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            <title type="main">Mittwoch, der  6. November 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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sogar ich als Handelsminister ausgezeichnet bin und er natür<lb break="no"/>lich aber als ÖVP-ler und Freund von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wahrscheinlich trotz<lb break="no"/>dem sich einen anderen Handelsminister wünscht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_02">Mittwoch, 6. November 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_03">Nach dem Frühstück mit Bundespräsident <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> besprach ich<lb/>
noch seine Anmeldung zum ÖGB. Ich schlug ihm, vor sollten versuchen,<lb/>
dass die öffentlich Bediensteten ihn rückwirkend aufnehmen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schläger</rs> sagte mir auch mit Recht, er hätte bereits 1970 seine<lb/>
Absicht bekundet, dem ÖGB beizutreten, und er sei selbstverständ<lb break="no"/>lich bereit, die Mitgliedschaft und damit die Beiträge zu bezahlen.<lb/>
Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> über dieses Problem dann gesprochen und er,<lb/>
aber ganz besonders <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> meinten, dies sei schwer möglich, da die<lb/>
öffentlich Bediensteten einen diesbezüglichen Beschluss haben und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> Schwierigkeiten machen würde. Auch <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> befürchte<lb break="no"/>te, dass dies ein Politikum werden wird, obwohl sowohl er als auch ich<lb/>
dies still und leise über die Bühne bringen wollten. Ich habe dann im<lb/>
Parlament mit <rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> unter vier Augen gesprochen und ihm noch<lb/>
einmal die ganze Entstehungsgeschichte wiederholt. Er gab sofort<lb/>
zu, dass ich ihn bereits genauso informiert hatte, als ein Politikum<lb/>
daraus wurde, bei einer Vorstandssitzung im ÖGB. Wir einigten uns<lb/>
dann Tatsächlich darauf, dass wir, ohne dass irgendjemand dies verlaut<lb break="no"/>bart oder daraus ein Politikum werden soll, er veranlassen wird, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> rückwirkend als Mitglied der Gewerkschaft öffentlicher<lb/>
Dienst aufgenommen wird. Ich kam ihm insoferne entgegen, als auf dem<lb/>
Aufnahmeformular gross im Eck oben steht, der Werber in Block<lb break="no"/>schrift, und ich ihm erklärte, ich würde verzichten darauf, auf dem<lb/>
immerhin prominentesten Anmeldeformular aufzuscheinen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_04">Im Hauptausschuss des NR vor der Plenumssitzung wurde die Rhodesien-<lb/>
Verordnung verhandelt. Die ÖVP – <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> – wollte wissen, was sich<lb/>
durch diese Verordnung in der Praxis ändert, nachdem ja auch jetzt<lb/>
auf Grund der Aussenhandelsstatistik keine Lieferungen nach Rhodesien<lb/>
von Österreich erfolgen. Ich gab gleich freimütig zu, gar nichts,<lb/>
aber es ist eine aussenpolitische Notwendigkeit, eine solche Ver<lb break="no"/>ordnung zu erlassen. In der Vergangenheit haben es leider österr.<lb/>
Firmen nicht verstanden, nach Rhodesien so wie viele andere west<lb break="no"/>europäische Staaten Waren zuliefern, ohne dort direkt in Erscheinung<lb/>
<pb n="23-1334" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1334.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Dadurch ist Österreich bei der UNO immer wieder angegriffen<lb/>
worden. Durch die Verordnung wird nun einer Forderung des UNO-<lb/>
Ausschusses Rechnung getragen. Die FPÖ – <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> – stimmte aber<lb/>
dagegen und auch die ÖVP enthielt sich der Stimme.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_05">Ich hatte versucht, noch auf die Tagesordnung ebenfalls die Aus<lb break="no"/>fuhrgenehmigung für Zuckermischungen, sogenannte Umgehungsmi<lb break="no"/>schungen, zu bringen. Zweifelsohne wäre es mir geglückt, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> nicht nur die Verordnungen mir mitgegeben hätte, sondern<lb/>
wenn gleichzeitig auch im Parlament offiziell die Verordnung ein<lb break="no"/>gebracht worden wäre. Zuerst wollte <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> überhaupt über dieses<lb/>
Problem nicht sprechen, weil er meinte, so knapp könne man ihm<lb/>
nicht einen Wunsch vor der Sitzung übermitteln. Ich wendete mich<lb/>
sofort an <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und erklärte, der Wunsch der Zuckerindustrie<lb/>
sei es, dass wir diese Verordnung machen, jetzt macht <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs><lb/>
Schwierigkeiten, worauf ich eben die ganze Angelegenheit zurück<lb break="no"/>stelle. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> setzte sich mit <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> ins Einvernehmen und der<lb/>
war dann nach längerer Zeit bereit, am nächsten Tag einer neuen<lb/>
Ausschussitzung zuzustimmen. Mir unerklärlich ist, dass scheinbar<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> und überhaupt die Beamten im Handelsministerium die Idee<lb/>
