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            <title type="main">Donnerstag, der  3. April 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_01">Donnerstag, den 3. April 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_02">Bei der Gesamtvorstandssitzung der Lebensmittelarbeiter wünschte<lb/>
die christliche Fraktion eine Aussprache. Sie beschwerten sich<lb/>
zuerst, daß in der Zeitung ein Artikel erschienen ist "der Leu ist<lb/>
tot", wo <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> feststellte, daß der Löwe, den man <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> geschickt<lb/>
hat, gestorben ist, entweder war er nichts wert oder usw., mit<lb/>
einem Wort ein politischer Artikel, wie sie meinen der in einer<lb/>
überparteilichen Gewerkschaftszeitung nichts verloren hat.<lb/>
Weiters wollten sie einen Gastdelegierten beim Gewerkschaftskongreß<lb/>
weil <rs type="person" ref="#per__140463">Kopak</rs>, ein verdienter christlicher Gewerkschafter, ebenfalls<lb/>
daran teilnehmen soll. Besonders verlangte sie aber wieder den<lb/>
bildungs- und <choice><choice><sic>schulungsfraktionellen</sic><corr>?</corr></choice></choice> Beitrag und daß wir womöglich<lb/>
ein Buch über die christliche Gewerkschaftsbewegung kaufen sollten.<lb/>
Ich versprach ihnen mich dafür einzusetzen und bei der Gesamtvor<lb break="no"/>standssitzung unter Allfälliges erledigte ich dann außer den<lb/>
Zeitungsartikel alles befriedigend. Wenn wir nicht genug Delegierten<lb break="no"/>karten, weil unsere Mitgliederanzahl abgenommen hat, zum Gewerk<lb break="no"/>schaftskongreß bekommen, werde ich auf die Tasche verzichten,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> und einige andere werden dies sicherlich auch tun, die<lb/>
Diäten, auf die ich selbstverständlich auch immer verzichte,<lb/>
werden wir auch zur Verfügung stellen von der Gewerkschaft, so daß<lb/>
tatsächlich wir nicht nur den christlichen Gewerkschaftern ein<lb/>
Mandat als Teilnehmer geben können, sondern auch Kollegen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140464">Pospischil</rs> von der kommunistischen Fraktion, der sonst keine Gelegen<lb break="no"/>heit hätte an den Kongreß teilzunehmen, diese Möglichkeit schaffen.<lb/>
Ich selbst bemühe mich wirklich seit dem ich in dieser Organisation<lb/>
tätig bin, die Minderheitsfraktionen so gut als nur möglich zu<lb/>
behandeln, da man die schwächeren ja wirklich als Mehrheitsfraktion<lb/>
besonders berücksichtigen muß. Dies wird auch immer wieder aner<lb break="no"/>kannt und die ist auch mit einer der Gründe, worum wir in unserer<lb/>
Organisation fast keine fraktionellen Probleme haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_03">In der Gesamtvorstandssitzung berichtete ich dann besonders über<lb/>
die Gruppen der Lebensmittelarbeiter, Bäckereiarbeitergesetznovelle<lb/>
im Parlament, wirtschaftliche Situation. Es ergab sich dann eine<lb/>
lebhafte lange Diskussion. Das Resümee, wir werden unsere Politik<lb/>
wie bisher fortsetzen, d.h. für unsere Gruppen eine maximale Lohn<lb break="no"/>politik zu betreiben ohne die wirtschaftliche Lage unberücksichtigt<lb/>
<pb n="25-0397" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-04-03_0397.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zu lassen. Die Unternehmer aber haben eine neue Taktik. Während<lb/>
sie früher intern und heftig gegen Maßnahmen von uns reagierten<lb/>
fühlen sie jetzt, daß wir zusammenbrechen, oder durch Umstände<lb/>
gezwungen werden nachzugeben. Ich war sehr verwundert, daß ich<lb/>
keine Interventionen hatte als die Fettarbeiter um zu ihren<lb/>
Löhnen zu kommen, die mit 1. April hätten bereits in Kraft ge<lb break="no"/>setzt werden sollen, ein solcher Termin war voriges Jahr schon<lb/>
