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            <title type="main">Dienstag, der 24. Juni 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band26_1975-06-24</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_01">Dienstag, 24. Juni 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_02">Der Vorstand von Waagner-Biro war sehr überrascht, dass ich zur<lb/>
Besprechung mit dem ägypt. Minister <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs> um 8 Uhr bereits erschienen<lb/>
war um bereits in einer Vorbesprechung ihre Wünsche noch einmal im<lb/>
Detail zu erfahren. Bei dieser Gelegenheit erzählten sie mir, dass<lb/>
Waagner-Biro bei Theiss II offeriert hatte und sie bis zuletzt den<lb/>
Eindruck hatten, gut im Rennen zu liegen. Zu ihrer grössten Ver<lb break="no"/>wunderung hat dann die NEWAG, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs>, den deutschen Anbietern<lb/>
EVT, das sind die Firmen Walter, USC, <choice><choice><sic>Man</sic><corr>MAN?</corr></choice></choice>, den Zuschlag bekommen. Sie<lb/>
fürchten nun, dass selbst die Montagearbeit ihnen verlorengehen wird.<lb/>
Ich versuchte sofort <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> zu erreichen, um mit ihm dieses Problem<lb/>
zu besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> Telefonverbindung herstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_04">In der Ministerratsvorbesprechung teilte <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> in Vertretung von <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs><lb/>
mit, dass ein koordiniertes Vorgehen für die Sommerzeit erst ab<lb/>
1977 möglich sei. Die europäischen Verkehrsminister hätten festgestellt<lb/>
dass sie mindestens 2 Jahre vorher einen diesbezüglichen Beschluss<lb/>
fassen müssten, um koordiniert vorgehen zu können. Bin ich froh, dass<lb/>
ich dieses Problem los bin. Jeder glaubt, man kann die Sommerzeit jeder<lb/>
zeit und sofort einführen, während die Bürokratie und insbesondere<lb/>
die Bundesbahn grosse Schwierigkeiten hat oder zumindestens macht.<lb/>
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wonach nicht die ÖVP-Befürchtung 0,5 Wachstum, sondern 1,3 Pluswachs<lb break="no"/>tum für Österreich prognostiziert wird, obwohl die OECD-Staaten im<lb/>
Durchschnitt −1,5 haben werden.<lb/>
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wird, trotzdem aber natürlich über der Vorjahresziffer liegt. Ein<lb/>
neuer Gesichtspunkt ist, im April waren 16.000 höhere Arbeitslosen<lb break="no"/>ziffern als im Vorjahr, im Mai nur mehr 12.000 und im Juni kommt er<lb/>
unter 10.000. Davon sind 5.000 Gastarbeiter. Man kann Zahlen wirk<lb break="no"/>lich von den verschiedensten Gesichtspunkten betrachten und darstellen.<lb/>
Ob uns allerdings jemand solche Zahlenreihen abnimmt, bezweifle ich.<lb/>
Ich glaube, man sollte bei den formellen und üblichen Vergleichsziffern<lb/>
bleiben, Abnahme gegenüber dem Vormonat, Zunahme gegenüber dem Vor<lb break="no"/>jahr – perzentuelle Arbeitslosenrate.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_07"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtet, dass er im Erlasswege dafür sorgen möchte, dass<lb/>
die Südtiroler, die in Österreich arbeiten ebenfalls die Kinderbei<lb break="no"/>hilfe bekommen. Da es keinen gegenseitigen Vertrag gibt, so wie mit<lb/>
Jugoslawien und der Türkei, kommen die Südtiroler – mit Italien<lb/>
gibt es keinen Vertrag – wenn sie in Österreich arbeiten nicht<lb/>
diesen Familienlastenausgleich. Da davon nur 200 Personen betroffen<lb/>
sind, spielt das finanziell überhaupt keine Rolle, macht aber einen<lb/>
furchtbar schlechten Eindruck in Tirol, nach dem Motto: Die Tschuschen<lb/>
