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            <title type="main">Montag, der  7. Oktober 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_01">Montag, 7. Oktober 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_02"><rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> machte mich darauf aufmerksam, daß in dem Jahrbuch<lb/>
der Bundeshandelskammer über die Gewerbeordnung die Behauptung<lb/>
aufgestellt wurde, daß die Gesetzesvorlage auf den Entwurf<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> und <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> zurückzuführen sei. Weder <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, geschweige<lb/>
denn ich wurden auch nur mit einem Wort erwähnt. Natürlich<lb/>
nützte ich dies beim Jour fixe, um <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> zu sagen,<lb/>
ich bin zwar nicht beleidigt, was ich wirklich nicht bin, aber<lb/>
ich wundere mich doch, daß ich zur Unperson in dieser Frage wurde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst erklärte, auch er sei eigentlich nicht erwähnt, ob<lb break="no"/>wohl er mindestens so viel zu dieser Entwicklung beigetragen<lb/>
hätte als jeder andere auch, was sicherlich stimmt. In Wirklich<lb break="no"/>keit aber bemerkte ich, daß sich sowohl <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
ärgerten. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte nur, er könne eben nicht alles lesen.<lb/>
Ich schlug ihm vor, er müsse sich dann so wie ich in der Arbeiter<lb break="no"/>kammer bereits einen Stab von Mitarbeitern unmittelbar in seinem<lb/>
Büro installieren. Er meinte, er hätte einen solchen Stab, aller<lb break="no"/>dings, glaube ich, versteht er darunter seine Vertrauenspersonen,<lb/>
die er in den wichtigsten Abteilungen hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_03">Betreffend die Zuckerversorgung und insbesondere die Presse<lb break="no"/>konferenz behauptet <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, hätte er auf die Zuckerindustrie einen<lb/>
entsprechenden Einfluß ausgeübt. Ich glaube eher, daß er sehr<lb/>
froh ist, daß bis jetzt noch nichts passiert ist und möchte sich<lb/>
daher schon ein wenig dann an der glücklicheren Lösung sichern.<lb/>
Sehr erstaunt war <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, als er erfuhr daß mir neuerdings die<lb/>
Zuckerindustrie bestätigte, daß es Frau <rs type="person" ref="#per__118868">Palme</rs> von der Presse war,<lb/>
die die Pressekonferenz auslöste. Sonntag abends im Konzert hat<lb/>
mir der Industrielle <rs type="person" ref="#per__136114">Strakosch</rs>, der gleichzeitig Hohenauer und<lb/>
Enns gekauft hat, dies neuerdings bestätigt. Die Zuckerindustrie<lb/>
versicherte mir auch, daß jederzeit ein kleines Quantum für<lb/>
Hilfsaktionen in entlegene Gebiete oder für besondere Abnehmer<lb/>
zur Verfügung stehen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_04">Das Verlangen von <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs>, in Hinkunft bei den Essen oder Empfängen<lb/>
für ausländische Minister als Obmann-Stellvertreter des Integrations<lb break="no"/>ausschusses eingeladen zu werden zu wie dann selbstverständlich<lb/>
auch den Obmann NR <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> einzuladen, schlug ich der Handelskammer<lb/>
vor und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> stimmte dem sofort zu. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> teilte meine<lb/>
Meinung, daß es unzweckmäßig wäre, wenn <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> mir diesbezüglich<lb/>
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wir dies auf diese Art in Hinkunft praktizieren werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_05">Meine Aufforderung an die Handelskammer, entweder <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
oder <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sollten zum Irak-Besuch mitfahren, stimmte beide<lb/>
sehr fröhlich, obwohl nur <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> von Dienstag bis Donnerstag<lb/>
mitfahren kann, da am Donnerstag bereits wieder eine Vorstands<lb break="no"/>sitzung der Handelskammer stattfindet. Auf alle Fälle sind beide<lb/>
sehr glücklich, daß ich nicht die Industriellenvereinigung<lb/>
forciere. Sie haben zwar angeblich mit <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> eine Aussprache<lb/>
gehabt und festgehalten, wer die Prioritäten in dieser Frage<lb/>
hat, nämlich die Handelskammer, aber <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> entwickelt<lb/>
immer wieder Aktivitäten. Darüber hinaus hat <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> den großen<lb/>
Vorteil, daß er mehrere Sprachen spricht und damit bei jedem<lb/>
Zusammentreffen mit ausländischen Ministern diesen Vorteil<lb/>
hat und erbarmungslos ausnützt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_06"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wollten von mir, daß ich die Zusage den<lb/>
