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            <title type="main">Donnerstag, der 30. Mai 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_01">Donnerstag, 30. Mai 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_02">Bei der Eröffnung des Supermarktes ZENTAG d.h. PAM PAM<lb/>
Selbstbedienungsladen in der Jörgerstraße waren bereits<lb/>
hunderte Leute angestellt obwohl die Geschäftsleitung<lb/>
vorgesehen hat erst nach der offiziellen Feierlichkeit<lb/>
und Besichtigung die immerhin 2 Stunden betragen sollen,<lb/>
einzulassen. Ich schlug deshalb sofort der Geschäftsleitung<lb/>
vor, so schnell als möglich diese offizielle Feier zu be<lb break="no"/>enden. Bei meiner Eröffnungsansprache wies ich darauf hin,<lb/>
daß der Handel Gewinn machen soll und das das an und für<lb/>
sich auch gut ist. Hier bekam ich natürlich sofort Beifall<lb/>
da meistens Geschäftsfreunde d.h. Unternehmer anwesend waren.<lb/>
Jetzt war der Moment gegeben, wo ich auf die Preissenkungs<lb break="no"/>aktion des Handelsministeriums hinwies und im Gesamtinteresse<lb/>
vom Handel entsprechende Opfer verlange um die Stabilitäts<lb break="no"/>politik der Regierung zu unterstützen. Vorher hatte ich schon<lb/>
die Gelegenheit benützt um mit jeden Geschäftsvertreter den<lb/>
ich kannte, das Problem zu besprechen. Ich machte alle darauf<lb/>
aufmerksam, daß ich mich mit ihnen ins Einvernehmen setzen<lb/>
werde um eine entsprechende Aktion zu starten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_03">Die Idee, am Dach des Hauses den Engelmann-Eislaufplatz, d.h.<lb/>
die Kunsteisbahn im Freien zu eröffnen, ist nicht schlecht.<lb/>
Der Bezirksvorsteher <rs type="person" ref="#per__127030">Veleta</rs> hat bei seiner Eröffnung darauf<lb/>
hingewiesen, welche Schwierigkeiten es jetzt mit den Anrainern<lb/>
gibt, nachher erzählte er mir sogar, daß er große Angst hat<lb/>
weil die Leute wegen der Beleuchtung und der Lärmentwicklung<lb/>
sehr ungehalten sind. Warum man hier nicht eine Halle darauf<lb/>
gesetzt hat, ist mir unerklärlich, selbst wenn die Stadtver<lb break="no"/>waltung aus städtebaulichen Gründen so etwas verboten hat,<lb/>
wäre es wahrscheinlich ein Leichtes, weil dann eine geringere<lb/>
Lärmentwicklung wäre und vor allem auch das Problem der Be<lb break="no"/>leuchtung einen Streit wie jetzt abgeben würde, die Bezirks<lb break="no"/>verwaltung und die Anrainer für diese Lösung zu gewinnen und<lb/>
damit sicher auch die Baubehörde von einer solchen Lösung zu<lb/>
überzeugen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_04">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>: Hat man dies bedacht ?</p><pb n="21-0665" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-30_0665.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_05">In der Bundesvorstandssitzung hat mich <rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> gefragt,<lb/>
wie dies mit der Gewerkschaftsmitgliedschaft <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlägers</rs><lb/>
ist, da er scheinbar einen Bericht in der Kleinen Zeitung<lb/>
ganz genau gelesen hat. Ich erklärte ihm, daß ich immer be<lb break="no"/>strebt bin, Gewerkschaftsmitglieder zu werben und deshalb<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> die Beitritterklärung gebracht habe, wie<lb/>
sie dann verschwunden ist, kann ich mir nicht erklären,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> teilte mir mit, daß sie erst in den letzten zwei<lb/>
Jahren die Beiträge automatisch abziehen. Im Handelsministerium<lb/>
meinte er, sind jetzt ca. 70 % organisiert. Ich verwies, daß<lb/>
ich mich auch dort bemühe, den Gewerkschaftsvertretern jedweige<lb/>
Hilfe angedeihen zu lassen. Mit <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmaier</rs> hätte ich ein gutes<lb/>
Einvernehmen und ich hätte ihm auch erklärt, daß ich von einem<lb/>
Gewerkschaftsvertrter erwarte, daß er nicht nur alle Gesetze<lb/>
praeter legem denn soweit es Interessen der ihn zu vertretenden<lb/>
betrifft, sogar contra legem vorgehen könne und ich ihm dies nicht<lb/>
übelnehme. Schwierigkeiten hätte es am Anfang viel weniger mit<lb/>
mir gegeben als mit dem Präsidium, welches natürlich auf dem<lb/>
