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            <title type="main">Mittwoch, der 14. Mai 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_01">Mittwoch, 14. Mai 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_02">Der ARBÖ interviewt jetzt alle Minister um in seiner Zeitschrift<lb/>
Porträts zu geben. Dafür hat er seinen Redakteur <rs type="person" ref="#per__114732">Peter Müller</rs><lb/>
geschickt, der auch wie sich herausstellte für Seibersdorf als<lb/>
Public-Relations-Mann tätig ist. Dort betrachtet er seine Aufgabe<lb/>
schwer verständliche technische Probleme zu vereinfachen und damit<lb/>
einem grösseren Leserkreis zugänglich zu machen. <rs type="person" ref="#per__114732">Müller</rs> hat auch vor<lb/>
Jahren ein Feuerwehrbuch herausgebracht, welches angeblich sehr gut<lb/>
geht. Dies kann ich mir vorstellen, da in Österreich die Feuer<lb break="no"/>wehren, insbesondere die Freiwilligen auf tausende von Mitgliedern<lb/>
aufgebaut ist, die sicherlich alle veranlasst werden konnten dieses<lb/>
Buch zu erwerben. <rs type="person" ref="#per__114732">Müller</rs> dürfte ein ganz guter Manager sein. Ich<lb/>
warf ihm vor, dass die Elektrizitätswirtschaft, <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> ist ja<lb/>
auch Aufsichtsratsvorsitzender von Seibersdorf, d.h. von der Studien<lb break="no"/>gesellschaft, für die Aufklärung wegen der Atomgefahren resp.<lb/>
Notwendigkeit der Atomenergie, fast nichts gemacht hat. <rs type="person" ref="#per__114732">Müller</rs> er<lb break="no"/>klärte, Seibersdorf hätte dafür kaum ein Budget, wohl aber die<lb/>
Elektrizitätswirtschaft, die es bis jetzt aber nicht für notwendig<lb/>
erachtete. <rs type="person" ref="#per__114732">Müller</rs> möchte in Hinkunft ein Buch schreiben, das ähnlich<lb/>
dem Feuerwehrbuch über die Energie handelt und sehr vereinfacht<lb/>
die Probleme darstellen soll. Das wirkliche Problem, die Bevölkerung<lb/>
aufzuklären, die Meinungsmacher auf dem Antiatomsektor ein wenig<lb/>
Paroli zu bieten, hat man scheinbar nicht die Absicht wirklich in<lb/>
Angriff zu nehmen. Wir können in Österreich von Glück sprechen,<lb/>
dass die österreichische Mentalität nicht der der Deutschen oder<lb/>
anderer Länder ist, sonst hätten wir auch auf dem Atomsektor schon<lb/>
eine richtiggehende kleine Revolution.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_03">Was mich bei diesem Interview und <rs type="person" ref="#per__114732">Müller</rs> besonders beeindruckt ist,<lb/>
dass ich immer wieder feststellen kann, die Redakteure schreiben<lb/>
nicht einmal Stenographie, merken also daher sich nur Schlagworte<lb/>
vor und aus dem Interview kommt natürlich dann ganz anderes heraus<lb/>
als gesprochen wurde. <rs type="person" ref="#per__114732">Müller</rs> hat sich insoferne abgesichert, als<lb/>
er dann sofort erklärte er wird die Manuskripte mir vorlesen.<lb/>
Da ich an und für sich weder eine Zensur noch Zeit dafür aufwenden<lb/>
möchte, habe ich <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> ersucht, der bei dem Interview anwesend war,<lb/>
die entsprechenden Korrekturen dann vorzunehmen. Warum die Redak<lb break="no"/>teure resp. Journalisten bei Interviews nicht wenigstens ein Ton<lb break="no"/>band verwenden, ist mir ein Rätsel. Die Erklärung kann allerdings<lb/>
nur sein, dass er gar nicht nachher die Interviews wirklich ge<lb break="no"/><pb n="26-0597" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-05-14_0597.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wissenhaftest verarbeiten möchte, sondern sich bei den Interview<lb/>
