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            <title type="main">Dienstag, der 25. Juni 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_01">Dienstag, 25. Juni 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_02">Die Besprechung mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> und <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> über den Getreide<lb break="no"/>preis hatte ich angenommen werden wir in kleinem Kreis führen.<lb/>
Ich bin deshalb allein hingegangen. Zu meiner grössten Über<lb break="no"/>raschung war dort auch Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs>, Ing. <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs>,<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__114571">Wejwoda</rs> und noch ein vierter, den ich kenne aber dessen Namen<lb/>
ich vergass. Natürlich begann wieder das alte Lied, dass das<lb/>
Schema das einzig richtige sei und deshalb 38 Groschen wie die<lb/>
Vorprüfung ergeben hatte unbedingt der Weizenpreis festgesetzt<lb/>
werden muss. Auf meine Frage, welchen Abstrich sie gegebenenfalls<lb/>
machen, kam nur die Antwort, ich müsste jetzt ein Gegenoffert<lb/>
legen. Selbstverständlich habe ich dann nur die Information benützt,<lb/>
dass das Finanzministerium 15 Groschen vorgeschlagen hat. <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs><lb/>
reagiert sehr scharf, allerdings auch wenn ich z.B. 20 oder 25 gr<lb/>
vorgeschlagen hätte, worauf ich kurzweg erklärte, sie sollen<lb/>
es sich überlegen, wie weit er vorgegangen werden soll. Ich erklärte<lb/>
noch, der Futtergetreidepreis wird ebenfalls angehoben und es<lb/>
besteht die Möglichkeit, dass wir den Roggen auf Grund des Vor<lb break="no"/>schlages von <rs type="person" ref="#per__140616">Leopold</rs>, der eine grössere Roggenpreiserhöhung als<lb/>
die Weizenpreiserhöhung vorsieht, ohne dass der Konsument dadurch<lb/>
belastet wird, auch von mir angenommen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_03">Interessant war, dass bevor <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> kam, <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> auch auf den<lb/>
Zuckerpreis zu sprechen kann. Er meinte, 70 gr. müsste mindestens<lb/>
die Preiserhöhung ausmachen. Nachmittags hatte ich mit Präs. <rs type="person" ref="#per__117100">Habig</rs><lb/>
eine Aussprache, <rs type="person" ref="#per__136114">Strakosch</rs>, den ich am Vorabend im Konzert getrof<lb break="no"/>fen habe, informierte ihn, dass ich inoffiziell gerne mit der<lb/>
Zuckerindustrie Fühlung nehmen würde, welche Preiserhöhung sie sich<lb/>
vorstellt, wobei ich gleich 40 Gr. in die Debatte warf. Da 52 %<lb/>
von der Weisszuckerpreis-Fabriksabgabepreiserhöhung die Bauern<lb/>
bekommen, erklärte <rs type="person" ref="#per__117100">Habig</rs>, dass ihre Steigerungen von Löhnen, Heiz<lb break="no"/>öl und die angekündigte Frachterhöhung der ÖBB ca. 220 Mill. aus<lb break="no"/>machen. Auf den Zucker umgelegt müssen sie, nachdem sie wieder unge<lb break="no"/>fähr die Hälfte dem Bauern geben müssen, 440 Mill. hereinbringen.<lb/>
Dies ergäbe eine Erhöhung um 1.40 pro kg. Bei einem derzeitigen<lb/>
Abgabepreis von 6.18. Ich erklärte rundweg, über solche Ziffern<lb/>
kann man nicht einmal reden. <rs type="person" ref="#per__117100">Habig</rs> drängte nach wie vor darauf, wir<lb/>
sollten so schnell wie möglich den Zuckerpreis festsetzen, damit der<lb/>
Ausverkauf nach dem Westen, Schweiz und BRD unterbleibt.</p><pb n="21-0797" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-06-25_0797.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_04">Da bemühe ich mich auf der einen Seite, Preissenkungen durchzu<lb break="no"/>setzen und auf der anderen kommen dann derartig gigantische Erhöhungen<lb/>
vom Zuckerpreis aber auch vom Getreidepreis auf uns zu.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_05">In der Ministerratsvorbesprechung berichtete ich über die Getreidepreis<lb break="no"/>verhandlung, dass die Landwirtschaft mindestens eine 30 Groschen –<lb/>
Erhöhung erwartet, 35 aber sehr gerne möchte. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> sagte, nach<lb/>
seinen Berechnungen wären die Belastungen 29,8 %. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der<lb/>
