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            <title type="main">Montag, der  8. Juli 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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den Zeitplan über die Reorganisation der Donaukraftwerk-<lb/>
Gesellschaft besprechen. Hauptversammlung muß 14 Tage vorher<lb/>
einberufen werden wo wir durch Änderung der Statuten das vierte<lb/>
Vorstandsmitglied und den neuen Aufsichtsrat an Stelle des der<lb break="no"/>zeit schon in Pension befindlichen SChef, ehemaligen Leiter<lb/>
der Energiesektion. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> möchte, daß ich als <choice><choice><sic>Eigentums<lb break="no"/>vertreter</sic><corr>Eigentümervertreter</corr></choice></choice> eine entsprechende Weisung dem Verbundkonzern gebe,<lb/>
damit er als Treuhänder noch im August der DoKW die entsprechen<lb break="no"/>den Aufträge geben kann. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, daß <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> in<lb/>
meinem Auftrag und Namen mit Präs. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> von der Verbund die Ver<lb break="no"/>einbarung getroffen hat, daß die Mehrheit der Sozialisten in<lb/>
der Verbundgesellschaft aber auch in der DoKW im Aufsichtsrat<lb/>
sichergestellt wird und daß <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> es übernommen hat die ÖVP<lb/>
vereinbarungsgemäß davon nicht mehr zu informieren sondern auch<lb/>
durchzuführen. Da <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> derzeit bei einem Kongreß in Paris ist,<lb/>
werde ich nach seiner Rückkehr sofort die entsprechenden Maßnahmen<lb/>
mit ihm besprechen. Bei der Angelobungsfeier treffe ich durch<lb/>
reinen Zufall Präs. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs>, der als ehemaliger Minister eingeladen<lb/>
war und erklärt mir, daß er auf Urlaub fährt und erst Ende August<lb/>
wieder zurückkommt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_03">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> sofort mit mir verbinden,<lb/>
wenn er zurückkommt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_04">Beim Jour-fixe erklärt mir <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> neuerdings, daß sie eine<lb/>
Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> und mir wegen der Unterstützung der<lb/>
Handelskammer, des Handelsministeriums aus den Aussenhandelsbei<lb break="no"/>trägen AHF unbedingt brauchen, ich erkläre mich selbstverständlich<lb/>
bereit wenn die Handelskammer will solche Besprechungen zu führen.<lb/>
Ich verweise nur darauf, daß ich nicht bereit bin eine Erhöhung<lb/>
meiner Repräsentationsaufwendungen im Budget zu verlangen, auch<lb/>
dann wenn <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mir versprechen, daß die ÖVP nichts<lb/>
dagegen einwenden würde. Wenn z.B. die Handelskammer keinen Beitrag<lb/>
leistet, dann kann ich eben die entsprechenden Minister nicht ein<lb break="no"/>laden. In Algerien hat die Regierung nicht nur mich sondern die<lb/>
ganze Delegation auf Kosten der algerischen Regierung in eine Villa<lb/>
untergebracht und total verpflegt. Wenn jetzt der Minister <rs type="person" ref="#per__140841">Yaker</rs><lb/>
mit seiner Delegation im nächsten oder übernächsten Jahr kommt,<lb/>
dann muß damit gerechnet werden, daß auch er erwartet, daß die<lb/>
gesamte Delegation auf Staatskosten untergebracht wird. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
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eben nur für heuer eine solche Lösung, die wir vereinbart haben,<lb/>
noch akzeptiert. Im nächsten Jahr fürchten sie, wir er einer solchen,<lb/>
von ihrem Standpunkt akzeptablen Vereinbarung, nicht mehr zustimmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sind auf Grund dieser Aussprache sofort bereit,<lb/>
alle offenen Rechnungen, die sie sich bis jetzt gewehrt haben, zu<lb/>
bezahlen, zu übernehmen. Insbesondere beeindruckt sie, daß ich<lb/>
ihnen erkläre, wenn der Export weiter so steigt und die Import<lb break="no"/>mengen damit ebenfalls, so ergibt sich für die Handelskammer eine<lb/>
gigantische Mehreinnahme. Um bilanzmässig ein bisschen schlechter sich<lb/>
zu stellen sind die jetzt bereit, ihr Darlehen an den Exportfonds<lb/>
in eine richtiggehende Subvention umzuwandeln. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs>, der nach<lb/>
