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            <title type="main">Montag, der 16. Dezember 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_01">Montag, 16. Dezember 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_02">Die Verlängerung der Wirtschaftsgesetze ging ohne besondere Schwierig<lb break="no"/>keiten sowohl im Klub als auch dann im Finanz- u. Budgetausschuß glatt<lb/>
über die Bühne. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> verlangte nur bei gewissen Paragraphen Einzelab<lb break="no"/>stimmung und war dann natürlich dagegen, insbesondere wollte er in dem<lb/>
Ausschußbericht aufgenommen haben, daß unter Paragraph 3b betriebs<lb break="no"/>wirtschaftliche Notwendigkeit auch der Gewinn und die Investitionen zu<lb/>
verstehen sind, dagegen sprach ich mich sehr entschieden aus. Daß ich<lb/>
nicht bei der Überprüfung nach § 3b, die ich durchzuführen hatte, einen<lb/>
gewissen Gewinn und selbstverständlich Investitionen berücksichtigen<lb/>
werde, sondern daß eine erläuternde Bemerkung darüber bedeuten würde,<lb/>
daß wir dann auch evtl. andere Kostenbestandteile aufnehmen müßten.<lb/>
Ganz besonders fürchtete ich aber, daß wir dann früher oder später in<lb/>
Definitionsnotwendigkeiten von all den Kosten kommen werden, wie sei<lb break="no"/>nerzeit die LFE die Leitsätze, die die nationalsozialistische Verwaltung<lb/>
herausgegeben hatte, bekommen könnten. Dies waren dicke Bände und der<lb/>
Horror von allen Verwaltungsbeamten, ganz zu schweigen von den Unter<lb break="no"/>nehmungen, die überprüft wurden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst hat vorgeschlagen, er<lb/>
würde beim Parlament über diese Frage beim Debattenvortrag sprechen<lb/>
und ich sollte dann dagegen nicht Stellung nehmen, d.h. auf alle Fälle<lb/>
schweigen. Ich habe ihm selbstverständlich eine solche Zusage nicht ge<lb break="no"/>macht, da ich mich von vornherein keinesfalls binden will, ohne zu<lb/>
wissen, was er konkret und im Einzelnen sagt. Ich erfuhr dann im Laufe<lb/>
des Tages, daß überhaupt nur <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> als ÖVP-Redner dazu sprechen wird,<lb/>
da ansonsten gleich alle vier Bünde das Wort ergreifen müßten. Die VP<lb/>
möchte aber Schluß machen und nachdem dieser Tagesordnungspunkt erst<lb/>
nach der Budgetdebatte behandelt wird, soll es womöglich von jeder<lb/>
Partei nur einen Redner geben. Das ist auch mir recht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_03">Ich verteilte den Briefentwurf, den ich an die vier Interessensvertre<lb break="no"/>tungen schicken werde, wonach ich mich verpflichte, bevor ich die Dele<lb break="no"/>gation des § 3b Leistungen, die jetzt auch in dem Ausschußbericht fest<lb break="no"/>gestellt sind, auch die Handelsspannen und die FV-Leistungen umfassen,<lb/>
an die Mitglieder des Ausschusses. Danach werde ich den Präsidenten der<lb/>
Interessensvertretungen Gelegenheit geben, bevor ich die Delegation end<lb break="no"/>gültig ausspreche, dazu Stellung zu nehmen. Im Prinzip bin ich aber ent<lb break="no"/>schlossen, bei der <choice><choice><sic>ersten besten</sic><corr>erstbesten</corr></choice></choice> sich bietenden Gelegenheit die Landes<lb break="no"/>hauptleute zu delegieren und damit auch die Verantwortung für die Preis<lb break="no"/>entwicklung in ihren Bundesländern ihnen zu überantworten. Ich werde<lb/>
aber Anfang des Jahres sofort eine Besprechung mit den soz. Vertretern<lb/>
der Länder, sogen. Preiskomitee, die ganze Frage durchbesprechen</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_04">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte Sitzung noch vor meiner Abreise nach<lb/>
Ägypten einladen.</p><pb n="23-1537" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-16_1537.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_05">Das Journalistenfrühstück war wieder phantastisch besucht,<lb/>
obwohl ich nicht ganz überzeugt bin, daß alle, die kommen, auch<lb/>
tatsächlich notwendig wären. Es gibt sicherlich einige Redak<lb break="no"/>teure, die kaum etwas schreiben und die halt kommen, damit<lb/>
sie auch dabei sind. Trotzdem glaube ich, ist es eine gewisse<lb/>
Stimulierung für die anderen auch zu kommen, weil sie nie<lb/>
genau wissen, ob sie nicht doch irgend etwas versäumen. Da<lb/>
