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            <title type="main">Montag, der 22. Juli 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_01">Montag, 22. Juli 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_02">Der österr. Botschafter in Algerien <rs type="person" ref="#per__123818">Scheich</rs>, den ich gebeten<lb/>
habe, wenn er nach Wien kommt, sofort mit mir Kontakt aufzunehmen,<lb/>
erzählt mir, dass Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114676">Zuk</rs>, dem im BKA auch die Entwicklungs<lb break="no"/>hilfe untersteht ihm weitestgehende Unterstützung zugesagt hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114676">Zuk</rs> ist der Meinung, dass die Musterfarm, die die Algerier wün<lb break="no"/>schen um 5 – 10.000 Stück Zucht- und Nutzvieh nach Algerien lie<lb break="no"/>fern zu können, ohne weiteres möglich ist, zu errichten. Darüber<lb/>
hinaus meint er, <rs type="person" ref="#per__123818">Scheich</rs> sollte bei den Algeriern sich erkundigen,<lb/>
welche Ausbildungsmöglichkeiten sie sich vorstellen. Ich halte<lb/>
diese Vorgangsweise für absolut falsch, da die Algerier sofort<lb/>
ganz grosse Ziffern für Ausbildungswünsche mitteilen werden. Wir<lb/>
werden ihnen dann grosszügig vielleicht 10 Plätze für das TGM<lb/>
und vielleicht auch wo anders irgendwelche Lehrwerkstättenaus<lb break="no"/>bildungen anbieten. Die Algerier machen sich also Riesenhoff<lb break="no"/>nungen und dann kriegen sie nicht einmal einen Tropfen auf einen<lb/>
heissen Stein. Viel richtiger und <choice><choice><sic>reller</sic><corr>reeller?</corr></choice></choice> wäre es, gleich von vorn<lb break="no"/>herein zu sagen, wir haben 10 Plätze im TGM soundso viele Plätze<lb/>
in Lehrwerkstätten usw. Ich machte <rs type="person" ref="#per__123818">Scheich</rs> darauf aufmerksam,<lb/>
dass ich das Gefühl habe, hier wollen Beamte etwas vor sich her<lb break="no"/>schieben. Um die Gasverflüssigungsprobleme und den Gasbezug von<lb/>
Algerien zu vergrössern, habe ich <rs type="person" ref="#per__123818">Scheich</rs> mit dem Geschäftsführer<lb/>
der Austria-Ferngas, <rs type="person" ref="#per__114585">Schmidt</rs>, in Kontakt gebracht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Die Grundsatzgruppe sollte sich mit den Ent<lb break="no"/>wicklungshilfe-Problemen vom Standpunkt des Handelsministeriums<lb/>
und der konkreten Verträge und Geschäfte einmal beschäftigen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_04">Beim Jour fixe beginnt <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sofort mit der Zuckersituation. Auf<lb/>
meinen Vorhalt, die Industrie hätte die Versorgung als sie die<lb/>
20.000 t Export beantragte und genehmigt bekommen hat, für das<lb/>
Inland als sichergestellt bezeichnet, meint <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dies war<lb/>
nur bezüglich der normalen Versorgung und nicht, wenn Hamster<lb break="no"/>käufe einsetzen. Dr. <rs type="person" ref="#per__137164">Hiller</rs> vom Zuckerverband und gleichzeitig<lb/>
auch der Exponent und Sprecher der Zuckerindustrie, da derzeit<lb/>
alle Funktionäre auf Urlaub sind, will eine Rationierung zuerst<lb/>
sogar eine Bewirtschaftung mit Abgabe von Marken, dann eine<lb/>
Kontingentierung, d.h. 85 % der beantragten Auslieferungsmengen<lb/>
für die Grosshändler, resp. Weiterverarbeiter, und erklärt,<lb/>
<pb n="22-0917" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-22_0917.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass er eine Pressekonferenz machen wird. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst ist über<lb/>
diese Entwicklung sehr unglücklich, da <rs type="person" ref="#per__137164">Hiller</rs> scheinbar in der<lb/>
Handelskammer nicht den besten Ruf hat. Da auch die Presse sich<lb/>
immer mehr auf die Zuckerversorgung stürzt, fürchte ich, dass<lb/>
früher oder später doch eine Hamsterwelle einsetzt. Ich habe des<lb break="no"/>halb nachmittags zuerst mit <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs>, <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> die Situation<lb/>
besprochen. <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs> selbst glaubt, dass er imstande ist, 15.000 t<lb/>
von den Ungarn Anfangs September von der neuen Kampagne Zucker zu<lb/>
