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            <title type="main">Freitag, der 21. Juni 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_01">Freitag, 21. Juni 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_02">Die Parteiengespräche über die neuen Preisgesetze nahmen den<lb/>
erwarteten Verlauf. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war im Ausland, ich hatte <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs><lb/>
extra ersucht, ihn einzuladen, von uns war <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> in London<lb/>
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mitgebracht. Der ÖAAB-Mann <rs type="person" ref="#per__149152">Reindl</rs>, der für <rs type="person" ref="#per__97398">Drennig</rs> jetzt scheinbar<lb/>
die Verhandlungen führt, nachdem <rs type="person" ref="#per__97398">Drennig</rs> in die Gemeindeholding<lb/>
als Vorstandsdirektor kommt, hat sich nicht besonders engagiert.<lb/>
Ebensowenig <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add>. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> hat nur eingeleitet und dann<lb/>
hat selbstverständlich die ÖVP erwartet, welche Vorschläge wir<lb/>
zu ihrem Papier machen. In der Vorbesprechung hatten wir festge<lb break="no"/>legt, dass auf alle Fälle wir den Eindruck erwecken wollen, wie<lb/>
wenn wir seriös verhandeln und auch bereit sind, in kleinen<lb/>
Punkten nachzugeben. In der grossen Auseinandersetzung aber<lb/>
d.h. ob das Handelsministerium die Möglichkeit haben soll,<lb/>
gegen undisziplinierte Unternehmungen vorzugehen, resp. überhöhte<lb/>
Handelsspannen zu senken, hat <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> erklärt, erwartet der<lb/>
ÖGB und insbesondere <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, dass entweder die ÖVP dies akzeptiert<lb/>
was höchstwahrscheinlich nicht der Fall ist oder eben abgelehnt<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat ebenfalls die Meinung vertreten, die ÖVP wird unter<lb/>
allen Umständen versuchen, Verhandlungen zu führen, aber im<lb/>
Kern der Sache kaum nachgehen. Wichtig erschien mir und ich habe<lb/>
das deshalb an die Spitze meiner Ausführungen gestellt, dass<lb/>
auch der ÖVP-Vorschlag vorsieht, dass die Landeshauptleute<lb/>
eingeschaltet werden. Dies erschien mir deshalb wichtig und ich<lb/>
habe dies herausgestrichen, weil ich damit neue Verhandlungs<lb break="no"/>möglichkeiten mit den Landeshauptleuten habe. Bisher erklärte<lb/>
ich, hätten die ÖVP-Landeshauptleute strikte abgelehnt, über irgend<lb/>
etwas auf dem Preissektor konkret mit mir zu reden oder zu ver<lb break="no"/>handeln. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat sofort eingeschränkt, dies beziehe sich nur<lb/>
auf die Preisfeststellungsmöglichkeit, wo keine Konkurrenz<lb/>
herrscht und nur auf ein Bundesland beschränkt ist. Eine wahr<lb break="no"/>scheinlich nur selten vorkommende Situation aber immerhin ein An<lb break="no"/>haltspunkt für weitere Verhandlungen. Die erste differente Auf<lb break="no"/>fassung gab es als auch der ÖGB und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> darauf bestanden, dass<lb/>
auch das Preisbildungsgesetz nicht nur behandelt werden muss,<lb/>
sondern entweder als eigenes Gesetz beschlossen oder noch besser<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> meinte, in das Preisregelungsgesetz eingebaut. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
<pb n="21-0776" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-06-21_0776.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hat dann als Zugeständnis erklärt, dass der ÖGB einverstanden<lb/>
ist, wenn die inländischen Waren aus dieser Regelung ausgenommen<lb/>
werden und nur mehr bei Importwaren der Importeur sie um denselben<lb/>
Preis im Inland verkaufen darf als er irgendwo im Europa in<lb/>
EFTA- oder EWG-Staaten derselbe Preis, d.h. also ein niedrigerer<lb/>
Preis wenn dort ist müsste er auf den selben Preis zurückgehen,<lb/>
