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            <title type="main">Freitag, der 20. Dezember 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band23_1974-12-20</idno>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_01">Freitag, 20. Dezember 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_02">Bei der Dekretüberreichung auf Grund der neuen Geschäftseinteilung<lb/>
nützte ich die Gelegenheit, um allen zu danken, die letzten Endes<lb/>
zur übereinstimmenden Lösung beigetragen hatten. Ich ersuchte<lb/>
Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> der Kommission zu danken, die durch Monate<lb/>
hindurch die neue Geschäftseinteilung erarbeitete. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> war,<lb/>
wie mir <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> nachher sagte, bei keiner einzigen Sitzung. Vielleicht<lb/>
war das der Grund, dass er auf <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> hinwies, den ich wirklich ver<lb break="no"/>gessen hätte, jetzt aber besonders vor den versammelten Sektions<lb break="no"/>chefs und Abteilungsleitern auch seine Tätigkeit herausstrich.<lb/>
Ich verwies besonders darauf, dass ich mit der Personalver<lb break="no"/>tretung gezwungen war, ein Einvernehmen herzustellen, da ansonsten<lb/>
die Geschäftseinteilung nicht zeitgerecht in Kraft treten konnte.<lb/>
Der einzige, dem ich nicht danken konnte, da er leider nicht offi<lb break="no"/>ziell mitwirken kann, sondern nur in meinem Namen, ist <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>.<lb/>
Das ist eigentlich das Ungerechte an dem System, das wir 1970 so<lb break="no"/>fort eingeführt haben. Das Büro, oder wie es in Zukunft heissen<lb/>
wird, das Kabinett des Bundesministers hat ungeheuer viel Arbeit<lb/>
und kann eigentlich nicht in Erscheinung treten. Immer nur kann es<lb/>
im Namen des Ministers für den Minister arbeiten. Genau dieselbe<lb/>
Situation wie mit den Sekretärinnen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_03"><rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> bedankte sich als Personalvertreter für die neue Ge<lb break="no"/>schäftseinteilung, insbesondere dass die Wünsche der Personalver<lb break="no"/>tretung weitestgehend berücksichtigt wurden. Er replizierte auf<lb/>
die Bemerkung des Einigenmüssens, dass dies keinesfalls als Erpres<lb break="no"/>sung zu verstehen ist. In Wirklichkeit weiss er natürlich ganz genau,<lb/>
dass man unter Zeitdruck in fast jeder Personalfrage steht. Ganz be<lb break="no"/>sonders aber unter dem Zeitdruck, dass die Geschäftseinteilung mit<lb/>
1. Jänner 1975 in Kraft treten musste.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Soll ich nicht den daran Beteiligten ein<lb/>
Dankschreiben schicken?</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_05">Die Kontingentierungsverhandlungen mit dem Landwirtschaftsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und seinen Beamten waren sehr langwierig. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__140715">Rogel</rs>, der<lb/>
für die Legistik bei ihm verantwortlich ist und bei den Marktord<lb break="no"/>nungsgesetzen mir schon als ein sehr pitzeliger vorsichtiger Beamter<lb/>
aufgefallen ist, meinte auf Grund des Lebensmittelbewirtschaftungs<lb break="no"/><pb n="23-1561" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-20_1561.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gesetzes sei eine Kontingentierung rechtlich fast nicht zu decken.<lb/>
Seiner Meinung nach müsste man eine Bewirtschaftung bis zum Letzt<lb break="no"/>verbraucher einführen. Nach stundenlangen Verhandlungen – <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> musste<lb/>
zwischendurch zur Auszeichnung der Regierungsmitglieder mit höchsten<lb/>
Orden vom Bundespräsidenten die Sitzung verlassen – gelang es mir,<lb/>
auch die Beamten des Landwirtschaftsministeriums davon zu überzeugen,<lb/>
dass eine Übergangslösung gefunden werden muss. Natürlich plädierten<lb/>
sie, wie ich dann bei der Vertragsunterzeichnung mit den Ungarn fest<lb break="no"/>stellen konnte, im ganzen Landwirtschaftsministerium für Preiserhöhung.<lb/>
Dort machte der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, als ich den<lb/>
ungarischen Handelsrat <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> fragte, ob eventuell wieder eine Import-<lb/>
Export-Zuckerlösung im Jahre 1975 in Frage käme, die Bemerkung, wenn<lb/>
