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            <title type="main">Mittwoch, der 25. September 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band22_1974-09-25</idno>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_01">Mittwoch, den 25. September 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_02">Dr. <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> hat tatsächlich das neue Berggesetz abgeschlossen und<lb/>
einen Ministerratsvortrag darüber gemacht. Er hat natürlich die<lb/>
vorgesehene Zeit weit überschritten, dafür aber mit einer einmaligen<lb/>
Gründlichkeit und Genauigkeit diesen Entwurf eigentlich im Alleingang<lb/>
gemacht. Ganz auf meiner Linie hat er versucht, alle Schwierigkeiten<lb/>
mit Interessenvertretern, anderer Ministerien und der Wissenschaft<lb/>
auszuräumen. Nach seiner Mitteilung sind alle Paragraphen einver<lb break="no"/>nehmlich festgelegt worden. Für mich die einzig wichtige Frage war,<lb/>
daß wir die zukünftigen Bestimmungen über die Berghauptmannschaften<lb/>
so flexibel gestalten, daß ich alle Möglichkeiten habe, Reorganisationen<lb/>
dort durchzuführen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> auch schon angedeutet, daß wir in Zukunft<lb/>
wahrscheinlich nicht nach den Territorialprinzip vorgehen können und<lb/>
sollen. <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> allerdings erwartet, daß in den Territorial-Berghaupt<lb break="no"/>mannschaften noch Sonderberghauptmannschaften, wie z.B. für Öl<lb/>
ähnlich den Sonderarbeitsämtern und Sonderarbeitsinspektionen im<lb/>
Sozialministerium. Ich dagegen glaube und bin überzeugt, daß wir wahr<lb break="no"/>scheinlich etliche Berghauptmannschaften überhaupt auflösen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_03">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Denk Dir was aus, wie man <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> durch Auszeich<lb break="no"/>nung für diese ungeheure Arbeit belohnen könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_04">Auf Grund des EGKS-Vertrages sollten wir nach Anmeldung der Stahlwerke<lb/>
von Preiserhöhungen eine Frist von 15 Tagen in die Verordnung einbauen,<lb/>
damit die Preiserhöhung nicht sofort in Kraft tritt. Die Handelskammer<lb/>
resp. die Stahlindustrie hat sich nun, glaube ich sogar mit Recht, dagegen<lb/>
ausgesprochen, weil sie ja nicht gleich nach Anmeldung ihrer Preis<lb break="no"/>wünsche diese genehmigt bekommt, sondern eben in der Paritätischen<lb/>
Kommission, die zwischengeschaltet ist, oft wochen- oder monatelang<lb/>
warten muß. Wenn dann endlich der Beschluß zustande kommt, müßte sie<lb/>
dann noch zusätzlich 15 Tage mit der Preiserhöhung zuwarten. Die<lb/>
Arbeiterkammer hat wieder einmal auf eine zusätzliche 15-tägige<lb/>
Frist bestanden. <rs type="person" ref="#per__127098">Simoncsics</rs> hat nun die Verhandlungen geführt und mich<lb/>
jetzt um Entscheidung gebeten. Zum Glück habe ich mich auf Grund<lb/>
seiner Information nicht sofort entschieden, sondern ihn gerufen<lb/>
und dabei erfahren, daß diese 15-Tage-Frist von seiten der EGKS gar<lb/>
nicht als ein besonders spezifisches EGKS-Problem, sondern aus<lb break="no"/>schließlich als eine preisstabilisierende Maßnahme betrachtet wird.<lb/>
Dadurch ist die Behörde auch einverstanden, wenn wir auf diese 15-<lb/>
Tage-Frist in der Verordnung verzichten. Da auch der zweite Punkt,<lb/>
<pb n="22-1134" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-25_1134.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ein kleines Frachtproblem, das in die Verordnung kommen sollte, nicht<lb/>
dringend ist, kann also das Ganze geschoben werden. Mir völlig uner<lb break="no"/>klärlich, hätte es hier wieder einmal eine Debatte, um nicht zu sagen<lb/>
einen Streit zwischen Interessensvertretungen und Handelsministerium<lb/>
gegeben, der, wenn ich nicht zufälliger Weise draufgekommen wäre,<lb/>
dass die EGKS gar nicht darauf beharrt, völlig überflüssig geführt<lb/>
worden wäre.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_05">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Wer kümmert sich um diese Detailprobleme? Wie si<lb break="no"/>chern wir uns ab, daß wir bei der Entscheidung mehrere Varianten, die<lb/>