kriegen es, die deutschsprechenden Italiener nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_08">Die ausserordentliche Generalversammlung des Verkehrsbüros wurde vom<lb/>
Aufsichtsratsvorsitzenden Gen.Dir. a.D. <rs type="person" ref="#per__140642">Kalz</rs> nicht eröffnet. Er steht<lb/>
auf dem Standpunkt, es muss zuerst geklärt werden, ob das Finanzmini<lb break="no"/>sterium anstelle der Eisenbahn dafür zuständig ist. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> verweist<lb/>
darauf, dass lt. Ministeriengesetz die Kompetenz eindeutig zu ihm<lb/>
übergegangen ist und er daher als Anteilsvertreter des Bundes 70 %<lb/>
repräsentiert. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> und er werden entsprechende Beschlüsse fassen, da<lb/>
kein Auftrag vom ÖBB-Vorstand, wie <rs type="person" ref="#per__140642">Kalz</rs> behauptet, vorliegen muss. Die<lb/>
ÖVP – Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> – hat angekündigt, sie werden in der Öffentlichkeit<lb/>
Krach schlagen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat deshalb eine Vereinbarung, die <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__132612">Schmölz</rs> und <rs type="person" ref="#per__126256">Luczensky</rs> geschlossen haben, welche den Proporz weiter<lb/>
vorsieht, der Presse gezeigt. Ich bin neugierig, wie die ÖVP<lb/>
jetzt reagiert.<lb/>
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grosser internationaler Finanzier, eine Ölmühle in Österreich er<lb break="no"/>richten will. <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> hätte nun erklärt, es dürfe keinen Erfolg<lb/>
der SP-Regierung auf diesem Gebiet geben, obwohl hier 200 Arbeitsplätze<lb/>
geschaffen werden, wenn die Unilever, die Verbindung dazu Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
von der ÖVP, eine solche Ölmühle in Österreich hat. Obwohl ein Vertrag<lb/>
zwischen <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs>, Agrarindustrie und Konsumverband bereits existiert,<lb/>
sei jetzt die Gefahr gegeben, dass diese so wichtige Investition unter<lb break="no"/>bleibt. Er teile dies dem Ministerrat im Auftrag <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> mit. Die<lb/>
Information, dass <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> dagegen ist, erklärte er mir nachher ver<lb break="no"/>traulichst, sei von <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs>, der <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> davon verständigt hätte.<lb/>
Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> erwiderte, dass die Situation sich so<lb/>
verhält, dass ein Vorvertrag existiert, den ich allerdings nicht kenne,<lb/>
und den man sicherlich <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> auch nicht gezeigt hat, sondern nur ganz<lb/>
einfach erwähnte, dass die Konsumgenossenschaft und die Agrarindustrie<lb/>
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Dollar-Ölanlage für Weiterverarbeitung. Die Konsumgenossenschaft<lb/>
würde durch diese Ölbelieferung ein Monopol für die Verteilung<lb/>
erhalten. Es sollte ein Schnittpreis gemacht werden, d.h. der<lb/>
Betrieb würde bei hohen Weltmarktpreisen die Reserven, die er<lb/>
bei tiefen Weltmarktpreisen infolge des höheren österreichischen<lb/>
Saatpreises abschöpft, zuschiessen. <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> verpflichtet sich<lb/>
auch, 3–4 Monate ein Saatgutlager zu halten. Für erucasäurefreien<lb/>
Raps und Sonnenblumenkerne könnte die österreichische Landwirtschaft<lb/>
30–40.000 ha anstelle von Getreide anbauen. Ha-Ertrag 2.000 t<lb/>
