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            <title type="main">Donnerstag, der 24. April 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band25_1975-04-24</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_01">Donnerstag, den 24. April 1975<lb/>
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ein Bericht über Österreich jetzt fertiggestellt wird. <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs><lb/>
hat ihm mitgeteilt, dass der Leiter unserer Delegation in Paris<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133970">Bobleter</rs> ihn weder unterstützt noch vorher sogar die Fragen ihm<lb/>
mitgeteilt hat. Es sei Berichtsdiskussion möglich gewesen, dann<lb/>
doch noch befriedigende Auskunft zu geben. Zum Schluss bemerkte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> so nebenbei, würde aber in den Bericht darinnen stehen, dass<lb/>
die Regierung zu wenig die Unternehmungen gefördert hat, um die<lb/>
Auflagen der Internationalen Energieagentur erfüllen zu können.<lb/>
Ich habe geglaubt ich traue meinen Ohren nicht. An Stelle dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> sofort dagegen protestiert hätte und z.B. darauf hinge<lb break="no"/>wiesen hätte, was wir alles getan haben, hat scheinbar <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs><lb/>
aber auch <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> geglaubt, wenn eine solche Kritik im Bericht drinnen<lb/>
steht, der Finanzminister dann vielleicht mehr Mittel zur Verfügung<lb/>
stellen wird. Ich habe <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> sofort auseinandergesetzt, dass dies<lb/>
politisch ein Wahnsinn ist, zu glauben dass der Finanzminister des<lb break="no"/>halb mehr Mittel zur Verfügung stellen kann. <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> hätte über<lb break="no"/>haupt, wenn <rs type="person" ref="#per__133970">Bobleter</rs> ihn nicht unterstützt und die Fragen nicht vor<lb break="no"/>her gekannt hat, ganz einfach zurückfahren sollen und <rs type="person" ref="#per__133970">Bobleter</rs><lb/>
allein die ganzen Verhandlungen hätte führen lassen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> er<lb break="no"/>klärte da die Engländerin erst jetzt mit den Bericht beginnt, könne<lb/>
noch einiges korrigiert werden. <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> waren mit dem<lb/>
Vorschlag der Berichterstatterin, dass die Information Österreichs<lb/>
gut war, als Beamter wahrscheinlich befriedigt. Über die politische<lb/>
Konsequenz wenn drinnen steht, dass die Regierung so wenig fördert,<lb/>
macht er sich überhaupt keine Gedanken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_03">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: <add>[Ich möchte über die?]</add> Aktivitäten in Paris informiert werden, bevor<lb/>
wir dann nur die Vollzugsmeldung bekommen. Wir müssen die Richtlinien<lb/>
festlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_04">Der bulgarische Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> kommt in der Funktion<lb/>
und im Auftrag den Besuch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> vorzubereiten. Er hat einen<lb/>
Protokollentwurf, in dem der wichtigste Punkt aber ein Kredit<lb break="no"/>abkommen ist. Die Bulgaren wünschen 2 Milliarden auf 12 Jahre mit<lb/>
6 1/2 %. Bei den Besprechungen verhandle ich über diese Frage<lb/>
überhaupt nicht, sondern erkläre sofort dass dafür der Finanzminister<lb/>
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Auch ein angebliches Protokoll über die Benützung der Donau bei<lb/>
