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            <title type="main">Donnerstag, der 12. Dezember 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_01">Donnerstag, 12. Dezember 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_02">Im Klub berichtete <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs>, dass es nun zur Abstimmung über<lb/>
die Fristsetzung für die Wirtschaftsgesetze komme. Die ÖVP hätte einen<lb/>
ähnlichen Initiativantrag eingebracht, nur dass die Verlängerung auf<lb/>
ein Jahr erfolgen solle. Ebenso würde die authentische Interpretation<lb/>
mit der Besoldung der Pensionisten – Einbeziehung der Verwaltungs- und<lb/>
Verwendungsdienstzulagen – in die ÖVP-Besprechungen einbezogen werden.<lb/>
Über die Wirtschaftsgesetze sollten sich dann die beiden Parteiführer<lb/>
sollte in den Unterkomitees wegen der Delegierung an die Landeshaupt<lb break="no"/>leute und des Weisungsrechtes des Landwirtschaftsministers im Landwirt<lb break="no"/>schaftsgesetz Verhandlungen stattfinden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_03">Die Industriegespräche der Sektion III mit den Fachverbandsgeschäfts<lb break="no"/>führern und der Handelskammer waren ein Experiment. Nach 5 Jahren Tätig<lb break="no"/>keit hat sich schön langsam jetzt die sektorale Industriepolitik, d.h.<lb/>
die jungen Leute, die damals in diese Position kamen, soweit profi<lb break="no"/>liert, dass <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> jetzt wagte, mit der Handelskammer und den Fachver<lb break="no"/>bänden eine diesbezügliche Besprechung zu führen. Natürlich war für meine<lb/>
Begriffe der Kreis viel zu gross, sodass, als die Berichte der Ministerial<lb break="no"/>vertreter und der Handelskammerleute um 12 Uhr zu Ende gingen, eigent<lb break="no"/>lich der Punkt Diskussion gar nicht mehr angeschnitten wurde. Die erste<lb/>
Aussprache bestand eigentlich jetzt nur in einem Situationsbericht, der<lb/>
insbesondere auch von Dr. <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs>, der die Konjunkturgespräche in den<lb/>
einzelnen Ländern führt, eingeleitet wurde. Da alle schon nach Hause gehen<lb/>
wollten, habe ich unter dem Punkt Diskussion auch nicht das Wort ergriffen,<lb/>
sondern überhaupt nur zugehört. Anschliessend habe ich dann <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> meine<lb/>
Konjunkturtheorie für die nächste Zeit entwickelt. Ich bin überzeugt,<lb/>
dass es ähnlich wie im Baugewerbe jetzt auch in anderen Branchen sein<lb/>
wird. Im Baugewerbe hat der Bund durch seine grossen Investitionen und<lb/>
Bauvorhaben die grossen Bauunternehmungen die ersten Monate einiger<lb break="no"/>massen beschäftigt. Für die kleinen Gewerbetreibenden und Baumeister,<lb/>
die jetzt besonders die Flaute des Einfamilienwohnhausbaues und des<lb/>
Fremdenverkehrs und teilweise des Appartementhausbaues spüren, gibt es<lb/>
keine Möglichkeit für den Bund, aktiv einzugreifen. Ähnlich, fürchte<lb/>
ich, wird es auch bei einzelnen Industriebranchen sein. Soweit der<lb/>
Bund Aufträge vergeben kann, sei es im KFZ-Sektor, im Elektrosektor,<lb/>
Stromtechnik usw. werden die Bundesaufträge für eine gewisse Beschäf<lb break="no"/>tigung sorgen. Richtig ist, daß die Unternehmer, die nicht so wie die<lb/>
Eisen-<lb/>
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geringer und der vielleicht sogar zurückgeht, die zu erwartende<lb/>
Flaute hinwegkommen werden, bis die deutsche Konjunktur wieder richtig<lb break="no"/>gehend einsetzt. Ich erwarte diese gegen Mitte des nächsten Jahres.<lb/>
Ich bin nämlich fest davon überzeugt, das <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> sich auch gegen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> durchsetzen wird und durchstartet, wenn erst die Arbeits<lb break="no"/>losenziffern über eine Million gestiegen ist, dann kann in der BRD<lb/>
auch niemand mehr im Hinblick auf die preisstabilisierende Wirkung<lb/>
der Zurückhaltung des Bundes diese Politik fortsetzen. Das Gespräch<lb/>
und die Aussprache anschliessend war für mich sehr nützlich, weil<lb/>
