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            <title type="main">Mittwoch, der 24. Juli 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_01">Mittwoch, 24. Juli 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_02">Minister a.D. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> Präsident der Verbundgesellschaft hat am Wörther<lb break="no"/>see so wie wahrscheinlich noch einige andere Eisenbahner ein<lb/>
Grundstück zwischen der Bahn und dem See von der Südbahngesell<lb break="no"/>schaft kaufen können. Heute fast unbezahlbar. Ich verhandle<lb/>
über die Reorganisation der Elektrizitätswirtschaft mit ihm.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> ist bereit und weiss, dass ich diese durchziehen werde,<lb/>
mich dabei zu unterstützen. Er selbst teilt auch die Meinung,<lb/>
dass eine Konzentration im Verbundkonzern mit Sondergesellschaften<lb/>
usw. notwendig ist. Er geht sogar noch weiter und schliesst sich de<lb/>
Meinung von <rs type="person" ref="#per__114747">Zach</rs> und <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> an, deren Absicht es ist, die Sonder<lb break="no"/>gesellschaften so schnell wie möglich in die Verbund zu überführen.<lb/>
Vorstandsmitglied <rs type="person" ref="#per__114747">Zach</rs> hat dies deshalb vorgeschlagen, weil er<lb/>
dadurch hofft, die Bau-Agenden aller Sondergesellschaften in<lb/>
der Verbundgesellschaft zu konzentrieren und dadurch seine Kompe<lb break="no"/>tenz entsprechend auszubauen. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs>, dass dies bei der<lb/>
Belegschaft eine grosse Unruhe in allen Sondergesellschaften aus<lb break="no"/>gelöst hat und dieser Schritt vielleicht im Jahre 2000 zweckmässig<lb/>
und notwendig ist. Derzeit genügt, wenn wir die Ennskraftwerke in<lb/>
die Donau überführen. Hier sieht <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> grosse Schwierigkeiten,<lb/>
wegen der Erweiterung des Donau-Vorstandes insbesondere der<lb/>
ÖVP-Exponent im Vorstand <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> wird grosse Schwierigkeiten<lb/>
machen, da dieser wieder erwartet, er müsste wesentliche Kompe<lb break="no"/>tenzen abgeben. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> wird neuerdings mit <rs type="person" ref="#per__114988">Hermann</rs> sprechen<lb/>
damit er ihn von der Zweckmässigkeit und Notwendigkeit überzeugt.<lb/>
Bezüglich der Aufsichtsratsumbesetzung lasse ich <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> nicht<lb/>
im Unklaren, dass eine Entscheidung eigentlich schon gefallen<lb/>
ist. Anstelle von Sekt.Chef i.R. <rs type="person" ref="#per__136608">Cech</rs> wird in die Verbund<lb/>
Sekt.Chef. Dr. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und in die Donau Dr. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> entsendet. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs><lb/>
fürchtet, dass <rs type="person" ref="#per__136608">Cech</rs> hier nicht zustimmen wird. Um mit seinen<lb/>
Leuten aber insbesondere den höheren Politikern in der ÖVP eine<lb/>
entsprechende Abstimmung noch vornehmen zu können, ersucht er,<lb/>
dass wir nicht die Fallfrist 31. Juli einhalten. Er hofft, dass<lb/>
er anfangs August imstande sein wird, seine Parteigremien zu<lb/>
überzeugen, dass es zweckmässig ist, eine einvernehmliche Lösung<lb/>
herzustellen. Er erklärt mir sofort, ich könnte gegen die Stimmen<lb/>
der ÖVP alles unternehmen, weil ich als Eigentumsvertreter jede Mög<lb break="no"/>lichkeit über die Hauptversammlungen habe. Er anerkennt, dass ich<lb/>
mich um einen Konsens bemühe und möchte selbst auch einen erzielen.</p><pb n="22-0929" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0929.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_03">Ich verständige <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> nachher telefonisch, dass ich auf die<lb/>
Fallfrist keinen wert lege sondern eher, dass es doch gelingt, eine<lb/>
einvernehmliche Regelung noch im Zeitplan, den die Verbund jetzt<lb/>
erstellen müsste, zu erzielen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_04">Präs. <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> von der ÖDK hat grösste Bedenken gegen die Verbund auch<lb/>
unseren Genossen gegenüber, weil sie wie er befürchtet, die Sonder<lb break="no"/>gesellschaften doch so schnell als möglich in die Verbund über<lb break="no"/>führen möchten. Er bezweifelt auch, ob es zweckmässig ist, nach<lb/>
Ausscheiden im nächsten Jahr von Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__133973">Nyvelt</rs> aus den<lb/>
Tauernkraftwerken und wahrscheinlich heuer schon von dem Vor<lb break="no"/>standsdirektor <rs type="person" ref="#per__97674">Kugler</rs> von der ÖDK diese beiden Posten nicht mehr zu<lb/>
besetzen. Dadurch würde die Tauernkraftwerke von einem Schwarzen und<lb/>
die Draukraftwerke von einem Roten allein geführt werden. Der nächste<lb/>
Schritt wäre natürlich sofort, dass man beide Gruppen zusammenlegt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> meint nun, dies wäre unzweckmässig. <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs>, der jetzige<lb/>
Direktor der ÖDK, hat sich zwar nicht dezidiert geäussert, ich<lb/>
glaube aber, dass er arbeitsmässig imstande wäre, diese Funktion<lb/>
