<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19741108.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19741107.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19741109.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Freitag, der  8. November 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band23_1974-11-08</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1974-11-08">Freitag, 8. November 1974</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2017-02-23">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text xml:base="http://192.168.0.9/staribacher/src/scans/Band23/">
      <body>
         <pb n="23-1339" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-08_1339.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_01">Freitag, den 8. November 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_02">Zum 40-jährigen Bestand des Instituts Fremdenverkehrsforschung<lb/>
auf der Welthandel waren eigentlich mehr prominente Fremdenver<lb break="no"/>kehrspolitiker aus der Handelskammer, teilweise auch aus dem<lb/>
Ministerium, erschienen als Studenten und sonstige Zuhörer. Auf<lb/>
alle Fälle war das Auditorium Maximum maximal zur Hälfte gefüllt.<lb/>
Anwesend war auch der ehemalige Handelsminister und Vizekanzler<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs>, der wahrscheinlich als Präsident des Donau-Europäischen<lb/>
Instituts geladen. <rs type="person" ref="#per__130191">Bernegger</rs>, der jetzt Direktor ist, schilderte<lb/>
die 30-jährige Bestandsfeier, wo <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs>, wie er sagte, ein grund<lb break="no"/>legendes fremdenverkehrspolitisches Referat gehalten hat. Schade,<lb/>
daß ich dies nicht wußte, sonst hätten wir versuchen sollen, den<lb/>
Inhalt dieses Referates damals zu erfahren. Interessant war,<lb/>
daß er mir nachher sagte, meine Ausführungen, ich bezog mich auf<lb/>
die derzeitige Lage, die Absichten, die wir im Ministerium hatten<lb/>
und auf die Arbeitsausschüsse zur Behebung der Schwierigkeiten im<lb/>
Fremdenverkehr, war, wie <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> sich ausdrückte, von praktischen Er<lb break="no"/>fahrungen und Kenntnissen der Fremdenverkehrspolitik gespaltet.<lb/>
Er meinte, da sieht man, daß sie sich mit der Materie beschäftigen<lb/>
und daß sie sie beherrschen, sonst könnte man nicht frei und<lb/>
doch so viel sagen, sprechen. Natürlich muß man bei solchen An<lb break="no"/>erkennungen sehr vorsichtig sein, denn <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> selbst legt größten<lb/>
Wert darauf auf gute Zusammenarbeit. Bereits als wir die Regierung<lb/>
übernommen hatten, fürchtete er, daß jetzt ein Auswechseln aller ih<lb break="no"/>rer Leute durch unsere erfolgen würde. Wahrscheinlich meinte er<lb/>
auch selbst als Präsident der Creditanstalt gefährdet zu sein.<lb/>
Andererseits ist bekannt, daß er sich ausschließlich um den<lb/>
europäische Gemeinschaftbeitritt Österreichs bemühte und kümmerte.<lb/>
Dann hatte er noch das ganze Bautenressort, wahrlich eine irr<lb break="no"/>sinnig große Materie, die er kaum durch intensives Wissen oder<lb/>
gar zweckmäßige Detailarbeit beeinflussen konnte. Da er aber<lb/>
jahrzehntelang als Minister tätig war, hat er sich sicherlich<lb/>
sehr viel Routine können angeeignet, was ihm seine Regierungs<lb break="no"/>tätigkeit erleichterte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_03">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Vielleicht kann man in Erfahrung bringen,<lb/>
welche fremdenverkehrspolitische Konzeption er damals vertreten<lb/>
hat.</p><pb n="23-1340" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-08_1340.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_04">Mit <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> und <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> bespreche ich die Restvergabe unserer<lb/>
Wirtschaftsförderungsmittel. Dr. <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs> möchte für die wirklich in<lb/>
Not geratenen Fremdenverkehrsbetriebe Stützungsmittel aus der Rest<lb break="no"/>vergabe. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> erklärt rundweg, daß die Fremdenverkehrsquote im<lb/>