meiner Rückkehr sofort informiert wird, meint, wenn <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> heuer<lb/>
das System akzeptiert hat, dann muß er es theoretisch auch nächstes<lb/>
Jahr, denn niemand würde verstehen, was 1974 möglich war, 1975 von<lb/>
ihm abgelehnt wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_05"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> teilt mir mit, daß sie mit Rhodesien-Exportverbot einver<lb break="no"/>standen sind, wenn sie damit endlich die Frage als bereinigt er<lb break="no"/>klären können und Südafrika nicht ebenfalls früher oder später<lb/>
unter ein Exportverbot genommen wird. Ich erkläre, daß nach meinem<lb/>
Wissen ein solches Exportverbot gegenüber Südafrika nicht beabsichtigt<lb/>
ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_06">Wegen der neuen Richtlinien für die Bürges, meint <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, wir müssen<lb/>
berücksichtigen, daß bei einer Einmalprämie die Steuerbelastung für<lb/>
den Unternehmer gigantisch groß ist. Durch dieses neue System würde<lb/>
der Unternehmer nur einen Teil der Prämie überhaupt netto erhalten,<lb/>
da ein Großteil von der Einkommensteuer aufgefressen wird. Wenn wir<lb/>
diese Gefahr nicht richtig einwandfrei abwenden können, muß ich<lb/>
zugeben, ohne daß ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dies natürlich gesagt habe, daß wir von<lb/>
unserer Idee Abstand nehmen müssen. Niemand würde verstehen, daß<lb/>
wir auf der einen Seite gleichzeitig einen grösseren Betrag geben<lb/>
und auf der anderen Seite davon das Finanzamt den größten Teil<lb/>
wieder abschöpfen würde. Ich verstehe nicht, wieso dies hier steuer<lb break="no"/>lich so katastrophale Folgen hätte und bei der Komfortzimmer-Aktion<lb/>
dieses Problem nicht aufgetaucht ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>: Bitte sofort prüfen und Vorschläge unter<lb break="no"/>breiten.</p><pb n="21-0848" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-08_0848.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_08"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> war sehr erfreut zu hören, daß wir bezüglich der Fest<lb break="no"/>legung der Kredite in Verhandlungen sind und daher den Vorschlag<lb/>
des Bankenverbandes resp. seiner Kreditsektionen unter gar keinen<lb/>
Umständen akzeptieren werden. SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> berichtet mir, daß die<lb/>
Besprechungen jetzt so laufen, daß unter gar keinen Umständen die<lb/>
10 % Kredit-Obergrenze erreicht wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_09">Die Handelskammer macht in Schweden in Göteborg einen Österreichtag<lb/>
und von dort möchte <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gleich nach Helsinki<lb/>
fliegen und die Aussenhandelsstelle dort eröffnen. Ich selbst gebe<lb/>
meiner Enttäuschung darüber Ausdruck weil beabsichtigt war diese<lb/>
Aussenhandelsstelle während meiner Anwesenheit bei der EFTA-Tagung<lb/>
und bei meinem ersten offiziellen Finnland-Besuch eröffnet werden soll.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> verweist darauf, daß sich dadurch grössere Kosten ein<lb break="no"/>sparen können wenn sie den Flug gleich von Göteborg nach Helsinki<lb/>
antreten. In Wirklichkeit befürchten sie, daß ich dort die Aussen<lb break="no"/>handelsstelle eröffnen werde und sagen sofort zu, sie werden sichs<lb/>
neuerdings überlegen als ich erkläre, ich beabsichtige gar nicht<lb/>
die Eröffnung dort vorzunehmen sondern wenn sie wollen bei der<lb/>
Eröffnung durch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nur anwesend zu sein. Die Sitzung war<lb/>
diesmal äusserst kurz weil beide zur Vorbesprechung bei der ÖVP<lb/>
im Klub sein mußten, immerhin aber hatten sie Zeit genug zu er<lb break="no"/>klären, wie es beim Kammertag Auseinandersetzungen zwischen dem Vertr.<lb/>
d. Freien Wirtschaftsverband NR Abg. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> und ihnen der ÖVP-<lb/>
Mehrheit gekommen ist. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat in ihrer Zeitung "Der Selb<lb break="no"/>ständige" einen entsprechenden Artikel abgefaßt worin insbesondere<lb/>
darauf verwies, wenn die Handelskammer schon die Regierung angreift,<lb/>
dann soll die Regierung die Möglichkeit haben ihre Ideen beim<lb/>
Handelskammertag vorzutragen und ich sollte doch endlich einmal<lb/>