es die letzte Veranstaltung in diesem Jahre war, hätte ich<lb/>
eigentlich erwartet, daß wir irgendwelche besondere Aufmerksam<lb break="no"/>keit den Journalisten geben. <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> hat aber überhaupt nichts<lb/>
vorbereitet und mir auch keinen Vorschlag unterbreitet.<lb/>
Ich selbst bin deshalb über diese Tatsache ganz einfach hin<lb break="no"/>weggegangen. Vielleicht wäre es auch wirklich nicht zweckmäßig,<lb/>
den Journalisten, die zufällig gerade anwesend sind, ein<lb/>
Präsent zu überreichen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_06">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte kläre sofort, ob man so etwas von<lb/>
mir erwartet, was könnte <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> in meinem Namen noch unter<lb break="no"/>nehmen?</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_07">Ich habe den Journalisten angekündigt, obwohl wir das nächste<lb/>
Pressegespräch erst Mitte Jänner haben werden, daß sie während<lb/>
dieser Zeit trotzdem mit Material versorgt werden. Ich stelle<lb/>
mir vor, daß wir während der ruhigen Ferienzeit auf alle Fälle<lb/>
wieder entsprechende Informationen der Presse geben sollen.<lb/>
Dies kann auch in meinem Namen geschehen, weil ich ja telefonisch<lb/>
jederzeit erreichbar bin. Ich habe nämlich festgestellt, daß<lb/>
wenn die Pressestelle irgendwelche Aussendungen des Handels<lb break="no"/>ministeriums offiziell macht, überhaupt niemand diese Aus<lb break="no"/>sendungen bringt. Es ist heute unerlässlich scheinbar, daß<lb/>
der Minister mit seinem eigenen Namen, ja womöglich mit<lb/>
eigenen Worten eine entsprechende Erklärung zu einem Problem<lb/>
abgibt. Nur in diesem Fall ist die Presse bereit, es zu überneh<lb break="no"/>men.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_08">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs> und <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Hier müssen wir entsprechende<lb/>
Vorkehrungen treffen, daß <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs><lb/>
tatsächlich wie in den ver<lb break="no"/>gangenen Jahren die Presse ständig mit Material versorgt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_09">Mit <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> und <rs type="person" ref="#per__112989">Herold</rs> als Personalvertretung und <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> besprach ich die neue Geschäftseinteilung.</p><pb n="23-1538" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-16_1538.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_10">Die Personalvertretung stützt sich auf meine Zusage, daß<lb/>
ich doch bereit bin, an Stelle der 6 Abteilungen, die eingespart<lb/>
werden müssen, nur 5 Abteilungen einzusparen. <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> erinnert<lb/>
sich sogar daran, ohne daß er dies natürlich vor <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> gesagt<lb/>
hätte, daß ich bereit gewesen wäre, <rs type="person" ref="#per__97693">Lejolle</rs> auf alle Fälle<lb/>
sofort eine Abteilung, weil es der Wunsch der Personalvertretung<lb/>
ist, zu übergeben. Meiner Meinung nach ist es aber unzweckmäßig,<lb/>
die seinerzeitige <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs>-Abteilung, <rs type="person" ref="#per__97693">Lejolle</rs> als die Abteilung<lb/>
der Sekt. IV Industrie, auch nur vorübergehend zu besetzen.<lb/>
Diese Abteilung hat nur Geld- und Kreditwesen und Umsatz-Fragen<lb/>
der Industriepolitik und der Statistik als Aufgabenbereich.<lb/>
Dies gehört meiner Meinung nach eindeutig mit der Abteilung 2,<lb/>
die sich mit der spezifischen Industriefinanzierung und der<lb/>
Koordination beschäftigt, zusammengelegt. Diese Abteilung wird<lb/>
auf alle Fälle von <rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs>, der wesentlich tüchtiger, wie<lb/>
man mir sagt, ist, als <rs type="person" ref="#per__97693">Lejolle</rs>, nur rangjünger besetzt. Ich habe<lb/>
dies <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>, nachdem die Personalvertretung von der Bestellung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97693">Lejolles</rs> nicht Abstand nehmen will, vorgeschlagen, er soll ver<lb break="no"/>suchen ihnen, wenn überhaupt, so maximal eine Abteilung in der<lb/>