normalen Budget so groß ist, daß er befürchtet daß sie diese Mittel<lb/>
alle gar nicht mehr ausgeben können. Er meint, es bräuchten deshalb<lb/>
aus die 30 Millionen, die wir jetzt zu besprechen haben, nichts ab<lb break="no"/>gezweigt werden. Nebenbei stellt er fest, daß es gar nicht möglich wäre,<lb/>
von den einen Ansätzen Wirtschaftsförderung, die wir jetzt besprechen,<lb/>
in die anderen Ansätze Fremdenverkehr Gelder zu übertragen, ohne<lb/>
gesetzliche Ermächtigung. Daß wir dies nicht beachteten, ist eigent<lb break="no"/>lich für uns blamabel. Hier zeigt sich, daß das Wissen von <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs>,<lb/>
eigentlich von Budgetziffern und Budgetrecht, durch niemanden an<lb break="no"/>derem im Haus erschüttert werden kann. Ich habe mich gleich in<lb/>
den ersten Jahren auf diese Tatsache eingestellt. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> arbeitet<lb/>
sehr loyal, zumindestens habe ich diesen Eindruck, und versteht es<lb/>
mit seinem Freund <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs> im Finanzministerium so zu regeln, daß<lb/>
wir eigentlich immer bis jetzt sehr gut abgeschnitten haben. Dies<lb/>
gilt sowohl bezüglich der Höhe unserer Budgetansätze als auch über<lb/>
die zweckmäßige Verteilung. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> hat deshalb auch die 30<lb/>
Millionen so aufgeteilt, daß ich sofort dem zustimmen kann.<lb/>
Er zieht Bezahlungen, die wir 1975 haben, jetzt vor, gibt z.B. dem<lb/>
Verein für Konsumenteninformation seine 75er Rate mit 7 Millionen<lb/>
Schilling, unterstützt das Berufsförderungsinstitut durch die<lb/>
mit der 20% Quote die WIFIs bekommen usw. und gibt dann den Rest<lb/>
von ca 12.5 Millionen der BÜRGES, um die gesamten Budgetmittel 74<lb/>
zu verbrauchen und doch nicht das Geld hinauszuschmeißen. Mit<lb/>
MR <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs> im Finanzministerium hat er alles bereits abgesprochen,<lb/>
sodaß von dort kein Widerstand zu erwarten ist. Der Beschluß<lb/>
des Finanzministers in der letzten Ministerratssitzung, daß wir so<lb/>
wie in den Vorjahren immer bei Restausgaben im November–Dezember,<lb/>
damals erst im Dezember die Zustimmung des Finanzministeriums holen<lb/>
sollen, ist daher eine bloße Farce. Wenn die Bürokratie tüchtig ist<lb/>
und gute Verbindungen zum Finanzministerium hat, gelingt es ihr<lb/>
ohne weiteres, die für sie notwendigen Ausgabemittel auch vom Fi<lb break="no"/>nanzministerium freizubekommen. Diesen idealen Zustand haben<lb/>
wir glaube ich aber nur, da <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs> sehr gut kennt.<lb/>
Auf alle Fälle hat <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> recht, wenn er sagt, in dieser kurzen Zeit<lb/>
bis Jahresende wären wir außerstande, eine neue Aktion, sei es wie<lb/>
immer zu starten.</p><pb n="23-1341" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-08_1341.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_05">Im Kontaktkomitee mit den EVU besprechen wir die weitere Vorgangs<lb break="no"/>weise bei der Betriebsvereinigung von Enns-Kraftwerken mit den<lb/>
Donau-Kraftwerken. SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat mitgeteilt, daß ihm Präs. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiß</rs><lb/>
von der Verbund, der ÖVP-Sprecher, nach einer Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>,<lb/>
dem Vorsitzenden der Donaukraftwerke, erklärt, er könne dem Austausch<lb/>
von dem seinerzeitigen SChef <rs type="person" ref="#per__136608">Cech</rs>, einen ÖVP-Mann, durch den<lb/>
derzeitigen Kandidaten von uns, Dr. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>, im Aufsichtsrat der<lb/>
Donaukraftwerke zwar nicht zustimmen, würde aber gegen eine solche<lb/>
Bestellung keinen Widerstand leisten. Anders verhält es sich bei<lb/>
der Vergrößerung des Vorstandes der Donau von 3 auf 4 und die<lb/>
Übernahme des derzeitigen sozialistischen Vorstandsmitgliedes der<lb/>
