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            <title type="main">Dienstag, der 17. Dezember 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_01">Dienstag, 17. Dezember 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_02">Im Parlament ging die Verhandlung über die Budgetansätze für Handel<lb/>
weiter. <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, die Bauern und der ÖAAB, alle meldeten sich.<lb/>
Für <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und die Handelskammerleute war ich der Konsumentenminister,<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__149048">Vetter</rs>, ÖAAB, tat ich zu wenig für die Konsumenten. Alle griffen<lb/>
an, dass ich viel zu optimistisch bin und malten schwarz im wahrsten<lb/>
Sinne des Wortes. Da ich wusste, dass das Haus auf alle Fälle noch<lb/>
das Budget von Verkehr und die Wirtschaftsgesetze und die authenti<lb break="no"/>sche Interpretation wegen der Pensionen verhandeln musste, hatte ich<lb/>
mir schon ursprünglich vorgenommen, nur einmal zu reden und dies<lb/>
natürlich zum Schluss. Natürlich nützte ich bei meiner Wortmeldung<lb/>
die Gelegenheit, um der ÖVP eines auszuwischen, indem ich insbesondere<lb/>
die Wirtschaftsbundleute angriff. Dies war für <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> so neu, dass<lb/>
er nach ca. 5 Minuten harter Attacken, fast bei jedem Satz bekam ich<lb/>
Beifall unserer Fraktion, plötzlich anfing zu toben, ich sollte<lb/>
mit der Polemik von der Regierungsbank aufhören und ans Rednerpult<lb/>
gehen, wissend, dass ich das nicht kann oder sofort meine Polemik<lb/>
einstellen. Als <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> anfing, trauten sich dann auch andere Abge<lb break="no"/>ordnete, und für mich war damit klar, dass ich jetzt umschalten<lb/>
musste. Ich spielte ganz unschuldig und meinte, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> könne mich<lb/>
doch nicht attackieren und ich würde dann nicht einmal seine Fragen<lb/>
beantworten. Darauf schrie <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dazwischen, er hätte mich nicht<lb/>
gefragt, sondern nur kritisiert. Damit waren die Lacher auf meiner<lb/>
Seite und die ÖVP beruhigte sich auch wieder. <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> als Schluss<lb break="no"/>mann, die Methode, dass nach dem Minister noch ein Abgeordneter spricht,<lb/>
hatten wir in der Opposition eingeführt, weil wir der Meinung waren,<lb/>
der Minister soll nicht das letzte Wort haben, begann dann sofort,<lb/>
dass ich auch als Abgeordneter immer die Taktik entwickelte, Beifall<lb/>
bei meinen eigenen Genossen zu haben, dies jetzt fortsetze, ohne dass<lb/>
ich die aufgeworfenen Probleme behandle. Er verriet nicht, wie ich<lb/>
das innerhalb zwanzig Minuten machen hätte sollen. Mir kam es aber we<lb break="no"/>sentlich darauf an, die ÖVP zu attackieren, denn dies ist meine Ein<lb break="no"/>zige Gelegenheit, einmal im Jahr bei der Budgetdebatte, die ich natür<lb break="no"/>lich in den 5 Jahren nie vorübergehen liess. Wie dies in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit ankommt, ist mir in dem Fall wirklich ganz egal, da die Zei<lb break="no"/>tungen kaum berichten und auch das Fernsehen in Wirklichkeit so spät<lb/>
in der Nacht erst sendet, dass auch hier kaum Zuseher sind. Viel<lb/>
wichtiger ist, dass die eigenen Genossen sehen, dass ich erstens<lb/>
<pb n="23-1544" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-17_1544.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Disziplin halte und mich nur einmal melde, und dass ich zweitens<lb/>
die ÖVP angreife, insbesondere den Wirtschaftsbund und damit un<lb break="no"/>seren Genossen vom Freien Wirtschaftsverband Unterstützung gebe, und<lb/>
dass mir drittens noch immer die parlamentarische Abgeordneten<lb break="no"/>tätigkeit mehr zusagt als die hochweise, belehrende von der Re<lb break="no"/>gierungsbank sprechende Regierungstätigkeit.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_03"><rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> ist es gelungen, mit der Personalvertretung, aber auch<lb/>
