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            <title type="main">Mittwoch, der 26. Februar 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_01">Mittwoch, 26. Feber 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_02">Ein Ing. <rs type="person" ref="#per__140323">Krecta</rs>, der mich abends anrief und mir mitteilte, er<lb/>
müsse mir unbedingt ein Material geben, das von größter Bedeutung<lb/>
ist, war morgens bereits im Büro und übergab mir dann eine abge<lb break="no"/>zogene Broschüre über Umweltschutz und Gegnerschaft gegen irgend<lb break="no"/>etwas. Ich erkannte sofort, daß es sich hier um jemanden handelt,<lb/>
der nur das Bedürfnis hatte, eben dem Minister, wie er glaubt, eine<lb/>
besonders wichtige Unterlage zur Verfügung zu stellen und habe<lb/>
ihn natürlich mit aller Freundlichkeit an <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> verwiesen. Ich<lb/>
bin überzeugt, daß er selbst wirklich glaubte, und von seiner Idee<lb/>
besessen ist, durch diese Aktivität ein großes Unglück zu verhindern.<lb/>
In Wien würden wir sagen, wie <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> auch meinte, ein armer Narr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_03">Bei der Dekretüberreichung zur Pensionierung für <rs type="person" ref="#per__140324">Felicitas Hofmann</rs>,<lb/>
die sich vorzeitig pensionieren ließ, was <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> sehr begrüßt, weil<lb/>
dadurch endlich einen Posten für einen guten Juristen freibekommt,<lb/>
konnte ich dies nicht sagen. Zum Glück habe ich einmal im Parlament<lb/>
mit ihr über das Elektrizitätswirtschaftsgesetz gesprochen und<lb/>
sie dort kennengelernt, so daß ich doch einen persönlichen Anhalts<lb break="no"/>punkt für meine Abschiedsrede hatte. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat es sehr schwer in<lb/>
seiner Sektion entsprechende Mitarbeiter hochqualifizierter Art zu<lb/>
finden. Sektionsrat <rs type="person" ref="#per__114663">Fischer</rs> von der ZAE, der ebenfalls mit einem<lb/>
Orden ausgezeichnet wurde, erzählte mir, daß die Vidierungsfrage<lb/>
gut gelöst ist und auch das System funktioniert. Soweit die Preise,<lb/>
die jetzt auf Fakturen vorgelegt werden müssen, den Vorjahrespreisen<lb/>
annähernd entsprechen, geht die Vidierung vollkommen glatt und<lb/>
schneller als die Einfuhrgenehmigung die früher ausgestellt werden<lb/>
mußte. Damit könnten eigentlich die Importeure und vor allem die<lb/>
Oststaaten zufrieden sein. Trotzdem fürchte ich eine gewisse An<lb break="no"/>griffsfläche für die Oststaaten zu geben und erwarte bei den zu<lb break="no"/>künftigen Verhandlungen, daß man sich immer wieder gegen die Vi<lb break="no"/>dierung aussprechen wird. Ein typisches Beispiel ist, daß jetzt<lb/>
mir vorgelegt wurde ob aus Rumänien Socken eingeführt werden sollen,<lb/>
die denselben Preis haben als im Vorjahr. Der Fachverband möchte,<lb/>
da er mit den Exporten von Textilien nach Rumänien größte Schwierig<lb break="no"/>keiten hat, daß wir diese Importe ablehnen. Der Preis entspricht<lb/>
aber ungefähr dem Vorjahrespreis, der öst. Fachverband hat nur<lb/>
große Schwierigkeiten, Waren nach Rumänien zu exportieren, weil die<lb/>
<pb n="24-0243" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-26_0243.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Rumänen den Preisforderungen des Fachverbandes nicht entsprechen<lb/>
wollen, sie wünschen eine wesentliche Verbilligung weil nach ihrer<lb/>
Meinung die Baumwollpreise gefallen sind. Eine gleichlautende<lb/>
Forderung österreichischerseits, nämlich daß auch die Rumänen<lb/>
mit ihren Preisen runtergehen, würde der Fachverband kaum akzep<lb break="no"/>tieren, weil er darin ein Dumpingpreis sehen würde. Hier zeigt<lb/>