eben nur Schlagworte vormerkt, die er nachher entsprechend aus<lb break="no"/>baut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_04">Die Arbeiterkammer <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, <rs type="person" ref="#per__114598">Hruby</rs>, <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> und Gewerkschaftsbund<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> sowie dem ÖMV Vertreter <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> gelang es wegen der Öl<lb break="no"/>preissenkungen ein Kompromiss zu erreichen. Zuerst haben <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> einige Zeit sich alle Fehler der Vergangenheit auf den<lb/>
Kopf geworfen und die Verhandlungsbereitschaft des anderen bezweifelt,<lb/>
sich aber letzten Endes sich doch auf ein Kompromiss für Heizöl<lb/>
Extra Leicht Rabatt in Hinkunft 50 Groschen statt 30 Groschen ge<lb break="no"/>einigt. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> ersuchte, da die Internationalen Gesellschaften<lb/>
nicht für eine Preissenkung zu haben sind, um nicht deren Widerstand<lb/>
zu wecken, dass wir uns über den Termin des Ablaufes des Rabattes<lb/>
nicht aussprechen. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> hofft, dass es dadurch Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
möglich sein wird, die Internationalen zu einer stillschweigenden<lb/>
Zustimmung zu bekommen. An und für sich ist mir dies auch recht, da<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> nicht im Unklaren liess, dass die 50 Groschen<lb/>
Rabatt dann kaum in den nächsten Jahren geändert werden. Bei diesem<lb/>
Heizöl-Extra-Leicht-Preis liegen wir im westeuropäischen Mittel. In<lb/>
der Bundesrepublik in Lindau, hat die Arbeiterkammer Vorarlberg<lb/>
erhoben, kostet es 31 Pfennig, das sind 2.20 Schilling plus<lb/>
die 50 Groschen Mineralölsteuer, die in Österreich dafür eingehoben<lb/>
werden, entspricht auch 2.70 Schilling. In der Schweiz St. Gallen<lb/>
kostet es 1.79 Schilling mit den 50 Groschen rund wären es also<lb/>
2.30 Schilling. Die Schweiz hätte also einen tieferen Heizöl-Extra-<lb/>
Leicht-Preis, die Deutschen einen wenig höheren. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> bezweifelte<lb/>
diese Ziffern, hat aber selbst keine anderen genannt. Die mengen<lb break="no"/>mässigen Heizöl-Schwer-Verbrauchsziffern die <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> angegeben hat,<lb/>
stimmen mit den Aufzeichnungen von RR <rs type="person" ref="#per__107936">Elsinger</rs> nicht überein. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs><lb/>
behauptet jetzt 70 % des Heizöl-Schwer-Anteiles von der ÖMV bei<lb/>
einem derzeitigen Minimallager von 120.000 Tonnen der normale Anteil<lb/>
der ÖMV war höchstens 50 % und betrug von einer Jahresverbrauchsmenge<lb/>
von 3.7 Millionen Tonnen 1973, 1.8 Millionen Tonnen ÖMV Aufbringung.<lb/>
1974 waren es wieder 1.8 Millionen, wobei die Gesamtmenge auf<lb/>
3.2 Millionen Jato zurückgegangen ist. 1975 werden es 1.7 Millionen<lb/>
Tonnen Anteil ÖMV sein, bei einer Gesamtmenge von 2.6 Millionen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> hat erklärt, dass er an dem Heizöl-Schwer-Preis nur insofern<lb/>
interessiert ist, als die Elektrizitätswerke durch überhöhte Preise<lb/>
dann höhere Elektrizitätsverbraucherpreise verlangen. Als er von<lb/>
mir erfuhr, dass die ölverbrauchenden Gesellschaften wie Wien, NÖ,<lb/>
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dieses Gebiet kein besonderes Interesse mehr. Für die im Herbst<lb/>