möglich sind, tatsächlich vorgelegt bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_06">In der Einführung des Vidierungsverfahren gibt es mit der ostdeutschen<lb/>
Delegation, die derzeit zu Verhandlungen in Wien weilt, große Schwie<lb break="no"/>rigkeiten. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> hat mir einen Brief geschrieben, wo<lb/>
er darauf besteht, daß wir im Sinne unseres Vertrages mit der DDR<lb/>
von einer Vidierung Abstand nehmen. Darüber hinaus ist es bis jetzt<lb/>
nicht geglückt, für so heiklen Obst- und Gemüsekonserven eine einver<lb break="no"/>nehmliche Auffassung zwischen Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und<lb/>
Fachverband der Nahrungs- und Genußmittelindustrie herbeizuführen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> selbst hat die notwendigen Besprechungen geführt und nun sind<lb/>
sie <choice><choice><sic>stockan.</sic><corr>?</corr></choice></choice> Ich habe ihm vorgeschlagen, er soll mir jetzt eine Liste der<lb/>
einzelnen Produkte mit den eingeführten Mengen, den beabsichtigten Zu<lb break="no"/>geständnissen der Industrie und der Konsumentenvertreter geben. Ich<lb/>
werde versuchen müssen, ein Kompromiss für jedes einzelne Produkt<lb/>
fürchte ich zu erreichen. Da die Oststaaten sich derartig stark gegen<lb/>
die Vidierung aussprechen, nehme ich an, daß sie natürlich genau<lb/>
wissen, welche Konsequenzen es gegebenfalls haben kann. Wenn sie, wie<lb/>
scheinbar doch in Einzelfällen beabsichtigt, Preisunterbietungen in<lb/>
grösseren Ausmasse machen. Ich bin jetzt schon sehr froh, daß auf<lb/>
der einen Seite mein Amtsvorgänger die Liberalisierung mit 1.1.1975<lb/>
den Russen zugesagt und dann auch vielen anderen Staaten mehr oder<lb/>
minder angedeutet und daß vor allem mal <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> auf die Idee gekommen<lb/>
ist, mit dem Vidierungsverfahren uns eine gewisse Möglichkeit der<lb/>
Einflußnahme zu sichern. Wenn dies nicht der Fall gewesen wäre,<lb/>
hätten wir wahrscheinlich die größten Schwierigkeiten um die Schutz<lb break="no"/>klauseln anzuwenden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_07">Die Genossen <rs type="person" ref="#per__146341">Grill</rs>, <rs type="person" ref="#per__113014">Zeilhofer</rs> und vor allem auch der Direktor der<lb/>
Stadtwerke Linz, wollten von mir eine Zusage, daß sie größere Mengen<lb/>
<pb n="22-1135" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-25_1135.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>von Erdgas angeliefert bekommen. Insbesondere möchten sie, daß ich<lb/>
auf die O.Ö. Ferngas, die Landesgesellschaft, die noch immer in der Hand<lb/>
von der Industriellenvereinigung resp. der Industriellen sich befindet,<lb/>
Einfluß nehme, damit diese die Priorität der Haushaltsgasversorgung<lb/>
anerkennen. Dies ist auch, glaube ich in der Zwischenzeit schon gesche<lb break="no"/>hen. <choice><choice><sic>Aushänger</sic><corr>?</corr></choice></choice> war für sie die SO2-Emission von den einzelnen<lb/>
Werken und den Haushalten. Nach einer Untersuchung der Wiener Standort<lb break="no"/>beratungsgesellschaft kommen 86% dieser Emission von VÖEST und Chemie<lb/>
Linz, sowie Laevosan und Fernheizwerke. Derzeit würden sie 80 Millionen<lb/>
Kubikmeter brauchen, denn momentan müssen sie mit 2/3 Öl und 1/3 Kohle<lb/>
befeuern. Ich habe die Genossen nicht im Unklaren gelassen, daß ich<lb/>
keine Möglichkeit sehe, diese Wünsche in der nächsten Zeit zu erfüllen.<lb/>
Die Oberösterreicher müssen derzeit mit RAG, das ist die Produktions<lb break="no"/>gesellschaft für Öl, die aber meistens auf Gas stoßt und deren Ergebnis<lb/>
auskommen. Erst jetzt wurde wieder eine neue Sonde fündig und bringt<lb/>
1 Million Kubikmeter täglich. Dadurch wird die inländische Produktion<lb/>
heuer auf 600 Millionen Kubikmeter ansteigen. Dazu kommen noch<lb/>
200 Millionen Import für Chemie-Linz. Oberösterreich ist gasmäßig also<lb/>
verhältnismäßig gut versorgt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_08">Die Genossen wollten auch wissen, ob ich mich dafür einsetze, daß die<lb/>
