<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19750421.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19750420.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19750422.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Montag, der 21. April 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Matthias Trinkaus</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band25_1975-04-21</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1975-04-21">Montag, 21. April 1975</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2018-11-20">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="25-0488" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0488.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_01">Montag, den 21. April 1975<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_02">In der Gewerkschaft besprach ich mit <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs>, daß wir selbstver<lb break="no"/>ständlich das Wahlrecht in der Handelskammer in Hartberg ausnützen<lb/>
sollten. Jede Stimme ist für den Freien Wirtschaftsverband wichtig.<lb/>
Welche Enttäuschung als <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> dann in Hartberg feststellte, daß<lb/>
dort überhaupt nur eine Liste auflag. Organisation ist alles,<lb/>
kann man in so einem Fall nur sagen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_03">Ich fordere beim Jour fixe <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auf, sich mehr bei den Besuchen<lb/>
ausländischer Minister in Österreich einzuschalten. Vorige Woche<lb/>
hatte ich drei zu betreuen, diese Ministerpräsident <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs>, den<lb/>
griechischen Handelsminister und jetzt den libyschen. In keinen<lb/>
Fall hatte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> Zeit, sondern schickte immer nur Beamte. Zu<lb/>
seiner Entschuldigung führte er an, daß er jetzt aber mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
nach Rumänien fährt, und wenn <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> für die<lb/>
Bulgarien-Reise abgelehnt wird, auch dorthin mitfahren wird.<lb/>
Meine Angriffe sollen bewirken, daß <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bezüglich der Leistungen<lb/>
aus den Exportförderungsbeiträgen an das Handelsministerium durch<lb/>
Essen, Geschenke usw. umso lockerer wird, wenn er ein Schuldgefühl<lb/>
hat, daß er sich um die Betreuung der Minister viel weniger kümmert<lb/>
als ihm tatsächlich auch zusteht. Zum Abschluß erkläre ich ihm<lb/>
dann auch noch, daß gerade meine Kooperation in der Frage des<lb/>
Außenhandels dazu beiträgt, daß ich auch alle Angriffe eventuell<lb/>
die Außenhandelsorganisationen, insbesondere aber die Außenhandels<lb break="no"/>beiträge von der Bundeskammer wegzunehmen, mein wirklich großes<lb/>
Entgegenkommen gegenüber der Handelskammer ist und war. Wenn wir<lb/>
also nicht die absolute Mehrheit bekommen ist diese Politik sicher<lb break="no"/>lich mehr gefährdet als sie denken. Ein bißchen macht es mir Spaß<lb/>
ihm Angst zu machen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_04"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bedauert, daß <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> jetzt auf sie böse ist, weil sie<lb/>
in einer Presseaussendung gegen <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> polemisierten. Als er<lb/>
einen Brief des Freien Wirtschaftsverbandes an alle Mitglieder<lb/>
als Finanzminister richtete und sich ganz besonders gegen die Inse<lb break="no"/>ratenpolitik der Handelskammer wendete. Ausgelöst wurde dieser<lb/>
Streit als an alle Steuerpflichtigen ein Erlagschein mit einer<lb/>
Allonge gesendet wurde, wo sogar wirklich täuschend gegen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> persönlich polemisiert wurde. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> versichert mir<lb/>
<pb n="25-0489" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0489.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und er schwört alle Eide, daß er davon nichts gewußt hat.<lb/>
Ich erkläre sofort, wenn er mir sagt er hat davon nichts gewußt,<lb/>
dann braucht er erst gar nicht viele Eide schwören. Ob <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
etwas wußte, kann er nicht sagen, sicher aber hat <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> aber die<lb/>
Hand im Spiel, weil er bei diesem Verein mitgewirkt hat, resp. wahr<lb break="no"/>scheinlich sogar seine Gründung ist. Die Adressen die dieser<lb/>
