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            <title type="main">Montag, der 17. März 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band25_1975-03-17</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_01">Montag, 17. März 1975<lb/>
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von den Illwerken vorschlägt, bei der nächsten Zusammenkunft<lb/>
zwischen <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> in Vorarlberg mit ihm auch mit <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> das Ill<lb break="no"/>werk-Vertragsproblem zu verhandeln. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> möchte wissen, ob<lb/>
ich damit einverstanden bin. Ich gebe nicht nur die Zustimmung<lb/>
sondern verlange von <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, dass man so schnell wie möglich die<lb/>
grössere Kelag-Beteiligung bei der ÖDK 49 % als auch die Abtretung<lb/>
von Aktien der Illwerke an das Land lösen soll. Gleichzeitig mache<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> darauf aufmerksam, dass ich in Hinkunft Jour fixe<lb/>
mit dem gesamten Vorstand der Verbundgesellschaft möchte, um den<lb/>
gesamten Vorstand bezüglich der Elektrizitätspolitik zu binden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> erste Tagesordnung dieses<lb/>
Jour fixe zusammenstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_04">Beim Jour fixe mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ist wegen seines Fusses in<lb/>
Spitalsbehandlung, teile ich ihm die Preisforderung der Landwirtschaft,<lb/>
70 Groschen bei der Milch und 50 Groschen bei Weizen mit. Da die<lb/>
Landwirtschaft – <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> – immer wieder behauptet, die Getreide<lb break="no"/>preiserhöhung koste fast nichts, nicht einmal einen Groschen bei<lb/>
der Semmel, werde ich vorschlagen, im Anhängeverfahren, wenn es<lb/>
überhaupt zu einer Preiserhöhung kommt, die Agrarpreiserhöhung am Ver<lb break="no"/>braucherpreis zuzuschlagen. Ich habe wegen der Milch auch diesbezüg<lb break="no"/>lich bereits den Obmänner des Milchwirtschaftsfonds und des Getrei<lb break="no"/>defonds bei der Messe-Eröffnung eine Andeutung gemacht. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
lehnt dies ganz entschieden ab und verlangt selbstverständlich<lb/>
eine Spannenerhöhung zumindestens in perzentuellem Ausmass wie sie<lb/>
bis jetzt gewährt wurde. Ich muss versuchen, die Forderung der<lb/>
radikaleren Agrarvertreter, <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> usw., in den Verarbeitungs<lb break="no"/>betrieben und insbesondere der Handelskammer isoliert zu verhandeln.<lb/>
Oberrat <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> habe ich ersucht, er soll jetzt die Kalkulationen<lb/>
nach unserem Schema überprüfen. Damit werden wir wieder in einen<lb/>
Schemastreit kommen, doch gewinnt man damit nicht nur Zeit sondern<lb/>
es ist überhaupt die einzige Methode glaube ich, um die 70 gr<lb/>
einigermassen begründet widerlegen zu können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_05"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat den Vertrag des Handelsministeriums mit dem Verein<lb/>
für Konsumenteninformation jetzt vorliegen und meinte, er hätte<lb/>
niemals zugestimmt, dass das Handelsministerium ordentliches Mitglied<lb/>
wird. Ich erörtere ihm, dass er dies sehr wohl tat, dass nur die<lb/>
Frage war, ob Wien allein beitreten könnte oder nicht auch die ande<lb break="no"/>ren Länder. Diese zweite Etappe wird jetzt erst im Detail verhandelt.<lb/>
Ich selbst müsste aber darauf bestehen, ordentliches Mitglied zu<lb/>
sein, damit wir die entsprechenden Geldmittel bereitstellen können.<lb/>
Ich versichere ihm neuerdings, dass ich nicht die Absicht habe, in<lb/>
die Geschäfte des VKI einzugreifen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> weiss natürlich nicht,<lb/>
