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            <title type="main">Donnerstag, der  5. September 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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daß man von seitens der Ölindustrie so wenig mich im Kampf gegen<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs>-Absichten den Benzinpreis zu senken, unterstützt hat. Er<lb/>
erklärte mir jetzt, er hätte <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> und den anderen telefonisch<lb/>
aus Salzburg mitgeteilt, daß es unzulänglich sei, einen so einen<lb/>
Wischiwaschi-Brief zu schreiben. Er hätte von den Ölleuten verlangt,<lb/>
sie müßten sich ganz dezidiert und konkret mit aller Schärfe gegen<lb/>
diese laienhafte Forderung von <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> wenden und war mit dem Schreiben,<lb/>
die letzten Endes dann aber doch nur zustande kamen, überhaupt nicht<lb/>
einverstanden. Ich sagte ihm sofort über diese jetzige Erklärung<lb/>
hätte ich gar nichts und daß mich die Ölwirtschaft wieder einmal<lb/>
im Stich gelassen hat. Er bat, daß nächste Mal solle man ihm unbedingt<lb/>
auch vom Urlaub zurückrufen. Auf meine Frage, warum er dann eigentlich<lb/>
nicht selbst gekommen ist, hat er allerdings keine Antwort gegeben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> war sehr erstaunt von mir zu hören, daß ich ja unbedingt erwarte,<lb/>
daß sie freiwillig den Heizöl-Leichtpreis auf öS 2.70 belassen, da<lb/>
ich ansonsten verpflichtet wäre, eine Preisbestimmung zu diesem Preis<lb/>
festzulegen. Er meine der Heizöl-Schwer-Preis und die anderen Heizöl<lb break="no"/>preise müßten im Winter erhöht werden. Er wird mir einen diesbezüglichen<lb/>
Vorschlag unterbreiten. Als Compensando könnte er sich vorstellen<lb/>
daß wir den Gaspreis, der jetzt durch die Lieferung der Russen erhöht<lb/>
werden müßte, nicht so stark erhöhen oder vielleicht überhaupt zeit<lb break="no"/>weise aussetzen. Da ich ja gar nicht bereit bin eine solche Kompromiß<lb break="no"/>lösung höherer Gaspreis, Heizölpreis echt oder leicht unverändert<lb/>
zu lassen zu akzeptieren, habe ich natürlich sofort erklärt, über den<lb/>
Gaspreis werden wir erst sehr viel später reden. Hat jetzt mit den<lb/>
internationalen Gesellschaften eine Aussprache und wird mir anschließend<lb/>
daran wie er hofft eine übereinstimmenden Vorschlag aller Ölgesell<lb break="no"/>schaften machen, den ich akzeptieren könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_03">Er war mit sechs Vertretern seiner Firma in Düsseldorf um mit den<lb/>
Ruhrgas-Vertretern Gas de France und SNAM sowie anderen, wie er immer<lb/>
sagt Freunden, über das weitere Vorgehen zu verhandeln. Das wichtigste<lb/>
Problem ist, daß die Deutschen mit der Sowjetunion die Erhöhung von<lb/>
ihren schon 7 Milliarden Kubikmeter um weitere 1.5 Milliarden ab 1978<lb/>
<pb n="22-1025" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-05_1025.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>steigend bis zum Jahre 2000 auf 2.5 Milliarden vereinbart haben.<lb/>
Für den Preis wurde eine Gleitung auf Heizöl schwer mit $ 140.-<lb/>
festgelegt, daß bedeutet einen Gaspreis von $ 50.-. Der Gaspreis<lb/>
den wir jetzt aufgrund des alten Geschäftes für die 1.5 Milliarden<lb/>
bezahlten, was ursprünglich $ 14.-. Für die 500 Millionen Mehr<lb break="no"/>lieferung die, wie er hofft durch Verhandlungen bis auf eine Milliarde<lb/>
erhöht werden, zahlen wir jetzt schon $ 28.- und werden wahrschein<lb break="no"/>lich 1978, wenn die Mehrlieferung für Deutschland einsetzt und auch für<lb/>
uns der neue Vertrag gilt, sicherlich auch auf die $ 50.- angehoben<lb/>
sein. Wenn der Heizölschwerpreis nicht wesentlich fällt, werden wir<lb/>