sich deutlich die Schwierigkeit, wenn zwei Wirtschaftssysteme in<lb/>
kritischer Preissituation beim Export und beim Import eben ganz<lb/>
andere Maßstäbe an die Preise legen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_04">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Wie kann dieses Problem befriedigter gelöst<lb/>
werden als wir es derzeit versuchen zu überbrücken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_05">Die Pumpenfabrik Vogel in Stockerau hat das Staatswappen von mir<lb/>
verliehen bekommen und der Bürgermeister und der Betriebsrat haben<lb/>
größten Wert darauf gelegt, daß ich ihren Betrieb besichtigen komme.<lb/>
Vor der Eröffnung hatte ich Gelegenheit, mit der Firmenleitung zu<lb/>
sprechen und konnte feststellen, daß dort eine, wie <rs type="person" ref="#per__140325">Vogel</rs> selbst<lb/>
sagt, noch gute wirtschaftliche Lage bestand. Obwohl die Motoren<lb/>
ganz kurzfristig bestellt werden, die Auftragslage nicht kritisch<lb/>
ist, 2 1/2 – 3 Monate Auftragseingänge vorhanden sind, habe ich das<lb/>
Gefühl, daß bei dem Umsatz von 250 Millionen und 500 Beschäftigten<lb/>
mit Wels, München und den Schweizer Betrieben etwas über 600, diese<lb/>
Pumpenproduktion nicht zuletzt durch die ungeheure Vielzahl der<lb/>
Typen äußerst schwierig ist. Beim Betriebsdurchgang war ich auch<lb/>
überrascht, daß doch so wenig Fließbandarbeit drinnen steckt. Die<lb/>
Serien sind verhältnismäßig sehr klein und die Fertigung erfolgt<lb/>
zwar maschinell aber in meinen Augen überraschend handwerklich,<lb/>
vielleicht ist dies der Grund, daß der Betrieb der 66 Jahre besteht<lb/>
20 Jahre eine vorzügliche Lehrwerkstätte führt. In der Werkshalle<lb/>
waren alle Arbeiter versammelt und auch die örtliche Prominenz<lb/>
wie die Handelskammer aber auch die Arbeiterkammer NÖ besonders<lb/>
stark vertreten. Ich vermute, daß dieser Betrieb gegen die große<lb/>
deutsche Pumpenfabrik ihnen harte Konkurrenz macht, eigentlich nur<lb/>
bestehen kann weil die individuell angefertigten Pumpen wahrschein<lb break="no"/>lich ein besseres Service haben als die Deutschen es bieten können.<lb/>
Die Geschäftsleitung beklagte sich, daß in vielen öffentlichen<lb/>
Aufträgen wo Pumpen eine Rolle spielen aber doch einen verschwindend<lb/>
kleinen Prozentsatz ausmachen, die Firma nicht einmal gefragt wird.<lb/>
Mein Anbot, man soll mir diese Fälle sagen und würde dann inter<lb break="no"/><pb n="24-0244" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-26_0244.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>venieren, wurde insofern dankend abgelehnt, als man dann ver<lb break="no"/>mutet, daß der Beamte dann in diesem Fall die Firma Vogel heran<lb break="no"/>ziehen würde aber dann in Hinkunft dann umso weniger weil er sich<lb/>
auf den Schlips getreten fühlt, die Firmen bei anderen Aus<lb break="no"/>schreibungen oder Vergaben berücksichtigen würde. Dies hat mich<lb/>
eigentlich am meisten erschüttert, doch kann ich die Befürchtungen<lb/>
der Firmenleitung verstehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_06">In der fraktionellen Sitzung des Energiebeirates, in Wirklichkeit<lb/>
eigentlich der Arbeitsgruppe der ökonomischen Versammlung der<lb/>
Energiefragen war anfangs eine ganz große Anzahl anwesend. Der<lb/>
Energieplan aber auch das Energieversorgungssicherungsgesetz<lb/>
wurde heftigst kritisiert. Der härteste Vorwurf von <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> z.B.<lb/>
war, der mich auch einigermaßen berührte, daß angeblich viele<lb/>
