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            <title type="main">Mittwoch, der  4. Dezember 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_01">Mittwoch, 4. Dezember 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_02">Bei der Festveranstaltung 25 Jahre Energiekonsumentenverband<lb/>
hat Präs. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> nicht eine Begrüßungsansprache gehalten, sondern<lb/>
die Stellungnahme zum Energieproblem der Industriellenvereinigung<lb/>
dargelegt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meinte noch, er hätte eigentlich erwartet,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> eben wirklich nur eine Begrüßungsansprache hält, wie<lb/>
im Programm vorgesehen. Ich flüsterte ihm sofort, damit habe<lb/>
ich gerechnet, da ich ja für meine Replik seine Ausführungen<lb/>
notierte. Es spielte deshalb überhaupt keine Rolle, daß ich<lb/>
die Unterlagen für diese Begrüßungsansprache sehr spät, knapp<lb/>
vor Beginn erst erhielt. Trotzdem vereinbarte ich mit <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs>, daß<lb/>
in Hinkunft 14 Tage vor einem solchen Termin alles Material<lb/>
bei ihm sein muß, wir uns dann 3 Tage vorher zusammensetzen<lb/>
und dann die Unterlagen ansehen und neue Ergänzungen verlangen,<lb/>
dann habe ich alle Möglichkeiten bis zum endgültigen Termin<lb/>
die Unterlagen mir durchzusehen und im letzten Moment noch ge<lb break="no"/>gebenenfalls noch abzuändern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_03">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte diese Termine allen im Haus, die<lb/>
Unterlagen liefern, zeitgerecht bekannt zu geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_04"><rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> selbst war zu unseren Energieaktivitäten ausgesprochen<lb/>
positiv eingestellt. Er erwähnte, daß der Energiepessimismus<lb/>
von 74 überwunden ist, gab mir dann sofort die Möglichkeit<lb/>
zu sagen, daß ich immer Optimist war, obwohl ich damals allein<lb/>
gestanden bin, darüber hinaus stellte er sich sehr positiv<lb/>
zum Energieplan, was mir wieder die Gelegenheit gab, darauf<lb/>
hinzuweisen, daß ich um ja zu einen Konsens zu kommen, den<lb/>
Termin von Mitte Dezember auf Ende Jänner erstrecke, weiters<lb/>
verlangte er in der Finanzierung eine Priorität für Energie und<lb/>
daß wir uns auf mehrere Energiebeine stellen sollen. Hier konnte<lb/>
ich darauf verweisen, daß dies immer schon meine Politik war und<lb/>
meinte, nicht auf mehrere Energiebeine, sondern wenn es nach mir<lb/>
geht, soviel wie ein Tausendfüßler. Auch konnte ich bei der Ge<lb break="no"/>legenheit gleich darauf hinweisen, daß ich insbesondere die<lb/>
Bundesregierung alles unternommen hat um das Algeriengas zu<lb/>
bekommen. Zum Glück hat der bayrische Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97598">Jaumann</rs><lb/>
gerade heute erklärt, daß die Finanzierung auch in Deutschland<lb/>
<pb n="23-1469" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-04_1469.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>unmöglich ist, womit klar erwiesen ist, daß es sich nicht um<lb/>
ein Verfahren der öst. Regierung handeln kann. <rs type="person" ref="#per__116023">Poppovits</rs> hat dann<lb/>
in seinem Festvortrag auch besonders die Zusammenarbeit heraus<lb break="no"/>gestrichen und darauf hingewiesen, daß es sehr gut ist, daß<lb/>
endlich jetzt alle Energie in einem Ministerium konzentriert ist.<lb/>
Ich habe <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs>, der mit war, sofort gesagt, diese Aussagen können<lb/>
wir einmal dringend in der Propaganda gebrauchen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Wir sollten diese Äußerungen für<lb/>