deshalb auch hohe Gaspreise in Österreich bekommen. Er hat diese<lb/>
Ziffern aus der Erinnerung gesagt und meinte deshalb, er wird ein ge<lb break="no"/>naues Elaborat mir noch zur Verfügung stellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_04">Das zweite Problem war, daß jetzt die Frage des iranischen 13 Milliarden<lb/>
Kubikmeter Gas an die Sowjetunion und Weiterleitung an die Ruhr, sowie<lb/>
die zweite iranische Lieferung von in großen Erdgasfelder in Kangan<lb/>
gelöst werden müßten. Die Franzosen und die Italiener konnten sich<lb/>
wegen einer zusätzlichen Leitung, wie die SNAM will, nach <choice><choice><sic>Iskandern</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
legt, Lieferung Türkei dort Verflüssigung und dann über Monfalcone<lb/>
auf der neu zu bauenden Leitung nach Deutschland, oder über Golf<lb/>
und Suezkanal, oder über Kap ins Mittelmeer Monfalcone und dort<lb/>
über die Leitung, nicht einigen. Die Franzosen sind der Meinung dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114486">Giscard d'Estaing</rs> und der Schah soweit schon Besprechungen geführt<lb/>
haben, daß sie für das Golf-Projekt zuständig sind. Die Italiener wieder<lb/>
wollen daß nur ausschließlich über ihr <choice><choice><sic>Iskandern</sic><corr>?</corr></choice></choice>-Projekt geredet wird.<lb/>
Angeblich hat <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> dann den Stein der Weisen gefunden, indem er eben<lb/>
vorgeschlagen hat, man sollte beim Golf-Projekt nur von einer Studie<lb/>
reden, dort könnten dann die Franzosen eben ihre Vorschläge ausschließlich<lb/>
allein in der Studie vertreten. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> wollte mir unbedingt einreden,<lb/>
daß alle diese Projekte mit dem Gaspreis wesentlich günstiger sind<lb/>
und deshalb die Austro-Ferngas-Projekte mit Algerien schon allein aus<lb/>
preislichen Gründen als schlecht zu bezeichnen sind. Darüber hinaus<lb/>
meint er, daß überhaupt keine Chance besteht, daß das Projekt realisiert<lb/>
werden kann. Seiner Mitteilung nach von seinen Freunden hängt alles<lb/>
in der Luft und es wird zu keinen Abschluß kommen. Dies ist ohne weiteres<lb/>
möglich, doch werde ich niemals, auch nur im entferntesten eine Andeutung<lb/>
machen, daß ich mich von den Austro-Ferngas-Projekt distanziere, oder<lb/>
gar vielleicht sabotiere. Für <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> sind dies Konkurrenzmanöver, wie<lb/>
<pb n="22-1026" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-05_1026.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ich ihm auch dezidiert erklärt habe. Seine Freunde werden ihm hier<lb/>
wahrscheinlich auch nur einseitig informieren, denn auch beim Algerien-<lb/>
Projekt ist die Gas de France wesentlich beteiligt. Nur Ruhrgas ist<lb/>
eben ausgeschaltet, weil sich hier die Bayern und die Schwaben selb<lb break="no"/>ständig gemacht haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_05">Ich habe <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> darauf aufmerksam gemacht, daß die Jugoslawen jetzt<lb/>
ein Schreiben erwarten, wo sie die mündlichen Besprechungen zwischen<lb/>
ÖMV und der jugoslawischen Ölgesellschaften bestätigt haben möchten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> bestreitet ganz entschieden, daß sie eine konkrete Verhandlung<lb/>
geführt haben. Die Behauptung, dass die Russen ihnen mehr Gas liefern<lb/>
und diese über die nach Jugoslawien geliefert werden sollen,<lb/>
bezeichnet er als nebulos. Die Italiener behaupten, daß sie wieder<lb/>
gar keine Sorge vor den Russen haben, daß sie nicht mehr Gas bekommen<lb/>
werden, aber auf alle Fälle wissen daß die Russen den Jugoslawen gar<lb/>