mit den Sektionsleitungen jetzt einen Akkord über die Geschäfts<lb break="no"/>einteilung zu erzielen. Wir haben dadurch 5 Abteilungen eingespart<lb/>
und nicht, wie dies bei den anderen Ministerien jetzt erfolgt, eine<lb/>
Ausweitung der Gruppen und der Abteilungen vorgenommen. Hier hat<lb/>
sich auch die Taktik wieder bewährt, zuerst während der bisherigen<lb/>
5-jährigen Tätigkeit soviel Gruppen und Abteilungen zu schaffen,<lb/>
bis eine Organisationsform gefunden war, die uns fachlich, aber auch<lb/>
politisch entsprach. Dies ist während der Jahre nicht aufgefallen,<lb/>
jetzt aber, wo die Geschäftseinteilung fällig ist, beginnen die<lb/>
anderen Minister mit einem Schlag vielleicht organisatorische und<lb/>
strukturelle Probleme zu lösen, hoffentlich auch in einer Form, die<lb/>
politisch einigermassen entspricht und damit erscheint ein Aufblähen<lb/>
des Apparates in einer Form und so deutlich, dass es sicherlich ent<lb break="no"/>sprechende Diskussionen geben wird. Wir dagegen können nachweisen,<lb/>
dass wir im Sinne der Verwaltungsvereinfachung und Verwaltungs<lb break="no"/>reform konzentrieren und damit so wie bei den Dienstposten heuer<lb/>
entsprechende Einsparungen vornehmen. Diese Politik hat dazu geführt,<lb/>
dass selbst die Personalvertretung jetzt zustimmt, obwohl sie dann<lb/>
in der Zeitung "bei uns" – dem ÖAAB-Blatt – von einem Stachanowisten-<lb/>
System spricht. Solche Äusserungen sind äusserst wertvoll, ich werde<lb/>
die sicherlich noch einmal bei Attacken im Parlament, die alle noch<lb/>
kommen können, dringend brauchen. Ing. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> als Personalver<lb break="no"/>treter und gleichzeitiger Journalist, er macht ja auch die Gewerk<lb break="no"/>schaftszeitung, dürfte alle diese Artikel in "bei uns" zumindestens<lb/>
redigieren, wenn er sie nicht selbst schreibt, dadurch macht er<lb/>
eigentlich ein doppeltes Spiel. Auf der einen Seite muss er zugeben,<lb/>
dass ich sachlich und fachlich richtig handle, meint sogar, er<lb/>
stimmt in diesen Punkten mit mir hundertprozentig überein. Auf<lb/>
der anderen Seite aber glaubt er, dies in seiner Zeitschrift "bei<lb/>
uns" entsprechend attackieren zu müssen. Auf die Dauer bin ich nicht<lb/>
überzeugt, ob ihm dieses Spiel gelingen wird. Dies ist aber letzten<lb/>
Endes sein Problem und wirklich nicht meines.</p><pb n="23-1545" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-17_1545.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_04"><rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> berichtet, dass die Ölfirmen, die Rabatte abbauen wollen,<lb/>
und er bei einer inoffiziellen Vorbesprechung erklärt hätte, für<lb/>
die Heizölpreise extra leicht, Ofenheizöl, dürfe es unter gar<lb/>
keinen Umständen eine Preiserhöhung durch Rabattwegfall geben.<lb/>
Damit wären auch die leichten Heizöle, um die Relationen zu<lb/>
wahren, weiterhin zum jetzigen Preis zu verkaufen. Bei Heizöl<lb/>
schwer und Diesel hätte er dagegen bemerkt, dass die Ölfirmen<lb/>
unter gar keinen Umständen mehr die Rabattierung weiter fort<lb break="no"/>setzen wollen. Ich erklärte ihm sofort, dass die ÖMV mir gegen<lb break="no"/>über meinte, sie rechnet fest mit einer Verlängerung aller Rabatt<lb break="no"/>sätze und er solle versuchen, dies auch durchzusetzen. Sollte<lb/>
sich wider Erwarten die Handelskammer aber für eine Erhöhung des<lb/>
Dieselpreises durch Wegfall des 10-Groschen-Rabattes aussprechen<lb/>
und auch die Landwirtschaftskammer dies akzeptieren, von <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>,<lb/>
Arbeiterkammer, wusste ich, dass die nicht einen besonderen Wert<lb/>
auf die Dieselverbilligung legen, dann könne er gegebenenfalls<lb/>
den Wunsch der Mineralölindustrie Rechnung tragen. Genau dasselbe<lb/>
gelte auch bei Heizöl schwer.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_05">Für feste mineralische Brennstoffe lauft die Sistierung der Preis<lb break="no"/>regelung aus und wir einigten uns, dass er vorschlagen sollte,<lb/>
6 Monate wieder zu verlängern. Genau dasselbe gilt für Seefische.<lb/>