ich unseren Leuten, die dann noch bei der Besprechung mit <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> an<lb break="no"/>wesend waren, dankte und versicherte, dass ich ihnen ja vor fünf<lb/>
Jahren erklärt habe, dass es eben mindestens 5 Jahre dauern wird, bis<lb/>
sie sich so einigermassen eingearbeitet haben. Jetzt sind sie sicherlich<lb/>
imstande, mit ihrem Wissen auch den Fachverbandsvorstehern und Sekretären<lb/>
mit einer eigenen Meinung entgegenzutreten. Die Zeit, wo sie reines<lb/>
Exekutionsorgan waren der Handelskammer, ist meiner Meinung nach jetzt<lb/>
vorbei. <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> benützte natürlich sofort die Gelegenheit, um darauf hinzu<lb break="no"/>weisen, dass er entsprechende neue Mitarbeiter braucht. Ihm seien in<lb/>
den letzten Jahren so viele Dienstposten gestrichen worden. Andererseits<lb/>
sind seine Leute noch mit den Zollbegünstigungsverfahren sehr stark<lb/>
beschäftigt. Noch immer werden fast 20.000 Anträge bearbeitet. <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs><lb/>
meinte, dass ganz besonders der Finanzminister an dieser Tätigkeit<lb/>
interessiert sein müsse, weil er von der Einfuhr von 6 Mia S noch<lb/>
einen wesentlichen Zollanteil herausziehen könne. Trotzdem ersuchte ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, ein System auszuarbeiten, wo den 20.000 Anträge vielleicht<lb/>
2.000 zur Bearbeitung übrigbleiben sollten. In Hinkunft wird ja durch<lb/>
die EG-Zollsenkungen diese Differenz immer kleiner und daher auch vom<lb/>
fiskalischen, aber auch Ersparnisgründen des einzelnen Unternehmers<lb/>
immer uninteressanter.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte diese Probleme in der Grundsatzgruppe noch<lb/>
einmal besprechen und weitertreiben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_05">Bei der Unterzeichnung des rumänischen Fremdenverkehrsabkommens mit<lb/>
dem rum. Botschafter gab mir anschliessend die Möglichkeit, mit ihm<lb/>
und dem Handelsrat <rs type="person" ref="#per__117611">Ceausescu</rs> über die Einfuhr von rum. Strumpfhosen<lb/>
und dem Selbstbeschränkungsabkommen zu sprechen. Die Rumänen haben sich<lb/>
in einem Textilabkommen verpflichtet, dass sie uns als Gegenlieferung für<lb/>
österr. Textilexporte 500.000 Strumpfhosen verkaufen. Da sie bei anderen<lb/>
<pb n="23-1520" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-12_1520.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Wirkwaren nicht liefern können, haben sie einen Vertrag mit der<lb/>
österr. Importfirma SILTEX geschlossen und wollen 2,3 Mia importieren.<lb/>
Die gesamte weltweite Menge im Selbstbeschränkungsverfahren auf<lb/>
9,8 Mill. begrenzt sein soll, sie für diese Strumpfhosen einen tiefen<lb/>
Preis verlangen müssen, nachdem die Stafa 4,90 für den Verbraucher dafür<lb/>
verlangt, müssen die Rumänen jetzt sich ebenfalls einer Selbstbe<lb break="no"/>schränkung auferlegen. <rs type="person" ref="#per__117611">Ceausescu</rs> wies darauf hin, dass man in Bukarest<lb/>
die grössten Schwierigkeiten habe, denn mit 1. Jänner 1975 soll eine<lb/>
Liberalisierung einsetzen und nicht eine Kontingentierung. Die Rumänen<lb/>
hätten sich bemüht, bei Traktoren und Gemüsekonserven grössere Exporte<lb/>
zu tätigen. Bei Traktoren konnte ich ihnen sagen, dass sie die Preise<lb/>
stark unterschritten, sie verlangen 75.000 S für einen Traktor, der<lb/>
in der billigsten Preisvergleich mit Ferguson und nicht, wie <rs type="person" ref="#per__117611">Ceausescu</rs><lb/>
meint, mit Fiat preisgleich 105.000 S kostet. Der Fiat-Traktor ist<lb/>
noch ein bisschen teurer. Bei Gemüsekonserven konnte ich darauf hin<lb break="no"/>weisen, dass ein gewisses Kontingent für die Staatshandelsländer mit<lb/>
1. Jänner 1975 zur freien Einfuhr automatisch freigegeben wird. Auf dem<lb/>
Strumpfhosensektor bestünde aber noch ein Textilabkommen und wir müssten<lb/>
darauf bestehen, dass dieses auch eingehalten wird. Für die Zukunft<lb/>
sehe ich aus rumänischen Importen eine noch grössere Gefahr. Die Firma<lb/>
