<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19750220.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19750219.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19750221.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Donnerstag, der 20. Februar 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Matthias Trinkaus</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band24_1975-02-20</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1975-02-20">Donnerstag, 20. Februar 1975</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2018-11-08">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="24-0213" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-20_0213.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_01">Donnerstag, 20. Feber 1975<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_02">Im Klub hat mich <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> ersucht, ich soll den Klub<lb/>
über die Zuckersituation informieren. Da wir nachmittags mit<lb/>
einer Debatte über das Außenhandelsverkehrsgesetz rechneten,<lb/>
wäre bei dieser Gelegenheit das Zuckerproblem neuerdings zur<lb/>
Sprache gekommen. Ich verwies ganz besonders darauf, daß noch<lb/>
keinesfalls 100 %-ig das Problem gelöst ist. Es ist immerhin<lb/>
möglich, daß im Herbst, womöglich knapp vor den Wahlen, neuer<lb break="no"/>dings eine Zuckerkrise durch Lager und hamstern entstehen kann.<lb/>
Wenn gewisse Zeitungen eine Verknappungssituation schildern. Als<lb/>
es voriges Jahr im Herbst wirklich eine Zuckerknappheit vorhanden<lb/>
war, die Fabriken hatten damals alles restlos ausgeliefert, haben<lb/>
die Zeitungen sich ruhig verhalten und wir sind über diese<lb/>
schwierige Klippe hinweggekommen, ob dies auch dieses Herbst der<lb/>
Fall sein wird, getraue ich mir nicht zu prognostizieren. Ein<lb/>
interessantes Detail war, daß einige Genossen mir berichteten,<lb/>
es werden jetzt in den Bundesländern von Lebensmittelklein<lb break="no"/>händlergeschäfte Zucker aus 50 kg Säcken in normale Sackerln vom<lb/>
Händler abgepackt, daraus schließen sie, daß diese die 50-kg-Säcke<lb/>
bis jetzt gehamstert haben und jetzt schauen müssen, daß sie den<lb/>
Zucker wegbringen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_03">Kaplan <rs type="person" ref="#per__140362">Pöschl</rs> aus dem Burgenland, den ich schon in der Arbeiter<lb break="no"/>kammer seiner Aktivität entsprechend unterstützt, auch jetzt bei<lb/>
einer neuen Wohngemeinschaft für Mädchen unterstützt habe, möchte<lb/>
unbedingt, daß ich bei der feierlichen Eröffnung durch seinen<lb/>
Bischof anwesend bin. Er würde sich sogar die Zeit nach meinen<lb/>
Terminkalender richten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_04">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Unbedingt einbauen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_05">Ing. <rs type="person" ref="#per__140360">Fornsprung</rs> und <rs type="person" ref="#per__140361">Knöt</rs>, Leiter eines technischen Büros für<lb/>
Elektroplanung, wollten von mir, nachdem sie Dr. <rs type="person" ref="#per__113036">Mayer</rs> von der<lb/>
Handelskammer, ein Freund von Ihnen, zu mir avisiert hatte, eine<lb/>
Zusage, daß ich ihnen das Staatswappen verleihe. Ich erklärte<lb/>
sofort, daß ich gar nichts dagegen einzuwenden habe, wenn die<lb/>
Arbeiterkammer und insbes. die Handelskammer dem zustimmt.<lb/>
Widerstand wird auf alle Fälle die Ing.Kammer, Architekten,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97761">Müller-Hartburg</rs> leisten. Diese werden aber von uns glaube ich,<lb/>
nicht gefragt. Dr. <rs type="person" ref="#per__113036">Mayer</rs>, ein guter Freund dieser Vorsprechenden,<lb/>
wird sich bemühen, in der Handelskammer die Schwierigkeiten zu<lb/>
beseitigen.<lb/>
</p>
            <pb n="24-0214" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-20_0214.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_06">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>: Bitte kläre, ob schon einmal für<lb/>
ein solches Dienstleistungsgewerbe, es ist handelskammer<lb break="no"/>pflichtig, ein solches Staatswappen verliehen wurde.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_07">Die Arbeitsgruppe Preise der Ökonomischen Konferenz unter<lb/>
