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            <title type="main">Montag, der 20. Jänner 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band24_1975-01-20</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_01">Montag, 20. Jänner 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_02">Beim Jour fixe teile ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mit, dass die Zuckerversorgung nach<lb/>
den letzten Angaben der Zuckerindustrie normal gesichert sein müsste.<lb/>
365.000 t Zucker Produktion und einen Lagerbestand per 1. Jänner<lb/>
von immerhin noch 254.000 t existiert. Ich beabsichtige, um die<lb/>
grössere Rübenanbaufläche zu sichern, den Rübenpreis zwischen dem<lb/>
Zugeständnis der Arbeiterkammer von ca. 5 Groschen und der Forderung<lb/>
der Rübenbauern von 10 Groschen festzusetzen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist über die<lb/>
Entwicklung dieser Sache sehr unglücklich. Er fragt ebenfalls,<lb/>
ob ich den privatrechtlichen Vertrag zwischen der Zuckerindustrie<lb/>
und den Rübenbauern ausser Kraft setzen möchte. Dafür würde ich nach<lb/>
seiner Meinung ein eigenes Gesetz brauchen. Er ist sehr beruhigt<lb/>
zu hören, dass ich dies gar nicht beabsichtige, sondern eben nur<lb/>
von meinem Preisrecht einen Rübenpreis festzusetzen Gebrauch mache,<lb/>
der allerdings nur einen Höchstpreis sein kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte von <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> prüfen lassen, ob tatsächlich<lb/>
meine Preisanordnung den privatrechtlichen Vertrag ausser Kraft setzt<lb/>
oder zumindestens vertragsrechtlich irgendwelche Folgen noch eine ge<lb break="no"/>setzliche Grundlage bräuchten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_04">Von der Besetzung der Leopoldsdorfer Zuckerfabrik hat die Zucker<lb break="no"/>industrie nichts gewusst, wie mir <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> versichert. In diesem Fall<lb/>
glaube ich es ihm auf alle Fälle, denn die Handelskammer hat grosse<lb/>
Bedenken, dass es von irgendjemandem zu Fabrikbesetzungen kommt,<lb/>
weil sie genau weiss, dass dies früher oder später auch von der Ar<lb break="no"/>beiterschaft gemacht werden kann, was sie natürlich unter allen<lb/>
Umständen als Beispielsfolgerung ablehnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_05">Ich verweise neuerdings darauf, dass der Finanzminister keine<lb/>
zusätzlichen Mittel mehr für zusätzliche Getreidestützung gibt<lb/>
und deshalb der Mehl- und Brotpreis mit 1.2. festgesetzt werden muss.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist darüber nicht sehr erfreut, ist sich aber im Klaren,<lb/>
dass er keine andere Möglichkeit hat, weil da der Erlass vom Landwirt<lb break="no"/>schaftsminister existiert, dass die Stützung weiter bezahlt werden,<lb/>
aber wie er sich jetzt selbst überzeugt hat der Finanzminister<lb/>
nicht zusätzliche Mittel für 1975 bereitstellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_06"><rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hat der Handelskammer auf Grund des Gewerbestrukturverbesse<lb break="no"/>rungsgesetzes mitgeteilt, dass er die Zuschüsse wie in § 4 (1) vorge<lb break="no"/>sehen unter der Bedingung überweist, dass sie widmungsmässig ver<lb break="no"/>wendet werden. Darin hat natürlich die Handelskammer sich hart ange<lb break="no"/>griffen gefühlt, ich habe mich daher sofort über die zwar rechtlich<lb/>
einwandfreie, aber ungewöhnliche Vorgangsweise entschuldigt und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
meinte, wir verbleiben so wie bisher. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> glaubt sogar, dass<lb/>
ein solcher Hinweis deshalb gar nicht notwendig wäre, da selbstver<lb break="no"/>ständlich die Handelskammer die Mittel immer nur widmungsgemäss ver<lb break="no"/>wendet und eine Kontrolle der gesamten Handelskammergebarung durch das<lb/>
Handelsministerium als aufsichtsführende Behörde derzeit vorgenommen<lb/>
wird. Diese Behauptung habe ich sofort zurückgewiesen, weil ich in der<lb/>
Überprüfung der Handelskammerabschlüsse, wenn sie überhaupt von meinen<lb/>
Beamten erfolgt, eine informelle Bestätigung der Aufsichtsbehörde<lb/>
sehe.ich kann mich nicht erinnern, dass jemals in den fünf Jahren<lb/>
