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            <title type="main">Montag, der 26. Mai 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_01">Montag, 26. Mai 1975<lb/>
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den Baubeschluss bei der nächsten Aufsichtsratssitzung wegen Abwinden-<lb/>
Asten nicht fassen können, wenn nicht der Finanzminister eine Zu<lb break="no"/>sicherung wegen Bezahlung der Mehrzweckanlage von 1,5 Mia. S Schätzung<lb/>
1971 jetzt schon 1,8 Mia. auf 4 Jahre verteilt zustimmt. Für das Donau<lb break="no"/>kraftwerk Altenwörth ist der Finanzminister auch noch 750 Mill. S<lb/>
schuldig. Für die Kapitalaufstockung der Donau noch 424, für Maltakraft<lb break="no"/>werk noch 535 und für das Kernkraftwerk Tullnerfeld 113 Mill., insgesamt<lb/>
noch einmal 1,5 Mia. Diese gigantischen Beträge kann der Finanzminister<lb/>
beim besten Willen nicht zur Verfügung stellen. Ich habe dies alles<lb/>
erklärt, andererseits habe ich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bereit vor längerer Zeit<lb/>
persönlich darauf aufmerksam gemacht und ersucht, er soll einen allge<lb break="no"/>mein gehaltenen Brief mit Absicht die Mehrzweckanlagenkosten zu übernehmen<lb/>
an die Donau richten, damit diese dann doch den Baubeschluss fassen<lb/>
können. Ich verspreche, am Nachmittag bei der Ministerratsvorbesprechung<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zu verhandeln, nachdem mir um 4 Uhr <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> die entsprechenden<lb/>
Briefe bringt. Leider ist <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bei der Sitzung nicht mehr anwesend<lb/>
sondern schon nach Salzburg und Paris abgefahren. Die einzige Möglich<lb break="no"/>keit, die ich sehe, ist, dass doch wieder eine Vorfinanzierung beschlos<lb break="no"/>sen wird, dadurch werden zwar für die 1,7 Mia. fast 700 Mill. Zinsen zu<lb/>
bezahlen sein im Jahre 1976 aber nur eine erste Rate von 30 Mill. anfal<lb break="no"/>len. Diese Kapitalmarktfinanzierung gibt zwar zuerst eine gewisse Er<lb break="no"/>leichterung, kostet aber in Summe gesehen, irrsinniges Geld. Solange<lb/>
wir noch eine expandierende Wirtschaft gehabt haben mit Inflationsraten,<lb/>
die die Rückzahlung dann umso leichter machten, war diese Art der<lb/>
Finanzierung erträglich. Wie dies allerdings aussieht, wenn es jetzt<lb/>
wirklich zu einer Stagnation der Wirtschaft kommt, resp. die Zuwachs<lb break="no"/>raten nicht mehr sind, bzw. die Inflationsraten, die zur Rückzahlung<lb/>
in annähernd gleichbleibenden Schillingwerten erfolgen muss, möchte ich<lb/>
mir gar nicht erst ausmalen. Ich glaube nämlich, dass dann in Wirklichkeit<lb/>
dieses System unerträglich wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_03">Bezüglich der Abtretung von Aktien der Illwerke an die Landesgesellschaf<lb break="no"/>ten ist die Syndikatsvertrag und das Aktienabtretungsgesetz fertig,<lb/>
die Finanzprokuratur hat einen solchen Gesetzentwurf schon zuge<lb break="no"/>stimmt und könnte deshalb ins Parlament gebracht werden. Ich schicke<lb/>
dem Finanzminister deshalb alle Entwürfe. Von der Verbundgesellschaft<lb/>
<pb n="26-0627" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-05-26_0627.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>verlange ich aber, dass unmittelbar die Verhandlungen über Abtretung<lb/>
der Draukraftwerke-Aktien an die Kelag ebenfalls die Verhandlungen so<lb/>
geführt werden, das ich gleichzeitig mit den Illkraftwerken auch die<lb/>
Draukraft-Aktien an die Kelag abtreten kann. Nur wenn beide gemeinsam<lb/>
im Parlament zur Sprache kommen, kann ich erwarten, dass ich nicht von<lb/>
der Opposition deshalb attackiert werde. Da die Verbund wegen der Kelag<lb/>