das Energie-Weißbuch jetzt sammeln und gelegentlich verwenden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_06">Die Besprechung mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs>, <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs>, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> über den Gaspreis ergab, daß die<lb/>
Gemeinde, um zu ihren 938 Mill. zu kommen, bei den 1,2 Mia m3<lb/>
die sie verkauft, 51 Groschen mindestens aufschlagen muß, dadurch<lb/>
würde sich der derzeit entlastete-Gaspreis von 92 Groschen auf<lb/>
1 Schilling 43 erhöhen. Die Tramway bringt nur 159 Millionen,<lb/>
die Strompreiserhöhung nur 128 Millionen. Außer dieser Gaspreis<lb break="no"/>erhöhung, die generell auf jeden cbm gelegt werden soll und nicht<lb/>
differenziert, wie ursprünglich vorgesehen, sollen die Rabatte<lb/>
von 3–30 %, die die Gaswerke auch der Gemeinde und dem Bund<lb/>
geben, aber auch insbesondere der Industrie, gestrichen werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> wollte bei der Gelegenheit auch noch die Differenzierung<lb/>
von Gewerbetarif und Haushaltstarif, die derzeit 7 Groschen be<lb break="no"/>trägt, zum Verschwinden bringen. Er war aber überrascht, auch<lb/>
mir war es nicht geläufig, daß das Gewerbe nur 12 % der Gasmengen<lb/>
abnimmt. Die größte Sorge hat <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, daß wenn jetzt der Ver<lb break="no"/>braucherpreis festgesetzt wird, dann die ÖMV ihre Erhöhungen<lb/>
ohne genau kontrolliert zu werden, auf die Abnehmer, d.h. die<lb/>
Gaswerke, abwälzen kann. Insbesondere wehrte er sich dagegen,<lb/>
daß der Inlandspreis von 35.5 Groschen auf 54.7 Groschen erhöht<lb/>
wird, da er glaubt, hier sei keine kostenmäßige Begründung zu<lb/>
finden. Ich beruhigte ihn und auch die anderen, daß ich überzeugt<lb/>
bin, daß auch dann, wenn ich keinen offiziellen Preis festsetze,<lb/>
die Stadtwerke, <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs>, aber natürlich dann auch noch die<lb/>
Niogas, ganz besonders auf die ÖMV drängen werden, da sie tat<lb break="no"/>sächlich nur minimalste Belastungen übernehmen, nicht zuletzt<lb/>
bekommen sie dadurch jeden Groschen, den sie runterdrücken, eine<lb/>
bessere Ertragssituation. Im Prinzip wehre ich mich aber nicht<lb/>
<pb n="23-1470" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-04_1470.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gegen Erhöhungen von Energiepreisen, weil ich darin die<lb/>
einzige Möglichkeit sehe, um zu einer teilweisen Einschränkung<lb/>
des Verbrauches zu kommen. Was das Formelle betrifft, einigten<lb/>
wir uns sofort auf den Wunsch von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, für die Gaspreisfest<lb break="no"/>setzung sowie die anderen Landeshauptstädte als Landeshaupt<lb break="no"/>mann delegiert zu bekommen.<add>? Belastung VPI</add> Sowohl <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> waren<lb/>
sehr froh, als ich ihnen diese Lösung präsentierte, weil sie<lb/>
dadurch aus dem Dilemma einer zeitgerechten Preisfestsetzung<lb/>
herauskamen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_07">Die Verhandlungen über die Stromlieferung 11.5 mW für die<lb/>
Winterzeit um 44 Groschen durch die Verbund an die Aluminium<lb/>
Salzburg nach Lend verlief positiv. Die Verbund wird die 44<lb/>
Groschen akzeptieren, da es hier um eine ungesicherte Energie<lb/>
handelt. Die OKA wird die Leitung entweder überhaupt den Ländern<lb/>
übertragen oder besondere Konditionen machen, damit sind die<lb/>
Voraussetzungen erfüllt, damit die SAG die Investitionen tätigt<lb/>
und zusätzlich 200 neue Arbeitskräfte einstellt, dies hat nämlich<lb/>
der Gen.Dir. versprochen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> sofort ersucht, er soll<lb/>