Standpunkt ihrer jahrzehntelangen Tradition steht, da meine<lb/>
Amtvorgänger ja kaum mit der Personalvertretung Kontakt hatten<lb/>
was <rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> auch sofort zugab, gibt es jetzt ein besseres<lb/>
Einvernehmen als jemals zuvor. <rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> anerkannte, daß<lb/>
ein Wandel hier schön langsam Platz greift und daß wichtige<lb/>
Schwierigkeiten immer weniger mit mir erwartet hat als selbstver<lb break="no"/>ständlich mit dem Präsidium, weil meine Amtsvorgänger sich kaum<lb/>
um die Personalvertretung kümmerten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_06"><rs type="person" ref="#per__113840">Ströer</rs> berichtet über die Finanzgebarung des Gewerkschaftsbundes<lb/>
und er erörterte die Ziffern die dann sowieso in der Solidarität<lb/>
veröffentlicht werden. Die Aufstellung war nur denkbar ungeschickt<lb/>
so daß <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> mit Recht darauf hinweisen konnte wenn das<lb/>
Papier in die Öffentlichkeit kommt ein falscher Eindruck ent<lb break="no"/>steht. So wird für die Fraktionen 7 Mill. Schilling ausgewiesen<lb/>
obwohl es sich hier laut der seinerzeitigen Vereinbarung um einen<lb/>
Betrag handelt der für Schulungs- u. Werbezwecke der Fraktionen<lb/>
einvernehmlich festgelegt wird.Da wie mir der FPÖ-Vertreter ehe<lb break="no"/>maliger NR <rs type="person" ref="#per__113375">Kindl</rs> derzeitiger Betriebsratsobmann der Angestellten<lb/>
bei Semperit mitteilte, diese auch jetzt 280.000 Schilling bekommen<lb/>
auch die KPÖ und die gewerkschaftliche Einheit ja selbst die<lb/>
Parteilosen sind alle zufrieden und die Gefahr ist wirklich nur<lb/>
daß in der Öffentlichkeit mißverstanden wird.</p><pb n="21-0666" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-30_0666.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_07">Bei fast 800 Millionen Einnahmen und Ausgaben sind 7<lb/>
Millionen Schilling für die Fraktionsarbeit wirklich nicht<lb/>
überwältigend viel. Viel kritischer war, daß wir fast 150. Mill.<lb/>
Gebarungsüberschüsse hätten, der sich in Wirklichkeit nur<lb/>
rechnungsmäßig ergibt weil die gesamten Anschaffungen daraus<lb/>
bezahlt werden müssen. Die ganze Finanzgebarung wird im Ge<lb break="no"/>werkschaftsbund seit eh und je mehr wie in einem Verein ge<lb break="no"/>handhabt. d.h. die Einnahmen und die Ausgaben stimmen bestimmt<lb/>
am letzten Groschen. aber eine richtige Finanzpolitik war nie<lb/>
zu erkennen. Schon <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> hatte den eisernen Grundsatz immer<lb/>
recht zu sparen und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> huldigt ihn ebenfalls. Wahrscheinlich<lb/>
könnte man durch Reorganisationen langfristig eine ganz andere<lb/>
Finanzpolitik betreiben. Sicherlich aber nicht so, wie sie die<lb/>
kurze Präsidentschaft von <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs> fast eingeleitet hätte, dieser<lb/>
hatte sofort erkannt, daß Geld Macht bedeutet und hat auch<lb/>
diese Macht entsprechend einsetzen wollen, wenn es mit legalen<lb/>
Mitteln nicht gegangen ist dann mit halb legalen um nicht zu<lb/>
sagen mit verbotenen. Diese Finanztransaktion hat dann letzten<lb/>
Endes auch zu seiner Abberufung geführt und selbst seine besten<lb/>
Freund haben eine solche Finanz- u. Kredittransaktion nicht decken<lb/>
können aber auch nicht wollen. Vielleicht sind diese beiden Mög<lb break="no"/>lichkeiten <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs>, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> auf der einen Seite <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs> auf der anderen<lb/>
Seite die Extreme. Daß einen Bundesvorstandsbeschluß aus den<lb/>
Uranfängen des Gewerkschaftsbundes unmittelbar nach seiner Gründung<lb/>
geben soll, ich kenn ihn nicht und habe mich nie dafür interessiert<lb/>
das die gesamte Finanzpolitik im Präsidium gemacht werden soll<lb/>
so bin ich auf der einen Seite Gott sei Dank der Verpflichtung<lb/>
enthoben mich über die Finanzgebarung und über die Finanzpolitik<lb/>
besonders beschäftigen zu müssen oder gar Beschlüsse fassen müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_08"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> berichtete dann über die wirtschaftliche Lage.in der<lb/>