Japanern gegenüber auf Artikel 35 GATT jetzt endgültig zu ver<lb break="no"/>zichten auf gar keinen Fall durchführe, sie meinten, es gäbe<lb/>
noch andere Möglichkeiten, die man besprechen müßte. Gegebenen<lb break="no"/>falls sollte ich hart bleiben, so wie dies auch bei anderen<lb/>
europäischen Staaten gegenüber Japan geschieht. Das einzige,<lb/>
was ich ihnen als Zugeständnis sagte war, daß ich eine Sitzung<lb/>
der Spitzenfunktionäre einberufen würde. Ich habe dann auch<lb/>
anschliessend bei dem DDR-Empfang <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> über diese Frage in<lb break="no"/>formiert und gebeten, er soll ein Spitzengespräch unter meinen<lb/>
Vorsitz einberufen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_07"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> urgierte neuerdings, nicht zuletzt, weil er in seinem<lb/>
Wahlkreis war, die Strumpfhosenimporte. Ich verwies darauf,<lb/>
daß ich jetzt eine Besprechung aller Importeure und auch<lb/>
der Industrie machen werde, um eine Selbstbeschränkung zu ver<lb break="no"/>einbaren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_08">Ich berichtete ihnen über die Düngerpreissituation und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
vermutet einen ganz groß angelegten Plan in dieser Frage. Da<lb/>
die Landwirtschaft nicht zugestimmt hat, die Industrie aber<lb/>
jetzt insbesondere die Linz Chemie als verstaatlichter Betrieb<lb/>
erhöht, ohne die Zustimmung der Paritätischen Kommission zu haben<lb/>
wird jetzt ein Antrag auf Paragraph 3a kommen, die Handels<lb break="no"/>kammer wird vielleicht sogar dem zustimmen müssen, obwohl er<lb/>
erwartet, daß die Arbeiterkammer einer § 3a Regelung ablehnend<lb/>
<pb n="22-1197" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-10-07_1197.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gegenübersteht. Ich erklärte, daß dies eine Fehl<lb break="no"/>auffassung ist, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß die<lb/>
Arbeiterkammer, selbst wenn Präsident <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> als Chemie<lb break="no"/>arbeiterobmann Chemie Linz schonen will, sich dagegen aus<lb break="no"/>sprechen wird. Die Landwirtschaftskammer hat nach Meinung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> deshalb abgelehnt, weil sie auf der einen Seite eine<lb/>
Preisfestsetzung durch das Handelsministerium wünscht, weil<lb/>
sie dadurch einen stärkeren Forderungsgrund gegen den Finanz<lb break="no"/>minister hat, entweder eine höhere Stützung zu bekommen, oder<lb/>
vielleicht sogar die Mehrwertsteuer entsprechend zu halbieren,<lb/>
da die Verteuerung ja dann auf eine Ministerentscheidung<lb/>
zurückgeht. Sicher ist, daß innerhalb der Landwirtschaft viele<lb/>
Strömungen gibt und daß in jedem konkreten Fall immer wieder<lb/>
die Gegensätze zwischen <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs>, <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs>, <rs type="person" ref="#per__97368">Brand<lb break="no"/>stätter</rs>, <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> usw. zu Tage treten. Die Spaltung zwischen<lb/>
den Präsidenten der Landwirtschaftskammer und dem Bauernbund<lb/>
in zwei verschiedene Personen ist sicherlich nicht sehr glücklich,<lb/>
die ÖVP hätte auch beim Wirtschaftsbund und beim Handelskammer<lb break="no"/>präsidenten eine ähnliche Regelung gewollt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat mit<lb/>
Recht dies ganz entschieden abgewiesen. Auch dann, wenn be<lb break="no"/>hauptet wird, daß dadurch zu viel Macht in eine Person ge<lb break="no"/>legt wird. Bei keiner Personalunion kann es nämlich nur funktionie<lb break="no"/>ren, wenn eben in einem Gremium entweder eine überragende Persön<lb break="no"/>lichkeit sitzt, der sich der andere automatisch unterordnet, wie<lb/>
dies eben auch z.B. im Gewerkschaftsbund im Verhältnis zur<lb/>
Arbeiterkammer der Fall ist oder was natürlich viel besser ist,<lb/>
es besteht eine Personalunion wie eben seit 1945 zwischen Wirt<lb break="no"/>schaftsbund und Handelskammerpräsident. Interessant für mich war<lb/>
und ist, daß eine solche Lösung auch immer schon Präsident <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs><lb/>
bezüglich Verhältnis Gewerkschaftsbund Arbeiterkammer angestrebt<lb/>
hat. Er selbst meinte, die beste Lösung sei, wenn eben in der<lb/>
Wiener Kammer der Präsident gleichzeitig Gewerkschaftsbund<lb break="no"/>präsident sei und in den Landeskammern der Obmann der Exekutive<lb/>
gleichzeitig Arbeiterkammerpräsident des Landes. Teilweise hatte<lb/>
er eine solche Lösung auch in den Ländern erreichen können. In<lb/>
der Wiener Lösung ist er niemals weitergekommen. Wenn man <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
auch oft unterschätzt und ihm wahrscheinlich nicht die Stärke,<lb/>
die er oft hatte, zutraute und wahrscheinlich mit Recht auch<lb/>
niemals erreichen wird, eines hat er durchgesetzt, daß es nämlich<lb/>
