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            <title type="main">Mittwoch, der 22. Jänner 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_02">Im Parlamentsklub ersuchte mich <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs>, über die Zuckersi<lb break="no"/>tuation einen Bericht zu geben. Da ich nur 10 Minuten zur Verfügung<lb/>
hatte und glaubte, unsere Genossen genau informieren zu müssen,<lb/>
bin ich wieder in meine alte Methode verfallen, ganz schnell und<lb/>
wahrscheinlich für viele unverständlich zu reden. Nachher kam <rs type="person" ref="#per__97879">Otto Rösch</rs><lb/>
zu mir, bat mich händeringend in der Haussitzung dasselbe zu<lb/>
tun, was ich ihm feierlichst versprach. Auch <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat eine einzige<lb/>
Sorge, wie diese einzige und erstmalige dringlich Anfrage propagandi<lb break="no"/>stisch und optisch am besten behandelt werden kann. Normalerweise<lb/>
werden die Antworten vom Minister verlesen. Dies ist etwas, was ich<lb/>
beim besten Willen nicht zusammenbringe. Ich erinnere mich noch<lb/>
mit Schaudern, wie ich seinerzeit auf Wunsch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> beim Beschluss<lb/>
des Nationalrates über die EG-Verträge, nachdem er entsprechende Er<lb break="no"/>klärungen verlesen hatte und dann auch der Aussenminister <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
dies ebenfalls tat, ich auch eine solche Epistel zur Vorlesung brach<lb break="no"/>te. Dies war das farbloseste, was ich jemals in meinem Leben getan<lb/>
habe. Nachdem wir unseren Diskussionsrednern alles Material was wir<lb/>
hatten, zur Verfügung gestellt hatten und nachdem sich mehr oder<lb/>
minder alle klar waren, wie wir diese dringliche Anfrage aufbauen<lb/>
sollten, habe ich noch einmal mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> systematisch die<lb/>
Fragen überlegt. Ein Problem war für uns unlösbar: Wichtig ist<lb/>
und das hat <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs> mir immer wieder versucht einzubleuen, dass ein Junk<lb break="no"/>tim zwischen der Verknappung und der gewünschten Preiserhöhung besteht.<lb/>
Richtig ist, dass sogar der Stern von einer Erpressung geschrieben<lb/>
hat. Genauso richtig aber ist, dass ich als Minister wahrschein<lb break="no"/>lich in kürzester Zeit dieser Erpressung weder nachgeben müssen. die<lb/>
wirkliche Lösung der Zuckerhamsterei liegt nur darin, den Preis zu<lb/>
erhöhen, damit die Bevölkerung dann kein Interesse mehr hat, mehr<lb/>
Zucker zu kaufen als sie wirklich braucht, ja wahrscheinlich unmittel<lb break="no"/>bar nach der Preiserhöhung überhaupt keinen Zucker zu kaufen sondern<lb/>
von ihren Vorräten zu leben, Da ich also wusste, dass ich eine solche<lb/>
Politik machen muss, konnte ich mich beim besten Willen nicht nur<lb/>
um einen kurzfristigen Erfolg zu haben, gegen die Preiserhöhung aus<lb break="no"/>sprechen. Ich kann ruhig sagen, dass ich mich sehr gut und inten<lb break="no"/>siv vorbereitet habe, trotzdem aber ein schlechtes Gefühl hatte.<lb/>
Auf alle Fälle war es glaube ich ein Novum in dem Parlament, dass<lb/>
die eigene Regierungsfraktion an den eigenen Minister eine dringliche<lb/>
Anfrage stellte. In mein Parlamentskonzept passt dies allerdings<lb/>
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Parlament müsste gegen die Regierung ganz unabhängig davon, ob der<lb/>
betreffende ein Parteigenosse oder Parteifreund ist, der gefragt wird<lb/>
oder nicht. Stellung nehmen, wenn es sich um eminente Fragen handelt.<lb/>
Dass die Zuckerfrage eine solche derzeit ist, ist mir vollkommen klar.<lb/>
Die Bevölkerung interessiert überhaupt nicht, um bei der Tagesordnung<lb/>
zu bleiben, was mit der UNO-City geschieht, wie die Finanzierung der<lb/>
IAKW vorgenommen wird usw. Die Bevölkerung interessiert wahrschein<lb break="no"/>lich ausschliesslich, kriegt sie einen Zucker, was wird er kosten<lb/>
