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            <title type="main">Montag, der  4. November 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_01">Montag, 4. November 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_02">Beim Journalistenfrühstück kritisierte ich, dass die österreichi<lb break="no"/>schen Zeitungen über die EFTA-Tagung überhaupt nichts schreiben<lb/>
und verwies darauf, dass es in anderen Ländern zu einer wesentlich<lb/>
besseren Berichterstattung über diese internationale Organisation<lb/>
kommt und die EFTA deshalb ein wenig traurig ist. Natürlich war ich<lb/>
mir vollkommen klar darüber, dass ein solcher Appell überhaupt nichts<lb/>
fruchtet, weil in den österreichischen Zeitungen überhaupt nur Eingang<lb/>
findet, was irgendwie sensationell oder unmittelbar interessant<lb/>
für die österreichische Bevölkerung ist, aufgenommen wird. Trotzdem<lb/>
war es mir ein Bedürfnis, diese Kritik einmal anzubringen. Viel<lb break="no"/>leicht aber hätte man auch wesentlich konkreter schon von Helsinki<lb/>
aus die österreichischen Zeitungen bearbeiten müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_03">Bei der Unterzeichnung mit Südkorea wegen Textilselbstbeschränkung<lb/>
zwischen dem koreanischen Botschafter und <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> nützte ich<lb/>
die Gelegenheit, um den anwesenden Textilvertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__115012">Katarin</rs> und<lb/>
den Handelspolitiker <rs type="person" ref="#per__114914">Schwarz</rs> von der Handelskammer mit <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> zu konfrontieren, bezüglich weiterer Vorgangsweise bei Japan,<lb/>
Wünsche auf Aussetzung des Artikel XXXV GATT. <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> hat mir voll<lb break="no"/>kommen rechtgegeben, dass wenn wir nicht sehr bald eine Lösung<lb/>
mit Japan finden, diese die Entliberalisierung von Textilien,<lb/>
die derzeit nach Japan von Österreich geliefert werden, beim GATT<lb/>
als Retorsionsmassnahme beantragen werden. <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> erklärte <choice><choice><sic>rundwe</sic><corr>rundweg? rundwegs?</corr></choice></choice><lb/>
dass es so unverständlich ist, warum die Handelskammer noch immer<lb/>
gegen eine Verhandlung mit Japan wegen Aufhebung des Artikels XXXV<lb/>
verweigert. Seiner Auffassung nach haben wir den günstigen Zeit<lb break="no"/>punkt, dafür etwas einzutauschen längst versäumt. Wir müssen nun<lb/>
versuchen, ob Japan vielleicht noch eine gewisse Selbstbeschrän<lb break="no"/>kung, die sie uns überlassen würde, zu administrieren, dafür <choice><choice><sic>ein<lb break="no"/>rauschen</sic><corr>eintauschen?</corr></choice></choice> würde. Sowohl <rs type="person" ref="#per__115012">Katarin</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__114914">Schwarz</rs> haben dies zumin<lb break="no"/>destens in meiner Anwesenheit eingesehen. Ich drohte übrigens<lb/>
der Handelskammer, dass ich gegebenenfalls den Vorschlag, den sie<lb/>
jetzt nicht akzeptieren, nämlich für das Jahr 1975 den Art. XXXV<lb/>
noch anzuwenden und dann aber mit 1.1.1976 ihn endgültig aufzuheben,<lb/>
wenn dann die Japaner Retorsionsmassnahmen ergreifen, liegt die<lb/>
Schuld ausschliesslich bei der Handelskammer. Treffen wird es ganz<lb/>
<pb n="23-1316" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-04_1316.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>besonders die Textilexporte und sonstige Konsumgüterexporte nach<lb/>
Japan. Mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> habe ich dieses Problem auch besprochen und er<lb/>
meinte, dass das Handelsministerium eine solche unverantwortliche<lb/>
Stellungnahme nicht abgeben könne. Hier handelt es sich nur um ein<lb/>
Bestemm von Dr. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> und Österreich würde dabei den kürzeren<lb/>
ziehen und nachher würde man dies dem Handelsminister vorwerfen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> sieht allerdings ein, dass ich fast keine andere Möglichkeit<lb/>
habe, um dieses Problem aus dem Wahlkampf herauszuhalten, der<lb/>
auf alle Fälle nächstes Jahr beginnen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_04">Im Institut und anschliessend auch mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> disku<lb break="no"/>tierte ich die weitere Vorgangsweise beim Wunsch des Wiener<lb/>
