden sich auch nur anhört, geschweige denn<lb/>
vielleicht sich daran begeistert. Andererseits wäre dies eine Mög<lb break="no"/>lichkeit gewesen gerade zum Abschluss der ÖVP noch einmal ihre<lb/>
Unfähigkeit zu Entscheidungen zu kommen, vorzuwerfen. Darüber<lb/>
hinaus war je Chance gegeben, gegen die ÖVP richtiggehend zu pole<lb break="no"/>misieren. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat ganz besonders auch über die Personalangriffe<lb/>
der ÖVP auf das Handelsministerium einige Bemerkungen machen wollen.<lb/>
Sie behaupten nämlich, dass <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> deportiert wurde, der sich jetzt<lb/>
um eine Verlängerung reisst, oder dass sein Vorgänger in Brüssel,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs>, unglücklich war nach China zu kommen, obwohl seine Frau in<lb/>
einer Zeitung bei der Ernennung schrieb, dass ist sein glücklichster<lb/>
Tag, weil er immer schon nach China wollte, gibt wirklich eine gute<lb/>
Grundlage zur Polemik. Eine Begründung warum wir nicht sprechen hatte<lb/>
ich sofort zur Hand. Da es für Österreich ja blamabel ist einen<lb/>
internationalen Vertrag abzuschliessen, im Parlament zu ratifizieren<lb/>
und dann zugestehen zu müssen, dass man ihn gar nicht in Österreich<lb/>
exekutieren kann, ist für das österreichische Ansehen, ganz unabhängig<lb/>
wer daran Schuld ist, verheerend. Aus internationalen und auch aus<lb/>
nationalen Gründen war es deshalb für uns gar kein Opfer, sondern wenn<lb/>
man so sagen will, eine Verpflichtung darüber zu schweigen, um Öster<lb break="no"/>reich nicht zu blamieren. Mein Versuch aber dann noch die ÖVP dazu<lb/>
zubringen, dass wir eine Vereinbarung abschliessen, die <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
sehr geschickt formulierte und wonach sich die Klubs verpflichten im<lb/>
nächsten Jahr sofort mit der Arbeit zu beginnen, scheiterte an <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs>.<lb/>
Dieser sagte <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und mir, wozu soll dies dienen, der Nationalrat<lb/>
löst sich auf, niemand weiss, wie es im Oktober aussehen wird, er<lb/>
auf alle Fälle ist nicht bereit eine Verpflichtung in irgendeiner<lb/>
Weise einzugehen. In diesem Fall nun wäre es dringendst notwendig<lb/>
gewesen, dass unabhängig von den Wünschen der Klubs die Diskussion<lb/>
hätte stattfinden müssen. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> bemerkte auch zu einigen Abgeordneten<lb/>
von unseren Klub, die sich um eine Streichung sehr bemühten, dass<lb/>
der sture <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> dies auf alle Fälle tun wird. Hier unterschätzt<lb/>
er allerdings unsere Klubdisziplin. Nachdem Obmann <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> eine Verein<lb break="no"/>barung eingegangen ist, war es für mich klar, dass ich diesen Freund<lb/>
nicht hängen liess. <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> war es letzten Endes, der mich sehr unter<lb break="no"/>stützt hat, als wir <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> in den Nationalrat brachten. Dass ich nur<lb/>
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Frage kommen. Die ÖVP wird dieses Verhalten kaum verstehen. Sicher<lb/>
gibt es aber auch bei uns einige Leute, die nicht eine solche Diszi<lb break="no"/>plin aufbringen als wir. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> ist eigentlich verhältnismässig kurz<lb/>
im Nationalrat und hat sehr oft schon verzichtet. Andere Minister<lb/>
denken nicht daran, ihre Redner zu ihren Problemen zu streichen.<lb/>
Ob dies bei Wissenschaft oder bei Justiz ist, hat <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs>,<lb/>
der traurig war, dass er uns mehr oder minder in dieser Frage nicht<lb/>