hatten, ich sollte die Verordnung ohne Zustimmung des Hauptausschuss<lb/>
vorerst in Kraft setzen und nachher dann die Zustimmung des Haupt<lb break="no"/>ausschusses zu verlangen, wie das Aussenhandelsgesetz bei Gefahr im<lb/>
Verzug vorsieht. Dass man aber einem Hauptausschussmitglied nicht<lb/>
sagen kann, hier haben sie die Verordnung, die ich jetzt er<lb break="no"/>lassen werde, zustimmen können sie erst dann, bis sie das nächste<lb/>
Mal formell von mir diese Verordnungen am Tisch haben, hat man<lb/>
scheinbar nicht bedacht. <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> entschuldigte sich insoferne,<lb/>
als er meinte, er hätte niemals geglaubt, dass es mir gelingen wird<lb/>
in so kurzer Zeit den Hauptausschuss zu mobilisieren und dann<lb/>
wie sich ja auch herausstellte, die Zustimmung dafür zu bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Das Präsidium, insbesondere <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs>, muss<lb/>
hier viel aktiver in Hinkunft über die formellen Einbringungen sich<lb/>
einschalten. Die ganze Auseinandersetzung war nicht zuletzt in An<lb break="no"/>wesenheit der Bürokratie des Finanzministeriums, des Finanzmini<lb break="no"/>sters, der ja letzten Endes den Hauptausschuss immer dominiert, für<lb/>
uns sehr unangenehm.</p><pb n="23-1335" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1335.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_07">Bei der Überreichung der goldenen Fremdenverkehrsmedaillen an<lb/>
Mr. <rs type="person" ref="#per__147379">Morrow</rs>, Präsident der Autoverleih-Firma AVIS, der scheinbar<lb/>
seine österr. Zweitniederlassung besuchte und auf die Auszeichnung<lb/>
grössten Wert legte, konnte ich mich mit ihm über die Fremden<lb break="no"/>verkehrssaison in Amerika und Grossbritannien aus gesehen unter<lb break="no"/>halten. Er meinte, dass der Tiefpunkt überschritten ist und<lb/>
wir jetzt in Hinkunft auch wieder mit stärkeren Touristenankünften<lb/>
aus den beiden Ländern rechnen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_08">Der Handelsminister von Zaire machte einen Gelegenheitsbesuch bei<lb/>
seinem Europa-Trip. Ich versicherte ihm, dass wir ihn unterstützen<lb/>
würden, um den Zaire-Österr. Handel auszubauen. Sein Handelsrat,<lb/>
der bei irgendeiner zairischen Botschaft, der Botschafter war auch<lb/>
mit, akkreditiert ist, wird sich mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> ins Einvernehmen<lb/>
setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_09">Prof. <rs type="person" ref="#per__140951">Bogomolow</rs>, Direktor des Instituts sozialistischer Weltwirt<lb break="no"/>schaften in der Akademie der Wissenschaften UdSSR hat einen Vor<lb break="no"/>trag im Donaueuropäischen Institut und wollte mich un<lb break="no"/>bedingt besuchen. <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> ist mit gekommen, der ja jetzt, nachdem<lb/>
er in Pension ist, sich im Wirtschaftsforschungsinstitut eine<lb/>
eigenes Institut für die sozialistischen Länder aufgebaut hat.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit konnte ich erkennen, dass <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> noch<lb/>
immer glaubt, er hätte als Institutsleiter im Wirtschaftsforschungs<lb break="no"/>institut wesentlich zur Klimaverbesserung der Sozialpartnerschaft<lb/>
beitragen, weil er die Ziffern liefert, die unbestritten sind,<lb/>
weil eben dieses Institut auch von den Sozialpartnern gemeinsam<lb/>
getragen wird. Sicher ist es besser, wenn ein wissenschaftliches<lb/>
Institut nicht von einer Seite, wie dies in der 1. Republik der Fall<lb/>
war, finanziell abhängig ist und damit natürlich deren Interessen<lb/>
stärker vertritt, auch wenn damals schon Arbeitnehmer in dem<lb/>
Institut verankert waren. Trotzdem würde unsere Sozial- und<lb/>
Wirtschaftspartnerschaft zu allerletzt von einem Wissenschafts<lb break="no"/>institut getragen sein können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_10">Die Berghauptleute haben eine Besprechung gehabt über das neue<lb/>
Berggesetz und ich habe diese Gelegenheit benützt, um mich<lb/>
einige Zeit über ihre Probleme mit ihnen zu unterhalten. <choice><choice><sic>Insbesonder</sic><corr>Insbesondere? Insbesonders?</corr></choice></choice><lb/>
kam es <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> darauf an, zu dokumentieren, dass sie jetzt auf Grund<lb/>
der neuen Berggesetz-Vorschläge schon ihre praktische Politik<lb/>
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dass er von den Berghauptleuten, aber ganz besonders von den<lb/>
Kollegen in der OB, die ihm nicht sehr gut gesinnt sind, in seiner<lb/>
Arbeit gestört oder zumindestens im Einzelfall sogar sabotiert<lb/>
wird. Ich habe den Berghauptleuten meinen Dank ausgesprochen für<lb/>
die Arbeit, die sie geleistet haben und in jedem einzelnen Fall,<lb/>
wo sie mir berichteten, dann auch meine Stellungnahme dazu abgegeben,<lb/>
gleichzeitig aber zum Schluss ganz besonders herausgestrichen,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> jetzt die Gesetzeswerdung durchzuführen hat und deshalb<lb/>
von niemandem im Stich gelassen werden darf. Die Berghauptleute<lb/>