wie dies einmal mit einem Nachfolger von mir funktionieren wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_06"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> beginnt auf das Problem wieder mit dem Bäckereiarbeitergesetz<lb/>
Arbeitszeitverkürzung in Linz und behauptet 35 Bäcker seien davon be<lb break="no"/>troffen. Ich wiederhole, dass es sich nur um 2 handelt und dass man<lb/>
auch in anderen Fabriken, z.B. in der Ankerbrotfabrik dieses Problem<lb/>
schon gelöst hat. Gleichzeitig informiere ich ihn, dass es Schwierigkei<lb break="no"/>ten mit Vorarlberger Brauereien gibt. Die Kollegen der Mohrenbrauerei<lb/>
haben erklärt, wenn die bis jetzt gewährte Überbezahlung jetzt redu<lb break="no"/>ziert werden soll, so müssten sie Kampfmittel bis zum Streik anwenden.<lb/>
Ich setzte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auseinander, dass wir von der Gewerkschaft der LUGA<lb/>
grössten Wert darauflegen, dass die Unternehmer mit uns die Vereinba<lb break="no"/>rungen über Löhne und Kollektivverträge treffen. Wenn sie freiwillige<lb/>
Leistungen geben, was uns gar nicht so recht ist, dann müssen sie aber<lb/>
zur Kenntnis nehmen, dass sie die nicht bei der nächsten generellen<lb/>
Regelung anrechnen können. Ich habe dies vor Jahren einmal so formu<lb break="no"/>liert, wenn die Unternehmer Weihnachtsmann spielen, dann nicht nur für<lb/>
kurze Zeit zu Weihnachten sondern eben fürs ganze Jahr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gibt<lb/>
zu, dass unsere Taktik verständlich ist, er hofft nur, dass es zu<lb/>
einer einvernehmlichen Regelung kommt. Dies wünschen auch wir.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_07">Zu dem Rohrleitungsgesetz, teilt <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mit, hätten sie nun zugestimmt<lb/>
da Gas herausgenommen wurde. Überhaupt gibt es jetzt innerhalb der ÖVP<lb/>
grosse Spannungen, weil es dieser Regierung gelingt, alle offenen<lb/>
Probleme, die früher in der ÖVP unlösbar waren, z.B. Gewerbeordnung<lb/>
und andere jetzt doch durch Kompromisslösungen zu einem positiven<lb/>
Ergebnis mit Zustimmung der Handelskammer zu bringen. Nur beim Energie<lb break="no"/>plan meint er, sei der Massnahmenkatalog sehr mager. Er kann aber<lb/>
nicht bestreiten, dass wir hier entsprechende erste Schritte getan<lb/>
haben und gerade die Fachverbände der Handelskammer erstmalig sich<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_08">Da <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nicht anwesend ist, ersuche ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, er möge mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97895">Salzbrunn</rs> und anderen Herren darüber reden, wie wir das A als Signet<lb/>
der Bundeskammer jetzt mit einer grösseren Aktion auch von der<lb/>
ÖFVW übernehmen können. Wenn schon die ÖFVW auf ihr Signet, das<lb/>
mir nie gefallen hat, verzichtet, dann sollte man dies doch nicht<lb/>
still und leise sondern mit einer grösseren Aktion dem In- und Aus<lb break="no"/>land kundtun.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> soll sich bitte mit dem Sekretariat<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ins Einvernehmen setzen und mit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> entsprechende Vor<lb break="no"/>schläge unterbreiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_10">Beim Journalistenfrühstück berichtete Prof. <rs type="person" ref="#per__97762">Musil</rs> über die Ergebnisse<lb/>
des Energiesparbeirates und wir legten das ganze Elaborat vor, was<lb/>
mir aufgefallen ist, dass bei der Wärmekraftkupplung die Müllver<lb break="no"/>brennungsanlage Spittelau hart kritisiert wurde. Zuerst hatte ich<lb/>
gar nicht angenommen, dass daran auch Wiener Vertreter teilnahmen,<lb/>
doch konnte ich mich dann aus dem Teilnehmerverzeichnis am Ende<lb/>