allein auszuüben, solange nicht eine endgültige Regelung mit einer<lb/>
eventuellen Zusammenführung von Tauern und Drau wodurch wieder ein<lb/>
Zweiervorstand entstünde, durchgeführt wird. Die Konzentration<lb/>
wird auf alle Fälle die Aufstiegsmöglichkeiten für einzelne ver<lb break="no"/>ringern. wenn die Ennskraftwerke tatsächlich zu den Donaukraftwerken<lb/>
kommt, dann sich gewisse Posten dort nicht mehr als Aufstiegsposten<lb/>
zu betrachten, umso wichtiger wird dann natürlich z.B. bei den<lb/>
Ennskraftwerken der Betriebsdirektor. Dieser sitzt unmittelbar<lb/>
an der Enns, hat sich ausschliesslich dann mit den Ennskraftwerken<lb/>
zu beschäftigen und wird eine mächtige Position. Hier müssen wir<lb/>
besonders auf die politische Besetzung allerdings unter strenger<lb/>
Auswahl des Tüchtigsten wert legen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte diesen Gesichtspunkt in kleinstem Kreis<lb/>
diskutieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_06">Mein unangemeldeter Besuch bei den Draukraftwerk Rossegg, welches<lb/>
ich im Herbst feierlich eröffnen soll, was in Wirklichkeit aber schon<lb/>
längst läuft, zeigt mit, als ich dortige Beschäftigte frage, wieso sie<lb/>
noch mehr oder minder Verlegenheitsarbeiten ausführen, dass man den<lb/>
Anschlussauftrag für das letzte Kraftwerk Annabrücke abwartet. <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs><lb/>
erklärt mir, sie hätten deshalb noch keinen Baubeschluss gefasst,<lb/>
weil es bei ihnen nicht möglich ist wie an der Donau den Arbeits<lb break="no"/><pb n="22-0930" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0930.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gemeinschaften sofort den Auftrag zuzuschlagen. <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> glaubt,<lb/>
dass die Preise von dieser Arbeitsgemeinschaft überhöht sind<lb/>
und deshalb eine neue Ausschreibung erfolgen wird. Bei der Donau<lb/>
hat man aber angeblich festgestellt, dass durch die Anschluss<lb break="no"/>aufträge die Arbeitskräfte sich nicht verlaufen und die ARGE<lb/>
deshalb verhältnismässig billige Offerte legt. Bei der Drau soll<lb/>
dies nicht der Fall sein. Eher glaube ich, dass die Draukraft<lb break="no"/>werke sich nicht getrauen, jetzt nachdem die Malta so grosse finan<lb break="no"/>zielle Mittel bindet, ein weiteres Kraftwerk gleich jetzt zu be<lb break="no"/>ginnen. In der Malta gibt es nämlich verschiedenste geologi<lb break="no"/>sche Schwierigkeiten, die nicht nur eine Bauverzögerung her<lb break="no"/>beiführen sondern auch zusätzliche grosse Mittel notwendig machen.<lb/>
Man zeigt mir die furchtbaren Verhältnisse in einem Stollen,<lb/>
riesiger Wassereinbruch, schlechtes Gestein zum Abbauen, die<lb/>
Bohrgeräte auch nicht zweckmässig auf diese Geologie einge<lb break="no"/>stellt und vor allem die ungeheuren Aufwendungen um die Druckbohr<lb break="no"/>leitungen an den schlechten Gestein festhalten zu können. Hätten<lb/>
sich die Naturschützer und Landschaftsschützer durchgesetzt und<lb/>
wir hätten die Druckleitung ebenfalls in einen Stollen machen<lb/>
müssen, hätte es unabsehbare technische Schwierigkeiten und damit<lb/>
finanziellen Aufwand bedeutet. Malta war ursprünglich allerdings<lb/>
in wesentlich kleinerer Konzeption mit 3,5 Mia S geplant, soll<lb/>
jetzt 7 Mia kosten und wird in Wirklichkeit auf fast 10 Mia kom<lb break="no"/>men. Ein gigantischer Betrag, der mir neuerdings nur bestätigt,<lb/>
wir müssten für die Finanzierung des Elektrizitätsausbaues<lb/>
neue Wege beschreiten. Die Finanzierung über Eigenmittel durch<lb/>
Preiserhöhungen oder durch Fremdmittel Anleihen wird in Zukunft<lb/>
nicht mehr ausreichen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_07">Redakteur <rs type="person" ref="#per__146142">Buchauer</rs>, der mich interviewen wollte, ersucht, ob<lb/>
er sich auch der Besichtigungsreise anschliessen kann, was ich<lb/>
nachdem <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> nichts dagegen einzuwenden hat, selbstver<lb break="no"/>ständlich akzeptiere. Er meint, er bräuchte für seinen Artikel<lb/>
über mich unmittelbare Erlebnisse und möchte deshalb dadurch<lb/>
dass ich den ganzen Donnerstag mit ihm beisammen bin, diese Zeit<lb/>
am besten nützen. <rs type="person" ref="#per__146142">Buchauer</rs> meint auch, die soz. Seite hätte<lb/>
jetzt eine grosse Möglichkeit profil zu erwerben. Die Industriel<lb break="no"/>lenvereinigung, welche von <rs type="person" ref="#per__139650">Bronner</rs>, dem Verlag mit Trend und Profil<lb/>
gekauft hat, möchte nur Trend weiterführen. Ich erkläre sofort,<lb/>
ich könnte mir nicht vorstellen, dass jemand 30 Mill. S oder auch<lb/>
<pb n="22-0931" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0931.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nur einen aliquoten Anteil den <rs type="person" ref="#per__139650">Bronner</rs> von der Industriellen<lb break="no"/>vereinigung bekommen hat, jetzt abzulösen, um Profil zu er<lb break="no"/>werben. Dazu kommt noch, dass die Redakteure sich vorstellen,<lb/>
dass sie 51 % auf alle Fälle„ d.h. die Mehrheit weiter behalten<lb/>
können. Ein glatter Illusionist! In kürzester Zeit wird ihnen<lb/>