Piering, die bis jetzt Damenstrümpfe in Waidhofen erzeugte, hat still<lb break="no"/>gelegt und die Maschinen will sie jetzt nach Rumänien verkaufen. Dies<lb/>
bedeutet, dass dort eine noch grössere Kapazität errichtet wird und<lb/>
damit der Druck auf Exporte noch grösser wird. Schon aus diesem Grund<lb/>
müssen wir trachten, dass das Textilabkommen zwischen Rumänien und<lb/>
Österreich tatsächlich eingehalten wird. Botschafter versprach nach Ru<lb break="no"/>mänien zu berichten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte die Angelegenheit weiter verfolgen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_07">Beim Weggehen, damit es nicht einen so offiziellen Charakter hat, habe<lb/>
ich dann den Botschafter noch auf den in Bukarest zurückgehaltenen<lb/>
Ing. <rs type="person" ref="#per__140716">Mauritsch</rs> von der Radentheiner Magnesit aufmerksam gemacht. Der<lb/>
Botschafter behauptete, dass ein eindeutiges Verschulden von <rs type="person" ref="#per__140716">Mauritsch</rs><lb/>
vorliegt, <choice><choice><sic>den</sic><corr>der?</corr></choice></choice> den Vizepräsidenten <rs type="person" ref="#per__136430">Wick</rs> bereits genau informiert hat,<lb/>
und dieser jetzt nach Bukarest fährt, um dort mit einem Aussenhandels<lb break="no"/>ministerstellvertreter zu verhandeln.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__136430">Wick</rs> informieren und dann nach Rück<lb break="no"/>kehr einen Bericht verlangen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_09">Die Weihnachtsfeier der Tabak-Pensionisten zeigte mir wieder einmal<lb/>
<pb n="23-1521" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-12_1521.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>deutlich, wie eine gute Organisation dazu beiträgt, um den älteren<lb/>
Menschen wirklich auch besinnliche Stunden zu geben. Diese Tabak<lb break="no"/>pensionisten treffen sich alle Monate einmal und bilden so eine<lb/>
Gemeinschaft, wo ältere Menschen, die sonst kaum noch eine Aussprache<lb/>
und Ansprache mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen haben, ihre Weh<lb break="no"/>wehchen besprechen können. Solange man jung ist und im Arbeitsprozess<lb/>
steht, braucht man eine solche Verbindung kaum. Ich bin überzeugt,<lb/>
dass es aber ganz anders aussieht, wenn man eben einmal im Pensions<lb break="no"/>alter ist, vielleicht sollten wir wirklich mehr solche Möglich<lb break="no"/>keiten schaffen, die von der Gemeinde Wien durchgeführten Pensionisten<lb break="no"/>klubs sind zweifelsohne ein Ersatz, der gerade aber auch auf dem Gebiet<lb/>
des ehemaligen Arbeitsverhältnisses solche Aussprachen und Treffs von<lb/>
Bedeutung sind, habe ich bei der Pensionistenversammlung wieder bestä<lb break="no"/>tigt bekommen. Wo eine gewisse Aktivität vorherrscht, kann ich ruhig be<lb break="no"/>haupten, gibt es keine treueren Mitglieder als die Pensionisten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_10">Der Tiroler Lodenverband, ein versuchter Zusammenschluss von den<lb/>
drei Lodenfirmen, will noch enger kooperieren, um letzten Endes<lb/>
eine einheitliche nationale Lodenindustrie zu errichten. Loden<lb/>
hat in der letzten Zeit einen starken Aufschwung genommen und die<lb/>
Tiroler Firmen sind sich klar darüber, dass sie engstens zusammen<lb break="no"/>arbeiten müssen. Zu diesem Zweck haben sie auch eine Studie in<lb/>
Auftrag gegeben und möchten jetzt von mir einen grösseren Zuschuss<lb/>
als die 50.000 S, die ich für das Jahr 1974 vorgesehen hatte und<lb/>
auch bereits zugeteilt habe. <rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs> hat mit ihnen dann noch Detail<lb break="no"/>verhandlungen geführt und ich habe ihnen zwar nichts konkret verspro<lb break="no"/>chen, aber in Aussicht gestellt, dass wir 1975 ebenfalls einen be<lb break="no"/>scheidenen Beitrag leisten werden, soferne es die budgetäre Situation<lb/>
ermöglicht. Für 1974 habe ich dezidiert erklärt, können wir ihnen<lb/>
keine weiteren Mittel mehr geben. In dieser Frage hat auch der FPÖ-<lb/>
