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            <title type="main">Montag, der 15. Juli 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_01">Montag, 15. Juli 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_02">Min.<add>[Rat]</add> <rs type="person" ref="#per__140870">Exner</rs> beschwert sich, daß <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> in einem Brief geschrieben<lb/>
hat wo er ihm eine Rüge erteilt, daß er seine Weisung nicht ein<lb break="no"/>gehalten hat. <rs type="person" ref="#per__140870">Exner</rs> war bei der letzten Aufsichtsratssitzung<lb/>
von der Verbund nicht anwesend hatte damit <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> vertreten,<lb/>
dies auch <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> bei einer Dienstbesprechung mitgeteilt und<lb/>
jetzt als er vom Urlaub zurückkommt, diesen Brief vorgefunden.<lb/>
Natürlich ist dieses Schreiben, da ein Akt darüber angelegt wurde,<lb/>
im ganzen Sektionsbereich bekannt. <rs type="person" ref="#per__140870">Exner</rs> sieht darin eine Diskri<lb break="no"/>minierung und wird gegen sich ein Disziplinarverfahren verlangen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140870">Exner</rs> kommt, um bei mir als Genosse Rat zu fragen, wie er sich<lb/>
verhalten soll. Ich schlage eine Aussprache vor falls es nicht<lb/>
gelingen sollte zwischen <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und ihm eine Einigung und eine<lb/>
Bereinigung der Angelegenheit zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__140870">Exner</rs> beschwert sich<lb/>
auch, daß alle einen Amtskalender bekommen nur er nicht. Ebenso<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> mit seiner Vertretung das letzte Mal einen ÖVP-Mann<lb/>
betraut anstelle die langjährigen Mitglieder der Sektion, die<lb/>
Genossen sind. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__140870">Exner</rs>, daß ich jederzeit bereit bin,<lb/>
bei Benachteiligungen von Bediensteten Aussprache mit den Sektions<lb break="no"/>leitern zu führen. Vorher bitte ich aber, daß man immer mit Ges.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> über diese Probleme spricht, der nicht nur mein vollstes<lb/>
Vertrauen hat sondern auch büromässig für alle Personalfragen<lb/>
zuständig ist. <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> erzählt mir anschliessend, daß <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> eine<lb/>
unglückliche Hand in der Personalführung hat, da er ständig Gott<lb/>
sei Dank nur mit einigen älteren Genossen der Sektion auf Kollisions<lb break="no"/>kurs gerät.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_03">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Vielleicht gelingt es dir, mit mehreren Aus<lb break="no"/>sprachen, daß so Kleinigkeiten wie Amtskalender, usw. zu verhindern,<lb/>
daß solche Dinge zu Verstimmungen führen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_04">Beim Journalistenfrühstück kann ich bereits die Urlaubszeit fest<lb break="no"/>stellen. Trotzdem glaube ich, wäre es gerade jetzt in der Urlaubs<lb break="no"/>zeit möglich und günstig eine richtiggehende Pressekampagne durch<lb break="no"/>zuführen. Die Zeitungen werden, wie dies alle Jahre der Fall war,<lb/>
in der Urlaubszeit nach jeder Nachricht begierig greifen. Das<lb/>
beste Thema wäre, die Preissenkungsaktion mit einigen laufenden<lb/>
guten Schlagern. Dies könnten besondere Preissenkungen von Firmen<lb/>
sein oder besondere Probleme. Ideal wäre natürlich, wenn man dabei<lb/>
gleichzeitig die Lösungsmöglichkeiten ankündigen könnte.</p><pb n="21-0880" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-15_0880.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte auch für die Zeit Mitte bis<lb/>