das Geld ausgehen und damit wird dieses Experiment und die Zeit<lb break="no"/>schrift zu Ende sein. Wenn sich nicht wieder ein Geldgeber findet.<lb/>
Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__146142">Buchauer</rs> sofort, dass ich mit dieser Materie nichts<lb/>
zu tun habe und er müsse sich an <rs type="person" ref="#per__133397">Brantl</rs> wenden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte informiere mich laufend über die<lb/>
Zustände und Intentionen auf dem Zeit<lb break="no"/>schriftensektor, soweit Du ihn weisst.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_09">Weitere Energieprobleme technischer und finanzieller Natur<lb/>
ergeben sich hie den Illwerken. Ich besuche Rodund II, wo<lb/>
die grösste Turbinenpumpe Österreichs 270 MW installiert wird.<lb/>
Die Bauarbeiten sind ziemlich abgeschlossen und es beginnt jetzt<lb/>
die Montage. Da jetzt von den deutschen Firmen, die auch in<lb/>
Luxemburg eine solche Pumpe ähnlicher Art aufgestellt haben,<lb/>
dort grosse Schwierigkeiten aufgetreten sind, die Turbine ist<lb/>
durch einen ungeheuren Schlag fast zertrümmert worden, inter<lb break="no"/>essiere ich mich ganz besonders für die Vorkehrungen, die wir<lb/>
getroffen, damit diese nicht auch bei uns in Österreich der<lb/>
Fall ist. Die Techniker, die dort bei einer Exkursion mit amerika<lb break="no"/>nischen Pumpenfachleuten treffe, setzen mir glaubhaft ausein<lb break="no"/>ander, dass die alle Vorkehrungen getroffen haben, dass dies<lb/>
bei uns nicht passieren kann. Sie hatten bereits eine andere<lb/>
Konstruktion mit mehr Stabilität als die Zwillingsmaschine<lb/>
in Luxemburg, Ausserdem wird jetzt noch ein viertes Lager beim<lb/>
Anwerfmotor eingebaut, um eine weitere Stabilität zu erreichen.<lb/>
Der deutsche Zwilling hat keinen Anwerfmotor vorgesehen. Das<lb/>
technische Problem der Ill-Werke dürfte also tatsächlich<lb/>
zu lösen sein, zumindestens hoffen es so alle. Wesentlich<lb/>
schwieriger ist das finanzielle Problem. Hier hatte ich vor<lb break="no"/>erst eine Aussprache mit dem Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> und unserem<lb/>
Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs>. Die beiden harmonieren nicht sondern<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> selbst glaubt, dass <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> viel zu sehr mit den<lb/>
deutschen Abnehmern verbunden ist. <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> hat als Konsulent<lb/>
der Landesregierung insbesondere des LH <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs> und dessen Vor<lb break="no"/>gänger eine starke Stellung in Vorarlberg inne gehabt. Dies<lb/>
kommt allein schon dadurch zum Ausdruck, dass er gleich<lb break="no"/><pb n="22-0932" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0932.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zeitig auch den Vorarlberger Kraftwerken, d.h. der Landes<lb break="no"/>gesellschaft ebenfalls Gen.Direktor ist. Nun kommen aber auch<lb/>
in Vorarlberg neue Kräfte und versuchen, für das Land aus den<lb/>
Illwerken mehr herauszuholen. Interessant für mich war eine<lb/>
Aussprache Sonntag zeitig früh mit dem Finanzreferenten Vorarlbergs<lb/>
LR-Mitglied <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs>. Eine fraktionelle Vorbesprechung mit <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs><lb/>
und NR <rs type="person" ref="#per__114957">Heinz</rs>, den <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> zugezogen hat, hat ergeben, dass die<lb/>
Spannung zwischen der ÖVP in der Finanzierungsfrage von den<lb/>
Illwerken politisch genützt werden könnte und sollte. <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs><lb/>
erklärte rundweg, dass <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> jetzt so wie auch unser schon<lb/>
in Pension befindlicher Direktor <rs type="person" ref="#per__135762">Wirnschimmel</rs> natürlich jetzt<lb/>
ihre Politik der vergangenen Jahrzehnte verteidigt. Nach Auf<lb break="no"/>fassung von <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> und der ÖVP hätte man aber eine falsche Inter<lb break="no"/>pretation des Vertrages durchgeführt. Das Land Vorarlberg hätte<lb/>
nach seiner Meinung Genussrecht geltend machen können. In dem<lb/>
Ill-Vertrag steht drinnen, dass das Land nach Ausschüttung einer<lb/>
10 %-igen Dividende, die Schwelle liegt bei 34 – 37 Mill. S<lb/>
<choice><choice><sic>por</sic><corr>per?</corr></choice></choice> Jahr ein Genussrecht gehabt hätte, das seit 1952 lt.<lb/>
Salzburger Gutachten – so nennen sie eine Studie von unabhängigen<lb/>
Fachleuten – 4 Mia S für Bezugsrechte und sonstige Forderungen<lb/>
hat. Prof. <rs type="person" ref="#per__114939">Kastner</rs> hätte zuerst ein Gutachten der Verbund oder<lb/>
irgendeiner anderen Gruppe abgegeben, welches jetzt nachdem ein<lb/>
deutscher Gutachter <rs type="person" ref="#per__146112">Blume</rs> eingesetzt wurde, zu einem neuerlich<lb/>
ganz anderen Ergebnis auch <rs type="person" ref="#per__114939">Kastner</rs> kommt. Das Land und <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs><lb/>
fühlt sich hier als deren ausschliesslicher Vertreter, glaubt<lb/>
nun, dass aus der Rücklagenbildung der Nichtausschüttung von<lb/>
Genussrechten usw. diese rd. 4 Mia S durch Abtretung von Aktien<lb/>