bekommen. Österreich müsste dann von seiner Ernte 30.000 t zurück<lb break="no"/>verkaufen. Da Vorkampagne-Zucker aber teurer ist als Nachkampagne-<lb/>
Zucker, müsste man grössere Beträge für dies Abwicklung bereit<lb break="no"/>stellen. <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs> möchte nun, dass die ca. 100.000 t Zucker, die noch<lb/>
lagern, wenn jetzt sofort der Zuckerpreis erhöht wird, abgeschöpft<lb/>
werden und dies ergäbe 50 – 60 Mill. S, die für diese Transaktion<lb/>
zur Verfügung stünden. Ich habe auch dann anschliessend mit <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitsch<lb break="no"/>ka</rs> und <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> die Situation besprochen. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> steht nach wie<lb/>
vor auf dem Standpunkt, dass die nur ein Bluff ist, die Versor<lb break="no"/>gung nicht so schlecht sein kann und die Zuckerindustrie nur die<lb/>
Preiserhöhung will. Das letztere stimmt sicher, das erstere aber<lb/>
ist ein Fehlurteil von ihm. Da der Weltmarktzuckerpreis wesent<lb break="no"/>lich höher ist wird die weiterverarbeitende Industrie nach wie<lb/>
vor um 6.18<add>[6.15?]</add> S Fabrikabgabepreis von Österreich für Zucker von<lb/>
dort den ganzen Zucker, den sie verarbeitet, kaufen und exportieren.<lb/>
Ich habe auch in der Ministerratsvorbesprechung mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> gespro<lb break="no"/>chen und dann sogar über die Situation referiert und mich ermächtigen<lb/>
lassen, gegebenenfalls über Nacht einen Zuckerpreis festzusetzen.<lb/>
Nachdem der Rundfunk bereits eine solche Reportage über Zuckerpreise<lb/>
und Versorgungslage geführt hat und jetzt die Zeitungen anfangen,<lb/>
dieses Problem aufzugreifen, fürchte ich, dass tatsächlich eine<lb/>
Hamsterwelle einsetzen könnte. Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> wird<lb/>
untersuchen lassen, ob tatsächlich eine Abschöpfung möglich ist.<lb/>
Ich selbst habe grosse Bedenken, weil auch seinerzeit bei der Ab<lb break="no"/>schöpfung für Getreidepreiserhöhung bei den Mühlen der Verwaltungs<lb break="no"/>gerichtshof dann die Verordnung aufgehoben habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Lass bitte von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> die Rechtsauffassung<lb/>
prüfen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_06"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> fürchtet, dass mit den MOG im Winter wieder die Preisrege<lb break="no"/>lung gekoppelt wird und wir dadurch eine stärkere Verhandlungs<lb break="no"/>position haben. Ich erkläre ihm rundwegs, dass ich persönlich<lb/>
<pb n="22-0918" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-22_0918.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gar keinen Wert darauf lege, dass eine Koppelung erfolgt, weil<lb/>
die MOG wesentlich anders gestartet werden müssten, dh. in<lb/>
sich selbst ausgeglichen sein müssten. Nicht die Koppelung,<lb/>
Sozialisten wünschen Preisregelung, ÖVP Marktordnung ist der<lb/>
richtige Weg sondern die Marktordnung muss auch für die Konsu<lb break="no"/>menten erträglich und daher akzeptabel sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_07"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ersuchte um ein Sonderkontingent für die Salzburger<lb/>
und Vorarlberger 125 Jahre Handelskammer bei Verleihung von Kom<lb break="no"/>merzialratstiteln. Wien hat dafür 15 Stück bekommen, Burgenland<lb/>
seinerzeit für 50 Jahre 6 Stück. ich verspreche, mich mit Bundes<lb break="no"/>präsident <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sofort ins Einvernehmen zu setzen und<lb/>
dieses Sonderkontingent zu erbitten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte Termin mit Büro vom Bundespräsi<lb break="no"/>dent <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> vereinbaren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_09"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat einen Waschzettel, wo er über die Freihandelszonen<lb break="no"/>regelung bzw. Zollsenkung für Griechenland und Türkei erinnert<lb/>
wird, gibt allerdings selbst zu, dass derzeit der denkbar<lb/>
ungünstigste Zeitpunkt ist, mit mir darüber zu reden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte lass untersuchen, ob dies überhaupt<lb/>
noch zeitgemäss ist, resp. einmal sein wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_11">Der Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie beschwert<lb/>
