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            <title type="main">Dienstag, der  1. April 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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die Industriesektion ein eigenes Branchenreferat für Bergbau<lb/>
und Energie richtet. Bei der Geschäftseinteilung ist uns der<lb/>
Fehler passiert aus systematischen Gründen wurde der Industrie<lb break="no"/>sektion eine solche Möglichkeit gegeben, in der Praxis würden sich<lb/>
daraus ungeheure Schwierigkeiten und Streitigkeiten entwickeln.<lb/>
Der Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, daß die Industriesektion dafür einen<lb/>
Mann von der Energiesektion kooptiert um die Koordination sicherzu<lb break="no"/>stellen, wurde nämlich von <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> nicht angenommen. Er hat <rs type="person" ref="#per__123329">Preglau</rs><lb/>
dafür vorgeschlagen. Jetzt befürchtet <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, und dies mit Recht, daß<lb/>
er in Hinkunft große Schwierigkeiten in dieser Frage haben würde.<lb/>
Als Kompromiß hoffen wir, daß <rs type="person" ref="#per__123329">Preglau</rs>, wenn er das Baureferat be<lb break="no"/>kommt, auf die Energie und den Bergbau verzichten wird, äußerst<lb/>
vorsichtig bei Beschlüssen, insbesondere der Geschäftseinteilung<lb/>
vorgehen muß. Ist einmal eine Entscheidung gefallen, dann wird<lb/>
von jeder Seite sofort die Kompetenz beansprucht und wenn man<lb/>
etwas ändern will, mit der außerhalb des Ministeriums etablierten<lb/>
Oberkommission die letzten Endes den Streit zu begutachten hat,<lb/>
gedroht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_03">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> und <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Denn Fall, wenn notwendig, mit<lb/>
gewissem Druck bei <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> bereinigen und in Hinkunft auch dann,<lb/>
wenn systematisch die Begründung einer Abteilung oder eines Bran<lb break="no"/>chenreferates vorliegt, lieber de facto arbeiten lassen ohne de<lb break="no"/>kretmäßige Bestellung, damit man die Folgen abwägen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_04">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> hat angerufen, um, wie er sagte, am roten Telefon<lb/>
die laufenden Lohnverhandlungen für die Fettarbeiter zu bereinigen.<lb/>
Die Industrie hat sich festgelegt, und dies scheinbar auf Verlangen<lb/>
der Handelskammer, daß sie einer Erhöhung von Kollektivvertrags<lb break="no"/>löhnen mit 12.63 mehr akzeptieren kann. Für den Nachtzuschlag<lb/>
1 % für die Dienstalterszulage 0.3 %, insgesamt also unter die 13 %<lb/>
kommen müßte. Demgegenüber steht die Forderung auf 15 % für 13 Monate<lb/>
zurückliegende letzte Vertragserhöhung. Ich setze <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> aus<lb break="no"/>einander, daß es nicht sehr glücklich ist wenn erstens die Unter<lb break="no"/>nehmerdelegation nur zweite oder dritte Garnitur beinhaltet, als<lb/>
Vorsitzenden haben sie sogar nicht einmal einen Funktionär, sondern<lb/>
Herrn <rs type="person" ref="#per__130457">Riegler</rs> vom Fachverband der Nahrungs- und Genußmittelindustrie,<lb/>
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werden wenn die Löhne nicht erhöht werden, ein sehr ungünstiges<lb/>
Klima geschaffen hat. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> weist sofort diese Behauptung<lb/>
zurück und meint der Kurier hätte einen blödsinnigen Artikel<lb/>
