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            <title type="main">Montag, der 14. Oktober 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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daß sie für ihr besonnenes Verhalten die Zuckersituation nicht<lb/>
dramatisiert haben. Hätten nämlich die Zeitungen von den Versorgungs<lb break="no"/>schwierigkeiten wie in Paris oder England mehr geschrieben und ins<lb break="no"/>besondere auf Österreich die Schwierigkeit übertragen, dann wäre,<lb/>
obwohl sich jetzt herausstellte, daß wir den Anschluß an die neue<lb/>
Ernte finden, eine Versorgungsschwierigkeit aufgetreten. Dieses<lb/>
verantwortungsvolle Verhalten mußte ich loben, um bei einer nächsten<lb/>
Schwierigkeit wieder an sie appellieren zu können, in so einer<lb/>
kritischen Zeit wie wir uns befinden, ist nämlich eine Versorgungs<lb break="no"/>störung auf verschiedensten Gebieten ohne weiters möglich, obwohl<lb/>
ich derzeit eigentlich gar kein Produkt kenne, wo es uns schlecht<lb/>
gehen müßte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_03">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> und <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Wieweit kann in der Grundsatzgruppe<lb/>
eine voraussichtliche Erhebung oder Aussprache zeitgerecht kritische<lb/>
Situationen in der Versorgung man mir mitteilen?</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_04">Die Feier zum 75-jährigen Patentamt war wirklich sehr eindrucks<lb break="no"/>voll. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> ist halt nicht nur im Inland sondern auch im Ausland<lb/>
als der gute und progressive moderne Leiter des Patentamtes aner<lb break="no"/>kannt. Nicht nur, daß die Patentamtsleiter von vielen Staaten ge<lb break="no"/>kommen sind, sei es bei der offiziellen Feier oder anschliessend<lb/>
beim Essen ihm gratulierten, hielten auch die wichtigsten Leute<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__137669">Poksch</rs> von der WIPO, <rs type="person" ref="#per__146279">Ines</rs> vom Int. Patentamt in Den Haag,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139982">Haertel</rs> vom Deutschen Patentamt, der in der europäischen Sache eine<lb/>
große Rolle spielt, Ansprachen, wo sie insbesondere die Aktivität,<lb/>
die diplomatische Geschicklichkeit, usw. von <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> herausstrichen.<lb/>
Diese Besetzung ist 100 %-ig gelungen. Ich selbst nützte die Ge<lb break="no"/>legenheit, um an die so gewichtigen Persönlichkeiten aus aller Welt<lb/>
zu appellieren, Österreich jetzt in seinen Bemühungen im europäischen<lb/>
Patentwesen den gebührenden Platz einzunehmen, zu unterstützen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_05">Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__136642">Förster</rs> stellte mir den neuen Präsidenten der<lb/>
internationalen Handelskammer <rs type="person" ref="#per__139657">Lombardi</rs>, einen Italiener, vor. Dieser<lb/>
macht derzeit eine Weltreise, um mit den einzelnen Kammern Kontakt<lb/>
aufzunehmen und sein ambitiöses Programm zu besprechen, da er aber<lb/>
nur 2 Jahre Präsident ist, die Handelskammer wechseln diesen Präsi<lb break="no"/>dentenposten ununterbrochen, um selbst jeder einmal Präsident der<lb/>
Int. Handelskammer werden zu können, ist das Ergebnis sicherlich nur,<lb/>
<pb n="23-1240" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-14_1240.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>daß jeder noch so starke und ambitionierte Präsident kaum<lb/>
Gelegenheit hat, in das Geschehen tatsächlich einzugreifen.<lb/>
Ein zweijähriger Wechsel bedeutet in Wirklichkeit, daß der<lb/>
Generalsekretär der entscheidende Mann in der Organisation<lb/>
ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_06">In der Ministerratsvorbesprechung berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über<lb/>
die angeblich von ihm angeregten Umfragen in Oberösterreich<lb/>