haben mir dies zugesichert. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> ist zwar ein umständlicher,<lb/>
aber äusserst aktiver und fleissiger Arbeiter, der nicht zuletzt<lb/>
fast allein dieses Berggesetz geschaffen hat. So wie Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs><lb/>
auf der anderen Seite ein äusserst guter Mann in der Bergbehörde<lb/>
ist, haben die beiden jetzt immer mit entsprechenden Widerständen<lb/>
der anderen zu rechnen. Wahrscheinlich wird das sogar dann auch<lb/>
noch politisch getarnt. Wir müssen daher grössten Wert darauf<lb/>
legen und achten, dass bei der neuen Geschäftseinteilung und<lb/>
insbesondere bei der zukünftigen Beförderung und Auszeichnung die<lb/>
wirklich aktiven Leute <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> und <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> entsprechend berücksichtigt<lb/>
werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte beachte bei der neuen Geschäfts<lb break="no"/>einteilung und auch bei den Beförderungsrichtlinien und Aus<lb break="no"/>zeichnungen diese beiden ganz besonders.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_12">In der Paritätischen Kommission hat <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> vor Eingang in die<lb/>
Tagesordnung sich über die Äusserungen <rs type="person" ref="#per__111740">Dallingers</rs> bezüglich der<lb/>
Sozialpartnerschaft beschwert. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> als Vizekanzler und gleich<lb break="no"/>zeitiger ehemaliger Obmann der Privatangestellten-Gewerkschaft<lb/>
meinte richtig, hier handelt es sich um eine private Äusserung,<lb/>
der ÖGB hat dazu seine schon bekannte Stellungnahme einige Male<lb/>
dokumentiert. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war mit dieser Erklärung letzten Endes<lb/>
dann zufrieden. In der Tagesordnung gab es nur einen grösseren<lb/>
Streitpunkt, nämlich die Handelsspannenregelung bei Margarine<lb/>
resp. Speiseöl. Der Handel verlangt die weitere perzentuelle<lb/>
Handelsspanne, obwohl die Einstandspreise sich wesentlich durch<lb/>
den Rohstoffanteil verteuert hatten. Die Arbeiterkammer verlangte<lb/>
eine gestoppte absolute Spanne und deshalb einigten sich alle,<lb/>
dass ich jetzt die Preisregelung für diese Produkte einführen<lb/>
sollte. Genau das will ich aber nicht und ich erklärte, dort<lb/>
<pb n="23-1337" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1337.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ohne das so dezidiert zu sagen, ich werde mich bemühen, so wie bei<lb/>
dem Margarine-Erzeugerpreis, wo es letzten Endes dann doch zu einer<lb/>
einvernehmlichen Regelung gekommen ist, auch auf dem Ölsektor-<lb/>
Handelsspanne eine solche zu versuchen. Der zweite kritische Punkte<lb/>
nämlich eine neuerliche <choice><choice><sic>Briepreiserhöhung</sic><corr>?</corr></choice></choice> um 1.- S pro Liter wurde<lb/>
erst gar nicht debattiert, weil man einvernehmlich die Rückstellung<lb/>
beschloss. Die Handelskammer erklärte nur, sie wird dies neuer<lb break="no"/>dings auf eine Tagesordnung des Preisunterausschusses bringen. Dieses<lb/>
Recht kann ihr niemand nehmen, obwohl kein Zweifel gelassen wurde,<lb/>
dass vor einem Jahr, nachdem die letzte Erhöhung im März war, nicht<lb/>
damit zu rechnen ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_13">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat mir unter vier Augen mitgeteilt, dass er mit<lb/>
den Russen jetzt dann Ende November zu einem Abschluss wegen der<lb/>
Erdgaslieferungen kommen wird. Leider haben ihm die Russen nur<lb/>
500 Mill. zugesagt und er meint, dass dies in der Öffentlichkeit<lb/>
nicht sehr gut ankommen wird. Die Bedürfnisse sind nämlich mindestens<lb/>
die dreifache Menge, die eventuell möglich ist, im weiteren Verlauf<lb/>
tatsächlich zu bekommen, nur einen fixen Vertrag die Russen jetzt<lb/>
auf diese Menge ablehnen. Den Preis kann er deshalb noch nicht<lb/>
genau fixieren, weil zwar feststeht, dass von 17,01 $ bis Ende<lb/>
des Jahres auf 35 $ mit 1. Jänner und 1. April auf 40 $ der Preis<lb/>
sich erhöhen wird, dann jedes Jahr bis zum Jahre 1978 um 5 $ mehr,<lb/>
doch wird eine genau Preiskalkulation erst möglich sein, wenn man<lb/>
die Rückzahlung und Zinsenmodalitäten des 130 Mill. $-Kredite<lb/>
für die Rohre, die ab 1. Jänner 1975 geliefert werden sollen,<lb/>
kennt. Auf diesen Kredit werden nämlich bereits 75,10 Mill.<lb/>
und dann jedes Jahr 20 Mill. $ zurückgezahlt. Die Lieferung der<lb/>
zusätzlichen Gasmenge erfolgt erst 1978. Trotzdem hofft er, aber<lb/>
auch ich, dass wir bis dorthin noch zusätzliche Gasmengen werden<lb/>
beziehen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte versuche, Detailinformationen von der<lb/>
ÖMV zu erhalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_15"><rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> war in Paris und hat <rs type="person" ref="#per__133970">Bobleter</rs> getroffen, der ihn ersuchte,<lb/>
er möge ihm einen ÖMV-Mann zur OECD auf sein Beamtenkontingent so<lb break="no"/>zusagen senden. <rs type="person" ref="#per__133970">Bobleter</rs> hat keine Leute und möchte doch aktiver<lb/>