ergäbe 60–80.000 jato Inlandsaufbringung. Derzeit ist <choice><choice><sic>die</sic><corr>sie?</corr></choice></choice> 7.000.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> jetzt sich für dieses Projekt scheinbar ein, um die Ge<lb break="no"/>treideanbaufläche zu reduzieren. Ich erklärte dezidiert, dass eine<lb/>
Aussenabsicherung überhaupt nur möglich ist, wenn es gelingt, eine<lb/>
Entliberalisierung im GATT durchzusetzen. Da man entsprechende<lb/>
andere Produkte anbieten müsse und nur die Landwirtschaftsprodukte<lb/>
dafür in Frage kämen, fragte ich <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, was er in diesem Fall sich<lb/>
vorstellen könnte. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> verneint sofort, auch nur ein einziges<lb/>
Produkt zur Liberalisierung anbieten zu können, geschweige denn ein<lb/>
gleichwertiges Produkt für die 100.000 t Öl, die wir jährlich ein<lb break="no"/>führen. Ich erklärte weiters dezidiert, dass die Vorsprache von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> und <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> sowie dem Konsumverband mir eindeutig<lb/>
gezeigt hat, dass insbesondere <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> sich eine Art Fettwirt<lb break="no"/>schaftsfonds vorstellt. Diese Konstruktion lehne ich ab.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte beobachten, wie das Projekt weitergeht<lb/>
und ob tatsächlich schon ein Vorvertrag existiert<lb/>
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waren, die sich beschwerten, dass im April und im Mai jeweils<lb/>
500 t Baustahl importiert worden wären, obwohl man im Inland genug be<lb break="no"/>kommt. Die Importe kamen von Italien, kommen aber über Deutschland<lb/>
nach Österreich. Für Spannstähle gibt es keine Ö-Norm sondern wird<lb/>
noch derzeit nach DIN vorgegangen. Eine italienische Firma soll<lb/>
ein Zertifikat der technischen Hochschule Wien ausstellen können,<lb/>
da diese Firma einen Bauüberwachungsauftrag mit der TH besitzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte sofort prüfen, warum Importe erfolgten<lb/>
und was unser Branchenreferat dazu sagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_13"><rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> erklärte ich mit aller Deutlichkeit<lb/>
dass ich die Presseinformation <rs type="person" ref="#per__112014">Erbachers</rs> über den Strompreis<lb break="no"/>antrag und die Rückstellung des Ausbaues Voitsberg III auf das<lb/>
entschiedenste kritisieren muss. Wir hatten vereinbart, dass über<lb/>
die Preise nichts gesprochen wird und er hätte daher auf eine diesbe<lb break="no"/>zügliche Anfrage, wenn sie wirklich von Journalisten gekommen ist,<lb/>
so wie ich darauf hinweisen können, dass über die Tarifstruktur der<lb break="no"/>zeit Verhandlungen geführt werden. Unverantwortlich überhaupt<lb/>
ist es aber den möglichen Kohlenabbau in Köflach durch die Aussage,<lb/>
der Strom kommt erst 1983/84 in Frage neuerdings zu verunsichern.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> versuchte mir zu erklären, dass die Bedarfsmengen der Landes<lb break="no"/>gesellschaften und Verbund von 7,3, wie im Plan vorgesehen, durch<lb/>
einen neuen Plan auf 6,97 bis minus 5,91 reduziert werden müssen.<lb/>
Das streite ich gar nicht ab, doch wird in diesem Fall selbstver<lb break="no"/>ständlich das Kernkraftwerk entsprechend später gebaut werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_14">Bei der Betriebsrätekonferenz der Verbund versuchten auch sofort des<lb break="no"/>halb die Kollegen <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> eine am Zeug zu flicken. Sie meinten, er<lb/>
hätte jetzt schon einige Male selbstherrlich Informationen an die<lb/>