überzeugen, dass diese sehr wohl vertreten waren. Vor der Pressekonfe<lb break="no"/>renz als ich dies mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> besprach, hat er mir erklärt, dass eben<lb/>
der seinerzeitige dafür zuständige Senatsrat bei der Gemeinde diesen<lb/>
Konstruktionsfehler gemacht hat. Ich versuchte ganz unauffällig aus<lb/>
dieser Energiesparstudie das Problem der Kernkraftwerke und des<lb/>
angeblichen Differenzen in der Regierung in die Diskussion einzu<lb break="no"/>schmuggeln, doch ist mir nichts gelungen. Niemand von den Redakteuren<lb/>
hat sich für dieses Problem ja nicht einmal für die gesamte Energie<lb break="no"/>studie besonders interessiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_11">Bei der Erörterung der Fremdenverkehrsanalyse durch <rs type="person" ref="#per__116108">Haiden</rs>, wo wir<lb/>
ebenfalls die letzten Prognose vom Wirtschaftsforschungsinstitut,<lb/>
die eine Zusammenfassung der gesamten Analyse darstellt, den Journa<lb break="no"/>listen gaben, verschwand einer nach dem anderen. Die Erklärung war,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> das Rechenzentrum um dieselbe Zeit mit einer Presse<lb break="no"/>konferenz eröffnete. <rs type="person" ref="#per__116108">Haiden</rs> hat mir nach der Sitzung mitgeteilt,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> grosse Bedenken hat, wenn ich am 17. April in Wels bei<lb/>
dem Freien Wirtschaftsverband diese Studie präsentiere. Er meint,<lb/>
hier handelt es sich dann um ein parteipolitisches Manöver. Hier irrt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>. Was ich von ihm wollte ist, dass so schnell wie möglich auch<lb/>
<pb n="25-0344" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-03-17_0344.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die anderen Arbeitskreise ihre Unterlagen vorlegen, wir dann eine ge<lb break="no"/>meinsame Studie mit der Analyse herausgeben, allen zusenden, auch den<lb/>
Klubs der Parteien und den Interessensvertretungen und dann jede Partei<lb/>
natürlich aus dieser Studie oder in Ergänzung dieser Studie ihre<lb/>
Konsequenzen für die Fremdenverkehrspolitik zeihen kann und entsprechen<lb break="no"/>de Vorschläge machen kann, ja sogar soll. Dass ich dies für die SPÖ<lb/>
und den Freien Wirtschaftsverband bei der Fremdenverkehrsmesse in Wels<lb/>
entrieren werde, kann mir niemand vorwerfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Die Ergänzungsvorschläge müssten dann von Dir in<lb/>
Wels mit einem FW-Verbändler präsentiert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_13">Beim Mittagessen für <rs type="person" ref="#per__134057">Thorn</rs> beim Bundespräsidenten kam <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf das<lb/>
Problem mit <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und mir von Köflach und Voitsberg zu<lb/>
reden. Da ich durch Zufall bei dieser Bezirkskonferenz in Voitsberg<lb/>
anwesend war, schilderte ich ihm, wie die Genossen dort über die Lösung<lb/>
bezüglich der Kurzarbeit für 300 weitere Oberglas-Arbeiter zufrieden<lb/>
waren, weil sie mit einer Kündigung für diese Woche bereits gerechnet<lb/>
hatten. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> setzt überhaupt seine Mittel soweit wie möglich ein,<lb/>
auch dann, wenn es nicht ganz einwandfrei ist. Er hat auch wesentlich<lb/>
mehr als die vorhergehende Regierung – <rs type="person" ref="#per__117613">Rehor</rs> hat 1969 87 Mill. gehabt,<lb/>
während <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> heuer 880 Mill. zur Verfügung stehen. Mit der Reserve<lb/>
hat er 2,6 Mia. S. Allerdings in Rücklagen, teilweise nicht sofort ver<lb break="no"/>fügbar.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte vertraulich – nicht durch Akt – festzustellen,<lb/>
wieweit das Sozialministerium z.B. im Fall von Oberglas geht, um hier<lb/>