kein Gas liefern wollen. Da die Italiener 92% Leitungskapazität<lb/>
der TAG haben und Österreich nur 8%, könnte Österreich überhaupt<lb/>
keine Zusage machen, solange nicht die Italiener ihnen grünes Licht<lb/>
gegeben haben. Kapazität in der Leitung ist sicher noch frei, weil<lb/>
die Italiener derzeit 6 Milliarden, Österreich 1.5 und die Franzosen<lb/>
2.5 Milliarden, insgesamt also 10 Milliarden derzeit erst ausgenützt<lb/>
sind und die Kapazität auf 15 Milliarden ausgelegt ist. Ich habe<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ein offizielles Schreiben über diesen Tatbestand, wenn<lb/>
auch nicht so dezidiert verlangt, damit ich den Jugoslawen bei der<lb/>
Gemischten Kommission diese sehr unerfreuliche Mitteilung machen<lb/>
kann. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat sich bitter beschwert und <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat dies widerstands<lb break="no"/>los zur Kenntnis genommen, daß wir ununterbrochen von der ÖMV entweder<lb/>
gar keine Ziffern, oder sogar falsche bekommen. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> meinte, dies<lb/>
sei auch ein Erziehungsprozeß und er verlangt immer wieder, daß seine<lb/>
Leute sich endlich damit abfinden die gewünschten Unterlagen dem<lb/>
Ministerium zu geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_06">Vertreter der Gewerkschaft Druck und Papier, <rs type="person" ref="#per__137251">Steiner</rs> und Vertreter<lb/>
des Hauptverbandes <rs type="person">Meiwald</rs>, um Unterstützung für ein Umschulungsprojekt.<lb/>
Die Hochdrucker, d.s. unter landläufiger Bezeichnung die Buchdrucker,<lb/>
stellen aus Konkurrenzgründen oft über Nacht auf Filmsatz, d.h. auf<lb/>
Flachdruck um. Dadurch werden die Handsetzer und Stereotypiere arbeits<lb break="no"/>los. Da man andererseits beim Flachdruck entsprechende Montagearbeiter<lb/>
<pb n="22-1027" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-05_1027.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und Kopierer dringend braucht, dies aber im Berufsbild der Hochdrucker<lb/>
nicht ist, deshalb auch keine Ausbildung erfolgt, wollen sie nun für<lb/>
die 1.900 Facharbeiter, die davon betroffen sind, eine Lehrwerkstätte<lb/>
mit ca 1 Millionen Schilling Bau- und Einrichtungen errichten. Die<lb/>
Innung gibt 250.000 öS und auch <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> gibt von den Arbeitsmarkt<lb break="no"/>förderungsmitteln. Sie wollten nun, daß ich für die Lehrwerkstätte<lb/>
über die Wifis ebenfalls einen grösseren Betrag zur Verfügung stelle.<lb/>
Ich erklärte sofort rundwegs, daß wir den Wifis sowieso entsprechende<lb/>
Mittel geben und man nur von dort irgendwelche zusätzliche Mittel für<lb/>
die Lehrwerkstätte erhalten kann. Da pro Jahr ca 50 Hochdrucker und<lb/>
70 Setzerlehrlinge anfallen, die man in diese Ausbildung gleich ein<lb break="no"/>bauen wird obwohl sie im Berufsbild gar nicht vorhanden ist, so haben<lb/>
wir wie <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> mir nachher sagte, schon ein großes Interesse daran,<lb/>
dieses Problem in jeder Beziehung zu bereinigen. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> selbst hat<lb/>
aber vorgeschlagen, er wird mit den Wifis reden, damit sie von sich aus<lb/>
eine gewisse Bevorzugung der Lehrwerkstätte geben, doch wir können<lb/>
keine diesbezügliche Auflage bei unserer Subvention an die Wifis<lb/>
machen. Ich will das unter gar keinen Umständen und habe dies<lb/>
auch bei anderen Wifi-Projekte immer wieder abgelehnt. Befriedigt<lb/>
hat mich bei diesem an und für sich unerfreulichen Problem, daß<lb/>
ich als Offsetdrucker schon vor Jahrzehnten gesagt habe, daß der<lb/>
Hochdruck früher oder später unter die Räder kommen wird. Ich habe<lb/>