Sektion IV Industrie zu geben, wo allerdings eine seinen Fähig<lb break="no"/>keiten entsprechende nur betriebswirtschaftliche Abteilung mög<lb break="no"/>lich wäre, dort könnte er sich gegebenenfalls auch mit seinen Fi<lb break="no"/>nanzamtskenntnissen einigermaßen bewähren. Über die anderen Forde<lb break="no"/>rungen der Personalvertretung sind wir einig, die Gruppe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> kann erst errichtet werden, bis die Gruppe <rs type="person" ref="#per__137246">Buchta</rs><lb/>
aufgelöst wird, die Abteilung <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> bekommt <rs type="person" ref="#per__114560">Tschach</rs>, wie ...<lb/>
jetzt entschieden, die Abteilung 7 wird aufgelöst, die bis jetzt<lb/>
ja ausschließlich dazu diente, aus Verlegenheit weitergeführt<lb/>
zu werden. Die Konsumentenabteilung von <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> wird aufgelöst.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> selbst hat sich bei mir bitter beschwert, daß er bis<lb/>
jetzt keine Möglichkeit gehabt hat, in der Abteilung Konsumenten<lb break="no"/>politik so zu arbeiten, wie er es sich vorgestellt hat. Er hat<lb/>
ganz große Schwierigkeiten mit dem Sekretär des Konsumentenpoliti<lb break="no"/>schen Beirates <rs type="person" ref="#per__115020">Welser</rs> gehabt und daher ist diese Abteilung,<lb/>
wie er selbst sagte, niemals aktiv geworden. Es wird die<lb/>
Abteilung <rs type="person" ref="#per__110035">Thun-Hohenstein</rs> aufgelöst u. eine Abteilung von <rs type="person" ref="#per__130193">Prodin<lb break="no"/>ger</rs>. Dieser wird die Abteilung von <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> übernehmen. Die <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs>-Ab<lb break="no"/>teilung wird ebenfalls aufgelöst und die Agenden der I und der II<lb/>
im neuen Geschäftseinteilungsbereich zusammengelegt, dafür wird ge<lb break="no"/>gebenenfalls eben die betriebswirtschaftliche Abteilung für <rs type="person" ref="#per__97693">Lejolle</rs><lb/>
<pb n="23-1539" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-16_1539.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>errichtet. Zuletzt wird auch die <rs type="person" ref="#per__137246">Buchta</rs>-Abteilung aufgelöst,<lb/>
die aber in einen anderen Vertretungskörper der Personal<lb break="no"/>vertretung gehört. Weiters habe ich von der Personalver<lb break="no"/>tretung jetzt eine einheitliche Stellungnahme zum Problem,<lb/>
ob die Ursprungsbezeichnung zum Präsidium oder ins Patentamt<lb/>
gehört, verlangt. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> erklärt, es wird hier wahr<lb break="no"/>scheinlich zu keiner einvernehmlichen Auffassung innerhalb<lb/>
der Personalvertretung kommen. Bevor ich darüber endgültig<lb/>
entscheide, werde ich dann SChef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> als Präsidialisten<lb/>
und gleichzeitig Vorgesetzter von <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> und Präsident <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs><lb/>
vom Patentamt noch fragen und versuchen eine einvernehmliche<lb/>
Lösung herbeizuführen. Ich glaube, daß wir mit einer solchen<lb/>
mit der Personalvertretung wahrscheinlich einvernehmlichen<lb/>
Lösung unserer Geschäftseinteilung sehr zufrieden sein können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> ist es tatsächlich geglückt, in Zusammenarbeit mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> die Reduzierung der Abteilungen durchzusetzen. Wir haben<lb/>
dadurch immerhin wenigstens 5 Abteilungen erspart. Wie ich<lb/>
höre, und man sagt mir, daß bei den anderen Ministerien genau<lb/>
der gegenteilige Effekt mit der neuen Geschäftseinteilung<lb/>
erzielt wurde. Dort werden eine ganze Anzahl von Gruppen<lb/>
und neuen Abteilungen geschaffen. Dies kann allerdings auch<lb/>
darauf zurückzuführen sein, daß wir vielleicht in der Ver<lb break="no"/>gangenheit, um Personal entsprechend einsetzen zu können,<lb/>
gewisse Aktionen mit neuen Gruppen und neuen Abteilungen<lb/>
vornehmen mußten, die wir jetzt im Zuge der Geschäftsein<lb break="no"/>teilung wieder einsparen können. Dieser Effekt war von mir<lb/>
zwar nicht beabsichtigt, aber sicherlich ist er jetzt zu<lb/>