zu keiner Spaltung der Funktionen Wirtschaftsbund Handelskammer<lb/>
gekommen ist.</p><pb n="22-1198" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-10-07_1198.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_09"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wollte unbedingt von mir wissen, ob die Markt<lb break="no"/>ordnung oder die Preisregelung für uns die wichtigere Frage<lb/>
ist. Ich erklärte ihm rundweg, daß vorerst über die Markt<lb break="no"/>ordnung zu verhandeln sein wird und daß man erst in weiterer<lb/>
Folge überhaupt sehen wird, wie es mit dem ganzen Preisregelungs<lb break="no"/>problem weiter geht. Bezüglich der Marktordnung meinte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>,<lb/>
er sieht nur drei Schwierigkeiten, das erste, daß überall die<lb/>
Liberalisierung insbesondere von Vieh- und Getreide verlangt<lb/>
wird und dem die Landwirtschaft kaum zustimmen kann. Der Hinweis,<lb/>
daß dann in den Fonden entsprechende generelle Beschlüsse ge<lb break="no"/>faßt werden, um die Kontigentierung dann doch aufrecht zu erhalten,<lb/>
ist deshalb unwirksam, weil in diesem Fall dann die Arbeiterkammer<lb break="no"/>vertreter die Höhe der Importe und Importregelungen an und für<lb/>
sich bestimmen können. Sollte den Wünschen der Arbeitnehmer aber<lb/>
nicht Rechnung getragen werden, würde das Weisungsrecht, welches<lb/>
für den Landwirtschaftsminister verlangt wird, ausreichen, um alle<lb/>
Forderungen der Konsumentenvertreter durchzusetzen. Dies sei<lb/>
für die Landwirtschaft eigentlich unerträglich. In einem solchen<lb/>
Fall sei auch dann das Sozialpartnergefüge innerhalb der Markt<lb break="no"/>ordnungen oder Fonds gestört und als weitere Folge würde die<lb/>
Landwirtschaft dann aus der ganzen Sozialpartnerschaft aus<lb break="no"/>scheiden, dadurch ergebe sich dann auch für die Handelskammer<lb/>
eine besonders schwierige Situation. Man sieht, daß hier die<lb/>
Handelskammer, insbes. aber scheinbar die politischen Faktoren<lb/>
innerhalb der ÖVP Kombinationen anstellt, die sehr weitgehend sind.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_10"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> fragt auch, ob ich in irgendeiner Weise mich schon<lb/>
bezüglich der Ladenschlußforderungen entschlossen hätte, dem<lb/>
Rechnung zu tragen. Ich erklärte ihm ebenfalls sofort, daß<lb/>
ich nicht beabsichtige, jetzt ohne den Beirat in meinem<lb/>
Ministerium damit eingehend zu beschäftigen, eine Entscheidung<lb/>
zu treffen, ohne es expressis-verbis zu sagen, habe ich zu erkennen<lb/>
gegeben, daß ich dieses Problem auf die lange Bank schieben werde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> befürchtet nun, daß der Freie Wirtschaftsverband dieses<lb/>
ganze Problem in den Wahlkampf um die Handelskammer bringen wird<lb/>
und deshalb diese Frage sehr verpolitisiert wird. Trotzdem bin<lb/>
ich nicht bereit, mich hier einzuschalten, versprach aber nur,<lb/>
mit NR <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> über dieses Problem eingehend eine Besprechung<lb/>
zu führen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> deutete an, daß er ebenfalls verpflichtet<lb/>
sei, wenn dieses Problem jetzt in den Wahlkampf kommt, obwohl er<lb/>
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mehr halten könne. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, den ich bei der Eröffnung der<lb/>
Betriebswirtschaftlichen Woche traf, bestätigte mir dieses<lb/>
Gespräch und hat meine Stellungnahme, an der Ladenschluß<lb break="no"/>regelung derzeit nichts zu ändern, sehr gebilligt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_11"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> versucht als NÖ Abgeordneter aus Zwettl immer wieder<lb/>
für die Gmündner die Erhöhung der Stärkestützung bei mir<lb/>
anzuhängen. Auch eine Aussprache mit dem Direktor von Gmünd,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> mit den Betriebsräten und dem Gewerkschaftssekretär<lb/>
der Lebensmittelarbeiter <rs type="person" ref="#per__115457">Panis</rs> ging in dieselbe Richtung. Ich<lb/>
setzte <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> ganz deutlich vor den Betriebsräten auseinander,<lb/>
daß ich mich immer für die Gmünder Fabrik sehr eingesetzt habe.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> bestätigte dies nicht nur, sondern behauptete auch,<lb/>
ich hätte in der Vergangenheit noch als Arbeiterkammermann mich<lb/>
als einziger gegen Vorschläge des Ministeriums ausgesprochen<lb/>
und für Stärkenachfolgeprodukte im EFTA-Vertrag auf Fehler hinge<lb break="no"/>wiesen, die eben vom Handelsministerium resp. Landwirtschafts<lb break="no"/>ministerium gemacht wurden. Ausserdem hätte ich ihn besonders<lb/>
bei den niederländischen Verhandlungen über ein Kooperations<lb break="no"/>abkommen sehr unterstützt und durch den Hinweis, dass es sich hier<lb/>
um eine seht gute Firma handelt, das Image dieser Firma so ge<lb break="no"/>hoben, dass die Niederländer bereit waren, zuzustimmen. Jetzt<lb/>