die dafür zuständige Abteilung auch nur in einem einzige Fall<lb/>
mich auf irgendetwas aufmerksam gemacht hätte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><add>Reim</add>: Ohne dass dies auch nur eine Spur von Staub auf<lb break="no"/>wirbeln soll, lass bitte prüfen, wieweit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hier übers Ziel geschos<lb break="no"/>sen hat und wie es um die Verantwortung als Aufsichtsbehörde steht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_08"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte mir unbedingt einreden, das Aussenhandelsgesetz nicht<lb/>
zu novellieren, da der Absatz 3 unseres Vorschlages vorsieht, dass<lb/>
auch bei Nichtexporten eine Prüfung bei Firmen vorgesehen ist und<lb/>
das verfassungswidrig sei. Wenn ich dafür nicht eine Zweidrittel<lb break="no"/>mehrheit, d.h. eine Verfassungsbestimmung im Parlament damit bei der<lb/>
Beschlussfassung feststelle. Ich erkläre rundweg, dass ich auf die<lb/>
Novelle keinesfalls verzichten kann, auch dann wenn ich dies<lb break="no"/>mal kein Einvernehmen mit der Handelskammer erzielen könnte und ver<lb break="no"/>weise darauf, dass z.B. ein Lagerhaus eine Auskunft verweigert hat,<lb/>
da ich keinerlei gesetzliche Möglichkeiten derzeit besitze.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> soll bitte auch hier die Verfassungs<lb break="no"/>frage neuerdings genau prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_10"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte neuerdings das Problem der Zollpräferenzen für Spanien,<lb/>
zur Sprache bringen, wogegen er sich ausspricht und auch ich aus politi<lb break="no"/>schen Gründen gar nicht daran interessiert bin. Der spanische Bot<lb break="no"/><pb n="24-0054" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band24/24_1975-01-20_0054.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schafter wird zwar um eine Erklärung beim Handelsministerium nach<lb break="no"/>kommen, doch sollten wir versuchen mit der Handelskammer gemeinsam<lb/>
auch für Griechenland, Türkei und Portugal eine entsprechende<lb/>
Sprachregelung und Vorgangsweise zu vereinbaren. Ich berichte<lb/>
ihm, dass wir bei der Ägyptenreise in Athen unterbrochen haben und<lb/>
dort mit <rs type="person" ref="#per__114588">Draszczyk</rs> am Flughafen die Gefahr besprochen haben, dass<lb/>
jetzt die griechische Regierung die Zollpräferenzaussetzung um 50 %,<lb/>
die anderen Staaten wurden nämlich von 30 auf 50 % erhöht, sicherlich<lb/>
früher oder später ebenfalls fordern wird. Wir einigen uns darüber,<lb/>
dass wir eine Besprechung abhalten sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> soll bitte eine diesbezügliche<lb/>
Besprechung einleiten und vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_12"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> fragt an, ob es richtig ist, dass ich dem Verein für Konsumen<lb break="no"/>teninformation 6 Mill. S plus 1,5 Mill. S, also 7,5 Mill. S Mit<lb break="no"/>gliedsbeitrag resp. Subvention geben will. Ich bejahe sofort<lb/>
und verweise darauf, dass ich in diesem Betrag von längerer Zeit<lb/>
schon gesagt habe und er es mehr oder minder zur Kenntnis genommen<lb/>
hat. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wehrt sich auch weniger gegen die 7,5 Mill. als<lb/>
dass wir gleichzeitig vom VKI eine Preiserhebung und Preisberichte<lb/>
verlangen. Ich setze <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> klar und deutlich auseinander, dass<lb/>
ansonsten die Preiserhebung vom Ministerium, d.h. durch die<lb/>
Polizeiorgane erfolgen müsse, was er ja bisher ganz entschieden<lb/>
abgelehnt hat oder gar vielleicht durch eine Interessenvertretung,<lb/>
wobei sofort eine andere Interessensvertretung dann dagegen pro<lb break="no"/>testiert. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, dann müsse man eben die Handelskammer damit<lb/>
beauftragen, was er allerdings selbst gar nicht ernst nimmt.<lb/>
Letzten Endes sieht er aber ein, dass es für die Handelskammer noch<lb/>
besser ist, über den Verein für Konsumenteninformation die Preis<lb break="no"/>erhebung durchführen zu lassen, weil ich ihm eben einreden kann,<lb/>