damals als Aufsichtsratsvorsitzender von Waldheim-Eberle, d.h. eigent<lb break="no"/>lich von der Pachtfirma der Kreis auf diese Entwicklung hingewiesen<lb/>
und darauf gedrängt, daß wir uns immer offsetmäßig besser ausge<lb break="no"/>rüstet haben, als auf dem Hochdrucksektor. Die Gewerkschaft und auch<lb/>
andere haben dies damals als meine subjektive Einstellung, weil<lb/>
ich eben Offsetdrucker bin, bezeichnet. Jetzt nach 20 Jahren wird<lb/>
es endgültig bestätigt. Selbst kleine Betriebe schalten über Nacht<lb/>
oft auf Offsetdruck um. Andererseits kann die Ausbildung auf<lb/>
Montagekopierer usw. für den Offsetdruck bei Hochdruckern jetzt noch<lb/>
nicht im Berufsbild verlangt werden, weil es leider noch immer viel<lb/>
zu viele kleine Buchdrucker gibt, die die Lehrlinge darauf nicht aus<lb break="no"/>bilden könnten, weil sie keine diesbezüglichen Maschinen vor der Um<lb break="no"/>stellung haben. An der Lehrlingsausbildung und Weiterbildung hat die<lb/>
Gewerkschaft ein großes Interesse. Aber auch die dort Organisierten<lb/>
zeigen sich an Ausbildungsfragen sehr interessiert. <rs type="person" ref="#per__137251">Steiner</rs> hat mir<lb/>
mitgeteilt, daß sie ihre Fortbildungskurse innerhalb einer Stunde<lb/>
fast alle belegt hatten und sich die Leute bereits um 6 Uhr früh<lb/>
angestellt haben, damit sie noch zeitgerecht zur Anmeldung für diese<lb/>
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daß es in vielen Branchen großes Interesse gibt für entsprechend<lb/>
zweckmässige Fachkurse. Ich glaube auch, daß dies eine Bestätigung<lb/>
für mich ist, daß die Lehrlingsausbildung wesentlich verbessert<lb/>
gehört. Leider sind die Arbeiten auf einer modernen Lehrlingsaus<lb break="no"/>bildung bei uns im Ministerium nur sehr schleppend weiterzutreiben.<lb/>
Die Arbeiterkammer und der Gewerkschaftsbund, aber die einzelnen<lb/>
Fachgewerkschaften können sich kaum zu grösserer Aktivität durch<lb break="no"/>ringen. Die Handelskammer andererseits hemmt das glaube ich schon,<lb/>
noch immer alle diese modernen Bestrebungen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> an<lb break="no"/>schliessend dezidiert erklärt, wir müssen im nächsten Jahr und wenn<lb/>
es nicht anders geht dann für das Wahlprogramm eine sehr konkretes<lb/>
Projekt über die Lehrlingspolitik ausarbeiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier müsste die Grundsatzgruppe auf die wirt<lb break="no"/>schaftliche Bedeutung der Lehrlingsausbildung und der fachmännischen<lb/>
Weiterbildung entsprechende unterstützende Arbeit leisten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_08">Die Besprechungen über die Budgetansätze des Handelsministeriums<lb/>
verliefen erwartungsgemäß. Als ich ins Finanzministerium kam und<lb/>
so wie immer sehr pünktlich war, traf ich unsere Beamten mit den<lb/>
Finanzministerbeamten, wie sie gerade von ihrer Besprechung sich<lb/>
zum Ministerbüro bewegten. Ich habe zwar in launigerweise aber<lb/>
sehr ernst gemeint, gefragt ob sie sich schon geeinigt haben, weil<lb/>
wir dann ja sowieso nichts mehr zu entscheiden haben. Tatsächlich<lb/>
ist es so, daß <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> seine Funktion der Besprechung mit den<lb/>
Ministern im Detail darin sieht, dann aus den Wünschen, die offen<lb/>
sind, überhaupt nichts mehr zu erfüllen können und zu wollen.<lb/>
Zusagen des Ministeriums, die ja sicherlich auch im Laufe des Jahres<lb/>
mit seiner Zustimmung erfolgen kann er dann unter dem Druck seiner<lb/>
Budgetsituation nicht einhalten. Ich habe ihm deshalb unter vier<lb/>
Augen erklärt, ich hätte ja niemals von ihm auch nur für eine Aktion<lb/>
eine besondere Wunsch- oder Zusage verlangt. Ich machte ihm nur<lb/>
