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            <title type="main">Montag, der 28. April 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_01">Montag, 28. April 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_02">Im Jour fixe machte ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> darauf aufmerksam, dass das Berufsforschungs<lb break="no"/>institut die Verhandlungen darüber nicht weitergehen. Die Handelskammer<lb/>
steht auf dem Standpunkt, es soll nunmehr ohne Aufträge erfolgen und<lb/>
die Projektvergabe mit Subventionen ca. jede Gruppe 3 Mill. S subven<lb break="no"/>tioniert werden. Demgegenüber nimmt die Gewerkschaft den richtigen<lb/>
Standpunkt ein, dass das Institut, welches jetzt aus 5 Fachleuten und<lb/>
einer Sekretärin besteht, weiterhin existieren soll und selbständige<lb/>
Arbeiten aufnehmen sollte. Wenn die Handelskammer – wie <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mir<lb/>
sofort sagte – nur 3 Fachleute zur Verfügung stellen kann, so ist<lb/>
dies kein Grund, jetzt von der bewährten Art abzugehen. Die Handelskammer<lb/>
kann gegebenenfalls in späterer Folge jeweils noch entsprechende Fach<lb break="no"/>leute nachnominieren. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> fürchtet, dass das Institut mit 10 Fach<lb break="no"/>leuten zu stark besetzt ist. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wird seinen Verhandlern empfehlen,<lb/>
so schnell wie möglich zu einem positiven Abschluss zu kommen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
kennt noch nicht die Arbeiten der Gewerkschaftsjugend über Aktion 75<lb/>
welches ein neues Lehrlingsausbildungsschema vorsieht. Ich verspreche<lb/>
ihm sofort ein Exemplar zu schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_03">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>: Bitte seinem Sekretariat ein Exemplar übermitteln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_04"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sagt mir zu, ist aber dafür nicht so kompetent wie <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, der<lb/>
leider nicht anwesend ist, die Wahlen in der Handelskammer werden keinen<lb/>
Einfluss auf die Zusammenarbeit zwischen dem Wirtschaftsbund und dem<lb/>
freien Wirtschaftsverband haben. Nach wie vor mache ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> darauf auf<lb break="no"/>merksam, dass ich auf- eine Zusammenarbeit grössten Wert lege. Selbst die<lb/>
personellen Schwierigkeiten, die es in der Wiener Handelskammer jetzt<lb/>
gibt, müssten anders gelöst werden, als dies angedeutet wurde. Der koop<lb break="no"/>tierte für das Gewerbe sind als Personen umstritten. Ich setzte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dezidiert auseinander, dass man sich nicht den Verhandlungspart<lb break="no"/>ner aussuchen kann, dass daher der delegierenden Stelle auch das Recht<lb/>
zusteht, den Mann zu nennen, den sie für richtig hält. Wenn man aber<lb/>
jetzt eine Person von Wirtschaftsbundvertretern ablehnt, dann bedeu<lb break="no"/>tet dies, dass der Freie Wirtschaftsverband umso stärker auf dieser<lb/>
Person beharren muss. Ich schlage deshalb vor, man soll in Gesprächen<lb/>
eine Lösung suchen und vor allem nicht vorher die Personenfrage präju<lb break="no"/>dizieren. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> anerkennt das Recht der Kooptierung und versichert<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_05"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat eine Liste von Kommerzialräten der Statistik des Aussen<lb break="no"/>handels, die wir verliehen haben und wo die Handelskammer nicht den<lb/>
Antrag stellte. Unter anderem steht auch <rs type="person" ref="#per__114117">Mayerhofer</rs> drauf und handge<lb break="no"/>schrieben eine Bemerkung: Schwager des Bundesministers. Er ärgert sich<lb/>
über diese Bemerkung sehr, umso mehr als er mir freimütig die Liste<lb/>
zum Lesen gegeben hat. Ich verweise darauf, dass wir seinerzeit mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> vereinbart haben, dass wenn ich Kommerzialräte<lb/>
für die Statistik des Aussenhandels vorschlage, die Handelskammer<lb/>
