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            <title type="main">Donnerstag, der  5. Dezember 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band23_1974-12-05</idno>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_01">Donnerstag, 5. Dezember 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_02">Dr. <rs type="person" ref="#per__114503">Skala</rs>, ORF-Direktor für Wirtschaftsfragen, ein Parteifreund<lb/>
und Gewerkschaftskollege, weist auf die schwierige finanzielle<lb/>
Situation des Rundfunks hin. <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> hat riesige Repräsentations<lb break="no"/>bauten überall aufgeführt und den Küniglberg viel zu gross dimen<lb break="no"/>sioniert. In den letzten sieben Jahren wurden durchschnittlich<lb/>
100 neue Angestellte pro Jahr angestellt, sodass jetzt glücklich<add>[?]</add><lb/>
zu den 2.300 noch 700 dazugekommen sind und jetzt 3.000 das Budget<lb/>
belasten. Dazu kommen noch die Baukosten und die Rückzahlung<lb/>
der Kredite, sodass der Rundfunk auf Jahre hinaus nur bescheidene<lb/>
Mittel zur Ausstrahlung des Programmes hat. <rs type="person" ref="#per__114975">Oberhammer</rs>, ist er<lb/>
überzeugt, wird sich mit dem Team durchsetzen. Ich glaube, dass<lb/>
die wichtigste Voraussetzung aber war, dass <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> und <rs type="person" ref="#per__139833">Weis</rs> sich<lb/>
gut verstehen und daher die beiden Fernsehintendanten nicht gegenein<lb break="no"/>ander, sondern miteinander arbeiten werden. Dies hat mir übrigens<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> dann nachmittags bestätigt. Die Gebührenerhöhung ist<lb/>
erst 1978 geplant.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_03">Dr. <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs>, Kernkraftwerksplanungsgesellschaft KKWP, be<lb break="no"/>schwerte sich bei <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und mir, dass diese Gesellschaft personell<lb/>
nicht entsprechend ausgestattet ist, um die Aufgaben, die sie über<lb break="no"/>nommen hat, erfüllen zu können. Er bestätigt, was mir <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> die ganze<lb/>
Zeit schon sagt, dass nämlich die KKWP anders als die seinerzeitige<lb/>
Gesellschaft, die das erste Kernkraftwerk in Zwentendorf plante<lb/>
und baute, durch die personelle Unterdotierung nicht ihre Aufgabe<lb/>
erfüllen kann. Die KKWP soll das Kernkraftwerk in Stein nicht<lb/>
mehr schlüsselfertig ausschreiben und dann übernehmen, sondern<lb/>
durch eine zweckmässige Ausschreibung – getrennt konventioneller<lb/>
Teil und Kernkraftteil – wesentlich billiger und preisgünstiger<lb/>
abschliessen. Zu diesem Zweck sollten vier Gruppenleiter von der<lb/>
GKB bereits vor Monaten zur KKWP kommen. Das Vorstandsmitglied<lb/>
hält aber in der Generalversammlung, wo <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97865">Rei<lb break="no"/>singer</rs> von der Verbund und von uns dort sitzen, Aufstockung von<lb/>
50 auf 60 Beschäftigte, notwendig sind nach <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunners</rs> Meinung<lb/>
mindestens 65 bis 75, die notwendige Personalaufnahme, resp.<lb/>
Umschichtung aus politischen Gründen wie <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> glaubt,<lb/>
verhindern können. Den E-Werken führt der Proporz überall dazu,<lb/>
<pb n="23-1477" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-05_1477.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass eine paritätische Besetzung nicht eine Doppelbesetzung, wie fälsch<lb break="no"/>lich wahrscheinlich bei den Proporzgegnern immer wieder behauptet<lb/>