Stadtsenates über Erhöhung der Tarife. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> lehnte eine<lb/>
Regelung des Elektrizitätspreises durch Erhöhung der Grundge<lb break="no"/>bühr, auch wenn diese als Mess-Gebühr bezeichnet wird, auf das<lb/>
Entschiedenste ab. Ebenso wird die Erhöhung der Strassenbahn<lb break="no"/>tarife, auch wenn es sich um eine Umwandlung von bis jetzt die<lb/>
letzten Einheiten auf Sichtkarten handelt, wegen schaffnerlosen<lb/>
Wagen, abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs>, von <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> informiert, und mit<lb/>
diesem einer Meinung, meint, Maximum wäre, dass man beim Gas<lb break="no"/>preis den Stadtwerken ein wenig hilft. Allerdings befürchte ich,<lb/>
und ich habe das <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> auch klar und deutlich gesagt, dass<lb/>
er wahrscheinlich letzten Endes doch noch bereit sein würde, die<lb/>
Erhöhung des sowjetischen Erdgaspreises für den Haushalt zu<lb/>
akzeptieren. Eine wirkliche Sanierung der Stadtwerke oder auch nur<lb/>
teilweise Abdeckung des Defizits von 970 Mill. S, bin ich überzeugt,<lb/>
wird er auch über den Gaspreis nicht zustimmen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs><lb/>
angekündigt, ich werde mit Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> reden und ihn ersuchen,<lb/>
er soll eine Sitzung zwischen ihm, ÖGB-Präsident, AK-Präsident und<lb/>
mit einberufen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_05">Ganz unvermutet und für mich überraschend hat – als ich mich für die<lb/>
nächste Fraktionssitzung des Vorstandes entschuldigte – <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs><lb/>
gemeint, es gäbe grosse Schwierigkeiten wegen meiner Teilnahme.<lb/>
Völlig – meiner Meinung nach – aus der Luft gegriffen meinte er, der<lb/>
ÖAAB verlangt jetzt eine Kooptierung in den Vorstand, ausserdem die<lb/>
Angestellten wünschten ebenfalls – wie <rs type="person" ref="#per__115155">Skritek</rs> formulierte – die<lb/>
Koll. <rs type="person" ref="#per__147001">Lenz</rs> und wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__149164">Tschassnig</rs> kooptiert, sodass nach<lb/>
Meinung von <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> dieses ganze Problem der Teilnahme an<lb/>
der Fraktionssitzung des Vorstandes neu überdacht werden muss<lb/>
<pb n="23-1317" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-04_1317.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Er meinte, wir sollten offen über dieses Problem sprechen. Da<lb/>
ich wahrlich gar keinen Grund habe, mich dort aufzudrängen, er<lb break="no"/>klärte ich sofort, ich würde in Hinkunft nur mehr dann zur Frak<lb break="no"/>tionssitzung kommen, wenn ich ausdrücklich eingeladen werde. Ich<lb/>
habe mich nur ganz entschieden dagegen ausgesprochen, als er dann<lb/>
auch noch meinte, ob <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> infolge seiner Lungeninfarkte die<lb/>
Vorstandsfunktion noch ausfüllen könne. Ich erklärte ihm rundweg, das<lb/>
soll er uns überlassen und im übrigen ist das ein Mandat, welches der<lb/>
Lebensmittelarbeitergewerkschaft gehört und von uns unter gar keinen<lb/>
Umständen aufgegeben wird. Ich war einigermassen über diese Erklä<lb break="no"/>rung verwundert, weil ich doch angenommen habe, dass es im Inter<lb break="no"/>esse der Arbeiterkammerfraktion liegt, wenn ich entsprechende<lb/>
Informationen den Genossen gebe und gleichzeitig mehr oder minder<lb/>
gleich die Fragen mit ihnen abstimme.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_06">Bei der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtete, dass<lb/>
er später gekommen ist, weil vom Kurier die Betriebsräte wegen der<lb/>
Aktionen der SPÖ gegen den schwarzen Kurier sich bei ihm beschwerten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat mir Recht darauf hingewiesen, dass die Schreibweise des<lb/>
Kurier eindeutig für die ÖVP geht, obwohl ein Grossteil ihrer Leser<lb/>
sicherlich auch der SPÖ angehören, ja sogar ein noch grösserer<lb/>
Teil wahrscheinlich sozialistisch wählen. Die Propaganda und die<lb/>
Auseinandersetzung wird in Hinkunft noch härter werden. Die Parole<lb/>