und wann ist die Misere endlich vorüber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_03">Die Vertreter der Laakirchner Papierfabrik beschwerten sich, dass<lb/>
die oberösterreichische Ferngas ihnen die Gaspreise im dritten<lb/>
Quartal 1974 bereits um 39 % erhöht hat, nachdem von 1969 bis<lb/>
1973 nur eine 11 %-ige Steigerung vorgenommen wurde. Jetzt verlangt<lb/>
die Laakirchner noch eine Indexklausel wonach sie eine noch stärkere<lb/>
Erhöhung in der nächsten Zeit erwarten müssen. Dr. <rs type="person" ref="#per__140305">Glatz</rs>, ihr Wiener<lb/>
Rechtsanwalt, meinte, sie verlangen nun von mir eine entsprechende<lb/>
Unterstützung, wie ich sie ihnen auch in der Vergangenheit einmal<lb/>
gegeben habe. Damals hatten sie sich bei mir beschwert, ich hatte<lb/>
ihnen empfohlen, mit der oberösterreichischen Ferngas Verhandlungen<lb/>
aufzunehmen und wenn es zu keinem Ergebnis kommt, mich dann einzu<lb break="no"/>schalten. Die oberösterreichische Ferngas befürchtet, wie auch schein<lb break="no"/>bar die anderen Ferngasgesellschaften, dass wenn ich mich als Ver<lb break="no"/>mittler anbiete oder als Intervenient auftreten würde, sie dann<lb/>
noch schlechter abschneiden, als wenn sie sich gleich mit den Firmen<lb/>
einigen. Ich hoffe, dass dies auch diesmal der Fall sein wird.<lb/>
Da ich nicht wusste, worum es sich handelt, als die Firma sich an<lb break="no"/>meldete, war nur Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> für die Papierindustrie zuständiger Bran<lb break="no"/>chenreferent anwesend. In Hinkunft müssten wir versuchen zu klären, wel<lb break="no"/>ches Problem besprochen wird, damit auch der richtige Energiemann<lb/>
anwesend gewesen wäre.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_04">ANMERKUNG AN ALLE, die Termine festsetzen:<lb/>
Wenn möglich, am Tagesprogramm Zweck der Vorsprache festhalten (in<lb/>
Stichworten).<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_05">Der Landwirtschaftsminister hat die Vorsprache der Obmannes der Fett<lb break="no"/>mittelindustrie <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> und des Sekretärs <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs> wegen Sonnenblumen<lb break="no"/>anbau eingeladen. Zufällig waren wegen der dringlichen Anfrage<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> anwesend. Ich kam ein bisschen später zu der<lb/>
Sitzung, hatte ihnen empfohlen, einen oder zwei Vertreter hineinzu<lb break="no"/>schicken und war natürlich sehr erstaunt, sie alle dort vorzufinden.<lb/>
Nicht dass es mich gestört hat, aber ich kann mir sehr gut vorstellen<lb/>
dass auch bei uns im Haus bei jeder Kleinigkeit nicht ein Mann<lb/>
hingeht, z.B. der Branchenreferent, der dann, wenn etwas Wichtiges<lb/>
ist, die anderen informiert, sondern eben alle gleich, die irgend<lb break="no"/>wie damit etwas zu tun haben, erscheinen. An und für sich, wenn<lb/>
es sich um ein wichtiges Problem handelt, habe ich dafür noch Ver<lb break="no"/>ständnis, denn es wird der Spezialist dann umso besser seine Mei<lb break="no"/>nung sofort kundtun und es kann zu keinen Fehlentscheidungen kommen,<lb/>
wenn es sich dagegen um unbedeutende Sachen handelt, dann ist<lb/>
dies eine Arbeitskraft- und Zeitverschwendung. Wie Sektionschef<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140306">Schratt</rs> ausführte, kann er den Wunsch der Fettindustrie und ins<lb break="no"/>besondere der Unilever nicht erfüllen, für 25–30.000 ha Sonnen<lb break="no"/>blumen anzubauen. Die Versuche, die bis jetzt mit Raps und Sonnen<lb break="no"/>blumen gemacht wurden, ergaben auch nicht annähernd den gewünschten<lb/>
Hektarertrag von 2.700 t. Nachdem aber die Bauern, um einen Anreiz<lb/>
zu haben, mindestens 18.000 S ha-Erlös haben sollten, müsste bei<lb/>
einem Ertrag von 2.000 t die Saat 9.– S kosten. Dies ist ein<lb/>
Preis, den niemand garantieren kann. Wohl ist die Fettindustrie<lb/>
bereit, für die ersten Jahre von sich aus eine Subvention für diese<lb/>
Anbau zu zahlen. Die Saat dürfte aber nicht mehr als 6.– S kosten,<lb/>
um daraus ein Öl zu Pressen, das derzeit 800 S kosten dürfte,<lb/>