aber hätte er erwartet, dass aus der ganzen Sache, weitere<lb/>
Stärkestützung mit 35 Mill., kein Politikum gemacht wird und man<lb/>
nicht auf Parteienverhandlungen vertröstet wird. Ich glaube und<lb/>
hoffe aber, dass die Betriebsräte eingesehen haben, dass wenn man<lb/>
nicht etwas vereinbart, dann auch nichts bekommt, selbstverständ<lb break="no"/>lich ist. Zum Vergleich sagte ich, wenn die Gewerkschaft etwas<lb/>
kriegen sollten, eine Lohnerhöhung besprechen oder gar vereinbaren,<lb/>
kann man nicht dann zum Unternehmer <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> hingehen und sagen,<lb/>
so wir haben uns jetzt geeinigt und jetzt zahlen sie. Wer zahlt, muss<lb/>
auch gefragt werden und zustimmen und dies ist der Finanzminister.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_12">Beim Journalistenfrühstück kam es zu einem Krach zwischen <rs type="person" ref="#per__140196">Dunner</rs>,<lb/>
Kurier, und den ORF-Leuten. Diese hatten die Scheinwerfer aufge<lb break="no"/>dreht und <rs type="person" ref="#per__140196">Dunner</rs> fühlte sich dadurch belästigt. Da er sich nicht<lb/>
durchsetzen konnte, ich selbst wollte mich gar nicht einschalten,<lb/>
denn ich habe mich an dem Streit einigermassen innerlich er<lb break="no"/>götzt, meinte <rs type="person" ref="#per__140196">Dunner</rs>, er sei schliesslich und endlich nicht dem<lb/>
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er möge diesen Streit beilegen. Wahrscheinlich gibt es die einzige<lb/>
Möglichkeit, entweder vor der Sitzung oder nachher eben ein<lb/>
Statement resp. Interview zu geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte arbeite in diese Richtung hin und ver<lb break="no"/>suche insbesondere den Kurier wieder zur Sitzung zu bringen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_14"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> rief mich an, weil er in Washington mit den Finanzmini<lb break="no"/>stern zusammengekommen ist und dort auch das Problem des Algeriengases<lb/>
und dessen Finanzierung besprechen wollte. Da weder der deutsche<lb/>
noch der Schweizer etwas wusste, bat er mich, dass ich mit <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> das Problem klären sollte. Insbesondere meinte er,<lb/>
man könne, da die Leitung durch Österreich geht, vielleicht die<lb/>
Deutschen zu einer Mitfinanzierung stärker heranziehen. Da ich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> nicht sofort Kontakt bekommen konnte, habe ich mit<lb/>
seinem persönlichen Referenten <rs type="person" ref="#per__111705">Wohlleben</rs> gesprochen, der sich die<lb/>
Angelegenheit vorlegen lassen wird und dann mit <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> bespricht,<lb/>
der mich dann zurückruft. Bei diesem Gespräch sagte mir <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
neuerdings den Wunsch, man solle für die Wirtschaftstreuhänder auch<lb/>
deren Tarif jetzt endgültig erhöhen, nachdem die Rechtsanwälte<lb/>
mit 1. November eine Erhöhung bekommen. Ich selbst habe ihn neuer<lb break="no"/>dings versichert, dass ich bereit bin, ca. 20 % ab 1. September zu<lb/>
machen, nur die Zustimmung der Handelskammer und der Arbeiterkammer<lb/>
dazu noch benötige. Auch bei der Betriebswirtschaftlichen Woche habe<lb/>
ich die Konsenslösung, die ich anstrebe, angedeutet, ohne aller<lb break="no"/>dings den Prozentsatz und den Termin zu nennen. Diese betriebswirt<lb break="no"/>schaftliche Woche sinkt in der Bedeutung immer mehr herunter. Erstens<lb/>
kommen immer weniger Zuhörer und zweitens ist von der Gemeinde nicht<lb/>
einmal ein Funktionär erschienen, sondern <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat niemand anderen ge<lb break="no"/>funden als scheinbar den Kontrollamtsvorstand <rs type="person" ref="#per__123340">Delabro</rs>. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte<lb/>
zu mir, hier hätten doch auch die anderen Funktionäre erscheinen<lb/>
müssen. Die Unterlagen, die ich diesmal vom Haus bekommen habe, waren<lb/>
unter jeder Kritik, am meisten hat mich noch geärgert, dass man<lb/>
einen Ausspruch eines bedeutenden Betriebswirtschaftlers mir in den<lb/>
Mund legen wollte und dabei nicht einmal den Namen des Betriebswirt<lb break="no"/>schaftlers mitteilte. Als ich ersuchte, man solle mir diesen zu<lb break="no"/>mindestens jetzt noch sagen, bekam ich natürlich prompt bis zur Er<lb break="no"/>öffnung der Betriebsw. Woche keine Auskunft. Schön langsam beginne ich<lb/>
<pb n="22-1201" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-10-07_1201.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mich nicht einmal mehr über ein solches Vorgehen zu<lb/>
ärgern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_15"><rs type="person" ref="#per__114075">Erich Schmidt</rs>, ÖGB, erzählte mir beim Institutsessen, dass er<lb/>