Enns-Kraftwerke in die Donaukraftwerke. Nach langwieriger Dis<lb break="no"/>kussion einigen wir uns, daß die Verbundgesellschaft beschließen<lb/>
wird, bei der nächsten Hauptversammlung, die am Montag stattfindet,<lb/>
als Eigentümervertreter zu versuchen, daß die Hauptversammlung,<lb/>
obwohl die Siebentagefrist nicht eingehalten ist, einvernehmlich<lb/>
den Austausch des Aufsichtsrates <rs type="person" ref="#per__136608">Cech</rs> gegen <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> auf die Tages<lb break="no"/>ordnung bringt. Sollte dies möglich sein, dann zeigt sich, daß die<lb/>
ÖVP mit uns ehrliches Spiel treibt und tatsächlich bereit ist,<lb/>
das, was <rs type="person" ref="#per__112215">Weiß</rs> vereinbart, auch einzuhalten. Sollte dies aber scheitern,<lb/>
dann werden wir eine außerordentliche Hauptversammlung in kürzester<lb/>
Zeit einberufen und dort nicht nur die Bestellung von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> durch<lb break="no"/>führen, sondern auch die Statutenänderung, d.h. von max. 3 auf 4,<lb/>
mit Mehrheit beschließen. Dies bedeutet, wie <rs type="person" ref="#per__112215">Weiß</rs> sich ausgedrückt<lb/>
hat, zwar den Krieg, doch können wir uns, nachdem ich bereits 9<lb/>
Monate zugewartet habe, nicht mehr länger verhandeln und auf<lb/>
einvernehmliche Lösungen einlassen, da irgendwann einmal auch die<lb/>
Entscheidung fallen muß. Da die Übernahme der Betriebsübereinkommen<lb/>
zwischen Enns und der Donau sachlich begründet ist, glaube ich,<lb/>
daß ich diesen Kampf auch in der Öffentlichkeit so einigermaßen<lb/>
bestehen werde. Ich bin mir allerdings vollkommen klar, daß die<lb/>
ÖVP dann auch mich wird hart attackieren wegen der Machtansprüche,<lb/>
die die Sozialisten jetzt überall geltend machen. Lieber wäre es<lb/>
mir, wenn wir noch, nachdem <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> als Aufsichtsrat bestätigt ist,<lb/>
einige Zeit zuwarten könnten, bis die eingesetzten Kommissionen,<lb/>
welche die Zusammenarbeit zwischen Enns und Donau überprüfen sollen,<lb/>
positive Ergebnisse vorlegen. Ich werde wieder von den Fachleuten<lb/>
in meiner Ansicht bestätigt, daß es vom fachlichen Standpunkt gegen<lb/>
eine solche Kooperation keine wie immer gearteten Einwand geben<lb/>
dürfte. Nur <rs type="person" ref="#per__114747">Zach</rs>, der ÖVP-Mann in der Verbundgesellschaft, möchte,<lb/>
<pb n="23-1342" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-08_1342.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>daß Enns, nachdem ihre Bauten jetzt zu Ende sind, unmittelbar der<lb/>
Verbund, was die praktische Tätigkeit betrifft, eingegliedert wird.<lb/>
Ein Auflösen oder rechtliche Änderung der Enns-Kraftwerke kommt ja nicht<lb/>
in Betracht, da sonst das zweite Verstaatlichungsgesetz abgeändert<lb/>
werden müßte. Dies im jetzigen Zeitpunkt zu machen, wäre ein politischer<lb/>
Wahnsinn.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_06">Nach der Sitzung kommt Dir. <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs> von der Bewag, um sich zu beschweren,<lb/>
daß wir nur 5 Millionen ERP-Kredite in Aussicht genommen haben. Früher<lb/>
hat Burgenland in der ÖVP-Zeit überhaupt keine ERP-Kredite bekommen,<lb/>
in den letzten 2 Jahren aber 10 Millionen Schilling von meinem<lb/>
Amtsvorgänger <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>. <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs> gibt zu, daß es ihm nicht darauf an<lb break="no"/>kommt, 5 Millionen oder 10 Millionen in der Praxis zu bekommen, meint<lb/>
nur, es sei optisch sehr schlecht, wenn Burgenland jetzt nur mehr die<lb/>
Hälfte bekommt. Ich erkläre ihm, daß wir die 95 Millionen, die ver<lb break="no"/>bleiben, dringendst für die Österr. Draukraftwerke benötigen. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs><lb/>
selbst weist darauf hin, daß früher die BEWAG gar nichts bekommen hat.<lb/>
Wir einigen uns dann nach längerer Diskussion, und <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> hat große<lb/>
Bedenken, weil er jeden Schilling dringend für die Österr. Draukraft<lb break="no"/>werke benötigt, letzten Endes auf 7 Millionen ERP-Zuschuß für die<lb/>