immer verständigt wird. Ich bin auch überzeugt, dass Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs><lb/>
dies ständig getan hat. Hätte die Handelskammer gegen einen der Er<lb break="no"/>nannten Bedenken geäussert, so hätte sie mir dies mitgeteilt und ich<lb/>
hätte dann entsprechende Verhandlungen mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auf<lb break="no"/>genommen. In keinem einzigen Fall aber wurde jemals eine Kritik, ja<lb/>
nicht einmal eine Bemerkung zu den Vorgeschlagenen gemacht. Was die<lb/>
Anzahl betrifft, so hat <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> mir nachgewiesen und ich nenne diese<lb/>
Ziffern Mussil, dass wir in der vorhergehenden Periode wesentlich mehr<lb/>
nominiert haben als jetzt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist über die Mitteilung, dass wenn<lb/>
die Handelskammer einen Einspruch machen würde, wir darüber sprechen<lb/>
müssten und würden, befriedigt. Er sieht ein, dass ich irgendein Ventil<lb/>
der Kommerzialrat-Bestellungen brauche, da ich die echten Kommerzialräte<lb/>
ja der Handelskammer abgetreten habe. Früher waren immerhin von 50<lb/>
Kommerzialräte auf alleiniges Vorschlagsrecht des Handelsministers vor<lb break="no"/>gesehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_06"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> fragt an, wie weit die 5 Mia. S ERP-Kredit und Ersatzaktionen<lb/>
jetzt aktiviert werden. Es gibt nach seiner Information Schwierig<lb break="no"/>keiten mit den Banken. Die Länderbank möchte überhaupt die Refinanzie<lb break="no"/>rung zugesagt haben und die anderen <choice><choice><sic>DAnken</sic><corr>Banken?</corr></choice></choice> verlangen eine Aufhebung des<lb/>
Limits zumindestens um diesen Betrag. Ich erkläre sofort, dass soweit es<lb/>
das Handelsministerium betrifft, wir jetzt einen Beschluss der ERP-<lb/>
Kommission um zusätzliche 150 Mill. S aus reinen ERP-Mitteln fassen<lb/>
werden und die Frage der Refinanzierung usw. erst bei der zweiten<lb/>
Aktion sich stellt, die für mich nicht primär zuständig ist. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
ist erfreut über die Wünsche der Fremdenverkehrswirtschaft so eine posi<lb break="no"/>tive Antwort zu bekommen. Insbesondere befriedigt ihn, dass ja die Verga<lb break="no"/>be dieser Mittel ja nicht die grossen Baufirmen sondern natürlich die<lb/>
kleineren Gewerbetreibenden in den Ortschaften, wo die Verbesserungen<lb/>
oder Neubauten von Fremdenverkehrsbetriebe erfolgen, beschäftigt werden<lb/>
<pb n="25-0529" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-28_0529.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Die Bürges-Prämienaktion würde nach seinen Informationen 40–60 %<lb/>
der Prämien wegsteuern. Ausserdem würden die Investitionskosten ver<lb break="no"/>mindert werden und dadurch auch die AfA, d.h. die Abschreibungen zu<lb/>
kurz kommen. Ich ersuche ihn, mir dies zu schreiben, damit ich es über<lb break="no"/>prüfen lassen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_07">Ich übergebe <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> das Energiesicherungsgesetz und er meint, ich sollte<lb/>
diesen Entwurf nicht einbringen. Seine Hoffnung ist noch immer, dass<lb/>
dieses Problem erst in der nächsten Legislaturperiode verhandelt wird.<lb/>
Ich lasse ihm keine Illusionen, dass davon keine Rede sein kann,<lb/>
sondern dass mit gleichzeitiger Beschlussfassung über die Internationa<lb break="no"/>le Energieagentur auch die Energiesicherung durch ein Durchführungsgesetz<lb/>
in Österreich legistisch geklärt sein muss. Die Bundeskammer ist sich<lb/>
noch immer nicht klar, wie sie die Vorratsbezahlung und -finanzierung<lb/>
über die Preise vornehmen sollte und könnte. Die Kleineren Firmen haben<lb/>
Angst, dass sie unter die-Räder kommen. Sie geben deshalb einer Abgabe<lb/>
wie sie die Schweiz handhabt den Vorzug. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst muss aber zugeben<lb/>
dass dadurch ein behördlicher Apparat aufgebaut wird, der insbesondere<lb/>
über die Verteilung dieser Mittel zu entscheiden hätte. Dies passt<lb/>
ihm natürlich auch nicht. Wenn bei fallenden Preisen, wie er immer<lb/>
argumentiert, die Kalkulationsmöglichkeit dann über die Lagerkosten<lb/>