vereinbart werden, Versammlungen abhielten d.h. de facto nicht<lb/>
arbeiteten und trotzdem nicht beim Gewerkschaftsbund oder bei mir<lb/>
heftig interveniert wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_04">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> von der Unilever erklärt <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> ich müßte mit<lb/>
ihm reden um die Frage wer die Stunden der Nichtarbeit durch<lb/>
die Versammlungen bezahlt, zu klären. Die Gewerkschaft steht sei<lb/>
eh und je auf dem Standpunkt, wenn eine Einigung zustande gekommen<lb/>
ist, dann ist der ganze Fall erledigt und es dürfte den Arbeitern<lb/>
kein Nachteil daraus erwachsen. Diesmal meint Unilever sie bezahlt<lb/>
nur 2 Stunden für die Informationsversammlung und das andere<lb/>
müßten die Arbeiter tragen. Natürlich ergibt sich dann sofort<lb/>
für die gesamte Fettindustrie eine Kampfsituation, die es sofort<lb/>
gilt zu bereinigen. Ich rufe deshalb <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> an und er sagt mir<lb/>
so wie ich ihm geholfen habe die Verhandlungen zu machen und letzten<lb/>
zu einem Ergebnis zu führen, wird er mir helfen die Frage zu beseiti<lb break="no"/>gen, d.h. es wird von der Fettindustrie die ausgefallenen Stunden<lb/>
zahlt werden. Voraussetzung dafür ist, daß man sich einigt wie in<lb/>
Hinkunft Informationsversammlungen abgehalten werden. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs><lb/>
meint, dies war doch ein Streik auch wenn er nicht ausgerufen<lb/>
wurde und unter Streik wollen sie nicht verhandeln. <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> wird<lb/>
sich bemühen, so einigen wir uns, mit den Gewerkschaftssekretären<lb/>
und den Betriebsräten eine für die Fettindustrie akzeptable Lö<lb break="no"/>sung zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_05">Ich interveniere bei <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs> wegen einiger ERP-Fälle die<lb/>
ÖVP-Abgeordnete als dem Müllviertel mir vorgetragen hat. <rs type="person" ref="#per__98087">Wir<lb break="no"/>landner</rs> weist mit Recht darauf hin, daß es sich hier um so den<lb/>
Richtlinien und der bisherigen Praxis entgegenstehende Fälle<lb/>
handelt, daß einstimmige Ablehnungen meistens schon von der<lb/>
Österreichischen Nationalbank, d.h. bei der Vorprüfung erfolgte.<lb/>
Ähnlich ist es auch bei dem Wunsch des Betriebsrates der Siegen<lb break="no"/>dorfer Zuckerfabrik. Diese hat um einen ERP-Kredit um 34 Millionen<lb/>
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mit 1 % Verzinsung. <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs> wird sich einsetzen, daß er 10<lb/>
Millionen bekommt, allerdings aus dem normalen und daher 5 %<lb/>
Zinsen zahlen muß. Gegen diesen Kredit ist insbesondere <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
vom Gewerkschaftsbund wegen des Verhaltens der Zuckerindustrie<lb/>
bei den letzten Zuckerpreisverhandlungen. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs>,<lb/>
daß ich am meisten Grund hätte der Zuckerindustrie böse zu sein.<lb/>
Wenn man aber so empfindlich ist, dann macht man keine richtige<lb/>
Politik. Was abgeschlossen ist vorüber und darf einem nicht allzu<lb break="no"/>sehr beeinflussen für zukünftige Entscheidungen, auch dann wenn<lb/>
man sich noch so geärgert hat oder ungerechtfertigt attackiert<lb/>
wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_06">Bundesrat <rs type="person" ref="#per__115611">Steinle</rs> von der Textilarbeitergewerkschaft ruft an<lb/>
und ist verzweifelt, daß die Merino-Sache gescheitert ist.<lb/>
Er ersucht mich ich sollte alles daransetzen, um mit <rs type="person" ref="#per__126228">Böhm</rs>, dem<lb/>