darüber geschrieben. Er hätte mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> auch niemals eine solche<lb/>
Besprechung geführt, oder gar Vereinbarung getroffen. Der Speiseöl<lb break="no"/>preis ist in der Zwischenzeit auch schon gesenkt worden, obwohl die<lb/>
Löhne noch nicht abgeschlossen sind, weil nicht zuletzt eine Zusage<lb/>
an den Handel, als er seine perzentuelle Handelsspanne von 15 %<lb/>
auf 12.5 % infolge Steigerung der Weltmarktpreise durchführen<lb/>
mußte, seinerzeit versprochen wurde sobald eine Senkung möglich<lb/>
ist wieder seine Handelsspanne von 12.5 % auf 15 % anzuheben. Dieser<lb/>
Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Die Hauptschwierigkeit liegt bei<lb/>
Unilever bei den Lohnverhandlungen darin, daß die chemischen<lb/>
Arbeiter in der Simmeringer-Fabrik für 15 Monate mit 14.5 % Lohn<lb break="no"/>erhöhung abgeschlossen haben. Die Lohntangente spielt aber im<lb/>
durchrationalisierten Atzgersdorfer Fettbetrieb eine geringere<lb/>
Rolle als in der chemischen Industrie. Dies hat mich auch ein<lb/>
wenig überrascht. Immer glaubt man, daß auch in der chemischen<lb/>
Industrie die Lohntangente nicht bedeutend ist. Ich versprach<lb/>
ihm nur mit <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> darüber zu reden und er sollte sich mit ihm<lb/>
ins Einvernehmen setzen, damit wir ohne Streiks aus diesem<lb/>
Streit herauskommen, wovon ich übrigens überzeugt bin. Spät<lb/>
Abends rief mich dann <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> an und teilte mir mit, daß sie sich<lb/>
geeinigt haben, daß der Kollektivvertragslohn nur um 12.95 %<lb/>
erhöht werden kann und die Differenz auf die 14.7 durch Erhöhung<lb/>
der Nachtdienstzulage und der Dienstalterszulage erfolgen soll.<lb/>
Die perzentuelle Berechnung die leider notwendig ist gibt immer<lb/>
falsche Bilder. Die absoluten Schillingbeträge zeigen, daß trotz<lb/>
verhältnismäßig günstiger, <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> behauptete, daß sie 40 % über dem<lb/>
Branchendurchschnitt liegen und auch mit anderen Branchen ver<lb break="no"/>glichen, ganz günstig abschneiden, doch nur absolute Schilling<lb break="no"/>beträge rauskommen, die nur eine teilweise befriedigende Stimmung<lb/>
bei den Arbeitern ergeben werden. Obwohl der Abschluß meiner<lb/>
Meinung nach günstig ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_05">Beim Journalistenfrühstück, wo wir über Energiesparen, Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140317">Schagginger</rs> berichtete über die Industriearbeitskreisergebnisse,<lb/>
und S.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> über das Energiesicherungsgesetz berichtete, wurde<lb/>
ich auf meinen Wunsch von <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> über die Kernkraftwerksituation<lb/>
neuerlich befragt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint es wäre am zweckmäßigsten, wenn<lb/>
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da es sich hier um dasselbe heiße Eisen handelt wie bei der<lb/>
Ladenschlußfrage. Ich glaube und teile diese Meinung nicht.<lb/>
Entscheidung die ich zu treffen hatte einer Gruppe eine ganz<lb/>
schwere Kollision bekommen. In der Kernkraftwerkfrage handelt es<lb/>
sich aber nur um ein Problem das ich zeitig hinausschieben kann<lb/>
weil die Preise zu hoch sind und weil wir wo anders noch zusätz<lb break="no"/>liche Energie kaufen können, resp. in Voitsberg auf Kohlenbasis<lb/>