verlangt wird. Selbst dieses Zugeständnis war unzulänglich, da<lb/>
die ÖVP kategorisch die Behandlung dieses Gesetzentwurfes ablehnt.<lb/>
Formell steht sie auch auf dem Standpunkt, dass man die Vertretungs<lb break="no"/>körperschaften im Ausland, seien es die Botschaften oder die<lb/>
Aussenhandelsstellen nicht dazu heranziehen kann, um Preiserhe<lb break="no"/>bungen, wie sie der Entwurf des Bundesministers <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, der auf eine<lb/>
Initiative vom ÖGB zurückgeht, vorsieht, durchführen kann. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
war daher sofort einverstanden, dass auch diese Bestimmung heraus<lb break="no"/>gestrichen wird. Hier glaube ich liegt der erste grössere Streit<lb break="no"/>punkt, der unüberwindlich scheint.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_03">Das Preisbestimmungsgesetz aber lehnt die ÖVP als Anlassgesetz<lb/>
ab, dass es über den September hinaus verlängert wird, ist aber<lb/>
bereit, die Bestimmung des Preisbestimmungsgesetzes über die Weiter<lb break="no"/>gabe von Zollsenkungen in das Preisregelungsgesetz aufzunehmen.<lb/>
Hier liesse sich leicht eine entsprechende Formulierung finden,<lb/>
wobei allerdings wir erwarten, dass auch die im Preisbestimmungsgesetz<lb/>
vorgesehen Möglichkeit der Kontrolle, ob die Entlastung<lb/>
richtig durchgeführt wurde, d.h. der § 5 ebenfalls in irgendeiner<lb/>
Form verankert werden sollte. Über das Preistreibereigesetz, das<lb/>
momentan nicht zur Diskussion steht, das aber die Handelskammer<lb/>
ebenfalls im Zuge einer preisrechtlichen Bereinigung irgendwie<lb/>
einbauen möchte, <choice><choice><sic>ich</sic><corr>ist</corr></choice></choice> sich die ÖVP noch nicht ganz klar, wie<lb/>
vorgegangen werden soll. Wenn das Preistreibereigesetz im Zuge<lb/>
der strafgesetzlichen Bereinigung so wie das Verkehrsstrafrecht<lb/>
mehr in die Verwaltung überführt werden soll, dann würden wir<lb/>
vom Standpunkt des Handelsministeriums dem sofort zustimmen. Ich<lb/>
habe loyalerweise nur aufmerksam gemacht, dass die Verwaltungs<lb break="no"/>behörden doch öfters und strenger strafen als die im Strafver<lb break="no"/>fahren bei Gerichten der Fall ist. Ein Richter überlegt doch<lb/>
wesentlich länger, ob er kleinere Vergehen gleich mit der ganzen<lb/>
Härte eines gerichtlichen Urteils und einer gerichtlichen Strafe<lb/>
belegen soll. Die Handelskammer wird diesbezügliche Überlegungen<lb/>
<pb n="21-0777" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-06-21_0777.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>anstellen und innerhalb der ÖVP den Standpunkt abklären.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_04">Das wirkliche Kernproblem aber war, dass unsere Verhandlungsseite<lb/>
dezidiert erklärte, eine Ersatzlösung des jetzt vorgeschlagenen<lb/>
§ 3 a durch Feststellung, ob und inwieweit eine Konkurrenzsituation<lb/>
gegeben ist, wird kategorisch abgelehnt. Für unsere Seite kann es<lb/>
nur ein sowohl als auch geben. Diese Ergänzungstheorie wird na<lb break="no"/>türlich von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> kategorisch abgelehnt. Wir einigten uns daher<lb/>
sofort, dass dieses Problem von den Obersten Verhandlungsgremien<lb/>
am Montag erst besprochen werden soll, bevor wir überhaupt weitere<lb/>
Versuche einer Annäherung machen. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> aber auch <rs type="person" ref="#per__149152">Reindl</rs>, der<lb/>
allerdings nicht offiziell aber hat <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> nachher mitgeteilt, wären<lb/>
sehr gerne bereit gewesen, dass wir über die Formulierung, die die<lb/>
ÖVP vorgeschlagen hat, weiter verhandeln. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> hat <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> an<lb break="no"/>gedeutet, es gäbe die Möglichkeit, dass die Kommission anders zusammen<lb break="no"/>gesetzt ist und dass vor allem auch weitere Garantien einer expedi<lb break="no"/>tiven Erledigung gegeben werden könnten. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat mir Recht, wie wir<lb/>