in Erscheinung treten. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> wollte dies von meiner Zustimmung ab<lb break="no"/>hängig machen. Ich habe mich aber dazu keineswegs geäussert, sondern<lb/>
erklärt, dies sei nicht mein Kaffee.</p><pb n="23-1338" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1338.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_16">Bauer hat auch <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs> getroffen, das ist der deutsche Vertreter<lb/>
in der zukünftigen Agentur und gleichzeitiger Generaldirektor dort,<lb/>
und der hätte ihm gesagt, sie legen grössten Wert darauf, dass<lb/>
auch Österreich sich an dieser internationalen Agentur beteiligt<lb/>
und würden gegebenenfalls die 700.000 t Lagerraum, die fehlen,<lb/>
streichen. Ich fragte <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, wann wir nun endlich eine genaue<lb/>
Aufstellung über unsere Lagerkapazität bekommen können, damit wir<lb/>
endlich wissen, wie gross tatsächlich unsere Lagermenge und Lager<lb break="no"/>kapazität ist. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat mir dies zugesagt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Vielleicht kannst auch Du hier Einzelheiten<lb/>
uns genauere Aufstellungen bekommen. Bauer</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_18"><rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ist über den Beitritt Österreichs zur Agentur nicht sehr glücklich,<lb/>
er meint, dort dominieren die Internationalen. Insbesondere möchte<lb/>
er jetzt in Österreich schärfer gegen diese vorgehen. Mobil hat<lb/>
in der Bilanz 1973 103 Mill. S Gewinn, 12 Mill. Rücklagen und<lb/>
110 Mill. Abschreibungen. Auf die 250 Mill. Aktienkapital wird<lb/>
sie 83 Mill. Dividenden ausschütten, das wären 33 %. Ich weiss<lb/>
nicht, ob diese Angaben stimmen, doch wäre es sehr interessant,<lb/>
wenn wir im Handelsministerium diese kritischen Bilanzen uns wirklich<lb/>
näher anschauen würden und ich eine entsprechende Information zeit<lb break="no"/>gerecht bekommen könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Vielleicht werden alle geprüft und angeschaut<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> informiert auch unsere Herren, doch worauf es ankommt, ist<lb/>
scheinbar noch immer nicht bekannt. Bitte kümmere Dich darum.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_20"><rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat auch mit <rs type="person" ref="#per__140952">Alby</rs>, Gen.Dir. Gaz de France, eine Aussprache.<lb/>
Dieser möchte mit SNAM, Ruhrgas, ÖMV, eine Europagasverteilung<lb/>
durchführen. Scheinbar ist es die Absicht dieser Gruppe, die Austria-<lb/>
Ferngas hinauszudrängen. Darüber hinaus glaubt <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, dass im ECOCO<lb/>
d.h. in Iran, wo die Franzosen bohren und die ÖMV mit 5 % beteiligt<lb/>
ist, grössere Gasmengen ab 1980 zur Verfügung stehen werden. Nach<lb/>
seiner Berechnung mindestens 13 Mia m3, davon 5 % die ÖMV, das<lb/>
sind 650 Mill.</p><pb n="23-1338" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1338-01-D.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_21">Mittwoch, 6. November 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_22">Im Hauptausschuss des Nationalrates kam die Rhodesien-Verordnung<lb/>
neben vielen Finanzpunkten <choice><choice><sic>viel</sic><corr>wie?</corr></choice></choice> Tabak-Steuer, Salz- und sonstige<lb/>
Erhöhungen zum Beschluss. Interessanterweise sprach sich <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> von<lb/>
der FPÖ dagegen aus und selbst die ÖVP, <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs>, meinte, dass sich<lb/>
durch diese Verordnung am tatsächlichen Zustand nichts ändert,<lb/>
was ich sofort zugab. Derzeit wird nämlich offiziell nichts nach<lb/>
Rhodesien exportiert, die Statistik beweist dies. Ich erklärte<lb/>
sofort den Grund dieser Verordnung in dem Beschluss des UNO-Aus<lb break="no"/>schusses, war aber dann doch sehr verwundert, dass auch die ÖVP dage<lb break="no"/>gen stimmte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_23">Vor Eingang in die Sitzung versuchte ich noch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> als Vorsitzenden<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> als Klubobmann davon zu überzeugen, dass man<lb/>
auch die Ausfuhrgenehmigung Zuckermischung, sogenannte Umgehungs<lb break="no"/>mischungen, auf die Tagesordnung setzen sollte. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> legte sich for<lb break="no"/>mell mit recht quer, dies könne man ihm nicht in so kurzer Zeit<lb/>
zumuten. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war Gott sei Dank anwesend und ich erklärte,<lb/>
ihm sofort, dass es dann nicht meine Schuld sei, wenn der Wunsch<lb/>
der Handelskammer nicht erfüllt werden kann. Dass die Arbeiterkammer<lb/>
dasselbe Verlangen stellte, habe ich natürlich verschwiegen. Der<lb/>
Fehler lag aber eindeutig bei uns, denn als <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> dann im Laufe<lb/>
der Sitzung bereit war, nach Ende dieser Sitzung sofort eine<lb/>