von ihnen eingeladen werden. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meinte, daß jetzt sie über<lb break="no"/>haupt keine Möglichkeit haben mich einzuladen, weil sie sich ja<lb/>
nicht vorwerfen lassen können, daß durch die Intervention des<lb/>
Freien Wirtschaftsverbandes dann der Handelsminister doch die<lb/>
Möglichkeit gehabt hätte beim Kammertag zu referieren. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
ist aber ehrlich genug mir zuzugeben, auch wenn dieser Vorfall nicht<lb/>
gewesen wäre, ich niemals von ihnen eingeladen worden wäre. Ich<lb/>
habe beim Empfang vom Bundespräsidenten mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> über diesen<lb/>
Vorfall geredet und er hat mir erklärt, daß auf die unqualifizierten<lb/>
Angriffe eines Delegierten der von der Mörderregierung sprach, ent<lb break="no"/>sprechend Antworten musste. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat allerdings seine ent<lb break="no"/>sprechende Antwortrede schon vorbereitet gehabt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
<pb n="21-0849" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-08_0849.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>überhaupt die ÖVP in der Handelskammer ist von den Vor<lb break="no"/>gänger <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97656">Kostron</rs> sehr verwöhnt. Dieser hat durch<lb/>
25 Jahre niemals in der Handelskammer überhaupt attackiert<lb/>
sondern war froh, daß er als Vizepräsident immer wieder kooptiert<lb/>
wurde. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> steht nun auf den Standpunkt, sie können ohne<lb break="no"/>weiters die Kooption rückgängig machen oder fallen lassen dann<lb/>
steht er ausserhalb des Präsidiums und kann viel leichter noch<lb/>
die Handelskammer angreifen. Ich glaube nicht, daß dies seine<lb/>
innerste Überzeugung ist, zumindest ich hoffe, daß es nicht seine<lb/>
innerste Überzeugung ist, denn dadurch würde er sich doch einer<lb/>
großen Einflußmöglichkeit begeben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_10">Das Journalistenfrühstück war schlecht besucht nur ein halbes<lb/>
Dutzend der Redakteure, scheinbar macht sich hier auch die<lb/>
Urlaubszeit bemerkbar. Diskussion gab es auch verhältnismässig<lb/>
wenig. Ich glaube, daß wir für Herbst einen längerfristigen Plan<lb/>
über die Kontakte mit den Journalisten finden müssen. Ich habe<lb/>
diesbezüglich schon einige Male im Tagebuch entsprechende Bemerkungen<lb/>
gemacht doch bis jetzt weder von <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, der angeblich davon gar<lb/>
nichts weiß, noch von anderen einen entsprechenden Vorschlag er<lb break="no"/>halten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_11">Anmerkung an ALLE: Bitte sich während der Urlaubszeit den Kopf<lb/>
darüber zu zerbrechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_12">Die Angelobung und die Flaggenparade war sehr würdevoll und<lb/>
ihm äußerst bescheidenen Rahmen. Innenminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> zitterte<lb/>
wieder ob nicht ein NDP-ler sowie dies früher gelegentlich der<lb/>
Fall war, die Anwesenheit vom Fernsehen benützt um die Kundgebung<lb/>
entsprechend zu stören. Ganz besonders war seine Angst, daß aus<lb/>
der Provinz irgend ein Unbekannter kommt, den die Polizei noch<lb/>
nicht kennt und wieder Flugzettel streut oder irgendwelche sonstige<lb/>
auffallenden Aktionen die zwar niemand gefährden jedoch aber die<lb/>
Feierstunde stören würden. Als <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> dann nach Abschluß<lb/>
der Feier nicht in das vorgefahrene Auto stieg sondern zu Fuß<lb/>
in die Hofburg ging, war er vom Standpunkt der Sicherheit und die<lb/>
Protokolleute sicher vom Standpunkt des Protokolls gar nicht<lb/>
glücklich darüber. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat sich erst in letzter Minute<lb/>
scheinbar dazu entschlossen, denn zuerst wollte er schon einsteigen,<lb/>
hat sich dann allerdings von den anderen ausser der Regierung<lb/>
eben auch noch verabschieden wollen und bei dieser Gelegenheit<lb/>
gedacht, da geh ich das Stückerl zu Fuß. Auf alle Fälle war dies<lb/>
sicher ein guter Effekt auf die anwesenden Zuschauer, es waren<lb/>
<pb n="21-0850" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-08_0850.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>immerhin einige Hunderte gekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_13">Im Institut erzählte mir der neue Kollege in der Arbeiterkammer,<lb/>