jetzt einen Brief für mich konzipieren, wo wir das Ergebnis mit<lb break="no"/>teilen, damit die Voraussetzungen geschaffen haben, damit jetzt<lb/>
die Schweizer ihr Versprechen, nämlich die Investitionen auch<lb/>
tatsächlich durchzuführen in Angriff nehmen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_08">Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> und Rübenbauern-Obmann <rs type="person" ref="#per__131684">Mang</rs> sowie der Geschäftsführer<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133141">Kraus</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__137164">Hiller</rs> vom Zuckerverband wollten von mir eine<lb/>
Zusicherung, daß die nächste Zuckerpreiserhöhung so schnell als<lb/>
möglich erfolgt, nach <rs type="person" ref="#per__131684">Mangs</rs> Wunsch sogar mit Anfang des Jahres.<lb/>
Ich erklärte sofort, daß vor der nächsten Nationalratswahl<lb/>
nicht daran zu denken sei, das waren sich wahrscheinlich die<lb/>
anderen klar, nur wollten sie von mir eine Verwendungszusage, daß<lb/>
eben dann eine Zuckerpreiserhöhung von mind. 1 Schilling erfolgen<lb/>
sollte. Die EG wird mit 1. Jänner um 8 % und mit 1. Juli um weitere<lb/>
8 % den Preis anheben, dadurch wird der vergleichbare Rübenpreis<lb/>
44 Groschen in Österreich, 80 Groschen Schweiz, 1 Schilling Spanien,<lb/>
60 Groschen Europäische Gemeinschaften stark differenzieren.<add>USA 2 $</add> Die<lb/>
Verbraucherpreise betragen jetzt in Österreich 8.70 Schilling,<lb/>
in der Schweiz 28 Schilling und in Deutschland 10.80, werden mit<lb/>
1. Jänner um 8 % und am 1. Juli ebenfalls um 8 % erhöht. Der Rüben<lb break="no"/>preis wird sich heuer von ca 6.- Schilling auf 6.60 zwar erhöhen<lb/>
<pb n="23-1471" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-04_1471.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>doch sind die Bauern natürlich bei dieser Weltmarktpreis<lb break="no"/>entwicklung nicht zufrieden. Trotzdem erklärte ich klipp<lb/>
und klar, daß nur die Zuckerfabriken ihnen entsprechende<lb/>
Zusagen machen können, von mir können sie keine wie immer<lb/>
geartete erhalten, weil ich gewohnt bin, was ich verspreche<lb/>
auch einzuhalten. Ich konnte ihnen nur wieder versichern, daß<lb/>
ich mich einsetzen werde, daß jede Überschußmenge, die wir im<lb/>
Inland nicht brauchen, exportiert werden kann und sie daraus<lb/>
einen besseren Erlös haben, weil ich den Wunsch der Arbeiter<lb break="no"/>kammer, die Fixkosten jetzt alle auf den Exportzucker zu über<lb break="no"/>tragen, nicht zustimme. Eine weitere Zusage kann ich aber zum<lb/>
jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall geben. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> sagte mir dann<lb/>
unter vier Augen, er hätte keine andere Stellungnahme von mir<lb/>
erwartet, von mir angesprochen, was jetzt mit dem Mais- u. Gersten<lb break="no"/>preis geschehen soll, erklärt er, daß er die Importe jetzt nicht<lb/>
für zweckmäßig halte, damit endlich der überschüssige Weizen<lb/>
und auch ganz besonders die überschüssigen Roggenmengen verkauft<lb/>
werden können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_09">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte die Getreidebilanzen, Ernten,<lb/>
Importe, Exporte vom Getreidefonds verschaffen und ständig korri<lb break="no"/>gierend mit <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> auf dem Laufenden halten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_10">Die fraktionelle Besprechung der Preisreferenten der Länder unter<lb/>
Vorsitz von <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> gab mir die Gelegenheit, über die Preis<lb break="no"/>verhandlungen unmittelbar den Genossen zu berichten. Sie waren<lb/>
mit meiner Vorgangsweise voll einverstanden. Durch die Aktivitäten<lb/>