dass er dort doch einen Einfluss hat und die Arbeit kontrollieren<lb/>
kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Ich habe <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> schon verständigt, bitte die<lb/>
notwendigen Schritte veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_14">Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> vorgeschlagen, man soll das Preis<lb break="no"/>gesetz reparieren, damit nicht wirklich die gesamten Zoll- und nicht<lb/>
nur die Ermässigungen abgezogen werden müssen. Da sich bis jetzt<lb/>
durch unseren Erlass noch nichts ereignet hat, sehe ich derzeit<lb/>
keine Notwendigkeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_15">Bezüglich der Preisfestsetzung für Gas durch die Behörde bei NIOGAS<lb/>
meint <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass es sich hier um eine einseitige Massnahme nur<lb/>
gegen Niederösterreich handelt. Ich erkläre sofort, dass auch die<lb/>
BEGAS und die steirische Ferngas preisgeregelt wird, wenn es zu<lb/>
Beschwerden kommt. Insbesondere in der Steiermark hat sich jetzt<lb/>
auch die Zementindustrie benachteiligt gefühlt und es wird daher<lb/>
im Preisverfahren nicht nur die Niogas, sondern von der ÖMV angefangen,<lb/>
jede Gasgesellschaft geprüft werden. Wenn es zu einer einvernehmlichen<lb/>
Regelung au-f freiwilliger Basis zwischen den Interessenvertretungen<lb/>
kommt, werde ich selbstverständlich von einer Preisregelung so wie<lb/>
bisher Abstand nehmen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wird mich deshalb in der Paritätischen<lb/>
Kommission fragen, wie ich vorzugehen gedenke.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_16">Die OB hat mir vorgeschlagen, ich möge die Handelskammer davon über<lb break="no"/>zeugen, dass <rs type="person" ref="#per__136470">Denk</rs> ein Regierungsrat werden soll. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> verweist da<lb break="no"/>rauf, dass auch <rs type="person" ref="#per__136492">Kammler</rs><add>[ev. Falschidentifikation]</add> der Handelskammer vorgeschlagen hat, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97396">Dolinay</rs> den Hofratstitel bekommen sollte. Die Kammer hat aber seiner<lb break="no"/>zeit nur bei <rs type="person" ref="#per__138762">Wessely</rs> und <rs type="person" ref="#per__140297">Poller</rs> eine Ausnahme gemacht und wird jetzt<lb/>
nie mehr wieder für den Hofratstitel für ihre Beamte eintreten.<lb/>
Der Regierungsratstitel ist nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs> überhaupt ein viel<lb/>
zu geringer für einen Akademiker und er kann daher gar nicht ver<lb break="no"/>stehen, dass sich jemand um diese Titel reisst. Er ersucht mich,<lb/>
ich möge für <rs type="person" ref="#per__97396">Dolinay</rs> und natürlich auch für <rs type="person" ref="#per__136470">Denk</rs> entsprechende Ehren<lb break="no"/>zeichen parat halten. Ich habe ihm dies sofort zugesagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte die Vorarbeiten für <rs type="person" ref="#per__97396">Dolinay</rs> und <rs type="person" ref="#per__136470">Denk</rs><lb/>
einleiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_18">Beim Journalistenfrühstück berichtet <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> über den Ägyptenbesuch und<lb/>
da dies ja jetzt schon für die Journalisten ein kalter Kaffee<lb/>
ist, interessiert sich kaum jemand dafür. Mehr Interesse besteht schon<lb/>
für das im letzten Moment von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> vorgebrachte Koordi<lb break="no"/>nierungskomitee für öffentliche Aufträge auf dem Bekleidungssektor.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> hofft, dass ihm in kürzester Zeit die Bekleidungs- und<lb/>
Textilindustrie doch so umfangreiche Unterlagen gibt, dass er eine<lb/>
Koordinierung vornehmen kann. Was ich nicht wusste, war, dass es<lb/>
sich dabei um 1.700 Betriebe handelt. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hat mir vorher mit<lb break="no"/>geteilt, dass angeblich das Bundesheer 30.000 Bundesheerkappen in<lb/>
die Schweiz vergeben möchte. Das Verteidigungsministerium hat davon<lb/>
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Textil-, insbesondere das Multifaserabkommen. Ich wäre sehr froh, wenn<lb/>