Errichtung des Rhein-Main-Donau-Kanales zwischen Bulgarien und<lb/>
Österreich fällt in die Kompetenz von <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> und ich verweise auf<lb/>
ihn.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_05"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> hat mich nämlich angerufen, um mir zu erzählen dass im <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs><lb/>
darauf verweist, seine ERP-Projekte 20 Millionen Schilling für<lb/>
Seilbahnen bei mir den 150 Millionen Schilling Fremdenverkehr zu<lb/>
holen- <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> glaubt allen Ernstes dass er auch nur 1 Million Schilling<lb/>
bekommen kann, wobei er sogar noch annimmt, ich würde die 150<lb/>
Millionen Schilling als Vorgriff auf das nächste Jahr bekommen.<lb/>
Ich lehne natürlich diesen Wunsch sofort ab und verweise ihn<lb/>
auf die notwendige Aussprache <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> mit ihm über die Schiff<lb break="no"/>fahrtsabkommen. <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> wird mit ihm die Verhandlungen darüber<lb/>
führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte dringend die BRD-Fremdenverkehrsstelle<lb/>
jetzt endgültig beschliessen, damit nicht noch andere Wünsche von<lb/>
anderen Ressorts laut werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_07"><rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> hat auf der Fahrt vom Flughafen nach Wien bereits auf die<lb/>
laufenden Verhandlungen der VÖEST-Alpine über eine Ethylenoxid<lb break="no"/>anlage mit mir gesprochen. Er meint dass Konkurrenzofferte von<lb/>
Frankreich und Italien vorliegen, wo ihnen zugesichert wird dass<lb/>
60 bis 65% als Kompensation den Bulgaren abgenommen werden. Die<lb/>
VÖEST hat nur 30% vorgeschlagen. Dadurch könnten sie unter gar keinen<lb/>
Umständen dieses Offert bekommen und die Anlage von 40 Millionen<lb/>
Dollar wir verlören. Ich verhandle mit <rs type="person" ref="#per__126225">Rohner</rs>, der mich dann er<lb break="no"/>mächtigt statt 30% 40% anzubieten, wovon 10% Maschinen und Dienst<lb break="no"/>leistungen und 30% in anderen Waren geliefert werden könnten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> fragt mich dann abends im Theater ob diese Waren Ethylenoxid<lb/>
sein würden. Hier lege ich mich nicht fest, da ich es wirklich nicht<lb/>
weiss, und <rs type="person" ref="#per__126225">Rohner</rs> ist darüber, wie ich ihm berichte, sehr glücklich,<lb/>
weil sie sich dies auch noch offen halten wollen. Der bulgarische<lb/>
Botschafter kommt dann in der Oper noch einmal auf dieses Problem<lb/>
zu sprechen und will unbedingt unter vier Augen von mir noch weitere<lb/>
Zugeständnisse haben. Als <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> schon nach Hause gegangen ist, hält<lb/>
er mich auf der Strasse neuerdings auf und meint, er wundere sich<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> meine Mitteilung so ruhig hingenommen hat, denn es wird<lb/>
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nicht bessere Konditionen bietet, sei das Geschäft verloren. Ich<lb/>
mache keinerlei weitere Zusagen, sondern erkläre nur neuerdings mit<lb/>
der VÖEST zu sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_08">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__126225">Rohner</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_09">Der Nachteil der österreichischen Bürokratie ist, dass wie<lb/>
über die konkreten Geschäfte sehr wenig wissen. Die Handelskammer<lb/>