der die Bilanzanalysen macht, daß die ÖMV auf Grund der ersten<lb/>
flüchtigen Untersuchungen sehr gut voriges Jahr abgeschnitten hat.<lb/>
Der von <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> angekündigte furchtbare Verlust ist nicht einge<lb break="no"/>treten ganz im Gegenteil sie haben wieder einen ganz schönen<lb/>
Gewinn erzielen können. Die Arbeiterkammer stellte mir ihr<lb/>
flüchtiges erstes Ergebnis zur Verfügung und konnte deshalb umso<lb/>
leichter mit <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> über eine Dieselpreissenkung<lb/>
verhandeln. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erklärte sich bereit, mit den internationalen<lb/>
Gesellschaften über eine solche bis Ende September befristete<lb/>
20 Groschen Nachlaß zu verhandeln. Meine Bedenken gingen dahin,<lb/>
daß wenn wir dies befristen, dann im September ein ungeheurer Run<lb/>
auf die Dieselvorräte einsetzen wird. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> sind<lb/>
allerdings der Meinung, daß sie einer unbefristeten Senkung nicht<lb/>
zustimmen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_14"><rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> berichtete auch gleichzeitig von den Aktivitäten der ÖMV<lb/>
in Trinidad, Iran, Irak und Tunesien sowie Bolivien. Wie mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146361">Hartl</rs> bei der Tagung in Algier schon mitteilte, könne die ÖMV<lb/>
die von ihr geförderten Aktivitäten auf Schulung und Einrichtung<lb/>
von Bohrstellen nicht nachkommen, sie überlegt sich, ob es nicht<lb/>
zweckmässig wäre eine Gesellschaft zu gründen, die ähnlich der<lb/>
Austroplan oder der Austromineral ein spezifisches Bohrprogramm<lb/>
und Bohrunterstützung für die einzelnen Länder vorbereiten könnte.<lb/>
Da ich keine Gesellschaft <choice><choice><sic>präferenziere</sic><corr>präferiere</corr></choice></choice> und vor allem nicht weiß,<lb/>
wie sie wirklich aus diesem Dilemma herauskommen können habe ich<lb/>
ihnen auch keinerlei Vorschläge gemacht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> berichtet mir, daß die Arbeiterkammer eine Erhöhung des<lb/>
Getreidepreises um weitere 5 oder 10 Groschen unter gar keinen<lb/>
Umständen zustimmen würde. Ebenso lehnt die Arbeiterkammer eine<lb/>
Erhöhung des Schwellenpreises für Geflügel derzeit ab. Der<lb/>
Sojaschrot ist von 3.50 S im Juli 72 auf 12.50 S im Juni 73<lb/>
gestiegen und jetzt im Juli 74 wieder auf die S 3.60 wieder zurück<lb break="no"/>gefallen. Schon allein dieses Futtermittel zeigt, daß eine Erhöhung<lb/>
des Schwellenpreises aus diesem Grund, Verteuerung der Produktion,<lb/>
nicht notwendig wäre. Bei der letzten Schwellenpreiserhöhung im<lb/>
Oktober 73 des Vorjahres wurde der Geflügelpreis um 10 % angehoben.<lb/>
Die Hühnerteile dagegen blieben unverändert. Jetzt verlangt die<lb/>
Landwirtschaft eine Erhöhung um 11 % und für die Hühnerteile um 40%.</p><pb n="21-0851" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-08_0851.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_15">Wenn auch diese 40 % unter gar keinen Umständen in Frage<lb/>
kommen, könnte sich die Arbeiterkammer vorstellen, daß wir<lb/>
für diese Position eine geringfügige Erhöhung machen könnten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_16">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Laß dir die Produktionskostenberechnung<lb/>
von unserer Abteilung geben und eingehend<lb/>
berichten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_17">Im Klub berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, insbesondere über die ORF-Situation.<lb/>
Er bedankte sich in aller Form bei <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> und <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> und diese<lb/>
erhielten einen phonetischen Beifall für ihr Verhalten. Der ganze<lb/>
Klub dürfte todfroh sein, daß endlich eine Entscheidung gefallen<lb/>
ist und daß wir hier auch endlich attackieren. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> erzählte mir,<lb/>
daß in Wirklichkeit der Freiheitliche Sprecher bei den Verhandlungen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112588">Broesigke</rs> einen entsprechenden Kompromiss will doch daß der Bundes<lb break="no"/>parteiobmann <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> ein solches vereitelt. Als die Details alle<lb/>