der Länder werden diese unverzüglich einen Bericht meinem Büro<lb/>
schicken. Ausgelöst wurde diese Anfrage von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, da <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs>, OÖ,<lb/>
feststellte, daß er eine neue Fleischpreisanordnung durch Ein<lb break="no"/>spruch des LH <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> nicht erlassen konnte. Da in der Zwischenzeit<lb/>
aber Verhandlungen stattgefunden haben, wünscht <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs>, daß auf<lb/>
keinen Fall jetzt eine Demarche von mir bei <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> erfolgen soll.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs> war sehr froh, daß ich nicht sofort die Intervention, die<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114965">Dorn</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> aus propagandistischen Gründen wünschte, und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorschlug,<lb/>
durchgeführt habe. Rechtlich hätte <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> tatsächlich in der<lb/>
mittelbaren Bundesverwaltung ein Weisungsrecht an alle Preis<lb break="no"/>referenten, propagandistisch wäre es auch sehr gut gewesen, wenn<lb/>
man <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> hätte festnageln können, daß er sich als Landeshauptmann<lb/>
gegen eine Regelung stemmt. Andererseits aber haben nach dieser<lb/>
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LR <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs> sagte, zu einem positiven Ergebnis geführt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_11">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Laß dir von der Arbeiterkammer Linz die<lb/>
Vorgangsweise in einem Brief detailliert schildern, damit wir<lb/>
für spätere Zeiten eine aktmäßige Unterlage haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_12">Über die Gaspreisdelegierung referierte ich gleich und erfuhr,<lb/>
daß Klagenfurt im Mai 1974 um 40% und jetzt im Jänner um weitere<lb/>
11% erhöhen wird. Salzburg hat mit 1. November um 45% erhöht und<lb/>
wird im Feber 1975 auf 68% gehen. Graz hat mit 5. Dezember mit<lb/>
27%–40% erhöht. Nur die Oberösterreicher, Linz, Steyr, Wels,<lb/>
Gmunden, Bad Ischl, die ebenfalls in den vergangenen Monaten<lb/>
stark erhöht haben, sind derzeit noch in Verhandlungen mit der OÖ<lb/>
Ferngas. Die Aussprache war sehr zielführend und ich glaube, daß<lb/>
wir sie in Abständen von Monaten unbedingt wiederholen sollten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_13">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte versuch mit dem Sekretär von <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140737">Mosser</rs>, darüber ständigen Kontakt zu halten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_14"><rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs>, <rs type="person" ref="#per__136694">Wohl</rs>, Geschäftsführer von der Mitterberger und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>,<lb/>
Aufsichtsratsmitglied, diskutierten mit mir eine Möglichkeit ihrer<lb/>
weiteren Hilfe. Sie haben wieder einmal mit Ende des Jahres<lb/>
12 Millionen Schilling offene Rechnungen, die sie nicht bezahlen<lb/>
können. Der voraussichtliche Jahreserlös wird 76 Mill. Schilling,<lb/>
trotz der hohen Kupferpreise während des Jahres, nur betragen,<lb/>
der Jahreskosten von 104 Millionen, 6.5 Mill. Bergbauförderung und<lb/>
1.5 Mill. noch nicht ausgenützter Kontokorrentkredit von 15 Mill.<lb/>
10 Mill. CA, 5 Mill. Salzburger Sparkasse zu 10.5 % zu verzinsen,<lb/>
geben ein Loch von 20 Mill. Schilling. Da ich keinerlei zu<lb break="no"/>sätzliche Mittel habe, erklärte ich sofort, hier könnte nur noch<lb/>
