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            <title type="main">Mittwoch, der 11. September 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band22_1974-09-11</idno>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_01">Mittwoch, 11. September 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_02">Präs. <rs type="person" ref="#per__137473">Caidassi</rs> begleitet einen italienischen Assessor, der nur<lb/>
einleitete und dann hatten wir ein Gespräch über die Wünsche<lb/>
Triests. Nach Meinung der Triestiner sollte in Monfalcone nicht nur<lb/>
die Methangasleitung beginnen, sondern ein riesiges Industriezen<lb break="no"/>trum aus der Entspannung dieser verflüssigten Erdgasmenge Algerien–<lb/>
Irans insbesondere auch durch die frei werdende Kälte errichtet<lb/>
werden. Zu diesem Zweck soll, da die Küste von Fremdenverkehrsbe<lb break="no"/>trieben belegt ist, ein bedeutend starker Industriekanal ins Landes<lb break="no"/>innere gebaut werden, wo eine grosse Industriezone errichtet werden<lb/>
soll. Mein Hinweis, dass angeblich eben zwischen Triest und Grado<lb/>
kaum noch ein Platz ist, wurde sehr entkräftet, dass man eben in das<lb/>
Landesinnere geht. Darüber hinaus hofft Triest, dass es möglich<lb/>
ist, Zulieferfirmen im Raume Friaul, ungefähr 2.000 kommen dafür<lb/>
in Frage, die Kooperationen mit Deutschland oder Österreich machen<lb/>
könnten. Nach ihren Berechnungen würden sich heute die Länder mit<lb/>
italienischen Gastarbeitern, die pro Gastarbeiter 8 Mio aufwenden<lb/>
müssten, incl. einer Million Lohn, die 7 Mill. ersparen. Da, wenn<lb/>
der Italiener zu Hause Verwendung findet, eben alle Aufwendungen für<lb/>
Infrastruktur, Wohnung usw. wegfällt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Frankreich hat angeblich eine Vermittlungs<lb break="no"/>börse für Zulieferungen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_04">Vizeminister <rs type="person" ref="#per__140896">Traistaru</rs> hat interessanterweise gar nicht mit dem<lb/>
Konstanza-Projekt begonnen, ja es nicht einmal erwähnt. Der einzige<lb/>
konkrete Wunsch war, zu erfahren, wann und wo wir das langfristige<lb/>
Abkommen, welches bereits paraphiert ist, unterzeichnen. Sein<lb/>
Minister, der gleichzeitig Vizepremier ist, hätte es gerne gesehen,<lb/>
wenn ich nach Bukarest käme, ich lehnte im Prinzip nicht ab,<lb/>
erklärte aber, dass es heuer vollkommen unmöglich ist und ich daher<lb/>
eigentlich erwarte, dass <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs> einmal anlässlich einer Durchreise<lb/>
in Wien kurz unterbrechen könnte und wir hier den Vertrag unter<lb break="no"/>zeichnen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_05">Nach jahrelangen Bemühungen ist es endlich einmal geglückt, einen<lb/>
westlichen Aussenhandelsminister nach Wien zu bringen. <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs><lb/>
aus Italien wird allerdings als ein ausgesprochen sensibler Mensch<lb/>
<pb n="22-1060" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-11_1060.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>beschrieben. Da man dies im Handelsministerium weiss, hatte ich<lb/>
erwartet, dass am Flughafen doch die wichtigsten Persönlichkeiten<lb/>
des Hauses zum Empfang kommen. Zu meiner grössten Verwunderung war nur<lb/>
MR <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> und von der Sektion I Dr. <rs type="person" ref="#per__114799">Raaber</rs> anwesend. Beim anschlies<lb break="no"/>senden Mittagessen war es dann ganz anders.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Das nächste Mal bitte musst Du Dich auch in<lb/>
dieser Frage mehr engagieren, denn Du siehst, dass manchmal Selbst<lb break="no"/>verständlichkeiten bei uns im Ministerium danebengehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_07">Ich versuchte, und das mit zunehmendem Erfolg, <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs> durch Grüsse<lb/>