bei den Bezirksobmännern, welche Änderung sie im Präsidium<lb/>
wünschen. 3/4 haben sich nun für <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs> ausgesprochen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
sieht den Hauptgrund darin, daß sie seit Monaten streiten und<lb/>
weniger, daß dieser Streit jetzt auch immer wieder in die Öffent<lb break="no"/>lichkeit dringt, als Hauptursache dieses schlechten Klimas in Ober<lb break="no"/>österreich. Wahrscheinlich fürchtet er, daß auch der Parteitag<lb/>
keine Klärung bringen wird. Wohlweislich, und das zeigt wieder<lb/>
von seinem richtigen politischen Gspür, greift er scheinbar in<lb/>
die Auseinandersetzung nicht unmittelbar ein. Wie mir bei meinem<lb/>
Samstagbesuch in Wels <rs type="person" ref="#per__118859">Lettner</rs> versicherte, ist die Spannung in<lb/>
Oberösterreich ungeheuer. <rs type="person" ref="#per__125380">Fridl</rs> gilt als ein schwacher Mann in<lb/>
der Landesregierung, <rs type="person" ref="#per__114936">Hartl</rs> zerstreitet sich mit allen Funktionären,<lb/>
weil er die meisten immer wieder beleidigt und der Nimbus von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs>, der einmal sehr stark war, ist jetzt ungeheuer angeschla<lb break="no"/>gen. Eine zweite Garnitur ist nicht greifbar, da man niemand auf<lb break="no"/>kommen ließe oder heranzog, so daß dies eine tragische Situation<lb/>
ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_07">Überrascht hat mich, als <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über den ORF berichtete und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> dort als Fernsehintendanten nannte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte aller<lb break="no"/>dings, es ist traurig, daß sich wenig Sozialisten, die überragende<lb/>
Persönlichkeiten wären, für den Posten beworben haben. Wenn ich<lb/>
bedenke, wie viele von <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzers</rs> Freunden, u.a. auch ich, sich be<lb break="no"/>müht haben, ihn endlich durchzusetzen und wie dies nie gelungen ist,<lb/>
so bin ich umso freudiger überrascht, daß er jetzt scheinbar doch<lb/>
das Rennen macht. <rs type="person" ref="#per__139833">Weis</rs> für den zweiten Intendanten, <rs type="person" ref="#per__115016">Wolf in der<lb/>
Maur</rs> für den Hörfunk, <rs type="person" ref="#per__114503">Skala</rs> für die kommerzielle Seite waren<lb/>
glaube ich schon seit längerer Zeit im Gespräch und für mich keine<lb/>
Überraschung. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> rief dann noch während der Ministerratssitzung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> an und erzählte ihm, daß <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> jetzt unter einem riesen<lb/>
Krach seine Stellvertretung zurücklegt und die ÖVP <choice><choice><sic>beratet,</sic><corr>berät</corr></choice></choice> ob sie<lb/>
überhaupt aus dem Kuratorium ausscheidet. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sieht hier mit<lb/>
Recht eine Entwicklung, die beängstigend ist. Immer dort, wo die<lb/>
<pb n="23-1241" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-14_1241.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Minderheit ihre Meinung nicht durchsetzen kann, wird gedreht,<lb/>
dann geht man eben raus. Dies ist sicherlich kein demokratisches<lb/>
Verhalten, eher faschistoid. Andererseits aber, und das ist<lb/>
meine Meinung, glaube ich, sollte man eben es bei der Verhandlung<lb/>
und beim ständigen Kontakt mit der Minderheit versuchen, es<lb/>
gar nicht so weit kommen zu lassen. Hier erhebt sich allerdings<lb/>
die Frage, ob dies eine reine taktische Angelegenheit ist oder man<lb/>
nicht dann, wenn man wie ich, dies seit Jahrzehnten mache, um die<lb/>
Minderheit bei der Stange zu halten, sehr viel von seinen Grund<lb break="no"/>sätzen aufgeben, resp. abändern muß. Ich werde mich sicher, ent<lb break="no"/>weder überhaupt nicht oder nur mehr schwer ändern, aber ich frage<lb/>