der Preis erhöht wird, gibt es überhaupt keinerlei Schwierigkeiten.<lb/>
Auch bei den Verhandlungen um die Kontingentierung hatte ich den<lb/>
Eindruck, dass sowohl <rs type="person" ref="#per__97851">Pultar</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__140715">Rogel</rs> zuerst nur einen Wunsch<lb/>
hatten, dass der Landwirtschaftsminister womöglich nichts macht.<lb/>
Während der Abwesenheit von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> gelang es mir aber, durch die<lb/>
ganze harte Formulierung, Sie, meine Herren Beamten des Landwirt<lb break="no"/>schaftsministeriums, sind für die zukünftige Situation dann ver<lb break="no"/>antwortlich, sie doch zu einer wenn auch zeitlich nur begrenzten<lb/>
Kontingentierung bis 31. März 1975 zu gewinnen. Die Details wurden<lb/>
dann mit unseren Beamten <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> und <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> ausgearbeitet.<lb/>
Interessant ist, dass <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> hier gerne dabei ist, die Verhandlungen<lb/>
aber wirklich von <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> resp. <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> geführt werden. Insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> arbeitet sich in jedem Fall so in die Details ein, dass er<lb/>
fast der einzige ist, der dann nicht nur die notwendigen Auskünfte<lb/>
geben kann, sondern auch wirklich sehr positiv zu Lösungen beiträgt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> ist mindestens ein so guter Jurist wie <rs type="person" ref="#per__140715">Rogel</rs>, er kennt genau<lb break="no"/>so die Schwächen der gesetzlichen Deckung, macht mich auch darauf auf<lb break="no"/>merksam, ist aber dann doch bereit, bis zum Äussersten zu gehen.<lb/>
Hier muss ich sagen, haben wir eine bessere Kooperation als dies schein<lb break="no"/>bar in anderen Ministerien der Fall ist. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> entschied letzten<lb/>
Endes, dass er mit dem Vorschlag in die Regierung gehen möchte, ich<lb/>
erklärte ihm rundweg, dass wenn ich dafür zuständig wäre, dies allein<lb/>
machen würde und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nur informierte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_06">Im Bundesrat, wo über die Wirtschaftsgesetze acht Redner sich zu Wort<lb/>
gemeldet hatten, sass ich stundenlang neben Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>,<lb/>
der in Vertretung des Landwirtschaftsministers erschienen war. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>,<lb/>
den ich über die Verhandlungen informierte, meinte, dass eben die<lb/>
<pb n="23-1562" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-20_1562.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Beamten zwar loyalerweise den <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> abschirmen, dafür aber ausschliess<lb break="no"/>lich die Politik machen. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> ist über diesen Zustand nicht sehr<lb/>
glücklich und beginnt schön langsam zu resignieren. Bundesrat <rs type="person" ref="#per__113615">Fuchs</rs><lb/>
attackierte mich wegen der freiwilligen Preissenkungsaktion und<lb/>
auch wegen der machtpolitischen Bestrebungen im Preisgesetzentwurf,<lb/>
den ich im Ministerrat eingebracht hatte. Ich konnte deshalb zum<lb/>
Schluss klarstellen, dass ich einen Entwurf ausarbeiten liess, der<lb/>
alle Wünsche der Interessensvertretungen beinhaltet, auch den der<lb/>
Handelskammer. Die so stark angefochtene Preisbeschränkung für Import<lb break="no"/>waren insbesondere der Multis hat schon Bundesrat <rs type="person" ref="#per__114046">Böck</rs> gesagt, dass<lb/>
die Gewerkschaft hier einen einstimmigen Beschluss hatte und die Er<lb break="no"/>hebungen, welche <rs type="person" ref="#per__113615">Fuchs</rs> als unmöglich bezeichnete, gar nicht so<lb/>
schwer gewesen wären. Den Hinweis Bundesrat <rs type="person" ref="#per__140838">Pitschmanns</rs>, dass durch<lb/>
die Novelle jetzt ein befriedigendes Preisgesetz existiert, habe ich<lb/>
sofort richtiggestellt: Mit diesem Gesetz kann ich zwar ein bisschen<lb/>
mehr machen, insbesondere in § 3 b), bin aber noch sehr weit davon<lb/>
entfernt, wirklich ein schlagkräftiges Preisgesetz zu besitzen. Alle<lb/>
Vorgänger, ob Koalitionsregierung oder Alleinregierung, haben immer<lb/>