wird, erfolgt. Das Haupthindernis dürfte aber sein, dass die KKWP<lb/>
mehr bezahlt als die GKT, weshalb dann, wenn die Leute wieder zur<lb/>
GKB zurück ausgeborgt werden, in dessen Lohngefüge grosse Differenzen<lb/>
und Streitigkeiten entstehen könnten. Ich erkläre deshalb gleich rund<lb break="no"/>weg, dass ich mich in die internen Verhältnisse der E-Wirtschaft<lb/>
nicht einmische. Um solche Detailfragen zu entscheiden, müsste ich<lb/>
viel besser informiert werden und dazu habe ich nicht die Zeit.<lb/>
Ich schlage deshalb <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> vor, er soll in Hinkunft mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> den notwendigen Kontakt halten. <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> teilt auch gleich<lb break="no"/>zeitig mit, dass die Absicht bestehen soll, zumindestens spricht<lb/>
man in der Branche davon, dass über das Gemeinschaftskraftwerk Tull<lb break="no"/>nerfeld GKT und das Gemeinschaftskraftwerk Stein GKS eine Ober<lb break="no"/>gesellschaft gegündet resp. gebildet werden sollte. Dies halte ich<lb/>
für falsch. Ich bin schon mit der Lösung, dass jedes Kernkraft<lb break="no"/>werk eine eigene Planungsgesellschaft und in weiterer Folge auch<lb/>
Baugesellschaft und letzten Endes Betriebsgesellschaft erhält für<lb/>
nicht optimale Organisationslösung, darüber aber jetzt dann noch<lb/>
eine Oberbetriebsgesellschaft, noch dazu, wo erst ein Kernkraftwerk<lb/>
nicht einmal noch fertig ist, jetzt schon zu gründen, betrachte<lb/>
ich als einen richtigen Super-Bürokratismus oder als Versorgungs<lb break="no"/>posten für gewisse Leute.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte tritt überall dieser Idee auch ent<lb break="no"/>sprechend entgegen und verfolge den weiteren Verlauf.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_05">Gen.Dir. Dr. <rs type="person">Diwald</rs> von der RAG ist sehr überrascht als ihm MR <rs type="person" ref="#per__112191">Mayer</rs><lb/>
vorhält, dass er ein neues Aufschliessungsgebiet in der Nähe Graz<lb/>
wünscht und gleichzeitig aber in seinem jetzt so hoffnungsvollen<lb/>
oberösterreichischen Gebiet viel zu wenig bohrt. Ich erkläre <rs type="person">Diwald</rs>,<lb/>
dass ich mich nur auf die Informationen meiner Beamten stützen kann,<lb/>
weshalb ich ihn ersuche, mit <rs type="person" ref="#per__112191">Mayer</rs> und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> die Details weiter zu<lb/>
besprechen. RAG hat zwei Bohrtrupps im Einsatz, die ÖMV 7 einen<lb/>
in Reserve und einen in Reparatur. <rs type="person">Diwald</rs> gibt zu, dass er in den<lb/>
nächsten Jahren so wie heuer grosse Profite erwartet und deshalb<lb/>
seinen Aktionären Shell und Mobil klar gemacht hat, dass sie ihr Geld<lb/>
in Österreich weiter investieren müssen und die Gewinne nicht ins<lb/>
Ausland übertragen sollten. Dies sei der tiefere Grund seiner<lb/>
<pb n="23-1478" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-05_1478.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>notwendigen Aktivitäten, die er entfalten will. Ich ersuche ihn, er<lb/>
möge sich wegen des Gaspreises und der Gasabgabe mit LR <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs> ins<lb/>
Einvernehmen setzen, der sich bei mir beschwert hat, dass über die<lb/>
oö. Gasgesellschaft keiner Informationen bekommt. <rs type="person">Diwald</rs> wird dies<lb/>
sofort tun. Ebenso verspricht er, sich mit dem Abt von Oberndorf<lb/>
wegen einer Bohrung, die nur Wasser fündig wurde, ins Einvernehmen zu<lb/>
setzen. Nur ist nicht die RAG, die die Abgabe dieser Bohrung verhindert,<lb/>