Schmieröle sind ebenfalls sistiert und wenn die Interessensver<lb break="no"/>tretungen zustimmen, kann er bis zu einem Jahr weiterhin die<lb/>
Preisregelung aussetzen. Überhaupt versuchte ich ihm klar zu machen,<lb/>
dass er freie Hand bei allen Verhandlungen hat, wo die Interessens<lb break="no"/>vertretungen mit ihm einstimmig mitgehen und dadurch ein Akkord<lb/>
erzielt wird. Nur wenn es differente Auffassung der Interessens<lb break="no"/>vertretungen gibt, dann möge er mich kurz kontaktieren, damit wir<lb/>
uns über die Taktik und ganz besonders über das Ausmass der Preis<lb break="no"/>wünsche dann so vorgehen, dass wir vielleicht doch eine Einigung<lb/>
erzielen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_06">Der § 3 a über die Grazer Wasserpreiserhöhung zeigt nach <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>,<lb/>
dass eine Rückführung des Preises unmöglich sei. Die Grazer Wasser<lb break="no"/>werke haben seit 1951 den Preis nicht erhöht und die Kosten sind<lb/>
natürlich wesentlich gestiegen. Ich weiss nicht, wie weit die AK<lb/>
den Wünschen der Grazer, einen § 3 a zu verlangen, Rechnung ge<lb break="no"/>tragen hat, ohne die tatsächlichen Kalkulationen zu berücksichtigen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> möchte nun eine Erklärung der Grazer Wasserwerke, dass die<lb/>
<pb n="23-1546" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-17_1546.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>für das nächste halbe Jahr keine Preiserhöhung beantragen werden<lb/>
und ihnen dann den alten Preis, allerdings mit der Auflage, dass<lb/>
die Einnahmen ausschliesslich auch zur Investitionen der Wasser<lb break="no"/>werke verwendet werden müssen, und nicht, wie es bei Kommunal<lb break="no"/>betrieben oft vorkommt, die Erträge zu anderen Zwecken gebraucht<lb/>
werden und damit eigentlich zweckentfremdet sind, wie sich <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs><lb/>
ausdrückt. Ich verlangte von <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> eine entsprechende Darstellung<lb/>
und die Unterlagen der Wasserwerke.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte lass Dich auch über diese § 3 a-Fälle<lb/>
genauer informieren, bevor <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> zu Entscheidungen kommt und kon<lb break="no"/>taktiere die AK resp. gegebenenfalls die anderen Kammern, was sie<lb/>
dazu sagen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_08">Die Sonderregelung für Importeier soll weiterhin zur Anwendung<lb/>
kommen. Hier behauptet <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, er hätte vor längerer Zeit die<lb/>
Idee gehabt, wenn die Preise für den Verbraucher für die Sonderklasse<lb/>
2.- S übersteigen und die anderen entsprechend abgestuft bis<lb/>
zur kleinsten Einheit 1.40 Verbraucherpreisüberschreitung festge<lb break="no"/>stellt werden, dann kann die Handelsspanne Importeur, Gross-<lb/>
und Kleinhandel um insgesamt 10 gr gekürzt werden. Durch diese Metho<lb break="no"/>de, glaubt <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, hat er verhindert, dass die Importeure höhere Prei<lb break="no"/>se bereit sind, dem Ausland zu bezahlen als sie unbedingt müssen, weil<lb/>
es letzten Endes auf ihre Handelsspanne geht. Ich glaube zwar nicht,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> hier hundertprozentig recht hat, aber gegen das System<lb/>
an und für sich ist auch nichts einzuwenden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_09">Für mich steht fest, dass <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> ein sehr selbständiger Abteilungslei<lb break="no"/>ter ist, der sich, da er diese Materie jahrzehntelange bearbeitet,<lb/>
auch in den Details doch einigermassen auch auskennt und nicht<lb/>
bereit ist, mit anderen zu kooperieren, geschweige denn <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs><lb/>
als Gruppenleiter anzuerkennen, zu informieren oder vielleicht<lb/>
gar von ihm entsprechende Vorschläge zu berücksichtigen, falls <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs><lb/>