erzeugen können, weshalb jetzt ein Beschluß jetzt tatsächlich<lb/>
herbeigeführt werden muß. Nach dem Frühstück hat mich dann Redakteur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116965">Gnam</rs> von der Kronenzeitung angerufen, sich entschuldigt, daß von<lb/>
der Kronenzeitung niemand anwesend war, aus Versehen wie er behauptet,<lb/>
und Detailinformationen gewollt. Aus der sozialistischen Korrespon<lb break="no"/>denz meint er sei zu entnehmen gewesen, daß das Kraftwerk in Stein<lb/>
überhaupt nicht gebaut wird. Während ich klar und deutlich zum<lb/>
Ausdruck gebracht habe, daß es sich nur um ein Verschieben des<lb/>
Baubeginnes handelt, weil uns eben andere Energiequellen derzeit<lb/>
zur Verfügung stehen. Bei <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> hat auch der Reuters-Korrespondent<lb/>
angerufen und auch der Kurier um genaueres aus dem Journalistenfrüh<lb break="no"/>stück zu erfahren. Daraus ersehe ich, daß erstens für gewisse<lb/>
Probleme ein großes Interesse bei vielen Zeitungen besteht, die<lb/>
aber zweitens nicht immer kommen, weil sie nicht wissen, daß<lb/>
gerade dieses Problem beim Pressefrühstück besprochen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_06">ANMERKUNG für ALLE: Wir müssen vielmehr verbreitern und <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs><lb/>
soll dies besonders tun, daß von den Journalisten jede Frage beim<lb/>
Pressefrühstück angeschnitten werden kann.<lb/>
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Zucker aus Indien, der nach Ungarn verkauft wurde, in Hamburg zu<lb/>
erwerben. Die Ungarn wären bereit wieder entsprechende Zucker<lb break="no"/>mengen vor der nächsten Kampagne zur Verfügung zu stellen. Diesmal<lb/>
soll der Abtausch 1:2<add>[hs. unterwellt und mit Fragezeichen versehen, Anm.]</add> sein, da ich es ja der Zuckerindustrie schon<lb/>
wissen ließ, daß ich nicht bereit bin eine solche Lösung zu<lb/>
akzeptieren. <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs> will nun für die Zuckermengen die er im<lb break="no"/>portieren muß einen höheren Preis von 2.70 Schillinge pro Kilo<lb break="no"/>gramm den Ungarn zuzugestehen und der österreichische Export<lb/>
soll nur dann erfolgen, wenn mindestens 360.000 Tonnen erzeugt<lb/>
werden. Diese Menge und insbesondere die Preisrelation erscheint<lb/>
der Arbeiterkammer zu schlecht und ich habe deshalb <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs> nur<lb/>
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Die Zuckerindustrie und der Rübenbauernbund sind sich übrigens<lb/>
auch noch nicht einig, wer die Differenz auf den teureren Import<lb break="no"/>zucker bezahlen soll. Die Bauern lehnen angeblich eine Beteiligung<lb/>
daran ab. Ich bin sicher, daß sie aber nachgehen werde, da sie ja<lb/>
letzten Endes auch die Versorgungssicherung mit übernommen<lb/>
haben und aus den höheren Zuckerpreis sofort einen höheren<lb/>
Rübenpreis für die abgelaufene Kampagne verlangt haben. Angeblich<lb/>
kostet das Geschäft der Zuckerindustrie und den Rübenbauern an<lb/>
die 50 Millionen Schilling Stützungen. Im Institut habe ich mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, <rs type="person" ref="#per__114467">Wehsely</rs> und vom Gewerkschaftsbund <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> insofern eine<lb/>
Einigung erzielt, daß alle zugeben ich müßte alle Vorkehrungen<lb/>
treffen, daß jetzt bereits der Zuckerimport in irgendeiner Weise<lb/>
genehmigt wird und es zu einem Abschluß kommt, weil ansonsten<lb/>