immer wieder spätere Termine angeblich ansetzen muss, telefoniere ich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> und verlange einen schnelleren Abschluss der Verhandlungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_04"><rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> berichtet, dass bei den Polen-Verhandlungen, wo der Stromlie<lb break="no"/>ferungsvertrag hätte sollen in Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__97629">Kirchschläger</rs> unter<lb break="no"/>schrieben werden, wegen der Durchführungsrechte bei den Tschechen<lb/>
Schwierigkeiten aufgetreten sind. Die Polen konnten deshalb einen Ver<lb break="no"/>trag mit Österreich nicht unterschreiben. Es ist genau dies ein<lb break="no"/>getreten, was wir befürchteten, dass die Polen zuerst erklären, sie werden<lb/>
mit der tschechischen Regierung dieses Problem selbständig lösen und<lb/>
das jetzt nicht in der kurzen Zeit tatsächlich machen können. Die Schuld<lb/>
für die Verzögerung liegt hier eindeutig bei der polnischen Seite.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_05">Beim Journalistenfrühstück berichtet Präs. <rs type="person" ref="#per__114128">Bosse</rs> über die neuen Erhebun<lb break="no"/>gen bezüglich des Lebenshaltungskosten-Index d.h. der Verbrauchsaus<lb break="no"/>gaben der Konsumenten. Dieses Thema ist so interessant, dass sich daran<lb/>
eine lange Diskussion ergibt, die Berichte von <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> über EFTA-Tagung<lb/>
und von <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> über die bilateralen Verhandlungen mit der Schweiz<lb/>
und die Aussprache <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> und mir gehen vollkommen unter.<lb/>
Das stört mich an und für sich deshalb weniger, für die Journalisten<lb/>
ist es nämlich doch ein kalter Kaffee.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte die bilateralen Gespräche in Bern und<lb/>
Reichenhall durch Ministerratsvortrag, so wie dies <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> für die EFTA<lb/>
macht, festhalten.<lb/>
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der OECD wegen Umweltschutz teilzunehmen. Zwei Herren der OECD, die mit<lb/>
Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs>, dem Umweltschutzmann ihres Ministers verhandelt haben,<lb/>
möchten einen Weg mit Österreich gemeinsam finden, wie sie eine Studie<lb/>
auf diesem Gebiet ausarbeiten könnten. Da noch kein Umweltschutzgesetz<lb/>
existiert, sehe ich die Gefahr, dass wenn die OECD jetzt einen solchen<lb/>
Auftrag von <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> bekommt, die Länder dann erklären können über<lb/>
internationale ausländische Organisationen soll jetzt ein Druck auf sie<lb/>
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verschiedensten Variationen einigen wir uns, dass die OECD versuchen<lb/>
soll, einen Vorschlag zu machen, wie sie auf Grund der Gesundheits<lb break="no"/>kompetenz von <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> Umweltschutzuntersuchungen anstellen würde.<lb/>
Hier ergibt sich aber wieder für die OECD die Schwierigkeit, da <rs type="person" ref="#per__140552">King</rs><lb/>
und seine Mitarbeiter für Gesundheit nicht zuständig sind, sondern die<lb/>
Weltgesundheitsorganisation. Ich erkläre aber nachher <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>,<lb/>
mir ist es für sie wichtiger, die internationalen Organisationen und<lb/>
die OECD haben die Kompetenzschwierigkeiten als sie im Inland.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_08">Im Vorstand kommt auch die Reorganisation der Bauringgesellschaft zur<lb/>
Debatte. Die Montagebau-Firmen haben eine zu grosse Kapazität. Aus diesem<lb/>