ÖMV einen Tankerhafen in Linz benützt, um dort ein Öllager für Heizöl<lb/>
schwer anzulegen. Derzeit ist der Umschlag nur 800.000 to Öl, Handels<lb break="no"/>umschlag sogar nur 200.000, und insgesamt könnten sie leicht 2 Millionen<lb/>
umschlagen. Ich wies darauf hin, dass auch Enns großen Wert darauf<lb/>
legt, einen eigenen Hafen zu bauen. Da die ÖMV gleichzeitig in der Nähe<lb/>
ihr Zentraltanklager mit Pipelineanschluß Schwechat aufbauen wird,<lb/>
weiß ich nicht ob eine solche Absicht besteht, noch in Linz ein Öl,<lb/>
Heizöl schwer, Tanklager zu errichten. Ich habe daher auch keine wie<lb/>
immer geartete Zusage gemacht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_09">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte kläre mit der ÖMV, ohne daß wir uns be<lb break="no"/>sonders dafür einsetzen, welche Pläne diese hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_10"><rs type="person" ref="#per__112049">Rimsky</rs> von Chemie-Linz drängt auf eine Entscheidung wegen der Düngemittel<lb break="no"/>preise. Ich habe <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> neuerdings verständigt, daß ich nun wissen<lb/>
möchte, ob die Landwirtschaft bereit ist ein solches Kompromiss, welches<lb/>
ich erzwingen würde, anzunehmen. <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> gestand mir, daß es <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs><lb/>
nicht möglich war, die Präsidenten von der Zweckmässigkeit einer solchen<lb/>
Lösung bis jetzt zu überzeugen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> sofort vorgeworfen<lb/>
<pb n="22-1136" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-25_1136.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>daß sie damit die Bauern eigentlich schwer schädigen. Nach Berechnungen<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> würde die Düngerverteuerung 420 Millionen Schilling aus<lb break="no"/>machen. Der Mischdünger beträgt davon 140 Millionen, und wenn von den<lb/>
300.000 Tonnen 240.000 Chemie-Linz liefert, so würden die 80.000 Tonnen,<lb/>
die ich ihnen zwar noch nicht zugesagt habe, aber auf die wir uns<lb/>
wahrscheinlich einigen würden, 50 Millionen Schilling Verlust für die<lb/>
Bauern bedeuten, wenn sie das Angebot von der Chemie-Linz, eben die<lb/>
80.000 zum alten Preis auszuliefern, nicht annehmen. <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> gab dies<lb/>
unumwunden zu, meinte nur daß es einige Bauernvertreter gibt, die<lb/>
meinen, man sollte von der Regierung die 420 Millionen Schilling<lb/>
Stützung verlangen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> klipp und klar erklärt, wenn es<lb/>
nicht zu einer Lösung kommt, dann in der Öffentlichkeit von mir dieses<lb/>
eigenartige Verhalten der Bauern, wenn ich angegriffen werde, zur<lb/>
Sprache gebracht wird. Da die Bauern alle bei einer internationalen<lb/>
Tagung im Ausland sind, ersuchte mich <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> noch bis anfangs nächster<lb/>
Woche zuzuwarten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_11">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>: Setze Dich mit <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> ins Einvernehmen und lass<lb/>
Dir von unserem Haus berechnen, wieviel wirklich genau die sture Haltung<lb/>
der Bauernvertreter den Landwirten kosten würde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_12">Die Seniorenwoche des Rentner- und Pensionistenverbandes der SPÖ war<lb/>
bei der Eröffnung ein voller Erfolg. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte über 500 Zuhörer.<lb/>
Für das Kapitel Angebot und Nachfrage der Senioren hatten sich wahr<lb break="no"/>scheinlich nur 1/10 interessiert. So wie immer hatte ich Sorge, das<lb/>
notwendige Ziffernmaterial nicht zusammen zu haben und konnte dann die<lb/>
vorgelegten Unterlagen gar nicht alle verwenden. Als ich das Publikum<lb/>
sah, war mir vom Anfang an klar, daß ich hier nur versuchen konnte<lb/>
und meine Aufgabe darin bestand, diese Menschen zwar zu informieren,<lb/>
aber mit dem Wiener Schmäh doch ein bißchen aufzuheitern. Um den Ziffern<lb break="no"/>lieferanten Dr. <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs>, den wir jetzt in der Abteilung von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> mit der<lb/>
