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            <title type="main">Mittwoch, der 17. Juli 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_01">Mittwoch, 17. Juli 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_02">Herr <rs type="person" ref="#per__116354">Balock</rs> von der Firma Beukelaer, Amstetten und der Bürgermeister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97828">Pölz</rs> reagierten auf unsere Preissenkungsaufforderung ganz eigenartig.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116354">Ballock</rs> möchte mit dem Handelsministerium ein gutes Einvernehmen und<lb/>
hat deshalb meine Aufforderung nicht glattweg abgelehnt, er meinte<lb/>
nur, daß die Verpackung in der letzten Zeit von 17 bis 21 % gestiegen<lb/>
ist was für ihm allein eine Verteuerung 4 % auf den Großhandelsabgabe<lb break="no"/>preis ausmacht. Er könnte aber sofort eine entsprechende Preissenkung<lb/>
starten wenn das Finanzministerium ihm seine Backfette zollfrei ein<lb break="no"/>führen ließe. Mit Unilever hat er einen langfristigen Vertrag von<lb/>
8.50 Schilling für das Kilogramm gehabt. Nur die letzten 60 Tonnen<lb/>
wollte Unilever nicht ausliefern doch Beukelaer mit seinen internationa<lb break="no"/>len Beziehungen Unilever dazu gebracht, daß diese in Wien intervenierte<lb/>
und dann tatsächlich auch obwohl der Tagespreis bereits mehr als das<lb/>
vierfache ausmachte, erzwingen können, daß der Kontrakt tatsächlich<lb/>
eingehalten wurde. Jetzt aber muß er zusätzliche Fettmengen wesentlich<lb/>
teurer einkaufen. Allerdings gibt er zu, daß er dank seines Mutter<lb break="no"/>hauses noch immer unter dem Tagespreis von 34.50 Schilling bleibt.<lb/>
Er importiert aus der Bundesrepublik Deutschland so 20.-- bis 22.-- S<lb/>
und inkl. Fracht und Zoll und sonstige Spesen stellt sich dieses<lb/>
Fett für ihn auf 28.-- Schilling. Hier gibt es also beim besten Willen<lb/>
keine Möglichkeit vom Finanzministerium eine Zollfreistellung der<lb/>
Zoll beträgt 12 %, zu erreichen. Allerdings sieht dies bei den Spezial<lb break="no"/>fetten Olio-Fett wo der Zoll sogar 22 % beträgt aus.Ihr Spezialrinder<lb break="no"/>fett wird nirgends in Österreich erzeugt und der Preis ist von 9.-- auf<lb/>
20.-- Schilling gestiegen. Da hier keine inländische Erzeugung vor<lb break="no"/>liegt, müßte es möglich sein, die 22 % ige Zollbelastung zu reduzieren<lb/>
vielleicht gegebenenfalls sogar zu beseitigen. In diesem Fall würde<lb/>
Beukelaer sogar den Preis um 3 % senken können, Zollbelastung beträgt<lb/>
nämlich angeblich 3 Millionen Schillinge. Bei dem Umsatz von 130<lb/>
Millionen und einer Exportquote von 40 Millionen ist dies ein ganz<lb/>
beträchtlicher Kostenfaktor. Ich verwies ihm darauf, daß er mit<lb/>
unserer Unterstützung über den Fachverband der Nahrungs- u.Genußmittel<lb break="no"/>industrie Dr. <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs> entsprechende Anträge stellen soll. Interessant<lb/>
ist, daß Beukelaer für diese Zollsenkung seinen Rechtsanwalt in Wien<lb/>
eingeschaltet hat. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es tatsächlich<lb/>
zielführend ist, wenn ein Rechtsberater diese Aktivität entfaltet.</p><pb n="21-0894" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-17_0894.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_03">Natürlich wird der Rechtsanwalt die rechtliche und formelle<lb/>