und wo der Osten jetzt noch 1.200 Dollar verlangt. Die Unilever<lb/>
erwartet aber einen Preisrückgang, sodass eben diese 800 Dollar<lb/>
angepeilt werden müssen. In Wirklichkeit geht aber es aber glaube<lb/>
ich Unilever viel mehr darum, nicht nur in Österreich Ölsaaten an<lb break="no"/>zubauen, sondern gleichzeitig auch einen Liefervertrag mit der<lb/>
Schweiz zu schliessen, damit in der dortigen Extraktionsanlage<lb/>
der Unilever diese Saat verarbeitet wird. Unilever möchte, dass<lb/>
die 100.000 t, die wir ungefähr in Österreich brauchen, grössten<lb break="no"/>teils aus heimischem Saatgut in Basel in ihrer Extraktion verarbeitet<lb/>
wird. Meine seinerzeitige Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> hat ergeben, dass die<lb/>
gar nicht wollen, in Basel eine Extraktionsfabrik zu errichten.<lb/>
Jetzt sagt <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs>, die Meinung hätte sich geändert und sie hätten<lb/>
eine Genehmigung eine grosse Extraktionsfabrik dort zu errichten,<lb/>
allerdings mit ganz strengen Umweltschutzauflagen. Die Besprechungen<lb/>
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werden. Ich erwarte mir in der nächsten Zeit keine Lösungsvorschläge.<lb/>
Interessant war nur, dass von der Agrarindustrie Gmünd Dir. <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs><lb/>
vorher bei mir angerufen hat, der sich ebenfalls für ein solches Fett<lb break="no"/>programm einsetzt und ersuchte, man soll nicht vergessen, dass sie<lb/>
bereit wären, mit der Unilever gemeinsam eine Kooperation oder ein<lb/>
gemeinsames Projekt überhaupt in Österreich zu erstellen. Scheinbar<lb/>
hat die agrarische Seite angst, dass sie hier ein Produktionsgebiet<lb/>
verlieren könnte. Geprüft muss jetzt auf alle Fälle werden, ob die<lb/>
Fettproduktion durch Zölle, die bei Margarine und Pflanzenfett der<lb break="no"/>zeit noch bestehen und GATT-mässig gebunden sind, keine Gefahr von<lb/>
GATT-Seite gegeben ist. Der Landwirtschaft schwebt nämlich ein Aus<lb break="no"/>gleichssystem vor.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte in der Grundsatzgruppe dieses Problem<lb/>
genau überdenken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_07">Die Gespräche mit dem Finanzministerium und den Mitgliedern des<lb/>
VKI sowie Gemeinde Wien wegen eines Vertrags damit die Gemeinde Wien<lb/>
sich auch beteiligt, waren nicht ganz erfolgreich. Der Vertreter der<lb/>
Handelskammer war bereit prinzipiell darüber zu reden, braucht<lb/>
aber einen Präsidialbeschluss, um einer Lösung zustimmen zu können.<lb/>
Der Vertreter der Gemeinde Wien wieder war ein untergeordneter<lb/>
Beamter, der solange ich dort war überhaupt noch nicht gekommen war,<lb/>
weil man Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> vergessen hatte, durch mich einladen zu lassen<lb/>
und nur <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> ihm einen diesbezüglichen Einladungsbrief geschrieben<lb/>
hat. Die Gemeinde hält scheinbar auch viel auf Protokoll und ist<lb/>
der Meinung ein Funktionär könne nicht durch einen Beamten einge<lb break="no"/>laden werden.<lb/>
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er sich grosse Sorgen macht wegen des Bäckereiarbeitergesetzes. Die<lb/>
Bundeskammer hat durchgesetzt, dass im Parlament dieses Problem in<lb/>
einem Unterausschuss behandelt wird. Nun fürchtet <rs type="person" ref="#per__112635">Mailath-Pokorny</rs>.<lb/>
der sich um die Novelle des Bäckereiarbeitergesetzes sehr bemüht<lb/>
hat, dass dies ein Begräbnis erster Klasse ist. Ich konnte ihn insofern<lb/>
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erzählte, wo auch ich diese Meinung kundgetan hatte. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> versicherte<lb/>
mir hoch und heilig, dass dies nicht der Fall ist. Die Bundeskammer<lb/>
will nur die Zeit bis zur Handelskammerwahl im April überbrücken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_09">Die Bäckermeister würden niemals vorher einer Lösung zustimmen.<lb/>