sondern es ist die Landesregierung, die nicht wünscht, dass eine Ge<lb break="no"/>meinde oder das Stift über dieses Warmwasser verfügt, sondern eventuell<lb/>
es selbst ausbeuten möchte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs> und den Abt verständigen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_07">Gen.Dir. Dr. <rs type="person" ref="#per__140593">Gruber</rs>, Wienerberger Baustoff, ist sehr daran interessiert,<lb/>
im Iran mindestens ein Ziegelwerk zu errichten. Sie haben jetzt eine<lb/>
Gesellschaft 60:40 % gegründet und die Wienerberger wird 8 Mill. S<lb/>
dort einbringen. Insgesamt sind 5 Werke geplant. Auch im Irak sollten<lb/>
vier Werke errichtet werden und wegen dieser Geschäfte wird <rs type="person" ref="#per__140593">Gruber</rs><lb/>
mit seinem Jagdfreund, wie er ihn selbst bezeichnet, <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> ständigen<lb/>
Kontakt halten. Die Wienerberger, denen es in den letzten Jahren sehr<lb/>
schlecht gegangen ist, haben durch Grundstückverkauf an die Gemeinde<lb/>
Wien 500 Mill. S bekommen, davon 350 Mill. investiert und in Laa/Thaya,<lb/>
Baden und Marz im Burgenland zwei modernste Ziegelfabriken mit 25 Ein<lb break="no"/>heiten errichtet. Früher mussten für solche Produktionsmengen 80 Be<lb break="no"/>schäftigte, jetzt 3 Beschäftigte dafür eingesetzt werden. Die Wiener<lb break="no"/>berger möchte auch in Wien jetzt endlich die Leichtbetonbauweise ein<lb break="no"/>führen und hat diesbezüglich mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> besten Kontakt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Das Branchenreferat müsste hier auch versuchen,<lb/>
entsprechende Informationen zu bekommen resp. sich einzuschalten ver<lb break="no"/>suchen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_09">Eine Bürgerinitiative gegen die Verschmutzung der HITIAG und Dr. <rs type="person" ref="#per__140736">Reiche</rs>,<lb/>
Metallhütte in Liesing unter Führung von Dr. <rs type="person" ref="#per__140735">Wieser</rs> erzählt mir, dass<lb/>
die Verschmutzung katastrophal sei. Angeblich hätten Amtsärzte und<lb/>
Schulärzte festgestellt, dass die Kinder dort unter einer ständigen<lb/>
Emissionsglocke sogar turnen müssen und deshalb schon bronchialge<lb break="no"/>schädigt sind. Da <rs type="person" ref="#per__140734">Boschan</rs> entsprechende Auflagen zur Errichtung von<lb/>
Filtern bekommen hat, versuche ich den Vorsprechenden zu erklären,<lb/>
dass ich als objektiver Schiedsrichter auch nur auf Grund des Gesetzes<lb/>
vorgehen kann. Sollten diese Auflagen aber nicht eingehalten werden,<lb/>
so wird – und dies bestätigt die Sektionsrätin <rs type="person" ref="#per__97729">Mattes</rs> – mit allen<lb/>
<pb n="23-1479" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-05_1479.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Mittel durchgegriffen. Der anwesende Schuldirektor weist darauf hin,<lb/>
dass auch die Arbeitsräume unter jeder Kritik sind. Ich ersuche<lb/>
Frau SR <rs type="person" ref="#per__97729">Mattes</rs>, diese Zustände Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__140632">Stenzel</rs>, Arbeitsinspektion<lb/>
Ärztedienst, zu melden. Sie kennt <rs type="person" ref="#per__140632">Stenzel</rs> sehr gut. Ich selbst<lb/>
übernehme, mit dem Stadtschulrat Dr. <rs type="person" ref="#per__97923">Schnell</rs> darüber zu sprechen, was<lb/>
ich dann auch im Parlament sofort mache. Die Umweltschutzauflage wird<lb/>
den Betrieb 16 Mill. S kosten, was meiner Meinung nach auch auf<lb/>
die Delegation entsprechend wirkt, ich erkläre nämlich, dass man alles<lb/>
daransetzen muss, um Betriebe auch in einer Stadt zu haben und nicht<lb/>