mehr oder minder in die Schuhe geschoben bekommen, die offizielle<lb/>
Auffassung der Parlamentssprecher, jetzt sei ein gutes Gesetz erreicht<lb/>
worden und nun müssten sie nur dieses Gesetz entsprechend handhaben.<lb/>
Die Sprachregelung bei uns im Ministerium und in der Partei sollte sein,<lb/>
dass mit dieser Novelle wieder ein Schritt zu einem besseren Gesetz<lb/>
erreicht wurde und nicht mehr.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_07">Nach der Bundesratssitzung hat mich <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> verständigt, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
über die Lösung der Zuckerfrage nicht sehr glücklich ist, ja sie<lb/>
ablehnt. In Wirklichkeit konnte ich dann bei der Besprechung feststellen,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nur meine Meinung vertreten hat, dass nämlich der Mini<lb break="no"/>sterrat dafür überhaupt nicht zuständig ist und dass <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> dies in<lb/>
eigener Verantwortung machen muss. Er forderte mich auf, einen<lb/>
Situationsbericht zu geben und stellte dann klar, dass der Antrag<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> auf Kontingentierung auf Grund des Lebensmittelbewirtschaftungs<lb break="no"/>gesetzes ausschliesslich durch ihn allein erfolgen muss. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hatte auch den Brief von der Zuckerindustrie, den sie mir knapp vor<lb/>
der Sitzung ebenfalls zustellten. In diesem Schreiben halten sie fest,<lb/>
dass wenn der Fabrikabgabepreis von 684.- auf 850.- S erhöht wird,<lb/>
und zwar spätestens mit 20.1.1975 den spätmöglichsten Beginn der<lb/>
Kontrahierung, die Rübenbauern 60.- S pro Zentner Rübe bekommen würden.<add>[Blatt 1563 fehlt bereits im Original!]</add></p><pb n="23-1564" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-20_1564.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_08">hätte für diese Stützung 50 Mill. S zur Verfügung gestellt und<lb/>
jetzt machen die Stützungen bereits 70 Mill. S aus und noch immer<lb/>
sei der Verbraucherpreis nicht erhöht. Dafür sei ich verantwortlich,<lb/>
was stimmt, und er macht nur darauf aufmerksam, dass er nicht bereit<lb/>
ist, ja gar nicht imstande ist, mehr Stützung zu bezahlen als die<lb/>
50 Mill. S, die er jetzt bereits <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> überwiesen hat. Ich sah<lb/>
mich veranlasst, darauf hinzuweisen, dass die Mühlenindustrie und<lb/>
das Gewerbe gar keine Absicht haben, den jetzigen Zustand zu beenden,<lb/>
weil sie durch einen Erlass zugesichert haben, dass auch im Jahre<lb/>
1975 die Stützung weitergewährt wird. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dürfte die Details<lb/>
in diesem Fall nicht kennen und meinte, das sei nicht von einem<lb/>
Erlass abhängig, sondern nur von dem Willen, ob ich den Preis<lb/>
jetzt festsetzen will oder nicht. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vergisst, dass die<lb/>
Mühlenindustrie und das Gewerbe so lange nicht interessiert sind,<lb/>
dass sie einen Letztverbraucherpreis bekommen, so lange der Finanz<lb break="no"/>minister ihnen die Differenz abgilt. In einem Punkt hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
nur recht, dass der Antrag auf Preiserhöhung von Seiten der Mühlen<lb break="no"/>industrie, der vor etlichen Wochen in mein Ministerium kam, von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> ganz einfach scheinbar nur dilatorisch behandelt wird, ja<lb/>
mir trotz eines diesbezüglichen klaren Wunsches nicht einmal zur<lb/>
Verfügung gestellt wurde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte den Erlass dem Büro des Finanzministers<lb/>
zur Verfügung stellen und <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> sofort beauftragen, die Verhand<lb break="no"/>lungen so schnell wie möglich abzuschliessen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_10">An der Weihnachtsfeier im Büro haben diesmal sogar 22 Personen<lb/>
teilgenommen. <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> arrangiert dies phantastisch, das einzig<lb/>
Unangenehme ist, dass ich nur kaum Zeit zum Feiern finde. Jeder<lb/>
versucht, seinen Schreibtisch noch leer zu machen und ich muss<lb/>
deshalb ununterbrochen Akte unterschreiben oder Besprechungen führen.<lb/>
Trotzdem hatte ich die Gelegenheit, und dies war mir wirklich ein<lb/>
Bedürfnis, allen zu danken, insbesondere den Sekretärinnen, bei<lb/>