kritische Einwendungen, die bis jetzt dem Büro resp. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> mit<lb break="no"/>geteilt wurden, nicht berücksichtigt worden waren, dadurch ent<lb break="no"/>stand teilweise eine gespannte Situation. Wirkliche Gegensätze<lb/>
aber ergaben sich über das Energiesicherungsgesetz, hier wurden<lb/>
eine Reihe von Vorschlägen gemacht, die ich glaube, daß wir wirklich<lb/>
berücksichtigen sollten, z.B. wird auf Grund des derzeitigen Last<lb break="no"/>verteilergesetzes von <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> mit Recht erklärt, könne eine Lenkung<lb/>
gar nicht erfolgen weil die Möglichkeit des Ablesens eines Zählers<lb/>
in den Haushalten durch die Elektrizitätsversorgungsunternehmungen<lb/>
in Wien z.B. den Stadtwerken gar nicht möglich wäre. Ähnlich wie<lb/>
bei den Lebensmittelbewirtschaftungsgesetz heute, die Markenaus<lb break="no"/>gabe zwar erfolgen könne, d.h. eine Anordnung über die Rationierung<lb/>
erfolgen kann aber die Abrechnung technische gar nicht mehr möglich<lb/>
wäre, würde auch bei der Rationierung für elektrische Energie eine<lb/>
wirksame Kontrolle der Haushalte gar nicht möglich sein. In diesem<lb/>
Fall stehe ich auf dem Standpunkt, dann hat es nicht sehr viel<lb/>
Sinn in das Gesetz entsprechende Bestimmungen, ja selbst Kontroll<lb break="no"/>hinweise aufzunehmen, die von vornherein zum Scheitern verurteilt<lb/>
sind. Man verängstigt nur den Konsumenten, insbes. den Haushalt,<lb/>
gibt der ÖVP wahrscheinlich einen Wahlschlager und weiß von vorn<lb break="no"/>herein, daß nur aus Rechtsgründen eine entsprechende detailliertere<lb/>
Bestimmung ins Gesetz aufgenommen wurde. Unsere Verfassungssituation<lb/>
war ja überhaupt die Ursache warum man viele Vorschläge, die ver<lb break="no"/>nünftig wären, gar nicht durchführen kann. So versuchte ich der ÖMV<lb/>
auseinanderzusetzen, daß die Schweizer-Kapura-Lösung<add>[?]</add> bei uns schon<lb/>
<pb n="24-0245" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-26_0245.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht möglich ist. Da<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97738">Meszaros</rs> und <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> die anwesend waren, einer anderen<lb/>
Meinung waren, einigten wir uns, daß sie ihren Fachmann sofort<lb/>
ins Ministerium schicken damit endlich jetzt die rechtliche Seite<lb/>
geklärt werden kann. Selbst wenn wir die ÖMV materiell bevorzugen<lb/>
wollen, müssen wir an die internationalen Verträge EG, EFTA, GATT<lb/>
denken, die eine Trennung zwischen Import und damit Importfirmen<lb/>
Internationale Gesellschaften und der ÖMV unmöglich machen. Der<lb/>
einzig, richtige Einwand der von allen kam und den ich Rechnung<lb/>
mußte, war, daß sie noch mehr Zeit brauchen um einen Entwurf zu<lb/>
studieren, der wie ich zugeben mußte und dies war äußerst peinlich<lb/>
gar nicht der letzte Entwurf gewesen ist, den wir derzeit im Mini<lb break="no"/>sterium schon haben. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> hat nämlich auf einen Einwand von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> eindeutig zugegeben und mit einer naiven Offenheit er<lb break="no"/>klärt, daß dieses Problem schon erkannt wurde und dies in einen<lb/>
anderen Entwurf, den die Versammlung allerdings noch gar nicht be<lb break="no"/>sessen hat, berücksichtigt wird. Dadurch mußte der Eindruck ent<lb break="no"/>stehen, daß wir selbst noch gar nicht wissen, was wir wollen. Wahr<lb break="no"/>scheinlich aber trifft auch mich die Schuld, denn meine Idee war<lb/>
es ja, eine allumfassendes Energiesicherungsgesetz zu verlangen.<lb/>
Dadurch ergibt sich rechtlich ein ungeheuer schwieriges Problem,<lb/>
wie man das Rohstofflenkungsgesetz, das Treibstoffsicherungsgesetz,<lb/>