Unterstützungen zu gewähren, die vielleicht nicht hundertprozentig ge<lb break="no"/>setzlich gedeckt sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_15">Im Wiener Vorstand wurde die budgetäre Situation besprochen und fest<lb break="no"/>gestellt, dass es immerhin gelungen ist, fast 20 Mill. S die Verschuldung<lb/>
der Wiener Partei von 44 auf 28 Mill. zu verringern. Noch immer wird<lb/>
der überwiegendste Teil unserer Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge er<lb break="no"/>bracht. Dies ist auch eine Erklärung, warum die ÖVP sich so gegen die<lb/>
neue Novelle des Parteienfinanzierungsgesetzes von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wendet.<lb/>
Die Behauptung nämlich, dass sie SPÖ, vom ÖGB, von der Konsumgenossen<lb break="no"/>schaft usw. riesige Spenden bekommt, ist absolut falsch. Unsere Partei<lb/>
wird aus Mitgliedsbeiträgen und Parteisteuern der Mandatare finanziert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_16">Das 74 Mill.-Budget der Wiener Organisation ist dafür das treffendste<lb/>
Beispiel. Die Frage wurde vom Kontrollobmann <rs type="person" ref="#per__97926">Schranz</rs> nur dahingehend<lb/>
noch erweitert, ob nicht auch die von uns in die Wirtschaft entsendeten<lb/>
Fachleute Parteisteuer natürlich nur bei den höheren Einkommen, zahlen<lb/>
sollten. Die politischen Mandatare zahlen pünktlich und wahrscheinlich<lb/>
schon in der maximal zu vertretenden Höhe. In der ÖVP ist es deshalb<lb/>
schlimmer, weil selbst wenn die Mandatare dort ebenfalls Parteisteuer<lb/>
zahlen, was ich gar nicht bezweifle so sind es immer drei Bünde und<lb/>
dann noch die Zentralpartei sowie die Landespartei, die sich den Happen<lb/>
teilen müssen. Deshalb wird ebne der grösste Teil der Parteifinanzierung<lb/>
bei der ÖVP über die Spenden der Unternehmungen erbracht werden. Die<lb/>
berühmten Erlässe der Finanzminister aus der Koalitionszeit, wonach<lb/>
die Parteien steuerfrei sind, ist für die SPÖ uninteressant. Im ÖGB<lb/>
wird überhaupt nur die Vermögenssteuer nicht von den Heimen, da sie<lb/>
als karitativ bezeichnet werden, was sie auch sicherlich sind, eingehoben.<lb/>
Trotzdem glaube ich, wäre eine saubere Parteifinanzierung durch Zu<lb break="no"/>schüsse des Staates an die Träger der Parteien restlich für die ÖVP zwar<lb/>
finanziell geringer, für uns aber auf alle Fälle ergiebiger und für<lb/>
alle Parteien einwandfreier. Die Parteien sind einmal Träger des Staates<lb/>
und man soll sie transparenter machen, dies ist zumindestens die Meinung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>. Ich fürchte allerdings, dass die Bevölkerung dann noch mehr<lb/>
über die Parteien schimpfen wird, weil sie vereinzelt ein Übel darin<lb/>
sehen und die meisten vielleicht ein notwendiges Übel.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Wie kann man dieses Problem besser lösen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_18">Eine grosse Frage war die Vorbereitung des Landesparteitages und die De<lb break="no"/>legierung auch zum Bundesparteitag. Durch die geringere Anzahl der<lb/>
Mitglieder verlieren wir auch immer wieder Delegierte. Dies spielt aber<lb/>
deshalb in der Praxis kaum eine Rolle, weil es auch am Bundespartei<lb break="no"/>tag kaum zu Kampfabstimmungen kommt. Die Geschlossenheit unserer Partei<lb/>
und ganz besonders jetzt in den letzten Jahren aber auch die zentralisti<lb break="no"/>sche Führung ergibt, dass selbst bei Nominierungen von Kandidaten ein<lb break="no"/>vernehmliche Lösungen erzielt werden können. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wurde z.B. bei der<lb/>
Grazer Konferenz als Parteinotwendigkeit auf dem wählbaren Listenplatz ab<lb break="no"/>gestimmt. <rs type="person" ref="#per__97727">Fritz Marsch</rs> meint, dass dies so ungewöhnlich und vielleicht<lb/>
wo anders danebengehen könnte. Die Grazer haben nämlich <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> mit einem<lb/>