Vorsitz von <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> verlangte von mir einen Bericht über die<lb/>
bisherige Tätigkeit und die zukünftige Arbeit. Insbes. ergab<lb/>
sich eine Diskussion dann, wie wir einigermaßen erfolgreiche<lb/>
3b-Fälle finden könnten. Die beste Lösung wäre, wenn vereinzelte<lb/>
Betriebe auch dann wenn sie nicht attraktive Produkte erzeugen<lb/>
sich nicht an Beschlüsse der Paritätischen Kommission halten,<lb/>
mir mitgeteilt werden. Ein Fall soll bei Baustoffe vorliegen<lb/>
wo anstelle der 4 % zwar nicht genehmigten aber beabsichtigten<lb/>
Erhöhung der Paritätischen Kommission eine 47 %-ige tatsächliche<lb/>
Erhöhung dann durchgeführt wurde. Momentan waren nur alle Teil<lb break="no"/>nehmer davon überzeugt, daß ich alles daransetzen müßte, um<lb/>
recht viele Paragraph-3b-Fälle durchzuführen. <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> vom<lb/>
Handelsministerium wies mit Recht darauf hin, daß ein einwand<lb break="no"/>freies Verfahren durchgeführt werden muß, er zweifelt, ob so etwas<lb/>
überhaupt möglich ist weil wir mit Sicherheit damit rechnen<lb/>
müssen, daß der Bescheid dann vom Verwaltungsgerichtshof auf<lb break="no"/>gehoben wird. In einem solchen Fall würde dann das Unternehmen<lb/>
sofort den Verdienstentgang nämlich von mir festgesetzten volks<lb break="no"/>wirtschaftlich gerechtfertigten Preis gegenüber den von den<lb/>
Unternehmern betriebswirtschaftlich gerechtfertigt geforderten<lb/>
Preis als Amtshaftung eingeklagt werden. Wenn ich also nicht<lb/>
einen einigermaßen wirklich krassen Fall behandle, bin ich<lb/>
überzeugt davon, würde die Bürokratie, selbst <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> oder <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs><lb/>
oder <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> größte Bedenken haben, um nicht zu sagen, sich da<lb break="no"/>gegen verwahren, ein solches Verfahren überhaupt abzuwickeln.<lb/>
Einig waren wir nur, daß wenn es zu einer Bierpreiserhöhung in<lb/>
der Paritätischen Kommission kommt und die Gast- u. Schankgewerbe<lb/>
dann sicherlich in den einzelnen Städten und Ländern wesentlich<lb/>
höhere Preise verrechnen als die Par. Kommission empfiehlt,<lb/>
daß dann sofort die Landeshauptleute von mir delegiert werden<lb/>
sollen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_08"><rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hätten große Bedenken, wenn ich jetzt<lb/>
in der Bürges verlange, daß auch die normalen Fälle, die in der<lb/>
letzten Zeit von dem Geschäftsführer der Bürges angenommen werden,<lb/>
<pb n="24-0215" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-20_0215.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Genehmigung freigebe, resp. diese Freigabe verlange. Sie<lb/>
meinen, daß damit ein gefährliches Präjudiz entsteht, dann<lb/>
viele andere Betriebe auch kommen werden, die bis jetzt als<lb/>
Normalfälle abgelehnt wurden und damit ein Loch aufgerissen<lb/>
wird, daß kaum mehr geschlossen werden kann. Ich habe deshalb<lb/>
sofort meinen Vorschlag, man soll doch die 15 jetzt vorliegenden<lb/>
Normalfälle, die im Feber eingereicht wurden, ebenfalls in der<lb/>
Bürges positiv erledigen, zurückgestellt. Ich bin wirklich nicht<lb/>
daran interessiert, hier eine Schleuse zu öffnen, von deren<lb/>
Ergebnis wir noch nicht wissen, welchen Effekt es dann haben<lb/>
würde. <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> hat vorgeschlagen, wir sollten dieses Problem<lb/>
erst im Oktober zur Sprache bringen, resp. dann eventuell solche<lb/>
Normalfälle behandeln, wenn wir tatsächlich sehen, daß wir einen<lb/>
Überschuß in der Bürges Gewerbestrukturverbesserungsgesetz zu<lb/>
verzeichnen hätten. Ich war mit dieser Vorgangsweise einverstanden<lb/>
obwohl ich nicht so pessimistisch bin wie die Beiden. Ich kann<lb/>
mir nicht vorstellen, daß wenn man jetzt im Feber 15 Ansuchen<lb/>
gehabt hat und diese erledigt, daß sich daraus sofort ein solches<lb/>
gefährliches Präjudiz ergibt, daß wir nie mehr wieder diese<lb/>
Normalfälle abwehren könnten und wieder zu den Schwerpunktfällen<lb/>
allein zurückkehren könnten. Ich gebe aber zu, daß ich vielleicht<lb/>
für die Leute des Beirates dann eine schwierigere Situation<lb/>
ergibt als dies jetzt der Fall ist. Jetzt ist alles auf Schwer<lb break="no"/>punktfälle eingestellt, wahrscheinlich auch die Banken bei der<lb/>