Materialbeschaffung beschäftigen, einmal zu zeigen, welches Material<lb/>
ich brauchte, hatte ich ihn ersucht, mitzukommen. Bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit konnte ich gleich ihm meine Arbeitsmethode mehr erörtern und vor<lb/>
allem bitten, ausser Ziffernmaterial, wenn er gute Ideen selbst hat<lb/>
oder sie irgend wo anders liest, mir stichwortartig zu erzählen. Ich<lb/>
kann mir vorstellen, daß er durch seine Verbindung zur Welthandels<lb break="no"/>hochschule auch weiterhin dort Erfahrungen resp. neue Ideen kennen<lb/>
lernt die wir ganz gut verwerten könnten. Interessant war nur, daß<lb/>
ich dort auch einen Mann mit einem Aufnahmegerät entdeckte, der vom<lb/>
Wissenschaftsministerium beauftragt ist, interessante Vorträge auf Band<lb/>
<pb n="22-1137" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-25_1137.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zu speichern. Ähnlich wie die Nationalbibliothek die Bücher sammelt,<lb/>
sammelt man hier scheinbar entsprechende Vorträge und sonstige Ver<lb break="no"/>anstaltungen auf Tonband. Ich habe ihm nicht im Unklaren gelassen,<lb/>
daß ich meinen Vortrag auf meine Art und vor allem mal mit dem ent<lb break="no"/>sprechenden Niveau für Rentner halten werde. Nicht daß ich den<lb/>
Ehrgeiz hätte, in ihr Archiv als der Wissenschaftler einzugehen, der<lb/>
über Angebot und Nachfrage der Senioren grundlegend neue national<lb break="no"/>ökonomische Erkenntnisse bringt, glaube ich aber trotzdem, daß es<lb/>
meiner Meinung nach, wenn nicht eine Systematik in der Aufzeichnung<lb/>
liegt, nichts anderes ist als ein irrsinnig aufwendiges Verfahren,<lb/>
gewisse Dokumentationen zu sammeln. Wenn es darum geht, die Stimme<lb/>
oder die Methode der Darstellung von einzelnen Menschen festzuhalten,<lb/>
dann war dieser Vortrag muß ich allerdings zugestehen, für mich sehr<lb/>
typisch. Interessant für mich war nur, daß der Leiter des Seminars,<lb/>
ein Verbandsfunktionär, dessen Namen ich vergaß, mitteilte, als natür<lb break="no"/>lich bei der Diskussion der Konsum wegen seiner teuren Preise ange<lb break="no"/>griffen wurde, erklärte, sie hätten Verhandlungen mit der Konsumge<lb break="no"/>nossenschaft aufgenommen, damit ein Zustelldienst aus Vösendorf auch<lb/>
für die Rentner organisiert werden könne. Da dies nicht möglich ist,<lb/>
sind sie jetzt dabei, Autobusse zu organisieren, die dann die Rentner<lb/>
nach Vösendorf zum Einkaufen führen sollten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_13">Bei den Eröffnungsempfang und Besichtigung der Firma EUMIG ihres Zentral<lb break="no"/>verwaltungsgebäudes konnte ich wieder einmal feststellen, wie man Zeit<lb/>
vergeuden kann. Ich hätte den ganzen Durchgang dort wahrscheinlich<lb/>
in 15 Minuten erledigt und mich dann sofort in die Werksanlage begeben,<lb/>
um das schon längere Produktionsgebäude und die dortigen Beschäftigten<lb/>
zu besichtigen. Ing. <rs type="person" ref="#per__98035">Vockenhuber</rs> aber meinte, er würde die Führung für<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> und mir selbst übernehmen, für Vizekanzler<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> war ein Dr. <rs type="person" ref="#per__125801">Hauser</rs>, der zweite Gesellschafter dieses Privat<lb break="no"/>betriebes, vorgesehen und im übrigen sei auch noch Bundeskanzler<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, wenn auch verspätet, angemeldet. Deshalb erstreckte sich<lb/>
die Führung durch dieses Gebäude über mehr als 1 Stunde, ich bin dann<lb/>
natürlich sofort weggegangen, als wir beim Portier angelangt waren<lb/>
und in diesem Moment auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kam, der dann wieder eine Sonder<lb break="no"/>führung bekam und alle anderen Gäste einstweilen zum Buffet eilen<lb/>
sollten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_14">Bei der Tagung der Außenhandelsstellenleiter von Lateinamerika<lb/>
war die Information, die wir bekamen, verhältnismäßig uninteressant.</p><pb n="22-1138" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-25_1138.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_15">Viel wichtiger war, daß alle Außenhandelsstellenleiter, wahr<lb break="no"/>scheinlich nicht zuletzt auch von der Handelskammer dahingehend<lb/>