unseren Gunsten, weil wir im Zuge der Geschäftseinteilung ent<lb break="no"/>sprechend reduzieren und nicht wie die anderen vergrössern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_11">In der Sitzung der Industriesektion <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> mit <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> und <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs><lb/>
zeigt sich, daß der Wasserwirtschaftsfonds, MR <rs type="person" ref="#per__140712">Hofmeier</rs>, nicht<lb/>
einmal bereit ist, die 24 Millionen Schilling, die wir erwartet<lb/>
haben, für 1975 zur Verfügung zu stellen. Er erklärt, er hätte<lb/>
nach Rücksprache mit dem Bautenminister 20 Millionen Schilling<lb/>
als maximalen Betrag. Insgesamt werden dadurch für den<lb/>
Wasserwirtschaftsfonds aber bereits Verpflichtungen für<lb/>
über 1 Milliarde Schilling entstehen. Der Wasserwirtschafts<lb break="no"/>fonds wird deshalb in seiner Sitzung am 19. Dezember nur be<lb break="no"/>schließen, daß für die Papierindustrie Umweltschutzbereinigung<lb/>
<pb n="23-1540" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-16_1540.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ein oder maximal 2 Projekte in Frage kommen, genau dies<lb/>
will aber die Bankengruppe, nämlich die CA und die Länderbank<lb/>
nicht, sie hätten am liebsten, wenn wir mindestens 4 Projekte<lb/>
finanzieren könnten. Nur unter diesen Umständen sind die beiden<lb/>
imstande, eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Ich <choice><choice><sic>ersuchte</sic><corr>versuchte</corr></choice></choice><lb/>
deshalb den Vertretern der Länderbank und der CA klarzumachen,<lb/>
daß sie sich jetzt untereinander noch einmal besprechen sollen<lb/>
und wir dann im kleineren Kreis noch einmal zusammen kommen<lb/>
müssen. Natürlich werde ich eine Prioritätenliste setzen<lb/>
müssen, doch kann ich mir sehr gut vorstellen, daß die Länder<lb break="no"/>bank nicht unbedingt jetzt als einziges und womöglich als alleini<lb break="no"/>ges Projekt nur die Leykamer erledigt haben möchte, darauf wird<lb/>
es aber in der Praxis hinauslaufen, da sich nicht zuletzt jetzt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> auch besonders nur für das Leykamer-Projekt als erstes<lb/>
entschieden hat; ein diesbezügliches Schreiben ist mir knapp<lb/>
vor der Sitzung zugegangen. NR <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> von der Gewerkschaft hat<lb/>
sich bis jetzt überhaupt nicht dezidiert für ein einziges Projekt<lb/>
ausgesprochen, obwohl ich weiß, daß auch er alles daransetzt,<lb/>
damit Leykam diesen Zuschlag bekommt. Ich sehe die einzige<lb/>
Möglichkeit darin, daß ich jetzt in Einzelgesprächen kläre, wie<lb/>
letzten Endes das Handelsministerium entscheiden soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_12">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte entsprechende Vorbesprechungen führen<lb/>
und mir berichten, damit ich dann die Endgespräche führen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_13">Bei der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf hinge<lb break="no"/>wiesen, daß jetzt die Ombudsmannfrage zu einem endgültigen Schluß<lb/>
bringen möchte. Die ÖVP war ursprünglich nur bereit einem mono<lb break="no"/>graphischen<add>[monokratischen?]</add> System ähnlich dem Präsidium des Nationalrates oder<lb/>
noch besser des Rechnungshofes zuzustimmen. In diesem Fall wäre<lb/>
der Volksanwalt fast so unabhängig gewesen wie der derzeitige<lb/>
Rechnungshofpräsident. Daß eine solche Lösung nicht nur undemo<lb break="no"/>kratisch, sondern auch gefährlich ist, haben jetzt selbst die er<lb break="no"/>kannt, die seinerzeit für <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> als Rechnungshofpräsident ein<lb break="no"/>getreten sind. Damals hat man der FPÖ ein gewisses Zugeständnis<lb/>
machen wollen und jetzt stellt sich heraus, daß <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> sich<lb/>
als der unabhängige Rechnungshofpräsident nicht mehr fühlt,<lb/>
sondern auch entsprechende Politik betreibt. Bekannt ist, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> ein Opernnarr ist, er versteht angeblich etwas davon<lb/>
und deshalb alle Ausgaben und Vorteile, die dort vorkommen,<lb/>
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aber beginnt er bei seiner Prüfung ganz entscheidend Politik<lb/>