die ÖIAG einspringen. Dazu würde die Mitterberger noch 200–300<lb/>
Mill. Investitionskosten für die Metallurgie benötigen. Leben<lb/>
könnte der Betrieb nur, wenn der Weltmarktpreis nicht unter 750<lb/>
£ sinkt. Im April hat er 1.270 betragen, doch ist er in der<lb/>
Zwischenzeit leider auf 600 zurückgefallen. Das Leidwesen der<lb/>
Kupferbergbau Mitterberg beginnt von neuem. Trotzdem glaube ich,<lb/>
wird man ihn aufrecht erhalten, weil er die einzige Kupferproduktion<lb/>
Österreichs ist, wir Kupfer in größeren Mengen dringendst brauchen<lb/>
und letzten Endes für dieses Gebiet vom beschäftigungspolitischen<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97805">Pay</rs> aus Köflach haben <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Lage in dem Gebiet und ins<lb break="no"/>besondere die Stillegung der Kohlengrube Biberstein<add>[?]</add> so geschildert,<lb/>
daß dieser voll Sorge wegen der Freisetzung der 17 Angestellten<lb/>
und 218 Arbeiter im September 1975 dafür ist, daß der Betrieb<lb/>
weitergeführt wird. Die GKB würde dadurch einen Verlust von<lb/>
17 Millionen Schilling zusätzlich erleiden und die Arbeiter<lb/>
dringend im Köflacher Revier brauchen. Dies bestreitet der Be<lb break="no"/>triebsratsobmann und wir einigten uns dann darauf, nachdem ich<lb/>
meine Bedenken gegen eine Fortführung des Betriebes geltend<lb/>
gemacht habe, daß neuerliche Verhandlungen mit der Direktion<lb/>
der GKB und der Voest-Alpine erfolgen sollen. <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> hat gespürt,<lb/>
daß so etwas kommen wird und mir sogar umfangreiche Unterlagen<lb/>
zur Verfügung gestellt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_16">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> soll sofort die detaillierte Beschäftigung<lb/>
der 218 Arbeiter und 17 Angestellten bei der GKB prüfen und mir den<lb/>
Plan vorlegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_17">Die Betriebsräte der Junior-Werke haben große Sorge wegen des<lb/>
Arbeitsplatzes, deshalb bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorgesprochen. Der Stelber-<lb/>
Konzern in Amerika, dem 98 % der Aktien gehören, hat eine neue<lb/>
Fabrik in Everson, 8.000 Stück pro Tag, errichtet. Da 80 % der<lb/>
österreichischen Produktion, 3.200 Stück pro Tag, nach Amerika<lb/>
gehen, nimmt man an, daß dort die Absatzmöglichkeiten stark<lb/>
zurück gehen, deshalb soll die Produktion auf 2.400 Stück pro<lb/>
Tag zurückgenommen werden. Eine <choice><choice><sic>Senatorstochter</sic><corr>Senatorentochter</corr></choice></choice> ist mit einem<lb/>
Junior-Rad tödlich verunglückt, die Sicherheitsbestimmungen<lb/>
wurden nicht genau eingehalten, es hat sich um Härtefehler ge<lb break="no"/>handelt, dadurch wird es in Amerika auch zu neue Sicherheits<lb break="no"/>bestimmungen kommen. Bei dieser Gelegenheit dürfte die amerika<lb break="no"/>nische Lobby den amerikanischen Werken so wie bei Automobilen<lb/>
einen gewissen Produktionsvorsprung sichern, da sich diese zeit<lb break="no"/>gerecht auf die neuen Bestimmungen einstellen können. Der wirk<lb break="no"/>liche Grund warum aber die Junior-Werke zugrunde gehen werden,<lb/>
ist, weil sie total überschuldet sind. Die CA, die Länderbank,<lb/>
die Schweizer Firma Gretex<add>[?]</add> und Interbank und langfristige<lb/>
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kurzfristige Wechselverbindlichkeiten 108 Millionen und kurz<lb break="no"/>fristige Lieferantenkredite 96 Millionen Schilling ausständig.<lb/>
Die Amerikaner wollen aussteigen, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> meint, die Firma wird<lb/>
nicht in Ausgleich, sondern in Konkurs gehen müssen. Ähnlich<lb/>
wie bei Merino möchte er dann für eine Auffanggesellschaft,<lb/>