Bewag.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_07">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte achte auf die Durchführung der Sektion V<lb/>
und in Hinkunft, daß wir vorher, bevor wir be<lb break="no"/>schließen, mit dem Betreffenden Kontakt auf<lb break="no"/>nehmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_08">Zwischen <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> und mir auf der einen Seite und den<lb/>
Kärntner Vertretern <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> und seinen Betriebsrat <rs type="person" ref="#per__97905">Schatzmayr</rs> von<lb/>
der Kelag kommt es dann zu einer langfristigen und harten Ausein<lb break="no"/>andersetzung wegen der Bezugserhöhung der Kelag an der Österr. Drau<lb break="no"/>kraftwerke. Die Kärntner haben im Parteivorstand entsprechende Be<lb break="no"/>schlüsse gefasst und <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> meint, von den schon mir ihnen abge<lb break="no"/>rungenen 49% könnten sie unter gar keinen Umständen abgehen. Ich<lb/>
selbst lasse ihm aber nicht im unklaren, daß ich dazu nicht bereit<lb/>
bin. Ich möchte die seinerzeitigen Zusagen des Verbundvorstandes<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> und <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> sich für 50% Anteil der Länder an der Österr.<lb/>
Draukraftwerke sich loszukaufen, eine gewisse Erhöhung zugestehen.<lb/>
Anschließend mit den Verbundleuten und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> allein erkläre ich,<lb/>
daß es vielleicht ein Kompromiß wäre, wenn man den ursprünglichen<lb/>
Anteil des Bundes an der ÖDK, der 55% betrug, wieder herstellt.</p><pb n="23-1343" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-08_1343.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_09">Ich bin nicht sicher, ob es mir gelingen wird, dies in den Kärntner<lb/>
Kreisen durchzusetzen, weil unsere Parteifreunde dort unten sich<lb/>
auf einen höheren %-Satz schon eingestellt haben, und ich fürchte<lb/>
das, selbst gebe ich dem Land das Gewünschte. Genau dieselbe Si<lb break="no"/>tuation trifft auch für Vorarlberg zu. Dort fallen die Ill-Werke<lb/>
im Jahre 2010 sowieso dem Lande anheim und wenn wir einen langen<lb/>
Rechtsstreit jetzt mit dem Land entwickeln, wird es uns nicht viel<lb/>
nützen, aber auf alle Fälle politisch sicherlich schaden. In beiden<lb/>
Fällen ist ein vernünftiges Kompromiß, so meint auch <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>,<lb/>
zielführender.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_10">Die Verhandlungen mit den Sekretären von der Handelskammer<lb/>
betreffend Handelsspannenregelung der Fette und Öle verlief<lb/>
letzten Endes positiv. Sie stimmten dem Vorschlag von Arbeiter<lb break="no"/>kammer und Gewerkschaftsbund zu. Durch die Rohstofferhöhung und damit<lb/>
bedingt der starken Erhöhung der Letztverbraucherpreise, doch vorüber<lb break="no"/>gehend eine gestoppte absolute Handelsspanne zu akzeptieren. Die<lb/>
Arbeiterkammer und der Gewerkschaftsbund machten die Zusage, daß sich<lb/>
bei Preissenkungen sofort über die Handelsspanne auch das perzentuelle<lb/>
Ausmass auffüllt und wenn keinerlei Preissenkungen im nächsten Jahr<lb/>
erfolgen, dann auch wieder die perzentuelle Handelsspanne hergestellt<lb/>
wird. Die Unilever-Vertreter kamen dann auch noch mit den Welser<lb/>
Ölfirmenvertretern und waren über die Handelsspannenregelung sehr<lb/>
erfreut. Das Ganze wird von der Bundeskammer am Montag in der Paritäti<lb break="no"/>schen Kommission Preisunterausschuß noch zu beschließen sein. Ich<lb/>
ersuchte, daß man dies bereits um 9 Uhr machen soll, damit ich bei<lb/>
meinem Pressefrühstück um 10 Uhr bereits die Einigung verlautbaren<lb/>
könne.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-08_11">Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat den ehemaligen Kader der Soz. Jugend ins<lb/>
Rathaus geladen und ich machte mit meiner Frau einen Sprung hin.<lb/>
Dort traf ich wirklich viele alte Genossen und da kam mir erst so<lb/>
richtig zu Bewußtsein, wie jemand sagte, schau unser erster Obmann<lb/>