Abgeordnete <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> bei mir interveniert und loyalerweise habe ich ihnen<lb/>
dies auch mitgeteilt. Eine grössere Subvention kommt aber <choice><choice><sic>auch</sic><corr>aus</corr></choice></choice> budge<lb break="no"/>tären Gründen sicherlich nicht in Frage. Sie haben im Zuge dieser<lb/>
Kooperation Ausgaben, die in die Millionen gehen. Unser Beitrag<lb/>
kann deshalb immer nur mehr symbolisch als wirklich sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_11">Die Besprechungen mit <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> und <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sowie noch ein<lb/>
halbes Dutzend von ÖVP-Leuten über die Wirtschaftsgesetze wurde auf<lb/>
unserer Seite nur von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, Min.Rat <rs type="person" ref="#per__140715">Rogel</rs> und <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und mir be<lb break="no"/>stritten. Ich war eigentlich sehr überrascht, eine so grosse Ver<lb break="no"/><pb n="23-1522" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-12_1522.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>handlungsdelegation auf der anderen Seite anzutreffen. Ich ver<lb break="no"/>langte deshalb sofort von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> die entsprechenden Vorschläge be<lb break="no"/>treffend des Delegierungsrechtes an die Landeshauptleute, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
hatte eine sehr einschränkende Formulierung vorgesehen. Im Laufe<lb/>
der Verhandlungen einigten wir uns darauf, dass im Grunde genommen<lb/>
dieselbe Delegierungsformulierung, wie sie jetzt bereits in § 4 des<lb/>
Preisgesetzes steht und sich auf die Anlagen, d.h. auf die preisge<lb break="no"/>regelten Waren bezieht. Was den Umfang des § 3 b) Delegierung betrifft,<lb/>
so wollte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> unter gar keinen Umständen Waren einbeziehen. Er<lb/>
steht auf dem Standpunkt, es sei zwischen den Parteien und ins<lb break="no"/>besondere Präsidenten vereinbart worden, dass es nur auf Leistungen<lb/>
sich das Delegierungsrecht erstrecken könne! Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> Rück<lb break="no"/>sprache gehalten und er war der Meinung, dass er nicht bereit ist,<lb/>
sich nur auf Leistungen festzulegen. Er hat in der Rücknahme der<lb/>
Forderung, dass auch die Handelsspannen geprüft werden können und<lb/>
zurückgeführt werden müssen, bereits einen so gigantischen Schritt<lb/>
des Entgegenkommens gemacht, dass er nicht bereit ist, auf die Dele<lb break="no"/>gierung von Waren, die örtlich von Bedeutung sind, zu verzichten.<lb/>
Ich habe dies <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mitgeteilt, der fest geglaubt hat, er kann<lb/>
mich in dieser Angelegenheit festnageln, um nicht zu sagen überführen.<lb/>
Nach der Sitzung ist sogar noch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zu mir gekommen und hat<lb/>
erklärt, daran könne es überhaupt scheitern, er würde, wenn wir<lb/>
auf die Delegierung der Waren auch bestehen, gar nicht mehr zu den<lb/>
Verhandlungen am nächsten Tag kommen. Ich habe sofort erklärt, das<lb/>
müssten wir mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> besprechen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> selbst erklärte sich einver<lb break="no"/>standen, dass wir die Waren noch einschränken, d.h. dass es sich<lb/>
wirklich nur um Produkte handelt, die von örtlicher Bedeutung sind.<lb/>
Das typische Beispiel dafür sind die Christbäume. Am nächsten Tag<lb/>
sollen die Experten versuchen, eine Lösung zu finden. Ich habe des<lb break="no"/>halb sofort <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> angerufen, der mir allerdings erklärte, er<lb/>
hätte nicht viel Zeit und sei im übrigen der Meinung, dass die Dele<lb break="no"/>gierung von Leistungen vollkommen genügt. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> dürfte sich hier<lb/>
schon gegenüber der Handelskammer gebunden haben, denn er war nicht<lb/>