Presse weitergegeben, wie den Verbund und ganz besonders die gesamt<lb/>
Elektrizitätswirtschaft schädigen. Zwischen <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> und den Betriebs<lb break="no"/>räten dürfte es grössere Spannungen geben, insbesondere <rs type="person" ref="#per__114385">Kasamas</rs><lb/>
meinte, hier müsse ich durchgreifen. Selbstverständlich habe ich<lb/>
dort <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> indirekt in Schutz genommen und nichts von unserer Aus<lb break="no"/>sprache im Detail erzählt. Interessant war, dass aus Tirol Koll.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133081">Riss</rs><add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> berichtete, dass man jetzt erzählt, wenn im Oktober die Sozia<lb break="no"/>listen wieder die Mehrheit kriegen, dann wird die TIWAG verstaat<lb break="no"/>licht. <rs type="person" ref="#per__140644">Pfeifer</rs> wieder teilte mir mit, dass nach seiner Information<lb/>
zu Pfingsten die NEWAG mit ihren Öl- und Gaskraftwerk<add>[-en hoch-]</add> gefahren ist,<lb/>
während Wasser der Verbundgesellschaft über <choice><choice><sic>die Wehr</sic><corr>das Wehr? die Wehre?</corr></choice></choice> gelaufen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107937">FRANK</rs>: Bitte solche Informationen prüfen und wenn zu<lb break="no"/>treffend, warum bin ich darüber nicht informiert worden, dies wäre<lb/>
das beste Argument, warum ist die Notstandsbestimmung aufrechterhal<lb break="no"/>ten muss.<lb/>
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jetzt in Osttirol organisierte Aktionen gegen den Kraftwerksbau<lb/>
festzustellen sind. Ich hatte vereinbart, dass ich mir dieses Pro<lb break="no"/>jekt im August sehr genau ansehe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_17">Im Unterausschuss wurde das internationale Touristenabkommen,<lb/>
das internationale Ausstellungsabkommen aber auch das internationale<lb/>
Energieabkommen einstimmig beschlossen. Beim letzteren ergab sich die<lb/>
Debatte, wieso die ÖVP im Präsidium verhindert hat, dass der Ausschuss<lb/>
permanent erklärt wird, um die Arbeiten für das Energiesicherungs<lb break="no"/>gesetz weiterzuführen. Die ÖVP insbesondere <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> wollte die Schuld,<lb/>
dass es zu keinem Durchführungsgesetz kommt der Regierung anlasten.<lb/>
Er meinte, wenn es zu keinem Konsens kommt, dann hätte der Minister<lb/>
die Pflicht gehabt, entsprechende Vorschläge zu präsentieren, die die<lb/>
ÖVP noch akzeptieren kann. ZU meinem Glück hatte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, der zuerst<lb/>
ebenfalls versuchte, die Schuld der Regierung in die Schuhe zu schie<lb break="no"/>ben, anschliessend aber dann doch erklärt, dass zwei Wege möglich gewe<lb break="no"/>sen wären, die er im Unterausschuss aufzeigte. Entweder wir novellie<lb break="no"/>ren das Rohstofflenkungsgesetz, das Lastverteilergesetz und das<lb/>
Treibstoffsicherungsgesetz oder wir nehmen vom Energiesicherungs<lb break="no"/>gesetzentwurf die Kontrollen und die Lenkung, die überflüssig<lb/>
ist, wie er sich ausdrückte heraus und reichern es durch die steuerlich<lb/>
Unterstützung der Unternehmer, die einlagern und durch die Kredit<lb break="no"/>gewährung für die Errichtung der Lager und für Befüllung an. Ich<lb/>
und auch <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> konnte sofort darauf hinweisen, dass der zweite Weg<lb/>
ja von uns begangen werden wollte. <rs type="person" ref="#per__112932">Zingler</rs> hatte im Unterausschuss<lb/>
als erster schon vorgeschlagen, man soll Paragraph für Paragraph<lb/>
durchgehen und die notwendigen Änderungen vornehmen. die ÖVP hat dies<lb/>