nachher feststellten, solche Verhandlungen abgelehnt, weil er befürch<lb break="no"/>tet, dass die ÖVP dann grosse Hoffnungen hat, dass der ÖGB doch in<lb/>
dieser Frage nachgibt. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> selbst hat zusammengefasst und erklärt,<lb/>
die ÖVP hat erwartet und immer wieder gefordert, dass die gesamten<lb/>
Wirtschaftsgesetze als ein Paket zu behandeln sind. Wenn daher<lb/>
jetzt die SPÖ darauf beharrt, dass die Preisgesetze vorgezogen<lb/>
werden, so müsste man zumindestens über das Marktordnungsgesetz<lb/>
ebenfalls sofort Verhandlungen führen, weil diese beiden gekoppelt<lb/>
werden. Das Rohstofflenkungsgesetz, Lastverteilergesetz und was<lb/>
sonst noch an kleineren Gesetzen herumschwirrt, <choice><choice><sic>wrde</sic><corr>werde? würde?</corr></choice></choice> es keine Schwie<lb break="no"/>rigkeiten geben, weil es sich hier doch immer um einfache Verlängerun<lb break="no"/>gen handelt. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> ist einverstanden, dass am Montag den grossen<lb/>
Gremien berichtet wird, welche zu entscheiden hätten, wie weiter<lb/>
vorgegangen werden soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_05">Da <rs type="person" ref="#per__97444">Heinzi Fischer</rs> bei einer ORF-Sitzung mit <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> verhindert war<lb/>
an unserer Sitzung die ganze Zeit teilzunehmen und auch unsere Vor<lb break="no"/>besprechung nicht besuchen konnte, hatten wir anschliessend daran ein<lb/>
Aussprache, wo wir <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> die Situation genau erörterten. Dieser<lb/>
hat grosse Angst, dass die ÖVP bei der Abstimmung dann solche Ab<lb break="no"/>änderungsanträge stellen wird, dass sie zwar unsere Formulierung<lb/>
ablehnt und wir aber gezwungen sind, dann ihre Formulierung als<lb/>
Verbesserung zu akzeptieren. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> erklärte ausdrücklich, dass<lb/>
<pb n="21-0778" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-06-21_0778.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dies vom Standpunkt des ÖGB nicht in Frage kommt. Wir fanden<lb/>
dann auch ein System, wo die ÖVP diese Möglichkeit kaum<lb/>
haben wird. Da ja das Preisregelungsgesetz nicht mit Juli<lb/>
abläuft, kann die ÖVP wenn sie die gesamte Gesetznovelle ablehnt<lb/>
uns nicht in die Situation bringen, wie dies sonst der Fall<lb/>
ist. Wenn nämlich gleichzeitig das Stammgesetz abläuft wie<lb/>
das bisher immer bei Abänderungswünschen gewesen ist, so musste<lb/>
dann die soz. Seite um nicht alles zu verlieren, einer unverän<lb break="no"/>derten Verlängerung zustimmen. d.h. es kam nie zu der grossen<lb/>
berühmten Ablehnung aller Vorschläge der SPÖ und in letzter<lb/>
Konsequenz auch Auslaufen des Preisgesetzes. Diesmal aber läuft<lb/>
das Stammgesetz nicht ab, die SPÖ kann daher, wenn ihre Wünsche<lb/>
nicht akzeptiert werden oder wir kein tragbares Kompromiss<lb/>
finden, mit ruhigem Gewissen die gesamte Novelle sich ablehnen<lb/>
lassen. Dies ist eine Situation, die die ÖVP unter allen Um<lb break="no"/>ständen verhindern will, weshalb sie ja auf Koppelung mit Land<lb break="no"/>wirtschaftsgesetz und Marktordnungsgesetz insbesondere besteht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> wird auf Grund der Regierungsvorlagen und auf Grund der<lb/>
anderen Formulierungen der ÖVP jetzt von der Parlamentsdirektion<lb/>
ein Abstimmungscroquis ausarbeiten lassen. Das ganze Problem<lb/>
ist nur deshalb so unbefriedigend und schwierig, weil letzten<lb/>
Endes im Hohen Haus dann nichts anderes sein wird als ein rie<lb break="no"/>siger Streit und eine Diskussion zuerst über den Inhalt des<lb/>
Gesetzes und nachher aber sicherlich über die Abstimmungsmodali<lb break="no"/>täten. In der Öffentlichkeit wird sich fürchte ich gar niemand<lb/>
auskennen. Meiner Meinung nach muss deshalb die watscheneinfache<lb/>
Lösung gesucht und dann auch in der Propaganda herausgestrichen<lb/>