Verein bekommen hat, haben alle wahlwerbenden Gruppen bekommen,<lb/>
weshalb <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> vom Wirtschaftsbund sie natürlich auch zur Verfügung<lb/>
hatte. Ich erkläre, daß <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sehr viel für die Wirtschaft<lb/>
getan hat, viel mehr als ich z.B. bereit gewesen wäre zu gewähren.<lb/>
Das die Handelskammer ihn jetzt attackiert, finde ich daher nicht<lb/>
für sehr richtig. Bei dieser Gelegenheit bemerke ich, daß trotz<lb/>
meiner Konsenspolitik in kritischen Fragen wie z.B. bei Öl und<lb/>
Zucker ich auch immer wieder von der Handelskammer im Stich ge<lb break="no"/>lassen wurde, obwohl ich meistens alles mit ihnen abgestimmt, ja<lb/>
sogar ihre Vorschläge übernommen habe. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> versucht hier ver<lb break="no"/>zweifelt zwischen der ÖVP-Angriffe <rs type="person" ref="#per__97647">Korens</rs> im Nationalrat wegen der<lb/>
Ölsituation und der Handelskammer zu unterscheiden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_05"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte eine Verlängerung für die Stellungnahme zum Energie<lb break="no"/>sicherungsgesetz, weil die ÖMV der Bundeskammer mitteilte, sie<lb/>
könne sich innerhalb des Fachverbandes nicht einigen und des<lb break="no"/>halb die Begutachtung aussetzt. Spaßhalber meint <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dann<lb/>
müßte die ÖMV eben ein Minderwertigkeitsvotum<add>[hs. Korrekturen unzutreffend, da laut TB "spaßhalber" genannter Begriff, Anm.]</add>, soll natürlich<lb/>
heißen Minderheitsvotum in die Stellungnahme des Fachverbandes<lb/>
einarbeiten. Er verlangt deshalb von mir, daß die Begutachtung<lb/>
verlängert wird und er bis 30. April erst ein Gutachten der Handels<lb break="no"/>kammer vorlegen könnte. Ich erkläre sofort, daß eine Verlängerung<lb/>
nicht in Frage kommt, ich auf alle Fälle noch im April im Minister<lb break="no"/>rat die Gesetzesvorlage einbringen werde, um zeitgerecht im<lb/>
Parlament die Debatte und Verhandlungen führen zu können. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
erwägt allen Ernstes nachdem es sich hier um ein Verfassungsbe<lb break="no"/>stimmungs-, d.h. ein. 2/3-Mehrheitsgesetz handelt, ob wir nicht<lb/>
überhaupt die ganze Frage nach den Wahlen erst behandeln könnten.<lb/>
Ich erkläre sofort, das liegt in der Hand des Parlamentes, ich<lb/>
werde nicht säumig werden. Ich brauche auch unbedingt neben der<lb/>
Ratifizierung des Abkommens auch dieses Energiesicherungsgesetz<lb/>
zur Durchführung.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_06">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte Gesetz unbedingt bis nächsten Dienstag<lb/>
ministerratsbeschlußreif machen.<lb/>
</p>
            <pb n="25-0490" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0490.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_07">Ich berichte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> über die Information von der ÖVP bezüglich<lb/>
des königlichen Ordners, wie ich und er ihm immer bezeichnet,<lb/>
betreffend die Personenpolitik in der Donau. Wenn es nämlich<lb/>
wirklich zu einer Diskussion im Parlament kommen sollte, muß<lb/>
ich zumindestens sagen können alle Interessensvertretungen die<lb/>
davon betroffen sind und vor allem die Aufsichtsratsvorsitzenden<lb/>
sowie die betroffenen Länder wurden von mir informiert. Bei dieser<lb/>
Gelegenheit kommt <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auf die Verschiebung des Kernkraftwerkbau<lb break="no"/>beschlusses zu sprechen und wird auch in dieser Phase von mir<lb/>
über alle Details des Grundes für diese Verschiebung informiert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nimmt es zur Kenntnis, da er selbst auch keine bessere<lb/>
Lösung weiß.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_08"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> beschwert sich, daß jetzt so viele Kommerzialräte der<lb/>
Statistik des Außenhandels ernannt werden. Ich erläutere ihm,<lb/>
daß es notwendig ist die Ernennungen durchzuführen, um mehr<lb/>
Kommerzialräte für die Arbeit im Statistischen Amt zur Verfügung<lb/>
zu haben. Es ist natürlich eine Ausrede die <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sofort bemerkt.<lb/>
Es kommt ihm, wie sich dann im Laufe der Diskussion auch heraus<lb break="no"/>stellt, vielmehr darauf an, daß angeblich die Berufung ohne<lb/>