von derzeit 5 % Landesanteil auf 25 % abgegolten werden könnte<lb/>
Ich erkläre sofort, dass ich zu einer so weitgehenden Verhand<lb break="no"/>lung weder ermächtigt bin noch die entsprechenden Unterlagen habe.<lb/>
Hier wird vor allem ein angekündigter Brief, den Rohent<lb break="no"/>wurf hat mir <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> vorher gegeben, an die Verbund wie versprochen<lb/>
in kürzester Zeit vorgelegt. Mein Haupteinwand ist, dass es<lb/>
unmöglich sein wird, die jetzt vom Land notwendigen<lb/>
und ihrer Auffassung nach berechtigten Belastungen der Ill-Werke<lb/>
auf die Stromabnehmer in diesem Fall den deutschen RWE rheinisch<lb break="no"/>westfälischen und EVW Energieversorgung Schwaben zu überwälzen.<lb/>
Da mit Sicherheit nicht anzunehmen ist, dass die Deutschen akzeptie<lb break="no"/>ren, wird es zu einem Schiedsgericht, wie im Vertrag vorgesehen,<lb/>
kommen. <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> bezeichnet den 1952 abgeschlossenen Vertrag zwischen<lb/>
<pb n="22-0933" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0933.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Österreich und den deutschen Abnehmern als einen Wiedergut<lb break="no"/>machungsvertrag. Er gibt mir aber sofort zu, dass die Schieds<lb break="no"/>klausel, die diesen Vertrag vorsieht, für uns nicht sehr<lb/>
günstig ist. Sollten sich nämlich über die Zusammensetzung<lb/>
des Schiedsgerichtes Vertragsteile nicht einigen, dann wird<lb/>
der dritte Schiedsrichter, einen ernennt die österr. Republik<lb/>
den zweiten die Deutschen, von der Schweizer Bankgesellschaft<lb/>
nominiert. <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> befürchtet nun auch, dass dort der Einfluss der<lb/>
Deutschen stark genug ist, dass ein Schiedsrichter bestimmt wird,<lb/>
der sicherlich nicht für uns entscheidet. <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> kündigt in<lb break="no"/>direkt an, ohne dass er dies expressis verbis sagt, dass das<lb/>
Land auf Grund seines Landesvertrages gegebenenfalls gegen den<lb/>
Bund vorgehen wird. Bis zum Jahre 1967 hat es eine öffentliche<lb/>
Verwaltung bei den Illwerken gegeben und der Bund haftet deshalb<lb/>
für die Einhaltung der Verträge. Daraus ersehe ich, dass<lb/>
zwischen <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> und <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs>, der natürlich auch für diese<lb/>
Zeit verantwortlich ist, ein starker Gegensatz bestehen muss.<lb/>
Durch die Nichtausschüttung der Genussrechte fühlt sich das<lb/>
Land benachteiligt und möchte jetzt in patriotischer Vorarl<lb break="no"/>berger Manier alle die sich dem entgegengestellt haben oder<lb/>
den Vertrag nicht so ausgelegt haben, dass eben zu dem Genuss<lb break="no"/>recht des Landes es kommt, jetzt eines auswischen. Inter<lb break="no"/>essant ist auch, dass auch Dr. <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> von uns eine ähnliche Stel<lb break="no"/>lungnahme einnimmt, er allerdings motiviert, dass endlich der<lb/>
unbefriedigende Zustand geklärt werden muss, damit die<lb/>
Gesellschaft weitere Bauten und Finanzierungen vornehmen kann.<lb/>
Hier geht es vor allem einmal um einen weiteren Ausbau der<lb/>
Ill durch Waldau. Durch einen Kanal soll die Lünerseegruppe<lb/>
noch über Rodund bis Nenzing verlängert werden und dort<lb/>
glaube ich auch ein 400 MW-Werk errichtet. Die dafür notwendige<lb/>
Mittel sollen eben durch Kapitaleinschüsse des Landes, wel<lb break="no"/>ches zuerst aber aus den Illwerken die notwendigen Mittel her<lb break="no"/>ausnimmt, finanziert werden. Wie weit so etwas überhaupt den<lb/>
Deutschen angelastet werden kann, weil nur über diesen höhe<lb break="no"/>ren Preis resp. Nachzahlung könnte ja die Finanzierung ge<lb break="no"/>sichert werden, ist mir heute mehr denn je schleierhaft.<lb/>
Ich fürchte, dass die Vorarlberger hier einem Wunschdenken<lb/>
nachlaufen. Allerdings besteht eine riesige Gefahr, dass<lb/>
der Vertrag vielleicht durch eine extreme Auslegung doch<lb/>
eine solche Auffassung ermöglichen würde, was bedeutet,<lb/>
<pb n="22-0934" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0934.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass man auf alle Fälle dann mit dem Land sich einigen müsste.<lb/>
Allerdings setzt dies voraus, dass vorher ein wirkliches<lb/>
Schiedsurteil vorliegt. Angeblich hat die Finanzprokuratur<lb/>
dem Grunde nach nicht bezüglich des Zeitpunktes und damit der<lb/>
Höhe die Forderungen des Landes anerkannt. Hier werde ich mich<lb/>
mit diesem Problem noch sehr eingehend auseinandersetzen müssen.<lb/>
Ich selbst habe nichts anderes zugesagt als dass ich abwarte,<lb/>
bis die Unterlagen des Landes bei der Verbund vorliegen, von uns<lb/>
geprüft werden können und dann eine weitere Aussprache in Wien mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> führen werde. Am liebsten wäre es den Vorarlbergern, wenn wir<lb/>
bis zu ihrer 50-Jahrfeier der Illwerke im Herbst bereits so weit<lb/>
sind, dass man mit den Deutschen reden könnte. Die Vorarlberger<lb/>
geben aber selbst zu, dass vorerst aber zwischen Bund und Land<lb/>
eine einvernehmliche Linie festgelegt werden müsste. Eine solche<lb/>
erscheint mir, selbst wenn ich das Gutachten der Finanzprokuratur<lb/>
