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            <title type="main">Dienstag, der 22. Oktober 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_01">Dienstag den 22. Oktober 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_02">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> berichtet mir, daß die Verhandlungen innerhalb<lb/>
des Konsortiums der Deutschen unbedingt eine Änderung der Konditionen<lb/>
bei der Algeriengas-Finanzierung und des Vertrages wünschen. Die VAR<lb/>
wäre bereit, den Vertrag zu unterschreiben, Süddeutschland aber und<lb/>
Bayern möchten noch eine Rückstellung. In der Schweiz ist dieselbe<lb/>
Meinung. Die Algerier wünschen aber am 28. Oktober zu paraphieren.<lb/>
Die Algerier dürften jetzt bereits auf der neuen Linie liegen,<lb/>
da sie die Exportfirma Sibotra, welche die Verflüssigungsanlage bauen<lb/>
soll, jetzt schon aufgefordert haben, statt der 15.6 Milliarden<lb/>
Kubikmeter eine Anlage für 6 Milliarden, die eben für die belgische<lb/>
und französische Quote ausreichen würde, zu entwickeln. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs><lb/>
glaubt noch immer, daß es möglich ist, vielleicht doch eine Finanzierung<lb/>
zustande zu bringen, ich erkläre, wenn dies nicht der Fall sein sollte,<lb/>
und damit die 15.6 Milliarden scheitern, dann trotzdem nicht die Frage<lb/>
das Algeriengases endgültig ad acta gelegt wird. Ich erklärte ihm,<lb/>
das Interesse an Algeriengas österreichischerseits wird bleiben, auch<lb/>
wenn wir dann vielleicht einmal einen direkten Gaskauf ohne Vorfinan<lb break="no"/>zierung über Anlagen durchführen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_03">Der Gemeinderatsklub hat den Antrag des E-Werkes von Erhöhung der<lb/>
Grundgebühr von öS 2.- auf öS 5.-, einen sogenannten Meßpreis,<lb/>
der für Ablesen und Abrechnen auch den anderen Landesgesellschaften<lb/>
gegeben wurde, und von Wien nicht erhoben wird, mit öS 7.- zugestimmt.<lb/>
Dadurch reduziert sich die Erhöhung des Grundtarifes von öS 2.-<add>auf</add><lb/>
öS 14.-, von öS 2.- auf öS 12.-. Trotzdem wird eine beträchtliche<lb/>
Belastung der Konsumenten eintreten. Die Forderung Änderung der<lb/>
Tarifraumgröße und die Erklärung der Küche als Tarifraum <choice><choice><sic>un</sic><corr>um? und?</corr></choice></choice> die<lb/>
Erhöhung der Grundgebühr von Nachtstrom auf das Zweifache, wird zwar<lb/>
auch gefordert, doch ist sich <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> vollkommen klar, daß ich<lb/>
einer solchen Änderung nicht zustimmen werde. Für 105.000 Haushalte,<lb/>
die derzeit eine Haushaltssondervereinbarung HSV mit 1.200 KW-Stunden<lb/>
Mindestabnahme und dadurch die KW-Stunde statt 0.78 öS auf 0.56 öS<lb/>
reduziert wird der Tarif mit 2 Etappen um je 11 Groschen, eine<lb/>
sofort, die zweite ab 1.1.1976, unter sofortiger Aufhebung der Mindest<lb break="no"/>abnahme eine weitere Erhöhung aufgezwungen. Hier wird es eine große<lb/>
Aufregung gehen, doch ist im Zuge des Energiesparens eine Mindest<lb break="no"/>abnahme wirklich etwas Unrichtiges. Das E-Werk wird jetzt diese<lb/>
Vorschläge mit Experten und insbesondere der Arbeiterkammer beraten<lb/>
<pb n="23-1278" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-22_1278.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und hofft damit gleich durchzukommen, weil es sich nach Ansicht<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> nur um eine Anpassung an andere bestehende Tarife schon<lb/>
handelt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_04">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> und <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> verständigen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_05">Zum Glück gab es ein einziges Problem die dringliche Anfrage der ÖVP<lb/>
nach der Budgetrede des Finanzministers. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wurde über die Ge<lb break="no"/>schäftsordnung falsch informiert und meinte, am besten ist es, die<lb/>
