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            <title type="main">Mittwoch, der 10. Juli 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_01">Mittwoch, 10. Juli 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_02">Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs>, Landwirtschaftskammer, hat mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> scheinbar einen<lb/>
Mittwoch-jour-fixe. Da LWM <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> aber gleich ins Parlament fuhr,<lb/>
kam er überraschend zu mir, um die Getreidepreissituation zu be<lb break="no"/>sprechen. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> ist sehr unglücklich, dass bei der letzten Aus<lb break="no"/>sprache mit der Regierung nicht das zu erwartende Kompromiss von 25 g<lb/>
für den Weizen und 30 g für den Roggen vereinbart wurde. Er äusser<lb break="no"/>te sich sehr kritisch über die Haltung von Landesrat <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs>, der<lb/>
jedwedes Kompromiss, das unter 35 g lag, ablehnte. Präs. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs><lb/>
der sich auch nicht getraut, deshalb ein Kompromissangebot selbst von<lb/>
30 g zu machen. Scheinbar hat die ÖVP-Bauernführung geglaubt, dass<lb/>
ich nicht mich getraue 20 g Weizenpreiserhöhung durch Verordnung<lb/>
tatsächlich zu dekretieren. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> fürchtet nun, dass <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> die<lb/>
Futtergetreidepreise unverändert lässt. Nach seiner Auffassung<lb/>
müsste aber Mais und Gerste um 20 g und Hafer sogar um 30 g er<lb break="no"/>höht werden, wenn der Weizenpreis um 25 und der Roggenpreis um<lb/>
30 g angehoben wird. Ohne dass ich mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> eigentlich eine Ab<lb break="no"/>sprache gehabt habe, erklärte ich rundweg, dass hätte die ÖVP<lb/>
sich bei den letzten Verhandlungen nicht so stur gestellt, dann<lb/>
wäre ein solches Kompromiss tatsächlich möglich gewesen. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs><lb/>
wird versuchen, ein Verhandlungskomitee dazu zu bringen. Er gibt<lb/>
unumwunden zu, dass die Bauern, die vernünftig denken und mit ihm<lb/>
gesprochen haben, ein solches Kompromiss erwarten und akzeptieren.<lb/>
Er meint, dass die Scharfmacherei gar nichts bringt. Die Leute<lb/>
erwarten einen Erfolg. Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> im Parlament dann ge<lb break="no"/>sprochen und er hat mir dezidiert erklärt, er ist nicht bereit,<lb/>
über den Frachtausgleich eine Anhebung des Futtergetreidepreises<lb/>
zuzustimmen, wenn es nicht zu einem einvernehmlichen Kompromiss<lb/>
über die Brotgetreidepreise kommt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_03">Bei der Verhandlung mit dem ÖVP-Bauernbund, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sogar ur<lb break="no"/>sprünglich wieder absagen wollte, weil er im Haus erklärt hat, das<lb/>
Monopol des Bauernbundes ist gebrochen und er womöglich wieder<lb/>
mit allen Bauernverbänden Verhandlungen oder Besprechungen führen<lb/>
wollte, kam es natürlich zu keiner Einigung. Die freiheitlichen<lb/>
Bauern, LAbg. <rs type="person" ref="#per__122971">Zillner</rs>, hatten <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einen Brief geschrieben, wo<lb/>
er gegen die Preisfestsetzung von 20 g protestierte und natürlich<lb/>
<pb n="21-0863" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-10_0863.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wieder wesentlich höhere Preise verlangte, als der Bauernbund<lb/>
überhaupt nur bereit ist, mit uns auszuhandeln. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> machte<lb/>
den ersten Schritt, indem er 30 g Weizenpreiserhöhung anbot.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> steht auf dem taktisch richtigen Standpunkt, man darf nicht<lb/>
sofort eine entsprechende Vereinbarung treffen, es muss bei der<lb/>
Bauernschaft der Eindruck entstehen, dass zähe Verhandlungen ge<lb break="no"/>führt wurden. Die Sitzung wurde deshalb auf den nächsten Tag<lb/>