als Grundlage anerkenne, was ich bis jetzt noch nicht getan<lb/>
habe, vollkommen unmöglich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte wir müssen den ganzen Komplex im<lb/>
kleinsten Kreis fraktionell besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_11">Ausser dieser elektrizitätswirtschaftlich wichtigen Frage war noch<lb/>
der Steinbruch Dornbirn, der politisch eine Problematik darstellt.<lb/>
In der Nähe dieses Steinbruches hat die Vorarlberger Wohnbaugesell<lb break="no"/>schaft, die natürlich vom Land und damit von den Schwarzen geführt<lb/>
wird, eine Siedlung Bremenmahd errichtet. Durch die Sprengungen<lb/>
aber vor allem einmal auch durch den Abbau entsteht eine ungeheure<lb/>
Lärm- und Staubplage. Die Bevölkerung hat sich unter Führung<lb/>
eines jetzt pensionierten aber dem ÖAAB angehörigen Herrn <rs type="person" ref="#per__147383">Muxl</rs><lb/>
für eine Stillegung des Steinbruches ausgesprochen. In der Sied<lb break="no"/>lung selbst sind, wie mir unser ehemaliger Landesobmann von<lb/>
der Gewerkschaft der Lebens- und Genussmittelarbeiter <rs type="person" ref="#per__140884">Masal</rs><lb/>
sagte, zu 80 % Genossen. Zumindestens haben sie <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
gewählt. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat mir sofort erklärt, dass eine Stillegung äus<lb break="no"/>serst schwierig ist und wahrscheinlich jahrelang der Prozess dauern<lb/>
würde. Es besteht kein Zweifel, dass die Firma auf alle Fälle<lb/>
zu dem Höchstgericht, nämlich Verwaltungsgerichtshof<lb/>
als ausserordentliches Rechtsmittel geht. Der Bezirkshauptmann<lb/>
aber, mit dem ich lang und breit konferierte und der auch eine<lb/>
eingehende Besichtigung nachher mitmachte, sieht keine Möglich<lb break="no"/><pb n="22-0935" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0935.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>keiten, den Steinbruch zu schliessen. Der Bezirkshauptmann ist<lb/>
so ein Schwarzer, sagt man mir, dass wenn er von einem Sessel<lb/>
aufsteht, ein schwarzer Fleck zurückbleibt. Nach der <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schläger</rs>-Wahl hätte er fast einen Herzinfarkt bekommen. Der<lb/>
Bürgermeister von Dornbirn <rs type="person" ref="#per__97360">Bohle</rs>, ebenfalls natürlich ein<lb/>
prononcierter ÖVP-ler hat nun, um die Leute zu beruhigen, immer<lb/>
wieder gegen den Steinbruch Stellung genommen. Nun versuchte er<lb/>
die Bevölkerung sehr geschickt gegen den Steinbruch aufzubringen,<lb/>
indem er erklärte, man hätte noch Verständnis, wenn die Steine<lb/>
für Vorarlberg oder gar vielleicht für Dornbirn gebrochen<lb/>
werden, jetzt aber gehen sie ins Ausland. Über diesen Tat<lb break="no"/>bestand war ich nicht genau informiert und daher fast in<lb/>
einer Klemme. Bei der Bürgerversammlung hat er damit riesigen<lb/>
Applaus bekommen, wobei sich allerdings noch während der<lb/>
Versammlung herausstellt, dass er demagogisch argumentiert.<lb/>
Der Firmenvertreter erklärt mir, er könne sofort in seinen<lb/>
Büchern nachsehen, er hätte nichts anderes als sogenannte Wasser<lb break="no"/>steine, das sind ungefähr sehr grosse Brocken und machen 5 %<lb/>
seines Umsatzes aus, in die Schweiz exportiert. Hätte er diese<lb/>
Wassersteine ebenfalls noch zerkleinert, was ohne weiters<lb/>
technisch möglich ist, dann wären weitere Bohrungen und Spren<lb break="no"/>gungen notwendig gewesen. Eine weitere Belastung für die<lb/>
Bevölkerung, Da ich natürlich in meiner Art nicht anfangs dema<lb break="no"/>gogisch sofort wie der Bürgermeister versuchte, die Stimmung<lb/>
der Versammlung, die übrigens mit ca. 30 Leuten von Siedlern<lb/>
besucht waren, dazu kamen noch die Arbeiter des Steinbruches<lb/>
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ich erwartet hatte, anfangs eine Sachverhaltsdarstellung, wie<lb/>
wir sie vom Handelsministerium sahen, nur gab, war <rs type="person" ref="#per__97360">Bohle</rs> mit<lb/>
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der Diskussion aber gelang es mir, die Bevölkerung davon zu über<lb break="no"/>zeugen, dass das Verschulden nicht bei der Bundesregierung oder<lb/>
gar bei mir sondern ausschliesslich beim Land resp. bei der Ge<lb break="no"/>meinde liegt. Niemals hätte dort eine Siedlung errichtet werden<lb/>
dürfen. Dies wäre ideales Industriegelände gewesen. Nebenan<lb/>
übrigens würde sogar eine Pepsi-Cola-Fabrik errichtet und<lb/>
auch andere Textilbetriebe. Hier hat die Gemeinde, da sie<lb/>
keinen Flächenwidmungsplan erstellte, grosse Fehler be<lb break="no"/>gangen, Die Firma aber und das habe ich dort angeprangert<lb/>
hat sich nicht an die Auflagen des Bescheides gehalten.</p><pb n="22-0936" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0936.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_12">Als Entschuldigung führte der Firmensprecher lauter junge<lb/>
Leute vor, dass <choice><choice><sic>ie</sic><corr>die?</corr></choice></choice> für den Bahnhof <choice><choice><sic>Wolfrum</sic><corr>Wolfurt?</corr></choice></choice> über die Zeit ar<lb break="no"/>beiten mussten. In <choice><choice><sic>Wolfrum</sic><corr>Wolfurt?</corr></choice></choice> hätten nur 500.000 m3 Stein in<lb/>