dringliche Anfrage zu vertagen, indem man erklärte, der Finanzminister<lb/>
hätte keine Möglichkeit gehabt, in so kurzer Zeit die 18 Punkte, die<lb/>
um 9.15 Uhr, wie ich von <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> erfuhr, erst übergeben wurden,<lb/>
gewissenhaftest zu beantworten. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> und <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> entdeckten, daß die<lb/>
Debatte unter allen Umständen abgeführt werden muß, sodaß ein<lb/>
Nichtbeantworten vom Finanzminister nur einen ungeheuren Wirbel wahr<lb break="no"/>scheinlich ausgelöst hätte. Da aber dem Finanzminister Gelegenheit<lb/>
zur besseren Beantwortung zu geben, wurde beschlossen die Sitzung auf<lb/>
2 Stunden nach der Budgetrede des Finanzministers zu unterbrechen.<lb/>
Wenn man die ÖVP hätte strafen wollen, so wäre es notwendig gewesen,<lb/>
die Sitzung auf 5 Stunden zu unterbrechen, dann wären selbst die<lb/>
Zeitungen nicht imstande gewesen, eine eventuelle Debatte, d.h. die<lb/>
Vorwegnahme einer Budget- resp. Rechnungsabschlußdiskussion zu bringen.<lb/>
Hier ergibt sich aber die Schwierigkeit, daß auch die eigenen Genossen<lb/>
wahrscheinlich nicht verstanden hätten, wenn dadurch die Sitzung des<lb/>
Nationalrates bis spät in die Nachtstunden hinein gedauert hätte,<lb/>
da ja noch eine zweite Sitzung ebenfalls abzuführen war. Pressant<lb/>
hat dann die ÖVP nur eine kurze Begründung der dringlichen Anfrage<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> als einziger Redner ganz kurz dazu Stellung genommen.<lb/>
Der Sinn dieses Manövers war mir auch nicht ganz klar.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_06">Die zweite Sitzung des Nationalrates wurde mit einer Diskussion<lb/>
über den Integrationsbericht, ausser natürlich den Fragestunden einge<lb break="no"/>leitet. Aber selbst der Abg. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> von den Freiheitlichen wollte<lb/>
nur eine sachliche Auskunft, während <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> und <rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs> von der ÖVP<lb/>
natürlich attackierten. Der Hauptangriff war allerdings, daß ich mich<lb/>
zu wenig um die Weiterentwicklung des Vertrages kümmere und viel zu<lb/>
wenig nach Brüssel fahre und dort, ich weiß nicht was, verhandeln<lb/>
soll. Natürlich ergab sich dabei die Gelegenheit, selbst von der<lb/>
Regierungsbank herunter die ÖVP entsprechend anzugreifen. Während<lb/>
sie bei <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ganz zu schweigen, sofort immer<lb/>
<pb n="23-1279" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-22_1279.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dies als Polemik bezeichnen und scharf protestieren, teilweise sogar<lb/>
randalieren, nehmen sie eine solche Handlungsweise von mir doch<lb/>
immer noch zur Kenntnis. Wenn sich das Klima allerdings weiter ver<lb break="no"/>schärfen, um nicht zu sagen verschlechtern wird, fürchte ich, werde<lb/>
ich auch bald in ein größeres Schußfeld der ÖVP gelangen. Trotzdem<lb/>
glaube ich, ist es notwendig entsprechend zu reagieren. Allerdings<lb/>
handelt es sich um doch so deutlich sichtbare Nebenkriegsschauplätze,<lb/>
daß die Bevölkerung kaum davon Notiz nehmen wird. Für die Massen<lb break="no"/>medien ist es sicherlich auch vollkommen uninteressant.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_07">In der Fragestunde wurde ich vom königlichen Ordner, d.h. dem<lb/>
Abg. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>, der gleichzeitig Ordner ist und als Sprecher der ÖVP<lb/>
in vielen Fragen u.a. auch in der Energiefrage, in Naß- oder Elektro<lb break="no"/>rasur <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> ebenfalls angegriffen. Gleichzeitig hat aber <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
zu erkennen gegeben, daß er auf dem Energiesektor eine entsprechende<lb/>