und gemeinsame Bekannte wie <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> und <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> in gute Stimmung zu<lb/>
versetzen. <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs> selbst hat wirklich ein einziges Interesse,<lb/>
1956 war er illegal in Ungarn, zu derselben Stelle wieder ins<lb/>
Burgenland zu kommen. Diesen Wunsch kann man ihm hoffentlich<lb/>
leicht erfüllen und ich werde ihn daher auch, um die Bedeutung<lb/>
seines Besuches herauszustreichen, begleiten. <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs> selbst ist<lb/>
glaube ich wesentlich umgänglicher als er anfangs erscheint und<lb/>
als ihm sein Ruf vorausgeht. Sicher ist eines, und das hat mich am<lb/>
meisten verwundert, dass der italienische Botschafter ihn scheinbar<lb/>
fast auch nicht kennt und am Abend dann verhältnismässig ohne<lb/>
sich mit ihm zu vereinbaren, beim Empfang verschwunden ist. <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs><lb/>
war darüber sehr indigniert, zumindestens hatte ich den Eindruck.<lb/>
Andererseits aber kann ich dies vollkommen verstehen, weil ich mit<lb/>
vorstelle, welche Drängerei sonst bei den Buffets gewesen ist. Ob<lb break="no"/>wohl natürlich angeblich für alle ein Sitzplatz war. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> meinte<lb/>
ursprünglich, ich kam natürlich mit <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs> zum Tisch des Herrn<lb/>
Bundespräsidenten, dass er sich immer wieder wundert, wie die rie<lb break="no"/>sigen Buffets in kürzester Zeit kahlgefressen sind. Dabei fürchten<lb/>
alle um ihre Linie. Fachgespräche habe ich mit <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs> prinzipiell<lb/>
noch nicht geführt, weil ich fürchte, dass mir die italienische<lb/>
Botschaft schon indirekt wissen liess, dass er eigentlich mangels<lb/>
Kompetenz über Details kaum wird Auskunft geben können, resp.<lb/>
sicherlich auch gar nicht verhandeln will. Unsere Wünsche, dass<lb/>
z.B. Italien jetzt endlich für die Höhenrasserinder, wo die EG<lb/>
die 20.000 Stück freigegeben hat, endlich für die 4.300 aufzumachen<lb/>
wird er sicherlich kaum wissen, da er bis vor kurzer Zeit noch<lb/>
Minister für Tourismus seit 1970 gewesen ist. Wir werden sehen.</p><pb n="22-1061" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-11_1061.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_08">Überrascht war ich aber, dass auch <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs>, der mich kurz<lb/>
besuchte und den ich fragte, was es in Brüssel Neues gibt,<lb/>
meinte, die Behauptung, die man hört, dass die EG sich auf<lb break="no"/>löst, sei ein Unsinn. Reiterer wollte seine tour d'horizon<lb/>
beginnen, ich fragte ihn aber sehr konkret, z.B. wegen der Frei<lb break="no"/>gabe der Rinder und er meinte, es werde nur bei Schlachtrindern<lb/>
derzeit Schwierigkeiten gemacht. Er war selbst sehr erstaunt von mir<lb/>
zu erfahren, dass auch bezüglich der Höhenrassen bis jetzt kein<lb/>
Kontingent freigegeben wurde und erst jetzt die diesbezüg<lb break="no"/>liche Verordnung erfolgte. Dass <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs> das vielleicht nicht weiss,<lb/>
ist zu verzeihen, dass <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> es nicht weiss, hat mich sehr ver<lb break="no"/>wundert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_09">In der Paritätischen Kommission hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst den Vorsitz ge<lb break="no"/>führt, zu meiner grössten Verwunderung wurde die Tagesordnung über<lb break="no"/>raschend schnell abgewickelt. Allerdings kam es konkret nur zur<lb/>