Ende August wo ich auf Urlaub bin<lb/>
etwas vorbereiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_06"><rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> berichtete, wie vereinbart über die momentane schlechte<lb/>
Situation im öst. Fremdenverkehr. Als wir dies am Freitag abends<lb/>
besprachen, hatte ich keine Ahnung, daß Samstag, Sonntag das<lb/>
ungeheure Verkehrschaos durch den starken Grenzüberschreitungs<lb break="no"/>verkehr eintreten würde. Leider wissen wir derzeit nicht, ob es<lb/>
sich hier nur um durchreisende Gastarbeiter ausschließlich handelte<lb/>
oder nicht doch um eine Fremdenverkehrslawine, die jetzt von Bundes<lb break="no"/>republik Deutschland über Österreich nach Italien und Jugoslawien<lb/>
sich ergießt. Wenn das letztere der Fall war, dann müßte schlag<lb break="no"/>artig sich die Situation verbessern. Ich habe mir aber nicht ge<lb break="no"/>traut, eine optimistische Prognose zu stellen, wie ich dies in<lb/>
den vergangenen Jahren immer wieder getan habe. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> appellierte<lb/>
ohne daß er mich vorher davon verständigt, an die Pressevertretern<lb/>
ja nicht jetzt Sensationsmeldungen aus dem Rückgang der Übernachtun<lb break="no"/>gen zu machen weil dies letzten Endes den Fremdenverkehr schädigt.<lb/>
Ich bin neugierig, wie weit sein Appell berücksichtigt wird. Aller<lb break="no"/>dings fürchte ich, wird mir niemand glauben, daß ich von diesem<lb/>
Appell nichts wußte und vor allem nicht dahinter stehe. Ich bin<lb/>
nämlich überzeugt, daß sich die Presseleute davon nicht beeindrucken<lb/>
ließen. Wenn es in ihr Konzept paßt, werden sie Sensationsmeldungen<lb/>
bringen, wenn es nicht in ihr Konzept paßt, hätten sie es sowieso<lb/>
nicht getan.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_07">Herr <rs type="person" ref="#per__146120">Brandner</rs> hat mit den internationalen Ölgesellschaften einen<lb/>
Vertrag, daß er von Schwechat donauaufwärts die schwarze Ware<lb/>
transportiert. Er möchte nun, wenn es irgendwie geht, verhindern,<lb/>
daß die ÖMV eine Pipeline nach dem Ennsergebiet baut, wo sie<lb/>
ein großes Lager errichtet. Nach seiner Meinung nach könnte die<lb/>
Schiffahrt die Transporte ohne weiters übernehmen. Er selbst hat<lb/>
jetzt einen ausgesprochenen Kampftarif erstellen müssen und bekommt<lb/>
nur 60 Schilling pro Tonne. Als er in dieses Geschäft eingestiegen<lb/>
ist hat er dafür 82 Schilling bekommen, trotzdem glaube ich, wird<lb/>
die ÖMV ihre Pipeline bauen und ich habe dies auch <rs type="person" ref="#per__146120">Brandner</rs> klar<lb/>
und deutlich gesagt. Vor allem war ich nicht bereit, ihm irgend<lb break="no"/>welche Zugeständnisse oder Versprechungen zu machen.</p><pb n="21-0881" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-15_0881.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_08">In der Presse habe ich gelesen, daß <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> aber auch in<lb/>
seinem Auftrag jetzt Landesrat <rs type="person" ref="#per__117875">Peltzmann</rs> mit einer deutschen<lb/>
Höchst-Tochtergesellschaft Verhandlungen über Verwertung der<lb/>
steirischen Kohle führt. Ich habe <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs>, der auch bei der Aus<lb break="no"/>sprache mit <rs type="person" ref="#per__146120">Brandner</rs> dabei war, ersucht, sofort Erkundigungen<lb/>
anzustellen, wieweit die Oberste Bergbehörde oder zumind. der<lb/>
Berghauptmann von der Steiermark, eingeschaltet sind und wie<lb break="no"/>weit sie davon überhaupt wußten. <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> ist der Meinung, daß es<lb/>
sich hier nur um eine Maßnahme handelt, denn bei den steir. Wahlen<lb/>
für die Bergarbeiter zu behaupten, alles geschieht für ihre<lb/>