wegfällt, so ist die ähnliche Situation, wenn es sich um Abgaben handelt.<lb/>
In diesem Fall wird zwar diese Kalkulationspost sicherlich anerkannt,<lb/>
ähnlich wie die Umsatzsteuer, nur hat es den grossen Nachteil, dass man<lb/>
eben dann andere Kalkulationsposten wenn der Markt sie nicht vergütet,<lb/>
streichen muss. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> macht eine Bemerkung, die mich aufhorchen lässt.<lb/>
Er meint, dieses Energiesicherungsgesetz sei ja mehr oder minder<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__140493">Romig</rs>, ÖMV, ausgearbeitet. Ich pariere sofort und meine, dass<lb/>
der Autor bei uns ein junger tüchtiger Beamter, nämlich <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs>, der<lb/>
bei Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> gearbeitet hat, ist. Man sieht, dass die Inter<lb break="no"/>nationalen scheinbar die Intervention der ÖMV und deren Vorstellungen<lb/>
sehr genau kennen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erzählt mir auch, dass jetzt bei der Pipeline<lb/>
ÖMV-Verhandlung sich folgendes zugetragen hat: Die Internationalen Öl<lb break="no"/>gesellschaften haben wegen des <choice><choice><sic>Durchsetztarifes</sic><corr>Durchsatztarifes?</corr></choice></choice> mit der ÖMV verhandelt,<lb/>
weil sie eine günstigere Bedingung erwarteten. In diesem Zeitpunkt hat<lb/>
die ÖBB dann um 60 % ihre Tarife reduziert und dadurch einen richtiggehen<lb break="no"/>den Kampftarif gegen die Pipeline vorgeschlagen. Dadurch kommt die DDSG,<lb/>
aber auch der einzige private Reeder Brandner unter die Räder und es<lb/>
wird die vernünftige Lösung, nämlich dass die Öltransporte über eine<lb/>
Pipeline abgewickelt werden, nur torpediert. Da die ÖBB ein Defizit<lb break="no"/><pb n="25-0530" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-28_0530.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ist, sogar auf Kosten des Steuerzahlers. Ich erwidere sofort, dass<lb/>
aber andererseits die ÖBB? wenn sie den Frachtraum verliert, noch<lb/>
schlechtere Ergebnisse erzielen würde. Im Prinzip hat aber <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
recht, dass hier die Koordination im Verkehrsministerium, dem ja<lb/>
auch jetzt der Pipeline-Bau unterstellt ist, und die ÖBB und DDSG<lb/>
nicht gerade ideal erfolgte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_08"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und ich einigen und sofort, dass wir dem Erfinderverband an<lb break="no"/>stelle der Prämien für gute Erfindungen nicht eine Subvention geben<lb/>
werden. Wir sind der Meinung, dass wir durch die Beratungsstelle,<lb/>
das Handelsministerium und die Handelskammer betreibt eine solche<lb/>
gemeinsam, keinesfalls mehr weitere Subventionen auch noch dem Ver<lb break="no"/>band zukommen lassen sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_09">Bezüglich des Wunsches der Handelskammer, mit der Schweiz über ein Frei<lb break="no"/>handelsabkommen zu verhandeln, sage ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass ich mit <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs><lb/>
vereinbart habe, bei einer nächsten Nationalratssitzung, wenn Präs.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> von seinem Erholungsurlaub zurück ist, eine Besprechung mit<lb/>
ihm vorzunehmen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ersucht, dass auch <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> beigezogen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_10">Die 14.900 sfrs. für das EFTA-Essen wird von mir <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> präsentiert<lb/>
und von ihm auch akzeptiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_11"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> fragt zum Schluss an, wann <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> in Pension geht. Ich erkläre,<lb/>
dass dies mit Jahresende der Fall sein wird und dass ich dringend einen<lb/>
guten Industriemann brauche. Ich hatte der Handelskammer auch seinerzeit<lb/>
vorgeschlagen, sie solle <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> ins Handelsministerium schicken, was<lb/>