unterstützen konnte, freimütigst zugegeben. Er sagte allerdings<lb/>
dass manche Minister halt alle Beziehungen bis zum Präsidenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> spielen lassen, um bei der Tagesordnung schon entsprechend<lb/>
gereiht zu sein, um dadurch ihre Bedeutung und insbesondere der<lb/>
Materie, die behandelt wird, herauszustreichen. Diese Politik<lb/>
werde ich wahrscheinlich nie machen, weil ich glaube, ich das<lb/>
Parlament hier nicht überschätzen möchte. Wenn es um wirklich be<lb break="no"/>deutende Fragen geht, dann haben wir ja und sollen wir immer neue<lb/>
Ideen entwickeln. Die grösste war zweifelsohne, wie <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> die<lb/>
dringliche Anfrage wegen der Zuckersituation an mich richtete.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Wir sollten aber die Parlamentsarbeit neu<lb/>
überdenken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_09"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war sehr besorgt, dass wir von der Regierung den Getreide<lb break="no"/>preis beschliessen, ohne dass klargestellt ist, wie es weitergeht.<lb/>
Er hat deshalb mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> und <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs><lb/>
eine Besprechung vereinbart. Bei dieser Gelegenheit habe ich klar<lb/>
und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass als einziges Kompromiss<lb/>
ich mir vorstellen könne, dass wir formulieren, da Anfang des<lb/>
Jahres 1975 die Brot- und Mehlpreise erhöht wurden, erst Anfang<lb/>
des Jahres 1976 eine neuerliche Verbraucherpreiserhöhung in Aussicht<lb/>
genommen werden kann. Anfang des Jahres bedeutet, dass dies wie man<lb/>
sich dann auch einigte, ohne es schriftlich festzuhalten, Mitte Jänner<lb/>
sein wird. Meine Überlegung, dass bis 6. Jänner, wo Feiertage sind<lb/>
überhaupt nichts geschehen kann, hat alle überzeugt. Die Handels<lb break="no"/>kammer hat – und das war sehr interessant – ganz besonders darauf<lb/>
gedrängt dass natürlich auch die Löhne und Gehälter zu diesem Zeit<lb break="no"/>punkt bereits vereinbart werden müssten. Ihre ursprüngliche Befürch<lb break="no"/>tung, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hier nicht zustimmen wird, war begründet, doch<lb/>
konnten sie ihn dann überzeugen, dass man die Löhne dann mit<lb/>
Mitte Jänner in Kraft setzt, was ungefähr auch wieder 12 Monate<lb/>
bedeuten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_10">Das letzte Mal hat die Handelskammer ja von mir erwartet, dass<lb/>
ich entsprechend zeitgerecht, womöglich nach 12 Monaten schon<lb/>
die Forderung auf Lohnerhöhungen bei der Paritätischen Kommission<lb/>
anmelde. Bisher war aber unsere Taktik, dass wir so lange nicht<lb/>
Lohnforderungen stellen, solange nicht die Handelskammer entspre<lb break="no"/>chende Preisanträge auf Grund von Getreidepreiserhöhungen gestellt<lb/>
hat. Dieses neckische Spiel können wir im nächsten Jahr nicht<lb/>
mehr wiederholen, brauchen es aber auch nicht, weil eben die<lb/>
Handelskammer schon jetzt verlangt hat, dass die Löhne im Lohn<lb break="no"/>unterausschuss und nicht mehr in der Paritätischen Kommission<lb/>
zur Fühlungnahme Anfang Jänner freigegeben werden. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs><lb/>
wollte ja sogar erreichen, dass man sogar bereits im Dezember<lb/>
über die Löhne verhandeln soll. Die Handelskammer verlangte auch ein<lb/>
Erhöhung der Handelsspannen, d.h. der Aufkäufer- und Grosshandels<lb break="no"/>spannen von 1.– S pro mg jetzt gleich bei der Festsetzung des<lb/>
Getreidepreises. Sachlich ist richtig, dass jetzt gleich die<lb/>
Aufkäuferspanne und Grosshandelsspanne für Getreide festgesetzt<lb/>