sich bei <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> über das hohe Salami-Kontingent. In Ungarn be<lb break="no"/>trägt es 330 t in Rumänien 130 t und in Italien von 90 t in<lb/>
Accordino sind fast 70 t Salami. Eine Einschränkung kommt ja<lb/>
keinesfalls in Frage und ich erkläre, dass im Gegenteil die Messe<lb break="no"/>kontingente und sonstige Beschränkungen aufgehoben resp. zu<lb break="no"/>mindestens kontingentmässig aufgestockt werden müssten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Lasse im Haus einen entsprechende Plan auf<lb break="no"/>stellen, wie wir weiterhin vorgehen sollten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_13">Am meisten empört ist <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass wir der Fa. Tagger doch<lb/>
nun den § 58 – Staatswappen verliehen haben. Er meinte, die Han<lb break="no"/>delskammer hätte dies abgelehnt, was ich bestätigte und sogar<lb/>
im Präsidium hätte man darüber gesprochen und <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> sei<lb/>
über den Verleihungsakt auch nicht sehr glücklich. Ich versichere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass nach einer Rücksprache mit der Handelskammer<lb/>
<pb n="22-0919" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-22_0919.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>man von dort zwar keine Zustimmung bekommen hat, doch man zur<lb/>
Kenntnis genommen hat, dass die Aktlage eine solche Verleihung<lb/>
verlange. Ich habe weder eine positive noch negative Weisung ge<lb break="no"/>geben, sondern nur ersuchte, man sollte jetzt endlich, nachdem<lb/>
selbst der Fachverband Nahrungs- und Genussmittelindustrie be<lb break="no"/>stätigt hat, dass eine Verleihung möglich ist, eben diese Ver<lb break="no"/>leihung wegen der Grösse als Mischfutterwerk erfolgte. Ich habe<lb/>
bei der Auszeichnung sogar auf diese Entwicklung besonders hin<lb break="no"/>gewiesen</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte kläre aktmässig, mit wem in der<lb/>
Bundeskammer vom Haus gesprochen wurde, resp. wie sich das Ge<lb break="no"/>spräch abwickelte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_15"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> teilt mir mit, dass er sich wegen der Erlassung einer<lb/>
Verordnung gegen Rhodesien-Exporte verschweigen werde. Unbedingt<lb/>
wünscht aber die Handelskammer, dass jetzt endlich Südafrika<lb/>
aus der Diskussion herausgehalten wird. Dies bezieht sich na<lb break="no"/>türlich auf der VÖEST-Alpine-Geschäft. Ich hatte mit <rs type="person" ref="#per__133641">Kirchweger</rs><lb/>
eine längere Aussprache, der mir alle Unterlagen jetzt endlich über<lb/>
dieses Geschäft zur Verfügung stellte Bis jetzt habe ich es immer<lb/>
bedauert, dass die VÖEST zwar eine entsprechende Unterstützung durch<lb/>
mich erwartet, aber eine Information im Detail unterlassen hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133641">Kirchweger</rs>, der früher bei der ÖIAG war und jetzt in der VÖEST<lb/>
schön langsam eine Position einnimmt, ein guter Mann, hat engstens<lb/>
Kontakt-Interesse mit mir. Bei der Ministerratsvorbesprechung hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dieses Problem angeschnitten und meinte richtig, dass<lb/>
es nicht im Ministerrat selbst offiziell zur Sprache kommen<lb/>
soll. Er hat gegen das Geschäft grösste Bedenken, weil er dadurch<lb/>
befürchtet, dass die Schwarz-Afrikaner noch mehr gegen die<lb/>
Österreicher nicht zuletzt in der UNO im Sicherheitsrat auf<lb break="no"/>treten werden. <rs type="person" ref="#per__97587">Jankowitsch</rs>, unser Vertreter, hat den schwierig<lb break="no"/>sten Stand. Andererseits gibt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu, dass ein Verbot dieses<lb/>
Geschäftes kaum mehr möglich ist. Er meint, am besten wäre es,<lb/>
der ÖIAG mitzuteilen, es soll noch einmal geprüft werden, ob<lb/>
die VÖEST gar keine andere Möglichkeit hat, insbesondere wäre<lb/>
zu prüfen, ob nicht ein anderes, schwarzafrikanisches Land<lb/>
dieselben Möglichkeiten bietet. Er verweist auch, dass die<lb/>
VÖEST seinerzeit in Formosa unbedingt ein Stahlwerk liefern<lb/>