Fühlungnahme mit der Handelskammer erfolgt. Ich verlange sofort, er<lb/>
müsse mir Namen nennen wo die Fühlungnahme nicht erfolgte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_09">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte stelle fest wie viele Kommerzialräte<lb/>
des Statistischen Außenhandels wir seit 1970 ernannt haben und ob<lb/>
wir tatsächlich einige ohne Fühlungnahme durchgeführt haben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_10">Ich verweise <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auf die neue Politik bezüglich der arabischen<lb/>
Staaten und erkläre, daß in Hinkunft wir uns um diesen Raum viel<lb/>
stärker bemühen müssen. Zu diesem Zweck habe ich auch mit den Han<lb break="no"/>delsdelegierten aus Afrika, die jetzt gerade tagen, nicht nur<lb/>
Kontakt genommen, sondern werde weitere Besprechungen mit ihnen<lb/>
führen. Sowie vor 5 Jahren wir die Exportoffensive im Handels<lb break="no"/>ministerium nach dem Osten begonnen haben, und sehr gute Erfolge<lb/>
verzeichnen konnten, müßte dies auch im arabischen Raum gelingen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist damit einverstanden, meint nur, daß aber die Flanke<lb/>
gegenüber dem Osten durch die Liberalisierung von mir aufgerissen<lb/>
wurde. Ich kann daher immer wieder nur leicht ihm nachweisen, daß<lb/>
<pb n="25-0491" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0491.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durch das Vidierungsverfahren wir im Gegenteil die aufgerissene<lb/>
Flanke eingefangen haben. Er erkundigt sich auch was mit den<lb/>
Antimarktstörung- und Antidumpinggesetz jetzt geschieht. Er ist<lb/>
befriedigt zu hören, daß es von mir auf alle Fälle zur Verlängerung<lb/>
eingereicht wird. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte außerdem wissen wie jetzt mit Spanien<lb/>
weiter verhandelt werden soll. Hier erkläre ich neuerdings, das<lb/>
muß ich erst mit <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> besprechen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_11">Beim Journalistenfrühstück berichtet <rs type="person" ref="#per__115011">Spitalsky</rs> über die Arbeits<lb break="no"/>gruppe Haushalt des Energiesparbeirates und es entsteht überhaupt<lb/>
kein Echo. Ich ergänze deshalb, daß beim letzten Mal die Zeitungen<lb/>
dann nach Bericht des Prof. der Technischen Hochschule über die<lb/>
Verkehrssparmaßnahmen die Zeitungen dann schrieben, dies sind<lb/>
doch eigentlich nur allgemein gehaltene Empfehlungen. Es gibt<lb/>
auch für den Haushalt nicht den Stein der Weisen zum Energiesparen,<lb/>
den nicht sowieso jeder schon kennt. Ich erklärte ich habe sogar<lb/>
Verständnis wenn man dann schreibt, <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> empfiehlt weniger<lb/>
unzweckmäßiges Gasgeben, Kavalierstart usw. und macht sich sogar<lb/>
darüber noch lustig. Die Empfehlungen stammten zwar nicht von mir,<lb/>
wurden aber sicherlich in der Pressekonferenz in meiner Anwesenheit<lb/>
gegeben, sodaß ich mich formell gar nicht darüber beklagen kann<lb/>
und will, wenn man es mir in die Schuhe schiebt. Das Energiespar<lb break="no"/>thema ist eben für die Presse heute uninteressant, weshalb selbst<lb/>
eine seriöse Arbeit nichts mehr hergibt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_12">Interessanter war schon als <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> über die Konjunkturgespräche von<lb/>
Freitag berichtete. Diese neue Methode mit Branchen die gefährdet<lb/>
sind, Gespräche zu führen war auch für die Presse neu und deshalb<lb/>
gab es sofort viele Fragen und Diskussionen. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> gab zu, was auch<lb/>
ich nach der Aussprache Freitag kritisierte, daß zu viele Branchen<lb/>
zusammengezogen wurden. Dadurch war der Kreis viel zu groß und es<lb/>
ergab keine seriöse und solide Diskussion. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> erklärte auch,<lb/>
daß manche Vertreter, sei es Sekretäre der Fachverbände, sei es<lb/>
Funktionäre, dort ein zu düsteres Bild gemalt hatten. Nach wie vor<lb/>
glaubt die Wirtschaftsforschung, daß sie mit 2.5% Industriewachstum<lb/>
auch in diesem Jahr rechnen können. Selbst wenn der Aufschwung wie<lb/>
sie ihn erwarten und wie insbesondere die Industrie überhaupt glaubt,<lb/>
daß er frühestens eintreten kann, erst im II.Quartal erfolgen wird.<lb/>
</p>
            <pb n="25-0492" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0492.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_13">Bei unserem Büro-Jour-fixe, wo wir ausnahmsweise wieder einmal<lb/>
