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            <title type="main">Freitag, der 10. Jänner 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band24_1975-01-10</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-10_01">Freitag, 10. Jänner 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-10_02">Im Unterausschuss für das Elektrizitätswirtschaftsgesetz<lb/>
wurde zum viertenmal von der ÖVP der Versuch gemacht, die Wün<lb break="no"/>sche der Handelskammer durchzusetzen. Man ist sich eigentlich<lb/>
über alles einig, bis auf den Punkt, ob auch Gemeinschaftskraft<lb break="no"/>werke von Unternehmen entstehen sollten oder ob Unternehmungen<lb/>
an ihre mindestens mit 25 % Beteiligung ausgestatteten Töchter<lb/>
Strom liefern dürfen. Experten wurden gehört und ich weiss<lb/>
nicht was noch alles auch von der ÖVP inszeniert, um mit<lb/>
dieser Idee durchzudringen. Zum Schluss hat der Vorsitzende<lb/>
Abg. <rs type="person" ref="#per__139888">Blenk</rs> nur mehr die Möglichkeit gesehen, dass sie versuchen,<lb/>
innerhalb ihrer eigenen Partei zwischen den Elektrizitätsver<lb break="no"/>sorgungsunternehmungen und der Handelskammer zu einer Einigung<lb/>
zu gelangen. Wenn dies der Fall wäre, dann würden wir dieses<lb/>
Problem neuerdings bei der letzten und nächsten Ausschussitzung<lb/>
diskutieren. Ansonsten soll nur mehr eine Redaktionssitzung<lb/>
stattfinden. Als ich die Sitzung verliess, hat mir dann Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139463">Schmidt</rs> von unserer E-Sektion zugeflüstert, dass es eigentlich<lb/>
auf Grund des zweiten Verstaatlichungsgesetzes gar keine Möglich<lb break="no"/>keit gibt, dass Privatunternehmer Strom in Österreich leiten, denn<lb/>
dies sei soweit es sich um Ländergrenzen handelt, innerhalb des<lb/>
Landes auf alle Fälle den Landesgesellschaften und soweit es sich um<lb/>
über Länder hinausgehende Leitungen handelt, dem Bund vorbe<lb break="no"/>halten. Ich habe dies natürlich sofort <rs type="person" ref="#per__139888">Blenk</rs> und <rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs> mitgeteilt<lb/>
die dies prüfen wollen. Ich zweifle nicht, dass dies zutrifft,<lb/>
nur frage ich mich, warum dann dieser Beamte nicht bereits dies<lb/>
schon bei der ersten Sitzung erklärt hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-10_03">Dr. <rs type="person" ref="#per__114709">Krebs</rs>, FV-Direktor von Wien, hat den Wunsch, dass auch die<lb/>
Wiener Belange mehr berücksichtigt werden. Er verwies darauf,<lb/>
dass im Städtetourismus bis jetzt fast nichts geschehen ist<lb/>
und dass vor allem auch die Propaganda für Wien in den Bundes<lb break="no"/>ländern aber vor allem auch in der ÖFVW stärker betrieben werden<lb/>
soll. Von der Ausstellung "Urlaub in Österreich", die das<lb/>
Verkehrsministerium bis jetzt in der Sezession machte, hält er mit<lb/>
Recht überhaupt nichts und die jetzt an diese Stelle tretende<lb/>
Multimediaschau möchte er, dass auch zu den Messen nach Innsbruck,<lb/>
Graz usw. kommt und nicht nur auf der Wiener Messe gezeigt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-10_04"><rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> wird sich dieses Problems annehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-10_05">Die Bürobesprechung hatte ich gewünscht, damit wir über die personel<lb break="no"/>len Probleme insbesondere Aktiven Einsatz der Ministerialbeamten<lb/>
reden. Derzeit ist es nach wie vor so, dass wenn irgendwelche<lb/>
aktive Probleme auftauchen, ein Beamter dafür ressortmässig nur<lb/>
zuständig ist, und dieser meistens auch von den anderen kaum un<lb break="no"/>terstützt wird. Meine diesbezügliche Intervention z.B. bei Sekt.<lb/>
Chef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> hat dazu geführt, dass er dann doch für <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> eine<lb/>
Arbeitsgruppe oder wie es jetzt so schön heisst Projektteam ein<lb break="no"/>setzte, wieder allerdings aus <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> und <rs type="person" ref="#per__140290">Mitterhauser</rs>. Immer wieder<lb/>
werden die jungen aktiven Leute zusammengefasst und die anderen<lb/>
bleiben mehr oder minder ungeschoren. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> ist der Meinung, dass<lb/>
es uns aber auf diese Weise niemals gelingen wird, eine grössere<lb/>
Aktivität des Hauses zu erreichen. Er meint, wir sollten die Ver<lb break="no"/>antwortung ausschliesslich dort belassen, wo sie auch auf Grund der<lb/>
Geschäftseinteilung ist, d.h. den Sektionschefs den Abteilungsleiter<lb/>