überhaupt welche macht. <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> wird sich deshalb auch in Hinkunft,<lb/>
wenn er jetzt als Nur-Gruppenleiter, der keine eigene Abteilung<lb/>
mehr hat, mehr um die zusammenfassende Koordination und Ausrich<lb break="no"/>tung der Gruppe kümmern muss, schwer tun. Zeit, bin ich<lb/>
überzeugt, hätte <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> auch in der Vergangenheit schon genug<lb/>
gehabt, weil er mir ja selbst gegenüber sagte, dass er die Abteilung<lb/>
Konsumentenpolitik durch die <choice><choice><sic>Zweigeleisigkeit</sic><corr>Zweigleisigkeit</corr></choice></choice> von dem Konsumenten<lb break="no"/><pb n="23-1547" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-17_1547.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>beirat und insbesondere dem Sekretär <rs type="person" ref="#per__115020">Welser</rs> ihm jede Aktivität<lb/>
genommen hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_10">In der Aufsichtsratsfraktion der ÖDK kam es zu einem Mehrheitsbe<lb break="no"/>schluss, dass der Vertrag für Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__97674">Kugler</rs> vorsorglich<lb/>
gekündigt werden soll. Wäre dies mir Jahresende nicht erfolgt, so<lb/>
wäre <rs type="person" ref="#per__97674">Kugler</rs> automatisch um zwei Jahre verlängert werden, obwohl er<lb/>
bereits 65 Jahre im nächsten Jahr sein wird und ausserdem tatsäch<lb break="no"/>lich krank ist. Insbesondere die Betriebsräte wollen, dass jetzt von der<lb/>
ÖVP ein Stellvertreter nominiert wird, damit die Arbeit von <rs type="person" ref="#per__97674">Kugler</rs><lb/>
auch tatsächlich geleistet wird. Der Präsident des Aufsichtsrates<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> war gegen diese Beschluss und <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> haben sich<lb/>
der Stimme enthalten, da ich ja auf dem Standpunkt stand und ihnen<lb/>
dies auch mitteilte, dass ein offener Krieg mit der ÖVP in der ÖDK<lb/>
verhindert werden soll. Trotzdem bin ich über diesen Beschluss nicht<lb/>
unglücklich. Die Betriebsräte erwarten eben jetzt mehr Aktivität von<lb/>
mir, als dies zur Zeit meines Vorgängers <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> scheinbar der Fall<lb/>
war. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs>, der BRO <rs type="person" ref="#per__140709">Hartl</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> kam extra spät abends<lb/>
ins Parlament, um mir von dieser Situation zu berichten. Wir einigten<lb/>
uns darauf, dass ich, wenn jetzt diesbezügliche Verhandlungen mit der<lb/>
ÖVP beginnen werden, nicht verpflichtet bin, die ÖVP zu zwingen, einen<lb/>
uns genehmen Direktor oder zumindestens jetzt den Stellvertreter zu<lb/>
nominieren. Ich erklärte dezidiert, dass ich zu allem bereit bin, nur<lb/>
nicht, dass ich die ÖVP zu einer Besetzung eines ihr zustehenden Postens<lb/>
so zwinge, dass ich auch vorschreibe, wer der ÖVP-Mann sein soll.<lb/>
<rs type="person">Steiner</rs>, der bis jetzt vorgesehen war, und auch der beste sein soll,<lb/>
würde dem Wirtschaftsbund und dem Bauernbund, aber auch unseren Genossen<lb/>
am meisten entsprechen. Der ÖAAB wünscht aber <rs type="person" ref="#per__126297">Klinger</rs> und wir werden<lb/>
sehen, wer von den drei Bünden der stärkere ist. Die Vorgangsweise<lb/>
des ÖDK-Aufsichtsrates, der morgen sicherlich mit Mehrheit dasselbe<lb/>
beschliessen wird, ist noch zu begründen, dass es notwendig ist, vor<lb break="no"/>sorglich wegen des Gesundheitszustandes von Dir. <rs type="person" ref="#per__97674">Kugler</rs> einen solchen<lb/>
Beschluss zu fassen. Aus sachlichen Gründen kann ich de Vorgangs<lb break="no"/>weise gerade noch decken und werde dies auch selbstverständlich tun.<lb/>
Während der ÖVP-Alleinregierung hat <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> als damaliger Verkehrs<lb break="no"/>minister und für die Energie Zuständiger bei den Donaukraftwerken<lb/>
sogar gegen die Stimmen der Sozialisten diesen ein Mandat weggenommen<lb/>
