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            <title type="main">Mittwoch, der 18. Juni 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band26_1975-06-18</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_01">Mittwoch, 18. Juni 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_02"><rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> verständigt mich, dass bei Verhandlungen in New York über<lb/>
die Indexierung von Rohstoffen für Ölländer er der Delegation<lb/>
eine Weisung geben möchte, dass wir uns sehr rezeptiv verhalten.<lb/>
Die Handelskammer lehnt dies ganz kategorisch ab und auch die Ver<lb break="no"/>treter der Ministerien incl. Handelsministerium haben diese Stel<lb break="no"/>lungnahme interministeriell vertreten. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> hat vom aussenpoliti<lb break="no"/>schen Standpunkt grösste Bedenken, dass wir so wie die Amerikaner<lb/>
oder die Deutschen uns gegen diese Indexierung so energisch aus<lb break="no"/>sprechen. Mir ist es unerklärlich, wie ein Vertreter des Handels<lb break="no"/>ministeriums, ohne dass ich davon etwas weiss, eine so bedeutende<lb/>
Stellungnahme interministeriell abgeben kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Wer war unser Vertreter, wer hat intermini<lb break="no"/>steriell diese Stellungnahme abgegeben, ohne eine entsprechende In<lb break="no"/>formation vorher von<add>[Wort fehlt, Anm.]</add> bekommen zu haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_04">In Genf wird im Rahmen der UNDB über den Sonderfonds für Suez<lb break="no"/>kanalausbau verhandelt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> zugesagt, dass sich Öster<lb break="no"/>reich mit 5–10 % daran beteiligen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> glaubte, dies<lb/>
gehe auf Kreditbasis. In Wirklichkeit aber bestätigt mir auch <rs type="person" ref="#per__98034">Vesels<lb break="no"/>ky</rs>, dass es sich hier nur um Geschenke handeln kann. Insgesamt<lb/>
haben die Ägypter Projekte für 3,3 Mia. Pfund, das sind 100 Mia S<lb/>
vorgelegt. Eine gigantische Summe mit den verschiedensten Projekten<lb/>
für die ganze Suezkanalzone, wer dies finanzieren soll, ist mir<lb/>
ein Rätsel und wie die österreichische Beteiligung aussehen wird<lb/>
noch viel mehr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_05">Die Verhandlung mit <choice><choice><sic>den Baufirmenvertretern-Arbeitsgemeineschaft</sic><corr>der Baufirmenvertreter-Arbeitsgemeinschaft? der Baufirmen-Arbeitsgemeinschaft? den Baufirmen-Vertretern?</corr></choice></choice>,<lb/>
die die Untertunnelung des Suezkanalprojektes anbieten werden, zeigt<lb/>
mir einmal mehr, wie schwierig es ist, konkrete Verhandlungen zu füh<lb break="no"/>ren. Die Firmen sind zu Verhandlungen jederzeit bereit, erwarten<lb/>
nur die entsprechenden Unterlagen über geologische Verhältnisse<lb/>
usw. und vor allem aber wie mir <rs type="person" ref="#per__97449">Freibauer</rs> dann unter vier Augen<lb/>
sagt, dass man ihnen auch die Planungskosten ersetzt. Ich glaube,<lb/>
dass wir beim Tunnelbau die grösste Möglichkeit haben, unsere<lb/>
Firmen einschalten zu können. Da angeblich 5 Tunnels gebaut werden,<lb/>
müsste es wenigstens möglich sein, eines davon für Österreich<lb/>
zu bekommen. Wir einigen uns darauf, dass wir den Wiederaufbauminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs> auf alle Fälle zuerst, bevor wir die Verhandlungen beginnen,<lb/>
<pb n="26-0748" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-06-18_0748.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die U-Bahnbauten besichtigen lassen. Da der Tunnel 1,5 bis 2 Mia. S<lb/>
kosten wird und die Planungskosten ca. 3 % ausmachen, müsste, wenn wir<lb/>
die Planungskosten übernehmen der Finanzminister über die Entwicklungs<lb break="no"/>hilfe 60 Mill. S bereitstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_06">Das 5. Konsumentenforum war für mich überraschend wirklich ein voller<lb/>
Erfolg. Über 300 Beteiligte, eine sehr rege Diskussion und doch<lb/>