wollte und dann sehr froh war, dass letzten Endes aus aussen<lb break="no"/><pb n="22-0920" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-22_0920.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>politischen und Risikogründen dieses Geschäft nicht zustande<lb break="no"/>kam. Er fragt mich sofort um meine Meinung und ich erkläre<lb/>
ihm, dass nach meinem Wissen ein anderes schwarz-afrikanisches<lb/>
Land nicht in Frage kommt. Die VÖEST hat ausserdem soweit es<lb/>
irgend möglich war, schon ganz gute Geschäfte Geschäfte auch<lb/>
mit Schwarz-Afrika getätigt. Die Kombination Kohle und Erz<lb/>
ist in Südafrika nur vorhanden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erklärt, dass die VÖEST<lb/>
für Formosa 150 Mill. S Abstandsgeld für die Nichtausführung des<lb/>
Stahlwerkes bekommen hat. Für die Regierung wird sich erst das<lb/>
Problem ergeben, wenn die Bundeshaftungen angesprochen werden.<lb/>
Ich erkläre auf die ideologische Seite will ich gar nicht ein<lb break="no"/>gehen, <choice><choice><sic>hrier</sic><corr>hier?</corr></choice></choice> habe ich mit meinem Söhnen schon wegen Griechenland<lb/>
Steyr-Daimler-Puch-Investition und vielen anderen autoritären<lb/>
Staaten immer dieselbe Diskussion. Im Grunde genommen erklä<lb break="no"/>re ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, haben sie vollkommen recht, weil auch er meint,<lb/>
sein Sohn und auch die Kritiker links von uns haben vollkommen<lb/>
recht in dieser Frage. Meine Entschuldigung dafür ist eben der<lb/>
Sachzwang in dem wir uns befinden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird, da ja nur<lb/>
er gefragt wurde, ich selbst habe keine offizielle Forderung<lb/>
zur Stellungnahme von niemandem bekommen, der ÖIAG die neuer<lb break="no"/>dings positive Überprüfung empfehlen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> legt in die<lb break="no"/>ser Frage und auch in allen anderen bei der Ministerratsvorbe<lb break="no"/>sprechung grössten Wert, meine Meinung zu hören und ist äusserst<lb/>
wohlwollend. dies erklärt sich daraus dass er von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> immer<lb/>
hört, wir sollen mit dem Schmäh aufhören, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärt,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> sei de beste Vertreter der Handelskammer in der<lb/>
Regierung und ich erkläre ihm immer, ich hätte nicht das Ohr<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. Auch <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> erklärt mir immer wieder, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114511">Muliar</rs> und andere, die mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> Kontakt haben, immer wieder<lb/>
feststellen können, wie er meine Tätigkeit besonders heraus<lb break="no"/>streicht. Nicht, dass mir dies unangenehm wäre, stelle ich<lb/>
doch aber immer wieder richtig, damit man nicht meinen Ein<lb break="no"/>fluss in der Regierung überschätzt, welche Möglichkeiten ich habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_16"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> berichtet mir auch z.B. dass er mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vereinbart hat,<lb/>
dass die 76 Mill. S, die für die Stärkeförderung fast eine<lb/>
gesetzliche Notwendigkeit ist, unbedingt im Budget bleiben<lb/>
müssten und dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> damit einverstanden ist. Von den<lb/>
Beamtenverhandlungen weiss ich aber, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> einen wesent<lb break="no"/>lichen Abstrich von 48 Mill. vornehmen will. Ich erkläre<lb/>
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Zuckeranordnung auf 1.000 S Erinnerungspost resp. Ansatz im<lb/>
Budget zurückgehen will, kann er dies bei allen gesetzlichen<lb/>
Verpflichtungen ohne weiters machen um solche Positionen braucht<lb/>
man nicht streiten, da ähnliche wie bei der Bergbauförderung dann<lb/>
eben die notwendigen Mittel automatisch bekommen muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_17">Die Handelskammer wird einer Erhöhung der Zollfreieinfuhren von<lb/>
1.00<add>[1.000?]</add> auf 3.000 S für EFTA- und EG-Staaten zustimmen. Ich höre<lb/>
zum ersten Mal, dass der Finanzminister scheinbar eine solche<lb/>
beabsichtigt. Dies auf EWG- und EFTA-Staaten zu beschränken, be<lb break="no"/>deutet nur verhältnismässig komplizierte Administration.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte diese Reiseverkehrerleichterungen als<lb/>