die Zwischenfinanzierung übernehmen muss, weil wir den Brot-<lb/>
und Mehlpreis erst im Oktober erhöhen wollen, war über diese<lb/>
Äusserung sehr erschüttert, meinte aber gleichzeitig, er selbst hätte<lb/>
niemals 15 Groschen nur vorgeschlagen und glaubt, mit 20 Gr. würde<lb/>
es gelingen durchzukommen. Hier glaube ich, ist er zu optimistisch.<lb/>
Um den Lebenshaltungskostenindex zu entlasten werden von ihm aus<lb/>
die Zigarettenpreise erst im Herbst gemacht. <choice><choice><sic>Ersparung</sic><corr>Einsparung, Ersparnis</corr></choice></choice> 0,2 %. Mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> hatte er vereinbart, dass auch die Telefongebührenerhöhung<lb/>
vom 1.7. auf 1.11. zurückgestellt werden und er eine Kreditüberbrückung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> zur Verfügung stellt, dies bedeutet, dass auch hier der Lebens<lb break="no"/>haltungskostenindex mit 0,1 % nicht schon im Juli belastet wird.<lb/>
Da die ÖVP erklärt hat, sie würden dann auch die ORF-Gebühr<lb/>
zurückstellen, kommen hier weitere 0,3 % dazu. Insgesamt wird es<lb/>
also daher im Juli 0,6 % weniger Belastung geben, als wir erwarten<lb/>
mussten. Nach Auffassung <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird der Juni 9,5, der Juli 10,3 %<lb/>
der August 10 % und der September 11.3 % und dann die nächsten<lb/>
drei Monate nur mehr 9 % sein, sodass im Jahresdurchschnitt 9,5 %<lb/>
herauskommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte diese Vorschau mit <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__133326">Krämer</rs> und mir<lb/>
besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_07"><rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> wurde von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> beglückwünscht und hat sich dann<lb/>
verabschiedet, er erklärte neuerdings, er hätte, als er von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
aufgefordert wurde in die Regierung einzutreten wirklich nicht an<lb/>
seine VP-Mitgliedschaft gedacht. Als es ihm dann, als er Regierungs<lb break="no"/>mitglied war zu Bewusstsein kam, ergab sich das Problem, wenn er<lb/>
es jetzt gross hinausposaunt, dann wird es heissen, er will sich<lb/>
nur an die SPÖ anschmeissen. Warum er allerdings dies dann nicht<lb/>
einmal <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vertraulich gesagt hat, ist mir nicht ganz erklärlich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_08">Im Ministerrat hat dann <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ausser der Tagesordnung auf die Ver<lb break="no"/>schiebung der Zigarettenpreiserhöhung auf den Herbst, die <choice><choice><sic>Zurück-</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
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dass der ORF ähnlich vorgehen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_09">Im letzten Moment wurde <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ein Papier vorgelegt, wonach wir<lb/>
die ERP-Zinsen von 5 auf 6 % die Erhöhung hätten beschliessen<lb/>
sollen. Ich machte nur eine Bemerkung, dass wir uns klar sein<lb/>
müssen, dass dann auch die anderen Zinsprobleme auftauchen<lb/>
und wir sie auch lösen müssen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war überhaupt scheinbar<lb/>
nicht sehr glücklich über die Vorgangsweise und er schlug vor,<lb/>
man sollte dies zurückstellen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war sehr verärgert, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> die Stellungnahme nicht koordiniert hat. Er meinte, es<lb/>
wäre zu diesem Zweck ja seinerzeit der im BKA eingerichtete<lb/>
Sozial- und Wirtschaftsfonds, die Sachorganisation, gegründet wur<lb break="no"/>den. Wie ich nachher von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> erfahren habe, hat tatsächlich ein<lb/>
diesbezügliche Sitzung stattgefunden, <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> nur aber begrüsst<lb/>
und dann sich nicht mehr blicken lassen. Einige Sitzungsteilnehmer<lb/>
waren darüber so verärgert, dass sie sogar zu <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich be<lb break="no"/>schweren gehen wollten. Ich halte eine solche Vorgangsweise<lb/>
wirklich für falsch, doch möchte ich zur Entschuldigung sagen,<lb/>