mich oft, ob diese Kompromißbereitschaft, dieses Erzielen von ge<lb break="no"/>meinsamen Lösungen nicht doch letzten Endes sehr stark auf die<lb/>
grundsätzliche Linie einen Einfluß nimmt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_08"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtete auch von Teheran und verwies darauf, daß die<lb/>
Vorarbeiten, die ich angeblich geleistet habe, einen entscheidenden<lb/>
Fortschritt dort in den Verhandlungen gebracht haben. Er selbst<lb/>
wollte ja nur die entsprechenden konkreten Geschäfte weitertreiben.<lb/>
Der Schah, mit dem er verhandelte, war über das Verhalten Österreichs,<lb/>
z.B. in der Raffinerie, sehr enttäuscht und bezeichnet es als<lb/>
unseriös. Zum Glück liegt hier der Streit ja zwischen der ÖMV und<lb/>
der ÖIAG, anders ausgedrückt zwischen <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs>, und ich<lb/>
habe <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vor längerer Zeit bereits schon aufmerksam gemacht,<lb/>
er müßte als Chef der Verstaatlichten Industrie trachten, diese<lb/>
beiden Meinungen auf einen Nenner zu bringen oder überhaupt eine<lb/>
Entscheidung herbeizuführen. So wird hier in der Frage, Errichtung<lb/>
einer zweiten Raffinerie, ununterbrochen laviert und das natürlich<lb/>
macht einen unseriösen Eindruck in Persien. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat unmittelbar<lb/>
nach seiner Rückkehr die Direktoren der Simmering-Graz-Pauker und<lb/>
der Jenbacher-Werke eingeladen, um mit ihnen die Lieferung von<lb/>
1.000 Güter- und 300 Personenwaggons zu besprechen. Die Direktoren<lb/>
erklärten, daß sie dies ohne weiters könnten, sie wären imstande,<lb/>
50 Waggons pro Monat leicht zu liefern, ausserdem soll ein Waggon<lb break="no"/>produktionsstätte in Persien von der SGP in Kooperation errichtet<lb/>
werden. Ich bezweifelte daß die Simmering-Graz-Pauker tatsächlich<lb/>
diese Anzahl von Waggons liefern kann, <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> hat mich nachher aller<lb break="no"/>dings nicht in der Sitzung offiziell in der Meinung bestärkt, daß<lb/>
die beiden Fabriken gerne viel versprechen und sie kaum halten.</p><pb n="23-1242" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-14_1242.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_09">So hätte er jetzt erleben müssen, daß sie zuerst geraunzt haben,<lb/>
weil sie zu wenig Elektrolokomotiven liefern können, jetzt hätte<lb/>
er den Auftrag erhöht und nun stelle sich heraus, daß sie dies<lb/>
gar nicht ausliefern könnten. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitgeteilt, ich<lb/>
werde die Firmen anschreiben und von ihnen eine entsprechende<lb/>
schriftliche Stellungnahme und Verpflichtungserklärung verlangen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_10">Beim Abendessen habe ich dann Dir. <rs type="person" ref="#per__140920">Zach</rs> von der SGP getroffen,<lb/>
ihm gleich meine Bedenken gesagt, und einen Brief angekündigt,<lb/>
wonach sie mir dann erklären müssen, daß sie und welche Menge<lb/>
sie garantiert liefern können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_11">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte ein solches Schreiben von Sektion I<lb/>
vorlegen lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_12">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfer</rs> von der Bauarbeitergewerkschaft hat die<lb/>
Resolution des Bauarbeiterkongresses der Regierung vorgelegt und<lb/>
soll von der Regierung beantwortet werden. Angeblich haben alle<lb/>
Ministerien diese Resolutionen bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_13">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>: Bitte die Antwort von den einzelnen Ab<lb break="no"/>teilungen die davon betroffen sind, ausarbeiten lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_14"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtet, daß morgen im Verkehrsausschuß der Antrag <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs>,<lb/>