Einreichung immer wieder versuchen, aus jeden Normalfall einen<lb/>
Schwerpunktfall zu machen und damit eigentlich auch in den<lb/>
vergangenen Jahren die ganzen Mitteln für diese Schwerpunktfälle<lb/>
aufgebraucht wurden. Im letzten Jahr mußten wir sogar vorerst<lb/>
noch die notwendigen Mittel für die WIFIs abzweigen. Der normale<lb/>
Vorgang müßte ja sein, daß nur dann wenn alle Fälle aufgearbeitet<lb/>
sind, wir Mittel, die übriggeblieben sind, den WIFIs zur Ver<lb break="no"/>fügung dürften.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_09">Während der Sitzung kam der OÖ Abg. und Betriebsratsobmann<lb/>
der DDSG <rs type="person" ref="#per__114140">Otto Libal</rs> (vielleicht weil ich mich über ihn so ärgere,<lb/>
vergesse ich seinen Namen) und fragte, ob wir nicht bei der<lb/>
Außenhandelsgesetznovelle auf eine Debatte verzichten können.<lb/>
Er hätte mit der ÖVP schon gesprochen, daß diese, und auch die<lb/>
FPÖ ihre Redner zurückziehen. Ich erklärte ihm sofort, dies könne<lb/>
nur <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> entscheiden, weil er sich darauf hat und weil ich<lb/>
glaube, daß es sehr zweckmäßig ist, wenn wir das ganze Problem<lb/>
<pb n="24-0216" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-20_0216.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der Zuckerversorgung neuerdings zur Sprache bringen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hatte einiges Material, das wirklich in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit gut ankommt. Voraussetzung, daß wir auf unsere Debatte<lb/>
beim Außenhandelsgesetz verzichten, müßte übrigens sein, daß<lb/>
auch über den Sicherheitsbericht wo schon 5 Stunden fast ver<lb break="no"/>handelt wurde, entsprechend gekürzt wird und vor allem auch<lb/>
dann keine anderen Wortmeldungen mehr erfolgen. Zu meiner großen<lb/>
Verwunderung hat mir dann <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> erzählt, daß man ihm genau das<lb/>
Gegenteil erzählte, nämlich, daß er doch darauf verzichten soll,<lb/>
ich sei damit auf alle Fälle einverstanden und überall wird<lb/>
jetzt gekürzt. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat genau dieselbe richtige Einstellung<lb/>
wie auch ich als ich noch als Debattenredner eingesetzt wurde,<lb/>
wenn man von mir verlangt, ich soll nicht reden, so habe ich<lb/>
diesen Wunsch immer sofort Rechnung getragen, auch dann, wenn<lb/>
ich nicht überzeugt war, daß dies gut ist. <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs>, der<lb/>
dann von diesem Plan erfuhr, hat sich sehr geärgert, auch sofort<lb/>
dagegen protestiert und meinte, wir sollten die Debatte abwickeln.<lb/>
Leider hatte schon <rs type="person" ref="#per__115155">Skritek</rs>, der Ordner mit der ÖVP fix vereinbart,<lb/>
und natürlich unterblieb dann eine Debatte, zu dieser glaube ich,<lb/>
doch bedeutenden Änderung des Außenhandelsgesetzes. Hier hätten<lb/>
wir darauf hinweisen können, wie die ÖVP hier demagogisch vorgeht.<lb/>
Auf der einen Seite erklärt sie jetzt den Rübenbauern das die<lb/>
Vereinbarung, die sie selbst zugestimmt hat ein Diktat war mit<lb/>
einer Brutalität erzwungen wie noch nie und schürt gleichzeitig<lb/>
auch die Aversion gegen die größere Anbaufläche. Landtagsabg.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115602">Peck</rs>, der Bürgermeister von Andau, ist extra raufgekommen, um mir<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> darüber zu berichten, daß die burgenländischen Rüben<lb break="no"/>bauernorganisationen ihre Mitglieder sogar schriftlich auffordern,<lb/>
bei der Kontrahierung vorsichtig zu sein. <rs type="person" ref="#per__115602">Peck</rs> berichtete uns,<lb/>
daß innerhalb der Bauernschaft eine große Unzufriedenheit gegen<lb/>
die Führer dieses Bauernbundes existiert. Sie sind der Meinung<lb/>
und das stimmt sogar, das hätte die Bauernschaft mit der Regierung<lb/>
über den Rübenpreis als erste Phase allein verhandelt, dann wäre<lb/>
ein höherer Rübenpreis zustande gekommen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__115602">Peck</rs> aber nicht<lb/>
im Unklaren gelassen, daß dies niemals die 10 Groschen gewesen<lb/>
wären, die Präs. <rs type="person" ref="#per__131684">Mang</rs> offiziell verlangt hat. Richtig ist aber,<lb/>