werden muss, weil ja auch das neue Getreide zum neuen Preis über<lb break="no"/>nommen wird. Andererseits war ich nicht bereit, 1.– S zuzuge<lb break="no"/>stehen und habe deshalb gegen eine Formulierung entsprechende<lb/>
Anhebung der Handelsspanne erklärt, dies nehme ich nicht zur<lb/>
Kenntnis. Wesentlich schwieriger aber wird es sein und ich<lb/>
habe <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> vor den anderen darauf aufmerksam gemacht, dass die<lb/>
Arbeiterkammer bis jetzt einer solchen Regelung nicht zugestimmt<lb/>
hat. In der Preiskommission werden wir deshalb ganz grosse<lb/>
Schwierigkeiten haben. Ich fürchte, es wird diesmal die Arbei<lb break="no"/>terkammer dieselbe Stellungnahme einnehmen wie die Landwirtschaft<lb/>
sie wird maximal mehr oder minder dieses Ergebnis zur Kenntnis<lb/>
nehmen, keinesfalls aber zustimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-07-04_11">Einmal mehr war ich wieder glücklich, dass ich mit den Kommerzialrat<lb/>
titeln nichts zu tun habe. Aus dem Sonderkontingent für 125 Jahre<lb/>
glaube ich Handelskammer Oberösterreich, wo zusätzlich 11 Kommer<lb break="no"/>zialratstiteln von mir beim Bundespräsidenten durchgesetzt wurden,<lb/>
haben die Freien Wirtschaftsverbändler mit 5 einen sehr guten<lb/>
Abschluss getätigt. Jetzt aber kommen sie zu mir und ersuchen<lb/>
mich um zweierlei: Erstens sind 2 darunter, die noch nicht<lb/>
50 Jahre alt sind und 2. haben sie noch eine Parteinotwendigkeit,<lb/>
nämlich einen blinden Trafikanten. Für diesen hat sich nicht nur<lb/>
der Kriegsopfervertreter <rs type="person" ref="#per__114140">Libal</rs> eingesetzt sondern auch ZS <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs><lb/>
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Kommerzialratstitel bekommen. Ich erklärte, mir ist es ganz wurscht,<lb/>
sie können nur 5 nominieren und ich bin bereit mit dem Bundes<lb break="no"/>präsidenten wegen der Altersgrenze zu reden. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat ihnen<lb/>
dann noch einen zusätzlich, der auch unbedingt untergebracht<lb/>
werden muss, auf seine Bundesliste übernommen. Wenn ich nur an<lb/>
diesem einen Beispiel mir überlege, wer hier aller interveniert,<lb/>
wer hier aller letzten Endes unbefriedigt abgewiesen werden muss,<lb/>
wer hier aller dann beleidigt ist, so bin ich über meine Idee<lb/>
1970 die Kommerzialräte sofort der Bundeskammer zu übertragen,<lb/>
sehr glücklich. Andererseits ist es mir aber vollkommen klar,<lb/>
dass das Verleihen der 10 Titel, die das Handelsministerium<lb/>
hatte, eine gewisse Machtstellung bedeutet. Ich kann mir ausserdem<lb/>
sehr gut vorstellen, wie die Bürokratie bei der Vergebung dieser<lb/>
Titel sich entsprechend in den Vordergrund schob, indem sie bei<lb/>
Hunderten, die sich dafür interessierten, diesen zu verstehen<lb/>
gaben, dass sie sich einsetzen werden, dass er den Kommerzialrats<lb break="no"/>titel bekommt. Hat ihn dann einer bekommen, hat er siehe geglaubt<lb/>
der Bürokrat war wesentlich dran beteiligt, ist er abgelehnt, dann<lb/>
hat ihm sicher dieser erzählt, er wäre eh dafür gewesen, aber<lb/>
der Minister hat halt nicht so entschieden. Vielleicht ist meine<lb/>
Politik falsch, Entscheidungen an sich heranziehen, die tat<lb break="no"/>sächlich niemand anderer treffen will und kann. sonst aber<lb/>
delegieren, delegieren, delegieren. <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs> wundert sich, dass<lb/>
viele andere Sekretäre unser Büro beneiden, die Erklärung dafür<lb/>
ist in diesem System zu finden und nicht ausschliesslich in der<lb/>
Toleranz von mir, wie manche glauben.<lb/>
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            <head>Inf. betr. Parteienvereinbarung Übereinkommen int. Energieprogramm</head>
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