wir lauter solche Branchenreferenten hätten und habe seine Leistung<lb/>
natürlich auch vor der Presse entsprechend herausgestrichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_19">Als einziger, aber dann umso heisserer Punkt entwickelte sich die<lb/>
Frage des Zuckerpreises von seiten der Journalisten. Als Gag war<lb/>
mir knapp vorher eine Werbeveranstaltungsankündigung in die Hand<lb/>
gefallen, wo von seiten der Veranstalter jedem Ehepaar 6 Kilo Zucker<lb/>
gratis versprochen wurden. <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs>, der sich jetzt mit der Zuckerproble<lb break="no"/>matik näher beschäftigt, ist so empört über diese Entwicklung, dass<lb/>
er mir allen Ernstes vorschlägt, man sollte von Seiten des Mini<lb break="no"/>steriums der Zuckerindustrie drohen, dass sie gegebenenfalls ver<lb break="no"/>staatlicht wird, wenn sie die Versorgung nicht aufrechterhalten kann.<lb/>
Dieses Engagement gefällt mir sehr gut, nicht aber sein Vorschlag.<lb/>
Selbst <rs type="person" ref="#per__98040">Toni Wais</rs> ist es gelungen, die JG von einem solchen Be<lb break="no"/>schluss abzuhalten. Damit würde dem Gegner nur ungeheure Munition<lb/>
für die nächsten Wahlen in die Hand gegeben werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_20"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat überprüfen lassen, wie weit die öffentliche Hand bei den<lb/>
Handelskammerwahlen sich bis jetzt beteiligt hat und wie dies in<lb/>
Zukunft sein soll. Nach meiner Information teilt er mir mit, dass<lb/>
in der Vergangenheit niemand sich an diesen Wahlen beteiligt hat<lb/>
und auch die ÖBB, die wahrscheinlich die meisten Möglichkeiten<lb/>
hätte, sich auch diesmal daran nicht beteiligen wird. Eine diesbezüg<lb break="no"/>liche Information gebe ich dann in der Ministerratsvorbesprechung<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__116956">Zeleny</rs>, der nimmt sie zur Kenntnis.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_21"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> teilt mir mit, dass es Schwierigkeiten mit dem Vertreter des<lb/>
Verkehrsministeriums <rs type="person" ref="#per__140298">Frank</rs> wegen des Erlasses "Sichere Skiabfahrten"<lb/>
gibt. Ich hoffe, dass es <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> gelingt, <rs type="person" ref="#per__140298">Frank</rs> davon zu überzeugen,<lb/>
dass wir auf alle Fälle irgendetwas gegen die Lawinenkatastrophen<lb/>
der letzten Zeit unternehmen müssen. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> wird diesbezüglich auch<lb/>
Besprechungen mit Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> vom Verfassungsdienst haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_22">In der Ministerratsvorbesprechung berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass er jetzt<lb/>
auch auf kurzen Besuch nach Polen fährt. Sie, der polnische Minister<lb break="no"/>präsident und er, haben beschlossen nicht grosse Staatsbesuche mehr<lb/>
zu machen, sondern sich gelegentlich zu treffen. <choice><choice><sic><rs type="person" ref="#per__97591">Cierankiewicz</rs></sic><corr>Jaroszewicz</corr></choice></choice> wird<lb/>
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d.h. zu einem späteren Zeitpunkt. Zwischendurch wird <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> von<lb/>
20.–24. Mai einen offiziellen Staatsbesuch in Polen machen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlä<lb break="no"/>ger</rs> hat einen diesbezüglichen Brief an die Regierungschefs gerichtet<lb/>
und meint, man solle bestimmen, welche Minister ihn begleiten sollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fragt an, ob ich fahren will, da ich feststelle, dass <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs><lb/>
durch eine Bemerkung, die nur ich höre, nicht goutiert, erkläre ich<lb/>
sofort, dass ich nicht notwendig sei. Anschliessend setzte ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> auseinander, dass ich erwarte, dass er dies mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
genauso freimütig bespricht, wie <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> dies seinerzeit mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> gemacht hat als dieser die Absicht hatte, mich nach Italien<lb/>