Ganzes einmal in der Grundsatzgruppe besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_19">Die Handelskammer wird, wie mir <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ankündigt, im Handelsmini<lb break="no"/>sterium beantragen, dass jetzt die Strumpfhoseneinfuhr weltweit durch<lb/>
Verordnung festgelegt werden soll. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sofort,<lb/>
ich halte diese Vorgangsweise für falsch, da auch seinerzeit bei<lb/>
den Streichhölzern wegen Schweden innerhalb 8 Tagen diese Verord<lb break="no"/>nung wieder aufgehoben wenden musste.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Die Grundsatzabteilung muss sich sofort mit<lb/>
diesem Problem beschäftigen und versuchen, die Handelskammer über<lb/>
die Unzweckmässigkeit zu überzeugen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_21">Beim Journalistengespräch hat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> beabsichtigt, einen Waschzettel<lb/>
über die Fremdenverkehrspolitik insbesondere die Einstellung von<lb/>
Krediten und sonstigen Unterstützung für Neubauten erwähnt. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs><lb/>
macht mich noch zeitgerecht aufmerksam, dass es unzweckmässig ist,<lb/>
eine solche Erklärung bereit jetzt abzugeben und vor allem, die<lb/>
beabsichtigte Aussprache zu einer Zeit zu machen, wo ich mich be<lb break="no"/>reits im Urlaub befinde, abzuhalten. Wenn bei dieser Fremdenver<lb break="no"/>kehrsenquete und <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hat vollkommen recht, das bleibt nicht im<lb/>
kleinen Kreis und vertraulich sondern geht sofort in die Öffent<lb break="no"/>lichkeit, ich nicht anwesend bin, wird man erklären, ich hätte da<lb break="no"/>für kein Interesse. Ich teile deshalb <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> mit, dass der Wasch<lb break="no"/>zettel nicht verteilt werden soll und dass ich Samstag/Sonntag<lb/>
von meinem Urlaub opfere und dafür die Besprechung in Innsbruck<lb/>
selbst leite. In der Fraktionsbesprechung mit den FV-Verantwortlichen<lb/>
<pb n="22-0922" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-22_0922.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der Länder erkläre ich das steuerliche Programm <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und<lb/>
die Forderung des Freien Wirtschaftsverbandes über Aussetzung<lb/>
der Vorauszahlung im 3. Quartal. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, mit dem ich dann<lb/>
über diesen Punkt noch Kontakt aufnehme, spricht sich ganz<lb/>
entschieden dagegen aus, weil er meint, hier irrt <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs>,<lb/>
wenn er dieselbe Situation wie bei der Maul- und Klauenseuche<lb/>
annimmt. Dort war ein Dorf vollkommen abgeschnitten, hier kann<lb/>
es vereinzelte Rückgänge im Fremdenverkehr geben, die wenn sie<lb/>
nachgewiesen werden sollten, sowieso vom Finanzamt berück<lb break="no"/>sichtigt werden müssen. Eine generelle Erklärung aber würde<lb/>
nicht in Frage kommen, da <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hier vollkommen richtig meint,<lb/>
dies hiesse, dass man die tatsächliche Situation mit einer Situation<lb/>
der Maul- und Klauenseuche vergleichen könne, was sicher nicht<lb/>
zutrifft. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hat beim Pressegespräch nur allgemeine An<lb break="no"/>deutungen gemacht und ich habe dann bei der Fraktion die Konzep<lb break="no"/>tion grösserer Werbeeinsatz, Moratorium für die Kreditnehmer,<lb/>
wenn sie tatsächlich nicht imstande sind, die Raten zurückzuzahlen,<lb/>
hier muss man nur vorsichtig sein, damit nicht dann, wenn dies<lb/>
publik wird, alle sofort erklären, sie können nicht mehr Kredite<lb/>
zurückzahlen, und vor allem auch das Bestreben, eine neue Fremden<lb break="no"/>verkehrsgesinnung bezüglich der Preise und Leistungen zu erreichen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs>, der Sekretär unserer fraktionellen Arbeitsgruppe, wird<lb/>
eine Zusammenfassung aller Punkte machen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, als Vorsitzender<lb/>
schlägt vor, dass insbesondere <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, den wir jetzt auch in diese<lb/>
Fraktionsgruppe aufgenommen haben, auch bei der Aussprache in<lb/>
