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            <title type="main">Samstag, der 26. April 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band25_1975-04-26</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-26_01">Samstag, den 26. April 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-26_02">Noch nie war ich bei einem Landesparteitag oder, wie wir früher<lb/>
immer sagten, Wiener Konferenz so unaufmerksam wie bei diesem.<lb/>
In Anbetracht der 30-Jahre-Republik-Feiern wurde auch in diesem<lb/>
Landesparteitag ein Rückblick in Form einer Multi Media-Show<lb/>
gar nicht schlecht gemacht, Chorvorträge vom Gewerkschaftschor<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__140514">Reis</rs> und Kindergruppen sowie im Rahmen dieses Festaktes auch<lb/>
die Begrüssung und Rückblick von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>. Dann offiziell als<lb/>
Bundesländervertreter <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs> und als Bundesvorstand <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gesprochen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat eine längere Ansprache gehalten, weil er, wie er fast<lb/>
entschuldigend sagte, mit dem Präsidium ausgemacht hat, er nachher<lb/>
zum Kärntner Landesparteitag fliegt. Ein aktuelles Ereignis, auf<lb/>
das er sofort einging waren die Wahlen in Portugal, nur meint<lb/>
er, und dies ist auch meine Meinung dass noch lange nicht die<lb/>
Demokratie in Portugal damit gesichert ist, sondern dass die<lb/>
europäischen Staaten jetzt Portugal in jeder Beziehung unter<lb break="no"/>stützen müssten. Ich bin neugierig, wie wir innerhalb der EFTA<lb/>
Wünsche von Portugal dann erfüllen werden und wie die Staaten dann<lb/>
reagieren, wenn, wie z.B. bei den Hemdenimporten, die eigenen Indu<lb break="no"/>strien hart konkurrenziert werden. Norwegen und Schweden haben zwar<lb/>
immer verbal grosse Unterstützungen zugesagt und im konkreten<lb/>
dann aber sehr bald Importbeschränkungen praktiziert. Neugierig<lb/>
bin ich wenn unsere Textilindustrie sich dann wird, wenn sie bei<lb/>
mir nichts erreichen wird, an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wendet, wie er reagiert.<lb/>
Die interessanteste Passage für mich war aber wieder eine Andeutung<lb/>
der österreichischen Entwicklung in Zukunft, wenn nicht die<lb/>
Sozialisten die absolute Mehrheit am 5. Oktober bekommen. Er<lb/>
stellt jetzt schon bei jeder Gelegenheit kleinere Gespräche oder<lb/>
grosse Parteitage, die Weichen für eine kleine Koalition, indem<lb/>
er die Nachteile der grossen Koalition immer wieder herausstreicht.<lb/>
Die Wandlung, die bei ihm vorgegangen ist, muss gigantisch sein,<lb/>
wenn man bedenkt, dass er 1966 bis zuletzt für die grosse Koalition<lb/>
gekämpft hat und unbedingt verhindern wollte, dass wir damals<lb/>
in die Opposition gehen. Sicher liegt hier eine Erfahrung von<lb/>
4 Jahren ÖVP-Alleinregierung und dann auch unsere Alleinregierung vor<lb/>
doch sagt dies meiner Meinung über das Problem sehr wenig. Sein<lb/>
Argument, dass nämlich die grosse Koalition am teuersten kommt, weil<lb/>
man dann immer der ÖVP grosse Zugeständnisse machen muss, stimmt<lb/>
gar nicht. Wahrscheinlich werden in einer grossen Koalition den<lb/>
<pb n="25-0521" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-26_0521.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Bauern und der Industrie kaum weitergehendere Zugeständnisse<lb/>
gemacht worden als wir sie als Alleinregierung machen mussten.<lb/>
Ich kann dies deshalb mit ruhigem Gewissen behaupten, weil von<lb/>
mir aus gesehen der Industrie oder der Wirtschaft die geringsten<lb/>
Zugeständnisse gemacht wurden. Von mir ist weder <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> noch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> animiert worden, irgendwelche besondere finanzielle Mittel<lb/>
bereitzustellen. Das es letzten Endes nur auf das Geld ankommt<lb/>
brauche ich ja nicht besonders herauszustreichen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hielt<lb/>
nachher ein grosses Referat, dass er allerdings zu meiner grössten<lb/>
Verwunderung aus seinem Manuskript ablas. Ich hörte ihm jetzt<lb/>
innerhalb kurzer Zeit zweimal, einmal bei unserer Bezirkskonferenz,<lb/>
wo er ohne irgendeine Unterlage ein Referat hielt, dass <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs><lb/>