aber abgelehnt und meinte, man solle Experten fragen und insbeson<lb break="no"/>dere den Finanzminister zur Ausschussitzung bitten, damit ein gemein<lb break="no"/>samer Weg gefunden werden kann. Jetzt hat die ÖVP auf mein Schrei<lb break="no"/>ben an die Klubobmänner, wo ich dieses Problem aufzeigte und die<lb/>
Permanenzerklärung des Ausschusses verlangte, in der Präsidial<lb break="no"/>sitzung dies abgelehnt. Die ÖVP-Vertreter im Ausschuss sind des<lb break="no"/>halb froh, sich auf die Präsidialsitzung ausreden zu können. Da<lb/>
kein Handelsausschuss mehr tagt, wurde deshalb auch von der Präsi<lb break="no"/>dialsitzung der Unterausschuss für Energiesicherung abberufen. Inter<lb break="no"/>essanterweise hat man den zweiten Unterausschuss, der sich mit den<lb/>
Wettbewerbsfragen beschäftigt und der ebenfalls für morgen einbe<lb break="no"/>rufen war, <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> hätte am liebsten gehabt, dass wir diese<lb/>
Sitzung absagen, er selbst hatte mir zugeflüstert könne dies unter<lb/>
gar keinen Umständen tun. Natürlich haben wir uns jederzeit bereit<lb break="no"/>erklärt, über die Materie weiter zu verhandeln und haben keinen Grund<lb/>
die Sitzung abzusagen. Die verschiedensten Interessen innerhalb der<lb/>
ÖVP dokumentieren sich hier wieder einmal ganz deutlich. Beim<lb/>
<pb n="26-0784" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-06-24_0784.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Energiesicherungsgesetz waren sie sich einig, da eine Verfassungs<lb break="no"/>bestimmung drinnen ist und sie die Zustimmung geben müssen, jetzt<lb/>
einmal das Ganze dem neuen Parlament zu übertragen. Ing. <rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr</rs><lb/>
meinte sogar, man könne doch nicht irgendwelche Gesetze in Durchführung<lb/>
der internationalen Energieagentur unbefristet beschliessen, während<lb/>
die Marktordnungen, die die Lebensmittelversorgung sichern immer<lb/>
wieder zeitlich befristet sind. Hier zeigt sich ein neuer Gesichts<lb break="no"/>punkt, nämlich das Ganze mit Marktordnungsgesetz womöglich auch<lb/>
noch zu koppeln. Bei dem Wettbewerbsgesetzen handelt es sich nur<lb/>
um einfachgesetzliche Bestimmungen, weshalb sie sehr gerne möchten,<lb/>
dass wir es womöglich ablehnen. <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> meinte, es hätte ihm ein<lb/>
Handelskammermann gesagt, ich sei einverstanden mit den Gesetzen<lb/>
wenn gleichzeitig die Kontrahierungsverpflichtung der Kleinhändler<lb/>
gegenüber dem Letztverbraucher, d.h. der Abgabezwang vorgesehen<lb/>
wird. Ich weiss nicht, wer in der Handelskammer dies verbreitet<lb/>
hat, erklärte nur dezidiert, dass meine Vorstellung über dieses Ge<lb break="no"/>biet im Preisgesetz seinerzeit dem Parlament zugeleitet wurde<lb/>
und leider von der ÖVP abgelehnt wurde. Das Ganze ist ein Katz-<lb/>
und Mausspiel und niemand will den Schwarzen Peter behalten. Den<lb/>
grössten Fehler hat glaube ich der ÖVP-Klub deshalb gemacht, als der<lb/>
Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> in der Präsidialsitzung die Permanenzerklärung<lb/>
des Handelsausschusses ablehnte und vor allem einmal den Handels<lb break="no"/>ausschuss vor die Unterausschussitzung setzte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_18">Die AEZ-Diskussion war diesmal auch wieder sehr harmlos. Es gab<lb/>
zwar vereinzelt harte Kritiken über die zu geringen Lohnsteigerungen<lb/>
und die wesentlich höheren Preissteigerungen, ich glaube aber, dass<lb/>
es mir geglückt ist, doch die grössere Anzahl der Zuhörer von der<lb/>
Richtigkeit unserer Politik zu überzeugen. Da es sich dort aber um<lb/>