kein wirkliches Streitgespräch. Selbst die ÖVP-Vertreterin <rs type="person" ref="#per__140689">Fuchs</rs>,<lb/>
die Konsumentensprecherin der ÖVP, hat nur schwach wegen der Preis<lb break="no"/>entwicklung angegriffen. Dabei machte sie gleich den Fehler zu er<lb break="no"/>klären, dass die Gemeinde Wien jetzt wieder eine Strom- und Gaspreis<lb break="no"/>erhöhung beabsichtigt. Indem ich auf die Preisentwicklung bei anderen<lb/>
europäischen Staaten hinwies, konnte ich dem Forum als Entschuldigung<lb/>
noch sagen, ich hätte die Preisentwicklung deshalb ausgeklammert,<lb/>
weil ich keine Parteipropaganda machen wollte. Da nach den letzten<lb/>
OECD-Bericht wir für die vergangenen 12 Monate mit 8,6 an der zweiten<lb/>
Stellen nach der Bundesrepublik mit 6,1 % Verbraucherpreisindex-Stei<lb break="no"/>gerung liegen. Noch leichter war es den Angriff der KP-Frau <rs type="person" ref="#per__140690">Rihacek</rs><lb/>
abzuwehren, die entweder falsche Ziffern aufgeschrieben bekommen hatte<lb/>
oder sich versprochen hat. Auch die Arbeit in den Arbeitskreisen war<lb/>
sehr intensiv, wo <rs type="person" ref="#per__97843">Eva Preiss</rs> Vorsitzende war, gab es 82 Diskussions<lb break="no"/>redner, in der Mehrzahl sogar Frauen, genauso wie bei meiner Diskus<lb break="no"/>sion, was also deutlich zeigt, dass hier ein grosses Interesse auch<lb/>
von den Zuhörern bestand. Wieso bei einer solchen überparteilichen<lb/>
Veranstaltung das Fernsehen fehlte, ist eigentlich ein Rätsel.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Was geht im Fernsehen wirklich vor?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_08">In der Pressekonferenz fragte <rs type="person" ref="#per__140196">Dunner</rs>, Konsumverband, ehemaliger<lb/>
Kurierredakteur, was LAbg. <rs type="person" ref="#per__97406">Ebert</rs> als Obmann der Sektion Handel und<lb/>
insbesondere <rs type="person" ref="#per__111717">Schönbichler</rs> als Obmann der Bundessektion Handel zu dem<lb/>
Problem der Nahversorgung meint. Die Bundeskammer plädiert für eine<lb/>
Reglementierung der Grossmärkte oder Diskonter, Kettenläden usw.<lb/>
von 600 bis 2.500 m² einem Genehmigungsverfahren zu unterwerfen.<lb/>
Zum Glück hat die Handelskammer sich entschieden, dass man bei den<lb/>
Landesregierungen d.h. den Landeshauptleute solche Reglementierungen<lb/>
verlangen sollte. <rs type="person" ref="#per__111717">Schönbichler</rs> begründete dies, dass man den örtlichen<lb/>
Verhältnissen in den Ländern mehr Rechnung tragen kann. Ich verpflich<lb break="no"/>te mich im Forum nur, dass wir diesem Problem der Nahversorgung unser<lb/>
grösstes Augenmerk zuwenden werden. Unter gar keinen Umständen möchte<lb/>
<pb n="26-0749" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-06-18_0749.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ich, dass wir uns in die Diskussion jetzt der Landeshauptleute<lb/>
mit den Handelskammer und vor allem einmal mit den Vorschlägen,<lb/>
die sie untereinander derzeit austauschen, einschalten. Dies wird<lb/>
ein ähnlich heisses Eisen wie die Ladenschlussgesetzgebung. Wir<lb/>
müssen deshalb nach wie versuchen, dass es auf der Landesebene<lb/>
bleibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_09"><rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, ÖFVW, hat angerufen und mir mitgeteilt, dass im Burgenland<lb/>
die Absicht besteht, den dortigen Vertreter Hofrat <rs type="person" ref="#per__125286">Tschach</rs> in der<lb/>
Landesverwaltung einen Direktorenposten zu geben. <rs type="person" ref="#per__125286">Tschach</rs> ist unschlüs<lb break="no"/>sig, ob er diesen annehmen soll. Da <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> meint, wir brauchen den<lb/>
Mann dringend in der Fremdenverkehrssparte, erkläre ich mich bereit,<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> darüber zu reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_10">Der neue Landesrat für Fremdenverkehr in Kärnten Brunnenfeld-Ferrari<lb/>
hat bei einer werbewirtschaftlichen Woche in Innsbruck zu erkennen<lb/>
gegeben, dass er für die ÖFVW nicht allzu viel übrig hat. Er möchte<lb/>
