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            <title type="main">Donnerstag, der 26. Juni 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band26_1975-06-26</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_01">Donnerstag, 26. Juni 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_02">In der ÖGB-Fraktion sagt mit Obmann der Postarbeiter <rs type="person" ref="#per__140157">Schweiger</rs>, dass<lb/>
die Altpapieraktion bezüglich der Einsammlung von Telefonbüchern nicht<lb/>
funktioniert. Jetzt wo sie dies mit den Handelsministerium-Vertretern<lb/>
zentral geregelt haben, kommt es zu irrsinnigen Kosten für die Post.<lb/>
Derzeit muss das Telefonbuch im Südbahnhof gelagert werden, dann von<lb/>
privaten Firmen in die einzelnen Bezirke transportiert und von dort<lb/>
dann entsprechend verteilt werde. Früher war es disloziert, kam wesent<lb break="no"/>lich billiger die Einsammlung funktioniert jetzt trotzdem nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte sich sofort mit <rs type="person" ref="#per__140157">Schweiger</rs> ins Einvernehmen<lb/>
setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_04">Im ÖGB-Bundesvorstand hat <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> ein längeres Co-Referat gehalten,<lb/>
d.h. eigentlich nur einen Diskussionsbeitrag zum <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>-Referat, als je<lb/>
zuvor. Dafür stimmte dann die christliche Fraktion für die gemeinsame<lb/>
Presse-Erklärung, wie jetzt eigentlich die Resolution heisst, die<lb/>
der Bundesvorstand nach jeder seiner Sitzung beschliesst. Dies ist nach<lb/>
aussenhin von einer grösseren Bedeutung, weil es immer nur die KPÖ ist,<lb/>
die gegen die gemeinsamen Erklärungen auftritt. <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> wendete<lb/>
sich expressis verbis auch gegen das Handelsministerium und ganz<lb/>
besonders gegen mich und meinte, dass bei den Preisen nur herumgestochert<lb/>
wird. Natürlich musste ich mich dann auch nach ihm sofort zu Wort<lb/>
melden und erklärte unsere Preispolitik. Ganz besonders aber unterstrich<lb/>
ich, dass das Parlament das Preisgesetz, das ich vor Monaten eingebracht<lb/>
hatte, abgelehnt hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_05">Der FPÖ-Delegierte <rs type="person" ref="#per__113375">Kindl</rs> von Semperit, der der Entschliessung zustimmte,<lb/>
verwies darauf, dass in Gummiwaren jetzt eine harte Konkurrenz ist.<lb/>
Als Beispiel erwähnte er Gummistiefel, deren Herstellungskosten, also<lb/>
ohne Gewinn, Semperit 92.– S kosten, während sie Jugoslawien um<lb/>
45.– S frei Grenze liefert. <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> wieder beschwerte sich, dass<lb/>
viele Waren in anderen europäischen Staaten wesentlich billiger sind<lb/>
als in Österreich, z.B. verwies er auf die Autos.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Die Arbeiterkammer und der ÖGB hatten seinerzeit<lb/>
eine Zusammenstellung von Markenartikeln in den verschiedensten Ländern<lb/>
gemacht. Eine solche wäre jetzt sehr interessant, ohne die Öffentlich<lb break="no"/>keit sofort davon zu informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_07">Der iranische Botschafter <rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs> kam wegen des Besuches seines<lb/>
Ministers- Bei dieser Gelegenheit fragte er sofort, ob wir mit den<lb/>
Ägyptern – <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs> – auch die Bezahlung der ägyptischen Projekte be<lb break="no"/>sprochen hatten. Insbesondere wollte er wissen, wieweit Iran ver<lb break="no"/>pflichtet wurde. Ich erklärte ihm sofort, dass ich dazu keine wie<lb/>
immer geartete Ermächtigung von Seiten der Iranischen Minister oder<lb/>
auch des Schah gehabt hätte. Der Schah hat seinerzeit nur gegenüber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und mir erklärt, dass sich Iran, wenn die Projekte von Ägypten<lb/>
gewünscht werden und Österreich sie durchführen kann, Iran finanzieren<lb/>
könnte. Ich übergab dem Botschafter daher sofort das gemeinsam er<lb break="no"/>arbeitete Kommunique und verwies darauf, dass ich mit dem iranischen<lb/>
Handelsminister die entsprechenden Detailgespräche führen werde.<lb/>
Mir ist vollkommen klar, dass ohne die iranische Finanzierung nur ein<lb/>
Teil dieser Projekte zustandekommen könnte. <rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs> war sehr einver<lb break="no"/>standen, dass ich das Programm durch entsprechenden Einsatz meiner Per<lb break="no"/>son nicht nur anreichere, sondern auch deutlich zu erkennen gab, welche<lb/>