Grund ist bereits die Firma Porr ausgeschieden. Die Universale und Rella<lb/>
sowie Bauring bräuchten aber grössere Aufträge. Für Bauring allein sind<lb/>
4.000 Montagebaumöglichkeiten aber nur 2.375 vorgesehen. Deshalb ist<lb/>
beabsichtigt, eine Herauslösung der Montagebau aus dem Bauring, das<lb/>
Werk Süd mit 200 Beschäftigten langfristig stillzulegen und mit der<lb/>
Wienerberger eine neue Kooperation auf Leichtbauweise, d.h. von der<lb/>
Betonschwerbauweise-Plattenerzeugung abzugehen. Das neue <choice><choice><sic>Prokta-System</sic><corr>Procter-System?</corr></choice></choice><lb/>
soll also eine Sanierung des Bauringes bringen. Da aber die verbleibenden<lb/>
Firmen Wibeba und Vereinigte Beton- und Baustoff ebenfalls Platten er<lb break="no"/>zeugen, wird der Bauring ohne die Montagebau auch in eine schwere Kon<lb break="no"/>kurrenzsituation selbst mit der eigenen Leichtplattenerzeugung der Koope<lb break="no"/>ration Montagebau-Wienerberger dann kommen. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtet, dass der<lb/>
Franz-Josefs-Bahnhof durch eine Realitätenverwertungsgesellschaft, an der<lb/>
die Creditanstalt die hauptsächlichsten Anteile hat, vorgenommen werden<lb/>
soll. Es werden dort private Büros und Wohnungen teilweise entstehen<lb/>
und insbesondere Hochschulgebäude. Der Bahnhof wird aber aufrechterhalten,<lb/>
da es immer wieder heisst, ob es fraglich ist, den überhaupt noch zu<lb/>
betreiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_09">Ein Wahlübereinkommen mit der ÖVP sieht vor, dass vom 15.6. bis 1.9.<lb/>
alle Plakatständer von allen Parteien eingezogen werden. Der Wahlkampf<lb/>
soll wirklich erst Ende August 5 Tage Toleranz wird vorgesehen, offiziell<lb/>
also mit 1. September beginnen. Ich bin sehr gespannt, ob dies eingehalten<lb/>
wird. Für mich ist es nur angenehm, weil es dadurch weniger Wahlreisen<lb/>
geben müsste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_10">Im Ausschuss berichtet dann <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> über einen Artikel im Kurier, wo<lb/>
die Stadträte unterschiedlich qualifiziert werden und behauptet wird,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> wird nach dem 5. Oktober entsprechende Änderungen vornehmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> bemerkt mit Recht, dass dies eine Taktik der ÖVP ist, die über<lb/>
ihre Zeitungen jetzt versucht, Unfrieden in die SPÖ zu tragen. <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs> werden attackiert. Ich habe den Artikel nicht gelesen, kann<lb/>
mir aber sehr gut vorstellen, dass eben durch Herumreden von Funktio<lb break="no"/>nären irgendwelche Beschuldigungen aufgefangen werden von den Zeitungen<lb/>
und dann man sofort eine solche Kampagne beginnen kann. Hätten wir in<lb/>
der Bundesregierung bei allen gelegentlichen Gegensätzen von einzelnen<lb/>
Ministern nicht so ein gutes Zusammenarbeiten, dann hätte man uns längst<lb/>
schon ebenfalls in eine derartige Situation hineinmanövriert. Was mich<lb/>
beim <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>-Bericht aber am meisten beeindruckt hat, war, die Mitteilung,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__114840">Stacher</rs> vom akademischen Senat aufgefordert wurde, sich um die Nach<lb break="no"/>folge der ersten medizinischen zu bewerben. Er hat dies aber abgelehnt,<lb/>
weil er seine Aufgaben als Stadtrat erst erfüllen will. Dies ist ein<lb/>
gigantisches persönliches Opfer und wurde vom Ausschuss mit Applaus<lb/>
bedacht, was wirklich selten vorkommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_11">In der Ministerratsvorbesprechung berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die Situa<lb break="no"/>tion in Portugal, wie sie sich bei der Besprechung mit <rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114110">Brandt</rs> ergeben hat. Sie deckt sich mit der Auffassung, die wir auch<lb/>