sogar das Budget von Landesseite her für den Beitrag zur ÖFVW kürzen.<lb/>
Wenn dies der Fall ist, könnte ein so kleines Land auslösen, dass<lb/>
auch die anderen Bundesländer, die Handelskammer und vor allem einmal<lb/>
auch der Bund weniger für die ÖFVW leisten. Anstelle einer Erhöhung<lb/>
des Budgets käme es zu einer Kürzung. Eine solche Gefahr sehe ich<lb/>
zwar nicht, doch wird die Erhöhung erschwert durchzusetzen sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_11">Bei der Aussprache Regierungsmitglieder – Parteipräsidium geht es<lb/>
primär um Länderfragen und Länderwünsche. <rs type="person" ref="#per__98037">Vogl</rs> vom Burgenland er<lb break="no"/>läutert die Methode, wie sie die Bundesleistung gegenüber dem Bun<lb break="no"/>desland Burgenland besonders herausgestrichen haben. Dabei kommt<lb/>
allerdings zum Ausdruck, dass die Burgenländer über den Arlberg-<lb/>
Tunnel z.B. nicht sehr glücklich sind, da sie meinen, man hätte<lb/>
viel mehr noch für die sozialistisch geführten Bundesländer machen<lb/>
können, wenn man nicht so Riesenprojekte in Angriff genommen hätte.<lb/>
Insbesondere aber wehrt er sich gegen die Methode der Subvention<lb/>
bei der Landwirtschaft. Da es <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> nicht gelungen ist, die Subventi<lb break="no"/>onsmethoden zu ändern, erschient noch immer jedweder Zuschuss als eine<lb/>
Leistung der Landwirtschaftskammern, da die Auszahlung über diese<lb/>
erfolgt. Nur ein geringer Prozentsatz der Bauern weiss, dass dies<lb/>
eigentlich Bundesmittel sind. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, dass der Arlbergtunnel<lb/>
aus verkehrstechnischen Gründen um in 4 Monaten des Jahren überhaupt<lb/>
den Verkehr insbesondere den Güterverkehr aufrechterhalten zu können,<lb/>
<pb n="26-0750" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-06-18_0750.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>notwendig war. Bezüglich der Landwirtschaftssubventionsmethoden<lb/>
stimmt er <rs type="person" ref="#per__98037">Vogl</rs> zu.<lb/>
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den Länderbühnen gegeben wurden, den Ländern jetzt gekürzt werden,<lb/>
weil Wien, das 12 Mill. S auf Grund eines Verteilungsschlüssels<lb/>
erhalten könnte, heuer tatsächlich die 12 Mill. S verlangt.<lb/>
Nach Auffassung der Ländervertreter hätten sie sich seinerzeit ge<lb break="no"/>einigt, das nur der Theatererhaltungsverband, wo nur Landesbühnen<lb/>
organisiert sind, die Verteilung vornehmen soll. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erwidert<lb/>
sofort, dass im Finanzausgleich der Zweckzuschuss von 50 Mill.<lb/>
taktiert wurde. Dadurch hätte, wenn Wien nicht freiwillig ver<lb break="no"/>zichtet, auch Wien, aber auch St. Pölten, welches ein Privat<lb break="no"/>theater führt, ein Recht auf den normalen Aufteilungsschlüssel.<lb/>
In der ÖVP-Zeit wurden nur 15 Mill. S gegeben und es war eine<lb/>
reine Ermessenssache, jetzt ist es eben mit Zustimmung der Länder<lb/>
taktiert und daher müssten es die Ländern selbst aufteilen und nicht<lb/>
bei ihm intervenieren. Ein Wiener Vertreter, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> oder ein Stell<lb break="no"/>vertreter von ihm, war nicht anwesend, was sich in einem solchen Fall<lb/>
als Nachteil entpuppt. Ein weitere Beispiel der schlechten Koordi<lb break="no"/>nierung war, dass die Länder sich beschwerten, dass in Wien eine<lb/>
Bundesregelung mit den Ärzten getroffen wurde, dass sie 5.400 S<lb/>
für Samstag/Sonntag-Dienst bekommen. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> erklärte, dass<lb/>
dies nicht stimmt, da der Bereitschaftsdienst nur mit 40 % der Über<lb break="no"/>stunden abgegolten wird. In Wirklichkeit aber dürften die Klinik<lb break="no"/>vorstände den normalen Samstag- und Sonntagsbereitschaftsdienst<lb/>
als volle Dienstleistung anordnen und daher die normale Bezahlung<lb/>
plus 100 % Überstunden und Sonntagzuschlag noch zur Auszahlung<lb/>
gelangen, was tatsächlich dann diesen Betrag ergibt. Ansonsten aber<lb/>
konnte mit Recht darauf verwiesen werden, dass die Länder viel höher<lb/>