alle beisammen waren, diskutierten wir, ob es zweckmäßig ist,<lb/>
daß auf Grund der Tagebuchaufzeichnungen <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> jetzt ein Buch<lb/>
zu schreiben beginnt, wie er sich vorstellt unter dem Titel<lb/>
"Kulissenschieber in der Innenpolitik". Da er schon einen Band ab<lb break="no"/>diktiert hat und jetzt nur noch ergänzen möchte, kamen wir überein,<lb/>
er soll dies als Schubladarbeit zu Ende machen; nachher werden wir<lb/>
es genau lesen und diskutieren, ob es wirklich zweckmäßig ist, daß<lb/>
er sich dieser Arbeit und Mühe unterzieht. Insbesondere <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
meint, daß eine Veröffentlichung jetzt unter gar keinen Umständen<lb/>
in Frage käme. Wieder einmal stellte ich fest, daß alle wesentlich<lb/>
meine Tätigkeit überschätzen und auch wesentlich irren, wenn sie<lb/>
annehmen, daß dies auch nur eine größere Menge interessiert.<lb/>
Trotzdem freut mich nämlich, wie sehr sie sich Sorge um meine<lb/>
Zukunft und Tätigkeit machen. Ich glaube nur, daß es unbegründet<lb/>
ist, denn erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_14">Ein wichtiges Problem war, daß wir uns natürlich wieder einmal<lb/>
über die Termine und deren Abstimmung unterhielten und dann einigten,<lb/>
daß allein Kollegin <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> diese Termine zu fixieren hat, aber<lb/>
auch alle Vorbereitungsarbeiten immer so treffen muß, daß zeit<lb break="no"/>gerecht jeder von ihren Entscheidungen weiß.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_15">Entscheidend war, daß wir über die Kontrolle unserer Maßnahmen<lb/>
im Haus jetzt einen falschen Weg eingeschlagen haben. Unser Büro<lb/>
versucht jetzt durch ständiges Urgieren, daß Briefe nicht allzu lange<lb/>
Zeit für die Beantwortung brauchen. In Wirklichkeit hat <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
recht, man soll krasse Fälle dazu benützen, um SChef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs><lb/>
als Präsidialisten zur Verantwortung zu ziehen, er muß schauen<lb/>
daß hier eine schnelle Erledigung erfolgt. Wir haben ja kaum<lb/>
eine Möglichkeit die Beamten so zu schulen, resp. dahin zu bringen<lb/>
daß sie im Sinne des Ministers, in dem Fall insbesondere des Büros<lb/>
die Beantwortung durchführen. Wohl aber können wir verlangen, daß<lb/>
dies in einer gewissen Zeitspanne erfolgen muß. Hier gibt es auch<lb/>
einen formellen Prüfungsgrund und auch einen formellen Beschwerde<lb break="no"/>grund. Da seinerzeit bei <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> dies auch eingerissen wäre, hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> dem sofort abgeholfen.<lb/>
</p>
            <pb n="25-0493" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0493.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_16">Bezüglich der Kooperationen stellen wir fest, daß <rs type="person" ref="#per__98109">Zembsch</rs> resp.<lb/>
die Sekt. IV nicht imstande ist die gewünschte Arbeitsleistung zu<lb/>
erbringen. Die Mitwirkung <rs type="person" ref="#per__98109">Zembsch</rs> wie in der Geschäftsordnung vor<lb break="no"/>gesehen, wirkt immer geringer und die Sekt. II nimmt sich jetzt<lb/>
immer mehr um diese Probleme an. Dagegen ist auch von unserem<lb/>
Standpunkt gar nichts einzuwenden, weil <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und seine Leute<lb/>
viel aktiver und tüchtiger sind. Bezüglich der Kartellpolitik<lb/>
halten wir fest, daß wenn <rs type="person" ref="#per__136381">Hoffmann</rs> in Pension geht, wir diese<lb/>
Abteilung womöglich nicht mehr besetzen. Fachlich gehört sie ja<lb/>
auf alle Fälle zu <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, der mit der Wettbewerbspolitik auch die<lb/>
Kartellpolitik umfassen wüßte. Natürlich wird es dann Schwierig<lb break="no"/>keiten geben weil <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> sich Hoffnungen macht, diese Abteilung zu<lb/>
bekommen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_17">Wir diskutieren noch über die Möglichkeiten der Preisbeobachtung<lb/>
und der Aktivierung der Preisbehörden insbesondere im Hinblick auf<lb/>
3b-Fälle. Leider ist bis jetzt noch kein einziger 3b-Fall angefallen<lb/>
den wir zu einem Exempel ausbauen könnten. Was ich ganz entschieden<lb/>
ablehne, ist die inzüchtlerische Idee der Preisleute, obwohl wir<lb/>