davon zu überzeugen, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> jetzt, und dies glaube ich mit vollem<lb/>
Recht, das ist auch meine Meinung, darauf besteht, dass auch eine<lb/>
gewisse Delegierung von Preiserhöhung bei Waren an die Landeshaupt<lb break="no"/>leute erfolgen sollte und müsste. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, den ich ebenfalls<lb/>
verständigte, wird sich die ganze Sache noch überlegen, wie<lb/>
wir also eine gewisse Einschränkung der Waren beim Delegierungsrecht<lb/>
formulieren können.</p><pb n="23-1523" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-12_1523.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_12">Auf dem Marktordnungssektor hat man von Seiten der ÖVP <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> nur<lb/>
ein beschränktes Weisungsrecht für den Viehverkehrsfonds gegeben.<lb/>
Er erklärte sich damit, nachdem einige Änderungen noch vorgenommen<lb/>
wurden, einverstanden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_13">In der Diskussion ergab sich dann, wie eigentlich jetzt die dann<lb/>
zu treffenden endgültigen Vereinbarungen im Parlament behandelt<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat es gewünscht und ich habe mich dem angeschlos<lb break="no"/>sen, dass nicht die neue Regierungsvorlage im Parlament die Grundlage<lb/>
bilden soll, sondern der jetzige Initiativantrag wegen der Verlän<lb break="no"/>gerung. Diese formelle Sache kann mir insofern recht sein, als damit<lb/>
bewiesen ist, dass die ÖVP nicht bereit war, über meinen Regierungs<lb break="no"/>vorlageentwurf zu verhandeln. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> meinte nur, es blieben dann<lb/>
sehr viele Gesetze in den Ausschüssen liegen. Da ich mich in die<lb/>
parlamentarische Abwicklung gar nicht einschalten will, habe ich<lb/>
sofort erklärt, dies soll er dann mit dem Klub der SPÖ ausmachen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_14">Gala-Abend von der Vöslauer Heilquelle im Auersperg, ganz gross<lb/>
angelegt. Nach einem Riesenbuffet hat <rs type="person" ref="#per__140713">Elfriede Ott</rs> ihr "Ottpourie"<lb/>
vorgetragen, zumindestens hatten sie dies im Programm vorgesehen,<lb/>
ich bin ja nach einer Ansprache sofort zur OPEC essen gegangen.<lb/>
Wenn bis jetzt die OPEC-Minister immer von uns eingeladen wurden,<lb/>
einmal hat dies der Aussenminister getan, einmal ich als Handels<lb break="no"/>minister, hat jetzt die OPEC die österreichischen Minister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
und mich, insbesondere aber Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst zu einem<lb/>
Abendessen geladen. Dadurch kam auch eine grössere Anzahl von<lb/>
OPEC-Ministern. Leider ist mein Englisch viel zu schlecht, um<lb/>
über wirklich interessante Themen zu diskutieren. Ich bin auch nicht<lb/>
überzeugt, dass ich von den OPEC-Ministern über ihre Ver<lb break="no"/>handlung hätte Details erfahren können. <rs type="person" ref="#per__126956">Abdul Karim</rs>, der irakische<lb/>
Minister, um den ich mich besonders kümmerte, meinte nur, die<lb/>
Verhandlungen seien sehr schwer und bis jetzt nicht erfolgreich.<lb/>
Da ist allerdings die Frage, was er unter erfolgreich versteht. Ge<lb break="no"/>nauere Details waren nicht zu erfahren. Der venezolanische Ölminister<lb/>
ist derzeit Vorsitzender, und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> kam links und ich rechts von<lb/>
ihm zu sitzen. Dieser Minister war bis zu seiner Berufung im<lb/>
Jahre 1973 über ein Jahr Botschafter in Wien. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte das<lb/>
Glück, neben dem algerischen Vertreter zu sitzen. Wie er <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
und mir nachher sagte, hätte er wegen des Algerien-Gases mit ihm ver<lb break="no"/>handelt. Algerier erwarten, dass wir, wenn es zu einem Vertrag<lb/>
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wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und auch ich sage, ausser jeder Diskussion und ist<lb/>
selbstverständlich. Das Problem geht nur, wie man die Finanzierung<lb/>