neue einzuberufen, stellte sich heraus, dass wir zwar die Ver<lb break="no"/>ordnungsermächtigung im Wortlaut mit hatten und sogar die Exem<lb break="no"/>plare an alle verteilen konnten, nicht imstande aber waren, nachzu<lb break="no"/>weisen, dass wir diese Verordnung formell richtig mit Schreiben<lb/>
im Nationalratsbüro eingebracht hatten. Für mich ist es uner<lb break="no"/>klärlich, wieso dies nicht geschah, doch wenn man jetzt sagt, man<lb/>
hätte, wie <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> mir gegenüber äusserte, gar nie erwartet, dass<lb/>
ich imstande wäre, dieses Problem auf die Tagesordnung zu bringen.<lb/>
Ursprünglich wollte <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> nur mit Austeilen dieser Zuckerver<lb break="no"/>ordnung den Hauptausschuss informieren, wobei ich gleich<lb break="no"/>zeitig mitteilen sollte, dass ich diese Verordnung jetzt erlasse<lb/>
und wie im Gesetz vorgesehen, nachträglich dem Hauptausschuss zur Ge<lb break="no"/>nehmigung vorlegen werde, da Gefahr im Verzuge ist. Wäre ich Hauptaus<lb break="no"/>schussmitglied gewesen in der Opposition, hätte ich den Minister in<lb/>
der Luft zerrissen. Wenn er mir nämlich gleichzeitig die Verordnung<lb/>
vorlegt und sagt, die wird jetzt der Handelsminister erlassen,<lb/>
<pb n="23-1338" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1338-02-D.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nachträglich dann dem Hauptausschuss zur Genehmigung aber vorlegt,<lb/>
dann hätte ich sofort gefragt, warum wollen sie denn nicht gleich<lb/>
jetzt die Genehmigung für diese Verordnung vom Hauptausschuss. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs><lb/>
gab dann aber nach und <choice><choice><sic>wie</sic><corr>wir</corr></choice></choice> einigten uns, dass am nächsten Tag ein<lb/>
neuer Hauptausschuss einberufen wird und wir das Handelsministerium<lb/>
sofort die Einreichung vornimmt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_24">Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> berichtete ich über die Besprechungen in Vorarlberg<lb/>
und ersuchte ihn gleichzeitig, ob er bereit wäre, für die mit der<lb/>
Konsumgenossenschaft liierten Sägen in Deutschlandsberg, der Bundes<lb break="no"/>forstsäge in Neuberg und einer dritten in Stanz, wenn sie alle<lb/>
drei die Konsumgenossenschaft beschäftigte und wo sie auch daran<lb/>
beteiligt ist, über die Fa. Kunerth<add>[Kunert?]</add> aus der produktiven Arbeits<lb break="no"/>marktförderung zu unterstützen. Der Wunsch von NR <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs>, welcher<lb/>
diese Holzgeschäfte seinerzeit entriert hat und die Beteiligung<lb/>
bei der Firma Kunerth eingeleitet, ist derzeit in einer sehr<lb/>
schlechten Situation. <rs type="person" ref="#per__97890">Sagmeister</rs>, die graue Eminenz noch immer bei<lb/>
der Konsumgenossenschaft Wien, meint, es sei besser ein Ende mit<lb/>
Schrecken weitere Mittel in die Firma<lb/>
Kunerth zu stecken. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erklärte, dass bis jetzt die Sägen von<lb/>
der Arbeitsmarktförderung ausdrücklich ausgenommen waren. Er wird<lb/>
sich den Fall aber besonders anschauen und hofft, dass er zumindestens<lb/>
Überbrückungshilfe geben kann, wie dies auch bei Schmid in Wilhelmsburg<lb/>
Giesserei, und Schlöglmühl, Papierfabrik der Neusiedler seinerzeit<lb/>
gegeben hat. Am liebsten wäre <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs>, wenn es mir bei meiner Bagdad-<lb/>
Reise gelingen würde, ölproduzierende Länder zu einer Kooperation<lb/>
mit Kapitalbeteiligung in Österreich auf diesem Sektor, d.h. zur<lb/>
Entlastung für die KGW zu gewinnen. Ich kann mir dies allerdings nicht<lb/>
vorstellen, doch werde ich mich um einen Auftrag für die Sägen be<lb break="no"/>mühen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_25">Mister <rs type="person" ref="#per__147379">Morrow</rs> von der Autoverleihfirma AVIS bekam die goldene Fremden<lb break="no"/>verkehrsmedaille, weil er sich um den österr. Fremdenverkehr, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> mir gegenüber sich ausdrückte, verdient gemacht hat. In<lb/>
Wirklichkeit hat seine Organisation natürlich aus Profitinteressen<lb/>
sich in Österreich eine gute Verdienstchance geschaffen und hilft<lb/>
damit auch indirekt unseren österr. Fremdenverkehr. <rs type="person" ref="#per__147379">Morrow</rs> selbst<lb/>
meinte, dass in Amerika drüben der Tiefpunkt in Auslandsreisen<lb/>
überwunden sei. Nächstes Jahr würde es besser gehen.</p><pb n="23-1338" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1338-03-D.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_26"><rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> sprach dann nachmittags bei mir vor, um seinen<lb/>
weiteren Verbleib in den internationalen Organisationen zu besprechen.<lb/>
Ich habe ihm keinerlei Zusagen gemacht, sondern darauf verwiesen,<lb/>
dass er mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> sich einigen müsste. Seiner Aussage nach sei<lb/>
er mit allen Direktoriumsmitgliedern und mit der Geschäftsführung<lb/>
einer Meinung, er wolle mich nur formell darüber informieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Wie weit wurde dies von <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und Dir<lb/>