Personalleistungen in allen Gebieten erbringen als der Bund. Hier<lb/>
zeigte sich für mich deutlich, wie wenig eine Koordinierung in Wirk<lb break="no"/>lichkeit erfolgt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_13">Auch bezüglich der Angestellten, d.h. der Beamteneinstellung sind<lb/>
die Länder teilweise grosszügiger als der Bund. 1968 hat die<lb/>
ÖVP-Regierung um bezüglich einer Verwaltungsreform gut dazustehen,<lb/>
die Strassenwärter und sonstige Strassen- und Autobahnbedienstete<lb/>
dem Landesdienst überwiesen. In der Steiermark sollen dies allein<lb/>
500 gewesen sein. Die Bedienerinnen wurden in den Sachaufwand<lb/>
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die freien Dienstposten, die man nicht besetzen konnte, ganz einfach<lb/>
gestrichen, dadurch ergaben sich die 7.000 Dienstposten, die einge<lb break="no"/>spart wurden. Auch hier zeigte sich für mich, dass eine Koordinierung<lb/>
scheinbar sehr schwer ist. Das Hauptproblem liegt darin, dass<lb/>
die Länder doch ihre eigene Politik machen und nur gelegentlich, wenn<lb/>
irgendwo etwas ganz besonders unangenehmes passiert, dann der Bund ent<lb break="no"/>weder informiert, in den meisten Fällen aber angegriffen wird.<lb/>
So steht z.B. <rs type="person" ref="#per__137049">Winder</rs> von Vorarlberg auf dem Standpunkt, obwohl die<lb/>
ÖVP die Schwangerschaftsunterbrechung in Vorarlberg verhindert, dass<lb/>
Wien daran schuld ist, weil es entsprechende Einschaltung von Vorarl<lb break="no"/>berger Stellen verlangt, bevor die Schwangerschaftsunterbrechung hier<lb/>
erfolgt. Die ÖVP verhindert also in Vorarlberg die Durchführung des<lb/>
Gesetzes, die Vorarlberger Frauen sind in einem Notstand, wollen es<lb/>
sich verständlicherweise in Wien richten, werden hier auch entspre<lb break="no"/>chend berücksichtigt, der Vorwurf aber über diesen Zustand trifft dann<lb/>
trotzdem die SPÖ. Dies ist tatsächlich eine unleidige Sache. So<lb/>
propagandistisch wir dabei aber unter die Räder kommen sollen, ist<lb/>
mir ein Rätsel. Bei Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbruch zeigt<lb/>
sich jetzt deutlich ein Umschwung. Dies trifft zumindestens von den<lb/>
betroffenen Kreisen zu. Früher oder später werden sicherlich auch<lb/>
die Spitalsverwaltungen in den westlichen Bundesländern ihre Meinung<lb/>
zu dem Schwangerschaftsabbruch ändern. In Wien stellt sich heraus,<lb/>
dass sich immer mehr Ärzte bereiterklären, diesen durchzuführen.<lb/>
Aus den Diskussionen mit Ländervertretern, mit Genossen oder eventuell<lb/>
auch Gegnern, muss ich immer wieder feststellen, dass die grösste<lb/>
Schwierigkeit in der Abgrenzung der Kompetenzen und in der Koordination<lb/>
der Politik liegt. Die Länderkoordination auf parteipolitischer Basis<lb/>
ist schon schwierig. Unmöglich wird sie fast mit den 9 Bundesländern.<lb/>
Wäre <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht durch das Vertrauen der Bundesländer in die Partei<lb break="no"/>spitze berufen worden, so hätte er als Bundeskanzler jetzt irrsinnig<lb/>
grosse Schwierigkeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_14">Die Agrarische Informationszentrale hat über die APA ausgesendet,<lb/>
dass die Preiskommission den Milchpreis mit 42 bis 60 gr fixiert hat.<lb/>
Zum Glück hat mich der Redakteur von der Neuen Zeit <rs type="person" ref="#per__140650">Babourek</rs> angerufen<lb/>
sonst hätten wir dies wahrscheinlich – wenn überhaupt – zu spät er<lb break="no"/>fahren, Wir haben sofort eine Richtigstellung hinausgegeben, da es<lb/>
sich hier nur um Berechnungen in der Vorprüfungskommission handelt,<lb/>
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vernünftigen Bauernvertreter erwarten können. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, der mit<lb/>
dieser Tatsache konfrontiert wird, ist über die Illoyalität<lb/>
der Bauernvertreter sehr erschüttert. Er stimmt deshalb auch der<lb/>
Formulierung, die <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> bezüglich einer Berichtigung vorschlägt,<lb/>
zu. Im Fernsehen stelle ich aber bei den 11-Uhr-Nachrichten fest,<lb/>