gegebenenfalls den Referenten dafür verantwortlich machen und er<lb/>
wird sich dann schon die notwendige Unterstützung holen. Hier<lb/>
glaube ich irrt <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, denn liegt die ressortmässige Zuteilung bei<lb/>
einem aktiven Mann, dann wir dieser sein möglichstes tun, aber sehr<lb/>
bald dann an unzulänglicher Unterstützung scheitern, liegt sie bei<lb/>
einem reinen Bürokraten, wird er einen Akt anlegen und ganz ein<lb break="no"/>fach eben nur einen Bruchteil der Arbeit, die notwendig wäre, leisten.<lb/>
Das einzige, was sicher ist, er wird in kürzester Zeit in Kranken<lb break="no"/>stand gehen, weil er sich überfordert vorkommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-10_06">Typisch für unser Bürogespräch war auch, dass wir weniger über<lb/>
dieses langfristige Problem uns unterhielten als sofort beim Zucker<lb/>
und die Versorgung mit Zucker landeten. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat vom propagandi<lb break="no"/>stischen Standpunkt vollkommen recht. als er mir nachher empfahl,<lb/>
wir sollten unter allen Umständen ein Süssbuch vorbereiten oder<lb/>
zumindestens ankündigen, damit wir aus der Verteidigung heraus<lb/>
in die Offensive kommen. Wenn ich dies bis jetzt nicht getan habe<lb/>
und auch jetzt glaube, dass der Zeitpunkt noch zu früh ist, so deshalb,<lb/>
weil wir eigentlich selbst noch nicht genau wissen, wie wir aus die<lb break="no"/>sem Schlamassel herauskommen. Die Zuckerindustrie, die anschliessend<lb/>
daran vorgesprochen hat, <rs type="person" ref="#per__117100">Habig</rs>, <rs type="person" ref="#per__137218">Angyan</rs> und <rs type="person" ref="#per__117098">Vogler</rs>, meint noch<lb/>
immer, die einzige Lösung ist, den Zuckerpreis auf 10.– S zu erhöhen,<lb/>
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und man könnte jede Zuckerkontingentierung freigeben. Diese Meinung<lb/>
teile ich deshalb nicht, weil bekanntlich auch bei einem 10.-S-Preis<lb/>
noch immer der Weltmarktpreis wesentlich höher liegt und deshalb<lb/>
die zuckerverarbeitende Industrie alles daran setzen wird, um sich<lb/>
mit diesem noch immer verhältnismässig billigeren Inlandszucker einzud<lb break="no"/>ecken. Auch wenn die Exporte einigermassen gestoppt sind, bin ich<lb/>
überzeugt davon, dass noch immer grössere Mengen Zucker ins Ausland<lb/>
in verarbeiteten Produkten gehen. Die einzige Möglichkeit wäre,<lb/>
den Zucker zuerst auf einen Irrsinnspreis von 15 – 20.– S zu erhöhen,<lb/>
um dann eine Woche darauf zu erklären, dieser Preis ist jetzt fallend<lb/>
und wir auf 10.– S zurückgenommen. Dann würde wahrscheinlich bei<lb/>
15.– bis 20.– S niemand mehr Zucker zusätzlich kaufen und wenn man<lb/>
den Preis dann senkt, würde er sich auf eine normale Versorgung<lb/>
einpendeln. So würde zumindestens ein freie Zuckerpreismarkt reagieren<lb/>
nur die preisgeregelte Möglichkeit gibt es aus politischen<lb/>
Gründen nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-10_07">Die Zuckerindustrie wollte mir allerdings nur auseinandersetzen, dass<lb/>
es von ihrem Standpunkt unmöglich ist, dass ich jetzt einen Rüben<lb break="no"/>preis festlege, da sie auf Grund ihres privatwirtschaftlichen Ver<lb break="no"/>trages nur dann einen höheren Rübenpreis zahlen, wenn sie gleichzeitig<lb/>
auch den entsprechenden Verbraucherpreis festgesetzt bekommen. Da<lb/>
ich mich-in ihren privatwirtschaftlichen Vertrag überhaupt nicht<lb/>
einmische, habe ich sofort erklärt, dass dies ihr Problem ist. Für<lb/>
mich ist nur entscheidend, dass im Laufe des Monats Jänner die Rübenbau<lb break="no"/>ern wissen müssen, dass sie einen höheren Rübenpreis bekommen, damit<lb/>
sie gegebenenfalls doch noch vereinzelt ihre Rübenanbaufläche ver<lb break="no"/>grösseren. Sicher ist und hier hat <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> vollkommen recht, dass<lb/>
die Rübenbauern bereits im vorigen Herbst, als sie die Anbauüber<lb break="no"/>legungen anstellten, die entsprechenden Feldvorbereitungen getroffen<lb/>
haben. Wenn sie damals bereit waren, mehr Rübe anzubauen, so werden<lb/>
sie das auch heuer bestimmt tun. Vielleicht kann noch ein höherer<lb/>
Rübenpreis ein bisschen dazu beitragen, die Anbaufläche zu sichern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band24_1975-01-10_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Wir sollten mehr die agrarpolitischen<lb/>
und agrartechnischen Überlegungen bei solchen Problemen kennen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 10.1.1975</head>
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