werden. Sie lautet: Die SPÖ hat kein unmögliches Gesetz ver<lb break="no"/>langt, sondern nur eine Bestimmung, dass sie gegen undiszipli<lb break="no"/>nierte Unternehmer vorgehen kann und überhöhte Handelsspannen<lb/>
senken kann. Da der Handelsminister dies nicht im ganzen<lb/>
Bundesgebiet allein überwachen und durchführen kann, sind auch<lb/>
die Landeshauptleute heranzuziehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte diese These entsprechend propagandi<lb break="no"/>stisch vorzubereiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_07">Die Firma Kastner &amp; Öhler hat sich bereiterklärt, in ihrem<lb/>
jetzt im Druck liegenden neuen Versandkatalog auf die Preissen<lb break="no"/>kungsaktion des Handelsministeriums hinzuweisen und gleichzeitig<lb/>
uns eine ganze Reihe von Preisen mitgeteilt, die tatsächlich<lb/>
billiger sind als bisher. Die Firma erklärte allerdings, dass<lb/>
<pb n="21-0779" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-06-21_0779.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sie spektakuläre Preissenkungen von bis zu 60 % wie andere<lb/>
Kleiderfirmen oft uns wissen liessen, nicht imstande ist,<lb/>
durchzuführen. Mit Recht haben die Vertreter auch gemeint,<lb/>
es erscheint doch ungeheuer unseriös, wenn es sich nicht um<lb/>
Ausverkaufsartikel handelt. Die Firma Kastner &amp; Öhler möchte<lb/>
auch mit den franz. Grossläden, <choice><choice><sic>Supermarket Savour</sic><corr>Hypermarchés Carrefour?</corr></choice></choice> einen grossen<lb/>
Supermarkt in Vösendorf errichten. Zu diesem Zweck wollen sie<lb/>
eine gemeinsame Gesellschaft bilden, wo jeweils 20 Mill. Kapital<lb/>
von jeder Gruppe eingebracht wird. Die OeNB hat sich nun gewei<lb break="no"/>gert, diese 20 Mill.-Transaktion durchzuführen. Ich habe in An<lb break="no"/>wesenheit von der Firma wieder mit <rs type="person" ref="#per__97873">Philipp Rieger</rs> von der OeNB,<lb/>
der dafür zuständig, ist, gesprochen und er erklärte mir dezi<lb break="no"/>diert, dass keine Möglichkeit besteht, für den Tertiär-Sektor<lb/>
derzeit die Kapitaleinfuhrbestimmungen zu lockern. Die CA, die<lb/>
diese franz. Firma vertritt hat sich bereits mir <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs> zusammen<lb break="no"/>gesetzt und hoffte, eine Lockerung zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs> hat mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123373">Schmidt-Chiari</rs> vereinbart, dass maximal in Frage komme, wenn<lb/>
es sich tatsächlich um das know-how dieser franz. Firma für<lb/>
Kastner &amp; Öhler handelt, man eine Betriebsberatungsgesellschaft<lb/>
gründen sollte. Ich habe den Firmenvertretern freimütigst<lb/>
gesagt, dass ich hier keine grosse Chance sehe, auch nur einen<lb/>
Teil dieser 20 Mill. damit hereintransferieren zu können. Die<lb/>
Firmenvertreter waren über die offene Aussprache, obwohl ich ihnen<lb/>
sachlich gar nicht helfen konnte, zufrieden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_08">Die südkoreanische Parlamentsdelegation hatte weder Gelegenheit<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch mit dem Aussenminister <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> zu reden<lb/>
und musste sich daher mit dem Handelsminister begnügen. Schein<lb break="no"/>bar handelt es sich auch hier um eine Good-Will-Tour und von<lb/>
mir wollte man insbesondere, dass wir die nordkoreanischen Ge<lb break="no"/>schäfte nicht forcieren. Ich habe keinen Zweifel der Delegation<lb/>
gegenüber gelassen, dass wir keine Einflussmöglichkeit auf die<lb/>
nach Nordkorea liefernden Firmen haben. Nur Waffen <choice><choice><sic>sich</sic><corr>sind</corr></choice></choice> auf<lb/>
Grund unseres Staatsvertrages ausgenommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_09">Der Fachverband Maschinenindustrie kam mit dem Obmann Zucker<lb break="no"/>mann und Vertretern der grossen Firmen Engel, Krause, Haid<lb/>