Innsbruck ein Co-Referat halten soll. Ich möchte überhaupt, damit<lb/>
nicht das Ganze in das Fahrwasser der Oppositionspartei-Anhänger<lb/>
gerät, dass wir einige Kurz-Referenten bestellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte besprich mit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, wer dafür in Frage<lb/>
kommt und welches Thema der Referent behandeln soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_23">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann noch berichtet,<lb/>
dass der britische Botschafter ihn ersuchte, ob in Wien nicht<lb/>
die Verhandlungen zwischen Griechenland und der Türkei und Gross<lb break="no"/>britannien stattfinden könnten, um den Waffenstillstand in einen<lb/>
dauernden Friedenszustand zu verwandeln. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat sofort zu<lb break="no"/>gestimmt, die Griechen haben sich aber scheinbar dagegen ausge<lb break="no"/>sprochen, da Genf jetzt gewählt werden <choice><choice><sic>woll.</sic><corr>soll? will?</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> meint, dies<lb/>
sei auch deshalb zu erwarten, weil Genf bedeutet, dass das Ganze<lb/>
<pb n="22-0923" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band22/22_1974-07-22_0923.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>im Rahmen der UNO abgewickelt wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stellt fest, dass<lb/>
Griechenland auch deshalb wahrscheinlich gegen Wien ist, weil<lb/>
wir Österreicher das Vorgehen der Putschisten verurteilt haben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> meint, dass – wenn Wien bereits eine UNO-Stadt durch das<lb/>
UNO-Zentrum wäre, wir bessere Chance gehabt hätten. Dem stimmt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_24"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilt mit, dass der Hamburger Presseball voriges Jahr<lb/>
mit den Franzosen gemeinsam und heuer mit den Österreichern<lb/>
gemeinsam abgehalten werden soll. Zu diesem Zweck müssten mehrere<lb/>
Bundesminister nach Hamburg fahren. Als er mich vorschlug, erklär<lb break="no"/>te ich sofort, ich gehe in Österreich auf keinen Ball, daher auch<lb/>
nicht in Hamburg. Den Hamburgern wird trotzdem mitgeteilt, dass<lb/>
mehrere Minister kommen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_25"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ersucht, er möchte mit mir dann sprechen will aber bereits<lb/>
jetzt, dass wir nach Ägypten eine grössere Wirtschaftsdelegation<lb/>
unter meiner Führung schicken. Ich erkläre mich dazu bereit,<lb/>
weil ich sowieso einen Vertrag abschliessen und unterschreiben<lb/>
muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band22_1974-07-22_26"><rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> berichtet, dass der Krisengroschen jetzt um 3 Groschen mit<lb/>
l. Juli für die Bauern erhöht wird, weil gleichzeitig auch eine<lb/>
Erhöhung 3 Groschen des Bundeszuschusses auf Grund unserer letzten<lb/>
Vereinbarung bedeutet. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> meint noch, einer der nichts zu reden,<lb/>
hatte, hat sich dort der Stimme enthalten. Richtig ist, dass<lb/>
Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> die Vereinbarung zwar nicht unterschrieben<lb/>
hat, aber natürlich als Bauernvertreter fungierte. Die Bauernfunktio<lb break="no"/>näre nämlich, die unterschrieben haben, waren bei der Sitzung gar<lb/>
nicht anwesend. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> berichtet auch, dass nun das Depot für Milch<lb/>
und Molkereiprodukte aufgehoben ist und für die Nutz- und Zucht<lb break="no"/>rinder von 50 auf 25 % herabgesetzt wird. Durch die Inlandsaktion<lb/>
glaubt er 5.000 Stück Rinder wegzubringen und dadurch sogar noch<lb/>
dem Staat, da keine Exportunterstützungen dafür bezahlt werden müs<lb break="no"/>sen, Millionen zu ersparen. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> kündigt aber vor allem an, das<lb/>
die Zuckerernte sich diesmal um 3 Wochen verspäten wird. Nach<lb/>
seiner Information wird statt am 20. Oktober frühestens im<lb/>
Anfang November die Zuckerkampagne beginnen. Ein weiteres grosses<lb/>
Minus für die zu erwartende Entwicklung auf dem Zuckerpreissektor.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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