daran aufmerksam, daß der Freie Wirtschaftsverband bei den Handels<lb break="no"/>kammerwahlen im nächsten Jahr hofft, eine Betriebsgründungsaktion<lb/>
im Form einer Prämie die ca. 20 Millionen Schilling ausmachen würde<lb/>
als Wahlschlager zu propagieren. Wenn ich dies durchführen soll,<lb/>
dann kann ich mich nicht damit einverstanden erklären, daß ja die<lb/>
20 Millionen Schilling von der Finanzbürokratie in ein Stabilisierungs<lb break="no"/>budget aufgenommen werden. Im heurigen Jahr können wir auch aus der<lb/>
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er mir sogar im ersten Jahr 20 Millionen Schilling für eine<lb/>
Industriepolitik zur Verfügung gestellt hat und jetzt aber zu<lb/>
einer weiteren neuen Aktion nicht mehr zustimmen könne, da er<lb/>
das Geld dafür nicht aufbringen kann, er sei aber bereit, die<lb/>
Stabilisierungsquote überhaupt für mein Ministerium fallen zu<lb/>
lassen und die notwendigen Ansätze 65 Millionen für den Fremden<lb break="no"/>verkehr, 21 Millionen für die Kohlenbergförderung, 30 Millionen<lb/>
für die Papierindustrie, Umweltschutz, Zinsenzuschüsse in das<lb/>
Budget zu übernehmen. Sollten wir mit diesen Beträgen nicht das<lb/>
Auslangen finden dann würden wir in einem BÜG weitere Mittel<lb/>
bekommen. Dies gilt garantiert für den Kohlenbergbau. Ich machte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> neuerdings darauf aufmerksam, daß wenn es zu der Lösung<lb/>
Konzentration der Kohle in einer eigenen Gesellschaft der ÖIAG<lb/>
unterstellt kommt, wir nicht mehr damit rechnen können, daß tat<lb break="no"/>sächlich Fohnsdorf und Pölfing-Bergla bald geschlossen werden.<lb/>
Nur wenn die Voest-Alpine weiterhin die Belastung mitzutragen<lb/>
hat wird sie bereit sein dann auch tatsächlich für entsprechende<lb/>
Stillegung einzutreten. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sagte mir unter vier Augen, daß<lb/>
er mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einige Male über diese Probleme gesprochen hat, sich<lb/>
aber nicht durchsetzen konnte, daß wir diese Schliessung womöglich<lb/>
vielleicht nach den steirischen Landtagswahlen endlich durchführen. Da<lb/>
ich ihm keinerlei Schwierigkeiten bei der letzten Budgeterstellung<lb/>
in dieser Legislaturperiode machen will und genauso wie in der Ver<lb break="no"/>gangenheit auch vielleicht viel zu viel Verständnis für die Budget<lb break="no"/>situation gehabt habe, war ich mit seinen Vorschlägen einverstanden,<lb/>
verlangte nur dann noch drüben bei der Besprechung mit den Beamten<lb/>
wo ja nur die Posten im einzelnen abgestimmt wurden, daß wir wenigstens<lb/>
3 Millionen Schilling für die Bürges Umstellung nicht Fremdenverkehr<lb/>
sondern allgemeine Wirtschaftsförderung auf Prämiensystem bekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> hat zuerst nicht sofort begriffen und meinte, es sei wirklich<lb/>
alles bis auf den letzten Schilling mit dem Finanzministerium abge<lb break="no"/>sprochen und alles was wir tatsächlich dringendst brauchen gedeckt.<lb/>
Erst in der letzten Phase gelang es mir, nach längerer Diskussion<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs>, der sich ja vom Finanzministerium sehr gut in unserem<lb/>
Budget auskennt, daß wir uns dann doch über diese 3 Millionen in der<lb/>
Umstellung für allgemeine Bürges einigen konnten. Der Finanzminister<lb/>
hat dann auf ein zustimmendes Nicken von Sektionschef <rs type="person" ref="#per__139856">Autengruber</rs>,<lb/>
wie ich bemerkte, letzten Endes auch zugestimmt.</p><pb n="22-1030" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-05_1030.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_09">Aus taktischen Gründen habe ich in dieser Besprechung auch den<lb/>