Seite genau kennen. Geholfen hat diese Vorgangsweise aber schein<lb break="no"/>bar bis jetzt nichts. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> hat es übernommen, die Firma bei uns<lb/>
im Haus entsprechend zu unterstützen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_04">Der ägyptische Botschafter <rs type="person" ref="#per__140332">Gohar</rs> der natürlich unbedingt eine<lb/>
grössere Wirtschaftsdelegation Österreichs nach Kairo zustande<lb/>
bringen möchte hat mir mitgeteilt, daß er insbesondere zwei Projekte<lb/>
für sehr zielführend sieht. Ägypten hat grosses Interesse an<lb/>
nahtlose Stahlrohre und Elektromotore. Im laufe der Besprechung<lb/>
wurde dann trotz der sprachlichen Schwierigkeit festgestellt, daß<lb/>
ich selbstverständlich bereit bin, zur Vertragsunterzeichnung nach<lb/>
Kairo zu fahren und gegebenenfalls entsprechende Experten von<lb/>
Firmen mitnehme. Hauptproblem wird nur die Terminfrage sein. Im<lb/>
Herbst werden wir grössere Aktivitäten allein schon durch das<lb/>
Budget im Parlament haben und daher mein Terminkalender sehr be<lb break="no"/>schränkt. Es bleibt wahrscheinlich nur der September und Oktober<lb/>
da erst am 22. die Nationalratssaison eröffnet wird. Dann habe ich<lb/>
noch die Möglichkeit in der Woche zu fahren wo die Finanzausschuß<lb break="no"/>beratungen stattfinden, da mein Kapitel zum Schluß dran kommen soll.<lb/>
Für die restliche Zeit des Jahres bleiben dann nurmehr die Sitzungs<lb break="no"/>freien Wochen des Nationalrates.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte Parlament abstimmen soweit Präsidial<lb break="no"/>beschlüsse bereits vorliegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_06">Ein Mitarbeiter des ORF bei Autofahrer unterwegs <rs type="person" ref="#per__114626">Schrenk</rs> möchte die<lb/>
Sendung neu gestalten u.zw. als "Quer durch Österreich". Ihm<lb/>
schwebt vor, daß viel mehr der Fremdenverkehrs eingeschaltet werden<lb/>
soll. Er meint, man könnte in jedem Bundesland in jedem grösseren<lb/>
Fremdenverkehrsort einmal eine solche Sendung ausstrahlen. Er hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> angeblich ein vollkommenes Konzept überreicht. Da er sich<lb/>
als Genosse und Bildungsreferent in einer Sektion dazu berufen<lb/>
fühlt. Richtig ist eines, daß durch die ORF-Diskussion und die zu<lb/>
erwartende Umgestaltung jetzt eingefahrene Geleise wahrscheinlich<lb/>
bis zum letzten und kleinsten Mann neue Ideen hervorbringt. Dies<lb/>
betrachte ich als eine positive Seite der Rundfunkdiskussion und<lb/>
Reorganisation allerdings bin ich genau so überzeugt, daß andererseits<lb/>
viele utopische Ideen und viele persönliche ehrgeizige Pläne jetzt<lb/>
zur Diskussion gestellt werden. Der Leiter der Sendung <rs type="person" ref="#per__122954">Niesner</rs> machte<lb/>
diese seit 17 Jahren, ich selbst hab einige Male daran teilgenommen.<lb/>
Im ÖMV- Vortragssaal in der Taborstraße sitzen so 10 bis maximal<lb/>
50 ältere Frauen, hören sich dort die Plauderei an, zwischendurch<lb/>
<pb n="21-0895" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-17_0895.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>werden Schallplatten gespielt und die Sendung hat ein ganz<lb/>
bestimmtes Niveau. Sicherlich für junge Leute, wie <rs type="person" ref="#per__114626">Schrenk</rs> ein<lb/>
erschreckender Zustand. Sicherlich könnte man auch für den<lb/>