"Kein Zurück zur ÖVP" wird sich mit den Korruptionsfällen <rs type="person" ref="#per__134289">Müllner</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140949">Polcar</rs> usw. beschäftigen müssen. Nach wie vor ist noch offen, die<lb/>
Erklärung <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> 21 Mill. S dafür aber zentral zurückzuzahlen. Die<lb/>
Massenmedien werden keine objektive Berichterstattung haben.<lb/>
Selbst <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> möchte kein Alternativprogramm entwickeln, obwohl<lb/>
das im ORF-Gesetz drinnensteht. Die Zeitungen werden sich gegen uns<lb/>
wenden. In Vorarlberg hat sich jetzt herausgestellt, dass die ÖVP be<lb break="no"/>reit, den Freiheitlichen für 4 Landtagsmandate einen Landesregierungs<lb break="no"/>sitz zu geben und von den Sozialisten mit 10 Mandaten möchten sie<lb/>
bestimmen, wer das eine Landesregierungsmitglied sein darf. Noch<lb/>
niemals hat es so etwas gegeben, dass eine Partei de anderen vor<lb break="no"/>schreibt, wer in die Regierung entsendet wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, in<lb/>
Vorarlberg wird dieses Verhalten auch sehr schlecht ankommen. Selbst<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs> von den Vorarlberger Nachrichten schreibt, dass dies gegen<lb/>
die demokratische Übung verstösst. Hier zeigt sich auch das Konzept<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97807">Peters</rs>, das er seinerzeit entwickelt hat, gemeinsame Oppositions<lb break="no"/><pb n="23-1318" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-04_1318.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>politik – gemeinsame Koalitionspolitik. Kritisch und problematisch<lb/>
wird nur das Wahlverhalten der Jungwähler nicht für uns positiv<lb/>
ist. Deshalb verlangt jetzt auch die Volkspartei die Herabsetzung<lb/>
des Wahlalters. Die ca. 100.000 Neuwähler würden zu 60 % der ÖVP<lb/>
zufallen, weil sie auf dem Lande die Aktiveren in der Jugend<lb/>
sind und in den Ballungszentren die Jungwähler, wenn überhaupt,<lb/>
sich nicht für uns, sondern maximal ein Grossteil durch Stimmenthaltung<lb/>
auszeichnet. In der älteren Generation haben wir in den Ballungs<lb break="no"/>zentren keine Abschwächung. In der Steiermark hätte eine IFES-Er<lb break="no"/>hebung ergeben, dass für das Land die Sozialisten nur 39 % der<lb/>
Stimmen mit der Zurechnung der Unentschiedenen Wähler 41 % hätten,<lb/>
bei Bundeswahlen aber immer noch 48 % für die Sozialisten stimmen<lb/>
würden. In Tirol ist <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> bei den Landtagswahlen chancenlos.<lb/>
Im Osten liegen wir in Wien, NÖ und Burgenland besser als im<lb/>
Westen, dies kann uns aber nach meiner Meinung nach nur schaden,<lb/>
weil wir bekanntlicherweise 3 Mandate von Wien nach dem Westen<lb/>
abgeben müssen. Davon würden wahrscheinlich zwei auf alle Fälle<lb/>
verlorengehen. Die Preissteigerungen spielen derzeit nicht mehr<lb/>
die entscheidende Rolle, sondern es geht jetzt um die Sorge um<lb/>
den Arbeitsplatz, der die Bevölkerung nach Meinungsumfrage wesentlich<lb/>
mehr beschäftigt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_07"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte dann auch endgültig wissen, wie es mit dem Energie<lb break="no"/>sparen weitergeht, weil die Beamten seiner Meinung nach hier nichts<lb/>
Konkretes zustandebringen. Er meinte deshalb, es sollte kurzfristig<lb/>
das Ministerkomitee zusammentreten und mit den wichtigsten Beamten<lb/>
die notwendigen Beschlüsse fassen. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> verwies darauf, dass er<lb/>
einen Sparerlass für den Bundesbereich bereits fertig hat und<lb/>
den an das Bundeskanzleramt übersendet hatte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schlug dann<lb/>
vor, am Dienstag um 3/4 11 Uhr eine Besprechung, obwohl ich ihm<lb/>
sage, ich könnte daran wegen meiner Abwesenheit in Vorarlberg nicht<lb/>
teilnehmen. Zuerst war er erpicht darauf, einen hohen Beamten<lb/>
dafür zu haben, ich schlug ihm <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> vor, den ich eventuell von<lb/>
<choice><choice><sic>den Illwerke-Feier</sic><corr>der Illwerke-Feier? den Illwerke-Feiern?</corr></choice></choice> zurückhalten wollte, dann war er aber einver<lb break="no"/>standen, dass <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> an dieser Sitzung teilnehmen soll. Da ich<lb/>