Zusammenarbeit wünscht. Da <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> im Saal war, habe ich darauf hingewie<lb break="no"/>sen, daß die Vorschläge der ÖVP nach den Vorschlägen von den Freiheit<lb break="no"/>lichen, aber vor allem auch unserer prinzipiellen Erklärung, den so<lb break="no"/>genannten Energierichtlinien mit dem Energieplan der jetzt ausgearbei<lb break="no"/>tet wird, eine gemeinsame Basis gefunden werden kann. Das Naßrasur<lb break="no"/>beispiel habe ich als Ohrenzeuge entsprechend richtiggestellt und auf<lb break="no"/>geklärt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der irgendwo rückwärts im Saal gesessen ist, ich<lb/>
habe ihn gar nicht bemerkt, hat sich nachher sogar bei mir bedankt.<lb/>
Ich fragte allerdings wirklich ganz naiv, wofür? Abg. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> kam und<lb/>
bedankte sich ebenfalls, daß ich ihm erwähnte, was mich auch wieder<lb/>
sehr verwunderte. Die Freiheitlichen haben tatsächlich nach unseren<lb/>
Richtlinien als erstes ein Papier über Energie vorgelegt, das aller<lb break="no"/>dings aber auch keine neuen Gesichtspunkte brachte. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> glaubt darin,<lb/>
und bestätigte mir neuerdings, daß insbesondere die Sonnenenergie<lb/>
für Raumheizung entsprechend Verwendung finden könnte. Er war sehr<lb/>
erfreut zu erfahren, daß jetzt in Symposien der Wissenschaftler über<lb/>
Energiefragen dieses Problem besonders behandelt wird. Ich versprach<lb/>
den Abg. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs>, da er je zu keiner Kammer so gute Beziehungen hat, daß er<lb/>
von dort ein Material bekommt, den Energieplan, wenn wir in ihm Beirat<lb/>
zur Diskussion stellen, ebenfalls zur Verfügung zu stellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_08">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Wenn der Energieplan von uns im Beirat diskutiert<lb/>
wird, <choice><choice><sic>glauch</sic><corr>glaube?</corr></choice></choice> ich, daß es zweckmässig wäre, ein Exemplar an die Klubs<lb/>
mit einem Begleitbrief, daß es sich um eine Diskussionsgrundlage han<lb break="no"/>delt, von mir zu schicken.</p><pb n="23-1280" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-22_1280.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_09">Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__132520">Petermichl</rs> und der Sekr. vom Weingremium baten um meine<lb/>
Unterstützung für weitere Weinimporte. Die heurige Ernte wird<lb/>
nur 1.3 bis 1.4 Millionen hl sein. Im Vorjahr waren es 2.6 Millionen.<lb/>
Im Vorjahr wurden dazu noch 440.000 hl importiert. Heuer hat das<lb/>
Landwirtschaftsministerium bis jetzt nur 86.000 Kontingent der EG<lb/>
gegeben, wovon nur 50% infolge der hohen Preise ausgenützt werden<lb/>
konnten. Das sind also ungefähr 43.000 hl. Da die Drittländer<lb/>
dieselbe Quote wie die EG bekommt, haben die 86.000 auch erhalten und<lb/>
tatsächlich auch eingeführt. Insgesamt ergibt sich daraus 128.000<lb/>
als sogenanntes Grundkontingent. Erstes Zusatzkontingent von 20<lb/>
und ein zweites Zusatzkontingent von 30% brachten ungefähr in Summe<lb/>
67.000 hl. Jetzt wünscht das Landwirtschaftsministerium eine Neu<lb break="no"/>regelung, indem sie den Exporteur der 3 Liter exportiert jetzt<lb/>
2 Liter Import und für 5 Liter Inlandsauftrag 1 Liter Import Wein<lb/>
zugestehen. Dadurch wird ein Kontingent von 45.000 hl importiert<lb/>
werden können. Wenn dieser Import getätigt ist, wird die Importmenge<lb/>
für jede Firma verdoppelt, sodaß weitere 45.000 Liter kommen können.<lb/>
Insgesamt ergeben sich daher 285.000 hl. Eine vollkommen unzulängliche<lb/>
Menge. Für inländische Weine, sogenannte Altweine werden jetzt 10.- öS<lb/>
pro Liter bei den Bauern bezahlt. Die Traube allein kostet dadurch<lb/>
auch schon 7.- bis 9.- öS pro kg. Die Landwirtschaft möchte nun eine<lb/>
Mindestpreisregelung, obwohl sich die Importweine auf 8.- öS stellen.<lb/>
4.- öS ist der Preis den der Importeur bezahlen muss, und 3.30 – 3.50<lb/>
öS der Zoll, dazu mindestens von Ungarn allein herauf schon 50<lb/>
Groschen für den Transport von weiteren Staaten wie Jugoslawien<lb/>