akzeptiert!</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_28">Der Handelsminister von Zaire, der sich in Österreich kurz aufhält,<lb/>
wollte eine Aussprache, um mit mir in Kontakt zu kommen. Da unser<lb/>
Export dorthin grösser ist als der Import, beide aber vollkommen<lb/>
uninteressant, bemüht man sich scheinbar in Zaire jetzt diese<lb/>
Aussenhandelsbeziehungen zu verbessern. Wir sagten ihm jede<lb/>
Unterstützung zu und ich verwies insbesondere den Botschafter<lb/>
und seinen Handelsattache, der ebenfalls mitgekommen waren, an<lb/>
Sekt.Leiter <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, der ihnen auch jedwede Unterstützung zusagt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_29">Prof. <rs type="person" ref="#per__140951">Bogomolow</rs> von der Sowjetunion und Direktor eines Instituts<lb/>
für soz. Weltwirtschaft hält im Donaueuropäischen Institut einen<lb/>
Vortrag und wird, wie mir Prof. <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> versicherte, in Hinkunft<lb/>
neben anderen Oststaaten enger mit dem Ostinstitut des Wirtschafts<lb break="no"/>forschungsinstitutes zur Ergründung des Osthandels und dessen Ver<lb break="no"/>besserung entsprechend eng zusammenarbeiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_30">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier könnten wir ohne finanzielle Unterstützung<lb/>
entsprechende Studien und die Aufträge unterbringen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_31">Die Anwesenheit der Berghauptleute von ganz Österreich, die das<lb/>
neue Berggesetz mit <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> und <rs type="person" ref="#per__139515">Dworak</rs> und <rs type="person" ref="#per__110981">Pelzl</rs> durchsprachen, nützte<lb/>
ich, um mit ihnen Kontakt aufzunehmen. <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> hatte Angst, dass jetzt<lb/>
die Berghauptleute seine Arbeit konterkarieren, indem sie, wie ver<lb break="no"/>einzelt vorgekommen ist, nicht den Sinn des neuen Berggesetzes<lb/>
bereits zur Anwendung bringen, sondern vielleicht jetzt mit Gewalt<lb/>
Entscheidungen auf Grund des alten Berggesetzes herbeiführen, die<lb/>
jahrzehntelang ungeregelt blieben. Nachdem die Berghauptleute<lb/>
ihre Probleme mir geschildert haben, hat <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> dann seinen Stand<lb break="no"/>punkt formuliert und ich habe, indem ich besonders die Arbeit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112190">Mocks</rs> herausstrich, welches die Berghauptleute auch anerkennen,<lb/>
festgehalten, dass man jetzt <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> in jeder Beziehung unter<lb break="no"/>stützen wird. Das haben die Berghauptleute mir gegenüber auch zuge<lb break="no"/>sichert.</p><pb n="23-1338" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1338-04-D.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_32">In der Paritätischen Kommission, die ich einleitend führen müsste,<lb/>
weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu spät kam, verlangte <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> eine Erklärung der<lb/>
Gewerkschaftsseite wegen des Angriffes <rs type="person" ref="#per__111740">Dallingers</rs> auf die Sozialpartner<lb break="no"/>schaft. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> replizierte sofort, dass es sich hier um eine persön<lb break="no"/>liche Stellungnahme handelt und man solle <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> über die Auslegung<lb/>
seiner Äusserung fragen, der ÖGB als solcher hält an der Wirtschafts<lb break="no"/>partnerschaft fest. In der Tagesordnung gab es nur einen kritischen<lb/>
Punkt, nämlich dass es zwar gelungen ist, die Erhöhung der Margarine- und<lb/>
Speiseölpreise für die Erzeugerbetriebe einvernehmlich festzulegen,<lb/>
während es nicht möglich war, eine Regelung der Handelsspannen zu er<lb break="no"/>reichen. Die Handelskammer ist der Meinung, dass hier eine gestoppte<lb/>
Spanne, wie der ÖGB und die AK verlangt, nicht angewendet werden kann,<lb/>
andererseits aber zugibt, dass die perzentuelle Spanne in der vollen<lb/>
Grösse nicht auf die erhöhten Erzeugerpreise aufgeschlagen werden sollte,<lb/>
weder Sallinger noch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist es aber gelungen, die Vertreter des<lb/>
Handels davon zu überzeugen. Deshalb schlug selbst die Handelskammer<lb/>
vor, ich müsste jetzt eine Preisregelung für Margarine und Öl vornehmen<lb/>
Ich erklärte der Paritätischen Kommission und dann auch im Rundfunk<lb/>
und den Zeitungen gegenüber, dass ich mich bemühen werde, so wie es<lb/>
auch gelungen ist, den Erzeugerpreis zwischen den Interessensvertretun<lb break="no"/>gen einvernehmlich zu regeln, auch bei der Handelsspanne einen solchen<lb/>
versuch unternehmen werde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_33">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte unter meinem Vorsitz sofort eine Bespre<lb break="no"/>chung einberufen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_34">Im Fernsehen, Zeit im Bild, konnte ich im Klub bemerken, dass einige<lb/>