Freigabe der Metall-, Chemie- und anderer Lohnfreigaben, die gewünsch<lb break="no"/>ten Preiserhöhungen wurden zum allergrössten Teil in den Preisunter<lb break="no"/>ausschuss wieder zurückverwiesen. Da auch eine bis jetzt nicht<lb/>
preisgeregelte Düngemittelpostion dabei war, habe ich bei dieser<lb/>
Gelegenheit gleich mitgeteilt schriftlich der Paritätischen Kom<lb break="no"/>mission eine Unterlage vorgelegt, wonach die Preisregelung für<lb/>
Handelsdünger nicht mehr vorgenommen werden kann. Ich wies be<lb break="no"/>sonders darauf hin, dass die Juristen eine solche Preisregelung<lb/>
nur dann für möglich halten, wenn dies gleichzeitig eine Bewirt<lb break="no"/>schaftung auf diesem Sektor gibt. Da das Landwirtschaftsministerium<lb/>
eine solche Bewirtschaftung gar nicht durchführen könnte, aber auch<lb/>
nicht wollte, da meine Forderung bei der Novelle des Preisrege<lb break="no"/>lungsgesetzes den Anhang um Futtermittel und Düngemittel sowie<lb/>
einige Pharmazeutika zu ergänzen, vom Parlament abgelehnt wurde,<lb/>
sehe ich derzeit keine Möglichkeit, ohne Gesetzesgrundlage eine<lb/>
Preisregelung für Düngemittel durchzuführen. Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
aber ganz besonders Gen.Dir.<add>Gen.Sekr.</add> <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> von der Landwirtschafts<lb break="no"/>kammer waren überrascht, doch konnten sie keine Argumente finden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> replizierte nur auf <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, der ungeschickterweise<lb/>
meinte, früher sei es eben zu einer einvernehmlichen Regelung<lb/>
über Düngemittelpreise gekommen, dies sei jetzt nicht der Fall<lb/>
gewesen, weshalb er zur Kenntnis nimmt, dass eben keine Preisregelung<lb/>
mehr erfolgt. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> meinte, dass sie eher der Rechtsstandpunkt<lb/>
<pb n="22-1062" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-11_1062.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>vom Handelsminister berechtigt. Dass ich tatsächlich beab<lb break="no"/>sichtige, durch die Freigabe von der Preisregelung für Dünge<lb break="no"/>mittel die Landwirtschaft jetzt zu zwingen, im Rahmen der Pari<lb break="no"/>tätischen Kommission entweder zuzustimmen oder dann zu erleben,<lb/>
dass wahrscheinlich die Firmen doch den Düngepreis erhöhen und<lb/>
von mir als einziger Ausweg eine solche Politik erwartet wurde,<lb/>
wird sich sehr bald zeigen, ob diese Entwicklung eintritt! Sicher<lb/>
ist, dass dann der § 3 a, wenn die Übereinstimmung festgestellt<lb/>
wird, von allen Interessensvertretungen, zur Anwendung kommen<lb/>
würde. In diesem Fall aber würde auch die WÖF, die ich natürlich<lb/>
als Antragsteller dort genau so erwähnte, wie alle anderen<lb/>
Firmen, sich zu entscheiden haben, ob sie ebenfalls den Düngemittel<lb break="no"/>preis erhöht oder sich als landwirtschaftliche Organisation zu<lb break="no"/>rückhält, was allerdings durch die exorbitanten Rohstoffpreise<lb/>
kaum möglich sein wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_10"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> kritisierte, dass jetzt, wo sich die Handelskammer endlich<lb/>
einmal dazu durchgerungen hat, den § 3 a anwenden zu lassen, nun<lb/>
der Würfelzuckerpreis auf § 3-a-Basis von mir festgelegt wird.<lb/>
Hier konnte ich ihm die rechtliche Situation sehr leicht ausein<lb break="no"/>andersetzen und insbesondere darauf verwiesen, dass sie mir<lb/>
dadurch die Möglichkeit gegeben ist, den Würfelzucker nicht auf<lb/>
6 Monate nur, sondern eben jetzt dauernd in die Preisregelung zu<lb/>
übernehmen. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn vor der Sitzung<lb/>
aufmerksam gemacht, dass wir vereinbart hatten, keine Erklärungen<lb/>
abzugeben, während er dann doch ein Statement gab, das tatsächlich<lb/>