zu erwartende neue Elektrizitätspreiserhöhung erklärte ich <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> rund<lb break="no"/>wegs, wird es kaum kalkulatorische Gründe geben, die Erhöhung vor<lb break="no"/>zunehmen. Der wirklich einzige Grund ist, dass wir den Elektrizi<lb break="no"/>tätsausbau vorwärts treiben müssen. Solange wir dafür nicht ent<lb break="no"/>sprechende Fremdkapitalmittel in stärkerem Ausmass einsetzen können<lb/>
das Verhältnis Eigen- und Fremdkapital muss in einer gewissen<lb/>
Relation sein, müssen eben über den Preis die Gesellschaften einen<lb/>
höheren Eigenkapitalanteil bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_05">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Ich weiss, die Energiesektion muss jetzt ein<lb break="no"/>mal Relationen der einzelnen Energiearten vorlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_06"><rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat mich verständigt, dass die Genossenschaft seinen Vorschlag,<lb/>
d.h. sein Kompromiss mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> über die Schleuderpreise resp.<lb/>
Kontrahierungszwang abgelehnt hat. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> ist der Meinung dass die<lb/>
Aussprache, die der Obmann des Konsumverbandes NR <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs>, insbe<lb break="no"/>sondere mit der Wiener Konsumgenossenschaft geführt hat, zu diesem<lb/>
negativen Ergebnis führte. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> selbst ist aber im Aufsichtsrat<lb/>
der Wiener Konsumgenossenschaft, weshalb ich ihm sofort sagte,<lb/>
er hätte doch keine Chance gegen eine solche Entscheidung noch an<lb break="no"/>zukämpfen. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> wollte von mir nämlich unbedingt wissen, ob ich<lb/>
hinter seinem Kompromiss stehe, dann hätte er versucht den Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund NR <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> davon zu überzeugen, dass man auch ent<lb break="no"/>gegen der Meinung des Konsumverbandes im Parlament dies Kompromiss<lb/>
durchdrücken sollte. Für <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> ist dies scheinbar eine Prestige<lb break="no"/>frage. Optisch ist die ganze Angelegenheit sehr verfahren. Die ÖVP<lb/>
wird jetzt im Wahlkampf die nicht unberechtigte Behauptung auf<lb break="no"/>stellen, dass man für die kleineren Gewerbetreibenden nichts übrig<lb/>
hat, weil die mächtige Konsumgenossenschaft sich dagegen ausgespro<lb break="no"/>chen hat. <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> besteht nämlich darauf, eine Presseaussendung zu<lb/>
machen, wo ausdrücklich festgehalten wird, dass sie einem Kompro<lb break="no"/>miss in dieser Frage ablehnen. Die optisch bessere Lösung wäre gewesen<lb/>
wenn der ÖGB oder die Arbeiterkammer erklärt hätten, damit würden<lb/>
dem Letztverbraucher also dem Konsumenten die Möglichkeiten eines<lb/>
billigen Einkaufes genommen, weshalb sie auf dem Standpunkt steht,<lb/>
dass eine solche Bestimmung jetzt nicht zweckmässig ist. Für mich<lb/>
ergibt sich insoferne eine schwierige Situation, als ich, wenn ich<lb/>
gefragt werde, erklären muss, dass die Verhandlungen im Parlament<lb/>
<pb n="26-0599" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band26/26_1975-05-14_0599.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>geführt werden und ich darauf keinen Einfluss mehr nehme. Natür<lb break="no"/>lich wird man in dem Fall erklären, ein Minister, der sich um<lb/>
eine so wichtige Angelegenheit nicht kümmert, ist ein schlechter<lb/>
Minister. Hätte <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> sich nicht so weit vorgewagt und ein Kompromiss<lb/>
geschlossen, von dem er annehmen musste, dass es kaum die Zustimmung<lb/>