nur allein Wohngebiete. Trotzdem wäre eine sinnvollere Planung in<lb/>
den vergangenen Jahrzehnten besser gewesen, jetzt können wir nur<lb/>
entsprechende Auflagen für Filter usw. geben, die den Firmen schwere<lb/>
finanzielle Belastungen bringen und aber wirkungsvoller sind als<lb/>
Strafen, die natürlich von der Bürger-Initiative verlangt werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_10">In der Vorstandssitzung der Lebensmittelarbeiter kommt es zu Diskussio<lb break="no"/>nen über meinen Bericht betreffend die Mehlpreise und Gebäckpreise.<lb/>
Die Mühlen rechnen noch immer, dass der Finanzminister bis auf weiteres,<lb/>
wie er in einem Erlass festgelegt hat, die Differenz zwischen den er<lb break="no"/>höhten Erzeugerpreisen und den unveränderten Verbraucherpreisen bezahlt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat dafür aber nur 50 Mill. S dem Landwirtschaftsminister zur<lb/>
Verfügung gestellt. Da die Preise ab 1. Juli gelten, angeblich<lb/>
16 Mill. S Preisdifferenz aber ausmachen, könnten maximal 3 1/4<lb/>
Monate damit bezahlt werden. Selbst wenn, wie vorgesehen, die Mühlen für<lb/>
Roggen ein Monat bezahlen, für Weizen zwei Monate, so sind die 50 Mio<lb/>
schon jetzt im Dezember aufgebraucht. Angeblich soll es ein Rund<lb break="no"/>schreiben geben, wo die Bäcker verständigt werden, dass sie mit 1.2.75<lb/>
den neuen Preis verrechnet bekommen werden. Ein diesbezüglicher Preis<lb break="no"/>antrag ist aber – soviel mir bekannt ist – im Haus noch nicht einge<lb break="no"/>langt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte sorge vor, dass ich ihn dann auch sofort<lb/>
bekomme.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_12">Der ÖVP-Sekretär <rs type="person" ref="#per__140732">Haker</rs> fragt an, was mit dem Gaspreis geschehen wird.<lb/>
Hier habe ich, trotzdem es die Stadtwerke versprochen haben, noch immer<lb/>
nicht den neuen Preisantrag bekommen, übrigens auch die AK besitzt<lb/>
ihn auch nicht, obwohl bereits gewisse Besprechungen darüber längst<lb/>
laufen sollten. Formell bin ich ja ausser Obligo, weil ich so wie auch<lb/>
bei den anderen Landeshauptstädten die Gaspreisfestsetzung delegiert<lb/>
<pb n="23-1480" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-05_1480.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>habe. Die Arbeiterkammer, Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, verlangt aber insbesondere,<lb/>
dass wir nicht nur allein den Stadtgaspreis zu bestimmen resp.<lb/>
zu prüfen haben, sondern auch ganz besonders den Abgabepreis der<lb/>
ÖMV. Einem diesbezüglichen Antrag der Arbeiterkammer auf Preiskon<lb break="no"/>trolle werde ich auf alle Fälle sofort entsprechen, da ich auf dem<lb/>
Standpunkt stehe, dass hier tatsächlich einmal sowohl die RAG als<lb/>
auch die ÖMV geprüft werden müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte die energiewirtschaftlichen<lb/>
Relationen von Öl, Gas, Koks, Kohle usw. feststellen lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_14">Der Obmann der Zuckerarbeiter <rs type="person" ref="#per__140730">Pilcher</rs> teilt mir mit, das nach wie<lb/>
vor von den Zuckerfabriken wesentlich mehr direkt abverkauft wird als<lb/>
den vorhergehenden Jahren. Früher musste in Leopoldsdorf noch ein<lb/>
Silo dazugebaut werden und es waren die 5 Silos immer voll, derzeit<lb/>
sind 1 1/2 Silo angefüllt. Früher umfasste das Fertigzuckerlager<lb/>
6 – 800 Waggon, jetzt sind es 100. Die Bauern, die das Recht haben,<lb/>
für 10.000 kg Rübe 100 kg Zucker zu beziehen, früher kaum davon Ge<lb break="no"/>brauch gemacht haben, kaufen jetzt jede ihnen zur Verfügung stehende<lb/>