Fremdenverkehr viel dabei an Werbung und Hinweise in die Sendung<lb/>
einbauen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__114626">Schrenk</rs> nur gleichzeitig gesagt, daß ich<lb/>
keinerlei finanzielle Möglichkeiten habe, die Sendung zu subventionie<lb break="no"/>ren. Er mußte zugeben, allerdings nach einem Nebensatz, wahrschein<lb break="no"/>lich hat er gar nicht bemerkt wie wichtig diese Aussage für mich war,<lb/>
daß wenn Inku-Teppiche in der Sendung aufscheinen, sie sofort<lb/>
100.000 Schilling dafür zahlen müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_07">Mit Dr. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> ÖIAG besprach ich die Konzeption der Verstaatlichten.<lb/>
Insbesondere interessierte mich die Idee der ÖIAG, die Kohlenbergwerke<lb/>
die GKB und WTK zusammenzufassen. Die SAKOG als dritte Gesellschaft<lb/>
scheidet deshalb aus weil dort der Staatsanteil nur 40 % beträgt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> ist sich vollkommen klar darüber, daß in diesem Falle nicht<lb/>
einmal eine riesige Kostenersparnis zu erreichen ist. Ich hatte<lb/>
seinerzeit diese Idee von den Kohlenfachleuten prüfen lassen und<lb/>
alle haben mir mitgeteilt, daß es hier nur zu einer weiteren Ver<lb break="no"/>teuerung der Kosten kommt und keinesfalls durch die Konzentration<lb/>
WTK, GKB eine wirkliche Verbilligung erreicht werden kann. Der<lb/>
Plan ging ursprünglich von Gen.Dir. WTK <rs type="person" ref="#per__134311">Zeiringer</rs> aus, damals<lb/>
sagten mir die Genossen nichts als ein persönlicher Vorteil für<lb/>
den schwarzen Direktor, der eben seinen Einfluß vergrössern möchte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_08">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>: Bitte laß die seinerzeitigen Unterlagen von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> sowie die Besprechungen noch einmal zusammenstellen, vielleicht<lb/>
ergibt sich jetzt ein anderes Bild über die Konzentration WTK, GKB.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_09"><rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> und <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> lehnen eine Beteiligung einer Fachgewerkschaft<lb/>
bei Besprechungen in Ministerien berechtigter Begründung ab. Sie<lb/>
sagen, soweit sie bis jetzt, aus welch Gründen immer, gezwungen<lb/>
waren, z.B. die Bauarbeiter zu solche Besprechungen zuzuziehen<lb/>
oder vielleicht sogar die Unternehmer Gewerkschaftsvertreter wie<lb/>
bei den persönlichen Dienstleistungen mitgenommen haben, die Er<lb break="no"/>gebnisse der Verhandlungen verheerend gewesen sind. Verständlich<lb/>
haben die Gewerkschaftsvertreter niemals die wahrscheinlich extreme<lb/>
Stellungnahme des Gewerkschaftsbundes oder der Arbeiterkammer<lb/>
akzeptiert, die Folge davon war, daß der Eindruck entstand, wahr<lb break="no"/>scheinlich sogar der begründete Eindruck, daß die Fachgewerkschafts<lb break="no"/>vertreter mit dem Unternehmer gemeinsam eine Linie oder sogar Front<lb/>
bezogen. Aus diesen Gründen lehnen sie auch eine Beteiligung von<lb/>
<pb n="21-0896" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-17_0896.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><rs type="person" ref="#per__137946">Schuster</rs>, dem Fachgruppensekretär für die Konservenarbeiter ab.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137946">Schuster</rs> hatte mich ersucht, ich sollte ihn persönlich zu einer<lb/>