dieses <choice><choice><sic>weche</sic><corr>?</corr></choice></choice> Gelände gebracht werden sollen und in Wirklich<lb break="no"/>keit sind es dann 700.000 geworden. Die Vorarlberger schwarze<lb/>
Siedlungsgenossenschaft, ein Landesabgeordneter war ebenfalls<lb/>
dort anwesend, erklärte, dass sie jetzt eine Rechtsanwalt<lb/>
beauftragt, um den Rechtsstreit besser führen zu können. Hier<lb/>
sah ich nun eine grosse Chance für einen vernünftigen Vorschlag.<lb/>
Ich erklärte, dass der Rechtsstreit zwischen Land und Stein<lb break="no"/>bruch ausgetragen wird und ich dann vielleicht in letzter<lb/>
Instanz zu entscheiden hätte. Ich hatte bereits beim<lb/>
Spitzen Eck, das ist ein Stückchen weiter nach Süden, allerdings<lb/>
in der Gemeinde Hohenems eine entsprechenden Rechtsstreit bei<lb/>
mir liegen und nun wird der Verwaltungsgerichtshof entscheiden,<lb/>
ich bin bereit, genau dieselben Masstäbe wie dort auch hier an<lb break="no"/>zulegen, d.h. es wird eine langwieriger Prozess werden. Dem<lb/>
Land habe ich neuerdings vorgeworfen und insbesondere dem Bezirks<lb break="no"/>hauptmann, dass ich bereits bei diesem Spitzen-Eck-Verfahren<lb/>
eine geologische Untersuchung der Wand mit genauen Angaben,<lb/>
damit man dann endgültig die Entscheidung treffen kann, verlangt<lb/>
habe. Bis jetzt ist dies nicht geschehen. Die Bewohner von<lb/>
Bremenmahd befürchten überdies, dass dem Steinbruch, den die<lb/>
Gemeinde Hohenems gleich neben der Steinbruch Söll in Dornbirn<lb/>
betreibt, mit dem Dornbirner Steinbruch zusammenwächst und dann<lb/>
eine riesige grosse Abbaufläche entsteht. Der Hohenemser Bür<lb break="no"/>germeister, ebenfalls natürlich ein prononcierter Schwarzer,<lb/>
der übrigens als Gegenkandidat gegen <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs> aufgetreten ist,<lb/>
hat nun sich gegen den Steinbruch Spitzes Eck, den die Tiefbau<lb/>
für aus Sicherheitsgründen und sonst wie ausgesprochen, gleich<lb break="no"/>zeitig aber den Gemeindesteinbruch Hohenems, der bis zum<lb/>
Dornbirner Gebiet hinragt, an die Firma Hohenberg verpachtet.<lb/>
Dort ist er bereit, jede Genehmigung zu akzeptieren, weil er<lb/>
aus dem Pachtschilling wahrscheinlich recht schöne Einnahmen<lb/>
hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Hier wäre interessant, von <rs type="person" ref="#per__137049">Winder</rs> zu er<lb break="no"/>fahren, was der Pachtertrag der Hohenemser<lb/>
aus dem Steinbruch ist.</p><pb n="22-0937" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0937.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_14">Nachdem ich zeitig früh bereits den Steinbruch besichtigt hatte,<lb/>
dort mir über die Lärmentwicklung ein Bild machen konnte, von<lb/>
Hausparteien sogar ersucht wurde, ihre Wohnungen zu be<lb break="no"/>suchen, was ich auch tat. andererseits aber von der Bewohnerschaft<lb/>
sofort erfuhr, dass sie zwar eine Stillegung des Steinbruches<lb/>
wünschen, ihn aber kaum erwarten, habe ich dann als Vermitt<lb break="no"/>lungsvorschlag vorgeschlagen, es soll zwischen der Firma und<lb/>
der Vertretung der Mieter eine heisser Draht gelegt werden,<lb/>
Sollte dann die Arbeiterschaft doch vielleicht den 6-Uhr Arbeits<lb break="no"/>schluss nicht einhalten, sollten besondere andere Vorkommnisse<lb/>
eine zusätzliche Belästigung der Bevölkerung darstellen, sollte<lb/>
z.B. die Sprengung nicht zeitgerecht den einzelnen Siedlern mitge<lb break="no"/>teilt werden können, dann müsste über diesen heissen Draht dies<lb/>
Unzulänglichkeiten sofort beseitigt werden. Beide Teile<lb/>
waren einverstanden und im Fernsehen hat dann sogar der Mieter<lb break="no"/>vertreter <rs type="person" ref="#per__147383">Muxl</rs>, obwohl er vorher noch hinwies, dass der Landes<lb break="no"/>hauptmann sehr viel Verständnis für ihre Probleme hat, doch<lb/>
anerkannt, dass der Vorschlag des Ministers ein sehr vernünftiger<lb/>
und guter und dass er hofft, dass jetzt eine Beruhigung eintritt.<lb/>
Interessant war nur, dass während der Diskussion, <rs type="person" ref="#per__147383">Muxl</rs> obwohl er<lb/>
dem ÖAAB angehört, erklärt, früher hätte sich niemand um ihn ge<lb break="no"/>schert, jetzt aber weil Landtagswahlen bevorstehen, hätten alle<lb/>
an diesem Problem ein Interesse. Er hat allerdings zugegeben,<lb/>
dass dies für mich nicht zutrifft. Bei mir hat er eine objektive<lb/>
Stellung seit eh und je seitdem er mich kennt und die<lb/>
Probleme an mich herangetragen hat, feststellen können. Aller<lb break="no"/>dings ist dies auch erst 14 Tage alt. Interessant für mich war<lb/>
nur, dass der Dornbirner Gemeindevertreter <rs type="person" ref="#per__140884">Marsal</rs> anwesend war,<lb/>
der sich besonders dieses Problems angenommen hatte. Von der<lb/>
Landespartei war niemand zu bemerken, Nicht, dass ich sie<lb/>
gebraucht hätte, nur war ich schon ein wenig überrascht, von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137049">Winder</rs> gar nichts zu hören oder auch nur eine Nachricht zu be<lb break="no"/>kommen. Ich hoffe, dass es uns gelungen ist, auch dieses Stein<lb break="no"/>bruchproblem jetzt in den Griff zu bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_15">Die Vorarlberger sind an und für sich sehr diskussionsfreudig.<lb/>
Dies konnte ich ausser bei der Bürgerversammlung im Rathaus auch<lb/>