dieser Gelegenheit hatte ich auch die Möglichkeit, <rs type="person" ref="#per__97498">Ossi Grünwald</rs>,<lb/>
der jetzt aus unserem Büro ausscheidet und zur Gemeinde zurückgeht,<lb/>
für seine dreiviertel Jahre dauernde Tätigkeit meinen Dank auszu<lb break="no"/>drücken. Am meisten überrascht war ich, dass es <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> geglückt<lb/>
war, so ein reichliches und schönes Tombola zu errichten. Ich habe<lb/>
wirklich keine Ahnung, wieviel doch an Geschenken sich im Laufe des<lb/>
Jahres so zusammenleppert. <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> meinte abschliessend, er hofft,<lb/>
<pb n="23-1565" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-20_1565.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass wir nächstes Jahr um dieselbe Zeit alle wieder genauso bei<lb break="no"/>sammensitzen, was wir uns alle wünschten. Hier musste ich schon ein<lb break="no"/>schränken, dass dies vielleicht nicht der Wunsch aller sei. Da wir<lb/>
auch Amtsgehilfen haben, die sogar Mitarbeiter beim ÖAAB sind, ob<lb/>
sie sich persönlich einen anderen Minister wünschen, weiss ich<lb/>
nicht. Auf alle Fälle wollte ich sie nicht in Verlegenheit bringen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_11">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> berichtete mir von der Preiskommission, dort hat die<lb/>
Handelskammer den Vorschlag, dass wir die Heizöl-extra leicht-Rabat<lb break="no"/>tierung sowie die Dieselölverbilligung bis 1. März 1975 verlängern<lb/>
sollten und Heizöl schwer gegebenenfalls in der Paritätischen Kom<lb break="no"/>mission verhandeln, abgelehnt. Die Ölfirmen hatten dann aber in der<lb/>
ÖMV eine Besprechung und <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> wissen lassen, dass sie doch mit dem<lb/>
Vorschlag einverstanden sind, Heizöl extra leicht bis März <choice><choice><sic>und</sic><corr>um</corr></choice></choice><lb/>
2.70 und Dieselöl um 5.20 S zu verkaufen, in der Zwischenzeit aber<lb/>
weitere Verhandlungen, was im März dann geschehen soll, zu führen.<lb/>
Für Heizöl schwer wünschen sie allerdings eine sofortige Zurück<lb break="no"/>nahme der Rabattierung, d.h. eine Erhöhung um 100.- S auf 1500 S.<lb/>
Da dies nicht in der Preiskommission-Ingerenz liegt, habe ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> sofort davon verständigt und er hat dies mehr oder minder<lb/>
zur Kenntnis genommen. Er meint, er wird dieses Problem in der Pari<lb break="no"/>tätischen Kommission zur Sprache bringen, die dafür auch zuständig<lb/>
ist. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> erklärte auch, dass er jetzt die Überprüfung der ÖMV und<lb/>
der RAG wegen der Gaspreise veranlasst hat. Bis 20. Jänner müssen<lb/>
die Unterlagen vorliegen. Mit. Gen.Dir. <rs type="person">Diwald</rs> von der RAG<lb/>
hat er eine Besprechung geführt und er will den m3-Preis von 68 gr<lb/>
auf 75 gr erhöhen. Für die Kommunalbetriebe, die nur 6 % des<lb/>
Umsatzes ausmachen, ist er bereit, einen Sonderrabatt zu gewähren,<lb/>
diesbezügliche Verhandlungen wird er mit LH <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> führen. Ich er<lb break="no"/>suchte <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, er soll jetzt dieses Problem der Gaspreis-Erhöhung<lb/>
dringendst behandeln, da die Perlmooser, Ing. <rs type="person" ref="#per__113818">Gehart</rs> mit seinem<lb/>
Kalkulaten, bei mir waren, um sich zu beschweren, dass die NIOGAS<lb/>
um 100 % von ca. 50 gr/m3 auf 1.- S den Gaspreis mit 1. Jänner 1975<lb/>
erhöhen. Wenn die Abnehmer diese NIOGAS-Preiserhöhung nicht akzep<lb break="no"/>tieren, erklärt <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs>, wird kein Gas mehr an die Firmen geliefert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> war über diese Methode empört und meinte, hier würde er nach<lb/>
dem Rechten sehen, da seiner Meinung nach eine 100 %-ige Preiserhöhung<lb/>
nicht gerechtfertigt ist.</p><pb n="23-1566" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-20_1566.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte vom energiepolitischen Stand<lb break="no"/>punkt und preispolitischen Standpunkt die Sache dringendst behandeln<lb/>
und verfolgen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_13">Die Unterzeichnung des Ungarn-Vertrages hat <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs>, der sich in<lb/>