vertagt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_04">Im Klub referierte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die neue politische Situation.<lb/>
Da die Freiheitlichen sich dem Misstrauensvotum der ÖVP ange<lb break="no"/>schlossen haben, meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, müsste man jetzt auch gegen<lb break="no"/>über dieser Partei eine neue Taktik einschlagen. Die FPÖ hat<lb/>
damit zum ersten Mal gegen die Regierung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, d.h. eigentlich<lb/>
ja gegen ihn gestimmt, denn das Misstrauensvotum richtet sich<lb/>
nicht gegen die ganze Regierung sondern nur gegen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. Die<lb/>
SPÖ muss jetzt im Kampf gegen beide Oppositionsparteien erklären,<lb/>
dass es sich dabei aber nicht um einen Bürgerblock handelt.<lb/>
Der Bürgerblock würde heute nicht mehr die Bevölkerung abschrecken<lb/>
sondern ganz im Gegenteil, viele potentielle Wähler der Sozialisten<lb/>
in das Lager der ÖVP und FPÖ zurückführen. Wenn man sie als Bürger<lb/>
anspricht. Deshalb müsse die Taktik sein: Wer Freiheitliche wählt,<lb/>
wählt <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs>! Dass <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> diese Kurve genommen hat, führt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf zurück, dass er innerhalb seiner Partei grosse<lb/>
Schwierigkeiten hat. Immer wenn ein rechter Ansturm zu erwarten<lb/>
ist, dann muss <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> beweisen, dass er nicht auf die linke sondern<lb/>
zur rechten Seite hin tendiert. Die Rechten in seiner Partei<lb/>
würden am liebsten dieselbe Politik machen wie der FDP unter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140840">Mende</rs> in der BRD. Angeblich soll ein Plan existieren, dass <rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs><lb/>
als Parteiobmann nach Wien geht und dafür <rs type="person" ref="#per__112570">Hasiba</rs> in Graz Bür<lb break="no"/>germeister wird. Um diese innerparteiliche Opposition abzu<lb break="no"/>wehren, schwenkt <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> dann auf eine Rechtspolitik ein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_05">Ich berichtete ganz kurz über den Lebenshaltungskostenindex, der<lb/>
infolge des späten Erscheinens der Beamten im Statistischen Zen<lb break="no"/>tralamt vor 10 Uhr nicht zu erfahren war. Die 10,2 % Erhöhung<lb/>
gegenüber Vorjahr wurde dann aber durch die Rundfunkdebatte im<lb/>
wesentlichen viel stärker überdeckt als ich angenommen hatte.<lb/>
Im Institut versuchte ich mit der Arbeiterkammer <rs type="person" ref="#per__133326">Krämer</rs>, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> und ÖGB-<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> eine neue Aktion zu starten. Ich wollte<lb/>
<pb n="21-0864" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-10_0864.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und bin überzeugt, dass es notwendig ist, der Bevölkerung zu zei<lb break="no"/>gen, dass im Lebenshaltungskostenindex verhältnismässig hohe Preise<lb/>
durch die Erhebungsmethode eingehen. Am liebsten hätte ich einen<lb/>
Gegenindex auf Grund des Schemas vom Verbraucherpreisindex berech<lb break="no"/>net, dem die von uns in der Preissenkungsaktion festgestellten<lb/>
niedrigen Preise zugrundeliegen. Die Kollegen sind aber der Meinung<lb/>
dass die taktisch vielleicht günstig, statistisch aber falsch und<lb/>
optisch auch nicht allzu viel bringt. Wir einigten uns deshalb darauf,<lb/>
dass wenn die österr. Preise des Lebenshaltungskostenindexes für<lb/>
Juni vorliegen, wir dann eine sehr konkrete Gegenüberstellung<lb/>
von den Preisen, die auf Grund der Preissenkung sich ergeben, gemacht<lb/>
wird. Eine Gewichtung soll aber unterbleiben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte mit den Kollegen anfangs nächster Woche,<lb/>
wenn die Österreich-Preise vom Statistischen<lb/>