Menge. Auch wenn die heurige Ernte mit 370.000 t sehr gut ist und<lb/>
1975 man rechnet, dass statt 23 Mill. Zentner Rüben 27 Mill. Zentner<lb/>
Rübe kontrahiert und dann auch hoffentlich geerntet werden, be<lb break="no"/>steht eine grosse Gefahr, den im Anschluss an die neue Ernte nicht<lb/>
zu finden, wenn nicht verhindert wird, dass tatsächlich der Zucker<lb/>
in grösserem Masse gelagert und nicht jetzt im Inland oder vielleicht<lb/>
auch noch immer durch Umgehungsmischungen und andere Exporte ins Aus<lb break="no"/>land gebracht wird. <rs type="person" ref="#per__116991">Göbl</rs>, der Sekretär der Zuckerarbeiter, erklärte,<lb/>
dass die ganzen Transaktionen über den Zuckergrosshandel erfolgen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Hier müssten wir stichprobenweise Kontrollen<lb/>
einsetzen. Lagerhausgenossenschaften, Wein-, Zucker- und Grosshan<lb break="no"/>del sollten geprüft werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_16">Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> und Hofrat <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> kommen, um über den § 57 Patent<lb break="no"/>auskunft und Entwicklungshilfe zu berichten. Mit dem BKA sei ausgemacht,<lb/>
dass sie 400.000 S 1975 dafür bekommen, d.h. 100 Patentauskünfte ge<lb break="no"/>ben können. Ägypten hat sich schon interessiert um von Naphta über<lb/>
Polystyrol, <choice><choice><sic>Butatin</sic><corr>?</corr></choice></choice> bis Kautschuk eine solche Auskunft zu erhalten.<lb/>
Ich ersuche <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> sofort, alle Vorkehrungen zu treffen, damit ich<lb/>
ein Ergebnis bereits beim meiner Ägypten-Reise mitnehmen könnte.</p><pb n="23-1481" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-05_1481.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_17">Man ersucht mich, dass ich über das Büro entsprechend intervenie<lb break="no"/>ren lassen soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> wird sich mit Dir deshalb<lb/>
ins Einvernehmen setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_19">Um die Beträge, die das BKA zur Verfügung stellt, auch dem<lb/>
Patentamt zugutekommen zu lassen, sollte jetzt als Projektträger<lb/>
ein Verein gegründet werden. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> behauptet, er hätte dies mit<lb/>
Budgetsektion und <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> abgesprochen und es gäbe keine andere<lb/>
Lösung. Ich selbst bin über eine solche Vereinsgründung sehr unglück<lb break="no"/>lich, das Patentamt erwartet aber mit dieser Tätigkeit, dass sie<lb/>
innerhalb der Wipo und des PCT als nationale Spezialbehörde<lb/>
diese Tätigkeit anerkannt wird und dann weiterbestehen bleiben<lb/>
kann, auch wenn es im Europapatentsystem und Organisation kommen<lb/>
sollte. In Hinkunft werden die Selbstkosten dann von den PCT-Staa<lb break="no"/>ten zu tragen sein, d.h. es würde keine weitere Belastung des Budgets<lb/>
der Entwicklungshilfe notwendig sein. Dies kann frühstens aller<lb break="no"/>dings in fünf Jahren der Fall sein. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> und <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> be<lb break="no"/>fürchten, dass aber die INPADOC hier wieder einen entsprechenden<lb/>
Vorstoss bei der Wipo unternimmt und der ganze Plan gefährdet<lb/>
werden könnte. INPADOC hat, ohne mit dem Patentamt auch nur zu re<lb break="no"/>den, einen solchen Vorschlag bei WIPO eingebracht und wären die<lb/>
Entwicklungsländer sofort darauf eingestiegen, wäre eine schwere<lb/>
finanzielle Belastung der INPADOC-Organisation erwachsen. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs><lb/>