informiert, verlangten, es müßte jetzt sofort die Kreditrestriktion<lb/>
für die Exporte gelockert werden. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> erklärte, daß die Bundes<lb break="no"/>kammer alles daransetzt, um selbst durch Aufstockung des Exportfonds<lb/>
der für kleinere und mittlere Betriebe die Exportfinanzierung durchführt,<lb/>
aber auch durch Kredite an die Österreichische Kontrollbank, angeb<lb break="no"/>lich hat die Handelskammer 45 Millionen jetzt neuerdings zur Verfügung<lb/>
gestellt, alles daransetzt, damit sie den Export entsprechend fördert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_16">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier müßte man einen entsprechenden konkreten Be<lb break="no"/>richt über die Finanzierungsmöglichkeiten des Exportes und wer aller<lb/>
dazu beitragt und wie die Fonds und die Finanzierungsverfahren in der<lb/>
Vergangenheit und derzeit sich entwickelt haben und wie der Status ist,<lb/>
endlich bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-25_17">Da <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> einmal mit mir zu Recht diskutierte ob überhaupt in Latein<lb break="no"/>amerika unsere Außenhandelsstellenleiter ankommen, infolge des strengen<lb/>
Protokolls dort werden nur Diplomaten und ganz besonders nur die Bot<lb break="no"/>schafter geachtet, war ich natürlich daran interessiert, wie weit die<lb/>
Handelsvertreter tatsächlich einen Einfluß auf die Entwicklung nehmen<lb/>
können. Ich glaube, daß dieser tatsächlich äußerst gering ist. Sie<lb/>
behaupten zwar, daß insgesamt in den letzten Jahren die österreichi<lb break="no"/>schen Firmen, die 1971 ca 100 betragen haben, jetzt 180, d.h. sich fast<lb/>
verdoppelt haben und dadurch schon gezeigt wird, daß eine grössere<lb/>
Liefermöglichkeit nach Lateinamerika besteht und genützt wird. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs><lb/>
vermutet, und ich teile diese Meinung, daß wo es größere Exportsteige<lb break="no"/>rungen gibt, es sich meistens nur um Einzelgeschäfte handelt.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 25.9.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Eumig-Gesellschafter</occupation>
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               <occupation>Präs. LWK</occupation>
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               <persName type="label">Vockenhuber, Karl</persName>
               <persName><surname>Vockenhuber</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Eumig</occupation>
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               <persName type="label">Grünwald, Oskar</persName>
               <persName><surname>Grünwald</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher; ÖIAG</occupation>
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               <persName type="label">Zeitlhofer, Hubert</persName>
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               <occupation>GD Stadtwerke Linz</occupation>
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               <persName type="label">Altmann, Ingobert</persName>
               <persName><surname>Altmann</surname><forename>Ingobert</forename></persName>
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               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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               <occupation>DDR-Außenhandelssts./-min.</occupation>
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               <occupation>SektR HM</occupation>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <occupation>Leiter Abt. Handelspol./Außenhandel BWK</occupation>
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               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
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               <occupation>Dir. Chemie Linz</occupation>
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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