Zentralamt vorliegen, eine Besprechung anberaumen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_07">In der Paritätischen Kommission musste ich, da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf der<lb/>
Regierungsbank sass, den Vorsitz übernehmen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
beschwerten sich, dass sie im Wahlkampf und in Belangsendungen<lb/>
sowie auf Plakaten in der Steiermark jetzt ununterbrochen als die<lb/>
Preistreiber hingestellt werden. Sie selbst sind nicht mehr bereit,<lb/>
länger mitzumachen, wenn nicht eine objektivere Berichterstattung<lb/>
über die Paritätische Kommission erfolgt. Über die Tagesordnung<lb/>
gab es keinerlei Probleme. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> urgierte nur neuerdings, dass<lb/>
§ 3 a -Anträge für Bunzl &amp; Biach vom 9. April, Grazer Stadtwerke<lb/>
vom 13. Mai und Fa. Leitl vom 31. Mai noch immer nicht erledigt sind.<lb/>
Ausserdem seinen nicht einmal Stellungnahmen zu dem Antrag der<lb/>
Arbeiterkammer eingegangen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erklärte, dass der Antrag Leitl<lb/>
durch die Regelung der Baustoffe erledigt ist. Bunzl &amp; Biach wurde<lb/>
ebenfalls befriedigt einvernehmlich erledigt und bezüglich der<lb/>
Wasserpreise bei den Grazer Stadtwerken ergibt sich für die Handels<lb break="no"/>kammer, dass sie laut ihrem Organisationsstatut nur für Gas und<lb/>
Strassenbahn zuständig sei. Das Wasserwerk sie also nach Auf<lb break="no"/>fassung <rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs> nicht in ihrer Kompetenz und deshalb könnte<lb/>
hier auch nur sehr schwer von der Handelskammer einem § 3 a<lb/>
zugestimmt werden. Die Handelskammer behandelt jetzt die § 3-Anträge<lb/>
tatsächlich mit einer grössten Genauigkeit, ohne allerdings im<lb/>
Konkreten einem § 3 a zuzustimmen.</p><pb n="21-0865" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-10_0865.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_08">Die ÖVP befürchtet, im Parlament über die Preisgesetze eine Dis<lb break="no"/>kussion zu bekommen, die für sie in der Optik äusserst ungünstig<lb/>
aussieht. Deshalb hat sie jetzt nochmals einen Kompromissvorschlag<lb/>
vorgelegt. Sie ist bereit, den Regierungsvorlagen allerdings mit<lb/>
Änderungen zuzustimmen, wenn gleichzeitig bei den Steuergesetzen,<lb/>
die am nächsten Tag dann verhandelt werden, eine steuerliche Vor<lb break="no"/>leistung von 600 S beim Alleinverdiener sogar von 1200 S und<lb/>
für jedes Kind 300 S als Steuerermässigung zur Anwendung gelangt.<lb/>
Nach Berechnung des Finanzministeriums würden dafür 2,5 Mia S Steuer<lb break="no"/>ausfall zu präliminieren sein. Dies teilte mir Sekr. <rs type="person" ref="#per__116106">Mauhart</rs><lb/>
mit. Die ÖVP ist bereit, wie mir <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> vom Klub erzählt,<lb/>
der Verlängerung des Preisbestimmungsgesetzes bis Jahresende zuzu<lb break="no"/>stimmen. Überhaupt wollen sie jetzt durch die neue Taktik, die<lb/>
Preisgesetze wieder bis zum Jahresende verlängern, damit sie wieder<lb/>
in den Rhythmus Marktordnungsgesetz-Ablauf, Preisgesetz-Ablauf<lb/>
kommen. Nur so können dann wieder die Junktimierung, die sie anstre<lb break="no"/>ben aufrechterhalten. Faktisch haben wir eine sehr gute Ausgangs<lb break="no"/>lage, ob wir es publizistisch und in der Öffentlichkeit aber auch<lb/>
haben werden, wird erst die Diskussion und die weitere Entwicklung<lb/>
zeigen. Die Handelskammer hat sich innerhalb des ÖVP-Klubs nicht<lb/>
durchsetzen können und man spekuliert, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nicht bereit<lb/>
ist, die Vorauszahlung oder Abschlagszahlung zu akzeptieren. Dadurch<lb/>
können sie sagen, sie hätten je einer verschärften Preisregelung<lb/>
zugestimmt, sind aber am Einspruch der SPÖ gescheitert. Anderseits<lb/>
ist es taktisch wahrscheinlich nicht sehr klug, damit zu demon<lb break="no"/>strieren, dass die Forderungen der SPÖ ins besondere des Handelsmini<lb break="no"/>sters zum Preisregelungsgesetz berechtigt ist, weil sie dem letzten<lb/>