schon abbesprochen waren, hat die ÖVP und die SPÖ sich bei <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
getroffen und dort hätte <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> erklärt, er stimme unter gar keinen<lb/>
Umständen zu. Scheinbar hat <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> gehofft, daß die ÖVP und die<lb/>
SPÖ gemeinsam dies beschliessen und er sich als der Retter vor<lb/>
einem schwarz-roten Proporzrundfunk als Oppositionspartei profilieren<lb/>
kann. Dies hat <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> veranlasst, jetzt eben seine eigenen<lb/>
Verhandler ebenfalls besser einzusetzen und erklärt, auch die ÖVP<lb/>
stimmt dem ausgehandelten Kompromiss nicht zu. Die Reaktion im<lb/>
Parlament war dann, meiner Meinung nach, die einzig richtige, man<lb/>
hat die Zusammensetzung des Kuratoriums sofort abgeändert. Ursprüng<lb break="no"/>lich war vorgesehen, 15, 14, 1, wobei der Vorsitzende das<lb/>
Dirimierungsrecht hat, jetzt wurde auf 16, 13, 1, umgewandelt und<lb/>
trotzdem das Dirimierungsrecht des Vorsitzenden aufrecht erhalten,<lb/>
dadurch kann in diesem Kuratorium gegen uns nichts passieren obwohl<lb/>
sich dies ändert, wenn die Regierung eine andere Zusammensetzung<lb/>
erhält. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gab insbesondere seiner Befriedigung Ausdruck, daß<lb/>
jetzt endlich die ORF Sache abgeschlossen ist. Beim Heurigen<lb/>
meinte <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> dann zu mir, daß der jetzt vorliegende Gesetzentwurf<lb/>
wesentlich besser ist als der ursprünglich von der Regierung<lb/>
eingebrachte, der seiner Meinung nach, sehr konfus war. In Wirklich<lb break="no"/>keit hat sich hier diese Rundfunkdiskussion eine große Spannung<lb/>
zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> in den vergangenen Jahren entwickelt.<lb/>
Warum <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eigentlich so lang zögerte war mir schon klar, weil<lb/>
er eben im Wahlkampf versprochen hat, er wird den Rundfunk nicht<lb/>
angreifen, durch den Druck der Parteimitglieder insbesondere aber<lb/>
der mittleren Funktionäre hat er dann letzten Endes am Parteitag<lb/>
in Villach selbst ein großes Referat gehalten und damit in der<lb/>
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Rundfunk ganz schnell einer Reorganisation unterzogen, da<lb/>
er selbst aber nicht ganz klar war, wie am besten diese<lb/>
Reform durchzuführen, hat sich im Laufe der monatelangen<lb/>
Diskussion dann ununterbrochen eine Änderung des Stand<lb break="no"/>punktes der SPÖ ergehen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meint, man hätte jetzt noch<lb/>
im letzten Augenblick die Kurve genommen und damit sei der<lb/>
Zustand hergestellt, den die Partei ja letzten Endes sogar<lb/>
die Öffentlichkeit erwarte. Ich glaube, hier irrt <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>.<lb/>
Unsere Parteigenossen erwarten, daß im Rundfunk eine sozialistische<lb/>
Politik nur vertreten werden darf, mit gelegentlichen Stellung<lb break="no"/>nahmen der anderen und die Öffentlichkeit erwarte, daß die Reform<lb/>
so aussieht, daß jeder seine Wunschvorstellungen über die Programm<lb break="no"/>gestaltung mehr berücksichtigt wird. Der eine wünscht nur Löwinger,<lb/>
der andere nur Burgtheater, beide Wunschvorstellungen sind undurch<lb break="no"/>führbar. Früher oder später wird es daher große Enttäuschungen geben.<lb/>
Da ausserdem die Reorganisation ein wenig Geld kosten wird manche<lb/>
glauben sogar es wird viel Geld kosten, werden alle Gegner dieser<lb/>
Reform und sie sind nicht nur bei den Zeitungen und im Rundfunk<lb/>
selbst zu finden, immer wieder auf die Sinnlosigkeit dieser<lb/>
Massnahmen hinweisen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_18">Beim Empfang des Bundespräsidenten hatte ich Gelegenheit mit<lb/>
Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> und LHStv <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> über die Delegierung<lb/>
von Energiepreisen an die Länder zu reden. <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> selbst<lb/>
erwartet, daß die Preisanträge der Salzburger Stadtgemeinde an den<lb/>
Landeshauptmann delegiert werden und er dann als<lb/>