Existenzsicherung und keinerlei konkrete Projekte dieser Idee<lb/>
zu Grunde liegen. Trotzdem ersuchte ich ihm, er möge mir ein ent<lb break="no"/>sprechendes Schreiben an <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> verfassen wo wir auf die Tatsache<lb/>
verweisen, daß ich mich immer bemühe mit dem Handelsministerium<lb/>
kooperierend mit allen Firmen und Landesregierungen zu arbeiten<lb/>
und daher mit befremden jetzt von der steirischen Aktion höre. Da<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149158">Rieder</rs> mit dem Berghauptmann, der versprechen wollte und keinen<lb/>
Termin bekam noch mit anderen Stellen des Ministeriums Kontakt<lb/>
aufgenommen wurde. Wieder einmal hat sich gezeigt, daß unsere<lb/>
Leute nicht informiert sind und sie nicht mich auf Probleme auf<lb break="no"/>merksam machen sondern umgekehrt, ich sie mit der Nase darauf<lb/>
stossen muß.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_09">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs> und <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte auch auf dem Energiesektor<lb/>
immer nach solchen politischen schwachen Punkten oder gar Gefahren<lb break="no"/>stellen besonderes Augenmerk zuwenden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_10">Bei der Besprechung über das Wiener Memorandum an denen alle<lb/>
wichtigen Stadträte der Gemeindeverwaltung, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, <rs type="person" ref="#per__97899">Fröhlich-Sandner</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs>, <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> auf unserer Seite Kreisky, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>, Moser, <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> und ich drängte <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> auf eine end<lb break="no"/>gültige Entscheidung der wichtigsten Punkte, dabei handelt es sich<lb/>
primär immer um finanzielle Fragen. Das Allg. Krankenhaus wird erst<lb/>
1982 fertig, derzeit gibt es neben den Spitzenausschuß in dem die<lb/>
Politiker vertreten sind eine Bauleitung, die sich ebenfalls<lb/>
paritätisch aus der Gemeine Wien und Bautenministerium zusammensetzt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> will nun die Bauleitung allein für die Gemeinde haben und <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs><lb/>
war sofort einverstanden, da er dort 17 Beamte gebunden hat, die in<lb/>
Wirklichkeit auch nichts anderes machen als den Baufortschritt nur<lb/>
aufhalten, indem sie womöglich über jedes Projekt und Detailprojekt<lb/>
genau diskutieren und womöglich nicht entscheiden. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> aber<lb/>
<pb n="21-0882" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-15_0882.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> wollten nun eine stärkere Verankerung vor allem<lb/>
im Spitzenausschuß weil dort ihrer Meinung die entsprechenden<lb/>
Beschlüsse über die Ausgestaltung des Krankenhauses fallen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ist sich vollkommen bewußt, und alle anderen Teilnehmer<lb/>
glaube ich auch, daß wenn das Krankenhaus dann eröffnet wird,<lb/>
es teilweise schon sehr veraltet sein wird. Sicher ist für<lb/>
mich eines, daß auch der Bauausschuß selbst das Spitzengremium<lb/>
dagegen kaum etwas unternehmen kann. Andererseits kann ich mir<lb/>
sehr gut vorstellen, wie die Beamten des Bautenministeriums ihre<lb/>
Bedeutung durch ununterbrochene Sitzungen, Besprechungen und<lb/>
letzten Endes doch mit ihrer Zustimmung gemachten Beschlüsse heraus<lb break="no"/>streichen wollen ohne daß damit wirklich etwas positives er<lb break="no"/>reicht wird. Daß <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> aber sofort darauf verzichtet hat, macht<lb/>