und Frankreich mitzunehmen. Ich möchte unter gar keinen Umständen<lb/>
an einem Staatsbesuch teilnehmen, wo nicht der Aussenminister davon<lb/>
überzeugt ist, dass es zweckmässig ist, dass ich mehr oder minder<lb/>
auch mitfahre. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> verspricht mir, dies mit seinem alten Freund<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> zu besprechen und mir dann Bescheid zu geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_23"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kommt auf die Zuckersituation zu sprechen und meint, dass die<lb/>
Fabrikbesetzung eine ungeheure und einmalige Tat des Rübenbauernbundes<lb/>
ist. Er ersucht mich, ob ich morgen im Ministerrat einen kurzen Bericht<lb/>
über die Zuckersituation geben kann, was ich ihm sofort zu<lb break="no"/>sichere. Am Abend mit Gewerkschaftern werde ich auch von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> aufgefordert,<lb/>
eine Darstellung der Zuckersituation zu geben. Momentan dreht sich<lb/>
verständlicherweise alles um Zucker und da sich immer mehr heraus<lb break="no"/>stellt, dass die Leute kaum richtig informiert sind, wird beschlossen,<lb/>
dass ich eine dringliche Anfrage bei der nächsten NR-Sitzung am<lb/>
Mittwoch bekommen werde, um eine umfangreiche <choice><choice><sic>UEarbeitung</sic><corr>Bearbeitung?</corr></choice></choice> und Be<lb break="no"/>handlung dieses Problems im Parlament zu sichern. Ich erkläre sofort,<lb/>
dass der einzig richtige Mann, der die Details kennt, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> ist,<lb/>
der die dringliche Anfrage auch dann begründen müsste. <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sind damit einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_24">Die Pottendorfer Textilwerke sind nach Mitteilung des Bürgermeisters<lb/>
sehr gefährdet. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist sehr erfreut zu hören, dass die Koordina<lb break="no"/>tion der Aufträge der öffentlichen Hand jetzt endlich in Angriff ge<lb break="no"/>nommen wurde, immerhin ist er scheinbar nicht gewöhnt, wenn er Wünsche<lb/>
äussert, dass dann irgendetwas im Laufe von Wochen geschieht und meint<lb/>
nur, wir sollten dieser Entwicklung unser besonderes Augenmerk zuwenden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_25">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs>: <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> hat von Pottendorf nichts gewusst, wahr<lb break="no"/>scheinlich besteht auch gar kein Antrag, bitte mit <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> vereinbaren,<lb/>
dass jede einzelne Firma, die gefährdet ist, mir sofort gemeldet wer<lb break="no"/>den muss. Eine kurze Studie über die Pottendorfer, Vösendorfer, Tees<lb break="no"/>dorfer und wie die ganzen anderen Textilfabriken heissen, anfertigen<lb/>
lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_26"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bestätigt, dass das Verhalten des Handelsministers bezüglich<lb/>
einer Prospektierungsgesellschaft in Kärnten richtig war. Er be<lb break="no"/>fürchtet, dass jetzt immer mehr die Landeshauptleute und deren Stell<lb break="no"/>vertreter, aus welchem Lager immer sie kommen, Bundeskompetenzen an<lb/>
sich ziehen wollen. Falls solche Wünsche auftreten, soll man <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
sofort informieren. Die Bundeskompetenzen müssen unter allen Um<lb break="no"/>ständen gewahrt bleiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Soweit sie das Handelsministerium betreffen,<lb/>
bitte in der Grundsatzgruppe einmal Überlegungen anstellen, wie<lb/>
dies tatsächlich gesichert werden könnte und wo eventuelle Gefah<lb break="no"/>ren bestehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_28"><rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> ist davon überzeugt, dass es jetzt endlich gelingt, die<lb/>
Restitutionsgüter in der Steiermark den Jugoslawen zurückzustellen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> ist bereit, sie jetzt endlich nach Wien zu senden, da er<lb/>
sie nicht direkt den Jugoslawen überreichen möchte. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> hat ein<lb/>