Bedeutung ich diesem Besuch beimesse.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Sonntag abends sollten wir in kleinstem Kreis<lb/>
in Donauturm-Restaurant sicherlich als Attraktion zu Abend essen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_09"><rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs> intervenierte auch dann für 5 Perser, die grössere Strafen zu<lb/>
erwarten haben, einer befindet sich noch in Haft, weil ihre Bücher<lb/>
nicht in Ordnung waren. Er ersuchte, ich sollte diesbezüglich mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sprechen. Er verbürge sich, dass es nie mehr vorkommen würde,<lb/>
andererseits aber seine vorgesetzte Stelle eine Intervention für diese<lb/>
5 ganz entschieden ablehnt. Ich versprach nur mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über dieses<lb/>
Problem zu sprechen. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> sagte mir anschliessend, dass<lb/>
es sich dabei um eine ganz grosse Affäre und Steuerhinterziehung handelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_10">In der Sektionsleitersitzung brachte ich den Vorwurf von <rs type="person" ref="#per__110981">Pelzl</rs> zur<lb/>
Sprache, dass wenn er nicht in Amerika an der Tagung der Sicherheits<lb break="no"/>institute teilnehmen kann, für den österreichischen Bergbau die gröss<lb break="no"/>te Gefahr wegen nicht zeitgemässer Sicherung der dort Beschäftigten<lb/>
ausgesetzt wäre. Ich unterstrich die Bedeutung der Sicherheit, die ich<lb/>
immer wieder zum Ausdruck gebracht habe, erklärte mich aber auser<lb break="no"/>stande zu entscheiden, ob tatsächlich ein solcher ursächlicher Zu<lb break="no"/>sammenhang besteht. Leiter der OB <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> erklärte dies für einen Unsinn.<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> wieder ergänzte, dass die Ausgaben für die Auslands<lb break="no"/>reisen wesentlich reduziert werden müssen. Das Präsidium bei uns hat<lb/>
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dürfen. Das Bundeskanzleramt hat aber in einem Rundschreiben jetzt fest<lb break="no"/>gehalten, dass auf Grund des Rechnungsabschlusses jetzt 1974 nur<lb/>
3/4 verbraucht werden dürfen. Da ich zur Wirtschaftskonferenz musste,<lb/>
konnten wir die Sektionsleitersitzung in 1 1/4 Stunden abwickeln,<lb/>
sonst brauchen wir manchmal bis zu 3 Stunden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier müssten wir in Zukunft eine bessere Form<lb/>
der Straffung durch entsprechende Protokollvorbereitung erreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-26_12">Die Wirtschaftskonferenz verlief eigentlich ganz anders, als ich be<lb break="no"/>fürchtete. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sprach 20 Minuten, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> nur 10, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> 30 und<lb/>
ich habe, obwohl ich sehr schnell redete, 20 Minuten gebraucht. Die Dis<lb break="no"/>kussion war ungebührlich diszipliniert, ein einziger von der Gewerk<lb break="no"/>schaftlichen Einheit, <rs type="person" ref="#per__140637">Stern</rs>, Betriebsrat bei Görz, sprach von einer<lb/>
anderen Fraktion. Die anderen Diskussionsredner kannte ich nicht alle,<lb/>
doch waren sie scheinbar alle von der SPÖ. Ich hatte ursprünglich<lb/>
eine riesige Angst, dass eine solche überparteiliche Betriebsräte<lb break="no"/>veranstaltung so wie die vor etlichen Jahrzehnten üblichen Konferenzen<lb/>
des ÖGB zu harten Auseinandersetzungen führen werde. Da der ÖAAB aber<lb/>
erklärte, nicht an der Konferenz teilzunehmen, verlief diese Konferenz<lb/>
äusserst friedlich. Die christlichen Gewerkschafter hatten ein Rundschrei<lb break="no"/>ben an ihre Landesleitungen geschickt, unterschrieben von <rs type="person" ref="#per__137471">Wedenig</rs>, wo<lb/>
diese aufgefordert wurden, nur gut präparierte Delegierte zu schicken.<lb/>
Scheinbar hat aber nachher der ÖAAB selbst diese eingeschränkte Dele<lb break="no"/>gation nicht durchgeführt. Selbst wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der diese Betriebsräte<lb break="no"/>konferenz angeregt hat, die Absicht hatte, eine Wahlplattform damit zu<lb/>
bekommen und Wahlpropaganda zu betreiben, so verstehe ich nicht, dass<lb/>
der ÖAAB und vor allem einmal die KPÖ nicht die Gelegenheit nutze,<lb/>
dort entsprechend in Erscheinung zu treten. Ich kann mir nicht vorstel<lb break="no"/>len, dass wir in der Vergangenheit als wie in Opposition waren ja selbst<lb/>
in der Koalitionszeit eine solche Chance des Gegners ausgelassen hätten.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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