das <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> sich in einer furchtbar schlechten Situation<lb/>
befindet. Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> vereinbart, dass er versuchen wird,<lb/>
mit den Beamten der anderen Ressorts insbesondere des Finanz<lb break="no"/>ministerium, die gesamte Zinsproblematik nicht nur darzustellen<lb/>
sondern.auch Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Bezüglich der bei<lb/>
uns ressortierenden Fonds kam <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und ich überein,<lb/>
dass wenn es irgendwie möglich ist, keine Gleitklausel wie<lb/>
einen gewissen Zuschlag auf die Bankrate, oder wie die Handelskam<lb break="no"/>mer vorsieht, eine ähnliche Regelung wie beim E+E-Fonds gefunden<lb/>
werden sollen, sondern dass wir uns womöglich auf einen fixen<lb/>
Betrag festlegen, der selbstverständlich unter 10 % Zinsen kommen<lb/>
muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_10">Vor der Parteivorstandssitzung hat <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> mit mir wegen der<lb/>
Anteile der KELAG an die ÖDK gesprochen. Seiner Auffassung nach be<lb break="no"/>steht ein Rechtsanspruch von Seiten der KELAG, weil die seiner<lb break="no"/>zeitige Vereinbarung zwischen Dr. <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> und vor allem einmal<lb/>
dem GD <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs>, Verbund, als Treuhänder des Staates mit der<lb/>
Kelag so waren, dass diese jetzt auf alle Fälle einen grösseren<lb/>
Anteil erwerben können. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> hat dann, als ich diese Meinung<lb/>
nicht teilte und ihm auseinandersetzte, dass ich doch nicht ge<lb break="no"/>bunden sein kann, was ein Generaldirektor in Überschreitung seiner<lb/>
<pb n="21-0799" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-06-25_0799.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Kompetenz hier zugesagt hat, zugegeben, dass es sich hier um eine<lb/>
Verwendungszusage nur gehandelt hat. Wenn <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> damals als<lb/>
Vertreter der Bundesanteile und als Verkehrsminister dem zugestimmt<lb/>
hätte, würde die Situation anders aussehen. Eine solche Behauptung<lb/>
hat aber <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> mir gegenüber nicht gemacht. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> verwies<lb/>
aber darauf, dass auf alle Fälle die Anteile von der Steiermark<lb/>
erwerben will und wird. Dagegen habe ich nichts einzuwenden und<lb/>
könnte auch gar nichts einwenden. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> fragte dann noch,<lb/>
welche Stellung ich dazu einnehme, dass bei der ÖDK das Problem<lb/>
der Direktorwohnung noch immer nicht geklärt ist. Die Direktoren<lb/>
haben dort von der ÖDK wie die meisten Bediensteten Dienstwoh<lb break="no"/>nungen und er steht auf dem Standpunkt, dass man dies bei den<lb/>
Generaldirektoren und Direktoren nicht mehr tun sollte. Konkreter<lb/>
Anlass ist die Regelung mit GD <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs>. Ich selber erklärte<lb/>
ihm sofort, dass ich dafür mich nicht als zuständig betrachte.<lb/>
Scheinbar war es in den vergangen Jahren so, dass der Minister<lb/>
mit all diesen unangenehmen Problem beschäftigt wurde. Entweder<lb/>
musste er ablehnen, dann waren die Direktoren verärgert oder er<lb/>
stimmte zu, dann trug er die ganze Verantwortung auch gegenüber<lb/>
der Öffentlichkeit. Da ich weder mich bei den Direktoren einhauen<lb/>
will, ich brauche nicht die Demonstration, dass sie von mir ab<lb break="no"/>hängig sind, welchen Gehalt sie beziehen und welche Wohnungen sie<lb/>
haben usw., stehe ich auf dem Standpunkt, dass die dafür zuständigen<lb/>
Organe dies zu beschliessen haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_11">Im Parteivorstand hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zuerst eine Analyse der Wahlen ge<lb break="no"/>bracht. Er wehrte sich ganz besonders gegen die Differenzierung zwi<lb break="no"/>schen Ost- und Westösterreich. Er erblickt darin eine grosse poli<lb break="no"/>tische Gefahr. Ich glaube, dass er damit insoferne nur recht hat,<lb/>
als eine solche Spannung natürlich existiert und diese aber ganz<lb/>