zu einem späten Termin die Zuckerindustrie den Vorteil hat, uns<lb/>
vor den Wahlen mit der Zuckerversorgung hart zuzusetzen. Anderer<lb break="no"/>seits wird die Arbeiterkammer im Prinzip einer Ausfuhr niemals<lb/>
zustimmen, ich daher ihre Zustimmung nicht bekommen kann aber<lb/>
genauso wie im Vorjahr letzten Endes zum Anschluß an die neue<lb/>
Kampagne ein Mengengerüst erstellt werden soll, daß auch ohne<lb/>
Zustimmung der Arbeiterkammer von mir beschlossen werden kann.<lb/>
Die Arbeiterkammer, insbesondere <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> der bei der Besprechung<lb/>
nicht anwesend war, wird das Gesicht wahren wollen und daher werde<lb/>
ich hier gegen sie entscheiden müssen. Als Handelsminister und da<lb/>
ich weiß, daß im Prinzip es gar keine andere Möglichkeit gibt und<lb/>
dies die Arbeiterkammer auch weiß, schadet mir diese Entscheidung<lb/>
glaube ich gar nicht. Ganz im Gegenteil es ist ganz gut wenn ich<lb/>
nicht immer nur die Entschlüsse und Wünsche der Arbeiterkammer<lb/>
exekutiere.<lb/>
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Finanzminister mit den Banken und durch die Freigabe der ERP<lb/>
Mittel von fast 1 Milliarde, durchschnittlich 10.25 % betragen<lb/>
wird. In der Schweiz ist sie derzeit 8 3/4 bis 9 1/4, in den<lb/>
Niederlanden 9.5 bis 9 3/4 und in Deutschland ungefähr 9 %. Wir<lb/>
liegen also mit unseren Zinsen noch immer höher als in Westeuropa.<lb/>
Ausgelöst wurde diese Politik durch die fast 9.5 % effektive<lb/>
Rendite und die 0.5 bis 0.75 Kosten, die den Kreditinstituten<lb/>
erwachsen. Die Ursache sieht <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> in der seinerzeitig vorge<lb break="no"/>nommenen Bonifikation der Anleihen, als man den Eckzinsfuß von<lb/>
3.5 auf 5 % erhöhte und dadurch natürlich die neuen Anleihen mit<lb/>
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ganz entschieden gegen die Bonifikation der alten Anleihen ausge<lb break="no"/>sprochen, was auch ich eigentlich nicht ganz verstanden habe.<lb/>
Die Banken und aber besonders <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dürften aber Angst gehabt<lb/>
haben, daß dann die alten Anleihen einen riesigen Kursverlust<lb/>
erleiden, in der Bundesrepublik sind sie bis 68 % runtergegangen,<lb/>
und dadurch die neuen Anleihen kaum unterzubringen sind, weshalb<lb/>
letzten Endes auf Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>, Kontrollbank, diese Bonifi<lb break="no"/>kation auch tatsächlich beschlossen wurde. Daß in der jetzigen<lb/>
Konjunktursituation der Finanzminister aber gerade die Unterstützung<lb/>
der Banken dringend benötigt ergibt sich aus der Tatsache, daß<lb/>
die jetzt konjunkturellen notwendigen 14.7 Milliarden Schilling<lb/>
verschulden, hier mit Hilfe der Banken finanziert werden konnte.<lb/>
8 Milliarden hat er sich im Ausland geholt, 800 Millionen die<lb/>
erste Anleihe und der Rest auf die 14.7 sind Kassenstärker die<lb/>
er kurzfristig auch von den österreichischen Kreditinstituten be<lb break="no"/>kommen hat. Sein Spielraum für weitere Defizitfinanzierung mit<lb/>
ca. 2 Milliarden ist äußerst gering. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> beurteilt die<lb/>
finanzielle Lage des Staates noch schlechter als <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs> von der<lb/>
Nationalbank. Er befürchtet, daß in absehbarer Zeit der Finanz<lb break="no"/>minister eigentlich im Parlament eine weitere Difizitdeckungs<lb break="no"/>ermächtigung sich geben lassen müßte. Ich glaube aber und hoffe,<lb/>