Hauptteilnehmer der Gruppe die Merino pachten will, noch einmal<lb/>
zu sprechen, er gibt mir auch einen Brief wo er dies besonders<lb/>
neuerdings verlangt. Ich spreche vorher mit Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>,<lb/>
dieser erklärt mir, daß er nicht bereit ist die Idee von Aus<lb break="no"/>gleichsverwalter <rs type="person" ref="#per__140465">Kaltenböck</rs> zu akzeptieren, daß der Bund 2 Millio<lb break="no"/>nen Schilling hergibt um die Differenz über die Lagerbewertung<lb/>
14.8 zu 18.8 Millionen Schilling zu überbrücken, der alten Ge<lb break="no"/>sellschaft oder der neuen Gesellschaft zu geben, damit die alte<lb/>
Gesellschaft einen besseren Ausgleich erzielen kann. Von der<lb/>
Kronenzeitung in Graz werde ich angerufen und der Redakteur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140466">Lehner</rs> möchte auch, daß ich mich unbedingt einsetze, weil er den<lb/>
Eindruck hat, das liegt auch nur daran, daß niemand sehr konkret<lb/>
jetzt erklärt es müßte die neue Gesellschaft den Pacht unbedingt<lb/>
bekommen. Ganz unabhängig ob jetzt das Lager mit 18.8 Millionen<lb/>
zu hoch bewertet ist oder nicht. Er teilt die Meinung, daß auch<lb/>
dort man mehr für die Firma Dietrich und die Gläubiger macht<lb/>
als für die Beschäftigten die jetzt alle gekündigt sind, aber<lb/>
doch darauf warten im Merino-Betrieb arbeiten zu können. Ich ver<lb break="no"/>handle mit <rs type="person" ref="#per__126228">Böhm</rs> und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und nach längerer Zeit erklärte er<lb/>
sich bereit, noch einmal mit den Gesellschaftern zu reden ob sie<lb/>
ihr ursprüngliches Angebot aufrecht erhalten. Ich würde dann<lb/>
Ausgleichsverwalter <rs type="person" ref="#per__140465">Kaltenböck</rs> davon informieren und letzten<lb/>
Endes die Entscheidung mit dieser Gruppe übertragen, ob und inwie<lb break="no"/>weit Merino verpachtet werden kann. <rs type="person" ref="#per__126228">Böhm</rs> wird mit den Gesellschaftern<lb/>
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jetzt Schwierigkeiten machen will bei dem Angebot zu bleiben<lb/>
und scheinbar als Gesellschafter aussteigen möchte. Ich bin<lb/>
wirklich gespannt, was aus dieser ganzen Angelegenheit noch wird.<lb/>
Sicher ist für mich eine Erfahrung wichtig in Hinkunft wird man<lb/>
trachten müssen so schnell als möglich zugrunde gegangene Betriebe<lb/>
entweder sofort zu verkaufen oder dann in Konkurs gehen zu lassen,<lb/>
damit klar Rechtsverhältnisse geschaffen sind um einen neuen Be<lb break="no"/>trieb in den alten Hallen zu errichten. Eine ähnliche Situation<lb/>
befürchte ich nämlich bei<add>[den]</add> Junior-Werke<add>[-n]</add>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_07">Nationalrat <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> ruft mich an und meint, er fürchtet, daß wenn<lb/>
bei der Donau die Personalfrage zur Sprache kommt dann automatisch<lb/>
sich daraus eine Diskussion über die Kernkraftwerke abwickeln<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97339">Baumgartner</rs> der von der Enns zur Donau kommen soll ist<lb/>
auch bei dem neuen Kernkraftwerk Stein als Vorstandsmitglied und<lb/>
macht dort gar nichts. Nach <rs type="person" ref="#per__111410">Königs</rs> Meinung wird ausschließlich<lb/>
ÖVP-Vorstand alles erledigt, d.h. der Kampf gegen die Automgegner<lb/>
geführt. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>, daß eigentlich die Kernkraftwerk-<lb/>
Stein-Gesellschaft noch gar nichts machen kann, weil die ganze<lb/>
Vorarbeit der Kernkraftwerksplanungsgesellschaft liegt. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
will in Wirklichkeit nur verhindern, daß <rs type="person" ref="#per__97339">Baumgartner</rs> jetzt als<lb/>