das Lastverteilergesetz und sogar noch das Krisenvorsorgegesetz-<lb/>
Entwurf wir im Parlament zwischen <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> und <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> besprochen<lb/>
wurde, in ein solches Gesetz allumfassender Art einbezieht. Die<lb/>
ÖMV und vielleicht auch viele andere wollen nur eine ganz einfache<lb/>
Bestimmung, die der Int. Energieagenturgesetz Rechnung trägt. Da<lb/>
wir mit der Ratifizierung des Vertrages auf alle Fälle auch dieses<lb/>
Durchführungsgesetz beschliessen wollen, müssen wir uns eben mit<lb/>
einer beschleunigten Begutachtung und Gesetzesausarbeitung ab<lb break="no"/>finden. Ich hoffe, daß es im Laufe der stundenlangen Verhandlungen<lb/>
geglückt ist, die Anwesenden die dann noch übrig geblieben sind,<lb/>
die meisten gingen ja dann schön langsam fort, zu überzeugen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte versuch bis Anfang nächster Woche eine<lb/>
weitestgehende Koordinierung mit den Hauptargumenten, der Einwände,<lb/>
insbes. ÖMV herbeizuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_08">Da alle Stellen unseren Energieplan positiv insofern befürwortet<lb/>
haben, als sie ihre Meinung dazu abgegeben haben, nur der Verband<lb/>
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abzugeben, habe ich unseren Genossen gesagt, sie können <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs><lb/>
und Konsorten, d.h. den ÖVP-lern im Verband mitteilen, daß wenn<lb/>
ich keine Stellungnahme bekomme, dies als einen Affront betrachten<lb/>
würde. Wenn der Verband nicht die notwendige Zeit aufbringt um<lb/>
sich monatelang jetzt mit den Energieplan beschäftigend eine end<lb break="no"/>gültige Stellungnahme abgibt, dann ermächtigte unsere Genossen<lb/>
den Leuten der ÖVP im Verband zu sagen, daß auch ich dann bei<lb/>
Wünschen des Verbandes z.B. Preisforderungen auch entsprechend<lb/>
monatelang ihre Vorschläge dann prüfen werde und zu keinem Ergebnis<lb/>
komme. Wenn selbst die Handelskammer sich zu einer Stellungnahme<lb/>
durchgerungen hat, sehe ich nicht ein, daß wir uns vom Verband<lb/>
der Elektrizitätswerke unter Druck setzen lassen sollen. Natürlich<lb/>
will <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> insbes. im Hinblick auf die Wahlen im Herbst alle Mög<lb break="no"/>lichkeiten offen lassen. Diesen taktischen Zug werde ich ihm aber<lb/>
gründlich verpatzen, keine Stellungnahme zum Energieplan, bedeutet<lb/>
für mich dann keine schnelle Erledigung von Preisanträgen. Das ist<lb/>
die einzige Sprache, die diese Leute verstehen. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> meinte<lb/>
auch, daß es jetzt gelingen wird, doch noch eine Stellungnahme<lb/>
des Verbandes zu bekommen, so daß wir am 5. März dann endgültig<lb/>
den Energieplan verabschieden können. Wenn wir, was ich möchte,<lb/>
alle Einwände so weit sie nicht grundsätzlicher Natur sind, berück<lb break="no"/>sichtigen wollen, müßte dann über den Energieplan nurmehr eine ver<lb break="no"/>hältnismäßig geringe Diskussion und Streit in der Öffentlichkeit<lb/>
abgeführt werden können. Die Hauptschwierigkeit war aber, und dies<lb/>
wir mir von allen Anfang klar, die verschiedensten Interessen von<lb/>
Elektrizität, Öl, Gas, Kohle usw. unter einem Plan überhaupt nur<lb/>
aufzählen zu können, von einer endgültigen Abstimmung und einer<lb/>
einvernehmlichen Auffassung über alle Probleme konnte natürlich und<lb/>
kann in Zukunft nicht die Rede sein. Wenn aber in der Öffentlichkeit<lb/>
der Eindruck dann entsteht, daß doch ein kleinster gemeinsamer<lb/>
Nenner gefunden wurde, <choice><choice><sic>su</sic><corr>so?</corr></choice></choice> wird man zwar kritisieren, daß der Plan<lb/>