ersucht mich, ich solle hier bei dem Eigentümervertreter der<lb/>
INPADOC, d.h. dem Finanzministerium intervenieren, damit nicht<lb/>
eine zusätzliche Belastung zu den 25 Mill. Budget des INPADOC<lb/>
kommt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Wenn es zweckmässig ist, bin ich bereit,<lb/>
ein solches Schreiben an das Finanzministerium zu unterfertigen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_21">Mit dem Vorstand der GKB, Bergrat <rs type="person" ref="#per__132462">Juvancic</rs>, aber vor allem mit den<lb/>
Vorstandsmitgliedern der VÖEST-Alpine <rs type="person" ref="#per__97423">Fabricius</rs>, <rs type="person" ref="#per__135906">Steflitsch</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs>, bespreche ich zuerst die Gefahr eines weiteren<lb/>
Defizitbetriebes durch Auffahren eines neuen Flözes in Karl<lb break="no"/>schacht. Diese sind über die MP entsetzt und äussern sich aber doch<lb/>
in der Sitzung kaum. Nur <rs type="person" ref="#per__132462">Juvancic</rs> gibt, wenn er angesprochen<lb/>
wird, entsprechende Auskünfte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst hat die Betriebs<lb break="no"/>räte von der GKB und Karlschacht eingeladen und kann aber doch<lb/>
im Laufe der Stunden davon auch überzeugt werden, dass es keine<lb/>
<pb n="23-1482" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-05_1482.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Lösung ist, wenn man in Hinkunft zu dem grossen Defizit, die<lb/>
GKB wird nächstes Jahr 250 Mill. S bei der Bergbauförderung<lb/>
geltend machen, noch weitere 20 Mill. dazufügt. <rs type="person" ref="#per__132462">Juvancic</rs> erklärte<lb/>
dezidiert, er kann alle Arbeiter aus dem Karlschacht in den<lb/>
anderen Köflacher Bergwerken unterbringen, ja sogar er braucht<lb/>
diese Arbeitskräfte. Dies wird von <rs type="person" ref="#per__143065">Glantschnig</rs>, BRO, ganz entschieden<lb/>
bestritten. Ich schlage deshalb vor, dass diese Aussprache, wenn<lb/>
sie einen Sinn haben soll, die Erklärung des Unternehmens, dass<lb/>
sie in demselben Unternehmen bleiben und zwar in der gleichen Ver<lb break="no"/>wendung, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann dekretiert, nicht allerdings auf der<lb break="no"/>selben Betriebsstätte, die Belegschaft die Garantie ist, ihre Ar<lb break="no"/>beitsplätze gesichert zu haben. Die Idee der Betriebsräte ist, dass<lb/>
die Elektrizitätsunternehmungen, aber auch die Fernheizwerke<lb/>
in Graz oder anderswo entsprechende höhere Preise bezahlen sollten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__143065">Glantschnig</rs> will nicht zur Kenntnis nehmen, obwohl es ihm seine<lb/>
Direktoren bestätigen, dass ich verzweifelt versucht habe, in der<lb/>
letzten Preiserhöhung die Elektrizitätswirtschaft zu einem höheren<lb/>
Abgabepreis zu bringen, was mir dann letzten Endes auch gelungen ist.<lb/>
Er möchte, dass eben noch höhere Preise ganz einfach noch ver<lb break="no"/>langt werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> steht einer solchen Idee sehr positiv<lb/>
gegenüber und ersucht, dass man ausrechnen soll, wieviel die<lb/>
Elektrizitätswirtschaft und andere Abnehmer höhere Preise<lb/>
übernehmen könnten, damit sich die Situation für den Kohlebergbau<lb/>
verbessert. <rs type="person" ref="#per__143065">Glantschnig</rs> weist insbesondere darauf hin, dass die<lb/>
einfachsten Elektrizitätsarbeiter mehr verdienen als die Hauer unter<lb/>
Tag. Die GKB wird entsprechende Untersuchungen anstellen, ob und in<lb break="no"/>wieweit sie innerhalb der bestehenden Verträge Preiserhöhungen durch<lb break="no"/>setzen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Eigentlich müssten im Kohlenplan ent<lb break="no"/>sprechende Preisrelationen festgehalten werden. Da dies sicher nicht<lb/>