der Soz. Jugend Wiens, was ich damals für eine große Funktion eigent<lb break="no"/>lich gehabt habe und wie lange dies bereits her ist. Natürlich<lb/>
diene ich bei den Ansprachen von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> und <choice><choice><sic>insbesonderes</sic><corr>insbesondere? insbesonders?</corr></choice></choice> meines Nach<lb break="no"/>folgers bei der Soz. Jugend, <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs>, der mich seinerzeit mit den Linken<lb/>
stürzte, weil ich soweit rechts stand, als Paradebeispiel, wie man<lb/>
es von einem Funktionär der Soz. Jugend bis zu den höchsten Ämtern,<lb/>
<pb n="23-1344" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-08_1344.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eben Minister bringen kann. Sicher dient die Jugendorganisation<lb/>
als Schule und Kaderstätte für die nachfolgenden Funktionen in der<lb/>
Partei, aber sicherlich auch in den Ämtern die die Partei zu ver<lb break="no"/>geben hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst legt immer größten Wert darauf zu sagen,<lb/>
daß er ebenfalls in der 1. Republik im vierten Bezirk der Jugend<lb break="no"/>obmann der Arbeiterjugend war und nicht des Verbandes sozialisti<lb break="no"/>scher Mittelschüler, der damals auch sehr stark gewesen ist und<lb/>
in der Partei integriert war. Ansonsten aber ist die Entwicklung<lb/>
in der 2. Republik doch eher die, daß der Verband sozialistischer<lb/>
Mittelschüler, solange er noch in der Partei gearbeitet hat, die<lb/>
meisten Funktionäre und ganz besonders die Posten, sei es<lb/>
in der verstaatlichten Industrie oder in Interessensvertretungen<lb/>
oder in öffentlich rechtlichen Körperschaften und ganz besonders<lb/>
aber auch im Staatsdienst gebildet hat. Vielleicht war dies einer<lb/>
der Gründe, warum man seit meiner Tätigkeit in der Soz. Jugend immer<lb/>
wieder versucht hat, den Verband soz. Mittelschüler in diese Organi<lb break="no"/>sation zu integrieren oder zumindestens mit ihr stark zu kooperieren.<lb/>
Man wollte wahrscheinlich vom Standpunkt der Organisatoren der<lb/>
Soz. Jugend über den Verband soz. Mittelschüler seine eigenen Funk<lb break="no"/>tionäre in bessere Positionen bringen. Heute ist diese Situation<lb/>
deshalb nicht sehr aktuell, weil ja zu meinem Leidwesen der Verband<lb/>
soz. Mittelschüler sich von der Partei vollkommen getrennt hat.<lb/>
Dadurch geht das Nachkommensreservoir für die Partei in all den<lb/>
Ämtern, die sich ergeben kann verloren und wahrscheinlich können<lb/>
die soz. Jugendlichen diese Lücke gar nicht ausfüllen. Es ergibt<lb/>
sich jetzt schon ein spürbarer Mangel von guten Funktionären und<lb/>
gerade für den Staatsdienst akademisch gebildeten Genossen; in Hin<lb break="no"/>kunft wird dies noch viel schlechter werden.</p></div>
      <div type="back"><pb n="23_1329_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-08_1329-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 8.11.1974</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
         <pb n="23_1329_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-08_1329-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97461">
               <persName type="label">Frühbauer, Erwin</persName>
               <persName><surname>Frühbauer</surname><forename>Erwin</forename></persName>
               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12053536X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97377">
               <persName type="label">Bukowski, Dietrich</persName>
               <persName><surname>Bukowski</surname><forename>Dietrich</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher, Botschafter in Sofia/Straßburg</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__130191">
               <persName type="label">Bernecker, Paul</persName>
               <persName><surname>Bernecker</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>Inst. f. FV-Forschung WU Wien</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97469">
               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Gehart</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97722">