mit der Unilever wegen der Margarinepreise eine Aussprache ge<lb break="no"/>habt habe und von dieser Firma ihm nicht die notwendigen Unterla<lb break="no"/>gen zur Verfügung gestellt wurden. Ich habe sofort mit dem<lb/>
Direktor <rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs> darüber gesprochen und gebeten, er soll sich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> ins Einvernehmen setzen. Bezüglich der Waschmittel<lb break="no"/>verordnung wurde im Einvernehmen mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> und <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> festge<lb break="no"/>legt, dass wir als Kompromiss doch die Phantasienamen der<lb/>
Industrie akzeptieren, wenn das Packungsfüllgewicht in einem<lb/>
Vielfachen angegeben wird. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> befürchtet, dass dies zwar<lb/>
möglich ist, einvernehmlich festzulegen, dass aber andererseits<lb/>
das UWG-Gesetz jetzt sehr bald novelliert werden muss, weil<lb/>
ansonsten die Firmen sich nicht an die Vereinbarungen in Hin<lb break="no"/>kunft halten werden. Bei dieser Gelegenheit stellte <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> fest,<lb/>
dass wir eigentlich alle Forderungen bezüglich des Konsumenten<lb break="no"/>beirates in Form der Konsumentendeklaration, die ich 1970 erliess,<lb/>
erfüllt sind. Ich glaube, dass wir dies jetzt propagandistisch<lb/>
schön langsam für die nächsten Wahlen aufbauen müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_16">Vizeministerin für Binnenhandel <rs type="person" ref="#per__140915">Andrzejewska</rs> aus Polen hat in der Gra<lb break="no"/>zer Messe die Ausrüstungen und die Schulen für den Fremdenverkehr ge<lb break="no"/>sehen und möchte nun dies auch in Polen einführen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> da<lb break="no"/>zu gerufen und ihr sofort zugesagt, dass wir bereit sind, hier alle<lb/>
Unterstützung bezüglich einer Kooperation mit Polen sowohl hin<lb break="no"/>sichtlich der Ausbildung als auch hinsichtlich Lieferung von Firmen<lb/>
nach Polen zu geben. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> wird einen diesbezüglichen Entwurf<lb/>
ausarbeiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_17">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> hat nicht nur in der Pressekonferenz den neuen Entwurf<lb/>
für das Berggesetz vorgestellt, und ich habe ihn dort entsprechend<lb/>
als den Schöpfer herausgestrichen, sondern wirklich auch alle Details<lb/>
so vorbereitet, dass ich glaube, dass dies wirklich noch be<lb break="no"/>schlossen werden kann. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hatte zuerst Bedenken, dass die<lb/>
Gewerbeordnung dadurch tangiert wird und ich habe <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> sofort<lb/>
ersucht, ihn mit <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs> darüber aufzuklären. In der Minister<lb break="no"/>ratsvorbesprechung hat mir <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> nur einen Dienstzettel<lb/>
<pb n="22-1202" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-10-07_1202.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ihres Ministeriums gegeben, wo die Abteilung Legistik von ihr<lb/>
verlangt, sie möge zu dem Umweltschutz auch noch den Schutz der<lb/>
Denkmäler oberhalb und unterhalb der Erde, nämlich Naturhöhlen usw.,<lb/>
ausdrücklich in den Entwurf aufnehmen lassen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs><lb/>
geschrieben, man soll dieses Problem eventuell im Nationalrat<lb/>
diskutieren. Früher hätte ich mir sehr gut vorstellen können, dass<lb/>
deshalb der Entwurf hätte zurückgestellt werden müssen. <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> war<lb/>
sehr erstaunt von mir zu hören, dass er bei der Ministerratsvor<lb break="no"/>besprechung oder gar beim Ministerrat nicht vor der Türe warten<lb/>
muss, bis irgendwelche Details noch zur Sprache kommen oder der<lb/>
Entwurf diskutiert wird, weil ich überzeugt bin, dass ich ihn<lb/>
ohne weiters über den Minsiterrat ins Parlament bringe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_18"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war mit dem Energiesparprogramm nicht einver<lb break="no"/>standen. Er meint, die sind nicht umfassend genug. Er schlug des<lb break="no"/>halb ein Ministerkomitee: Handelsminister, Finanzminister und er<lb/>
selbst vor. Er erwähnte, dass die eigene Verwaltung viel<lb/>
mehr sparen müsse, dass unnötig Licht brenne, auch im BKA, wie ich<lb/>
wieder feststellte, dass die 20 Grad nicht eingehalten werden,<lb/>
aber die Sommerzeit ebenfalls jetzt wieder aktualisiert werden<lb/>
müsste. Er hat scheinbar einige Briefe erhalten. Ich verlangte<lb/>
sofort, dass daher auch der Verkehrsminister und Bautenminister<lb/>
zugezogen wird, letzteren schlug er sogar vor und auch <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs>,<lb/>
weil es sich um Verwaltungsfragen handelt. Die Sitzung soll nächsten<lb/>