der Fall ist, bitte die entsprechenden Berechnungen anstellen lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_23">Da das Parlament furchtbar lange tagte, kam es erst ab 1/4 10 Uhr<lb/>
zum Abendessen der Bundesregierung beim Bundespräsidenten. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schläger</rs> möchte gerne, dass diese Einrichtung einmal im Monat auf<lb break="no"/>recht erhalten wird, d.h. er wird jeweils einladen. Beim Essen selbst<lb/>
wurden nur alte Erlebnisse aus der Studentenzeit beginnend ausge<lb break="no"/>tauscht. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> gestand, dass er einmal sogar für jemanden<lb/>
anderen eine Prüfung abgegeben hat, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu dem Scherz<lb/>
<choice><choice><sic>bemerkungen</sic><corr>?</corr></choice></choice> veranlasste, Gott sei Dank ist das nicht auch noch<lb/>
bekanntgeworden.</p><pb n="23-1483" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-05_1483.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_24">Nach dem Essen hatte ich mit <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> kurz zu sprechen und er<lb/>
erzählte mir, dass er selbstverständlich die Entscheidung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>, bei mir zu bleiben, akzeptiert, weil er mich<lb/>
auch nicht durch Wegkapern von <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> – wie er sich auch<lb/>
ausdrückte – hart treffen möchte. Damit ist diese Frage in<lb/>
bestem Einvernehmen geklärt. Wer allerdings jetzt dann<lb/>
Generalkonsul in Laibach werden wird, ist nach wie vor offen,<lb/>
da die Kärntner, glaube ich, darauf bestehen, dass sie dieses<lb/>
Recht seit Jahrzehnten haben und sicherlich darauf nicht verzichten<lb/>
werden. Gott sei Dank ist dies nicht mein Kaffee.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_25"><rs type="person" ref="#per__136437">Vorhofer</rs>, Kleine Zeitung, hat mich im Parlament gefragt, ob ich<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> für die Gewerkschaft organisiert habe, resp. ob er<lb/>
Gewerkschaftsmitglied ist. Ich erklärte ihm bereits, dass ich<lb/>
dies nicht wüsste und meine, nicht ich der Betriebsratsobmann der<lb/>
Regierungsmitglieder bin, sondern <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>. Ich erzählte <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs><lb/>
sofort diesen Vorfall und <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> meint, die Kleine Zeitung dürfte<lb/>
jetzt irgendetwas gegen ihn im Schilde führen, weil er gefragt wurde,<lb/>
ob er bei der Heimwehr gewesen sei, was dieser mit Recht ableug<lb break="no"/>nete. Auch <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> teilte mir mit, dass <rs type="person" ref="#per__97633">Peter Klar</rs> in Linz <choice><choice><sic>be</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
ihn gefragt habe, wieso er jetzt doch Gewerkschaftsmitglied wurde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hätte ihm die ganze Geschichte detailliert erzählt.<lb/>
Ich versprach, mit <rs type="person" ref="#per__97633">Peter Klar</rs>, der mich angeblich seit der AK-Wahl,<lb/>
wo ich ihn sehr gut behandelt habe, kennt und schätzt, über dieses<lb/>
Problem zu sprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-05_26">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte eine Telefonverbindung herstellen.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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