mich um 9 Uhr mit <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> dann am Abend noch getroffen habe, um<lb/>
das Problem der Einbindung der deutsch-österreichischen Grenzland<lb break="no"/>förderungsverhandlungen in die ÖROK zu besprechen, habe ich ihn<lb/>
sofort von seiner Teilnahme an der Sitzung informiert.</p><pb n="23-1319" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-04_1319.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_08"><rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> verwies darauf, dass auch er den Atomgegnerbrief<lb/>
des Weltbundes des Lebens bekommen hatte. Er wurde einvernehm<lb break="no"/>lich beschlossen, dass die Antwort durch den Bundeskanzler erfolgen<lb/>
wird, der über die gesamten Details in einer Besprechung der be<lb break="no"/>troffenen Beamten informiert wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte den weiteren Ablauf mit <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs><lb/>
besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_10"><rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> stellte zur Diskussion, dass die Wirtschaftsgesetze keiner<lb/>
Begutachtung unterworfen werden konnten, wenn tatsächlich morgen<lb/>
der Ministerrat diese Regierungsvorlagen beschliessen sollte.<lb/>
Er plädierte für einen Initiativantrag, um über diese Schwierig<lb break="no"/>keit hinwegzukommen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sprach sich gegen einen Initiativ<lb break="no"/>antrag aus, weil er meint, es wäre Aufgabe der Regierung, hier<lb/>
die Konzeption vorzulegen. Wenn wir jetzt in einem Verzug sind,<lb/>
dann sollte morgen bei den Parteienverhandlungen die über dieses<lb/>
Problem beginnen, grundsätzlich geklärt werden, wie man weiter<lb/>
vorgehen will, auf alle Fälle aber müsste, um den Bundeskanzler<lb/>
wegen Nichtachtung der Verfassung, d.h. die Durchführung der<lb/>
Begutachtung nicht im Parlament angreifen zu können, eine kurzfri<lb break="no"/>stige Aussendung der Gesetze zur Begutachtung erfolgen. Wir einigten<lb/>
uns nach Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> auf 14 Tage, Montag, den 18. Nov.<lb/>
muss also die Begutachtung ablaufen, damit dann am Dienstag im<lb/>
Ministerrat endgültig beschlossen werden kann. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> sagte mit<lb/>
Recht, es wird nichts anderes herauskommen als eine Verlängerung.<lb/>
Da in diesem Zeitraum keine gemeinsame Lösung gefunden werden<lb/>
kann oder gar eine mit einfachem Gesetz zu beschliessende Ersatz<lb break="no"/>lösung. Die ÖVP kann dies im Parlament allein schon dadurch verhin<lb break="no"/>dern, dass wenn wir nicht Schluss der Debatte in den Ausschüssen<lb/>
erklären, sie auf alle Fälle diese schwierige Problematik, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> richtig bemerkte, durch dieses Procedere einer<lb/>
zeitgerechten Beschlussfassung verhindern kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_11"><rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> berichtete über die Energieagentur und meinte, dass wir<lb/>
doch in der morgigen Ministerratssitzung einen Beschluss fassen<lb/>
müssen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schlug vor, dass wir in der OECD uns ent<lb break="no"/>weder der Stimme enthalten, nachdem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dies ablehnte,<lb/>
dann von mir aus in der OECD dem Projekt zustimmen, unter der<lb/>
Voraussetzung, dass der Leitungsausschuss der Agentur, d.h. die<lb/>
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Neutralitätsklausel bekommen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> formulierte, dass wir<lb/>
unser Abstimmungsverhalten positiv in der OECD sein wird, in<lb/>
der <choice><choice><sic>Anhoffnung,</sic><corr>?</corr></choice></choice> dass <choice><choice><sic>unsere Neutralitätsvorbehalt</sic><corr>unsere Neutralitätsvorbehalte? unser Neutralitätsvorbehalt?</corr></choice></choice> angenommen<lb/>
wird. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, müsste die Schweiz,<lb/>