Klubmitglieder, aber ganz besonders <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wegen der Äusserung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> in der Arbeiterzeitung, dass wir Inflationspolitik machen,<lb/>
grosse Verärgerung hervorgerufen hat. Ich versuchte <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> wegen<lb/>
dieses Artikels und wegen Münzen, die ich für den Bundespräsidenten<lb/>
brauche, zu erreichen, was mir bis jetzt nicht gelang.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_35">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte eine Telefonverbindung herstellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_36">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> berichtet mir, dass er am 25. November <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> zur<lb/>
Unterschrift wegen des neuen zusätzlichen Erdgasvertrages kommen wird.<lb/>
Bis jetzt seien nur 500 Mill. fix und er befürchtet, dass damit in<lb/>
der Öffentlichkeit ein unbefriedigender Eindruck entstehen müsste.<lb/>
Der neue Handelsdelegierte <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolajenkow</rs> wird sich angeblich bemühen,<lb/>
dass wir eine grössere Menge zugesichert bekommen. Ich gebe mich keiner<lb/>
Illusion hin. Der endgültige Gaspreis kann noch immer nicht gesagt<lb/>
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für die 130 Mill. $ Rohre, die durch Kredit mit 1.1.1975 finanziert<lb/>
werden sollen, endgültig aussehen. Fest steht nur, dass die Erhöhung<lb/>
des Gaspreises von derzeit 17,01 $, das denselben Schillingbetrag<lb/>
ergibt durch die Dollarabwertung als wie zu Abschluss des Vertrages<lb/>
auf den Höchstpreis von 55 $ mit 1.1978 noch entsprechende Zwischen<lb break="no"/>lösungen und endgültige Preise erst bei genauen Kreditkostenkenntnis<lb/>
möglich sind.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_37">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Die Gaspreiserhöhung von der Gemeinde ist des<lb break="no"/>halb nicht so aktuell wie wir erwartet haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_38"><rs type="person" ref="#per__133970">Bobleter</rs> in Paris hat <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, der ihn besuchte, ersucht, er möge<lb/>
in die OECD-Mannschaft einen ÖMV-Mann entsenden, da er niemanden<lb/>
hat, der Fachkenntnisse und vor allem aber keinen Dienst<lb break="no"/>posten hat. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> wollte die Zusage, einen solchen Mann nach Paris<lb/>
auf ihre Kosten zu schicken von meiner Zustimmung abhängig machen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_39">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Prüfe, wie weit dies zweckmässig ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_40">Der zukünftige Direktor des Internationalen Energieprogramm-Agentur<lb/>
ein Deutscher <rs type="person" ref="#per__114944">Lanske</rs>, hätte mit <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> gesprochen und vereinbart, dass<lb/>
wir unsere Lager keinesfalls so schnell aufbauen müssen, als im<lb/>
Vertrag vorgesehen ist. Er wäre angeblich bereit, die Minus 700.000<lb/>
fehlende Lagerkapazität zu streichen. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> betrachtet es als einen<lb/>
schweren Rückschlag der ÖMV-Politik und ganz besonders als eine gegen<lb/>
ihn gerichtete Massnahme, wenn Österreich tatsächlich jetzt dem Ver<lb break="no"/>trag beitritt. Mein Hinweis, er hätte sich in der Handelskammer eben<lb/>
durchsetzen müssen, bezeichnet er als richtig, meint aber, die Inter<lb break="no"/>nationalen hätten dort nicht nur volle Anerkennung gefunden, sondern<lb/>
hätten auch eine wesentlich bessere Verbindung als er. Die Bilanzen<lb/>
der Mobil zeigen jetzt eindeutig, dass sie einen Supergewinn von<lb/>
103 Mill. S bei 12 Mill. Rücklagen und 110 Mill. Abschreibungen im<lb/>
Jahre 1973 erzielt hätten, damit auf ihr Grundkapital von 250 Mill.<lb/>
eine 83 Mill. Dividende ausschütten können, was 33 % entspricht.<lb/>
Er wird deshalb gegen die Internationalen viel härter vorgehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_41">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Solche Bilanzanalysen müssten wir auch von unse<lb/>
rem Haus bekommen resp. zumindestens eine Information über solche ex<lb break="no"/>orbitante Entwicklungen. Bitte prüfen.</p><pb n="23-1338" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-06_1338-06-D.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_42">Im Algerien-Gas hofft <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, dass er, wie er mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__140952">Alby</rs> von<lb/>
der Gaz de France besprochen hat, im Einvernehmen mit SNAM, Ruhrgas,<lb/>
die Europa-Gasverteilung doch auch wird in den Griff bekommen.<lb/>
Am 22. November wird wahrscheinlich nur Frankreich und Belgien<lb/>
mit der SONATRACH abschliessen, da die ÖMV ja im iranischen Konsor<lb break="no"/>tium ECOCO mit 5 % auch mit den Franzosen und Italienern verbunden ist,<lb/>
nimmt <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> an, dass dort von den 45 % Gasmengen, die diesem Kon<lb break="no"/>sortium zur Verfügung stehen, mindestens 13 Mia m3 5 %, das sind 650<lb/>