hat nur ein Dutzend von Kooperationsabkommen registriert, während<lb/>
es <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> gelungen ist 40 Abkommen festzustellen und in einer Liste<lb/>
festzuhalten. Dies war deshalb so wichtig, weil natürlich <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> im<lb/>
Laufe der Verhandlungen auch darauf zu sprechen kam, dass nicht nur<lb/>
ihre Wünsche, sondern auch unsere Wünsche beim <rs type="person" ref="#per__113024">Schiwkow</rs>-Besuch<lb/>
im Protokoll verankert werden sollen. Nun ist das Protokoll sehr<lb/>
allgemein gehalten und als ich ihm- die Liste schon am Flughafen<lb/>
zum Studium übergeben hatte, er dann bei der Aussprache darauf<lb/>
hinwies, dass alle Kooperationswünsche doch schon im Protokoll<lb/>
angedeutet sind. Hätten wir ihm aber nicht einmal diese Liste<lb/>
geben könne, so wäre der Eindruck entstanden, die Österreicher<lb/>
wissen nicht einmal, was in Bulgarien vorgeht. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> beginnt schön<lb/>
langsam eine selbstständige Politik gegenüber der Handelskammer zu<lb/>
kreieren. Er verschafft sich, auf welchem Weg ist mir nicht ganz<lb/>
klar, Unterlagen, die scheinbar die Handelskammer nicht besitzt.<lb/>
Natürlich hat dann der Verantwortliche in Wien <rs type="person" ref="#per__113607">Syrovatka</rs>, der auch<lb/>
lange Zeit Aussenhandelsstellenleiter in Sofia war, zu <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> gesagt<lb/>
dass diese 40 Fälle schon seit eh und je von Österreichern in<lb/>
Bulgarien verlangt und auch unterstützt wurden. Doch es bis jetzt<lb/>
eben zu keinem Ergebnis gekommen ist. Trotzdem halte ich es für<lb/>
zweckmässig wenn das Handelsministerium doch mehr Informationen hat<lb/>
als die Handelskammer. Wirklich funktionieren könnte dies aber<lb/>
nur, wenn es zwischen dem Branchenreferat der Sekt. IV und der Sekt. II<lb/>
eine bessere Kooperation gäbe. Hier aber sind es meistens Eifer<lb break="no"/>süchteleien, die eine Zusammenarbeit erschweren. Wahrscheinlich ist<lb/>
es in der Handelskammerorganisation nicht anders.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_10">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Gibt es einen Weg für eine bessere Kooperation<lb/>
im Handelsministerium selbst und dann mit der Handelskammer, denn<lb/>
nur so können wir den Informationsmonopol der Oststaaten ein wenig<lb/>
gleichwertig entgegentreten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_11">Die Landespreisreferenten haben ihre Tagung und ich bin zur<lb/>
Begrüssung einen Sprung dort gewesen. Ich war über die grosse<lb/>
Anzahl überrascht. In meiner Begrüssung meinte ich sie sollten<lb/>
uns insofern unterstützen, dass sie Vorschläge machen, wie wir<lb/>
zweckmässiger und zielführender arbeiten können. Als neue Ein<lb break="no"/>führung werden ja nach jeder Beamtenbesprechung dann die Funktionäre<lb/>
mit mir Besprechungen. Wenn dann ihre Vorschläge von den Funktio<lb break="no"/>nären nicht sofort angenommen werden, sollen sie nicht verzweifeln,<lb/>
sondern halt immer wieder bessere Vorschläge unterbreiten. Ich<lb/>
habe nämlich auf Grund der langen Tagesordnung angenommen, dass<lb/>
es tatsächlich zu irgendwelchen Anregungen von seitens der Länder<lb/>
kommen wird. Da sich niemand in der Diskussion meldete, hat mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> nachher geflüstert, die Beamten hätten die grosse Sorge, dass<lb/>
die Landeshauptleute wenn sie zusammen kommen, überhaupt nichts<lb/>
zu besprechen haben. Scheinbar stehen die Landespreisreferenten auf<lb/>