erst jetzt im Parlament bezüglich des Preisgesetzes eine Nieder<lb break="no"/>lage erlitten haben, sofort jetzt wieder neue gesetzliche Änderungen<lb/>
zu verlangen. Die Bürokratie ist nicht imstande die jetzt vorhandenen<lb/>
Möglichkeiten für Preisgesetze zu nützen, verlangt aber immer wieder<lb/>
weitere gesetzliche Regelungen. Diese Tendenz ist eine ganz große<lb/>
Gefahr. Ich bestreite gar nicht, daß unser Preisrecht unzulänglich<lb/>
ist, trotzdem wäre es mir viel lieber man würde dieses Preisrecht<lb/>
bis zum letzten ausnützen, als immer wieder zu erklären, dies muß<lb/>
novelliert werden und das muß novelliert werden. Abgesehen davon<lb/>
daß wir es gar nicht bekommen, würden wir zum Schluß ein perfektio<lb break="no"/>nistisches Preisgesetz haben, daß letzten Endes dann auch nicht<lb/>
administriert werden kann. Die Bürokratie ist dazu außerstande.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_18">Der allgemeine Bauernverband kam und beschwerte sich, daß er auf<lb/>
seine Briefe wieder keine Antwort bekommen hat. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> konnte akt<lb break="no"/>mäßig nachweisen, daß ein solches Schreiben an den Bauernverband<lb/>
gegangen ist, der aber scheinbar eine unzulängliche Bürokraft auf<lb/>
einer Deckadresse sitzen hat, oder wirklich das Pech hat, daß der<lb/>
Brief verloren ging. Die Delegation hat diese Erklärung von mir dann<lb/>
zur Kenntnis genommen, daß ich mit ihnen zwar verhandle, ihnen aber<lb/>
nicht zugestehe was sie wollten, daß wenn sie bei den Vorbesprechungen<lb/>
<pb n="25-0494" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0494.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nicht zu einem befriedigendem Ergebnis kommen, sich dann an mich<lb/>
neuerdings wenden. Ich erklärte rundwegs in des Preisverfahren<lb/>
bis zum Abschluß nicht einzugreifen. Außerdem machte ich ihnen<lb/>
klar, daß die gesetzliche Interessensvertretung eben doch die<lb/>
Präsidentenkonferenz ist. Dia Bauernverbandvertreter erklärten mir,<lb/>
sie hätten mit dem Arbeitsbauernbund und mit den freiheitlichen<lb/>
Bauern festgehalten, daß sie ein gemeinsames Milchpreisschema<lb/>
anstreben und daher eine geschlossene Einheit jetzt darstellen,<lb/>
insbesondere gegenüber dem Bauernbund der ihrer Meinung nach durch<lb/>
die Präsidentenkonferenz repräsentiert wird. Ich erklärte sofort<lb/>
daß auch die Präsidentenkonferenz genau dasselbe Schema angewendet<lb/>
haben will, nur Ansätze werden von den einzelnen Verbänden ver<lb break="no"/>schieden gemacht und daß ich aber dieses Schema schon das letzte<lb/>
Mal nicht anerkannt habe und auch nicht bereit bin, dieses Mal<lb/>
zu akzeptieren. Dieser Musterbetrieb ist für mich nicht aussage<lb break="no"/>kräftig, weil er konstruiert wurde. Diese Konstruktion und<lb/>
Diskussion habe ich 1945 schon in der Landwirtschaftskammer begonnen<lb/>
und bis jetzt zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114645">Seitlinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> kommen sich beschweren, daß die OKA ihre<lb/>
5.3%ige Strompreiserhöhung nur auf die Wiederverkäufer, das ist<lb/>
primär auf die ESG, mit 14 Millionen abwälzen möchte. Die OKA er<lb break="no"/>klärt, sie muß den WTK-Kohlenpreis anerkennen und braucht deshalb<lb/>
diese Strompreiserhöhung. Die Begründung liegt aber noch nicht vor<lb/>
auch kein spezieller Antrag. Ich versichere <rs type="person" ref="#per__114645">Seitlinger</rs>, wir werden<lb/>
ganz genau prüfen und <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> wird mir entsprechend berichten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_19">Der neue Steyr-Direktor <rs type="person" ref="#per__123322">Feichtinger</rs>, der für den Steyr-Betrieb<lb/>
St. Valentin und Griechenland, Hellas, zuständig ist, ersucht mich ob<lb/>
wir ihnen helfen können wegen zollfreier Einfuhr von Teilen<lb/>
des Traktors resp. LKWs aus Griechenland zur Fertigung in Österreich.<lb/>
Der Vertrag mit der griechischen Junta sieht vor, daß sie 3.000<lb/>
LKW und 5.000 Traktoren bauen. In Wirklichkeit haben sie 1974<lb/>
nur 2.000 Traktoren bauen können und 1.200 LKW. 1000 sind aber<lb/>
überhaupt nur absetzbar. Sie müssen aber heuer 35% der Wertschöpfung<lb/>
in Griechenland machen, ansonsten werden sie des Exklusivertrages<lb/>
die Finanzierung der Traktoren für die Bauern über die Agrarbank<lb/>
ausschließlich über Hellas Steyr verlustig. Damit würden sie<lb/>
überhaupt keine Chance mehr haben in Griechenland Traktoren ver<lb break="no"/>kaufen zu können. Der Grund dafür ist Massey Ferguson 100.000<lb/>