der Anlagen in Algerien vornimmt. Hier hatte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch keine<lb/>
andere Idee, als dass man eben jetzt weitere Besprechungen führen soll.<lb/>
Auf alle Fälle zeigt sich, dass die Algerier selbstverständlich<lb/>
an einer Lieferung des Gases nach Europa sehr interessiert sind<lb/>
und bereit sind, ihren Vertrag, den sie seinerzeit erklärt haben,<lb/>
er muss so akzeptiert werden oder kommt überhaupt nicht zustande,<lb/>
jetzt zu modifizieren. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat in seiner Tischrede darauf hin<lb break="no"/>gewiesen, dass wir sehr froh sind, dass die OPEC das Hauptquartier in<lb/>
Österreich hat und dass es, bevor sie sich dazu entschlossen haben,<lb/>
er schon mit dieser Organisation, wie er sich ausdrückte, in seinem<lb/>
Zimmer Besprechungen geführt hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte, und dies liegt<lb/>
wirklich in Interesse Österreichs, alles daran setzen, dass die<lb/>
OPEC nicht von Wien fortgeht. Eine gewisse Gefahr hätte dadurch<lb/>
entstehen können, dass Österreich bei der internationalen Energie<lb break="no"/>agentur jetzt mitmacht. Nachdem die OPEC aber scheinbar andere<lb/>
Probleme hat und einmal diesen Beitritt akzeptiert hat, ohne Wien<lb/>
sofort zu verlassen, hoffe ich, dass dies auch in Hinkunft durch<lb/>
unser Verhalten in der Internationalen Energieagentur nicht der<lb/>
Fall sein wird. Man braucht solche internationalen Organisationen,<lb/>
aber auch nur Teilorganisationen wie z.B. die OPEC immer als ein<lb/>
neutraler Staat.</p><pb n="23-1525" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-12_1525.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_15">Ergänzung von Dr. <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs></p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-12_16">Um 18 Uhr fand eine Besprechung zwischen BM <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs>,<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, Gesandten <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> und Ing. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> über die<lb/>
neue Geschäftseinteilung statt.<lb/>
Ing. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> brachte namens des Dienststellenausschusses<lb/>
den Wunsch vor, daß in Hinkunft grundsätzlich führende Beamte<lb/>
nur einen Posten bekleiden dürfen. Es dürfen daher Gruppen<lb break="no"/>leiter nicht Abteilungsleiter sein und auch nicht eine Person<lb/>
mehrere Abteilungen leiten.<lb/>
Bei Durchführung dieses Grundsatzes könnten auch einzelne<lb/>
Abteilungen eingespart werden. Die einzelnen Gruppenleiter<lb/>
dieses Hauses hätten sich auch bereits bereit erklärt, auf<lb/>
ihre Abteilungen zu verzichten, allerdings unter der Voraus<lb break="no"/>setzung, daß es hievon keine Ausnahmen geben dürfte.<lb/>
BM <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> erklärt sich mit dieser Anregung einverstanden<lb/>
und meinte, bei der Durchführung dieses Grundsatzes könne<lb/>
man nunmehr 6 freiwerdende Abteilungen auflösen.<lb/>
Weiters brachte Ing. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> den Wunsch nach Bildung<lb/>
einer neuen Gewerbe-Gruppe vor, deren Leiter MR <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs><lb/>
werden sollte. Der Minister lehnte dies mit der Begründung<lb/>
ab, daß er grundsätzlich gegen die Bildung zusätzlicher<lb/>
Gruppen sei. Ein Kompromissvorschlag von Dr. <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>, eine<lb/>
Gruppe <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> zu bilden, sobald eine bestehenden Gruppen<lb/>
durch Pensionierung des Gruppenleiters aufgelöst werden könne<lb/>
(dies wird voraussichtlich in einem Jahr bei Gruppenleiter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137246">Buchta</rs> der Fall sein), wurde von Ing. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> nicht akzeptiert.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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