den verständlichen Standpunkt, die Landeshauptleute wollen damit<lb/>
nichts zu tun haben, man soll sie daher gar nicht belästigen, ihr<lb/>
Amt ist in der Landesregierung sowieso viel zu klein, sie bräuchten<lb/>
wesentlich mehr Beamte die sie nicht bekommen, weshalb es am besten<lb/>
ist es bleibt so wie bisher, es geschieht nichts, oder nur sehr<lb/>
wenig. Mich ängstigt, wenn ich dran denke mit einem so unzuläng<lb break="no"/>lichen Apparat wirklich einmal bei Knappheit eine rechtlich einwand<lb break="no"/>freie Preiskontrolle oder Preisbestimmung durchführen zu müssen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_12"><rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> berichtet mir, dass in Treibach-Althofen drei Hotel mit<lb/>
50 Mill. $ entstehen sollen, weil dort angeblich ein Moorbad ge<lb break="no"/>funden und ausgebaut werden soll. Die Österr. Nationalbank soll des<lb break="no"/>halb Deutschen die Möglichkeit geben, ihre DM nach Österreich zu<lb/>
transferieren, um diese Investitionen dort zu tätigen. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs><lb/>
möchte wissen, was ich zu diesem Projekt sage. <rs type="person" ref="#per__97873">Philipp Rieger</rs>, der<lb/>
später dazukommt und scheinbar dieses Projekt gar nicht kennt,<lb/>
fragt wieder, ob ich noch immer gegen die Errichtung von Appartement<lb break="no"/>häusern in Österreich bin. In der Nationalbank wird neuerdings vorge<lb break="no"/>schlagen, auch hier Kapitalimporte dafür zuzulassen. Ich erkläre<lb/>
sofort, dass ich zwar für einen Ausbau Treibach/Althofen eintrete,<lb/>
wenn es sich dort tatsächlich um ein Moorbad handelt, das besser<lb/>
sein soll als der italienische Badeort Abano, dass ich aber nach<lb/>
wie vor gegen die Errichtung von Appartementhäusern bin. Diese brin<lb break="no"/>gen für die österreichischen Fremdenverkehr überhaupt keinerlei Er<lb break="no"/>folg.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Was wissen wir über dieses Moorbadprojekt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_14">Eine interessante Aussprache hatte ich mit <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> mit dem OECD-<lb/>
Prüfungskomitee. <rs type="person" ref="#per__107953">Buchauer</rs>, der der Österreich-Vertreter bei der<lb/>
OECD ist, versteht es immer wieder die Referenten, die Österreich<lb/>
prüfen, dafür zu gewinnen, dass sie doch mit dem Minister sprechen<lb/>
sollen. Für die Referenten ist das sicherlich auch eine grosse Aus<lb break="no"/>zeichnung, weil sie kaum in anderen Staaten Gelegenheit haben,<lb/>
mit den Ministern zu sprechen. Mir gibt es aber die Gelegenheit,<lb/>
ihnen erstens zu versichern, dass ich sie keinesfalls in ihrer Prü<lb break="no"/>fungstätigkeit beeinflussen will, dass ich aber andererseits doch<lb/>
vorzeitig erfahre, wie sie über die Lage denken. Die Prüfer haben<lb/>
mir versichert, dass noch immer die österreichische Wirtschaft<lb/>
für sie ein Musterbeispiel ist. Die Deutschen, die sie vorher<lb/>
prüften, stehen auf dem Standpunkt, dass die Arbeitslosigkeit not<lb break="no"/>wendig war, weil nur so eine Reorganisation, d.h. eine Strukturänderung<lb/>
der deutschen Wirtschaft ermöglicht wird. Die Deutschen haben alles<lb/>
auf Stabilität gesetzt und deshalb die hohe Arbeitslosenrate in<lb/>
Kauf genommen. Die Prüfer sind der Meinung, dass es interessant<lb/>
wäre, wenn das Experiment Österreich gelänge. Wir haben eine ver<lb break="no"/>hältnismässig auch gute Stabilitätspolitik gemacht und trotzdem<lb/>
keine Arbeitslosen gehabt. Die OECD erwartet und hofft, dass es<lb/>
uns gelingen wird, an den neuen Konjunkturaufschwung Anschluss zu<lb/>