<pb n="25-0495" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0495.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Traktoren anfertigt, Steyr aber nur 10.000 sowohl in Griechenland<lb/>
als auch in Österreich. <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> wird sich jetzt im Finanz<lb break="no"/>ministerium erkundigen, und wir werden Steyr unterstützen, ob es nicht<lb/>
eine Möglichkeit gibt § 6 Zollgesetz den österreichischen Zoll<lb/>
von 10% auszusetzen. Im Inland stoppt momentan der Verkauf von<lb/>
LKW vollkommen. Steyr hat im Dezember 9%. Ausländer geben außerdem<lb/>
30% Spannen und Sonderrabatte, während Steyr nur 14% Handels<lb break="no"/>spanne gewährt. Jetzt haben sie eine Sonderaktion gestartet, um<lb/>
die LKW loszuwerden. Das Hauptproblem, daß sie größere Lieferungen<lb/>
aber trotzdem nicht tätigen können, weil sie zwar 1.000 Stk.<lb/>
auf Lager haben, aber 127 Typen mit 667 Umbauwünsche berücksichtigen.<lb/>
Sie erzeugen jetzt 4.000 LKWs der inländische Markt über 4 Tonnen<lb/>
ist, aber nur 4.000. Sie haben daher einen Anteil von 31.8%. Den<lb/>
Rest müssen sie exportieren. Steyr ist in einer furchtbaren Situation<lb/>
Die Idee war deshalb den neuen Vorstand so zu bestellen, daß<lb/>
diversifiziert wird. <rs type="person" ref="#per__125950">Leibenfrost</rs> ist für Haflinger- und Grazer Produk<lb break="no"/>tion zuständig und <rs type="person" ref="#per__134018">Herzig</rs> für die Kettenfahrzeuge, auch die Panzer, die<lb/>
in Wien gefertigt werden. Ich ersuche <rs type="person" ref="#per__123322">Feichtinger</rs> alles zu unter<lb break="no"/>nehmen damit nachmittags die notwendigen Prospekte in englisch<lb/>
vorliegen, weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> überhaupt sehr hart gegen den neuen Vor<lb break="no"/>stand immer polemisiert. Tatsächlich ist es dann möglich bei der<lb/>
Aussprache mit den Libyern alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_20">Bei der Aussprache mit den Libyern die ich ja präsentiere und die<lb/>
wir, da kein Übersetzer, wir sogar in Englisch führen müssen, gebe<lb/>
ich allen Firmen die das erste Mal daran teilnehmen die Möglichkeit<lb/>
ihre Projekte zur erörtern. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs>, der nach wie vor sehr expedi<lb break="no"/>tiv arbeitet hat tatsächlich dann eine Liste zusammengebracht,<lb/>
wo alle unsere Wünsche bezüglich der Exporte und auch die Wünsche der<lb/>
Libyer aufgeschrieben sind. Wir einigen uns daher auch über dieses<lb/>
Protokoll. Offen ist nur die Frage der Öleinkäufe. Die ÖMV kann und<lb/>
ist nicht bereit jetzt schon zuzusichern, daß sie 1975 Millionen<lb/>
Tonnen Öl importieren wird. Die libysche Seite möchte dies zuerst<lb/>
auf das Niveau <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-<rs type="person" ref="#per__123183">Jalloud</rs> bringen. Dies hält <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> aber auch<lb/>
ich für gefährlich. Wir einigen uns deshalb über eine Formulierung<lb/>
daß die ÖMV innerhalb 2 Monaten der libyschen Seite die entsprechen<lb break="no"/>den Vorschläge machen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__123183">Jalloud</rs> werden dann von<lb/>
mir informiert. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bestätigt mir neuerdings, daß er sehr wohl<lb/>
die Idee hat, daß größere Importe von Öl getätigt werden sollen,<lb/>
<pb n="25-0496" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0496.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>damit Österreich davon Kredite bekommen kann, weil Libyen eben<lb/>
den Preis entsprechend reduziert. Dieses Projekt muß aber erst<lb/>
die ÖMV sich genau überlegen, ob sie diese Ölmengen überhaupt brauchen<lb/>
kann. Ich bin überzeugt, daß dies sicherlich nicht der Fall ist.<lb/>
Bei der offiziellen Sitzung <rs type="person" ref="#per__123183">Jalloud</rs>-<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kommt dann <rs type="person" ref="#per__123183">Jalloud</rs><lb/>
neuerdings auf Lieferwünsche zu sprechen. Außerdem möchte er sehr<lb/>
konkrete Importanträge über die Menge und den Preis von uns haben.<lb/>
Allerdings interessiert er sich nur für Produkte, die am Weltmarkt<lb/>
knapp sind und er sicherlich nicht bereit ist höhere Preise zu be<lb break="no"/>zahlen. Das Ergebnis ist dann aber letzten Endes doch, daß in unser<lb/>
Protokoll nur aufgenommen wird die einzelnen Wünsche. Das System,<lb/>
wie ich es mit allen anderen Staaten gehandhabt habe, kann auch hier<lb/>