usw., damit ich sie beim Finanzminister unterstütze, Sie brau<lb break="no"/>chen erstens die Produktionsfinanzierung, zwar für Geschäfte<lb/>
die über 6 oder 9 Monate laufen. Zweitens brauchen sie, nachdem<lb/>
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tiefhalten kann, hätten sie sich vorgestellt, dass der Finanz<lb break="no"/>minister 300 Mill. S der Kontrollbank zur Verfügung stellt, damit<lb/>
dort ein Mischzinsfuss gemacht werden könnte. Drittens wollten<lb/>
sie eine bessere Kurssicherung, das Risiko ist immer noch sehr<lb/>
hoch, da z.B. die SU nur bereit ist, für Lieferungen, die sie wo<lb/>
anders nicht bekommt, die Schillingfakturierung zu akzeptieren.<lb/>
Voith hat einen solchen Vertrag abgeschlossen. <rs type="person" ref="#per__141834">Zuckermann</rs> selbst<lb/>
hat für Maschinenersatzlieferungen ebenfalls eine solche Schilling<lb break="no"/>fakturierung durchgesetzt. Ich setzte den Firmen klar und deutlich<lb/>
auseinander, dass ihre Anliegen sich primär auf dem Finanzsektor<lb/>
sich bewegen und deshalb der Finanzminister ausschliesslich zuständig<lb/>
sei. Richtig ist allerdings, dass es den Firmen im Export mit<lb/>
den Kreditkonditionen, die andere Staaten geben, 8,5 % mit 7 Jahren<lb/>
Laufzeit, Österreich 10,25 % und 5 Jahre Laufzeit, kaum möglich ist<lb/>
mehr vom finanziellen <choice><choice><sic>hr</sic><corr>her? hier?</corr></choice></choice> die Exportgeschäfte aufrechtzuerhalten.<lb/>
Obwohl sie noch phantastisch beschäftigt sind, gehen die Auftrags<lb break="no"/>eingänge jetzt nicht mehr so gut ein, wie dies noch vor einem<lb/>
Jahr der Fall gewesen ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_10">Die Vertreter der Jungbunzlauer Zitronensäure-Fabrik beschwerten<lb/>
sich bei mir, dass sie jetzt von der Zuckerindustrie nicht die<lb/>
vereinbarten Mengen bekommen. Die Zuckerindustrie wieder steht<lb/>
auf dem Standpunkt, sie kann die 5.000 t, die jetzt von Jung<lb break="no"/>bunzlau verlangt werden, nicht ausliefern, ohne die Versorgung der<lb/>
Konsumenten im September zu gefährden. Präs. <rs type="person" ref="#per__117100">Habig</rs> von der Zucker<lb break="no"/>industrie hat mich anschliessend angerufen und mitgeteilt, dass<lb/>
er eine grosse Gefahr darin sieht, die geforderten Mengen der ein<lb break="no"/>zelnen weiterverarbeitenden Süsswaren- oder sonstiger Industrie<lb/>
zu erfüllen, ohne die Versorgung der Konsumenten im Herbst zu<lb/>
gefährden. Die Zuckerindustrie erwägt, ob es nicht zielführend ist,<lb/>
eine Kontingentierung für die Grosshändler und die weiterverarbei<lb break="no"/>tenden Industrie einzuführen. Ich habe die Entscheidung aus<lb break="no"/>schliesslich der Zuckerindustrie überlassen, da ich befürchte, dass<lb/>
wenn einmal bekannt wird, dass der Zucker kontingentiert wird,<lb/>
dann sofort wieder eine neue Hamsterwelle einsetzten wird. Hätte<lb/>
ich aber erklärt, sie sollen nicht kontingentieren, dann wäre bei<lb/>
Versorgungsschwierigkeiten im Herbst die Schuld mir gegeben worden,<lb/>
dass nicht genug Zucker vorhanden ist, weil man eben nicht den<lb/>
vorhandenen nicht zweckmässig verteilte. Den einzigen Ausweg sehe<lb/>
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ich auf eine diesbezügliche Forderung der Zuckerindustrie<lb/>
schon erklärt habe, je früher der Zuckerpreis festgesetzt wird,<lb/>
umso geringer wird er natürlich sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-06-21_11">Die Wahlkundgebung in Himberg war eigentlich offiziell meine<lb/>
letzte und hatte keine besonderen neuen Gesichtspunkte für<lb/>
mich gebracht. Nur zwei Diskussionsredner, der eine, der sich<lb/>
über die Heimwehrvergangenheit <rs type="person" ref="#per__114375">Luggers</rs> beschwert und der zweite<lb/>
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Seite des Wahlkampfes, die Problematik der Vergangenheit der<lb/>
Kandidaten, die positive Seite des Wahlkampfes die Geburtenbei<lb break="no"/>hilfe, die aber auch scheinbar ins Negative umschlägt.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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