Montag 11.30 stattfinden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte wenn BKA Sitzung bestätigt, vormerken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_20"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte auch wissen, wann endlich mit den Marktordnungsgesetze<lb/>
die Verhandlungen beginnen können und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> behauptete rundweg, in<lb/>
einer Woche sei er endgültig so weit, weil er alle Vorbereitungen<lb/>
getroffen hätte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwartet auch noch Verhandlungen über den<lb/>
Ombudsmann. Ebenso über die Parteienfinanzierung und Förderung.<lb/>
Als kritisches Problem aber sei die Minderheitenfrage. Alle Gesetze<lb/>
seien seit <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> vorbehaltlich einer noch festzulegenden Minder<lb break="no"/>heitenfeststellung getroffen worden, diese sei aber bis jetzt nicht<lb/>
erfolgt. Da er eine Minderheitenfeststellung nicht als solche<lb/>
wünscht – Verfassungsfachleute, Professoren der Universität usw.<lb/>
hätten ihm davon abgeraten und erklärt, das könne man einer Minder<lb break="no"/>heit nicht zumuten – möchte er jetzt dadurch umgehen, dass er eine<lb/>
Volkszählung zwischen dem 10-jährigen Rhythmus veranstaltet.</p><pb n="22-1203" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-10-07_1203.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_21">Dagegen kann niemand etwas haben und es handelt sich dabei<lb/>
nicht um eine ausschließliche Minderheitenfeststellung.<lb/>
Was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verständlicherweise, und da stimme ich ihm<lb/>
100 %-ig zu, vermeiden möchte, ist, daß die Jugoslawen<lb/>
zur UNO gehen, dort würde die dritte Welt sofort gegen<lb/>
Österreich Stellung nehmen. Darüber hinaus meinte er,<lb/>
würde das UNO-City-Projekt gefährdet sein. Es genügt<lb/>
schon wie er sich ausdrückte, daß die Voest mit Südafrika<lb/>
uns die größten Schwierigkeiten macht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_22">Von <rs type="person" ref="#per__140918">Lendvai</rs> wird die Europäische Rundschau herausgegeben<lb/>
Presseförderung bekommt aber dieses Projekt nur 100.000 S<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> muß eben feststellen, daß der Beirat jedem gibt,<lb/>
insbesondere natürlich die beiden Oppositionsparteien, in<lb/>
dem Beirat sich mit niemand verscherzen wollen und daher<lb/>
für die wirklichen Projekte, die gefördert werden, nicht<lb/>
genug Mittel zur Verfügung stehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte nun, daß<lb/>
die einzelnen Ministerien <rs type="person" ref="#per__140918">Lendvai</rs> mit seiner Europäischen<lb/>
Rundschau unterstützt, insbesondere sollten mehrere Exemplare<lb/>
gekauft werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_23">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Erkundige dich bitte um den Preis<lb/>
und stelle fest, wieviele Exemplare wir gegebenenfalls kaufen<lb/>
können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_24">Vor dem Nationalfeiertag wird am 25. Oktober und 26. Oktober<lb/>
ein Forschungssymposium über Energie stattfinden. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs><lb/>
möchte, daß auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dort in Erscheinung tritt, was dieser<lb/>
auch zusagte. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> wollte eine Entscheidung ob die Bundes<lb break="no"/>regierung mit OECD übereinstimmt, ein eigenes Energiekonzept<lb/>
mit einem Energiefond zu entwickeln. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ihm dies sofort<lb/>
abgedreht und meinte, dazu müsse zuerst ein konkreter Plan vor<lb break="no"/>gelegt werden, bilateral besprochen und insbesondere der Energie<lb break="no"/>minister, d.h. ich, meine Stellungnahme abgeben. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> be<lb break="no"/>hauptet, daß er dies mit der Energiesektion abgesprochen hat und<lb/>
diese einer solchen OECD-Regelung zugestimmt hat. Damit würde<lb/>
ein wichtiger Teil kompetenzmäßig wieder auf das Bundeskanzler<lb break="no"/>amt, <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, fallen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_25">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte stelle den Sachverhalt eindeutig<lb/>
fest.</p><pb n="22-1204" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-10-07_1204.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_26"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird dann IAKW-Gesetzesnovelle einbringen müssen,<lb/>
da es notwendig ist, eine Aufstockung vorzunehmen und gleich<lb break="no"/>zeitig die Amtssitzteilregelung verbessert werden muß. Nach<lb/>
Artikel 42 Abs. 5 der Bundesverfassung handelt es sich nach<lb/>
seiner Auffassung um ein Problem, das den Bundesrat nicht<lb/>
unterliegt und daher glaubt er auch ohne Begutachtung durch<lb break="no"/>zukommen. Derzeit liegen zwei Berichte schon über die IAKW<lb/>