Wunsch der Handelskammer und vor allem den Brief von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> an<lb/>
den Finanzminister, wo mitgeteilt wird, er hätte eine Erhöhung<lb/>
der Stärkeförderung auf 76 Millionen zugestimmt, in der großen<lb/>
Sitzung zur Sprache gebracht. Aus einem Aktenvermerk, den mir<lb/>
der Finanzminister in der Ablichtung dann zur Verfügung stellen<lb/>
lies, kann ich entnehmen, daß die Aussprache zwischen <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, wo scheinbar nur vom Büro jemand dabei war, aber kein<lb/>
Vertreter der Abteilung, es dann mit einem Antwortschreiben nicht<lb/>
dezidiert ablehnt, sondern nur meint, er müsse vorher mit mir über<lb/>
dieses Problem sprechen. Diese Aussprache habe ich jetzt abgeführt<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sofort davon Mitteilung gemacht. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, da ich<lb/>
ja den Betrag von 28 Millionen die normale Stärkeförderung nicht<lb/>
auf 76 Millionen nicht erhalten habe, er hat dies auch gar nicht<lb/>
erwartet, sondern befürchtet, daß dies erst in Parteienbesprechungen<lb/>
erst zur Sprache kommen wird. Mit einer solchen Lösung bin ich<lb/>
sehr einverstanden, denn seinerzeit wurde ja auch im Rahmen der<lb/>
EG-Verhandlungen ganz sinnlos von Seiten der Regierungspartei der<lb/>
ÖVP Zugeständnisse gemacht. Sinnlos nämlich insofern, als sich ja<lb/>
dem EG-Vertrag in der Tasche hatte und die ÖVP gar keine andere<lb/>
Wahl gehabt hätte als zuzustimmen. Auch dann, wenn sie keine wie<lb/>
immer gearteten Zusagen auf keinem einzigen Gebiet bekommen hätte.<lb/>
Wenn alle ihre Interessensvertretungen jederzeit zugestimmt haben<lb/>
jede Formulierung bis zu den Beistrichen mit ihnen <choice><choice><sic>vereinvernehmlich</sic><corr>einvernehmlich?</corr></choice></choice><lb/>
festgelegt war, hätte die ÖVP niemals diesen Vertrag im Parlament<lb/>
ablehnen können. Damals hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mir aus unerklärlichen Gründen<lb/>
ihnen viel zu große Konzessionen gemacht. Ob <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> jetzt wenn<lb/>
dieses Problem bei den Marktordnungsbesprechungen sicher von der<lb/>
anderen Seite aufgezeigt wird dann auch wieder bereit ist eine<lb/>
Konzession zu machen, bleibt ganz ihm überlassen. Ich bin daran<lb/>
überhaupt nicht interessiert genau sowenig seinerzeit als die<lb/>
EG-Verträge mit der ÖVP dann verhandelt wurden.<lb/>
Ich habe <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> auch auf die Aufsichtsratsbesetzung bei der Austro-<lb/>
Ferngas und in Schwierigkeiten die ich in meinem Haus habe hingewiesen<lb/>
und ersucht ob er mir nicht einen zweiten Aufsichtsratsposten der<lb/>
möglich ist vom Bund als dritten noch zu besetzen geben könnte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat angedeutet, daß er eigentlich gedacht hat, daß eventuell<lb/>
das Bundeskanzleramt hier eine Nominierung vornehmen würde, hat aber<lb/>
erklärt, er wird sich das ganze Problem noch einmal anschauen und<lb/>
mir Bescheid sagen, ob wir den Sektionsleiter, SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> oder nur<lb/>
seinen Abteilungsleiter MR <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> schicken, ist ihm vollkommen egal<lb/>
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es oft so daß ein untergeordneter Beamter in einer solchen Funktion<lb/>
tätig wird obwohl auch natürlich die höheren Beamten gerne zusätzlich<lb/>
dann hinkommen wollen. Ich habe ihm deshalb ja sofort einleitend<lb/>
gesagt, daß es hier ja nicht um ein finanzielles Problem geht, weil<lb/>
die 8.000 Schilling Aufsichtsratvergütung pro Jahr auch nicht das<lb/>