dass man dort nur die AIZ-Information gibt, keinesfalls aber unsere<lb/>
Berichtigung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte prüfe, wieso dies möglich ist, dass<lb/>
nicht einmal unsere offiziellen Berichtigungen beim ORF im Fernsehen<lb/>
akzeptiert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_16"><rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> erklärt mir streng vertraulich, dass er mit seinem Du-Freund<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> über die Milchpreis- und Getreidepreisverhandlungen<lb/>
unter vier Augen gesprochen hat. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> hätte ihm mitgeteilt, er<lb/>
kann dies keinesfalls offiziell tun, dass er 25 gr für den Milch<lb break="no"/>preis erster Qualität Erhöhung erwartet. Zweite Qualität 20 gr,<lb/>
dritte Qual. 10 gr. Ich erkläre sofort rundweg, dass ich eine solche<lb/>
Zusage auch über <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> an <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> nicht geben werde. Mir erscheint<lb/>
der Preis von 25 gr zu hoch und wir werden sehen, was der Agrar<lb break="no"/>gipfel am Freitag bringt. Wenn <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> einer Milchpreiserhöhung<lb/>
zustimmen könnte, die wir vereinbaren, dann wäre dies eine andere<lb/>
Sache. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> erklärt aber sofort, dass eine Zustimmung auf gar<lb/>
keinen Fall in Frage kommt, wie hoch auch immer der Milchpreis<lb/>
sein wird, den die Regierung festsetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_17">Bei Getreide verhält es sich so, dass <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> einsieht, da <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs><lb/>
sich gegen jedwede Preiserhöhung auch aus seiner innersten Über<lb break="no"/>zeugung ausspricht, dass eine Roggenpreiserhöhung unter gar keinen<lb/>
Umständen in Frage kommt, weil, wie <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> behauptet, dadurch der<lb/>
Mehl- und insbesondere Brotpreis zu stark beeinflusst wird. Bei<lb/>
Weizen möchte aber <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> wenigstens 10 gr Preiserhöhung bekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> meinte man könnte die vorhandenen Mengen kontingentieren<lb/>
und dadurch die Preiserhöhung für den Verbraucher bei Semmel und<lb/>
Mehl auf den Jänner nächsten Jahres verschieben. Ich spreche mich<lb/>
gegen eine solche Regelung aus und verweise darauf, dass wenn<lb/>
man den Weizenpreis allein unbedeutend erhöhen möchte, die beste<lb/>
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vorgeschlagen hat, nur den Qualitätsweizenpreis erhöhen, den mehr<lb/>
oder minder dann die Mühlen übernehmen könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-06-18_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs> soll uns den seinerzeitigen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140616">Leopold</rs>-Vorschlag verschaffen. Bitte auch <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, Arbeiterkammer, fra<lb break="no"/>gen.</p>
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            <head>Tagesprogramm, 18.6.1975</head>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
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               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
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               <persName type="label">Kurzel-Runtscheiner, Oswald</persName>
               <persName><surname>Kurzel-Runtscheiner</surname><forename>Oswald</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName><surname>Sinowatz</surname><forename>Fred</forename></persName>
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               <persName type="label">Freibauer, Bruno</persName>
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               <occupation>Landesparteisekr. SPÖ Vorarlberg, LT-Abg., Landesrat</occupation>
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