finden kann, wäre die ganze Frage sang- und klaglos untergegangen.<lb/>
Ich hätte erklärt, die ÖVP hat seinerzeit beim Preisgesetz diesbe<lb break="no"/>zügliche Vorschläge von mir abgelehnt, weshalb also auch die ÖVP<lb/>
dieselbe Schuld trifft wie die sozialistische Seite, wenn jetzt der<lb/>
Initiativantrag der ÖVP über die Schleuderpreise nicht angenommen<lb/>
wird. Wie wir optisch aus dieser Frage heraussteigen, weiss ich<lb/>
noch nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Beachte bitte, dass die Propaganda sich in diesem<lb/>
Punkt vor den Wahlen sehr stark gegen uns richtet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_08">Der restliche Arbeitstag war eigentlich fast immer nur Repräsentation<lb/>
gewidmet. Der norwegische Industrieminister musste vom Flugplatz<lb/>
abgeholt werden, er kam auf Einladung des Bundeskanzlers. Dieser hat<lb/>
als er das letzte Mal in Oslo war Minister <rs type="person" ref="#per__140542">Ulveseth</rs> erklärt, er solle<lb/>
nach Österreich kommen, um hier die Organisationsform der verstaat<lb break="no"/>lichten Industrie genauer kennenzulernen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ihn also<lb/>
eingeladen und wir haben die Arbeit. Die Aussprache, die wir nach<lb/>
einer Besichtigung der Raffinerie Schwechat dann hatten, war auch<lb/>
für uns wenig ergiebig. Die Norweger schilderten ihre Organisations<lb break="no"/>form der Ölproduktion und erklärten dezidiert, dass sie nicht die<lb/>
Absicht haben, innerhalb der ölproduzierenden Länder, also der OPEC auf<lb/>
deren Seite in Erscheinung zu treten. Sie wollen sich als grösstes<lb/>
europäisches Ölproduktionsland nicht aus der westlichen Industrie,<lb/>
wenn man so will auch Konsumentenländer für Öl herausbrechen lassen.<lb/>
Wenn sie allerdings einmal die beabsichtigten 100 Mill. t pro Jahr<lb/>
fördern, wird das Ganze schon anders aussehen und sich entwickeln.<lb/>
Der Minister und seine Begleitung war ausschliesslich auf Industrie<lb break="no"/>produktion eingestellt und konnten daher <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs>, der obwohl<lb/>
ich ihm sofort sagte, sie werden nichts wissen, seine Anfrage wegen<lb/>
der Textilimportbeschränkung nicht beantworten. Sie erklärten, sie<lb/>
werden diesbezüglichen schriftlichen Bericht <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> zusenden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_09">Den ersten stellv. Aussenminister der SU <rs type="person" ref="#per__140543">Kusnezow</rs> habe ich eben<lb break="no"/>falls am Flughafen empfangen. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> ersuchte mich darum, da ich erst<lb/>
einmal schon in Schwechat war und zweitens er durch Arbeitsüber<lb break="no"/>häufung derzeit furchtbar unter Druck steht. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> meinte, wäre er<lb/>
bei der Ministerratsbesprechung dabei gewesen, hätte er überhaupt ver<lb break="no"/>anlasst, dass die Minister, die zur 20 Jahr-Feier kommen, gar nicht am<lb/>
Flughafen von Ministern abgeholt werden. Die Signatarstaaten haben ent<lb break="no"/>gegen unserem Wunsch nur zweitrangige Vertreter geschickt. Ich war aber<lb/>
trotzdem sehr froh, dort gewesen zu sein, denn die sowjetische Seite<lb/>
war nicht nur mit dem Botschafter, dem Geschäftsträger sondern mit<lb/>
einer ganzen Reihe von Botschaftsangehörigen vertreten. <rs type="person" ref="#per__140543">Kusnezow</rs> kam<lb/>
mit einer Sondermaschine und es wäre wirklich blamabel gewesen, wenn<lb/>
nur der Protokollmann des Aussenamtes, der übrigens als Einziger<lb/>
Beamter dort anwesend war, erschienen wäre. Ich bin für die Feiern<lb/>