Telefon im ländlichen Raum, zur Debatte steht. Dies würde 600 Mio<lb/>
Schilling kosten und er, <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, wird deshalb, da ja die Mittel<lb/>
niemals vom Finanzminister bekommen könnte, darauf hinweisen, daß<lb/>
im Grünen Plan entsprechende Maßnahmen vorgesorgt sind. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
erklärte rundweg, er hätte nur 15 Mill. pro Jahr zur Verfügung,<lb/>
sodaß die Erfüllung des Wunsches der Landwirtschaft 40 Jahre dauern<lb/>
würde. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> muß irgendwie lavieren, damit nicht vor den Wahlen in<lb/>
Steiermark und Vorarlberg eine so momentane Ablehnung letzten Endes<lb/>
herauskommt. Nach der Sitzung meinte er, hier wäre insbesonders<lb/>
der Finanzminister involviert, ohne daß man vom Klub oder von der<lb/>
Präsidialseite des Nationalrates darauf Rücksicht genommen hätte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_15"><rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> berichtete, daß jetzt ein Gutachten des Verfassungsdienstes<lb/>
vorliegt, wo <rs type="person" ref="#per__113017">Perthold</rs> von Vorarlberg, zumin. erwähnte sie diesen Mann,<lb/>
in seiner Auffassung bestärkt wird. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> ist über dieses Gut<lb break="no"/>achten des Verfassungsdienstes sehr unglücklich, weil er wie <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs><lb/>
mit Recht sagt, zuerst eine Darstellung aller Stellungnahmen und<lb/>
<pb n="23-1243" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-14_1243.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>aller Probleme beinhaltet, dann aber doch ein rechtspolitisches<lb/>
Gutachten mit Schlussfolgerungen anschliesst. Das ganze geht auf<lb/>
eine Entschliessung des Nationalrates zurück, dass der Bundeskanzler<lb/>
zu einem solchen Gutachten aufgefordert wurde. In einem intermini<lb break="no"/>steriellen Komitee, erklärte <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, sei dies dann also besprochen<lb/>
wurden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst erklärte wieder, er hätte keine Möglichkeit,<lb/>
auf den Verfassungsdienst Einfluss zu nehmen. Angeblich gibt es<lb/>
ein Urteil des Verfassungsgerichtshofes, wonach der Verfassungsdienst<lb/>
in diesem Punkt, nämlich Erstellung von Gutachten, weisungsfrei<lb/>
sei.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte prüfe diese Frage.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_17">In der anschliessenden Aussprache über die Energiesituation hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorgeschlagen, die Aufklärungskampagne auf breitere Basis<lb/>
zu stellen. Erstens müsste geklärt werden, wie die Energiesituation<lb/>
sich darstellt und entsprechend der Bevölkerung klar gemacht werden.<lb/>
Zweitens wäre dann darzulegen, was die Energie uns kostet. Drittens<lb/>
wäre dann zu erklären, was geschehen kann, insbesondere aber zuerst,<lb/>
was der Staat selbst bereit ist zu machen. Auch kleine und kleinste<lb/>
<choice><choice><sic>Ersparungen</sic><corr>Einsparungen</corr></choice></choice> machen in der Summe, meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, viel aus. Dies hätte<lb/>
ihm angeblich auch Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> von der Verbundgesellschaft<lb/>
gesagt. Trotzdem meint er, wir dürfen niemals darauf hinweisen, dass<lb/>
es dunkle Städte geben soll, weil dann wieder die Angst der Bevölkerung<lb/>
vor Überhandnehmen krimineller Delikte sich sofort gegen die Regierung<lb/>
<choice><choice><sic>werden</sic><corr>wenden?</corr></choice></choice> würde. Viertens sollte man jetzt die Bevölkerung auffordern,<lb/>
Vorschläge zu machen. Es muss die Bevölkerung aktiviert werden. Das<lb/>
Ganze darf aber nur geschehen, ohne dass ein Krisengefühl oder eine<lb/>