und dem unparteiischen Dr. <rs type="person" ref="#per__114462">Fenz</rs> gegeben. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> selbst hat mir dies ein<lb break="no"/>mal gestanden. Trotzdem werde ich meine Politik fortsetzen, mich von<lb/>
<pb n="23-1548" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-17_1548.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sachlichen Argumenten leiten zu lassen, die natürlich, und das will<lb/>
ich gar nicht bestreiten, auch letzten Endes politisch motiviert<lb/>
sind. Entscheidend ist und bleibt aber, dass alle Reorganisations<lb break="no"/>massnahmen, die ich in dieser kurzen Zeit meiner Energiewirtschafts<lb break="no"/>verantwortlichkeit getroffen habe oder noch zu treffen habe, der<lb/>
sachliche Gesichtspunkt nach wie vor der ausschlagende sein muss<lb/>
und sein wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_11">Zur Weihnachtsfeier des Klubs der Mandatare im 3. Bezirk mit den<lb/>
Sektionsleitern konnte ich nur ganz kurz gehen, doch war es mir<lb/>
wirklich ein Bedürfnis, unseren Funktionären für ihre Tätigkeit<lb/>
herzlichst zu danken. <rs type="person" ref="#per__112037">Tischler</rs> gestaltet diesen Abend immer sehr<lb/>
schön. Dies ist auch einer der grossen Vorteile, wenn der<lb/>
Sekretär der Bezirksorganisation eine Frau ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_12"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sagte mir unter vier Augen, dass er sich wegen der Zucker<lb break="no"/>kontingentierung grosse Sorgen macht. Er befürchtet, dass es nicht<lb/>
gelingen wird, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Er hat<lb/>
natürlich grosse Schwierigkeiten innerhalb der Kammer, die Koordi<lb break="no"/>nierung durchzuführen. Ich erklärte ihm sofort, es müsse genauso<lb/>
funktionieren, wie es letzten Endes gelungen ist, auch die Ölkrise<lb/>
im Vorjahr gemeinsam zu meisten. Natürlich gibt es Schwierigkeiten<lb/>
mit undisziplinierten Unternehmungen. Er befürchtet, dass über den<lb/>
Grosshandel die Zuckermengen an die Industrie oder Verarbeiter weiter<lb break="no"/>gegeben werden und dadurch die Verbraucher geschmälert werden. Ich<lb/>
verwies darauf, dass das typische Beispiel der LAbg. <rs type="person" ref="#per__131030">Platzer</rs> ist,<lb/>
der Zucker eben aufgelöst und in die Schweiz exportiert hat. Deswegen<lb/>
hat er mich sogar im Handelsausschuss gerügt, was ich natürlich<lb/>
bei meinem Parlamentsbeitrag zum Kapitel Handel entsprechend auch<lb/>
anprangerte und jetzt kommt derselbe Abgeordnete und lässt über<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> bei mir anfragen, ob und wieso er keinen Zucker <choice><choice><sic>bekommen.</sic><corr>bekommt</corr></choice></choice><lb/>
Er hat mir auch ein diesbezügliches Fernschreiben geschickt. Wenn<lb/>
wir hier hart bleiben, wird die Industrie und der Grosshandel sehr<lb/>
bald bemerken, dass das alleinige Profitstreben in diesem Fall<lb/>
nicht sehr zielführend ist. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gibt nämlich selbst zu, dass<lb/>
wenn der Grosshandel den Zucker nicht über den Kleinhandel dem<lb/>
Konsumenten verkauft, er mit der Zuckermenge, die er bekommt,<lb/>
wesentlich profitablere Geschäfte machen kann. Dies gilt auch dann,<lb/>
wenn er keine direkten Exportmöglichkeiten hat. Über die zuckerverar<lb break="no"/>beitenden Industrie kann er wesentlich grössere Spannen erlösen,<lb/>
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zugeführt wird, der Fall ist. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wird auf alle Fälle mit einer<lb/>
Zuckerdelegation zu mir kommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-17_13"/></div>
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            <head>Tagesordnung 145. Ministerratssitzung, 17.12.1974</head>
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            <head>Nachtrag TO 145. Ministerratssitzung, 17.12.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (Nachtrag TO MR-Sitzung Rückseite)</head>
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               <occupation>Beamter/Personalvertreter HM, Christgewerkschafter,
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