des Staatsvertrages nicht verantwortlich und habe mich ach um deren<lb/>
Abwicklung überhaupt nicht gekümmert, dass es aber nicht möglich gewesen<lb/>
wäre, besseren Einfluss auf die Delegationen, die kommen, zu nehmen,<lb/>
kann ich mir nicht vorstellen. Da <rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs> und <rs type="person" ref="#per__124048">Kissinger</rs> unmittelbar fast<lb/>
nach dem Staatsvertragsfeiern nach Österreich kommen, wäre es vielleicht<lb/>
möglich gewesen, eine entsprechende Kombination herbeizuführen.<lb/>
Vielleicht allerdings war diese Entscheidung zwischen diesen beiden<lb/>
Grossmächten erst zu einem späteren Zeitpunkt gefallen, als man be<lb break="no"/>reits abgelehnt hat, insbesondere von franz. Seite, wie ich höre.<lb/>
eine höhere Delegation zu schicken. Hier ist wieder das Protokoll,<lb/>
welches alles durcheinanderbringt. Wenn ein Land nicht bereit ist,<lb/>
einen Minister zu schicken, dann erklären die anderen auch, sie<lb/>
schicken keinen. Genau den umgekehrten Weg müsste man eigentlich<lb/>
einschlagen. Wenn ein Land sich dadurch deplaciert, dass es eben<lb/>
keine repräsentativen Vertreter schickt, dann sollten die anderen<lb/>
umso mehr dokumentieren, dass sie dem Staatsvertrag die ganze Be<lb break="no"/>deutung beimessen, wie wir ihn gerne sehen würden und dann ist das<lb/>
nichtdelegierende Land das blamierte. Aber nie werde ich das Pro<lb break="no"/>tokoll verstehen. Vielleicht funktioniert das Protokoll aber in<lb/>
anderen Ländern genauso wie bei uns, dann ist mir vieles erklär<lb break="no"/>lich. Als ich auf den Flughafen hinunterkam, war ich überrascht,<lb/>
dass dort 5 Polizisten als Begleitmannschaft für den sowj.<lb/>
ersten Vizeminister <rs type="person" ref="#per__140543">Kusnezow</rs> zur Verfügung standen. Für die Begleitung<lb/>
des norwegischen Ministers war überhaupt nichts vorgesehen. <rs type="person" ref="#per__116918">Reiss</rs>,<lb/>
der sehr <choice><choice><sic>view</sic><corr>vif?</corr></choice></choice> ist und sich daher sofort erkundigte, bekam von<lb/>
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Begleitmannschaft hat und wir deshalb keinen bekommen konnten.<lb/>
Ich bin überzeugt, dass <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> maximal dort anrief, feststellte,<lb/>
die erklären, wir haben niemanden und sich damit zufriedengab. Hätte<lb/>
er mir dies mitgeteilt, wäre ich sofort mit dem Polizeipräsidenten<lb/>
in Kontakt getreten und bin überzeugt davon, dass wir selbstverständlich<lb/>
einen Begleitpolizisten bekommen hätten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Warum funktioniert bei uns das Protokoll<lb/>
so schlecht? Und setzt sich so wenig durch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_11">Bei der Jubilarehrung der Fa. Nestle konnte ich in zweifacher Hin<lb break="no"/>sicht in Erscheinung treten. Die Firma legte Wert darauf, dass ich<lb/>
als Handelsminister sie einmal besuchte, die Belegschaft, dass ich<lb/>
die Kollegen zu ihrer 35- und 25-jährigen Betriebszugehörig<lb break="no"/>keit mit den Arbeiterkammer-Plaketten auszeichnete. Diese Zwitter<lb break="no"/>stellung war mir sehr recht, würde ich nach Protokoll vorgehen,<lb/>
müsste ich jetzt beleidigt sein, da die Handelskammer zur Auszeich<lb break="no"/>nung nur den Sekretär <rs type="person" ref="#per__130457">Rieger</rs> vom Fachverband der Nahrungs- und Genuss<lb break="no"/>mittelindustrie schickte. Diese Doppelauszeichnungen sind ja auch<lb/>
der grösste Unfug, den man sich vorstellen kann. Angefangen mit<lb/>
langjähriger Tätigkeitsauszeichnung hat soviel ich mich erinnern kann<lb/>