nächsten Sitzung ins Handelsministerium einladen. Ich hatte zwar<lb/>
diesen speziellen Gesichtspunkt nicht genug berücksichtigt, aber<lb/>
rein aus freundschaftlichen Gründen weil ich ein überfahren weder<lb/>
der Arbeiterkammer noch des Gewerkschaftsbundes wollte, man soll<lb/>
die Vertreter fragen. Für <rs type="person" ref="#per__137946">Schuster</rs> wird dies eine schwer Ent<lb break="no"/>täuschung sein, vielleicht wird er sogar glauben, und dies gar<lb/>
nicht so zu unrecht, daß.ich hier als schwacher Minister ein Ein<lb break="no"/>vernehmen versuche, was ich als Hausherr eigentlich gar nicht<lb/>
notwendig hätte. Trotzdem erscheint mir die Argumentation vom<lb/>
Gewerkschaftsbund und Arbeiterkammer als absolut richtig obwohl<lb/>
ich persönlich ich es früher anders gehandhabt habe. Wenn Gewerk<lb break="no"/>schaftsvertreter bei Verhandlungen gewesen sind, habe ich, selbst<lb/>
wenn es sich um Spitzenfunktionäre der Fachgewerkschaft gehandelt<lb/>
habe, immer wieder versucht und auch erreicht, sie von meiner<lb/>
Argumentation so zu überzeugen, daß sie niemals sich auf Seite<lb/>
der Unternehmer klar deklarieren konnten. Das einzige, was sie<lb/>
gegebenenfalls machen konnten, wenn sie nicht mit mir selbst<lb/>
argumentiert haben, daß sie schwiegen, Wenn meine Argumente als<lb/>
Interessensvertretung nicht stark genug sind, die davon Betroffenen<lb/>
zu überzeugen, dann steht es in meinen Augen eigentlich schlecht<lb/>
um die Argumentation der Interessensvertretung sei es die Arbeiter<lb break="no"/>kammer oder ÖGB.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-17_10">Im Bundesrat stand unter einer riesigen Tagesordnung nur die Ver<lb break="no"/>längerung des Preisbestimmungsgesetzes für mich auf der Tages<lb break="no"/>ordnung. Ich war aber trotzdem überrascht als am zweiten Tag<lb/>
am späten Nachmittag erst die Debatte über diesen Punkt begann.<lb/>
Ausserdem meldeten auch dort sich so viele Redner wie im Nationalrat.<lb/>
Und die Debatte war noch kampfbetonter fast würde ich sagen dema<lb break="no"/>gogischer als im Nationalrat und als ich sie erwartet hatte.<lb/>
Insbesondere unser letzter Redner <rs type="person" ref="#per__140837">Remplbauer</rs> hatte sich aus der<lb/>
Nationalratsdebatte und wahrscheinlich auch aus sonstigen Unter<lb break="no"/>lagen eine sehr gut aufgebaute und zusammengestellte Rede vorbereitet.<lb/>
Da fielen die demagogischen Ausführen von Dr. <rs type="person" ref="#per__140838">Pitschmann</rs>, den<lb/>
Agrariern <rs type="person" ref="#per__109291">Schreiner</rs> und <rs type="person" ref="#per__146077"><choice><choice><sic>Bars</sic><corr>Pabst</corr></choice></choice></rs> [evtl. Falschidentifikation, Anm.] sehr ab. In meinen Debattenbeitrag<lb/>
ging ich natürlich auch insbesonders auf Detailangriffe ein, die<lb/>
ganze Rede war daher ein bisschen wenig systematisch, dafür aber<lb/>
mit Details so fundiert ausgestattet, daß die ÖVP kaum etwas dagegen<lb/>
erwidern konnte. Selbstverständlich reagierte ich auch auf ent<lb break="no"/><pb n="21-0897" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-17_0897.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sprechende Zwischenrufe. Da der Bundesrat ja unter Ausschluß der<lb/>
Öffentlichkeit faßt tagt. Die Zeitungen kaum etwas darüber be<lb break="no"/>richten, weder das Fernsehen noch der blinde Bruder, d.h. das<lb/>