viertes Vorstandsmitglied bei der Donau bestellt wird. Er sieht<lb/>
darin ein großes Politikum, wonach der Kriegsgrund gegeben ist<lb/>
und dann in der Öffentlichkeit die ganze Diskussion über die<lb/>
Kernkraftwerke abgeführt wird. Er nimmt an, dass ich daran nicht<lb/>
interessiert bin und meint deshalb, ich sollte nur noch einmal<lb/>
überlegen, ob ich überhaupt den Krieg insbesondere mit dem Vor<lb break="no"/>sitzenden des Aufsichtsrates der Donau, <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>, beginnen möchte.<lb/>
Er meint, niemand hätte mit <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> gesprochen, aber auch <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs><lb/>
von der Donau sei nicht informiert und hätte nur negative Argumente<lb/>
vorzubringen. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>, dass ich mit <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> auf alle Fälle<lb/>
vor der nächsten Aufsichtsratssitzung noch sprechen werde, mich<lb/>
aber auch alle Fälle um die jetzt das erste Mal hörende negativen<lb/>
Argumenten von <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> und der ÖVP kümmern werde. Da ich bis jetzt,<lb/>
obwohl ich ein ganzes Jahr jetzt über dieses Projekt rede, Verhandlun<lb break="no"/>gen führe, noch niemals ein sachliches negatives Argument gehört<lb/>
habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_08">Ich rufe sofort <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> an, verständige ihn über dieses Gespräch und<lb/>
ersuche ihn, mit <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> zu mir zu kommen. Am späten Nachmittag<lb/>
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ihm das ganze Problem durchzudiskutieren. Zu meiner grössten Ver<lb break="no"/>wunderung, <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> ist genauso erstaunt, hat niemand mit <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> ge<lb break="no"/>sprochen. Weder die Verbundgesellschaft noch scheinbar die ÖVP-Ver<lb break="no"/>treter in der Verbund haben es für notwendig befunden, den Betroffenen<lb/>
irgendwie zu informieren, resp. zur Stellungnahme aufzufordern.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> gibt zu, dass eine Reorganisation dringendst notwendig ist.<lb/>
Er hat seinerzeit sogar vorgeschlagen, dass die Verbund folgende<lb/>
Reorganisation durchführen müsste. Neben der Leitungen-Betriebsdirek<lb break="no"/>tion dürfte eine Betriebsdirektion für Kraftwerk errichtet werden.<lb/>
Um eben zentralistisch nicht nur die Leitungen in Österreich sondern<lb/>
auch die errichteten Kraftwerke zu führen. Dann eben sollte eine<lb/>
Baugesellschaft von der Verbund gegründet werden, die alle Kraft<lb break="no"/>werksbauten durchführt. Diese Baugesellschaft wäre aber nicht als<lb/>
AG, weil dadurch nur der Vorstand unabhängig und verantwortlich ist,<lb/>
sondern als GesmbH zu konstruieren, damit ein direkter Einfluss der<lb/>
Verbund gegeben ist. So eine radikale Reorganisation hätte nicht ein<lb break="no"/>mal ich mir getraut zu verlangen. Er meint, andererseits dass es<lb/>
möglich sein wird, eine Betriebsgemeinschaft zwischen Ennskraft<lb break="no"/>werken und Donau-KW zustande zu bringen, weil es sich hier um zwei<lb/>
Aktiengesellschaften handelt und die Vorstände daher ausschliesslich<lb/>
schon allein verantwortlich sind. Sein Vorschlag, er schwächt nachher<lb/>
aber und nennt seine Idee ginge dahin, dass man überhaupt, wenn an<lb/>
eine Personalunion zwischen den beiden Vorständen herbeiführen müsste.<lb/>
Nur ein Mitglied des Vorstandes in eine andere Gesellschaft als Vor<lb break="no"/>stand zu delegieren, hat nicht sehr viel Sinn, weil dadurch keinerlei<lb/>
Garantie gegeben ist, dass tatsächlich die höhere GEselhchaft, in<lb/>