Endes zustimmen würden, wenn sie einen Kaufpreis dafür bekommen.<lb/>
Ich bin neugierig, wie sich dies in der Zukunft entwickeln wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_09">Mit <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> besprach ich die Bebauung der Rennweger-<lb/>
Kaserne. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> ist sofort bereit, aus Wien hinaus zu gehen und sein<lb/>
Gendarmerie-Landeskommando irgendwo in die Umgebung Wiens zu ver<lb break="no"/>legen. Die Behauptung, dass die Rennweger Kaserne nicht freigemacht<lb/>
werden kann, bestreitet <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, er hat alle davon Betroffenen nicht<lb/>
eingeladen sondern seine Beamten allein würden mit Wien eine ent<lb break="no"/>sprechende Regelung vereinbaren. Eine anschliessende Aussprache mit<lb/>
Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> ergab allerdings, dass Wien die Vorschläge vom Bund<lb/>
kaum akzeptieren kann. Ich fürchte, dass hier noch eine grosse<lb/>
<pb n="21-0866" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-10_0866.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Diskrepanz zwischen der Vorstellung der Gemeinde Wien, die er<lb break="no"/>klärt, sie könne nicht dem Bund irrsinnige Preise für die Grund<lb break="no"/>stücke bezahlen und dem Bund, der auf keinerlei Grundstücke ver<lb break="no"/>zichten will, sondern womöglich eine Naturaltausch vornehmen<lb/>
möchte. <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> versicherte mir dann noch unter vier Augen, dass<lb/>
sich Wien nach wie vor sehr benachteiligt vorkommt. Alle Ver<lb break="no"/>einbarungen, die er mit Bund getroffen wurden, wie z.B. Zuschuss<lb/>
zum U-Bahn-Bau usw. sind in absoluten Beträgen und verlieren da<lb break="no"/>durch ständig an Wert. Die Gemeinde Wien wird ausserdem bei<lb/>
allen Bundesaktionen von ERP-Fonds angefangen bis zu irgendwelchen<lb/>
Zuschüssen und Subventionen schlechter behandelt als das nö.<lb/>
umliegende Land. Hier werden wegen Grenzland usw. immer zusätz<lb break="no"/>liche Aktionen gestartet. <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> sieht andererseits ein, dass für<lb/>
die Landstrasse auf dem Wohnungssektor etwas geschehen müsste.<lb/>
Er wird mit Stadtrat <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs> über dieses Problem Besprechungen führen,<lb/>
meint aber, dass es zweckmässiger ist, andere Projekte als die<lb/>
Rennweger Kaserne zu verfolgen. Sein Hinweis, wir sollten uns<lb/>
auf die Aspanggründe verlegen ist deshalb nicht zielführend, weil<lb/>
dort eben auch der Bund für die TH Institute errichten will. Am<lb/>
ehestens glaubt <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> sollten wir eine Sanierung von Altwohnungen<lb/>
durchführen, weil sich dadurch die kostenmässig günstigste und<lb/>
verhältnismässig sehr schnell wirkende Verbesserung für die Ein<lb break="no"/>wohner von der Landstrasse ergibt. Ich habe das Gefühl, dass<lb/>
sich die Wiener Gemeindeverwaltung vom Bund ausgesprochen ver<lb break="no"/>nachlässigt fühlt. Bis zum Jahre 1970 war dies selbstverständlich<lb/>
und man hat nichts anderes erwartet! Jetzt aber unter einer<lb/>
sozialistischen Regierung sollte sich zumindestens nach Meinung<lb/>
der Genossen im Rathaus eine wesentliche Änderung ergeben. Ich<lb/>
habe mir deshalb vorgenommen, auf alle Fälle bei der nächsten<lb/>
Besprechung über das Wiener Memorandum mit der Gemeindever<lb break="no"/>waltung anwesend zu sein. Die Sitzung findet soviel ich weiss<lb/>
am Montag im BKA um 15 Uhr statt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs>: Bitte Termin prüfen und dann eintragen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_11">Der BRO von der GKB verhandelt derzeit mit seiner Direktion über die<lb/>
Prämie, wie sie alle anderen VÖEST-Alpine-Arbeiter erhalten haben.<lb/>
Die Direktion erklärt sich ausserstande, die Prämie zu bezahlen,<lb/>