erklärte, er hätte es schon dutzendmal gehört und jetzt ein<lb/>
zweites mal, wo er ein umfassendes oft sehr ins Detail gehendes,<lb/>
doch andererseits im Grunde deklaratorisches Referat vom Manuskript<lb/>
las. Alle anderen Berichte und Beiträge, selbst die drei Diskussions<lb break="no"/>redner gingen in einem unachtsamen Parteitag unter. Ich selbst<lb/>
tratschte mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, vielleicht auch angeregt durch die geschichts<lb break="no"/>geschwängerte Luft dieses Parteitages und der Zukunftsaussicht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
über die Wahlaussicht. Dadurch dass wir bei der Arbeiterkammer ver<lb break="no"/>loren haben, und zwar insbesondere in der Arbeitersektion, dass wir<lb/>
aber in der Landwirtschaftskammerwahl einen schweren Verlust er<lb break="no"/>litten und auch jetzt bei der Handelskammerwahl schlecht abschnitten,<lb/>
sehe ich für die Oktoberwahl kaum eine Möglichkeit einer absoluten<lb/>
Mehrheit. Wir verlieren bei unserem Stammwählern und jedwede Rechen<lb break="no"/>kunststücke können nicht darüber hinwegtäuschen, dass meiner Mei<lb break="no"/>nung nach trotz seiner Anstrengungen und dies werden wir und ganz<lb/>
besonders auch ich machen, eine absolute Mehrheit kaum drin ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> als Vertreter des Freien Wirtschaftsverbandes hat zwar<lb/>
der Konferenz vorgerechnet, dass nur 0.6% Verlust bei den Handels<lb break="no"/>kammerwahlen zu verzeichnen waren und dass wenn selbst dies am<lb/>
S.Oktober noch der Fall wäre, wir die absolute Mehrheit trotzdem<lb/>
hätten. Diesen Rechenkunststücken kann ich persönlich ja nichts ab<lb break="no"/>gewinnen. Anstrengen werden sich sicher alle, diesen Eindruck habe<lb/>
ich auch auf unserem Landesparteitag gehabt. Ob uns aber es noch<lb/>
einmal gelingen wird, wird sich erst zeigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-26_03">Mit <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> besprach ich seine Unterredung mit <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> und den ersten<lb/>
stellvertretenden Minister vom Verkehrsministerium in Sofia. Die<lb/>
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die Standpunkte zum Rhein-Main-Donau-Kanal der Sowjetunion deren<lb/>
Niederschlag findet. Die Sowjetunion glaubt dass es sich hier um<lb/>
einen internationalen Kanal handelt, weil die Donau auch ein<lb/>
internationaler Fluss ist. Die deutsche Auffassung ist dagegen<lb/>
sehr klar, dass dieser Kanal in Deutschland gebaut wurde, mit<lb/>
deutschen Kosten und deshalb selbstverständlich es sich hier um<lb/>
einen ausschliesslichen Binnenkanal handelt. Die Bulgaren wollen<lb/>
nun eine, wie <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> richtig sagte, Mindestbegünstigung, dass näm<lb break="no"/>lich bei den multilateralen Besprechungen die sicher einmal kommen<lb/>
werden, dasselbe dann automatisch bilateral den Bulgaren zugestan<lb break="no"/>den werden muss. Ich habe bei der Verabschiedung von <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> am<lb/>
Flughafen klar und deutlich darauf hingewiesen, dass in allen<lb/>
Punkten eine Annäherung erzielt werden konnte, dass aber auf dem<lb/>
<sic>Donaukanal</sic>-Projekt die Auffassungen sehr differenziert sind und<lb/>
kaum bis zum Besuch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> auch nur klargestellt werden können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> hat zugegeben hier müssten noch wesentliche Besprechungen<lb/>
beginnen., ohne dass er natürlich vom bulgarischen Standpunkt<lb/>
abgewichen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-26_04">Die Premiere von "Der Eingebildete Kranke" in der Volksoper, war<lb/>
für mich sehr interessant. Hier handelte es sich nicht um eine<lb/>
Operette, ja nicht einmal um eine komische Oper, sondern um ein<lb/>
zwar von Moliere als Sujet in der ganzen Welt bekanntes Stück,<lb/>
ganz modern vertont und von einen phantastischen Ensemble gesungen.<lb/>
Zum Schluss viel Beifall, einige Pfuirufe, aber wahrscheinlich<lb/>
keine lange Lebensdauer. Ich wäre sehr überrascht und erstaunt,<lb/>
wenn dieses Stück in Österreich, nach wirklich dieser sehr guten<lb/>
Uraufführung länger auf dem Spielplan bliebe.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 26.4.1975</head>
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