nur in diesem Sinne gehandhabt werden. Die Methode <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> große<lb/>
Pläne zu entwickeln und sie nur anzudeuten und die konkrete Durch<lb break="no"/>führung aber nicht in Angriff zu nehmen, sondern einen anderen<lb/>
zu übertragen, akzeptiere ich nicht. Ohne die Firmen und die Ver<lb break="no"/>pflichtung der Firma, daß sie dies tatsächlich liefern kann,<lb/>
bin ich nicht bereit irgendwelche Verträge zu unterschreiben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_21">Beim Abendessen vom Bundespräsidenten bespreche ich noch die Ent<lb break="no"/>wicklung mit den Ölverantwortlichen <rs type="person" ref="#per__140529">Madassi</rs>. Er ist letzten Endes<lb/>
auch damit einverstanden, daß die ÖMV sich dies überlegen muß<lb/>
und er kommt innerhalb 2 Monaten wieder nach Österreich und wird<lb/>
dann die Details mit der ÖMV besprechen. Hier wird dann ein furchtba<lb break="no"/>res Erwachen der Libyer stattfinden, die scheinbar noch immer<lb/>
glauben, wir können 7–8 Millionen Tonnen Öl bei ihnen kaufen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_22">Da die Damenmodewoche einen Empfang und Modeschau im Palais<lb/>
Auersperg hatte, habe ich dann spät Abends dort auch noch<lb/>
einen Besuch abgestattet. <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> war das erste Mal und ist zu<lb/>
meiner größten Verwunderung in wirklich aufgelöster Stimmung.<lb/>
Seit er weiß, daß er aus der Handelskammer ausscheidet und sein<lb/>
Mandat endgültig verliert, seitdem er sich scheinbar aber auch<lb/>
Hoffnungen macht bei der Messe eine Funktion zu bekommen, ver<lb break="no"/>sucht er jetzt ein ganz anderes persönliches Verhalten mir gegen<lb break="no"/>über zu zeigen. Ich habe ja nie verstanden, warum er so verkrampft<lb/>
mir gegenüber gewesen ist. Wenn ich gesprochen habe, hat er prin<lb break="no"/>zipiell immer auf die Erde gesehen. Ich weiß, er wollte sich<lb/>
immer deutlich sichtbar distanzieren. In Wirklichkeit müßte er<lb/>
doch froh gewesen sein, daß ich so entgegenkommend in jeder<lb/>
Beziehung ihn geschont habe, selbst dann, wenn er mich ungerechtfer<lb break="no"/>tigt hart attackierte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-21_23"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="25_0487_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0487-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 21.4.1975</head>
         </div>
         <pb n="25_0487_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-21_0487-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97893">
               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98109">
               <persName type="label">Zembsch, Anton</persName>
               <persName><surname>Zembsch</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97377">
               <persName type="label">Bukowski, Dietrich</persName>
               <persName><surname>Bukowski</surname><forename>Dietrich</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher, Botschafter in Sofia/Straßburg</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111367">
               <persName type="label">Würzl, Anton</persName>
               <persName><surname>Würzl</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97985">
               <persName type="label">Staribacher, Josef</persName>
               <persName><surname>Staribacher</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/125942052</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97357">
               <persName type="label">Blümel, Kurt</persName>
               <persName><surname>Blümel</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>LUGA-Zentralsekretär</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97749">
               <persName type="label">Mitterer, Otto</persName>
               <persName><surname>Mitterer</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__127126">
               <persName type="label">Hönel, Walter</persName>
               <persName><surname>Hönel</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97469">
               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Gehart</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__123322">
               <persName type="label">Feichtinger, Johann Julius</persName>
               <persName><surname>Feichtinger</surname><forename>Johann Julius</forename></persName>
               <occupation>BMW? Steyr-Daimler-Puch?</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__123183">