überwältigenden Votum gewählt. An der Spitze <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> mit 200 Stimmen<lb/>
von 200 Delegierten, <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> hat immer hin auch über 180 erhalten. Aller<lb break="no"/><pb n="25-0346" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-03-17_0346.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dings ist nicht so klar, ob z.B. in Oberösterreich auch die Partei<lb break="no"/>notwendigkeit <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs> und <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> mit so hohem Votum über die Bühne<lb/>
gehen würden, obwohl eigentlich natürlich Parteinotwendigkeit nicht<lb/>
unbedingt abgestimmt werden müsste. Zumindestens nach Auffassung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs>. Ich teile diese Meinung nicht, denn wenn eine Partei<lb break="no"/>notwendigkeit nicht innerhalb unserer Partei, wo man für diese<lb/>
Frage viel mehr Verständnis hat als in der ÖVP oder gar vielleicht<lb/>
in der FPÖ, dann ist es besser, man kandidiert wirklich dort nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_19">Im Wiener Ausschuss berichtete <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> über das Universitäts<lb break="no"/>organisationsgesetz. Ich musste während der Diskussion dann zur<lb/>
Ministerratsvorbesprechung und weiss nicht wie letzten Endes das<lb/>
ausgegangen ist. Sicher ist nur eines für mich, dass die Professoren<lb/>
wie auch der Studentenvertreter dort erklärte, ihre Privilegien,<lb/>
die sie jetzt in ihrer Selbstverwaltung haben, erhalten wollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> hat einige Beispiele aufgezählt, wo die administrative Arbeit<lb/>
die die Professoren angeblich so belastet von ihnen sehr geliebt wird,<lb/>
weil sie dadurch ihre Prestigebedürfnisse Einrichtungen nicht nur der<lb/>
Institute sondern auch ihrer Zimmer befriedigen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_20">Die Ministerratsvorbesprechung war kürzer, weil BRO <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
auseinandersetzte, es müssten sich die meisten noch zum Abendempfang um<lb break="no"/>ziehen gehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat insbesondere das Problem Köflach herausgear<lb break="no"/>beitet. Er meinte, wir sollten uns jeder dafür zuständige Minister<lb/>
jetzt nicht nur den Kopf zerbrechen sondern auch Aktivitäten entfal<lb break="no"/>ten. Er hob besonders hervor, dass er froh ist, dass ich dieses<lb/>
Notstandsgebiet nicht gemieden habe, sondern dass ganz im Gegenteil<lb/>
ich dorthin gefahren bin und schlug vor, dass wir am Samstag, den<lb/>
5. April – er, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und ich – dort gemeinsam auftreten<lb/>
sollten. Seine Vorstellung ist, dass jetzt sofort die Arbeiten über<lb/>
die Kohlenerschliessung des neuen Feldes in Angriff genommen wird.<lb/>
Ebenso sollte die Verbund sofort mit der konkreten Planung des<lb/>
Voitsberg III 300-MW-Blocks beginnen. Optisch wäre es wichtig,<lb/>
wenn jetzt bereits ein Teil Arbeit beginnen könnte. Für die Firma<lb/>
Strehler, d.h. Juniorwerke sollen neue Unternehmen für die Hallen<lb/>
usw. gefunden werden. Ich habe sofort festgestellt, dass die Notwendig<lb break="no"/>keit, dass schneller das Ausgleichsverfahren abgewickelt wird. Die<lb/>
Genossen dort haben mich aufmerksam gemacht, dass der Ausgleichsver<lb break="no"/>walter jetzt erklärt, er könnte 1975 nicht fertig werden, es würde<lb/>
sicherlich Ende 1976 werden. Solange wird sich niemand bereitfinden,<lb/>
<pb n="25-0347" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-03-17_0347.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in die Hallen dort neue Betriebe hineinzulegen. Bei Merino hat sich<lb/>