daß mehr als die 5.3 Groschen, die auf Grund der 90 Groschen<lb/>
Rübenpreiserhöhung die Zuckerindustrie den Bauern gibt, gewesen<lb/>
wären. <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> hat mir dann, als ich auf der Regierungsbank saß<lb/>
<pb n="24-0217" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-20_0217.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und keine Wortmeldung natürlich erfolgte, zugeflüstert,<lb/>
er habe gehört, daß ich mich über diese Vorgangsweise sehr<lb/>
geärgert habe. Richtig ist, daß ich natürlich nach außen<lb/>
nichts zu erkennen gab, die ÖVP scheinbar über unsere interne<lb/>
Diskussion genau informiert war und ich mir in Hinkunft wirklich<lb/>
überlegen muß, ob wir immer so großzügig sowohl <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> als auch<lb/>
ich in dieser Frage sein soll. Es gibt Materien von anderen<lb/>
Ministern die größten Wert darauf legen, daß unbedingt dazu im<lb/>
Haus gesprochen wird. Dies galt dann auch für die nachfolgende<lb/>
Frage der Hochschulwahlen wo über eine ganz unbedeutende Frage,<lb/>
nämlich Briefwahl für Hochschüler selbstverständlich debattiert<lb/>
wurde.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_10">Beim Abschiedsessen des jap. Botschafters hat mich der sowjetische<lb/>
Geschäftsträger angesprochen und gemeint, man sollte doch endlich<lb/>
über das Projekt 1 Milliarde kWh Strombezug aus der Sowjetunion,<lb/>
und ganz besonders Errichtung eines Röhrenwerkes in Linz, eine<lb/>
prinzipielle Entscheidung treffen. Ich habe ihm freimütig sofort<lb/>
erklärt, daß ich mit der Entscheidung der Verbundgesellschaft<lb/>
das Ganze bis Ende März hinauszuschieben um technische Probleme<lb/>
zu lösen nicht einverstanden bin. Ich werde darauf drängen, daß<lb/>
er früher einen entsprechenden Bescheid bekommt. Was das Röhren<lb break="no"/>werk betrifft, werde ich diesbezügliche Verhandlungen mit GD<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> aufnehmen. Hier sind aber noch einige Fragen, insbes.<lb/>
die Lizenzfrage und das internationale Röhrenkartell doch ent<lb break="no"/>sprechend zu beachten. Der Geschäftsträger teilte mir mit, er<lb/>
hätte dieses Problem mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch besprochen und er hätte<lb/>
ihm zugesagt, in der nächsten Regierungssitzung darüber zu<lb/>
diskutieren.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_11">Die Aufführung von Lohengrin und insbes. die Unmutsäußerung,<lb/>
waren, soweit ich anwesend war, für mich erschütternd. Die Auf<lb break="no"/>führung ist ganz gut, Lohengrin ein bißchen schwacher Sänger,<lb/>
aber das Verhalten eines Teiles des Publikums ein Skandal. Nicht<lb/>
daß ich mich gegen Unmutsäußerungen negativ ausspreche aber wie<lb/>
das hier gelenkt wird, geht wirklich auf keine Kuhhaut, alles<lb/>
war darauf eingestellt, nur <rs type="person" ref="#per__140364">Christa Ludwig</rs>, die sicherlich sehr<lb/>
gut sang, entsprechend herauszustreichen. Einmal wurde mitten<lb/>
in die Aufführung hinein applaudiert, nur um dies zu dokumentieren.<lb/>
Andererseits wurde, als beim lang dauernden Brautlied Licht geführt<lb/>
<pb n="24-0218" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-20_0218.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Der Regisseur versuchte und dies glaube ich ganz konsequent<lb/>
und mit Recht die Vorbereitung zum Brautbett durch Herrichten<lb/>
desselben zu überbrücken und dadurch Bewegung in die Szene<lb/>
brachte von einem Teil des Stehparterres gelacht, man wollte<lb/>
damit ganz bewußt zum Ausdruck bringen, daß die Regie abge<lb break="no"/>lehnt wurde, andererseits wieder war beim Dirigenten, mir<lb/>
nicht ganz erklärlicher, Riesenapplaus ebenfalls wieder vom<lb/>
Stehparterre mit Hochrufen usw. begleitet. Der Cliquenkampf<lb/>
nimmt ganz phantastische Formen an. Nicht zu Unrecht sagt<lb/>
glaube ich der Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__140151">Gamsjäger</rs> mir einmal, der entsprechende<lb/>
Beträge im Gasthaus Azur bezahlen kann, mit entsprechenden<lb/>
Beifall rechnen kann. Das Ganze dürfte also tatsächlich eine<lb/>
Gruppe jetzt organisieren, die immer mehr nach Gesichtspunkten<lb/>
urteilt, die mir vollkommen unerklärlich sind. Gott sei Dank bin<lb/>