wenn sie nicht gleichzeitig von der Bergbauförderung eine Ent<lb break="no"/>schädigung dafür bekommt. Der BRO <rs type="person" ref="#per__143065">Glanzig</rs> war vor einigen Wochen<lb/>
bei mir und hat mit dem ZBO <rs type="person" ref="#per__114138">Brauneis</rs> von VÖEST-Alpine die<lb/>
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dass ich bereit bin, obwohl die gesetzliche Ermächtigung noch nicht<lb/>
vorlag, für die GKB 18 Mill S aus der Bergbauförderung sofort<lb/>
flüssig zu machen. <rs type="person" ref="#per__143065">Glanzing</rs> hat nun angerufen und erklärt, er<lb/>
hätte angenommen, dass ich diese 18 Mill. für die Prämienauszah<lb break="no"/>lung zur Verfügung stelle. Zum Glück war <rs type="person" ref="#per__114138">Brauneis</rs> mit dabei,<lb/>
der mir bestätigte und ihm auch am Telefon erklärte, dass eine<lb/>
solche Zusage von mir nie erfolgte. Die 18 Mill. S haben von<lb/>
mir aus gesehen kein Mascherl und es kann natürlich die Direktion<lb/>
der GKB dieses Geld verwenden wie sie will. Bergrat <rs type="person" ref="#per__132462">Juvancic</rs><lb/>
erklärt nun, dass er mit diesen 18 Mill. S längst fällige Rech<lb break="no"/>nungen bezahlen muss. Die GKB hat keinerlei flüssige Mittel<lb/>
mehr und kann vor allem einmal keine Erhöhung des Betriebsmittel<lb break="no"/>kredites erreichen. Die VÖEST-Alpine als Muttergesellschaft ist<lb/>
aber nicht bereit, auch nur einen Schilling weiterhin Kredit<lb/>
zu geben, oder gar vielleicht einen Zuschuss, damit die Prämien<lb/>
bezahlt werden können. In Wirklichkeit geht der Kampf jetzt darum<lb/>
ob VÖEST-Alpine ihrer Tochter eine Subvention oder zumindestens<lb/>
einen Kredit gewährt oder ob man es auf einen Krieg mit der<lb/>
Belegschaft ankommen lassen will. Ich erklärte dezidiert, dass<lb/>
ich mir nicht vorstellen kann, dass wenn alle VÖEST-Alpine-Ar<lb break="no"/>beiter eine Prämie wie dies alle Jahre der Fall war, bekommen,<lb/>
nur die Bergarbeiter ausgenommen werden, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat über <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs><lb/>
zugesagt, dass die notwendigen Mittel bereitgestellt werden<lb/>
müssen. Er wird zu diesem Zwecke mit dem Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
Verhandlungen aufnehmen. Ich selbst habe wiederholt dezidiert<lb/>
erklärt und neuerdings auch sowohl der Direktion als auch dem<lb/>
Betriebsrat mitgeteilt, dass ich nur dann eine verbindende Zusage<lb/>
oder Versprechen abgeben kann, wenn ich die Möglichkeit habe, die<lb/>
Mittel auch aus der Bergbauförderung zur Verfügung zu stellen.<lb/>
Derzeit ist aber von 50 Grundbudget 60 Mill. BÜG insgesamt also<lb/>
110 Mill. bereits der GKB 81 Mill. zugeflossen und eine weitere<lb/>
Aufstockung durch ein zweites BÜG nicht einmal noch in der Re<lb break="no"/>gierung besprochen. Ich bin neugierig, ob <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> als Vorsitzender<lb/>
des Aufsichtsrates und vor allem einmal als Generaldirektor der<lb/>
VÖEST-Alpine in der GKB seine harte Linie durchzieht. wenn der<lb/>
Bund nicht die notwendigen Mittel bereitstellt, dann wird keine<lb/>
Überbrückung bezahlt. Es geht hier tatsächlich nur um die Frage,<lb/>
ob wir nicht doch noch aus den restlichen verbleibenden Bergbau<lb break="no"/>förderungsmittel eine weitere Tranche, die allerdings kaum 18 Mill.</p><pb n="21-0868" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-10_0868.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_12">ausmachen kann, der GKB zur Verfügung stellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-10_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> soll sofort im intermini<lb break="no"/>steriellen Komitee diesbezügliche Bespre<lb break="no"/>chungen aufnehmen.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>nö. ÖVP-LR, Präs. LWK NÖ</occupation>
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               <occupation>SPÖ-NR-Abg., GD-Stv. ÖIAG</occupation>
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               <occupation>Präs. Bauernbund</occupation>
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