finden. Allerdings geben sie zu, dass sie den Aufschwung schon 1974<lb/>
Anfang 1975 erwartet haben, währenddem es jetzt feststeht, dass<lb/>
im ersten Quartal dieser ausgeblieben ist und wahrscheinlich<lb/>
auch im zweiten Quartal noch nicht anfängt. Dadurch müssen sie auch<lb/>
ihre Prognosen für verschiedene Länder nach unten korrigieren.<lb/>
Österreich ist mit 2,5 % ERP-Zuwachs noch sehr gut daran, sie<lb/>
fürchten aber, dass durch den geringeren Export – sie erwarten<lb/>
real minus 1,5 % – auch diese Zahl wird nach unten korrigiert werden.<lb/>
Insbesondere die Deutschen Importe werden wesentlich später erst<lb/>
zunehmen und daher auch der deutsche Konjunkturaufschwung für Öster<lb break="no"/>reich erst später wirksam werden. Sie halten die Politik der österr.<lb/>
Bundesregierung jetzt diesen Investitionsstoss zu geben, für richtig,<lb/>
weil sie überzeugt sind, dass der neue Aufschwung, wenn er kommt,<lb/>
dann den Ländern, die bereits mit Investitionen und Kapazitäten<lb/>
sich auf diesen Aufschwung vorbereitet haben, dann das grosse Ge<lb break="no"/>schäft machen können. Wir sind in der einmal glücklich Situation,<lb/>
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haben, bestätigt sehen möchte. Da sie sich bereits mit Deutschland<lb/>
und anderen Ländern geirrt haben, kommt es ihnen umso mehr darauf<lb/>
an zu beweisen, dass die österreichische Prognose richtig war. Deshalb<lb/>
unterstützen sie auch alle Massnahmen, die die österreichische<lb/>
Bundesregierung gesetzt hat. Sehr interessiert waren sie, ob der<lb/>
ÖGB oder die österreichischen Gewerkschafter besser gesetzt, bereit<lb/>
wären, die Lohnforderungen entsprechend stark zu reduzieren.<lb/>
Ähnliche wie das in der BRD der Fall war. Ich erwiderte sofort, dass<lb/>
ich dies kaum annehme, dass wohl eine geringere Lohnforderung gestellt<lb/>
wird, dass aber die Arbeiter schon durch den Wegfall von Überstunden<lb/>
und Sonntagsleistungen usw. entsprechende Einkommenseinbussen in Kauf<lb/>
nehmen mussten. Ich glaube und hoffe, dass wir von der OECD einen<lb/>
verhältnismässig positiven Bericht erwarten können. Was mich immer<lb/>
wieder beeindruckt ist, die jungen Leuten, die hier in Paris arbeiten<lb/>
und von deren Prüfungen doch politisch in den Ländern, die sie prüfen,<lb/>
doch sehr viel abhängen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_15">Die Diskussion mit <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> in der VH Döbling über die Regierungs<lb break="no"/>politik war für mich insofern eine Überraschung, als dort Dozent<lb/>
<rs type="person" ref="#per__122962">Lötsch</rs> auftauchte. Dieser Umweltschützer und Atomgegner wollte aber,<lb/>
wie er sich im Diskussionsbeitrag sofort ausdrückte, nicht mit mir<lb/>
eine Atomdiskussion, obwohl dies dann natürlich darin endete, sondern<lb/>
eine Diskussion über die wirtschaftliche Notwendigkeit Österreichs.<lb/>
Er steht auf dem Standpunkt, dass es gar nicht zweckmässig ist, mehr<lb/>
Energie zur Verfügung zu stellen, weil dadurch nur die Industrie mehr<lb/>
und mehr angeregt wird, sich auszudehnen. Dadurch kommt es zu weiterer<lb/>
Umweltverschmutzung und es ist die Frage, ob überhaupt die Menschheit<lb/>
mehr Produkte braucht. Zum Glück konnte ich ihm dann im Auto ausein<lb break="no"/>andersetzen, dass es primär gar nicht um das Wollen der einzelnen<lb/>
Menschen auf mehr Güter ist, das entscheidet, sondern dass wenn die<lb/>
österreichische Industrie sich nicht rationalisiert, sie im Weltmarkt<lb/>
nicht existieren kann. Die Folge davon würde nicht nur sein, dass nicht<lb/>
zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, sondern dass die Arbeits<lb break="no"/>plätze letzten Endes verlorengehen würden. Seinen Hinweis, dass man<lb/>
arbeitsintensivere Produkte aufnehmen sollte, konnte ich dadurch ent<lb break="no"/>kräften, dass wir ja schon den arbeitsintensivsten<add>[?]</add> Industriezweig,<lb/>
wenn ich ihn so bezeichnen darf, nämlich den Fremdenverkehr. <rs type="person" ref="#per__122962">Lötsch</rs><lb/>
war von einer Atomgegnersitzung im Auditorium Maximum, die, wie er<lb/>
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über das Beschäftigungsproblem und Industriewachstum zu diskutieren.<lb/>
Er liess sich dann auch wieder in die Universität zurückbringen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dürfte mit dem Gspür vor etlichen Monaten vollkommen recht<lb/>
gehabt haben, dass jetzt die Atomgegner viel aktiver werden, dass<lb/>
sie die Bevölkerung auf allen Fronten versuchen werden, aufzuklären,<lb/>
und dass deshalb die opinion leaders sehr wohl einen wesentlich<lb/>
grösseren Einfluss in Zukunft haben werden als dies auf diesem Gebiet<lb/>
in der Vergangenheit der Fall war. In der Versammlung war es mir ein<lb/>
Leichtes, sachlich und gar nicht demagogisch mich mit den Forderungen<lb/>
der Atomgegner und Umweltschützer auseinanderzusetzen und soweit<lb/>
sich dann die Diskussionsredner meldeten, sie mir auch zustimmten.<lb/>
Ich kann natürlich nur beurteilen, wie die grosse Masse der<lb/>
Schweigenden reagiert. Sicher aber waren in diesem Volksheim<lb/>
ja meistens nur Genossen und dort ist es überhaupt leichter, die<lb/>
Regierungspolitik zu vertreten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat aber glaube ich auch<lb/>
hier die richtige Einstellung als Parteiobmann und Regierungschef,<lb/>
dass er nämlich das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung an die Spitze<lb/>
stellt und erklärt, es müsse alles getan werden, damit ja nichts<lb/>
passiert. Die Bevölkerung wird in Wirklichkeit gar nichts anderes<lb/>
wollen als eine Zusicherung, dass nichts passieren kann und dann<lb/>
natürlich den Mehrstrom aus den Atomkraftwerken. In Linz hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich festgelegt, dass die Atompolitik nicht zu einem Wahl<lb break="no"/>kampfthema gemacht werden soll. Ursprünglich war ja die ÖVP ganz<lb/>
besonders auf Atomenergie festgelegt, während <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schon immer<lb/>
leichte Zweifel an der ausschliesslichen Zweckmässigkeit und an<lb/>
den Behauptungen, dass alles todsicher sei, geäussert hat. Wieweit<lb/>
er hier die Meinung der Bevölkerung vorausgeahnt, wieweit er hier<lb/>
Überlegungen angestellt hat, ob dies nicht ein Wahlthema sein<lb/>
könnte, kann ich nicht beurteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-24_16">"Aschenbrödel" von <rs type="person" ref="#per__140519">Prokofjew</rs> hat eine schöne Musik, das Ballett war<lb/>
aber nicht überwältigend. Ich verstehe allerdings von beiden viel zu<lb/>
wenig. Hier hatte ich das Gefühl, dass die Russen, ja selbst wahr<lb break="no"/>scheinlich die Bulgaren ganze eine andere Choreographie für dieses The<lb break="no"/>ma hätten. Bei uns war die Choreographie nicht revolutionär modern,<lb/>
sondern traditionell und deshalb sicherlich nicht besser, als die<lb/>
Russen es machen würden, sondern wahrscheinlich schlechter. Die<lb/>
Ausstattung war so wie immer natürlich sehr aufwendig, wir haben<lb/>
es ja!<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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