auch vor Montag noch gesendet wurde. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bestreitet dies auf<lb/>
das entschiedenste und meint erst nach meiner Pressekonferenz<lb/>
Montag sei es zu einer Ausstrahlung durch das Fernsehen gekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte prüfe diesen Sachverhalt ganz genau,<lb/>
da Du behauptest, seine Erklärung wurde bereits am Freitag oder<lb/>
Samstag gesendet.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_12">Bei der feierlichen Eröffnung der 100. Messe war tatsächlich<lb/>
eine Unzahl von Besuchern gekommen. Da 7 Redner vorgesehen waren,<lb/>
sollten sich alle sehr kurz fassen, was für sich, da ich ja<lb/>
immer frei spreche, ein weiteres Problem ergab. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> meinte,<lb/>
ich sollte infolge der Festlichkeit, von meinem Prinzip<lb/>
frei zu reden, unter allen Umständen abgehen. Seitdem ich<lb/>
<pb n="22-1063" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-11_1063.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in der Funktion des Handelsministers bin, mache ich mir<lb/>
ständig Gedanken, ob dies nicht wirklich die einfachere<lb/>
Lösung sei. Lesen von Reden ist für den Vortragenden deshalb<lb/>
einfacher, weil er auch dann, wenn er schlecht liest, ja selbst<lb/>
wenn er phantastisch vorträgt nicht die Arbeit des Aufsetzens<lb/>
und des Ausfeilens hat. Trotzdem kann ich mir nicht dazu durchringen<lb/>
und mache mir Tage vorher schon immer Gedanken, was werde ich<lb/>
sagen und wie werde ich das vortragen. Der wichtigste Gesichts<lb break="no"/>punkt ist aber, dass ich natürlich immer aggressiv bin und angreife,<lb/>
wenn ich dies von einem Blatt herunterlese, kann mir gelegentlich<lb/>
einmal erklärt werden vom Gegner, eine solche Formulierung wäre<lb/>
unerhört. Da ich aber frei rede, kann ich mich dann immer aus<lb break="no"/>reden, dass diese Formulierung eben eingeflossen ist und ich<lb/>
sie vielleicht gar nicht so hart ausdrücken möchte. Um daher<lb/>
von meinem Prinzip nicht abzugehen, habe ich auch bei der<lb/>
100. Messe frei gesprochen, allerdings mit einer Rededisposition.<lb/>
Der neue Mitarbeiter von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hat mir hier mit anderen zusammen<lb/>
wertvolle Hinweise und Hilfe geleistet. Im letzten Moment hat<lb/>
dann noch <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe Fritz</rs> einige gute Gags gebracht. Da ich frei<lb/>
laut und deutlich und ein wenig angreifend gesprochen habe,<lb/>
sind dann viele gekommen, die meinten, ich hätte es den Gegnern<lb/>
wieder gemischt. Da ich dies aber sehr verbindlich getan habe,<lb/>
zumindestens glaube ich das, wird weder <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> noch sonstig<add>[sonst ein?]</add><lb/>
mir Wohlgesinnte mir deshalb gram sein. Von <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs><lb/>
und ein paar anderen, die ebenfalls anwesend waren, bin ich aller<lb break="no"/>dings vom Gegenteil überzeugt. Ich habe der Messeleitung erklärt<lb/>
dass die Anzahl von Ministern, die ich diesmal zur Wiener Messe<lb/>
gebracht habe, in Hinkunft von mir nicht mehr in so grossem Umfang<lb/>
eingeladen werden können. Die Betreuung von 4 Ministern ist fast<lb/>
unmöglich. Besonders wenn sie wirklich alle zum selben Zeitpunkt<lb/>
gekommen wären. Da der Ungar <rs type="person" ref="#per__110971">Biro</rs> am Sonntag und am Mittwoch schon<lb/>
wegfuhr, <rs type="person" ref="#per__140761">Matteotti</rs> und <rs type="person" ref="#per__140896">Traistaru</rs> am Mittwoch kamen und am Freitag<lb/>
fortfahren, Freitag <choice><choice><sic>abder</sic><corr>aber?</corr></choice></choice> der csl. Minister <rs type="person" ref="#per__114726">Barcak</rs> kommt und am<lb/>
Samstag schon wegfährt, ergibt sich Gott sei Dank nicht eine<lb/>