Kriegsarchivsammeldepot anlegen lassen, wo aus der Steiermark<lb/>
und Kärnten diese Restitutionsgüter endlich registriert und dann<lb/>
den Jugoslawen zurückgegeben werden. Ich kann mir wirklich nicht<lb/>
vorstellen, dass es nicht vorher schon möglich war, bei der Koali<lb break="no"/>tions- oder ÖVP-Regierung dieses Problem befriedigend zu lösen. Die<lb/>
Tatsache, dass wir noch immer eindeutig von den Nazi verschleppte Güter<lb/>
der Jugoslawen zurückhalten ist ein Skandal der international<lb/>
furchtbares auslösen würde, wenn es bekannter wird, resp. wenn die<lb/>
Jugoslawen damit wirklich internationale Organisationen beschäftigen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist nicht davon sehr überzeugt, dass tatsächlich jetzt die<lb/>
Steiermark und Kärnten diese Restitutionsgüter der Bundesregierung<lb/>
zur Rückerstattung zurückerstatten werden. Er glaubt noch immer, dass<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_29">Mit Iran dürfte es jetzt doch gelungen sein, die 500 Waggons und die<lb/>
50 Personenwagen erster Klasse für die SGP und die Jenbacher zu sichern<add>[?]</add>.<lb/>
Da dies die Beschäftigungslage auf längere Zeit garantiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_30">Für die Verwaltungsakademie des Bundes muss noch immer ein Gebäude<lb/>
gesucht werden. Die Gemeinde Wien erklärt sie hat keine Möglichkeit<lb/>
ein solches zur Verfügung zu stellen. Andererseits wird von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
urgiert, dass endlich die Kasernen des Bundes, die in der Stadt<lb/>
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VÖEST hat jetzt vorgeschlagen, sie könnte Ersatzbauten verhältnis<lb break="no"/>mässig billig und auf neue Bauweise zur Verfügung stellen. Während<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> behauptet, die Bundesgebäudeverwaltung macht alles, um endlich<lb/>
diese Kasernen los zu werden, teilt <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> mit Recht mit, dass in Wien<lb/>
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reden. Es ist unwahrscheinlich, wenn man einer Bürokratie etwas<lb/>
überlässt und sich die Minister oder der Bürgermeister nicht persön<lb break="no"/>lich einschaltet, dass dann nichts herauskommt, obwohl <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dies<lb/>
bereits vor Jahren vorgeschlagen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_31">Der Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__133397">Brantl</rs>, die Besuchstage der Bundesregierung zu<lb/>
organisieren, bedeutet, dass am Samstag Überstunden gemacht werden<lb/>
müssen, die auch zu bezahlen sind. Dies soll angeblich eine schöne<lb/>
Stange Geld kosten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_32">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Wie weit sind die Vorbereitungen bei uns ge<lb break="no"/>diehen und welche finanzielle Belastung würde dadurch anfallen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-20_33">Die Besprechung mit den Intellektuellen des 3. Bezirkes in der<lb/>
Arbeiterkammer hat einen reichlichen Stoff durch die Wirtschaftliche<lb/>
und politische Situation Österreichs. Ich kann dort wirklich mit<lb/>
ruhigem Gewissen sagen, dass wir in jeder Beziehung gut abgeschnitten<lb/>
haben. In der daran anschliessenden Diskussion wird dies auch im Grund<lb/>
genommen festgestellt. Man erwartet nur, dass auch diese Regierung<lb/>
viel mehr die marktwirtschaftliche Preiskomponente spielen lässt.<lb/>
Wenn es Schwierigkeiten bei Zucker oder sonst irgendwie gibt, kann<lb/>
man nur durch Preiserhöhungen diesem Problem Einhalt gebieten. Leider<lb/>
bin ich nicht davon so überzeugt, dass wir hier mit entsprechenden<lb/>
Preiserhöhungen bei knappen Mitteln das Problem wirklich so lösen<lb/>
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um 80 gr. oder vielleicht maximal um 1 S erhöht wird keinesfalls<lb/>
die notwendige Entspannung bringen. Ich muss deshalb wahrscheinlich<lb/>
auch dann noch die Beschränkungen bei einer Preiserhöhung eine Zeitlang<lb/>
aufrechterhalten. Das selbe Problem wird auch eingehend diskutiert<lb/>
am Abend und mein Hinweis, dass ich zuerst mit dem ÖGB und der AK mich<lb/>
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