besonders jetzt in der ÖVP durchbrechen wird. Natürlich darf<lb/>
es innerhalb der SPÖ nicht ebenfalls zu solchen Überlegungen kommen,<lb/>
obwohl wir auch in der Vergangenheit immer wieder bemerkten, dass<lb/>
die Länder stärker vertreten sein wollen als ihnen auf Grund des<lb/>
Mitgliedsstandes zustehen würde. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> erklärte dann, dass der ORF<lb/>
sich zuerst geweigert hatte, IFES zu beauftragen, eine Wahlanalyse<lb/>
genau zu machen. Jetzt hätten sie es durchgesetzt und er würde dann<lb/>
in kürzester Zeit bessere Daten haben als die jetzt zur Verfügung<lb/>
stehen. Eines steht jetzt allerdings schon fest, dass die älteren,<lb/>
die über 50 Jahre mit 54 % <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> gewählt haben.</p><pb n="21-0800" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-06-25_0800.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_12">Die wirklich interessante Diskussion ergab sich aber dann im<lb/>
Anschluss an die neue Regierung. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> demissioniert und<lb/>
deshalb muss ein neuer Aussenminister auf alle Fälle festgesetzt<lb/>
werden. In der Präsidiumsbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich nicht end<lb break="no"/>gültig dazu entschliessen können. Er hatte dort mehrere Kombina<lb break="no"/>tionen aufgestellt. Im Parteivorstand hat er dies wiederholt und<lb/>
gleich erklärt, er hat es sich nicht leicht gemacht, fast hat er<lb/>
eine schlaflose Nacht gehabt, bevor er jetzt eben dem Parteivor<lb break="no"/>stand vorschlägt, nicht den guten Genossen und ihm auch sehr<lb/>
gut bekannten, weil er ja schliesslich Kabinettchef bei ihm war<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97587">Jankowitsch</rs> vorzuschlagen, sondern <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka-Karltreu</rs>. <rs type="person" ref="#per__97587">Jankowitsch</rs><lb/>
selbst ist noch sehr jung, hat derzeit einen wichtigen Posten<lb/>
und er meint, für die noch zur Verfügung stehenden 5/4 Jahre<lb/>
Regierungszeit sollte man ihn doch jetzt nicht in solchen ein Amt<lb/>
berufen. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> ist ein Monarchist gewesen, wahrscheinlich nehme<lb/>
ich an sogar heute noch, wurde aber als Vaterländische Frontler<lb/>
1938 von den Nazis suspendiert und war sogar im Konzentrations<lb break="no"/>lager, 1945 ist er nur beim Bund geistig Schaffender gewesen und<lb/>
als Generalsekretär hat er die höchste Stelle im Aussenamt be<lb break="no"/>kleidet. <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> hat dagegen und auch einige andere Mitglieder<lb/>
des Parteivorstandes neuerdings einen Parteifreien zu nominieren und<lb/>
hat deshalb <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs> vorgeschlagen. Es haben sich dann einige an<lb break="no"/>dere Genossen auch für <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs> ausgesprochen, wie eine Bombe aber<lb/>
wirkte, als <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann auch erklärte, warum er glaubt, dass im<lb/>
Landwirtschaftsministerium ein Staatssekretär für Bergbauernfragen<lb/>
eingerichtet werden soll und dafür Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> vorschlug.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> setzte dem Parteivorstand auseinander, dass er für Bergbauern<lb break="no"/>fragen sehr grosses Verständnis gehabt hat, auch ein ganz neues<lb/>
System aufgebaut hat und nur an mangelnden finanziellen Mitteln<lb/>
es fehlt. Er hätte durch 5 Jahre jeweils 300 Mill. bekommen<lb/>
durch die Kürzung ist er aber nur auf 270 im ersten und 250 im<lb/>
zweiten Jahr gekommen. Da er – so fasst er zusammen – nicht das<lb/>
Vertrauen des Bundeskanzlers hat, bittet er, wenn die Regierung<lb/>
demissioniert, er nicht mehr bestellt werden soll. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> war<lb/>
darüber sichtlich verärgert und meinte, so könne man nicht vorgehen,<lb/>
auch die anderen Genossen sahen darin eine grosse Gefahr, dass<lb/>
dadurch unser Wahlsieg mehr oder minder beeinträchtigt wird,<lb/>
weil die ÖVP sagen wird, die Regierung zerfällt. Gerade vorher<lb/>
meinte auch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hätten wir beschlossen, dass jetzt mit aller<lb/>