Radio anwesend ist, und darüber Informationen verbreitet, geht<lb/>
dies wirklich ganz unter. Der Bundesrat ist aber immer sehr er<lb break="no"/>freut, wenn Minister bei den Tagesordnungspunkten anwesend sind.<lb/>
Früher einmal, wahrscheinlich aus den Gründen, weil sich eben<lb/>
niemand über den Bundesrat kümmert, war es ganz selten, daß ein<lb/>
Minister beim Bundesrat erschienen ist. Dies galt für die Koalitions<lb break="no"/>zeit aber auch für die ÖVP-Alleinregierungszeit. Wir haben dies<lb/>
1970 sofort geändert um dem Bundesrat unsere Reverenz als Regierung<lb/>
zu zeigen. Der jeweilige Vorsitzende begrüßt deshalb jeden erschienenen<lb/>
Minister und man bekommt was das Lustige ist, dann von beiden<lb/>
Fraktionen entsprechende Beifall, die sind wirklich noch dankbar,<lb/>
wenn sie einen Minister sehen. Trotzdem glaube ich, daß mein ur<lb break="no"/>sprünglicher schon in den <choice><choice><sic>50 iger Jahren</sic><corr>50er-Jahren</corr></choice></choice> schon entstandener Plan<lb/>
wahrscheinlich gar nicht von mir als Erstes richtig wäre, den Bundes<lb break="no"/>rat umzugestalten. Man behauptet, daß die Wirtschaftsverbände ins<lb break="no"/>besondere die Interessensvertretungen der Kammern viel stark im<lb/>
wirtschaftspolitischen aber auch im sonstigen politischen Leben<lb/>
Einfluß haben ohne eigentlich einer Kontrolle zu unterliegen.<lb/>
Ich habe deshalb immer die Meinung vertreten, daß es zielführender<lb/>
wäre, die zweite Kammer als Sitz der Wirtschaftsvertretung zu<lb/>
etablieren, dann würde in dieser die wirtschaftspolitische Diskussion<lb/>
oder wenn man so will, die Diskussion über alle Gesetze vom mehr<lb/>
wirtschaftlichen Standpunkt aus und deren Beschlußfassung dort<lb/>
eine bessere Gewähr der Mitwirkung dieser bedeutenden Kräfte ge<lb break="no"/>geben sein. Im Detail habe ich mir dies allerdings nie überlegt<lb/>
weil der politische Widerstand innerhalb unserer Partei gegen meine<lb/>
Idee gigantisch gewesen ist. Man hat sofort eine solche Konstruktion<lb/>
als Ständestaat abgelehnt. Zum Unglück hat nämlich nach 1934 wahr<lb break="no"/>scheinlich auch schon vorher die Christlich-sozialen eine ähnliche<lb/>
Konstruktion auf ständestaatlichen Prinzipien aufgebaut, allerdings<lb/>
unter ganz anderen Voraussetzungen und ganz anderer politischer<lb/>
Konzeption wurde damit an und für sich glaube ich eine gute Idee<lb/>
zu Grabe getragen. Die Nachwirkung ist eine Diskriminierung dieser<lb/>
Idee und historisch bedingt unmögliche Situationen in dieser Generation<lb/>
das Problem innerhalb der Sozialdemokratischen Partei anderes zu<lb/>
sehen als unter den Ständestaaten. Damit ist selbst eine noch so<lb/>
gute Idee von vornherein zum Scheitern verurteilt. Man darf nämlich<lb/>
<pb n="21-0898" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-17_0898.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nicht vergessen, daß auch die Länder um ihre föderalistische<lb/>
Stärke zu halten auf alle Fälle für den Bundesrat in der jetzigen<lb/>
Zusammensetzung weiter sein würden und damit auch von dieser Seite<lb/>
ganz unabhängig ob schwarz oder rot oder blau ein kräftiger Wider<lb break="no"/>stand zu erwarten sei. Vielleicht auch bin ich all zu sehr aus der<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs>-<rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs>-Schule Sozialpartnerschaftlich beeinflußt, vielleicht<lb/>