mich insofern stutzig, als er sich scheinbar nicht klar ist darüber,<lb/>
daß jetzt die Gemeinde Wien bei der Baudurchführung natürlich<lb/>
ausschließlich jetzt ihren Gesichtspunkt durchsetzen wird, wieweit<lb/>
dies nicht weitere Kosten verteuert, kann ich nicht sagen. Eines<lb/>
allerdings ist richtig, daß jetzt vielleicht doch positiver und<lb/>
schneller entschieden wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_11">Ein weiteres Problem war der Grundtausch zwischen Gemeinde Wien<lb/>
und Bund. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> urgierte, daß jetzt endlich die Kasernen den<lb/>
Gemeinden überantwortet werden sollen. Für Wien kommen drei in Frage<lb/>
von der für uns so interessanten Rennweger Kaserne soll die Hälfte<lb/>
jetzt endgültig dem Bund gegeben werden. Als neue Variante wurde<lb/>
dann ausserhalb der Sitzung zwischen <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs> überlegt<lb/>
ob man nicht die ersten zwei Stöcke mit Dienststellen und dann bis<lb/>
in den zehnten oder vierzehnten Stock hinauf, ich weiß nicht wie<lb/>
hoch sie bauen wollen und können, als Wohnhäuser Verwendung<lb/>
finden könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_12">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich glaube wir sollten einmal mit einem<lb/>
Fachmann alle Varianten durchbesprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_13">Eine lange Diskussion ergab sich über die Donauinsel. Bis jetzt<lb/>
hat Wien immer einen Kredit vom Wasserwirtschaftsfonds bekommen, die<lb/>
1971 beschlossene Drittelbeteiligung des Bundes aber stößt jetzt<lb/>
auf Schwierigkeiten. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> schlug vor, man solle eine Idealteilung<lb/>
vornehmen, wie dies beim Stadterneuerungsfonds als die <choice><choice><sic>Bastille</sic><corr>Bastei?</corr></choice></choice> ver<lb break="no"/>baut wurde vor hundert Jahren, die als Modell geschaffen wurde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte vorerst wissen, was auf der Insel gebaut werden<lb/>
soll und wieviel davon überhaupt die Bundesverwaltung braucht, da<lb/>
es sich um einen äußerst teuren Grund, der zentral gelegen ist,<lb/>
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andererseits muß jetzt einen endgültigen Bebauungsplan vor<lb break="no"/>legen damit die Architekten endgültig eine Gestaltung der<lb/>
Insel vornehmen können. <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs> meinte, daß wenn der Grund<lb/>
dort verkauft wird, so wird er sich sehr teuer stellen. Es<lb/>
ist zum Beispiel für die Unido ein Hotel zu errichten, der qm<lb/>
würde 10.000 Schilling kosten, wie der angebliche Preis für<lb/>
Hilton auf der Landstraße. Von den 4 Millionen qm wertvollen<lb/>
Baugrund der Insel sollen ca. 1 1/2 verbaut werden. Natürlich<lb/>
kann man nicht annähernd für den gesamten Grund solche Irrsinns<lb break="no"/>preise verlangen. Im ersten Wiener Memorandum wurde der Gemeinde<lb/>
für den Hochwasserschutz 680 Mill. Schilling auf 10 Jahre zugesagt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> schlug als Alternative vor, daß sie allein die Insel<lb/>
finanziell darüber hinaus die Mitteln aufbringen und der Bund<lb/>
damit auf den Einfluß und auf die dritte Möglichkeit verzichtet.<lb/>
Derzeit allerdings besitzt der Bund am Überschwemmungsgebiet ein<lb/>
Drittel, dieser Grund müsste irgendwie abgelöst werden, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mit Recht bemerkte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_14">Im Nahverkehr müsste jetzt endlich eine Sofortaktion starten. Haupt<lb break="no"/>sächlich handelt es sich um die Beschaffung von Waggons um den<lb/>
Ausbau der S-Bahn. Verstärkt soll die Prämie Meidling-Liesing<lb/>