grosse Überschneidung und ich kann mich wirklich um alle kümmern.<lb/>
In Hinkunft laden wir aber höchstens einen, maximal 2 ein. Die<lb/>
Schwierigkeit wird nur werden, wie werden wir dies machen, dass<lb/>
dann nicht womöglich statt zwei Ministern maximal bei Absage über<lb break="no"/>haupt keiner kommt. Lieber aber ist mir ein solcher Zustand als der<lb/>
gegenwärtige.</p><pb n="22-1064" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-11_1064.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_13">Botschafter <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> und Handelsrat <rs type="person" ref="#per__140897">Leszkowicz</rs>, die schon einen<lb/>
Termin hatten, weshalb wir angenommen haben, sie würden gar<lb/>
nicht mehr kommen, sind dann doch überraschend erschienen, um<lb/>
über die bisherigen Besprechungen zum Besuch des polnischen<lb/>
Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> Klage zu führen. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs><lb/>
wollte unbedingt, dass ich ihm eine dezidierte Erklärung gebe,<lb/>
dass ein Vertrag zwischen Österreich und Polen ausgearbeitet<lb/>
werden kann, wonach die österr. Regierung in Aussicht stellt,<lb/>
3 Mia S Ausfuhrkredite zur Verfügung zu stellen, die durch<lb/>
Stromlieferungen von Polen zurückgezahlt werden. Er hätte jetzt<lb/>
mit der VÖEST-Alpine Verhandlungen so weit, dass er die Melamin<lb break="no"/>anlage mit 700 Mill., eine Schwefelsäureproduktion auf Gipsbasis<lb/>
für 400 Mill., eine Bandeisenverzinkungs- und -beizanlage von<lb/>
700 Mill. und eine Blechverarbeitungsanlage von 200 Mill.<lb/>
abgeschlossen werden könnten. Mit Steyr-Daimler-Puch hätte er<lb/>
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dafür nicht kompetent zu sein. Meine Aufgabe besteht darin,<lb/>
wenn die notwendigen Voraussetzungen von der Kontrollbank und vom<lb/>
Finanzministerium geschaffen sind, d.h. wenn die tatsächliche Kre<lb break="no"/>ditlinie, wie die Polen es immer bezeichnen, vereinbart ist, dann<lb/>
natürlich einen entsprechenden Vertrag über die Lieferungen zu for<lb break="no"/>cieren. Wenn dann die polnische Seite einen spezifisch österrei<lb break="no"/>chischen Verzichtserklärungsvertrag wünscht, kann ich diesen sicher<lb break="no"/>lich innerhalb kürzester Zeit liefern. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> hat einen Gegenentwurf<lb/>
zu dem polnischen Vorschlag bereits ausgearbeitet, der aber auch<lb/>
voraussetzt, dass ebne die Regierung einen prinzipiellen Beschluss<lb/>
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deutlich schon gesagt, dass hier kein Widerstand gemacht wird.<lb/>
Im Gegenteil, ich habe mich bemüht, der Verbundgesellschaft ausein<lb break="no"/>anderzusetzen, dass sie so schnell wie möglich alle polnischen<lb/>
Vorschläge prüfen soll. Dies ist auch tatsächlich der Fall, da<lb/>
mir die Verbund mitteilte, die polnische Seite immer bei den<lb/>
Verhandlungen mit Antworten oder Gegenvorschläge im Verzug ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> wollte dann noch wissen, wie er aus diesem Dilemma bis<lb/>
zum Besuch <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> gegen Ende September zu Rande kommt.<lb/>
Ich sah die beste Lösung, dass wenn sich <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
dann im Prinzip einigen, dies im Protokoll über den Besuch konkret<lb/>
vereinbart, dann seinen Niederschlag finden sollte. Einmal mehr<lb/>
wurde mir wieder bestätigt, man soll nicht über seine Grösse<lb/>
reden. Lieber bin ich als ein sturer Verhandler bekannt, der<lb/>
so gar keine Zugeständnisse machen will, obwohl andere meinen,<lb/>
das ginge doch ohne weiteres, als wie ich bin der Feschak und<lb/>
kann nachher eine Zusage nicht einhalten. Ich kann mir lebhaft<lb/>