sei es Steyr-Daimler-Puch oder die Voest, entsprechende Mittel<lb/>
aus der produktiven Arbeitsmarktförderung zur Verfügung stellen.<lb/>
Wieweit sich das Land Steiermark beteiligen wird, ist noch unge<lb break="no"/>klärt. Sicherlich nicht mit den 120 Millionen Landesausfalls<lb break="no"/>haftung wie die Firma erwartet. Da das Unternehmen weder bei<lb/>
mir noch <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> selbst vorstellig war, können derzeit noch keine<lb/>
offiziellen Schritte unternommen werden. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> wird nächsten<lb/>
Donnerstag in Graz sein und bei dieser Gelegenheit auch die Firma<lb/>
besuchen. Der ganze Köflacher Raum ist derzeit wieder in Be<lb break="no"/>wegung, Köflacher-Schuh ist kritisch, Glasfabrik stellt Leute<lb/>
frei, Holz-her hat Schwierigkeiten, Frantschach soll schließen<lb/>
und die Junior-Werke wissen auch nicht, wie es weiter gehen soll.<lb/>
Die Betriebsräte würden am liebsten in Karlsdorf,<add>[Kalsdorf?]</add> wo 123 Mill.<lb/>
Schilling in eine neue Galvanik investiert wurden, abstoßen, das<lb/>
soll die Firma Silberpaff,<add>[?]</add> die 140 Beschäftigte, davon allerdings<lb/>
70 Lehrlinge im Werkzeugbau, beschäftigt und ausbildet, wo 24 Mill.<lb/>
Schilling investiert wurden, ebenfalls aus dem Betrieb herauslösen<lb/>
und womöglich der Voest-Alpine übertragen. Das Werk selbst könnte<lb/>
mit 500 Beschäftigte maximal die Produktion rationell aufrecht<lb break="no"/>erhalten. Wenn zu einem vollkommenen Erliegen der Firma käme,<lb/>
würde <choice><choice><sic>Touropak</sic><corr>?</corr></choice></choice> 50 % der Verpackung in Karlsdorf<add>[Kalsdorf?]</add> schwer leiden,<lb/>
Fritze Lacke würde den Absatzrückgang spüren und insbes. Böhler<lb/>
würde die neue Walzstraße in St. Aegyd nicht auslasten können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_18">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Die sektorale Industriepolitik soll konkrete Un<lb break="no"/>tersuchungen anstellen. Man hätte eigentlich die Entwicklung kommen<lb/>
sehen müssen und entsprechende Berichte vorlegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_19">Immer wieder muß ich feststellen, daß zum Unterschied z.B. von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs>, der die Entwicklung auf dem Kohlesektor genau kommen<lb/>
sieht und entsprechende Informationen vorlegt, die III-er Sektion<lb/>
dies scheinbar nicht imstande ist. Entweder wissen die Kollegen<lb/>
dort oben wirklich nichts, haben keinen Kontakt und erfahren nichts<lb/>
oder wenn dort oben etwas bekannt sein sollte, dauert es so lange,<lb/>
<pb n="23-1475" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-04_1475.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bis es mit konkreten Ergebnissen, ja ich kann sagen, überhaupt,<lb/>
meistens nicht einmal mit Andeutungen, vorgelegt wird. Wozu<lb/>
wir den seinerzeitigen Schnellbericht eingeführt haben, möchte<lb/>
ich gerne wissen. Die bisherigen Meldungen waren nichtssagend,<lb/>
siehe Häutepreis und Lederpreis und Leder-Wirtschaftsentwicklung,<lb/>
oder wenn interessant, schon einige Tage vorher in den Zeitungen<lb/>
zu lesen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-12-04_20">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier muß eine Reorganisation erfolgen.</p></div>
      <div type="back"><pb n="23_1467_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-12-04_1467-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
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            <head>Tagesprogramm, 4.12.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Leitender Sekretär ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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