oder Bulgarien, Griechenland ergibt das einen höheren Transportanteil,<lb/>
erstellt sich also der Mindestpreis sowieso auf 8.- öS pro Liter.<lb/>
Ich versprach die Weinimporteure bei ihren Bestrebungen, größere<lb/>
Mengen zu bekommen, bei <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und insbesondere bei anderen Agrariern<lb/>
zu unterstützen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_10">Der spanische Botschafter wollte bei seiner Vorsprache ein Zuge<lb break="no"/>ständnis, daß wir auch Spanien wieder die Präferenz-Zollregelung<lb/>
von 30 auf 50% erhöhen, wie wir in der Vergangenheit Spanien auch<lb/>
die 30% gegeben haben. Die Erhöhung wurde deshalb von uns Spanien<lb/>
bis jetzt nicht gegeben, weil wir geglaubt haben, es wird zu Verhandlungen über<lb/>
eine eventuelle EFTA-Regelung Spanien kommen. Botschafter <rs type="person" ref="#per__140938">Lopez</rs><lb/>
erklärt, daß dies derzeit nicht möglich ist, weil noch immer mit der<lb/>
EG keine einvernehmliche Lösung gefunden wurde. <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> hat mich<lb/>
vorher schon informiert, daß wir gegebenfalls bereit seien in bilatera<lb break="no"/>len Besprechungen für die interessanten spanischen Importprodukte<lb/>
<pb n="23-1281" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-22_1281.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eine entsprechende Zollreduzierung von 30 auf 50 % zu<lb/>
akzeptieren, wenn gleichzeitige Gegenzugeständnisse von<lb/>
Spanien erfolgen. <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> wies allerdings mit Recht darauf<lb/>
hin, daß bei Spanien infolge der Meistbegünstigung und der<lb break="no"/>zeitigen Verhandlungen mit anderen Staaten in Schwierigkeiten<lb/>
geraten wird. Auch vom EFTA-Standpunkt ist dieses Problem<lb/>
nicht so einfach zu lösen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_11">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte die sachliche Möglichkeit überprüfen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_12">Botschafter <rs type="person" ref="#per__116687">Grabert</rs> von der BRD wollte von mir eine Auskunft über<lb/>
die Marktordnungsänderung. Da ich zu diesem Zeitpunkt gerade die<lb/>
Integrationsdebatte hatte, mußte er sich eine Zeit lang auch<lb/>
diese anhören. Er war darüber nicht böse, sondern ganz im Gegen<lb break="no"/>teil, war sehr glücklich, daß er diese für ihn sehr interessante<lb/>
Debatte mitverfolgen konnte. Ich versprach <rs type="person" ref="#per__116687">Grabert</rs>, daß wir,<lb/>
wenn die endgültige Formulierung feststeht, ein Exemplar in<lb break="no"/>offiziell geben werden. Ich verwies auch darauf, daß ich mit<lb/>
Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> so einen guten Kontakt habe, daß<lb/>
er mir auch die Energievorschläge gegeben hat, so daß auch wir<lb/>
ihm nach Fertigstellung unseren Energieplan zur Verfügung stellen<lb/>
werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_13">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Sollen wir dieses Kanal nach Deutschland<lb/>
besser nützen oder direkt gleich die ent<lb break="no"/>sprechenden Referenten in der Bundes<lb break="no"/>republik damit versorgen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_14"><rs type="person" ref="#per__137946">Schuster</rs> von der Gewerkschaft der Lebensmittelarbeiter, Dir.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140939">Jeschko</rs> von der Firma Felix wollten eine endgültige Entscheidung<lb/>
wegen der Kontingente, die am 1. Jänner 75 nur ohne Genehmigung<lb/>
im Vidierungsverfahren automatisch eingeführt werden. Ich erklärte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140939">Jeschko</rs> rundwegs, daß ich unmöglich eine Kontingentziffer von<lb/>
nur 2 % der Produktion wie z.B. für Bohnen, Erbsen festlegen kann.<lb/>
Die Kontingentsumme von 8.000 Tonnen, wie <rs type="person" ref="#per__140939">Jeschko</rs> meinte, sei be<lb break="no"/>achtlich im Verhältnis zu seiner Firmenproduktion als größte Firma<lb/>