sogar auch einseitig orientiert und sehe daher die Nachteile eines<lb/>
solches Systems nicht in der ganzen Grösse. Wahrscheinlich müßte<lb/>
man die ganze Konzeption Koalitionsregierung à la Schweiz <choice><choice><sic>Städte<lb break="no"/>staatliche</sic><corr>ständestaatliche?</corr></choice></choice> Kammer usw. viel eingehender diskutieren und Modell<lb break="no"/>mässig durchdenken. Da ich aber gar keine Chance einer Verwirklichung<lb/>
sehe meine ich, daß wir hier nicht viel Arbeitsaufwand in ein solches<lb/>
Konzept stecken sollen. Ich möchte diese Gedanken nur deshalb hier<lb/>
vermerken, weil ich die jetzige Konstruktion des Bundesrates wesent<lb break="no"/>lich anders ist als die Verfassung eigentlich erwartet. Der Bundes<lb break="no"/>rat soll die Länderinteressen vertreten und vertritt eigentlich ver<lb break="no"/>ständlicherweise die beiderseitigen Parteiinteressen. Im meiner<lb/>
Konzeption müßte es eigentlich klarere Fronten und verfassungsmäßig<lb/>
einwandfreiere Fronten geben. Natürlich würden dort die Arbeitnehmer<lb break="no"/>vertreter auch nach politischer Überzeugung entsprechend differenzierte<lb/>
Stellungnahmen zur einzelnen Wirtschafts- oder Sozialproblemen haben.<lb/>
Trotzdem wäre die Auffassung einheitlicher eben zwischen allen<lb/>
Arbeitnehmervertreter und Arbeitgebervertretern auf der anderen<lb/>
Seite als derzeit wo der Bundeslandvertreter niemals sich mit dem<lb/>
gegnerischen Bundeslandvertreter wahrscheinlich auch nur in einer<lb/>
einzigen Frage bis jetzt gefunden hat. Hier entschieden immer die<lb/>
Parteistandpunkte. Nicht daß ich Grund habe von sozialistischer<lb/>
Sicht her dieses System zu kritisieren, ganz im Gegenteil, bin ich<lb/>
immer sehr froh, dass in unserer Partei wesentlich weniger als bei<lb/>
der ÖVP die Landesinteressen durchschlagen. Unsere doch zentrali<lb break="no"/>stische Führung und unsere zentralistisch aufgebaute Partei hat<lb/>
hier einen wesentlich grösseren Vorteil als die dezentralisierte<lb/>
und insbesondere in den Ländern sehr stark verankerte Volkspartei.<lb/>
Vielleicht sollte aber auch hier der Grundsatz von dem ehemaligen<lb/>
Vizekanzler und Bundespräsidenten <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> gelten, der im kleinsten<lb/>
Kreis immer sagte, rührt mir nicht an der Verfassung. Diese Stellung<lb break="no"/>nahme bedingt zwar, dass er genau erkannte Verfassungskämpfe be<lb break="no"/>lasten ein Staatsgebilde ungeheuer oder ob diese Stellungnahme<lb/>
ausgelöst war von seiner Überzeugung, dass unsere Verfassung eine<lb/>
der besten ist, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall war in<lb/>
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wirklich gut, wenn sich an diesem Zustand nichts ändert.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 17.7.1974</head>
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               <occupation>Leiter vw. Abt. ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>Betriebsdir. De Beukelaer Amstetten (NÖ), vmtl. Falschschreibung
                  ("Poncelet"?)</occupation>
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               <occupation>erster ÖGB-Präs.</occupation>
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               <occupation>"Autofahrer unterwegs", ORF</occupation>
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