zuständiger Referent die Verhandlungen führen muß. Er meint, die<lb/>
würden niemals 68 % Erhöhung bekommen aber gegen eine Delegierung<lb/>
hat er nichts einzuwenden. Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> wieder meint, daß<lb/>
im nächsten Jahr Nationalratswahlen sind und deshalb die Regierung<lb/>
entlastet werden muß. Mein Hinweis, daß <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> große Bedenken<lb/>
hat, daß wir jetzt die Delegierung nach Wien vornehmen, läßt <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
nicht gelten. Hier müßte vom politischen Standpunkt aus eben Wien<lb/>
jetzt die Verantwortung übernehmen um bei den nächsten Nationalrats<lb break="no"/>wahlen nicht die Regierung damit zu belasten. Er wird diesbezügliche<lb/>
Besprechungen im Rahmen des Stadtsenates noch führen, ist aber<lb/>
fest entschlossen, die Delegation bei seinen Amtskollegen durchzu<lb break="no"/>setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_19">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mich mit <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> zu verbinden.</p><pb n="21-0853" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-07-08_0853.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_20">Mit NR <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> bespreche ich neuerdings, daß die Preissenkungs<lb break="no"/>aktion von den konsumgenossenschaftlichen Organisationen noch<lb/>
immer nicht verstanden wurde. Die Forum-Kaufhäuser haben jetzt<lb/>
mir eine Unterlage geschickt wo sie wieder nur von ihren Niedrig<lb break="no"/>preisaktionen sprechen, so lange sich die Genossenschaftsorganisationen<lb/>
nicht einmal durchringen können ihre Aktionen als Preissenkungs<lb break="no"/>aktionen zu bezeichnen, bin ich ausserstande, eine entsprechende<lb/>
Propaganda dafür zu machen. <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> sieht dies auch ein und meint,<lb/>
das ist das Unglück, daß dort jede große Organisation jetzt glaubt,<lb/>
ihre eigene Politik machen zu müssen. In dieser Beziehung war es<lb/>
früher als noch viele kleine und noch weniger bedeutende Genossen<lb break="no"/>schaften und Kaufhäuser existierten leichter eine Koordination<lb/>
herzustellen als jetzt wo die großen mächtigen Organisationen nicht<lb/>
bereit sind, sich zu koordinieren. Ich bin neugierig, was er mir<lb/>
auf Grund seiner Rücksprache mit Forum usw. mitteilen wird.<lb/>
Die größte Überraschung beim Heurigenbesuch war, daß unerwartete<lb/>
Erscheinen von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> mit Gattin. <rs type="person" ref="#per__115595">Fredl Reiter</rs> sagte mit<lb/>
Recht, dies hätten die Vorläufer des jetzigen Bundespräsidenten<lb/>
niemals getan. Ich glaube, daß wir wirklich alle sehr überrascht<lb/>
waren über diese sehr schöne Geste von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>. Ich bin<lb/>
neugierig, welches Echo mehr oder minder der Besuch bei der<lb/>
ÖVP auslösen wird. Natürlich kann niemand einen Bundespräsidenten<lb/>
verbieten, daß er ganz inoffizielle zu Veranstaltungen gesellschaft<lb break="no"/>licher Art kommt, krass zugespitzt hat dies aber <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs> mit einem<lb/>
<choice><choice><sic>Bombom,</sic><corr>Bonmot?</corr></choice></choice> er erklärt, die vier vorigen Bundespräsidenten sind aus<lb/>
der sozialistischen Partei ausgetreten, der fünfte wird vielleicht<lb/>
sogar noch beitreten. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat bei seiner Verabschiedung<lb/>
mir ausdrücklich erklärt, er möchte unbedingt mit allen, aber<lb/>
auch im besonderen mit mir, seinen freundschaftlichen Kontakt,<lb/>
den wir bis jetzt immer gehabt haben, aufrecht erhalten. Ich selbst<lb/>
erklärte rundweg, daß ich jederzeit zu seiner Verfügung stehe aber<lb/>
daß selbstverständlich ich mich hier ganz nach seinen Wünschen und<lb/>
Bedürfnissen richten werde, als einziges habe ich nur vereinbart,<lb/>
daß ich in der nächsten Zeit kommen werde um die endgültige Beitritt<lb/>
zum Gewerkschaftsbund still und leise mit ihm zu besprechen, er<lb/>
erklärte sich sofort dazu bereit.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-07-08_21">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit seinem Büro einen Termin<lb/>
vereinbaren.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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