im Nationalrat, ohne daß sie bis jetzt behandelt wurden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_27">Um der Landwirtschaft die 600 Mio aus der Bundesmineralöl<lb break="no"/>steuer rückzuvergüten und 100 Mio der ÖBB geben zu können,<lb/>
braucht er eine Novelle zu diesen Gesetzentwurf, auch hier<lb/>
war die Frage, ob sie vor den Landtagswahlen im Ministerrat<lb/>
beschlossen werden sollte, was allgemein als unzweckmäßig<lb/>
empfunden wurde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_28">In Washington wurde über die Öldollar gesprochen und fest<lb break="no"/>gestellt, daß bis 1980 ein Betrag von mind. 550 Mio $, wahr<lb break="no"/>scheinlich aber eher bis 1.2 Milliarden $ bei den Ölländern<lb/>
akkumuliert wird. Die arabischen Staaten machen sich jetzt<lb/>
schon Sorgen, wie sie diese Dollars nicht nur anlegen, sondern wie<lb/>
sie sie überhaupt sich sichern können, da gleichzeitig die<lb/>
Vierte Welt dabei einer Katastrophe zueilt. Indien wird das<lb/>
Öl unmittelbar vor der Haustür haben und womöglich gleich<lb break="no"/>zeitig verhungern, da besteht natürlich die Gefahr, daß sie<lb/>
ähnlich in Kaschmir und Bangladesch mit entsprechender Gewalt<lb/>
sich im Besitz dieser Ölreichtümer setzt. Industriestaaten<lb/>
wehren sich auch, wenn auch bis jetzt erfolglos dagegen. Frank<lb break="no"/>reich z.B. wird einen fixen Betrag für Erdöl zur Verfügung stellen<lb/>
und nicht mehr.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_29">In Washington konnte er auch Gespräche mit Amerikanern führen<lb/>
und feststellen, daß die Administration <rs type="person" ref="#per__134052">Ford</rs> derzeit noch nicht<lb/>
so aufgebaut ist, als man es wahrscheinlich erwartet. Unter<lb/>
anderem hat der Senat noch immer nicht z.B. <rs type="person">Plemingen</rs> als Außen<lb break="no"/>handelsspezialist bis jetzt in der Verwaltung tätig, ihm die<lb/>
Konfirmation gegeben, weshalb er angeblich jetzt Botschafter in<lb/>
Spanien wird. Erst nach den Wahlen in Amerika wird es zu einer<lb/>
Stärkung der Administration von <rs type="person" ref="#per__134052">Ford</rs> kommen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_30"><rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> berichtet, daß bezüglich der Stichtagslösung für die<lb/>
19-jährigen im Wahlgesetz große Schwierigkeiten gibt. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
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wie der Stichtag der Wahl liegt. Dies sei auch in der Wähler<lb break="no"/>evidenz am leichtesten festzustellen. Die Briefwahl wird ganz<lb/>
entschieden von ihm abgelehnt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_31"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wünschte auf Anfrage von <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, daß, wenn es irgendwie<lb/>
möglich, viele Minister am Katholikentag, am Sonntag, den<lb/>
l3. um 10 Uhr teilnehmen sollen. Da sich aber herausstellte,<lb/>
daß sowohl der Justizminister wegen des Fristenlösungsstreites<lb/>
unbedingt dort notwendig bereits eine Konferenz in der Steier<lb break="no"/>mark hat, genauso der Wissenschaftsminister verhindert ist,<lb/>
der Unterrichtsminister ebenfalls nicht kommen kann, bleibt<lb/>
wahrscheinlich niemand als wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst und der Innen<lb break="no"/>minister, der Außenminister, den ich bis jetzt die Ehre hatte<lb/>
zu vertreten, hat angeblich keine Einladung bekommen. Ich habe<lb/>
zwar nichts zugesagt, werde aber, wenn ich sonst gar nichts zu<lb/>
tun habe, hinfahren. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bemerkte mit Recht, daß bei jedem<lb/>
Gewerkschaftstag fast die ganze Regierung anwesend ist, was er<lb/>
sehr begrüßt, weil es dadurch deutlich wird, wie sehr die Re<lb break="no"/>gierung mit der Gewerkschaft verbunden ist, möchte allerdings,<lb/>
daß wir doch auch am Katholikentag stärker in Erscheinung treten,<lb/>
er sagt mit Recht, daß 90 % der Bevölkerung sich zu dieser<lb/>
Glaubensgemeinschaft bekennen und man nicht nur immer von der<lb/>
guten Zusammenarbeit reden soll, sondern dies auch dokumentieren<lb/>
müßte. Wenn ich Zeit habe, werde ich vielleicht einen Sprung<lb/>
vorüber machen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_32">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte vormerken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_33">Anschließend habe ich mit Außenminister <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> über Abtretung<lb/>
eines 9-er Postens für das nächste Jahr gesprochen, um den<lb/>
Sektionsleiter <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> diesen Dienstposten zu geben, weil er<lb/>
übernächstes Jahr sowieso nach Pension von <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> anfällt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> wäre einverstanden, wenn dieser 9-er Posten von Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> genommen wird. Dieser geht heuer in Pension, ich habe<lb/>
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sofort erklärte, daß dieser 9-er Posten seinerzeit aus der<lb/>