Krisenstimmung eintritt. Der wichtigste Punkt ist aber, dass es nicht<lb/>
drauf ankommt, wieviel man <choice><choice><sic>erspart,</sic><corr>einspart</corr></choice></choice> sondern, dass die Bevölkerung das<lb/>
Gefühl hat, die Regierung spart und die Regierung macht etwas, damit<lb/>
gespart wird. Die Aktion soll mit einer Annoncenkampagne beginnen,<lb/>
das Fernsehen und Radio müssen sich dann anschliessen, werden sich<lb/>
auch anschliessen, weil es sich hier um eine allgemeine Aktion der<lb/>
Regierung handelt, der keinerlei Parteipolitik eigentlich unter<lb break="no"/>stellt werden kann. An Plakate ist nicht gedacht, weil diese kaum<lb/>
Wirkungen haben. Zu prüfen ist, wieweit noch Schulkinder helfen<lb/>
können und insbesondere Firmen Vorschläge, die sich jetzt bei ihm<lb/>
auch gemeldet haben, berücksichtigt werden können. Er schlug vor,<lb/>
dass eine Arbeitsgruppe jetzt unter Führung von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>,<lb/>
der mit <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> gekommen ist, eingesetzt werden soll. Darin werden<lb/>
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Pressemann im Büro, vom Verkehrsministerium <rs type="person" ref="#per__126395">Halbmayer</rs>, vom<lb/>
Bautenministerium entweder <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> oder <rs type="person" ref="#per__114163">Schubert</rs> daran teilnehmen.<lb/>
Der Finanzminister war schon weggegangen und er hat daher niemanden<lb/>
nominiert. Selbstverständlich wird es wichtig sein, wer überhaupt<lb/>
vom Finanzministerium kommt, denn diese ganze Aktion wird einiges<lb/>
Geld kosten. Ich selbst habe <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf aufmerksam gemacht, dass<lb/>
wir jetzt eine Energiespargruppe unter Leitung von Prof. <rs type="person" ref="#per__97762">Musil</rs> ein<lb break="no"/>setzen, wo ebenfalls alle Ministerium und sonstige Interessenten<lb/>
vertreten sein werden. Vormittags hatte ich durch einen reinen Zu<lb break="no"/>fall, weil mich ein Pressemann fragte, wer aller eingeladen wird,<lb/>
entdeckt, dass man die Arbeiterkammer, den ÖGB und die Landwirtschafts<lb break="no"/>kammer vergessen hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>: Bitte die Ergänzungseinladungen jetzt sofort<lb/>
abschicken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_19">Er verwies dann darauf, dass noch immer nicht entschieden ist, ob wir<lb/>
die Sommerzeit einführen sollen, die für mich weniger eine Frage<lb/>
des Energiesparens ist, sondern dass ich weiss, dass der grösste<lb/>
Teil der Bevölkerung sehr wohl die Sommerzeit will. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> erwiderte,<lb/>
er hätte an das Ministerium zwei Briefe geschrieben, einen im Jänner,<lb/>
wo er darauf hinwies, er müsste jetzt endgültig wissen, ob er Vorbe<lb break="no"/>reitungen für die Sommerzeit reffen soll, und einen zweiten dann<lb/>
im Juni, wo er darauf aufmerksam macht, dass wenn nicht sofort eine<lb/>
Entscheidung fällt, für das nächste Jahr die Sommerzeit nicht mehr<lb/>
eingeführt werden kann. Ich muss gestehen, dass es ein unerhörter Fehler<lb/>
von uns war, ihm auf diese Schreiben von Seiten der Sektion auch<lb/>
schriftlich zu antworten. Dadurch haben wir jetzt den Ball und können<lb/>
ihn 1975 gar nicht mehr wegschiessen, sondern sind verantwortlich,<lb/>
dass jetzt wieder ein Jahr vergeht, ohne dass in dieser Frage eine<lb/>
Entscheidung getroffen wurde oder getroffen werden kann. Der Bericht,<lb/>
den ich damals von der Enquete, welche im Ministerium durchgeführt wur<lb break="no"/>de, erhielt, war ja verheerend. Scheinbar muss ich mich auch noch um<lb/>
diese Detailfragen nicht nur kümmern, sondern sogar wahrscheinlich den<lb/>
Vorsitz in einer Aussprache führen, wo wir jetzt wirklich eine end<lb break="no"/>gültige Klärung herbeiführen, ob und inwieweit wenigstens 1975 die<lb/>