vorstellen, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> erzählen wird, wenn <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs><lb/>
jetzt zu ihm kommt, um ebenfalls über die Entwicklung zu klagen.<lb/>
Interessant war, dass bei der letzten Aussprache <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> angeblich<lb/>
nicht mitgekommen ist, weil er mit dem Bundeskanzler verhandelt,<lb/>
wie sich jetzt aber herausstellte, war dies gar nicht der Fall,<lb/>
sondern er hat <choice><choice><sic>erwt</sic><corr>?</corr></choice></choice> für einen späteren Zeitpunkt einen Vorsprache<lb break="no"/>termin bekommen. Ich fürchte, dass auch Kreisky dann eine so<lb/>
allgemeine Erklärung und Zusage machen wird, ohne vorher mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
Details zu besprechen. Derzeit hat die Kontrollbank die grössten<lb/>
Schwierigkeiten, Verpflichtungen, die schon sehr konkret einge<lb break="no"/>gangen wurden, zu erfüllen. Wie das mit den neuen zusätzlichen<lb/>
Verpflichtungen sein wird, getraue ich mir nicht zu beantworten.<lb/>
Auf alle Fälle bin ich froh, dass ich eine solche Entwicklung<lb/>
erwartet habe und keine wie immer geartete Zusage, keinem wie immer<lb/>
geartetem Land gegeben habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-11_14">Ich habe <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> in Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> aufmerksam gemacht,<lb/>
dass sowohl die Wochenpresse – Mann, als auch Ecco – <rs type="person" ref="#per__140787">Waldstein</rs>, von<lb/>
mir Auskunft über die Person des Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> und<lb/>
die Zusammenarbeit mit ihm wünschen. Insbesondere wollte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140787">Waldstein</rs> von mir die Reaktion, wenn z.B. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> mit Ent<lb break="no"/>scheidungen wie Zuckerexporten und anderem nicht einverstanden<lb/>
ist und durch Aussendungen das Handelsministerium angreift,<lb/>
wie ich darauf reagiere. Da ich nicht bereit bin, jemanden zu<lb/>
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Verständnis habe sondern diese auch unsere Beziehungen überhaupt<lb/>
nicht trüben können, glaube ich mit Recht sagen zu können, dass<lb/>
sich an unseren freundschaftlichen Beziehungen nichts geändert<lb/>
hat. Mich stört auch bei <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> und bei anderen gar nicht, dass<lb/>
sie natürlich schön langsam, nach 4 1/2 Jahren ist das ja verständ<lb break="no"/>lich, andere Sachentscheidungen vorschlagen als ich dann letzten<lb/>
Endes bei dem einen oder anderen Fall tatsächlich treffen muss.<lb/>
Was mich bei internen Gesprächen mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> nur manchmal ärgert,<lb/>
ich lasse mir das aber nicht anmerken, ist, wie emotionell vorge<lb break="no"/>tragen manche sachlich wirkliche Bagatellen scheinbar ein ungünstiges<lb/>
Klima heraufkommen lassen. Auf die Dauer kann ich mir vorstellen,<lb/>
dass andere, wie z.B. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, die wahrscheinlich nicht so viel Geduld<lb/>
aufbringen wie ich, darüber nicht nur sachlich verärgert werden,<lb/>
sondern auch dann letzten Endes es zu einer Abkühlung der freund<lb break="no"/>schaftlichen Beziehungen kommt. Es kann durch Sachentscheidungen<lb/>
differente Auffassungen geben und dies wird sicherlich auch in<lb/>
Hinkunft nicht zu verhindern sein, was aber nottut ist, dass aus<lb/>
diesen Sachentscheidungen nicht persönliche Kränkungen zurück<lb break="no"/>bleiben. Hier gilt dasselbe wie von öffentlichen Reden usw. den<lb/>
Ton macht die Musik. Ich hoffe und wünsche mir nur, dass ich immer<lb/>
den richtigen Ton treffe.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 11.9.1974</head>
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