Nah dem April aber werden sie sofort versuchen, das Problem endgültig<lb/>
zu lösen. Ich bin allerdings überzeugt, dass <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> schon damit<lb/>
gerechnet hat, dass wenn es zu Frühjahrswahlen kommt, er dieses<lb/>
Problem nicht mehr zu einer Lösung bringen müsste. <rs type="person" ref="#per__112635">Mailath-Pokorny</rs><lb/>
war auch sehr besorgt, dass die Experten, die zur Sitzung des<lb/>
Unterausschusses geladen wurden, keine Freunde einer positiven Lösung<lb/>
sind. Er meinte so nebenbei auch von Seiten der Sozialisten wurde<lb/>
ein Genossenschafter zugezogen.<lb/>
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Recht hat im Sozialausschuss und im Unterausschuss anwesend zu sein,<lb/>
damit er uns genau informiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_11">In der Paritätischen Kommission, die ich führen musste, wurden<lb/>
die Lohn- und Kollektivvertragsverhandlungen für die Lebens- und<lb/>
Genussmittelarbeiter, Bäcker und Müller bezüglich der Löhne und der<lb/>
Angestellten zur Fühlungnahme freigegeben. Er ergab die übliche<lb/>
Diskussion, dass die Handelskammer die Bemerkung im Protokoll ver<lb break="no"/>langt, dass dies nur Zug um Zug gehen darf, weil Lohnerhöhungen<lb/>
immer Auswirkungen auf die Preise haben. Die Arbeiterkammer und<lb/>
der ÖGB wieder verlangen, dass vorerst die Löhne abgeschlossen<lb/>
sind, bevor sie in die Preise eingebaut werden dürfen und wehren sich<lb/>
gleichzeitig, dass dies Zug um Zug geschehen solle. Nachdem<lb/>
aber wir dieses Problem einige Mal schon durchgespielt haben und<lb/>
ich durch meine jahrzehntelange Erfahrung genau kenne, einigten<lb/>
wir uns sofort, dass die bisher gehandhabte Methode. Interessant<lb/>
war nur, dass <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dann unter Allfälligem verlangte, ich sollte<lb/>
beim Finanzminister genauso wie der Vizekanzler und der Landwirt<lb break="no"/>schaftsminister intervenieren, damit er bereit ist, auch noch<lb/>
im Jänner und Feber die Stützung für die Getreidepreise zu bezahlen.<lb/>
Ich erklärte sofort, dass der Finanzminister mich ersucht hat,<lb/>
für November und Dezember die fälligen Stützungsbeträge in den Preis<lb/>
einzukalkulieren, weil er nicht bereit ist, über die zugesagten<lb/>
50 Mill. S weitere Mittel freizumachen. Für Jänner oder gar<lb/>
vielleicht Feber ist es vollkommen unmöglich, dass er zusätzliche<lb/>
Mittel zu Verfügung stellt. Ich habe auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vor der Sitzung<lb/>
über diesen Wunsch, den mir die Vertreter der Arbeiterkammer, die<lb/>
bei der Präsidentenbesprechung anwesend waren, aufmerksam gemacht<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_12">Ein weiterer Diskussionspunkt war dann nur mehr die Gaspreis<lb break="no"/>festsetzung. Die Präsidenten hatten besprochen, es wäre zweckmäs<lb break="no"/>sig, wenn das Handelsministerium sehr schnell die Gaspreise fixieren<lb/>
möchte. Allerdings möchten sie, dass dies nicht allein auf die NIOGAS<lb/>
beschränkt bleibt, sondern sowohl auf die ÖMV als auch alle anderen<lb/>
Gasabnehmer. Ich erklärte mich dazu bereit, wenn es nicht möglich<lb/>
wäre, doch noch innerhalb der Paritätischen Kommission zu einer<lb/>
Einigung zu kommen. Die Niogas, insbesondere Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs>,<lb/>
hatte mir versichert, dass auch das letzte Mal 1971 oder 1972<lb/>
die Paritätischen Kommission die Gaspreisregelung akzeptiert<lb/>
hat. Letzten Endes einigten wir uns darauf, dass das Handelsmini<lb break="no"/>sterium sofort die Verhandlungen aufnehmen soll, gelingt es der<lb/>
Paritätischen Kommission, d.h. den Vertreter der Interessenvertretun<lb break="no"/>gen im Rahmen unseres Begutachtungsverfahrens eine Einigung zu<lb/>
erzielen, dann ist der Preisunterausschuss ermächtigt, diese Eini<lb break="no"/>gung sofort festzulegen. Kommt es zu keiner Einigung, dann muss ich<lb/>
als Preisbehörde einen Bescheid erlassen. Da es sich bei der Niogas<lb/>