Entscheidende für Aufsichtsratspostenhamsterer sein können. Ich<lb/>
glaube er war auch sehr erstaunt, daß dieser Aufsichtsratsposten<lb/>
so gering dotiert wird, wird sich das ganze überlegen und mir<lb/>
Bescheid sagen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_10">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte vielleicht kannst du dann nach einiger<lb/>
Zeit im Büro wieder des Finanzministers entsprechend klären, wieweit<lb/>
die Frage entschieden ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_11">In der Fraktions- und dann in der Vorstandssitzung der Lebensmittel<lb break="no"/>arbeitergewerkschaft referierte ich und diskutierten wir über die<lb/>
Marktordnungsgesetze und sonstige aktuelle Probleme die insbesondere<lb/>
die Lebensmittelbranche betrifft. Immer wieder höre ich, daß unsere<lb/>
Mitglieder über unsere Abschlüsse sehr einverstanden sind und sich<lb/>
eigentlich mit unserer Tätigkeit scheinbar auch sehr zufrieden sind.<lb/>
In der Vorstandssitzung haben wir niemals Schwierigkeiten gehabt, weder<lb/>
in der Vergangenheit noch derzeit. Ich habe aber immer Angst, daß dies<lb/>
eine Friedhofsstille ist. Wenn ich dann von Meinungsumfrageergebnissen<lb/>
höre, wo tatsächlich diese Regierungspolitik sich so niederschlägt, daß<lb/>
wir noch immer die absolute Mehrheit haben, dann dürfte scheinbar<lb/>
doch die Zufriedenheit innerhalb der Bevölkerung mit unserer Politik<lb/>
viel größer sein als wir dies scheinbar annehmen. Ich glaube aber,<lb/>
daß der Kern dieser Entwicklung in der Tatsache zu suchen ist, daß<lb/>
eben die Regierung sehr einheitlich auftritt, keinerlei Differenzen<lb/>
bis jetzt zwischen den einzelnen Organisationen festgestellt wird<lb/>
und wir deshalb ein Bild in der Öffentlichkeit geben, wir wissen was<lb/>
wir wollen, wir setzen das durch was Notwendigkeit ist und wo wir<lb/>
uns nicht durchsetzen können, wie bei der Preisentwicklung, ist<lb/>
vielleicht doch die gesamte europäische, ja weltweite Entwicklung,<lb/>
die dies verhindert. Sorgen macht mir momentan nur die Ansätze der<lb/>
Arbeiterkammer, die hoffentlich nur im Hinblick auf die Arbeiterkammer<lb break="no"/>wahlen im September, jetzt überall und bei jeder Gelegenheit einen<lb/>
radikaleren Ton anschlagen. Innerhalb der Lebensmittelarbeitergewerk<lb break="no"/>schafts-Funktionäre und insbesondere Sekretäre findet das Verhalten<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> und einiger anderer Kollegen nicht die Zustimmung.</p><pb n="22-1032" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-09-05_1032.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-09-05_12">Wenn dieselbe negative Einstellung und Stimmung und ich fürchte,<lb/>
daß es auch bei den Gewerkschaften nicht viel anders ist und vor<lb/>
allem auch im Gewerkschaftsbund immer stärker wird, dann kann und<lb/>
muß zu harten Konfrontationen in Hinkunft kommen. Ist erst einmal<lb/>
ein Klima entstanden, daß man zwischen den einzelnen Organisationen<lb/>
nicht mehr die Sachprobleme versucht zu einer gemeinsamen Lösung<lb/>
oder zumind. Auffassung zu kommen, dann können solche Spannungen<lb/>
früher oder später für die Organisation verheerend sein. Dies<lb/>
gilt nicht nur auf dem Wirtschaftssektor, sondern ich konnte in der<lb/>
Vorstandssitzung auch bezüglich der Lohnfortzahlung auf dem sozial<lb break="no"/>politischen Gebiet eine ähnliche Mißstimmung feststellen. <choice><choice><sic>Verrennte</sic><corr>Differente?</corr></choice></choice><lb/>
Auffassungen über Probleme von mir aus, Diskussion darüber eigentlich<lb/>
selbstverständlich. Nach aussen aber zum Ende gemeinsam aufzutreten<lb/>
eine Notwendigkeit.</p></div>
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