genau dasselbe abgespielt. Wenn der Ausgleichsverwalter eine potente<lb/>
Firma findet oder mehrere Firmen, dann versucht er, einen höheren<lb/>
Betrag für seinen Ausgleich aus der Firma<lb/>
herauszuquetschen. Dadurch kommt es zu einem monate<lb break="no"/>langen Streit und die Leidtragenden sind die Beschäftigten, weil sie<lb/>
dann gekündigt werden und die Betriebsstätte stillsteht. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> er<lb break="no"/>klärt sich ausserstande, auf die Ausgleichsverwalter einzuwirken, weil<lb/>
es sich hier um unabhängige Richter handelt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, dass wir<lb/>
zusätzliche Mittel, sie es für die Aufschliessung der Kohle, sei es<lb/>
für Betriebsgründungen usw. zur Verfügung stellen sollen und werden.<lb/>
Ich selbst weise sofort darauf hin, dass VAMAG zwar nur 40 Beschäftigte<lb/>
mit einem ERP-Kredit eventuell zusätzlich beschäftigen kann und auch<lb/>
noch eine zweite Firma Bau sich beworben hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gibt <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs> den<lb/>
Auftrag, dies sofort zu verfolgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte diese beiden ERP-Projekte im Detail mit <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs><lb/>
besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band25_1975-03-17_22">Das VÖEST-Südafrika-Projekt kommt neuerdings zur Sprache und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint,<lb/>
er ist sehr erfreut, wenn es zu einer dringlichen Anfrage kommt, damit er<lb/>
dann sehr konkret werden kann. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schildert den für mich bekannten<lb/>
Zustand, dass nämlich eine endgültige Entscheidung jetzt noch gar nicht<lb/>
fallen muss und ich mache den Vorschlag, man sollte doch wenn man das<lb/>
Projekt aus verschiedensten Gründen nicht verfolgen kann und will,<lb/>
die Taktik einschlagen, wie wir es auch beim Algerien-Gas getan haben.<lb/>
Dort war auch Österreich zuerst ausserstande, die finanziellen Beiträge<lb/>
zu erbringen, wir haben aber zugewartet, bis die Deutschen und selbst<lb/>
die Schweizer erklärten, so könnten sie das Projekt nicht finanzieren.<lb/>
Dadurch sind die anderen zuerst ausgetreten und wir haben uns dann dieser<lb/>
angeschlossen. Auch bei dem Südafrika-Projekt ist noch keinesfalls ent<lb break="no"/>schieden, ob tatsächlich Klöckner und Finsider, d.h. die Deutschen und<lb/>
die Italiener einsteigen. Luxemburg erklärt auf alle Fälle, die Hände<lb/>
davon zu lassen, Wiese <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nach einer Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__134057">Thorn</rs> mitteilte.<lb/>
Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich der ÖVP wissen lassen, wie<lb/>
ich dies auch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gegenüber getan habe, dass wenn sie daraus ein<lb/>
Politikum machen sie letzten Endes auch die wirtschaftliche Verantwortung<lb/>
die ein solches Politikum in der Öffentlichkeit auslösen wird, tragen<lb/>
müssen. Wenn jetzt Exporteure nach Südafrika sich beschweren, dass sie<lb/>
dort auf grössere Schwierigkeiten stossen werden, so hätte sich dies<lb/>
<pb n="25-0348" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band25/25_1975-03-17_0348.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die ÖVP eben vorher überlegen müssen. Niemand wollte in Wirklich<lb break="no"/>keit, dass dieses Projekt jetzt in die Öffentlichkeit gezerrt<lb/>
wird. Da überhaupt noch keine endgültige Entscheidung fallen muss.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 17.3.1975</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>nö. ÖVP-LR, Präs. LWK NÖ</occupation>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>Kabinettschef Kreisky [ident mit Reiter, C; 3.11.1971 Fredi Reiter
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