Kraft und Stärke für die nächsten Wahlen gearbeitet werden müsse<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst meldete sich zwischendurch auch zu Wort und sagte,<lb/>
er hätte niemals gegen <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ein Misstrauen oder <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hätte nicht<lb/>
sein Vertrauen, sondern er glaube nur, das eben in so einem schwarze<lb/>
Ministerium er allein die Fülle der Arbeiten nicht machen könne.<lb/>
Nachdem noch fast ein Dutzend Redner <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> zugeredet hatten, erklärte<lb/>
er dann, da der Parteivorstand dies wünscht, sie er bereit, seine<lb/>
Demission zurückzunehmen. Zu meiner grössten Überraschung erntete<lb/>
er dabei riesigen Beifall. Die letzte Diskussionsrunde dann wegen<lb/>
der Bestellung des Aussenministers konnte ich nicht mehr mitmachen<lb/>
da bereits die Polen über eine Stunde beim offiziellen Essen im<lb/>
Sacher waren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_13">Nachdem ich im Sacher die Tischrede gehalten hatte, hat mich der<lb/>
Delgationsleiter <rs type="person" ref="#per__126260">Dlugosz</rs>, der gestern noch nicht in Wien anwesend<lb/>
war, zu einer Aussprache gebeten. Er setzte mir dort auseinander,<lb/>
dass die Polen in Vorbereitung des Besuches von ihrem Minister<lb break="no"/>präsidenten folgendes wünschen:</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_14">1. möchten sie konkrete Verträge wie z.B. die Melamin-Anlage<lb/>
die Phosphor-Gips-Erzeugung usw. unterzeichnen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_15">2. möchten sie Dokumente veröffentlichen über das 10-Jahres<lb break="no"/>abkommen, weil dadurch die Industrie bei ihnen gesteuert wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_16">3. möchten sie eine Deklaration, dass mit 1.1.1975 das Ende der<lb/>
mengenmässigen Beschränkung in Österreich für polnische Waren<lb/>
eintritt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_17">4. wollen sie ein Reglement über die Drittmärkte, d.h. die Gemischte<lb/>
Kommission soll Empfehlungen an Firmen hinausgehen, wie solche<lb/>
Vereinbarungen mit polnischen Firmen auf Drittmärkten aussehen<lb/>
sollten. Hier hatte ich sofort grosse Bedenken, weil wir nicht<lb/>
imstande sind, Firmen irgendetwas vorzuschreiben. Ich erklärte,<lb/>
wenn sie, wie beabsichtigt, mit der VÖEST, Chemie Linz und<lb/>
SGP Vereinbarungen bis zu diesem Zeitpunkt treffen können,<lb/>
dann können wir eine Erklärung abgeben, dass wir diese Vereinbarun<lb break="no"/>gen für diese Firmen bereits beschlossen sind, als richtig empfinden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_18">5. möchten sie dann auch das Jahresprotokoll für das Jahr 1975<lb/>
vorbereiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_19">Insbesondere aber erschien ihm wichtig, dass wir über die Energie<lb break="no"/>fragen zu einer Einigung kommen. Sie selbst möchten für Kohle aber<lb/>
auch für Elektrizität 10-15-Jahresverträge, die die Regierung<lb/>
garantieren soll. Ich erklärte rundwegs, dass unmöglich ist,<lb/>
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die Firmen dafür zuständig wären. Wir einigten uns dann, dass<lb/>
nur die Absicht besteht, eine Regierungserklärung abzugeben,<lb/>
dass in der Laufzeit keine mengenmässigen Beschränkungen erfolgen.<lb/>
Sie fürchten, dass wir elektrische Energie oder vielleicht gar<lb/>
Kohle bei ihnen bestellen und dann nicht abnehmen. Weiters wünschen<lb/>
sie ein Bankkonsortium, welches die Kredite aufbringt und garan<lb break="no"/>tiert und zuletzt, dass die österr. Partner mit der Firma<lb/>
Weglokoks oder mit der Elektrizitätsgesellschaft die entspre<lb break="no"/>chenden Vereinbarungen abschliessen. Bezüglich der Kredite<lb/>
erklärte ich rundweg, dass wir eine einzige Chance haben, die<lb/>
Kontrollbank zu den Besprechungen um 3 Uhr einzuladen und dort mit<lb/>
ihr das Kreditproblem genau zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__126260">Dlugosz</rs> war damit ein<lb break="no"/>verstanden und ich begleitete ihn noch zu Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, wo auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> und ein Herr der Kontrollbank schon anwesend war, um<lb/>