dem Fall die DoKW bestimmen kann, was in der Enns geschieht. Betriebs<lb break="no"/>vereinbarungen, wie sie jetzt die Verbundgesellschaft überlegt,<lb/>
sind reine Angelegenheiten des Vorsandes, ja nicht einmal der Auf<lb break="no"/>sichtsräte. Der Vorstand der Enns lehnt aber zumindestens der OKA-<lb/>
Vertreter, da die OKA eine wirkliche Zusammenarbeit ablehnt, sicher<lb break="no"/>lich auch ausser, dass einmal ein Schwellbetrieb, wenn ein Donau<lb break="no"/>lastverteiler geschaffen wird, gemacht werden könnte, jedwede Zusam<lb break="no"/>menarbeit ab. Ich lese dies aus dem Schreiben, das die OKA geschickt<lb/>
hat, nicht ab - doch wird es notwendig sein, jetzt auf Vorstandsebene<lb/>
endlich konkrete Besprechungen und Abschlüsse zu führen. <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs><lb/>
meint noch, er hätte ein Protokoll, wonach sie nur darum ginge,<lb/>
dass die Donau eine politische Stärkung der SPÖ durch Vorstandser<lb break="no"/>weiterung erreicht werden soll. Dieses Protokoll ist von <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs>,<lb/>
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der Pensionssicherung für <rs type="person" ref="#per__97339">Baumgartner</rs> diese Idee ventiliert worden<lb/>
sein. Da ich das Protokoll nicht kenne, gehe ich überhaupt nicht darauf<lb/>
ein und erkläre nur neuerdings, für mich ist das überhaupt keine<lb/>
reine politische Frage sondern eine Frage der zweckmässigen Organi<lb break="no"/>sationsform, wenn es politisch wäre, würde ich auf lange Sicht<lb/>
eine Lösung anstreben und nicht eine vorübergehende, da <rs type="person" ref="#per__97339">Baumgartner</rs><lb/>
in drei Jahren in Pension geht und sicherlich nicht mehr ersetzt wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs>, mit dem ich mich über die personellen Fragen unterhalte,<lb/>
er hat das Personalreferat bis jetzt und fürchtet, es an <rs type="person" ref="#per__97339">Baumgartner</rs><lb/>
zu verlieren, seiner Meinung nach gut gewirtschaftet. Die DoKW<lb/>
hat 950 Beschäftigte und die Enns 450, obwohl sie niemals die Planung<lb/>
durchgeführt hat sondern diese nach aussen vergibt. Ausserdem baut die<lb/>
Donau jetzt so rationell, dass selbst bei Altenwörth ein Strompreis<lb/>
von 20,5 Groschen pro kWh herauskommen wird, ein gigantisch billiger<lb/>
Preis. Insbesondere im Verhältnis, was uns letzten Endes die Kern<lb break="no"/>kraft kosten wird. <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> bestätigt mir auch, dass es eine Zeit ge<lb break="no"/>geben hat, wo man den Donauausbau im Hinblick auf den sogenannten<lb/>
"billigen" Atomstrom, damals sprach man von 12 – 14 Groschen, einstellen<lb/>
wollte. Er hat damals bereits darauf hingewiesen, dass dies alles<lb/>
nicht stimmt und diesbezügliche Berechnungen, was der Kernkraft<lb break="no"/>werksstrom kosten wird, angestellt. Ich ersuche ihn, mir diese Be<lb break="no"/>rechnungen zu geben, um mit <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> zu einer befriedigenden Lösung<lb/>
zu kommen, schlage ich vor, dass <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> unverzüglich<lb/>
Besprechungen aufnehmen sollen, um eine einvernehmliche Regelung<lb/>
zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-03_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Unglücklicherweise müssen wir jetzt vor den<lb/>
Wahlen die Probleme, die man vor drei oder vier Jahren hätte in An<lb break="no"/>griff nehmen sollen, lösen. Bitte versuche herauszuhören, wo es Kom<lb break="no"/>promisse geben könnte.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>nö. LH (ÖVP), AR-Vors. DoKW</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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