Mill. ab 1980 als Mindestmengen der ÖMV zur Verfügung stehen werden. Des<lb break="no"/>halb werden das Konsortium mit der Gaz de France, Ruhrgas, SNAM,<lb/>
ÖMV-Mitgliedern, Monfalcone und die europäischen Pipelines bauen.<lb/>
Scheinbar will sich die ÖMV jetzt über ihre starken europäischen<lb/>
Partner neue Bezugsquellen ausser den Russen, nämlich eben Iran<lb/>
und vielleicht auch Algerien sichern. Ich werde mich in den Kampf<lb/>
Austria-Ferngas : ÖMV in dieses Problem also nicht einschalten, wenn<lb/>
es nicht von beiden Teilen als Schiedsrichter an mich herangetragen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_43"><rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat Wien einen offiziellen Besuch abgestattet und <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
hat deshalb einen offiziellen Empfang im Rathaus gegeben. Als ich<lb/>
ausnahmsweise zeitgerecht hinkam, wurde mir erklärt, dass die Re<lb break="no"/>gierungsmitglieder, Stadträte und sonstige Prominenz, ich traf auch<lb/>
sogar <rs type="person" ref="#per__114511">Fritz Muliar</rs>, nicht im grossen Empfangssaal, sondern in einem<lb/>
speziellen, daneben liegenden Raum mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> essen würden.<lb/>
Nachdem ich dort alle begrüsst hatte, ging ich aber dann doch in den<lb/>
grossen Empfangssaal und erlebte, dass <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> natürlich mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> sich dort niederliess, auch dort entsprechend begrüsst wurde<lb/>
und auch seinen Dank für die Einladung sprach und die Prominenz in<lb/>
einem abgesonderten Saal wartete. Dies war eine vollkommen falsche<lb/>
organisatorische Leistung, die man sicher <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> vorwerfen wird, obwohl<lb/>
ich hoffe, dass die Idee nicht von ihm stammt, sondern irgendwo<lb/>
von einem Protokollmann. Hätte man die Prominenz auch in den grossen<lb/>
Empfangssaal gebeten, Platz war genug vorhanden, wäre diese Teilung<lb/>
nicht so unangenehm aufgefallen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hätte sich wohlge<lb break="no"/>fühlt und niemand wäre verärgert gewesen. Man kann, glaube ich, nicht<lb/>
genug auf solche formellen Gesichtspunkte achten. Ich selbst fuhr nach<lb/>
der Begrüssung dann wieder ins Parlament zurück. Andere Regierungs<lb break="no"/>mitglieder und vor allem Abgeordnete hatten erwartet, dass die<lb/>
Sitzung früher aus sein würde und sie deshalb an diesem Empfang<lb/>
teilnehmen könnten. Ich kenne hier wirklich das Parlament schon<lb/>
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Auch dann, wenn selbst die eigenen Parteifreunde, wie mir <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> ver<lb break="no"/>sicherte, sehr unglücklich über die langen Ausführungen mancher<lb/>
Redner, von der soz. Seite ganz zu schweigen, wo auch unsere, die<lb/>
nicht reden über den Langredner schimpfen, sich eben nicht durchsetzen<lb/>
können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_44">Mit <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> vereinbarte ich, dass er heute in 14 Tagen,<lb/>
Mittwoch, den 20. November, um 16 Uhr bei <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> im Parlament eine<lb/>
Aussprache über die Preisgesetze stattfinden kann. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
waren nicht bereit, mir einen früheren Termin zu geben, ja sie sind<lb/>
nicht einmal bereit, in konkrete Verhandlungen einzutreten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, man müsse das Gesetz genau studieren, dies sei<lb/>
nicht bis zum 18. möglich und es könnte deshalb erst gar nicht<lb/>
eine konkrete Verhandlung am Mittwoch den 20. um 16 Uhr, dies ist,<lb/>
glaube ich, der richtige Termin, stattfinden. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs><lb/>
zu dieser Aussprache gebeten, damit nicht ich allein dort<lb/>
die negative Stellungnahme von <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> als die von der<lb/>
ÖVP nominierten Verhandler hören werde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_45">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte den Termin, Mittwoch, den 20.11., 16<lb/>
Uhr fixieren und in Konsumentenwoche entsprechend berücksichtigen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_46">Mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> und <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> besprach ich die endgültigen Quoten<lb/>
für die Obst- und Gemüseliberalisierung. Beide sahen ein, dass<lb/>
ich jetzt eine endgültige Entscheidung treffen musste und meinten,<lb/>
sie würden sich weitestgehend dem Vorschlag der Industrie anpassen<lb/>
können. Ich gab ihnen die Aufstellung von <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> und ersuchte<lb/>
sie, in den nächsten Tagen mit <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> die endgültigen Ziffern<lb/>
zu fixieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-06_47">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> soll die beiden zu einer Besprechung<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 6.11.1974</head>
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