das Problem mit ihnen zu besprechen. Den Polen sagte ich noch zu,<lb/>
dass ich jederzeit zu ihrer Verfügung stehe, wenn sie noch ent<lb break="no"/>sprechende Unterstützung wünschen oder brauchten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_20">Die Arbeitsgemeinschaft soz. Landesregierungsmitglieder, die jetzt<lb/>
gegründet wurde und wo <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> in Salzburg die Koordinierungs<lb break="no"/>stelle ist, hat mit mir die erste Besprechung über die zukünftige<lb/>
Preisproblematik abgehalten. Die anwesenden Landesregierungsmit<lb break="no"/>glieder Salzburg <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> mit seinem Sekretär <rs type="person" ref="#per__140737">Mosser</rs>, Bgl.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149221">Trapper</rs>, Steiermark <rs type="person" ref="#per__140329">Parmer</rs>, Oberösterreich <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs> und Kärnten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140328">Ausserwinkler</rs> waren glaube ich über die Aussprache, da ich ihnen<lb/>
alle Detailinformationen gab, sehr befriedigt. Wir vereinbarten,<lb/>
dass bei uns Dr. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> für sie jederzeit zur Verfügung steht, wir<lb/>
ihnen alle Unterlagen, ausser über den Dienstweg, weil dies auf<lb/>
alle Fälle zuerst der Landeshauptmann als die mir unmittelbar unter<lb break="no"/>stellte Stelle bekommt, sofort direkt schicken, sodass sie nicht<lb/>
nur bestens informiert sind, sondern auch immer wieder mit ent<lb break="no"/>sprechenden Vorschläge reagieren können. Sie wünschten sich nicht<lb/>
eine entsprechende Koordination mit dem Landwirtschaftsminister und<lb/>
wir ersuchten deshalb nachdem <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> nicht anwesend war, <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschuitsch<lb break="no"/>nig</rs>, zu den Besprechungen zu kommen. In Hinkunft werde ich mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> gemeinsam die Sitzungen in Wien abhalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte mich beim nächsten Mal unbedingt daran<lb/>
erinnern.</p><pb n="21-0803" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-06-25_0803.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_22">Auf der Landstrasse gab es wegen des Wahlerfolges freudige<lb/>
Stimmung aber doch eine harte Kritik. Die Genossen teilte<lb/>
die Meinung, die ich bereits im Wiener Ausschuss gebracht<lb/>
habe, der Materialeinsatz erschient jedem zu hoch und die Koordina<lb break="no"/>tion schlecht. Insbesondere beschwerten sie sich, dass zwischen<lb/>
der zentralen Organisation, hier besonders ZS <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> und den Mit<lb break="no"/>arbeitern insbesondere hier wieder der JG in Wien ein sehr gespann<lb break="no"/>tes Verhältnis existiert. Ich werde diesbezüglich mit Landes<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> reden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-25_23"/></div>
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            <head>Tagesprogramm, 25.6.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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            <head>Berichtigung des HM zum MR-Vortrag 123/20, 24.6.1974</head>
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            <head>Information für den Herrn BK betr. TOP 17–19, 21.6.1974</head>
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               <occupation>stv. GD Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Hintermayer, Franz</persName>
               <persName><surname>Hintermayer</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>ehem. GD Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Reichl, Hermann</persName>
               <persName><surname>Reichl</surname><forename>Hermann</forename></persName>
               <occupation>oö. SPÖ-LR, AR-Vors. Ennskraftwerke</occupation>
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               <persName type="label">Weihs, Oskar</persName>
               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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