               <persName type="label">Marhold, Helmut</persName>
               <persName><surname>Marhold</surname><forename>Helmut</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/1035518031</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__136608">
               <persName type="label">Cech, Franz</persName>
               <persName><surname>Cech</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>SC Energiesektion HM bis 1973</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__110130">
               <persName type="label">Kaber, Walter</persName>
               <persName><surname>Kaber</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat Finanzministerium</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113025">
               <persName type="label">Horwath, Eugen</persName>
               <persName><surname>Horwath</surname><forename>Eugen</forename></persName>
               <occupation>BEWAG</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113626">
               <persName type="label">Ortmann, Johann</persName>
               <persName><surname>Ortmann</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97333">
               <persName type="label">Bandhauer, Herbert</persName>
               <persName><surname>Bandhauer</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>GD Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__107937">
               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Frank</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97358">
               <persName type="label">Bock, Fritz</persName>
               <persName><surname>Bock</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>ehem. ÖVP-Vizekanzler, Präs. Donaueurop. Institut, AR-Vors.
                  Leykam</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97488">
               <persName type="label">Gratz, Leopold</persName>
               <persName><surname>Gratz</surname><forename>Leopold</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister, Bgm. Wien</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97555">
               <persName type="label">Hintermayer, Franz</persName>
               <persName><surname>Hintermayer</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>ehem. GD Verbund</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/117712558</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__112012">
               <persName type="label">Arthold, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Arthold</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>stv. GD Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139680">
               <persName type="label">Pacheiner, Josef</persName>
               <persName><surname>Pacheiner</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Dir. KELAG</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113043">
               <persName type="label">Pfoch, Hubert</persName>
               <persName><surname>Pfoch</surname><forename>Hubert</forename></persName>
               <occupation>Wr. Vize-Bgm., SPÖ</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112031">
               <persName type="label">Maurer, Andreas</persName>
               <persName><surname>Maurer</surname><forename>Andreas</forename></persName>
               <occupation>nö. LH (ÖVP), AR-Vors. DoKW</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112215">
               <persName type="label">Weiß, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Weiß</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation>ehem. ÖVP-Verkehrsminister, Präs. Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112014">
               <persName type="label">Erbacher, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Erbacher</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>GD Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114747">
               <persName type="label">Zach, Hannes</persName>
               <persName><surname>Zach</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Vorstand Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>