daß es <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> gelingen wird durch Rückzahlungsarrangements mit<lb/>
den Banken und dem Kreditapparat über diese Schwierigkeit hinwegzu<lb break="no"/>kommen. Die Abhängigkeit ist hier sehr stark und gerade auch<lb/>
nicht ideal. Immerhin hatten wir in unserem Wirtschaftsprogramm<lb/>
vorgesehen die zweckmäßige Teilung des Superministeriums in<lb/>
der Himmelpfortgasse. In der Praxis stellt sich nun heraus, daß<lb/>
dies gar nicht möglich wäre, weil dadurch die Finanzierung und<lb/>
Budgeterstellung noch mehr erschwert wird als dies jetzt schon<lb/>
der Fall ist. Hätte der Finanzminister nicht gleichzeitig als<lb/>
Aufsichtsbehörde der Kreditinstitute ein gewisses Druckmittel<lb/>
auf diese Institute, wäre wahrscheinlich die autonome Politik<lb/>
dieser Institute für den Finanzminister fast unerträglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_09">Der Milchausschuß des Arbeitsbauernbundes wollte zu mir kommen<lb/>
und war sehr überrascht und erfreut, daß ich zu ihrer Sitzung<lb/>
hin eilte. Insbesondere Landtagsabgeordneter <rs type="person" ref="#per__115605">Schneider</rs> von NÖ<lb/>
beschwerte sich bitter, daß ich der einzige Minister bin der mit<lb/>
ihnen kontaktiert und der ihnen so die Möglichkeit gibt, daß sie<lb/>
wenigstens ein wenig in Erscheinung treten können. Sie hätten den<lb/>
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Elaborat über die langfristige Milchlösung zugeschickt. Bis<lb/>
jetzt hätten sie nicht einmal eine Antwort darauf bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_10">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte urgiere bei <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs> wie be<lb break="no"/>sprochen was aus diesem Elaborat wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_11">Die Arbeitsbauern sind wegen der NÖ-Landeskammerwahl sicherlich<lb/>
sehr deprimiert und haben als einzige Genugtuung, wie sie sagen,<lb/>
daß der allgemeine Bauernverband ihr stärkster Konkurrent, eine<lb/>
vernichtende Niederlage erlitten hat. Sie beschwerte sich, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, viel lieber mit dem allgemeinen Bauern<lb break="no"/>verband, ja selbst sogar mit den freiheitlichen Bauern und ins<lb break="no"/>besondere aber mit der Präsidentenkonferenz d.h. dem österr.<lb/>
Bauernbund verhandelt, als mit ihnen. Ich versprach ihnen, daß,<lb/>
wenn sie die offizielle Milchpreisforderung im Ministerium über<lb break="no"/>reichen, dann auf alle Fälle so wie auch die anderen zu einer Be<lb break="no"/>sprechung eingeladen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_12">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> verständigen, daß er mit allen<lb/>
Bauernverbänden, am zweckmäßigsten vielleicht getrennt, Bespre<lb break="no"/>chungen führen muß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_13">Die Milchpreisverhandlungen werden allerdings erst in einem<lb/>
späteren Zeitpunkt geführt werden können, da ich noch entsprechende<lb/>
Vorarbeiten zu leisten habe. Zum Unterschied vom Bauernbund der<lb/>
73 Groschen Milchpreiserhöhung verlangt wird der Arbeitsbauern<lb break="no"/>bund nur 47.35 Groschen verlangen. Auch bei der letzten Milch<lb break="no"/>preisregulierung haben sie 35 Groschen verlangt und dann 30<lb/>
Groschen bekommen. Dies ist eine seriösere Politik die allerdings<lb/>