Schweden und Österreich sich entsprechende neue Schritte über<lb break="no"/>legen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_12"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> machte aufmerksam, dass so wie in den Vorjahren die Aus<lb break="no"/>schöpfung der Restbeträge gehandhabt werden soll, d.h. ohne dass<lb/>
er es sagte, dies nur im Einvernehmen mit dem Finanzministerium<lb/>
geschehen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_13">Ich verständigte <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> abends, dass er unbedingt jetzt die<lb/>
Aussendung der Wirtschaftsgesetze zur Begutachtung mit der kurzen<lb/>
Frist bis 18. vornehmen soll. Damit wurde auch seinem Wunsch<lb/>
weitestgehend Rechnung getragen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_14"><rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> befürchtet, dass durch die Einbeziehung aller Aktivitäten<lb/>
der Grenzlandförderung in die ÖROK diese Zusammenarbeit mit Deutsch<lb break="no"/>land zum Erliegen kommt. <rs type="person" ref="#per__97598">Jaumann</rs> von Bayern hat dezidiert erklärt,<lb/>
und auch das Wirtschaftsministerium in Bonn ist dieser Meinung,<lb/>
wenn die Raumordnungskonferenz resp. die Raumordnungsverant<lb break="no"/>wortlichen in Deutschland, das ist in dem Fall statt <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>,<lb/>
der Wirtschaftsminister, der Raumordnungsminister <rs type="person" ref="#per__140762">Vogel</rs>, diese Kom<lb break="no"/>petenz kriegen, sie die Aktivität sofort einstellen. Anderer<lb break="no"/>seits drängt besonders Vorarlberg darauf, dass die Länder auf Grund<lb/>
des Beschlusses in der Raumordnungskonferenz damit beschäf<lb break="no"/>tigt werden, wenn die Mehrheit dies verlangt. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> hat sich<lb/>
bis jetzt immer dagegen ausgesprochen, dürfte aber durch Interven<lb break="no"/>tion von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der den Ländern hier entgegenkommen will,<lb/>
jetzt keinerlei Widerstand mehr leisten. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hat mir alles<lb/>
zusammengeschrieben, wenn ich in Vorarlberg darauf angesprochen<lb/>
werde, ich sofort darauf reagieren kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-11-04_15">Die abendliche Aussprache mit dem Bundespräsidenten in seinem<lb/>
Salonwagen war für mich sehr lehrreich. Im Zusammenhang mit der<lb/>
internationalen Energieagentur meinte er, dass das Vorgehen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97350">Bielkas</rs> und mir absolut richtig ist. Auf der einen Seite könnten<lb/>
wir nicht heraussenbleiben, weil das eine europäische Ange<lb break="no"/><pb n="23-1321" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-11-04_1321.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>legenheit wird, auf der anderen Seite aber wird es grosse Schwie<lb break="no"/>rigkeiten geben. Er befürchtet eine kriegerische Auseinander<lb break="no"/>setzung im Nahen Osten, weil die Israeli die Gelegenheit verpasst<lb/>
haben, zu Vereinbarungen mit Ägypten zu kommen und jetzt die Araber<lb/>
sich auf das Alleinvertretungsrecht der Palästinenser, <rs type="person" ref="#per__120658">Arafat</rs>, geeinigt<lb/>
haben. Dadurch wird es für Israel wieder unannehmbar, mit ihm ver<lb break="no"/>handeln zu müssen. Wenn es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung<lb/>
kommt, ist mit einem Ölboykott zu rechnen und dann muss Österreich<lb/>
sich mehr oder minder mit den europäischen Staaten solidarisieren.<lb/>
Einem Alleingang, wie er mir im vergangenen Winter geglückt ist,<lb/>
ist demnach gar keine Chance mehr zu geben. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> ist<lb/>
durch die Wortprotokolle des Ministerrates und vor allem auch<lb/>
Informationen von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sehr gut informiert. Erfreulicherweise<lb/>
ist es jetzt zu einem besseren Kontakt zwischen dem Bundeskanzler<lb/>
und dem Bundespräsidenten gekommen, als dies zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und<lb/>
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               <occupation>Chefredakteur VN</occupation>
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               <occupation>Kabinettschef Kreisky [ident mit Reiter, C; 3.11.1971 Fredi Reiter
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