die Handelskammer. Da bei diesen Versammlungen dann meistens Arbei<lb break="no"/>terkammervertreter eingeladen waren und dort nicht in Erscheinung<lb/>
treten konnten, wurde in der Arbeiterkammer noch zu meiner Zeit<lb/>
beschlossen, dass eben ebenfalls für langjährige Tätigkeit im<lb/>
Dienste der Wirtschaft die Arbeiter mit Medaillen ausgezeichnet wer<lb break="no"/>den. Das Ergebnis ist, dass jetzt zwei Medaillen jeder bekommt,<lb/>
eine von der Arbeiterkammer und eine von der Handelskammer. Ein<lb/>
typisch österreichisches Kompromiss. Die Firmen Nestle reorga<lb break="no"/>nisiert jetzt die vier Betrieb, den Vorarlberger lässt sie auf<lb/>
und legt die Produktion nach Linz, um Kosten zu ersparen und durch<lb/>
die Konzentration eine bessere Startbedingung für die Zukunft<lb/>
zu haben. In Stadlau selbst werden sie - wie sie mir vor der Feier<lb/>
erklärten – entsprechende Investitionen tätigen, um den Anforderungen<lb/>
des neuen Lebensmittelgesetzes, der Kennzeichnung und was sonst noch<lb/>
alles an sie herankommt, Rechnung tragen zu können. Sie werden auch<lb/>
ein grosses Laboratorium wahrscheinlich in Stadlau errichte. Durch<lb/>
die neue Kennzeichnungsverordnung mit der Verfallsfrist fürchten<lb/>
die Industriebetriebe, dass sie nur mehr kleiner Chargen produ<lb break="no"/>zieren können. Dadurch glauben sie wird es zu einer Kostenerhöhung<lb/>
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bis zum angegebenen Verfallsdatum wirklich zu kaufen oder nicht<lb/>
bereits Wochen oder Monate vorher schon die Waren nicht mehr nimmt,<lb/>
überlegt sich Nestle z.B. die Mayonnaisen-Produktion ganz einzustellen.<lb/>
Die Fabrik, die im Jahre 1911 eröffnet wurde, ist baulich noch immer<lb/>
so gut konstruiert und so grosszügig angelegt, dass man jetzt noch<lb/>
modernere Produktionsmethoden drinnen unterbringen kann. Die Mälzerei<lb/>
wurde jetzt auf die Hälfte reduziert, die höchsten Ausstossziffern<lb/>
waren 20.000 t, während der Kriegszeit, und betragen jetzt nicht ein<lb break="no"/>mal 1/4 davon mit fallender Tendenz, dafür muss die Firma jetzt aber<lb/>
ein zentrales Lager ausbauen, weil eben die Hunderten Produkte, die<lb/>
sie jetzt erzeugt, die grössten Schwierigkeiten immer am Verteilungs<lb break="no"/>sektor sich ergeben. Durch die Lebensmittelkennzeichnung und andere<lb/>
lebensmittelgesetzliche Bestimmungen wird die Firma etliche Dutzende<lb/>
Produkte auflassen. Auf diesen Effekt hat eigentlich niemand bei<lb/>
dem Zustandekommen des Lebensmittelgesetzes resp. Kennzeichnungs<lb break="no"/>verordnung gerechnet. Diesbezügliche Andeutungen wurden immer als<lb/>
übertrieben abgetan. Trotzdem glaube ich, war es notwendig, dass wir<lb/>
diese Schritte im Zuge der europäischen Verbesserung des Lebens<lb break="no"/>mittelrechts, -kodex und –produktion durchführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_12">Der norwegische Minister war von der Aufführung Romeo und Julia und<lb/>
auch seine Begleitung begeistert, doch meinte er freimütig, in<lb/>
Norwegen hätte er kaum Zeit, die Oper zu besuchen. Er bedankte sich<lb/>
deshalb vielmals bei mir, dass ich so viel Zeit aufwende, um ihn<lb/>
als Gast zu betreuen. Wenn man aber jemanden einlädt, muss man sich<lb/>
auch um ihn kümmern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band26_1975-05-14_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Lass bitte einmal eine Zusammenstellung machen,<lb/>
wieviele Minister wieviele Tage in Österreich waren und wie oft ich im<lb/>
Ausland war innerhalb der letzten fünf Jahre.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 14.5.1975</head>
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