werden, die ÖBB möchte bei dieser Gelegenheit gleich eine <choice><choice><sic>vier<lb break="no"/>bahnige</sic><corr>viergleisige?</corr></choice></choice> Strecke hinleiten, die S-Bahn Hauptzollamt-Schwechat<lb/>
die nach Strebersdorf und die nach Stadlau. Wichtig und sofort in<lb/>
Angriff genommen müsste die Station Großfeldsiedlung<lb/>
werden, dort gehen tausende Menschen seit Jahren über ein Provisorium.<lb/>
Alle diese Maßnahmen würden 1975 375 Mill. kosten. Nach Mitteilung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wurde in der Krainer-Hütte damals besprochen, jährlich<lb/>
von diesem Kraftstoffvertrag der Mineralölsteuer 400 – 500 Mill.<lb/>
Schilling für den Nahverkehr zur Verfügung zu stellen, wenn die<lb/>
Länder ein Drittel auch darauf zahlen. Die Wiener stehen nun<lb/>
auf dem Standpunkt, daß sie bereits 1 1/2 Milliarden Schilling<lb/>
Defizit der Straßenbahn übernehmen. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> wehrt sich dagegen, daß<lb/>
Mittel aus der Mineralölsteuer abzweigen sollen. Selbst die<lb/>
Beschlüsse in der Krainer-Hütte möchte er womöglich <choice><choice><sic>reassimieren.</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
<rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> hat diesbezüglich einen Brief an Kreisky geschrieben und<lb/>
darauf hingewiesen, daß wenn er, 400 Millionen jetzt für den<lb/>
Nahverkehr verliert 600 Millionen weil die Landwirtschaft jetzt<lb/>
eine höhere Vergütung bekommt die auch er aus der Mineralölsteuer<lb/>
bezahlen muß und 100 Millionen für die ÖBB abgezweigt wird, insgesamt<lb/>
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1975 ein weiteres Jahr keine weitere Strasse mehr beginnen<lb/>
könnte. Die Mineralölsteuer rechnet man, dass um 20 % weniger<lb/>
bringt und im nächsten Jahr soll es noch viel schlimmer werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> beharrte aber trotzdem und dies glaube ich sogar mit<lb/>
Recht darauf, dass unter allen Umständen für den Nahverkehr jetzt<lb/>
etwas gesehen muss. Insbesondere die Waggonindustrie könnte<lb/>
wie Min.Rat <rs type="person" ref="#per__126395">Halbmayer</rs> in Vertretung des Verkehrsministers <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs><lb/>
erklärte sofort 30 Waggons a 3 Mill. S der ÖBB liefern, wenn<lb/>
der Auftrag sofort ergeht, er meinte allerdings, dass dann erst<lb/>
in einigen Jahren der effektive Einsatz dieser Waggons kommen<lb/>
könnte, weil die Fabriken SGP und auch Jenbach so lange brauchen<lb/>
würden. Interessant war, dass auch die Beamten in anderen Mini<lb break="no"/>sterien entweder besser informiert sind wie die Politiker oder<lb/>
vielleicht wirklich nichts wissen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nämlich sagte, er<lb/>
hätte sowohl in Jenbach als auch in Wien bei der SGP festgestellt,<lb/>
dass die Firmen jetzt bereit Waggons fertigen, die die ÖBB weder<lb/>
bestellt hat noch eine andere Stelle in Auftrag gegeben hat.<lb/>
Die Waggonbetriebe haben daher auf Vorrat gearbeitet. Da<lb/>
die ÖBB fast 2/3 Waggons aus dem Ausland ständig leihen und schwer<lb/>
bezahlen muss, gibt dies einen riesigen Bedarf von der ÖBB.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_15">ANMERKUNG FÜR GRÜNWALD Was weiss unser Branchenreferat davon?</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-15_16"><rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> beschwerte sich ganz besonders, dass das seinerzeitige<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs>-<rs type="person" ref="#per__97922">Schmitz</rs>-Abkommen über die U-Bahn, wo man ungefähr Halbe/Halbe<lb/>
ausgemacht hat, durch den starren absoluten Betrag eine riesige<lb/>
Benachteiligung von Wien entsteht. Seither beträgt der Bundesan<lb break="no"/>teil nur mehr 12,5 %. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ohne auf die Details einzugehen<lb/>