               <persName type="label">Jalloud, Abdul Salam</persName>
               <persName><surname>Jalloud</surname><forename>Abdul Salam</forename></persName>
               <occupation>Min.präs. Libyen</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97311">
               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118503049</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97646">
               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__125950">
               <persName type="label">Leibenfrost, Franz Josef</persName>
               <persName><surname>Leibenfrost</surname><forename>Franz Josef</forename></persName>
               <occupation>GD Semperit</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97584">
               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97937">
               <persName type="label">Seidel, Hans</persName>
               <persName><surname>Seidel</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Ökonom, ab 1981 Sts.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97337">
               <persName type="label">Bauer, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation>GD ÖMV</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97426">
               <persName type="label">Fälbl, Maximilian</persName>
               <persName><surname>Fälbl</surname><forename>Maximilian</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98072">
               <persName type="label">Wiesinger, Anna</persName>
               <persName><surname>Wiesinger</surname><forename>Anna</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97769">
               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97647">
               <persName type="label">Koren, Stephan</persName>
               <persName><surname>Koren</surname><forename>Stephan</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister, ÖVP-NR-Abg., OeNB-Präs.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97350">
               <persName type="label">Bielka, Erich</persName>
               <persName><surname>Bielka</surname><forename>Erich</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/130327808</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__134018">
               <persName type="label">Herzig, Alfred</persName>
               <persName><surname>Herzig</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>Vorstandsdir. Steyr-Daimler-Puch</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__115011">
               <persName type="label">Spitalsky, Hannes</persName>
               <persName><surname>Spitalsky</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>VKI</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__136381">
               <persName type="label">Hoffmann, D</persName>
               <persName><surname>Hoffmann</surname><forename>D</forename></persName>
               <occupation>MR HM? Falschschreibung?</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__109293">
               <persName type="label">Busek, Erhard</persName>
               <persName><surname>Busek</surname><forename>Erhard</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__98075">
               <persName type="label">Willenpart, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Willenpart</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108322">
               <persName type="label">Meisl, Josef</persName>
               <persName><surname>Meisl</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114645">
               <persName type="label">Seitlinger, Josef</persName>
               <persName><surname>Seitlinger</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>GD ESG Linz, Verb. Österr. Elektrizitätsunternehmer</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97925">
               <persName type="label">Schoeller, Philipp</persName>
               <persName><surname>Schoeller</surname><forename>Philipp</forename></persName>
               <occupation>Obmann Sekt. Ind. BHK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__109811">
               <persName type="label">Burian, Ferdinand</persName>
               <persName><surname>Burian</surname><forename>Ferdinand</forename></persName>
               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97915">
               <persName type="label">Schipper, Hans</persName>
               <persName><surname>Schipper</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>