eine grosse schweigende Mehrheit handelt, weiss man eigentlich nie,<lb/>
wie man dran ist. Wenn vereinzelt welche dann kommen und sagen, sie<lb/>
sind zwar keine Sozialisten, wünschen aber, dass ich bei den nächsten<lb/>
Wahlen gewinne und wieder Minister werde, so lässt auch dies keinen<lb/>
Schluss zu. Da ich dort ein Stammpublikum teilweise schon besitze.<lb/>
Andererseits aber wieder wirklich viele Leute durchgehen, gäbe es<lb/>
ein sehr gutes Bild, wenn alle reden würden oder zumindestens<lb/>
befragt werden, was sie von der ganzen Sache denken und ihre Meinungen<lb/>
zu gewissen Problemen sind. Eine diesbezügliche Meinungsumfrage<lb/>
hätte dort allerdings auch keinen Sinn, weil sie erstens zu teuer ist<lb/>
und zweitens keinesfalls repräsentativ. Lustig erscheint es mir, wenn<lb/>
<pb n="26-0785" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-06-24_0785.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>jemand sagt, bitte ich muss zu meinem Zug aber ich hätte noch<lb/>
die und die Frage, dann blickt er immer wieder auf die Uhr, ob er<lb/>
sich noch eine Minute abstehlen kann, um Zusatzfragen zu stellen.<lb/>
Kritisiert wurde auch ausser der Preisentwicklung die Parteienfinan<lb break="no"/>zierung. Die Leute glauben, dass bereits jetzt die Parteien<lb/>
ungeheure Budgetmittel bekommen. Sie drücken das so aus: der<lb/>
kleine Mann muss alles bezahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-24_19">Auf der ägyptischen Botschaft unterschrieb ich dann ein gemein<lb break="no"/>sames Kommunique, wo wir den Wünschen von <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs> entsprechend For<lb break="no"/>mulierungen gefunden haben, die ihm in Kairo die Möglichkeit<lb/>
geben, einen grossen Erfolg aus seinem Besuch zu machen. Die<lb/>
anwesende Presse von Österreich wurde von mir im Detail informiert<lb/>
und ich habe nicht unterlassen, sie mit den Bauunternehmungen zu<lb break="no"/>sammenzubringen. Diese erklärten begeistert, wie ich mich eingesetzt<lb/>
habe und wie es einmalig schnell zu einem Ergebnis gekommen ist.<lb/>
Die Betreuung von <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs>, aber noch viel mehr die Zusammenarbeit<lb/>
mit den österreichischen Firmen war wirklich glaube ich von<lb/>
meiner Seite vorbildlich. Ob es einen Erfolg haben wird, wird<lb/>
sich leider erst zeigen. <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs> erklärte mir, er wird sich so ein<lb break="no"/>setzen, dass die österreichischen Projekte zur Ausführung kommen<lb/>
werden. Österreich hat dort einen so guten Ruf, dass man jetzt<lb/>
politisch auch alles daransetzen will, wirtschaftlich sich enger<lb/>
mit diesem Staat zu verbinden. Für mich ist noch immer unerklär<lb break="no"/>lich, wie die Finanzierung gelingen wird. Die Baufirmen z.B.<lb/>
teilten mir mit, dass sie in Libyen wesentlich weniger<lb/>
schnell und wesentlich ungünstigere Bedingungen der Zusammenarbeit<lb/>
gefunden haben. Das glaube ich ohne weiteres, doch hat Libyen eben,<lb/>
wen es Projekte abschliesst dann sofort das Geld es auch zu be<lb break="no"/>zahlen. In Ägypten gibt es zwar jetzt die unerwartet gute Zusammen<lb break="no"/>arbeit, nur frage ich mich, wo wird das Geld herkommen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 24.6.1975</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 169. Ministerratssitzung, 24.6.1975</head>
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            <head>Nachtrag TO 169. Ministerratssitzung, 24.6.1975</head>
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            <head>hs. Notizen (Nachtrag TO MR-Sitzung Rückseite)</head>
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