ich für diese Zustände weder verantwortlich, noch habe ich sie<lb/>
mehr oder minder zu ändern. Für mich wirken sie nur schön lang<lb break="no"/>sam wirklich auch peinlich.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-02-20_12"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="24_0212_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-02-20_0212-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 20.2.1975</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__112051">
               <persName type="label">Singer, Hans</persName>
               <persName><surname>Singer</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97377">
               <persName type="label">Bukowski, Dietrich</persName>
               <persName><surname>Bukowski</surname><forename>Dietrich</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher, Botschafter in Sofia/Straßburg</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97469">
               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Gehart</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97444">
               <persName type="label">Fischer, Heinz</persName>
               <persName><surname>Fischer</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-Klubsekr./-obmann</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97892">
               <persName type="label">Sallaberger, Günther</persName>
               <persName><surname>Sallaberger</surname><forename>Günther</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__115155">
               <persName type="label">Skritek, Otto</persName>
               <persName><surname>Skritek</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-NR-Abg., Sekr. GPA</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97584">
               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113036">
               <persName type="label">Maier, A</persName>
               <persName><surname>Maier</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>HK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98072">
               <persName type="label">Wiesinger, Anna</persName>
               <persName><surname>Wiesinger</surname><forename>Anna</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97644">
               <persName type="label">Koller, Herbert</persName>
               <persName><surname>Koller</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>GD VÖEST</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98066">
               <persName type="label">Weisz, Robert</persName>
               <persName><surname>Weisz</surname><forename>Robert</forename></persName>
               <occupation>FSG-Vors., SPÖ-Klubobmann, Volksanwalt</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114140">
               <persName type="label">Libal, Otto</persName>
               <persName><surname>Libal</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97676">
               <persName type="label">Lachs, Thomas</persName>
               <persName><surname>Lachs</surname><forename>Thomas</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__111737">
               <persName type="label">Marsch, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Marsch</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98091">
               <persName type="label">Withalm, Hermann</persName>
               <persName><surname>Withalm</surname><forename>Hermann</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118634100</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97761">
               <persName type="label">Müller-Hartburg, Herbert</persName>
               <persName><surname>Müller-Hartburg</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>Präs. Bundes-Ingenieurkammer</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__115602">
               <persName type="label">Peck, Josef</persName>
               <persName><surname>Peck</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Bgm. Andau, Bgld.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__131684">
               <persName type="label">Mang, B</persName>
               <persName><surname>Mang</surname><forename>B</forename></persName>
               <occupation>Präs. Vereinigung öst. Rübenbauernorganisationen</occupation>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>