sofort wieder einmal politisch richtige Entscheidung angedeutet,<lb/>
er meinte, im Nahverkehr müsste etwas geschehen, weil für die<lb/>
Nationalratswahlen 1975 dies von ausschlaggebendster Bedeutung ist.<lb/>
Wien hätte jetzt bei den Gemeinderatswahlen sehr gut abgeschnitten<lb/>
auch bei den Bundespräsidentenwahlen gigantische Erfolg erzielt.<lb/>
Wenn jetzt die Wiener nicht bemerken, dass vom Bund aus etwas<lb/>
für dieses Land geschieht, würden sie 1975 bei den National<lb break="no"/>ratswahlen nicht mehr so gut entscheiden. Bei der Donauinsel<lb/>
müssten man die Meinungsbildner versuchen zu Stellungnahmen auf<lb break="no"/>zufordern. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass ein Teil gegen<lb/>
<pb n="21-0885" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-15_0885.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Verbauung sein wird und Erholungslandschaft besonders heraus<lb break="no"/>streichen wird, ein Teil dagegen wird sehr wohl für eine Verbauung<lb/>
sein, dann allerdings wieder dem Bund womöglich vorwerfen, wie bei<lb/>
der UNO-City, Vergeudung zu betreiben. Wie immer letzten Endes<lb/>
die Meinungsbildner agieren werden, sie werden gegeneinander auf<lb break="no"/>treten und dann wird man erklären, die Regierung müsste eben<lb/>
jetzt mit der Gemeindeverwaltung entscheiden. In diesem Fall sei<lb/>
damit zu rechnen, dass man die Öffentliche Meinung dann nicht<lb/>
so schnell gegen sich bekommt. Mein Eindruck war, dass man bei dieser<lb/>
Besprechung so wie wahrscheinlich auch bei allen vorhergehenden<lb/>
zwischen Bund und Gemeinde Wien viel zu wenig konkrete Pläne als<lb/>
Grundlage gehabt hat. Ein Beispiel: Die ÖBB möchte jetzt in das<lb/>
Wiental-Becken, d.h. in die Stadtbahn eine S-Bahn reinlegen. Die<lb/>
Gemeinde Wien sagt, dann müsste für den schon fertigen Karlsplatz<lb/>
neu dimensionieren, weil dies nur für die U-Bahn-Höhe und -Grösse<lb/>
ausgelegt wurde. Hier hat sich eben wieder einmal für mich gezeigt,<lb/>
dass der Teufel im Detail steckt, dass man Entscheidungen getroffen<lb/>
hat, ohne diese Detailfragen vorher zu klären und man daher in Wirk<lb break="no"/>lichkeit in der Konzeption von vornherein dann im grossen verkehrs<lb break="no"/>politischen oder sonstigen Lösungen gebunden ist, weil eben Detail<lb break="no"/>fragen anders entschieden wurden als die grosse Konzeption jetzt<lb/>
notwendig machen würde. Natürlich versucht jeder Teil bei dieser<lb/>
Verhandlung seinen Standpunkt durchzusetzen und sein wie er glaubt<lb/>
optimalen Vorschlag zu verwirklichen. Dies geht allerdings meistens<lb/>
auf Kosten des anderen, Endergebnis ist, es entsteht hier eine<lb/>
Misstimmung bei den Beamten bereits, der sich letzten Endes bis<lb/>
zu den Politikern hinauf fortsetzt, Wien fühlt sich benachteiligt,<lb/>
der Bund fühlt sich übervorteilt und dann entsteht in Funktionärs<lb break="no"/>kreisen die Spannung zwischen Wien und Bund. Ein nicht sehr befrie<lb break="no"/>digendes Ergebnis. Auch dann, wenn es bei der Aussprache wie dieser<lb/>
überhaupt nicht zum Ausdruck gekommen ist. Wenn auch dieses Spitzen<lb break="no"/>gremium einen solchen Fehler zumindestens bei der offiziellen<lb/>
Sitzung niemals machen würde, hier gab es keine Spannung, hier<lb/>
gab es kein Missverständnis, hier gab es kein Gegeneinanderagieren<lb/>
so steht für mich fest, dass in der weiteren Folge und viel<lb break="no"/>leicht sogar bis zur Entscheidungsgremien ein solcher Spannungs<lb break="no"/>zustand derzeit besteht. Soweit ich dazu beitragen kann, werde ich<lb/>
mich natürlich bemühen, auch im Wiener Vorstand dagegen zu wirken.</p></div>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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