sie allerdings abgelehnt hat. Auch jetzt fordere ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auf, er soll<lb/>
mir einen guten Industriemann sagen, der für diese Funktion in Frage<lb/>
käme. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gibt zu, dass auch er keinen parat hat. Die Frage dürfte<lb/>
deshalb nur prophylaktisch gewesen sein, um zu erfahren, ob ich bereits<lb/>
einen Kandidaten auserwählt hätte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_12">Im Journalistenfrühstück ergibt sich natürlich über das Fremdenver<lb break="no"/>kehrsergebnis eine Diskussion. Niemand hat erwartet, dass um 50 %<lb/>
die unbereinigten März-Ergebnisse-Übernachtungen steigen werden.<lb/>
Unbereinigt deshalb, weil diesmal der Osterurlaub in die März-Periode<lb/>
fiel. Bereinigt ergibt es aber immerhin auch noch eine 16 %-ige Stei<lb break="no"/>gerung. Da bei den bereinigten Ziffern die Inländer-Übernachtung Null<lb/>
ist, haben wir wirklich einen sehr schönen Erfolg mit den Ausländer<lb break="no"/>übernachtungen zu verzeichnen. Nach einem Bericht über die Aussen<lb break="no"/><pb n="25-0531" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-28_0531.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>handelsaktivitäten von <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und über die Kleinstaktionen für das<lb/>
Gewerbe von <rs type="person" ref="#per__117026">Schuster</rs>, hätte ich bald auf die Information vergessen,<lb/>
dass nämlich eben das Energiesicherungsgesetz eingebracht wird. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs><lb/>
erörtert die rechtliche Situation in Durchführung des Energievertrages.<lb/>
Er begründet und dies mit Recht, dass alle Vorschläge und wenn sie<lb/>
noch so dirigistisch erscheinen, in Durchführung der internationalen<lb/>
Verpflichtungen notwendig sind. Ich bin allerdings überzeugt, dass<lb/>
die konkrete Anwendung nicht so bald notwendig sein wird. Das ganze<lb/>
System sollte ja erst zum Tragen kommen, wenn wir eine ähnliche<lb/>
kritische Situation haben wie bei der letzten Energiekrise. Dann<lb/>
allerdings muss ich ein entsprechendes Instrumentarium besitzen.<lb/>
Ich verweise neuerdings darauf, dass die Handelskammer es war, die<lb/>
als erstes von mir verlangt hat, dass wir dieser internationalen<lb/>
Energieagentur beitreten. Dort hatten unmittelbar nach einer Vorstands-<lb/>
oder Präsidiumssitzung die internationalen Ölfirmen sich gegen die<lb/>
ÖMV gestellt, die bezüglich eines Beitrittes sehr zurückhaltend war,<lb/>
und die Handelskammer hat sich dem Standpunkt der internationalen<lb/>
Ölgesellschaften angeschlossen. Wer A sagt, muss auch B sagen und<lb/>
deshalb wird die Durchführung der internationalen Vereinbarung ein<lb/>
so strenges Gesetz notwendig machen. Da die Verhandlungen im Parlament<lb/>
zu einer einvernehmlichen Auffassung kommen müssen, weil es sich um<lb/>
ein Verfassungsgesetz handelt, werden wir noch in der nächsten Zeit<lb/>
harte Diskussionen im Parlament erwarten können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_13">Im Institut habe ich auch <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> das Energiesicherungsgesetz in<lb/>
der letzten Fassung gegeben. Die Arbeiterkammer hat sich ja dem<lb/>
Entwurf weitestgehend angepasst. In der Begutachtung wurden ja nur<lb/>
kleine Änderungen vorgenommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_14">Im Parlament hat <rs type="person" ref="#per__112988">Sepp Wille</rs> mich ersucht, ich soll mich für einen<lb/>
Elektrizitätskredit für die Gemeinde Reutte einsetzen. Das Inve<lb break="no"/>stitionsvorhaben beträgt 160 Mill. S, 40 Mill. davon sollen von einer<lb/>
deutschen Bank aufgenommen werden, die an der Stromlieferung auch<lb/>
irgendwie beteiligt ist. Ich ersuche <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>, mir die Unterlagen schrift<lb break="no"/>lich zu geben, damit ich der Energiesektion die notwendigen Informa<lb break="no"/>tionen mitteilen kann und das Vorhaben prüfen lassen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_15">Die Firma Seidl in Kufstein, die Armaturen erzeugt und mit Ungarn<lb/>
einen Kooperationsvertrag hat, will nun wie die Finnen, dass wir ein<lb/>