in der EFTA in kleinstem Kreis besprochen haben. Dort hat Gen.Sekr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97853">Rabaeus</rs> mir berichtet und in einem Vier-Augen-Gespräch nachher sogar<lb/>
noch drastisch verschärft, dass sich <rs type="person" ref="#per__140553">Soares</rs> persönlich bedroht fühlt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, dass es besonders links gerichtete Offiziere der Offiziers<lb break="no"/>junta sind, die mit der KP Portugal die demokratische Linie verlassen<lb/>
möchten. Die SU unterstützt diese Bestrebungen nicht. <rs type="person" ref="#per__97853">Rabaeus</rs> hat mir<lb/>
erzählt, dass <rs type="person" ref="#per__140553">Soares</rs> ihm klagte, er wird jetzt als CIA-Agent, d.h. als<lb/>
amerikanischer Spion dargestellt. Persönliche Diffamierung, Druck<lb/>
auf die einzelnen demokratischen soweit noch vorhandenen Parteien<lb/>
und vor allem Verbot der Zeitungen soll eine mehr oder minder neue<lb/>
Militärdiktatur vorbereiten. Wenn Portugal vom demokratischen Weg,<lb/>
den es einschlagen will, wieder abweicht, so wird sofort in Spanien<lb/>
wo jetzt ein Halblegalität existiert, diese rückgängig gemacht werden<lb/>
und die Militärs, die nach rechts dort tendieren, wieder grösseren<lb/>
Einfluss bekommen. Eine schlimme Situation.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_12">Die Auffassungen, der Deutschen, die Wirtschaftslage wird sich ver<lb break="no"/>bessern, wird von <rs type="person" ref="#per__114110">Brandt</rs> jetzt erklärte, könnte erst in einem späteren<lb/>
Zeitpunkt erwartet werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sieht darin, dass die ökonomischen<lb/>
Fragen dort wesentlich staatsferner als bei uns sind, einen grossen<lb/>
Unterschied. Die Bundesregierung Österreichs wird ununterbrochen<lb/>
informiert und konfrontiert von den Sozialpartnern und interessiert sich<lb/>
deshalb für Wirtschaftsfragen viel mehr nach Auffassung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> als die<lb/>
Deutschen. Die deutsche Partei hat deshalb auch mit den Wahlslogan den<lb/>
Aufschwung wählen einige lokale Wahlen bestritten und sieht sich<lb/>
jetzt mit der Tatsache konfrontiert, dass der Aufschwung nicht kommt.<lb/>
Man tröstet sich mit dem Handelsbilanzüberschuss, dass die Arbeitslosen<lb/>
verhältnismässig gute Einkommen durch die hohen Arbeitslosengelder haben<lb/>
die Schweden wieder haben eine irre Konjunktur. Allerdings zeichnet<lb/>
sich jetzt ab, dass z.B. in Norwegen 400.000-t-Tanker gebaut wurden<lb/>
die nicht gekauft werden. Überhaupt geht natürlich der Welthandel zurück<lb/>
und damit auch die entsprechenden Transportmöglichkeiten und neue<lb/>
Schiffe usw. die nicht abgesetzt werden können, die Wirtschaftslage<lb/>
wird von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> also sehr düster gesehen. Ich berichte über die Ver<lb break="no"/>handlungen in der EFTA und die bilateralen Verhandlungen mit <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> weist darauf hin, dass auch die Justizminister<lb break="no"/>konferenz ebenfalls beschlossen hat. Portugal zu helfen. Was die<lb/>
allerdings brauchen, ist eine ökonomische Hilfe und nicht Justizunter<lb break="no"/>stützung, so beurteile ich zumindestens die Lage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_13">Die Aussprache zwischen <rs type="person" ref="#per__124048">Kissinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs> hätte ergeben, dass die<lb/>
Sicherheitskonferenz jetzt am 31. Juli abgehalten werden soll, und<lb/>
Amerika aber nicht die Ziele, die es sich vorgestellt hat, dort<lb/>