bei einer Frühschoppenveranstaltung der soz. Partei in Hard<lb/>
feststellen. Dort erfuhr ich zu meiner grössten Verwunderung,<lb/>
dass in diesem verhältnismässig kleinen Nest schon 7 Minister der<lb/>
<pb n="22-0938" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0938.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Bundesregierung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> waren. Wie weit dieser Einsatz in Vorarl<lb break="no"/>berg sich auf lange Sicht rentiert, traue ich mir nicht zu<lb/>
sagen. Auf Wien umgelegt, müsste das bedeuten, dass sie in jeder<lb/>
grösseren Sektion ein halbes Dutzend Minister bereits hätten<lb/>
referieren müssen. Für mich war es daher auch selbstverständ<lb break="no"/>lich, dass ich vor dem Landtagsklub der soz. Partei ein Referat<lb/>
über die Preise hielt. Dieses aber ist mein Privatvergnügen, ich<lb/>
mache es gern, wenn ich schon so weit reise, bin aber nicht<lb/>
von der Wirksamkeit auch tatsächlich überzeugt. Wichtiger da<lb break="no"/>gegen war die Aussprache mit den Industriellen Vorarlbergs.<lb/>
Dort waren wieder nur ungefähr ein halbes Dutzend, aber ich<lb/>
hatte die Gelegenheit, mich mit ihnen über unsere Politik aus<lb break="no"/>einanderzusetzen. Sie haben zugegeben, dass bis jetzt alles<lb/>
in Ordnung ist, sie befürchten nur für die Zukunft, da die Orders<lb/>
nicht mehr so eingehen, wie das bis jetzt der Fall war, eine<lb/>
gewisse Rezession. Tatsache ist, dass ähnlich wie in Deutschland<lb/>
auch in Vorarlberg die Unternehmer scheinbar jetzt eine negative<lb/>
Wirtschaftsentwicklung erwarten. In Deutschland allerdings sind<lb/>
durch die Krise in der Autoindustrie und in der Bauindustrie<lb/>
teilweise auch in der Bekleidungsindustrie effektive konkrete<lb/>
Schwierigkeiten bereits vorhanden. Bei uns konnten wir dies<lb/>
alles noch entsprechend abwehren. Insbesondere beschwerten<lb/>
sie sich, dass sie von der Österr. Kontrollbank nicht die<lb/>
notwendigen Kredite für den Export bekommen. Ich erklärte<lb/>
sofort, ich werde mich mit <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>, resp. <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> in Verbin<lb break="no"/>dung setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte Exportfinanzierungsproblem in der Grund<lb break="no"/>satzgruppe besprechen und mich mit insbesondere <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> oder <rs type="person" ref="#per__111755">Castel<lb break="no"/>lez</rs> in Verbindung bringen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_17">Da die Steinbruchdiskussion bis 10 Uhr abends dauerte und ich<lb/>
am Vortag ebenfalls obwohl ich das Nachtmahl gestrichen hatte,<lb/>
mit den Industriellen bis 1/2 10 Uhr diskutierte, habe ich nur<lb/>
mehr den letzten Akt von Carmen gesehen. Dies war angeblich die<lb/>
erste Aufführung, wo es nicht geregnet hat und nicht unter<lb break="no"/>brochen werden musste. Ich glaube nur, dass eine solche Aufführung<lb/>
für die Seebühne keine ideale Lösung darstellt. Den meisten<lb/>
Applaus hatte ein Schwimmer auf dem Bodensee mit einer brennenden<lb/>
Fackel erzielen können. Daraus entnehme ich, dass die Leute, die<lb/>
dorthin kommen, einen Spektakel wollen. Feuerwerk, recht viel<lb/>
<pb n="22-0939" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0939.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ins Wasser schmeissen, Wasserspiele womöglich, das ist<lb/>
es, was die Besucher von einer Seebühne und deren Aufführung<lb/>
erwarten. Wenn ich mir vorstelle, was jetzt in den neuen<lb/>
Bauten, Festspielhaus, Seebühne usw. hineingesteckt wird,<lb/>
nicht zuletzt mit Hilfe des Bundes so kann ich nur wiederholen,<lb/>
dass wir für das Vorarlberger Land verhältnismässig gigantische<lb/>
Beträge aufwenden. Hier glaube ich, ist die Wiener Gemeinde<lb break="no"/>verwaltung insbesondere die verantwortlichen Politiker,<lb/>
beginnen dies ebenfalls jetzt nicht nur zu bemerken, sondern<lb/>
auch schon zu kritisieren, sehr benachteiligt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_18">Landestatthalter <rs type="person" ref="#per__97760">Müller</rs>, ein sehr gefinkelter Geschäftsmann,<lb/>
der gleichzeitig auch den Wirtschaftsbund vertritt und in<lb/>
der Landesregierung die Wirtschaftsfragen verhandelt, wollte<lb/>
von mir eine Zusage, dass sie ihre Leitungsrechte, 350.000 t<lb/>
Destillat über die Pipeline entnehmen können und mit einer<lb/>
deutschen Gesellschaft jetzt ausbeuten können. Die Idee ist,<lb/>
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deutsche Bohrgesellschaft in Vorarlberg versucht, eigene<lb/>
Gas- oder Ölquellen zu erschliessen und gleichzeitig auch<lb/>
eine Destillationsanlage mit den 350.000 t, die aus der Pipeline<lb/>
entnommen werden dürfen zu errichten. Die ÖMV hat sich bis jetzt<lb/>
sehr negativ verhalten, <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erklärte, er würde solche Bohrun<lb break="no"/>gen dann durchführen, wenn er alleiniger Gesellschafter ist.<lb/>
Und eventuell nur im Auftrag des Landes handelt. <rs type="person" ref="#per__97760">Müller</rs> be<lb break="no"/>hauptet nun, er hätte ein deutsches Konsortium, welches 90 %<lb/>
Risiko und Bohrungskosten übernimmt und das Land nur 10 % tra<lb break="no"/>gen müsste. Sollte der Versuch positiv enden, dann werden sich<lb/>