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Ich setze <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> auseinander, warum wir einen solchen Weg, eine<lb/>
Finnlandisierung nicht gehen können und wollen. Da <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> der Firma<lb/>
beweisen will, dass er sich eingesetzt hat, wird er ein diesbezüg<lb break="no"/>liches Schreiben an mich richten, Ich selbst werden darauf negativ<lb/>
antworten. Ich werde bei der Abfassung dieses Schreiben aber sehr<lb/>
vorsichtig sein müssen, weil ich überzeugt bin, dass die Firma<lb/>
damit zu den Ungarn läuft und beweisen will, dass sie alles daran<lb break="no"/>gesetzt hat, um zu einer befriedigenden Lösung auf Firmenbasis<lb/>
zu kommen. Genau dieselbe Forderung hat aber <rs type="person" ref="#per__110971">Biro</rs>, der ung. Aussen<lb break="no"/>handelsminister, an mich gestellt, und in der letzten Zeit auch <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs>,<lb/>
der bulg. Aussenhandelsminister. Alle wollen, das dürfte in den<lb/>
COMECON-Staaten besprochen worden sein, dass Österreich ähnlich wie<lb/>
Finnland ein diesbezügliches Arrangement mit den Oststaaten trifft.<lb/>
Dies kommt aber nicht in Frage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_16">NR <rs type="person" ref="#per__114957">Heinz</rs> und <rs type="person" ref="#per__114959">Treichl</rs> haben den Direktor <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> von den Illwerken<lb/>
nach Wien gebeten, um mit ihm die Probleme der Erhöhung des Anteils<lb/>
des Landes an den Illwerken zu besprechen. Sie fürchten, dass dieses<lb/>
Problem verzögert wird und dann bei den Oktober-Wahlen von der<lb/>
ÖVP ausgeschlachtet. Ich selbst erkläre, dass <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs>, der Landes<lb break="no"/>rat der Vorarlberger Landesregierung, der mit mir bis jetzt darüber<lb/>
verhandelt hat, in Verzug geraten ist. Er hat mir vor Monaten<lb/>
versprochen, er wird unverzüglich ein Schreiben an mich richten<lb/>
und hat dann monatelang zugewartet. Jetzt ist dieses Schreiben gekom<lb break="no"/>men, ich habe mit ihm eine Verhandlung abgeführt und zwei Punkte<lb/>
verlangt: Wenn das Land eine Erhöhung seines Anteils bekommt, dann<lb/>
müsste damit für alle Zeiten die Forderung des Landes als abgegolten<lb/>
gelten. Ausserdem sollen die Erträge, die dem Lande zufliessen,<lb/>
ausschliesslich zum weiteren Ausbau der Illwerke herangezogen werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> war damit einverstanden und ich habe von ihm einen Vertrags<lb break="no"/>entwurf verlangt. Dieser Syndikatsentwurf ist erst jetzt gekommen<lb/>
und ich habe ihn sofort der Finanzprokuratur übermittelt, ohne<lb/>
die Finanzprokuratur kann und will ich unter gar keinen Umständen<lb/>
einen Vertrag abschliessen. Selbst <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> sieht dies ein und es<lb/>
werden <rs type="person" ref="#per__114957">Heinz</rs> und <rs type="person" ref="#per__114959">Treichl</rs> mit dem Finanzminister reden, damit die<lb/>
Finanzprokuratur entsprechend schneller arbeitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-28_17">In Genf bei dem Konsultativ-Komitee-Abendessen gab es keine neuen<lb/>
Gesichtspunkte für mich. Ich hatte nur als Tischnachbarin die sozial<lb break="no"/>demokratische schweizerische Nationalrätin und habe mich daher mit<lb/>
ihr über die politische Entwicklung in Österreich und in der Schweiz<lb/>
sehr eingehend unterhalten. Was sie, die von einer freisinnigen<lb/>
Familie stammt und in England Nationalökonomie studiert hat, besonders<lb/>
erschüttert, ist, dass es innerhalb der Schweizer sozialdemokratischen<lb/>
Partei harte Konfrontation mit linken Flügeln gibt. Sie selbst war<lb/>
wie sie sagt immer links, aber das was jetzt an Linken Forderungen<lb/>
auftaucht beunruhigt sie. Sie fürchtet, dass selbst die Partei wie<lb/>
in Tessin auch in Zürich gespaltet werden könnte. Da haben wir in<lb/>
Österreich wahrlich noch bessere Verhältnisse im Vergleich zu Deutsch<lb break="no"/>land und jetzt auch zur Schweiz.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 28.4.1975</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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