erzeugt er nur 20.000 Tonnen. Trotzdem verwies ich darauf, und<lb/>
er hat es auch eingesehen, daß ich ein so geringes Kontingent von<lb/>
2 % nicht erlassen kann. Ich verlangte deshalb von <rs type="person" ref="#per__140939">Jeschko</rs>, daß<lb/>
er sich mit seinem Kollegen, d.h.in anderen Betrieben zusammen<lb break="no"/>setzt und mir, wenn auch nur inoffiziell, wissen läßt, wieweit ein<lb/>
<pb n="23-1282" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-22_1282.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>solches Kontingent erhöht werden kann. Gleichzeitig sagte ich<lb/>
ihm, werde ich mit der Arbeiterkammer verhandeln, wieweit diese<lb/>
bereit ist, von ihren Vorstellungen wesentlich höhere Kontingente<lb/>
<choice><choice><sic>herabzugeben,</sic><corr>herabzugehen?</corr></choice></choice> letzten Endes muß ich selbstverständlich entscheiden,<lb/>
und auch die Verantwortung dann tragen. <rs type="person" ref="#per__140939">Jeschko</rs> war aber sehr er<lb break="no"/>freut, daß ich doch bereit war, auf einer Basis, die für sie noch<lb/>
akzeptabel ist, eine Lösung anzustreben, da dies bisher meine<lb/>
Taktik gewesen ist, bin ich überzeugt, werde ich diese schwierige<lb/>
letzte Phase vor der Liberalisierung der Staatshandelsländer ein<lb break="no"/>vernehmlich überwinden können. Wenn ich mir jetzt die 4 1/2 Jahre<lb/>
Verhandlungen auf diesem Gebiet in Erinnerung rufe, so waren wir,<lb/>
als wir 1970 mit der Idee der Liberalisierung beginnend, dann<lb/>
über die Schutzklauselverhandlungen bis jetzt zur Kontingentver<lb break="no"/>einbarung insofern erfolgreich, als es wider Erwarten gelungen ist,<lb/>
tatsächlich bis jetzt immer einvernehmliche Regelungen mit <choice><choice><sic>den<lb/>
Kammer</sic><corr>den Kammern? der Kammer?</corr></choice></choice> zu erzielen. Ich hatte mir dies auf der einen Seite leichter<lb/>
vorgestellt, auf der anderen Seite aber bin ich doch überrascht,<lb/>
daß es gelungen ist, so vernünftige Lösungen dann doch noch zu<lb/>
erreichen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-22_15">Dir. <rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs> von der Unilever bedankte sich bei mir, daß ich<lb/>
ihnen 5 Stunden mein Ministerzimmer zur Verfügung gestellt habe<lb/>
und darüber hinaus die Schwierigkeiten bei den Verhandlungsstop<lb/>
zwischen Unilever und den Kammer zu überwinden. <rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs> hat nun<lb/>
ein Problem, eine Forderung der Arbeiterkammer u. Gewerkschaft,<lb/>
daß die Handelsspannen für Margarine nicht perzentuell weiter<lb/>
verrechnet werden darf. Die erhöhten Rohstoffkosten bedingen eine<lb/>
wesentliche Erhöhung des Fabrikabgabepreises, und so wie bei Öl<lb/>
sollte jetzt versucht werden, auch die Handelsspannen nicht per<lb break="no"/>zentuelle darauf zu berechnen, sondern einen gewissen Abstrich<lb/>
durchzuführen. <rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs> wird jetzt mit der Handelskammer reden,<lb/>
ob das Gremium freiwillig bereit ist, eine solche Beschränkung<lb/>
wie bei Öl in Kauf zu nehmen, sollte dies nicht der Fall sein,<lb/>
so wird er sich an mich wenden. Ich selbst gab ihm den Tip, er<lb/>
möge dort erklären, daß wenn ich zu einer Preisregelung gezwungen<lb/>
bin, auf gar keinen Fall die 20 %-ige perzentuelle Handelsspanne<lb/>
anerkennen werde. Ich hoffe, daß es tatsächlich gelingen wird,<lb/>
so wie wir den Fabrikabgabepreis wahrscheinlich auf freiwilliger<lb/>
Basis im Rahmen der Paritätischen Kommission werden lösen können,<lb/>
auch die Frage der Handelsspannen einer einvernehmlichen Lösung<lb/>
zugeführt werden kann, nicht zuletzt ergibt sich ja schon aus<lb/>
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ja runde Preise für 1/4 kg Paket herauskommen, eine gewisse Mög<lb break="no"/>lichkeit, den Handel zu veranlassen, daß einer Sturm perzentuellen<lb/>
Handelsspannenregelung abzugehen.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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