Sommerzeit eingeführt werden soll. Die Argumentation von <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, dass<lb/>
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das Lichtfenster günstiger liegt usw. war total daneben. Natürlich<lb/>
ist die Einsparung minimalst, wie der Lastverteiler mit Recht mit<lb break="no"/>teilt, weil es sich höchstens darum handeln kann, dass in den<lb/>
Abendstunden ein bisschen weniger Licht verbraucht wird, die Wärme<lb/>
zur Aufspeicherung von Wasser usw. wird ja auf alle Fälle be<lb break="no"/>nützt, ob dies eine Stunde früher oder später. Mir kommt es<lb/>
aber darauf an, dass wenn tatsächlich die Bevölkerung eine Einfüh<lb break="no"/>rung der Sommerzeit in der Mehrheit wünscht, so wie ja auch die Be<lb break="no"/>völkerung einen Winterurlaub in der Mehrheit sicherlich bejaht hat<lb/>
und es für den Fremdenverkehr von grösster Bedeutung war, so sollte<lb/>
man auch diesen Wunsch der Bevölkerung bezüglich der Sommerzeit<lb/>
erfüllen, wenn sich dagegen nicht unüberwindbare Schwierigkeiten<lb/>
oder finanzielle Belastungen stellen. Zuerst müsste man aller<lb break="no"/>dings erforschen, ob tatsächlich die Bevölkerung in der überwiegenden<lb/>
Mehrheit die Sommerzeit wünscht. Hier müssten ältere Akte vorliegen,<lb/>
weil man sich ja seit Jahren schon insbesondere in den Fünfziger<lb break="no"/>jahren mit dem Problem der Einführung der Sommerzeit befasst hat.<lb/>
Ich persönlich glaube sogar, dass wir es ein Jahr hätten, bis aber<lb/>
nicht ganz sicher. Darüber hinaus müsste man aber jetzt eine Meinungs<lb break="no"/>umfrage anstellen, damit wenn diese einigermassen positiv ausfällt,<lb/>
wir dann sofort 1975 im Frühjahr, wenn nicht sogar jetzt noch<lb/>
im Winter die Vorarbeiten für die Sommerzeit 1976 nicht nur in<lb/>
Angriff nehmen sondern auch sehr konkret beschliessen. Wahrschein<lb break="no"/>lich sollte man dafür ein Projektteam einsetzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier müsste die Grundsatzgruppe entscheidende<lb/>
Vorarbeiten leisten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_21"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war über meinen Bericht oder Hinweis, dass wir jetzt eine<lb/>
konkrete Arbeit über recycling von Schrott, Papier, Öl, Gummireifen<lb/>
usw. machen, sehr angetan. Er interessierte sich hier über die bereits<lb/>
geleistete Arbeit. Ich glaube, es ist zweckmässig, ihm einen<lb/>
entsprechenden Bericht – ein solcher wurde mir ja vor längerer<lb/>
Zeit von <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> vorgelegt – zu senden. Allerdings muss das Schrei<lb break="no"/>ben sehr vorsichtig gehalten sein, damit nicht daraus irgendwelche<lb/>
Terminverpflichtungen abzulesen sind, die wir nicht einhalten können.<lb/>
Noch immer halte ich die Taktik für richtiger und besser, zuerst<lb/>
die Arbeit zu leisten und nachher in die Öffentlichkeit zu treten<lb/>
als umgekehrt. Wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt eine sehr konkrete Information<lb/>
<pb n="23-1246" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band23/23_1974-10-14_1246.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>im Detail bekommt, besteht die Gefahr, dass er dann von mir die<lb/>
Durchführung unmittelbar verlangt und dann komme ich wo<lb break="no"/>möglich mit dem Behördenapparat resp. mit den damit be<lb break="no"/>schäftigten Kollegen nicht durch. Trotzdem glaube ich aber, ist<lb/>
es notwendig, ihn über die prinzipiellen Schritte, die wir<lb/>
bereits unternommen haben, zu informieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_22">Der Vortrag in der Diskussionsrunde von <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, die Gesellschaft<lb/>
nennt sich angeblich für Wirtschafts- und Finanzpolitik, ist aber<lb/>
nichts anderes als eine lose Vereinigung von Generaldirektoren,<lb/>
war der übliche. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> ist imstande, mit Unterstützung von der Zen<lb break="no"/>tralsparkasse, Länderbank, Bawag usw. d.h. den Finanzinstituten<lb/>