der Zwischenzeit von seinem Schlaganfall, wie er es selbst bezeichnet,<lb/>
erholt hat, persönlich vorgenommen. Der Botschafter <rs type="person">Nagy</rs> und Sekt.Chef<lb/>
jetziger Handelsrat <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> waren dabei anwesend. Meine Frage an <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs>,<lb/>
ob sie tatsächlich wieder einer solche Zucker-Import-Export-Lösung<lb/>
im Jahre 1975 machen könnten, hat <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> mir nicht sofort beantworten<lb/>
können. Er wird sich diesbezüglich in Budapest erkundigen und mir<lb/>
Bescheid geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte die Sektion I und III mit der Frage be<lb break="no"/>fassen, wo man sonst Zucker günstig importieren könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_15"><rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> hat mir in der Früh bei der Dekretüberreichung schon ge<lb break="no"/>sagt, dass nur noch die Frage der Besetzung der Berghauptmannschaft<lb/>
Wien ausständig sei und dafür Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> vorgesehen ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> hat dann am Abend noch einmal bei <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> urgiert. <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs><lb/>
steht mit Recht auf dem Standpunkt, dass wir keine bessere Lösung<lb/>
derzeit haben und nach den Gesprächen, die er geführt hat, wir<lb/>
dieser Lösung zustimmen sollten. <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> hat deshalb ebenfalls bei mir<lb/>
noch einmal vorgesprochen, ich habe dann zu dieser Aussprache auch<lb/>
noch <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> selbst gebeten. Ich machte <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs><lb/>
klar, dass ich nichts von einer provisorischen Besetzung dieser<lb/>
so wichtigen Berghauptmannschaft halte. Meiner Meinung nach wäre<lb/>
es dringend notwendig, eine Endlösung zu finden. <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> ist<lb/>
bereit, zweieinhalb Jahre in die Berghauptmannschaft Wien sich<lb/>
versetzen zu lassen. Mein Hinweis, dass durch eine Reorganisation<lb/>
der Obersten Bergbehörde im Zusammenhang mit dem Rechnungshofbericht,<lb/>
der aus der Überprüfung sehr negativ sein wird, wurde von <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> zur Kenntnis genommen. <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> meinte nur, dass es halt<lb/>
schwer ist, wenn man als Berghauptmann am Sitz der OB agiert, dann<lb/>
immer wieder übergangen wird. Dadurch hat die BH Wien nicht die<lb/>
Bedeutung, die ihr sicherlich zukommt. Wenn es nach mir geht, würde<lb/>
ich hier eine grundlegende Reform durchführen. Interessant war nur,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> – und dies glaube ich ihm – erklärt, er hätte sich<lb/>
nur als Berufsethos zu dieser Aufgabe entschlossen. Normal ist<lb/>
scheinbar niemand bereit, der in einer Zentralverwaltung arbeitet,<lb/>
<pb n="23-1567" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-20_1567.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch dann, wenn er dort eine ganz unzulängliche und sehr beschränkte<lb/>
Arbeit durchführt, sich in eine Unterbehörde zu begeben, wenn er<lb/>
nicht immer wieder die Rückkehrmöglichkeit hat. Den wahren Grund<lb/>
habe ich aber dann doch herausbekommen, dass nämlich, wenn <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs><lb/>
wirklich in der Bergbehörde Wien bleibt, er in kürzerer Zeit den<lb/>
Hofratstitel bekommen würde als andere Berghauptleute in den Bundes<lb break="no"/>ländern. Dadurch wären diese benachteiligt, weil nur eine gewisse<lb/>
Anzahl von Hofratstiteln zur Verfügung steht. Dies dürfte also der<lb/>
tiefere Grund sein, was man auf der einen Seite <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> jetzt ge<lb break="no"/>beten hat, die Berghauptmannschaft Wien zu führen, auf der anderen<lb/>
Seite aber von ihm erwartet, dass er nach zweieinhalb Jahren wieder<lb/>
in die Oberste Bergbehörde zurückkehrt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-20_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Vielleicht ist das der Punkt, wo wir ein<lb break="no"/>haken können, um eine Dauerlösung zu erzielen.</p></div>
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