erreichen kann. Der Senat hat noch keine amerikanische politische Linie<lb/>
gefunden und die Administration ist deshalb auch hier verhältnismäs<lb break="no"/>sig wenig beweglich. Aber auch die sowj. Seite ist durch eine Kiefer<lb break="no"/>erkrankung <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnews</rs>, der dadurch am Reden behindert wird, nicht<lb/>
gerade beweglich. Trotzdem müssen diese beiden Supermächte sich über<lb/>
die Fragen des Nahen Ostens einigen. <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> hat nämlich nicht mehr<lb/>
allzu lange Zeit zu einem positiven Abschluss zu kommen. <rs type="person" ref="#per__140554">Rabin</rs><lb/>
der unerklärlicherweise jetzt erklärt hat, 60.000 Israelis werden<lb/>
im besetzten Gebiet angesiedelt, macht scheinbar jetzt eine härtere<lb/>
Politik als er politisch imstande sein wird dann durchzustehen.<lb/>
Es existiert, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> mitteilte, der es aber schon wusste,<lb/>
ein Plan, dass nach der Sicherheitskonferenz der Ballhausplatz als<lb/>
Austauschstelle fungieren soll, um Routen und Berichte der einzelnen<lb/>
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über uns weiterzuleiten und zu verteilen. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> teilt allerdings<lb/>
mit, dass sich ausser der SU und die USA und Deutschland, die sich<lb/>
positiv ausgesprochen haben, insbesondere die kleineren u.a. auch<lb/>
Belgien ganz entschieden dagegen aussprechen. Von Frankreich weiss<lb/>
man noch nichts, doch ist mit Sicherheit anzunehmen, dass es diese<lb/>
Idee nicht unterstützen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist es tatsächlich gelungen,<lb/>
durch seine geschickte aussenpolitische Politik, die jetzt Österreich<lb/>
fast in den Mittelpunkt der Ereignisse zu rücken. Hier wird die ÖVP<lb/>
kaum Angriffspunkte im Wahlkampf haben, Anders sieht dies allerdings<lb/>
schon aus bei der Wichtigen Frage, dass wir nicht reorganisiert haben<lb/>
die Verwaltung sondern aufgebläht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war deshalb sehr wütend,<lb/>
als ihm <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> mitteilte, dass die Ministerien 13.631 neue Dienst<lb break="no"/>posten verlangen. Bei den Beamtenverhandlungen ist es <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> ge<lb break="no"/>glückt, dies auf 9.582 zu reduzieren. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte dezidiert, dass<lb/>
nicht ein einzige Dienstposten jetzt beschlossen werden darf. Für 1975<lb/>
bestehen für 3.188 nicht befristete Anträge. Das Innenminister hat 350<lb/>
Unterrichtsministerium 194, die Post 2.025, Verteidigung 551 usw. Das<lb/>
Handelsministerium ist Gott sei Dank nicht dabei. Der wirkliche Fehler<lb/>
liegt allerdings in meinen Augen immer wieder bei den Gesetzen, die<lb/>
beschlossen werden und verlangt werden und dadurch die Bürokratie nur<lb/>
unheimlich vermehrt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und viele andere beklagen sich, dass es<lb/>
ja nicht möglich ist, Beamte, die selbst nichts zu tun haben oder Beamte<lb/>
die krank sind in Pension zu schicken, sondern dass eben das Apparat stän<lb break="no"/>dig aufgebläht wird, weil ein tüchtiger Beamter wirklich einen Mitarbei<lb break="no"/>ter braucht, ein untüchtiger Beamter aber dann einen Mitarbeiter braucht,<lb/>
der seine Arbeit macht. Insbesondere das BKA und der Aussenminister stöhnen<lb/>
sehr, die anderen schweigen, dort ist es aber sicherlich nicht anders.<lb/>
Bei der Post wurde festgestellt, dass sie über den Dienstpostenplan<lb/>
1.300 Beamte aufgenommen haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verlangt eine genaue Unter<lb break="no"/>suchung. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> meint, dass das Defizit bei der Post nicht zuletzt<lb/>