periodisch ins Palais Pallavicini Generaldirektoren und sonstige<lb/>
Manager zu laden. Ich hatte vor Jahren dort schon einmal einen<lb/>
Vortrag schon gehalten und war zu einer neuerlichen Aussprache be<lb break="no"/>reit, nachdem <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> mich anraunzte, dass er niemanden von den Mini<lb break="no"/>sterien dazu finden konnte. Er hat jetzt einige Monate schon eine<lb/>
solche Aussprache beabsichtigt gehabt und nicht zustandegebracht.<lb/>
Ein so ein Abend kostet ihn aber immerhin 25.000 S. Ähnlich wie<lb/>
wir es mit den Intellektuellen auf der Landstrasse machen,<lb/>
macht er es nur in gehobenem Rahmen, wesentlich teurer und ich<lb/>
glaube auch insoferne weniger erfolgreich, weil die dortigen<lb/>
Vertreter entweder sozialistische Manager sind und sowieso wählen<lb/>
und die anderen sicherlich nicht zu überzeugen sind. In der Dis<lb break="no"/>kussion hat sich natürlich sofort <rs type="person" ref="#per__140321">Wilhelm</rs> von Krems gemeldet und<lb/>
die Kreditpolitik, die Lohnpolitik und die Budgetpolitik entspre<lb break="no"/>chend kritisiert. Als Kontraredner – wenn ich sozusagen sie<lb/>
so bezeichnen kann – ist dann noch <rs type="person">Mayer</rs> von ITT, <rs type="person" ref="#per__140313">Helbich</rs> von<lb/>
der Industriellenvereinigung aufgetreten. Die anderen drei<lb/>
Anfragen waren eigentlich äusserst neutral. Auch die Kritik konnte<lb/>
ich leicht widerlegen. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> meinte, dass der Besuch phantastisch<lb/>
war, weil ich doch als Ressortminister mehr oder minder für sie<lb/>
zuständig bin. Die Diskussion war aber in meinen Augen äusserst<lb/>
flau. Ein einziger Punkt war für mich neu und interessant, dass<lb/>
jemand erklärte, die holzverarbeitende Industrie in der EG bekommt<lb/>
eine Frachtvergütung bis zur Grenze, damit sie also leichter expor<lb break="no"/>tieren kann. Eine ähnliche Regelung hat der Anfragende auch von<lb/>
mir in Österreich gewünscht. Ich habe ihn ersucht, er soll mir<lb/>
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überhaupt EG-konform ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: In der Grundsatzgruppe sollte man jetzt alle<lb/>
diese Behauptungen versuchen zusammenstellen und zu überprüfen, wie<lb break="no"/>weit tatsächlich EG-konform und EG-widrig Unterstützungen der Ex<lb break="no"/>portindustrie gegeben werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band23_1974-10-14_24">Den Empfang zu 75 Jahre Patentamt im Rathaus hat wieder kein<lb/>
Funktionär der Gemeinde durchgeführt, sondern wie mir dann mit<lb break="no"/>geteilt wurde der Magistratsdirektor. Da er sich bereits entschul<lb break="no"/>digt hatte, nicht so lange zu bleiben, bis ich spät abends dann<lb/>
doch noch erschienen bin, konnte ich nicht mit ihm über diese<lb/>
Situation reden. Ausserdem hätte ich es wahrscheinlich auch gar nicht<lb/>
mit dem Genossen <rs type="person" ref="#per__97307">Ertl</rs>, den ich sehr gut kenne und den ich schätze,<lb/>
getan. Jetzt wirkt sich vielleicht wirklich schlecht aus, dass<lb/>
man die Stadtratsposten so reduziert hat, weil ich mir vorstellen<lb/>
kann, dass es jetzt unmöglich ist, zu allen Empfängen immer einen<lb/>
Funktionär zu schicken. Andererseits ist es meiner Meinung nach<lb/>
sehr schlecht, wenn jetzt ununterbrochen nur Beamte beauftragt<lb/>
werden, dort im Namen der Stadt Wien die internationalen Teilneh<lb break="no"/>mer zu begrüssen. Für die Leute, die dorthin essen und tanzen<lb/>
kommen, ist es wahrscheinlich egal, aber für das internationale<lb/>
Ansehen, noch viel mehr aber für die innerösterreichische Wirkung,<lb/>
dass niemals Funktionäre in Erscheinung treten, ist es sicherlich<lb/>
nicht gerade ideal.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Energiebeirat</occupation>
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