zu machen. Ich bin bis jetzt mit <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> verhältnismässig<lb/>
gut ausgekommen, richtig ist aber, dass er, und <choice><choice><sic>die</sic><corr>dies</corr></choice></choice> bemerken<lb/>
die Minister, die mit ihm grössere Wickel haben, ganz einfach auf<lb/>
dem Stand, er sei unfehlbar und seine Aufgabe sei nicht, irgend<lb/>
etwas zu erklären, sondern nur dann auch wenn die Sachverhalte ganz<lb/>
anders liegen, im Parlament Bericht zu erstatten. Ich werde auf alle<lb/>
Fälle die Aussagen vom Rechnungshof bezüglich unserer Obersten<lb/>
Bergbehörde dringend brauchen, um Reorganisation der Energiesektion<lb/>
und Obersten Bergbehörde einzuleiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-16_14">Die Diskussion mit <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs>, <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs> vom Bauforschungsinstitut<lb/>
und Prof. <rs type="person" ref="#per__97762">Musil</rs> im Fernsehen unter Leitung von Dr. <rs type="person" ref="#per__135868">Nussbaum</rs> über<lb/>
Energiesparen konnte erst dann beginnen, als das Parlament unterbrochen<lb/>
hatte. Ich war nämlich nicht bereit, obwohl mich Klubobmann <rs type="person" ref="#per__98066">Robert<lb/>
Weisz</rs> dazu ermächtigte und <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> selbst darauf drängte, den Sitzungs<lb break="no"/>saal auch nur eine Minute früher zu verlassen, als dies der Prä<lb break="no"/>sident verlautbart hatte. Natürlich hätte ich können beim letzten<lb/>
Redner, es war dies der Sozialist <rs type="person" ref="#per__125303">Thalhammer</rs>, weggehen und<lb/>
ein anderer Minister auf die Regierungsbank sich setzen, aber ich<lb/>
stehe auf dem Standpunkt, dass ich <rs type="person" ref="#per__135868">Nussbaum</rs> genau erklärt habe, dass<lb/>
ich an diesem Tag kaum Zeit haben werde. Trotzdem hat er darauf<lb/>
bestanden, dass wir nach der Haussitzung diese Aufzeichnung vornehmen<lb/>
sollen. Die Parlamentsdebatte war erst spät um 7 Uhr für Handel<lb/>
gestartet und wurde um 9 Uhr unterbrochen. Die Hauptredner, ins<lb break="no"/>besondere <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, haben dann das erste Mal die zu geringe <choice><choice><sic>Budgetier</sic><corr>Budgetierung?</corr></choice></choice><lb/>
angegriffen. Hier werde ich natürlich entsprechend und mit Leich<lb break="no"/>tigkeit antworten können, denn immerhin hat die ÖVP-Regierung in 4 Jah<lb break="no"/>ren das Budget des Handelsministers niemals über 320 Mill. hinausge<lb break="no"/>bracht. Es waren 1966 310 Mill. und es hat sich bis auf 320 Mill.<lb/>
erhöht. Ich habe immerhin innerhalb von 5 Budgets es auf das Dreifache<lb/>
gebracht, nämlich auf über 910 Mill. S. Mein wirklich schwacher<lb/>
Punkt ist der Ansatz für die wirtschaftliche Landesverteidigung oder<lb/>
über die Krisenpolitik, die <rs type="person" ref="#per__97515">Hanreich</rs> aufzeigt. Hier haben wir in der<lb/>
Vergangenheit infolge budgetärer Knappheit nichts machen können und<lb/>
wahrscheinlich wird das auch in der Zukunft nur sehr unzulänglich<lb/>
der Fall sein. Gut hat der Hauptredner der Sozialisten <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs><lb/>
<pb n="23-1542" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-16_1542.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sein Programm für das nächste Jahr, wo Handelskammerwahlen sind,<lb/>
vorgetragen. Ich glaube, dass das wirklich eine gute Basis für<lb/>
ihre Propaganda ist. Ich werde auf alle Fälle den Freien Wirtschafts<lb break="no"/>verband in jeder Beziehung unterstützen.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 16.12.1974</head>
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               <persName><surname>Singer</surname><forename>Hans</forename></persName>
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               <persName type="label">Kinscher, Walter</persName>
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               <persName type="label">Bukowski, Dietrich</persName>
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               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
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                  ÖVP-Politiker</occupation>
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