darauf zurückzuführen ist, weil seit 1967 die Posttarife überhaupt<lb/>
nicht erhöht wurden und auch die Telefongebühren 5 Jahre unverändert<lb/>
blieben. Dadurch hätte sich das Defizit so gross ergeben, weil auch<lb/>
<choice><choice><sic>5</sic><corr>?</corr></choice></choice> Mia. S Investitionen heute im Defizit abgedeckt werden müssen, und nicht<lb/>
durch erhöhte Gebühren zurückgezahlt werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_14"><rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> berichtet, dass bei der gleitenden Arbeitszeit seinerzeit<lb/>
von der Gewerkschaft resp. den Dienststellenausschüssen verlangt wurde,<lb/>
dass der Freitag Nachmittag frei sein soll. Die Blockzeit wurde aber damals<lb/>
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wird. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> meint z.B. dass man heute schon, wenn man Donnerstag<lb/>
verhaftet wird, kaum vor Montag einem Richter vorgeführt wird. Ausser<lb/>
der formellen Vorführung für die 48 Stunden-Auflage im Gesetz. Der<lb/>
Beschluss der Bundesregierung bleibt aufrecht, dass der Freitag Nach<lb break="no"/>mittag gearbeitet werden muss. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> hat für das Sozialministerium<lb/>
nur anstelle der Hitzeferien jetzt eingeführt, dass durch 2 Monate<lb/>
provisorisch von 9 – 13 Uhr die Blockzeit festgelegt wird, dadurch<lb/>
ergibt sich, dass im Sozialministerium jetzt die Beamten Freitag nach<lb break="no"/>mittags frei haben können. Es müssen zwar genügend Beamte für den<lb/>
Parteienverkehr bleiben, da <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> behauptet, diese Blockzeit wird<lb/>
überhaupt nicht so benützt, dass man um 9 Uhr beginnt, sondern dass<lb/>
noch immer die Beamten zum grössten Teil von 8 bis 4 Uhr ihre Tätig<lb break="no"/>keit laufend wie bisher ausüben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte erkundige Dich unauffällig, wie diese<lb/>
Arbeitszeitregelung im Sozialministerium wirkt und welche Auswirkun<lb break="no"/>gen das auf uns haben kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_16">Die Aufnahme "Zankapfel" in Korneuburg ist für mich eine Katastrophe.<lb/>
Es geht dabei gar nicht um Wirtschaftsfragen, sondern primär um die<lb/>
Arbeitslosensituation. Da ich die Ziffern nicht im Kopf habe und sie<lb/>
kaum während der Diskussion hätte herausfischen können, kommt es<lb/>
nicht nur zu vielen Versprechern, sondern, was noch schlimmer ist,<lb/>
immer wieder zur Korrektur der von mir gesagten Ziffer. Zum Glück war<lb/>
das keine Live-Sendung und ich konnte teilweise Korrekturen vornehmen,<lb/>
soweit ich die Unterlagen überhaupt verfügbar hatte. Das Problem z.B.<lb/>
aber, wie weit früher Gastarbeiter beschäftigt wurden, wie weit die<lb/>
Karenzurlauberin eingebaut wurde, kann ich ziffernmässig nicht belegen.<lb/>
Für viele vielleicht eine Selbstverständlichkeit, für mich aber<lb/>
eine so ungute Situation, dass ich auch mich bei den Ziffern über die<lb/>
Aussenhandel immer wieder verhaspelte. Dies war die schlechteste Sendung<lb/>
die ich jemals gehabt habe. Ich vereinbare deshalb mit dem Sendelei<lb break="no"/>ter <rs type="person" ref="#per__140555">Kralik</rs>, der sehr froh ist, dass ich mich dazu bereiterkläre, dass<lb/>
wir die Sendung, bevor sie gesendet wird, noch einmal abhören.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-26_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte die Ziffern weitestgehend aus der Sendung,<lb/>
insbesondere, wenn sie falsch sind, entfernen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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