bei 93 % ihres Umsatzes um Sondervereinbarungen handelt, würde<lb/>
eine solche generelle Regelung, die ich bescheidmässig festlegen<lb/>
müsste, verhältnismässig sehr kompliziert sein. Während ich bei<lb/>
den Gaspreisen für den Verbraucher sehr einfache Tarife nur<lb/>
zu erlassen oder zu bestätigen hätte, müsste ich bei den Sonder<lb break="no"/>tarifen der NIOGAS doch verschiedenen Regelungen in Aussicht<lb/>
nehmen. Ich kann mir nicht gut vorstellen, dass mit einem ein<lb break="no"/>fachen Prozentsatz, de ich als Maximalzuschlag genehmigen es<lb/>
getan ist. Da die Niogas mit Recht versucht aus dieser grossen<lb/>
Streuung ihrer Sondertarife herauszukommen, müssten wir wahr<lb break="no"/>scheinlich gestaffelte Zuschläge oder entsprechende Richtsätze<lb/>
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zweckmässig ist, wenn die Interessenvertretungen mit meinen<lb/>
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seinen Preisleuten und vor allem einmal aber mit den Energieleu<lb break="no"/>ten von <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> die Besprechungen einleiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-22_14">Nach der dringlichen Anfrage um fast 9 Uhr haben wir in der Löwel<lb break="no"/>strasse noch das Aktuelle Argument fertiggestellt. Damit soll<lb/>
am nächsten Tag um 6 Uhr bereits in den Betrieben aber auch auf<lb/>
der Strasse die Bevölkerung über die Zuckersituation aufgeklärt<lb/>
werden. Ich halte diese Aktivität für sehr gut. Nicht nur, dass<lb/>
sie unsere jungen Leute mobilisiert, ist dies auch ein schlagartiges<lb/>
Instrument, welches eingesetzt werden kann, um die Bevölkerung oder<lb/>
was noch viel wichtiger ist, unsere Arbeiterschaft aufzuklären.<lb/>
Wieweit allerdings am Zuckersektor dies gelingen wird, wird sich<lb/>
erst zeigen. Entscheidend ist ja doch, wie im Fernsehen und wie<lb/>
in den Zeitungen, d.h. in den üblichen Massenmedien die Ange<lb break="no"/>legenheit gebracht und dargestellt wird. Davon wird es auch mehr<lb/>
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Kommission Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> mich unter vier Augen fragte was nun<lb/>
eigentlich mit dem Zuckerpreis geschehen soll. Er selbst könne<lb/>
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habe ihm sofort versichert, dass ich mir vorstellen kann,<lb/>
dass wir uns auf einen ähnlichen Prozentsatz allerdings in Groschen<lb break="no"/>beträgen einigen könnten, für die Rübenbauern. Nicht bin ich<lb/>
bereit und kann ich zustimmen, dass wir ohne genaues geprüft zu<lb/>
haben, auch diese 16 % für die Zuckerindustrie akzeptieren können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> hat mit zugestanden, dass er deshalb auch den Zuckerpreis<lb/>
jetzt festgesetzt braucht, damit die Verhandlungen über die Rüben<lb break="no"/>preise aufgenommen werden können. Ihnen schwebt also klar und<lb/>
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weil sie dann erst für die nächste Kampagne ihren erhöhten Rüben<lb break="no"/>preis haben. Was sie wollen, ist eine Erhöhung des Zuckerpreises<lb/>
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die Bauernvertreter auf alle Fälle jetzt eine Zuckerpreiserhö<lb break="no"/>hung und keine Rübenpreiserhöhung mit Zusicherung bei der neuen<lb/>
Kampagne wird dieser Rübenpreis bezahlt, haben wollen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 22.1.1975</head>
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            <head>Tagesordnungen 143.-151. Ministerratssitzung, 2.12.1974 ... 11.2.1975, nur Auszüge</head>
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            <head>TB Koppe (?) betr. Zucker, 24.1.1975</head>
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               <persName type="label">Gruber, Rudolf</persName>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>Vorst.-Vors. Ankerbrot, Präs. Handelsverband</occupation>
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