nicht über alle Probleme eine entsprechende Auskunft gibt, wohl<lb/>
aber zumind. zugestehen, daß er immerhin eine gute Grundlage für<lb/>
weitere Pläne abgeben kann. Mehr kann man eigentlich gar nicht er<lb break="no"/>warten. Die größte Schwierigkeit ist und dies hat <rs type="person" ref="#per__97841">Teddy Prager</rs><lb/>
von der Arbeiterkammer genau aufgezeigt, daß wir unsere Prognosen<lb/>
kaum richtig erstellen können. Bis jetzt gibt es eine Korrelation<lb/>
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in Amerika zeigen aber, daß man mit den halben Energiezuwachs<lb/>
wahrscheinlich auch auskommen könnte, wenn die Wegwerfgesellschaft<lb/>
und die so energieaufwendige Produktion<add>sehr wichtig!</add> auf normale "Verhältnisse"<lb/>
umgestellt wird. Gerade die gigantischen Investitionen für die<lb/>
Energieversorgung und den Energiezuwachs haben ja wesentlich mit<lb/>
dazu beigetragen, daß es zu so einer so starken Bruttonational<lb break="no"/>produktzuwachs gekommen ist. Nun wird bezweifelt, ob diese Auf<lb break="no"/>wendungen überhaupt zweckmäßig gewesen sind. Da wir dieses Problem<lb/>
kaum in diesem großen Forum lösen konnten, habe ich darauf ver<lb break="no"/>wiesen, daß man bei der morgigen Prognose-Sitzung für den nächsten<lb/>
Plan bereits diese Überlegungen anstellen könne. Ob das Wirt<lb break="no"/>schaftsforschungsinstitut dann von ihren vorgefaßten Modellen<lb/>
abgeht wird ja die Überzeugungskraft der Arbeiterkammer beweisen<lb/>
können, resp. die Zukunft lehren. Ich bitte auf alle Fälle, diese<lb/>
Gedankengänge näher untersuchen zu lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_09">Bei der Jahresversammlung in meiner Sektion, wo ich wohne, konnte<lb/>
ich und wollte ich gar nicht einen so allverständlichen Vortrag<lb/>
halten, der ausschließlich mit Wiener Schmäh gewürzt ist, nicht<lb/>
zuletzt deshalb, weil auch <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs> und andere ehemalige Kollegen<lb/>
von mir, die Wirtschaftsprobleme genau kennen, anwesend waren. Da<lb break="no"/>durch entstand, und diesen Gegensatz habe ich deutlich gefühlt,<lb/>
zwischen Leuten die von mir eine wirkliche Aussage erwarten, und<lb/>
den vielen alten Genossinnen, die mich sonst in Erinnerung haben,<lb/>
wie lieb ich rede, ein deutlich sichtbarer Gegensatz. Ein solches<lb/>
Dilemma läßt sich eben kaum vermeiden. Entweder ordentliche In<lb break="no"/>formationen und Problem aufzeigen und vielleicht auch Lösungsvor<lb break="no"/>schläge oder gemütliches Plaudern. Hier den Mittelweg zu finden<lb/>
ist wahrlich nicht leicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_10">Der OPEC-Empfang im Intercontinental war keinesfalls nur auf<lb/>
wenige Prominenz beschränkt obwohl auch Kardinal <rs type="person" ref="#per__109820">König</rs>, der Außen<lb break="no"/>minister und viele höhere Beamte geladen waren, sondern auch eine<lb/>
große Anzahl von Firmen. Ich begrüßte die mir bekannten anwesenden<lb/>
Minister, fragte sie, ob ich für die irgend etwas tun könne, was<lb/>
Gott sei Dank, muß ich hier gestehen, abgelehnt wurde. Alle sind<lb/>
unter einem furchtbaren Zeitdruck, die OPEC-Tagung mußte auf den<lb/>
nächsten Tag unterbrochen werden, die Verhandlungen dürften sehr<lb/>
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Fragen vorschlug. Ich bot insbes. dem irakischen Ölminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> an, er solle beim nächsten Aufenthalt in Wien einige<lb/>
Tage anschließen, damit ich ihm für die Gastfreundschaft<lb/>
in Bagdad Revanche geben könne. Insbes. lud ich natürlich seine<lb/>
Frau ein. Ich bin allerdings überzeugt, daß diese kaum kommen<lb/>