leider nicht Früchte getragen hat. Der Sekretär des Arbeits<lb break="no"/>bauernbundes, NR a.D. <rs type="person" ref="#per__115606">Fux</rs>, erklärt, daß jetzt die Bauern sehr feind<lb break="no"/>lich der sozialistischen Partei gegenüberstehen. Während 1970<lb/>
eine Welle der Sympathie festzustellen war, sind sie jetzt auf<lb/>
die sozialistische Partei trotz der vielen Mittel die wir zur<lb/>
Verfügung stellen und der fast ununterbrochenen Preiserhöhungen<lb/>
der Agrarprodukte auf die Regierung und die Partei sehr schlecht<lb/>
zu sprechen. 1970 waren sie aufgeschlossen, jetzt sind sie ver<lb break="no"/>bittert und hassen fast die sozialistische Regierung. Dies kann<lb/>
ich mir sehr gut erklären, weil eben die Organisation des Bauern<lb break="no"/>bundes sehr stark ist, alle Erfolge wie auch die Arbeitsbauern mir<lb/>
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die Bauern eben sich nicht aufspalten lassen, sondern je härter<lb/>
es wird um so enger zusammenrücken. Nicht erfüllte Forderung,<lb/>
Schuld der Regierung, bei Erfüllung der Forderung, Erfolg des<lb/>
Bauernbundes. Dies ist das einfache Rezept das scheinbar bei den<lb/>
Bauern wirkt. Aufspaltung also nicht gelungen, der Aufwand für<lb/>
diese Bauernpolitik sehr groß, landwirtschaftlich zwar richtig,<lb/>
aber die Gesamtbelastung der Konsumenten stark und das Bauern<lb break="no"/>problem doch nicht gelöst. Dazu noch der geringe Kontakt zu den<lb/>
immerhin verläßlichen Arbeitsbauernbundfunktionären ist in Wirk<lb break="no"/>lichkeit eine traurige Bilanz unserer Agrarpolitik. Ich bin sehr<lb/>
gespannt wie die Wahlen zu den Handelskammern ausgehen werden, weil<lb/>
ich andererseits dem gegenüberstellen könnte, daß es nicht zuletzt<lb/>
durch den guten Kontakt, den ich mit dem freien Wirtschaftsverband<lb/>
halte und ständig versuche im Einvernehmen mit ihm vorzugehen,<lb/>
hier wirklich ein sehr gutes Klima habe. Wir haben wesentlich<lb/>
weniger Mittel einsetzen können um die Gewerbetreibenden zu ge<lb break="no"/>winnen und ich bin sehr gespannt ob es bei den Handelskammer<lb break="no"/>wahlen auch einen so großen Rückschlag geben wird. Ich glaube<lb/>
nicht, obwohl ich auch gleichzeitig überzeugt bin, daß das Wahl<lb break="no"/>ziel von 30 % Anteil in Wien nicht annähernd erreicht werden kann.<lb/>
Ich würde es schon als einen Erfolg betrachten wenn es gelingt<lb/>
einige Prozente mehr an Stimmen zu bekommen als dies bei den<lb/>
letzten Handelskammerwahlen der Fall war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-04-01_14">Die AEZ-Diskussion war diesmal sehr harmlos. Ich wurde fast<lb/>
überhaupt nicht attackiert, ein Diskussionsredner war typisch<lb/>
ein Aktivist von der ÖVP, ein junger Mann der seine Fragen aus<lb/>
einem Büchel herausliest, das ich allerdings nicht bemerken<lb/>
sollte. Gefreut hat mich persönlich, daß zum Schluß ein Diskussions<lb break="no"/>teilnehmer meinte, warum ich mich überhaupt nicht mehr gegen<lb/>
Angriffe z.B. in der Zucker- oder Ölfrage wehre. Ich glaube die<lb/>
Erklärung die ich ihm gab hat ihn aber auch nicht befriedigt.<lb/>
Ich sagte, daß man als Politiker Watschen einstecken muß, auch<lb/>
dann wenn man im Recht ist und nicht gleich in der Öffentlichkeit<lb/>
nur auf Kampf schalten kann, wenn dadurch eine eventuelle einver<lb break="no"/>nehmliche Lösung gefährdet würde. Die Sache und die Lösung eines<lb/>
Problems im Interesse der Bevölkerung ist wichtiger als ein per<lb break="no"/>sönlicher Erfolg oder eventueller Mißerfolg.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 1.4.1975</head>
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