die Deutschen mit dem Land zu einer gemeinsamen Gesellschaft<lb/>
finden. Details allerdings seinen jetzt noch nicht<lb/>
vereinbart. Ich bin mir nicht ganz klar, ob es sich hier<lb/>
wirklich um ein seriöses Anbot handelt, oder ob das nur ein<lb/>
Druckmittel gegenüber der ÖMV sein soll. Auf alle<lb/>
Fälle habe ich mit <rs type="person" ref="#per__97760">Müller</rs> vereinbart, dass ich bevor er endgül<lb break="no"/>tige Schritte unternimmt, vorher noch mitsammen verhandeln<lb/>
werden. Er wird jetzt mit der ÖMV Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> konkrete<lb/>
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werden sich die beiden an mich wenden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_19"><rs type="person" ref="#per__97760">Müller</rs> hat dann auch noch darauf hingewiesen, dass die Schweizer<lb/>
ihre Bezugsrechte, die allerdings doppelt so hoch sind<lb/>
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die Schweiz gegen der Errichtung des Kernkraftwerkes in Rüthi<lb/>
ein wenig bekriegen, hält er es für ganz unmöglich, sich an<lb/>
dieser Destillationsanlage zu beteiligen. Wahrscheinlich wäre es<lb/>
aber sinnvoll gewesen, eine solche Destillationsanlage gemeinsam<lb/>
für die 800.000 t Schweizer Anteil und 350.000 t Vorarl<lb break="no"/>berger Anteil gemeinsam eine Lösung zu finden. Diese Mög<lb break="no"/>lichkeit ist vertan.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_20">Ein weiterer Streitpunkt ist, wie mir dann Landesrat <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs><lb/>
mit der Schweiz mitteilte, dass sie seit 1973 ein Gesetz<lb/>
beschlossen haben, wo zum Landschaftsschutz jemand der Schotter<lb/>
und Kies entnimmt, 15.- S pro t, das sind 27 S pro m3 zu<lb/>
bezahlen hat. Das Land gibt allerdings Ausnahmen, soweit<lb/>
es sich um volkswirtschaftlich notwendige Bauten handelt.<lb/>
wenn nun aber der Schotter oder Kies in die Schweiz exportiert<lb/>
wird, er kommt aus dem Wallgau, wo ungeheure Lagerstätten<lb/>
vorhanden sind, dann muss der Schweizer Importeur diese Abgabe<lb/>
bezahlen. Hier handelt es sich eindeutig um einen Verstoss<lb/>
gegen das GATT und die Schweiz hat deshalb auch schon Schritte<lb/>
unternommen. Angeblich liegt der ganze Akt bereits bei mir im<lb/>
Ministerium, ich habe versprochen, mir ihn im Detail anzusehen,<lb/>
empfahl nur der Landesregierung, wenn sie sich über die eine<lb/>
oder andere inländische auch eine solche Abgabe zu belassen<lb/>
und nicht immer die volkswirtschaftliche Notwendigkeit zu be<lb break="no"/>stätigen und die Abgabe rückzuvergüten. <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs> meinte, das<lb/>
könne man sich überlegen, wenn man nach Innerösterreich viel<lb break="no"/>leicht Kies liefert. Er wird sich allerdings noch einmal den<lb/>
Kopf zerbrechen, ob es nicht wirklich zweckmässig ist, die<lb/>
eine oder andere Lieferung auch in Vorarlberg mit dieser<lb/>
Abgabe zu belasten. Wieso ich von diesem Akt nichts bis<lb/>
jetzt erfahren habe, ist mir ein Rätsel. Das Haus weiss,<lb/>
dass ich nach Vorarlberg zur Messe-Eröffnung fahre, man kann da<lb/>
annehmen, dass ich mit diesem Problem konfrontiert werde.<lb/>
Ausserdem kriege ich die Angriffe auf alle Fälle bei der<lb/>
nächsten EFTA-Tagung, da mich <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> sicherlich an<lb break="no"/>sprechen wird oder zumindestens die Gefahr besteht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte untersuchen und klären, wieso ich<lb/>
bis jetzt nichts davon erfahren habe.</p><pb n="22-0941" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-24_0941.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-24_22">Mit den Fremdenverkehrsleuten wollte ich eine längere Aus<lb break="no"/>sprache haben, doch <rs type="person" ref="#per__97760">Müller</rs> hat sich interessanterweise dagegen<lb/>
gewendet und meinte, es genügt vollkommen, wenn ich mit dem<lb/>
Obmann der Fremdenverkehrssektion <rs type="person" ref="#per__137224">Beisteiner</rs> darüber spreche.<lb/>
Dieser hat mir dann ein Elaborat überreicht und ersucht, ob<lb/>
nicht eine Möglichkeit besteht, im Zuge der Offensive der Gast<lb break="no"/>lichkeit, die <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> vor einigen Monaten geprägt hat, die Alkohol-<lb/>
Sondersteuer zu erlassen. Ich verwies darauf, dass wir keine<lb/>
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               <persName><surname>Castellez</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>Direktor Kontrollbank</occupation>
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               <persName><surname>Cech</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>SC Energiesektion HM bis 1973</occupation>
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               <occupation>Obmann Sekt. FV HK Vbg.</occupation>
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               <occupation>Prof. Uni Wien, Experte f. Gesellschaftsrecht</occupation>
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               <occupation>Landesparteisekr. SPÖ Vorarlberg, LT-Abg., Landesrat</occupation>
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