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Suche für ein neues Quartier angeboten, insbes. verwies ich darauf,<lb/>
daß die Gemeinde Wien doch bereit sei, das Palais von der Bundes<lb break="no"/>polizei zur Verfügung zu stellen. <rs type="person" ref="#per__140330">Feyide</rs> erwiderte, daß er dieses<lb/>
Problem noch nicht mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> diskutiert habe und zeigte nicht<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_11">Beim anschließenden Heurigen, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat die Journalisten und<lb/>
Techniker des Zweiten Deutschen Fernsehens, die Mieze-Press<add>[?]</add> mit<lb/>
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Palais einer Bundesbehörde zur Verfügung gestellt wird. Er schlug<lb/>
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mir einmal erwähnte, eine verhältnismäßig geringes Budget hat<lb/>
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zu bezeichnen sind. Beim Heurigen kam ich auch neben <rs type="person" ref="#per__140196">Dunner</rs> vom<lb/>
Kurier zu sitzen, der mich sofort fragte, ob der Streit in der<lb/>
Regierung zwischen Kompetenzfrage, Zuständigkeit für Steyr-Daimler-<lb/>
Puch, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> oder ich, ausgetragen und beigelegt sei. Er war<lb/>
sehr verwundert, zu erfahren, daß ich einen solchen Streit gar<lb/>
nicht festgestellt habe weil ich glaube, daß dieses Politikum<lb/>
der Steyr-Werke sehr wohl von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über die Creditanstalt<lb/>
aufgezeigt würde. Ich beschwerte mich nur <rs type="person" ref="#per__140196">Dunner</rs> gegenüber, daß<lb/>
Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97854">Rabus</rs> in der Vergangenheit, sei es wegen der Fabrik in<lb/>
Saloniki, sei es wegen der Zollschutzmaßnahmen auf dem Kugellager<lb break="no"/>sektor, immer wieder den Weg in das Handelsministerium und auch<lb/>
zu mir gefunden hat, jetzt aber in dieser wichtigen Frage über<lb break="no"/>haupt nicht bereit war mit uns Kontakt aufzunehmen. Daß <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
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verständlich. <rs type="person" ref="#per__140196">Dunner</rs> hat sicherlich einen Versuchsballon bei mir<lb/>
gestartet um gegebenenfalls dann in dieselbe Kerbe zu schlagen,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-26_12">Selbst wenn sie sachlich recht haben und hätten, würde<lb/>
ich niemals einen solchen Streit beginnen, weil er letzten<lb/>
Endes der Regierung nur schadet und sicherlich dem einheit<lb break="no"/>lichen Auftreten, das wir bis jetzt nach außen hin doch<lb/>
dokumentiert haben, sehr schaden würde. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat außer<lb/>
mich noch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> eingeladen, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> kam bißchen<lb/>
später, blieb dann umso länger, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erschien allerdings<lb/>
von Kärnten kommend auch kurz. Wie lange der Heurige gedauert<lb/>
hat weiß ich nicht, ich ging auf alle Fälle knapp vor 12 Uhr<lb/>
obwohl ich bei solchen Gelegenheiten auch bei Wasserkonsum<lb/>
die Stimmung nicht verderben will, daher alle Heurigenlieder<lb/>
womöglich mitsinge, finde ich diese Art der Unterhaltung und<lb/>
der Gästebetreuung, die bei den Deutschen sehr gut angekommen<lb/>
sind, als wirklich einen harten Job.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 26.2.1975</head>
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               <persName type="label">Kreutler, Horst</persName>
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