Personalreserve genommen wurde, bereits vom Bundeskanzler einen<lb/>
guten Freund und ehemaligen Arbeiterkammerkollegen <rs type="person" ref="#per__127028">Martinek</rs><lb/>
im Sozialministerium vor längerer Zeit schon zugesagt wurde<lb/>
und deshalb beim besten Willen nicht zur Verfügung steht.</p><pb n="22-1206" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-10-07_1206.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-10-07_34">Ich werde mich aber trotzdem weiterhin bemühen, ob ich nicht<lb/>
einen anderen 9-er Posten von <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> noch bekommen könnte.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Hrdlitschka, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Hrdlitschka</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>AK, ÖIAG</occupation>
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               <persName type="label">Schmidt, Erich</persName>
               <persName><surname>Schmidt</surname><forename>Erich</forename></persName>
               <occupation>Leiter vw. Abt. ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Strakosch-Feldringen, Hans</persName>
               <persName><surname>Strakosch-Feldringen</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Zuckerfabrik Hohenau [Vorname/Identifikation nicht völlig
                  sicher]</occupation>
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               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Wiesinger, Anna</persName>
               <persName><surname>Wiesinger</surname><forename>Anna</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
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               <persName type="label">Palme, Liselotte</persName>
               <persName><surname>Palme</surname><forename>Liselotte</forename></persName>
               <occupation>Wirtschaftsjournalistin Die Presse, Profil</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName><surname>Mock</surname><forename>Kurt</forename></persName>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Friderichs, Hans</persName>
               <persName><surname>Friderichs</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>BRD-Wirtschaftsminister</occupation>
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               <persName type="label">Wohlleben, Klaus</persName>
               <persName><surname>Wohlleben</surname><forename>Klaus</forename></persName>
               <occupation>pers. Referent Friderichs, Kabinettschef Lambsdorff</occupation>
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               <persName><surname>Puffler</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Reg.R HM</occupation>
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               <persName><surname>Reiterer</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <persName type="label">Martinek, Oswin</persName>
               <persName><surname>Martinek</surname><forename>Oswin</forename></persName>
               <occupation>SC Sozialministerium</occupation>
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               <persName type="label">Bock, Fritz</persName>
               <persName><surname>Bock</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>ehem. ÖVP-Vizekanzler, Präs. Donaueurop. Institut, AR-Vors.
                  Leykam</occupation>
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               <persName type="label">Gratz, Leopold</persName>
               <persName><surname>Gratz</surname><forename>Leopold</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister, Bgm. Wien</occupation>
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               <persName><surname>Lausecker</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Staatssekretär/Verkehrsminister</occupation>
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               <occupation>US-Präs. 1974-77</occupation>
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               <occupation>erster ÖGB-Präs.</occupation>
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               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <persName type="label">Marquet, Alois</persName>
               <persName><surname>Marquet</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>Botschafter, Onkel v. Louis Marquet; evtl.
                  Falschidentifikation</occupation>
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               <persName type="label">Mühlbacher, Kurt</persName>
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               <occupation>Vizepräs. BHK, Präs. FWV</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <occupation>Dir. Unilever</occupation>
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               <occupation>Sekr. LUGA</occupation>
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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