Diskussion mußte ich leider weggehen um bei der ASEA einen<lb/>
Büro und Lagerraum im Brunn am Gebirge zu eröffnen, dort<lb/>
traf ich Prof. <rs type="person" ref="#per__112582">Schönherr</rs> der der Rechtsvertrter der ASEA ist<lb/>
und Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__147570">Nikolle</rs> aus Schweden. Ich versuchte festzustellen<lb/>
ob ASEA bereit wäre in Österreich einen Produktionsbetrieb auf<lb break="no"/>zuziehen, auch dann, nachdem sie jetzt die Elektrobau-Linz nicht<lb/>
bekommen haben, für die sie sich sehr interessierten.</p><pb n="21-0667" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-30_0667.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_09">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__147570">Nikolle</rs> verwies darauf, daß sie jetzt auch ein Service-<lb/>
Zentrum hätten wollen in Österreich errichten dafür aber<lb/>
keine Kapitaltransaktion von der Nationalbank bewilligt be<lb break="no"/>kommen haben. Ich erwähnte, daß es doch bei Importen von<lb/>
Maschinen und sonstigen Einrichtungen Sondergenehmigungen<lb/>
durch die Nationalbank gibt und daß vor allem diese währungs<lb break="no"/>politische Sperre für Kapital ja nicht ewig gelten wird.<lb/>
Zu meiner Schande muß ich aber gestehen, daß ich gar nicht<lb/>
genau informiert war und eigentlich keine detaillierten Auskünfte<lb/>
geben konnte, niemand erwartet dies von einen Minister, doch<lb/>
möchte ich auch hier immer am laufenden bleiben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_10">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> : Bitte veranlasse, eine immer auf den<lb/>
letzten Stand gebrachte Stichwortinformation.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_11">Der Bürgermeister von Brunn am Gebirge, ein Genosse, der mit der<lb/>
Newag gemeinsam das Industriezentrum organisierte, erzählte mir,<lb/>
daß sie ihre Grundanteile um 130 Schilling verkauften, während<lb/>
die Newag zuwartete und ihre jetzt bis zu 400 Schilling spielend<lb/>
verkaufen kann. Bei meiner Eröffnungsrede wies ich darauf hin,<lb/>
daß ich tatsächlich wünsche, daß so potente Firmen wie ASEA<lb/>
in Österreich auch eine Produktion errichten, selbst dann, wenn<lb/>
dies eine unangenehme Konkurrenz gegen schon bestehende Firmen<lb/>
ist. Eine Muttergesellschaft die 18.000 Beschäftigte hat und<lb/>
mit ihren ganzen Töchtern 40.000, <rs type="person" ref="#per__147570">Nikolle</rs> sagte mir, sie haben<lb/>
jetzt ein neues Unternehmen dazugekauft und werden in Kürze<lb/>
45.000 haben, müßten in Österreich mehr machen als nur einen<lb/>
Handelsbetrieb und ein Lager mit 60 Beschäftigten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_12">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger-</rs> Investorenberatung soll sich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__112582">Schönherr</rs> ins Einvernehmen setzen,<lb/>
hier ist etwas zu erreichen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_13">Im Integrationsausschuß stand der Integrationsbericht zur<lb/>
Debatte. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> war abwesend und die ÖVP, insbes. Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> meinte, sie wären dadurch in ihrer Information be<lb break="no"/>nachteiligt weil die aussenpolitischen Aspekte sie gerne er<lb break="no"/>örtert hätten. Ich erklärte sofort, ich sei mit der Vertretung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> nicht nur beauftragt sondern hätte doch auch<lb/>
bis zur Inkrafttretung des Kompetenzgesetzes, d.h. vor etlichen<lb/>
Monaten sogar die ganze Kompetenz gehabt und könnte daher auch<lb/>
ausreichende Informationen geben.</p><pb n="21-0668" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-30_0668.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_14">Humorvoll meinte ich, ich würde ihnen eine aussenpolitischen<lb/>
tour d'horizon wenn gewünscht liefern. Manchmal frage ich<lb/>
mich ja ob <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> und sicherlich auch einige andere Abgeordnete<lb/>
tatsächlich glauben, dass Österreich eine grosse Aussenpolitk<lb/>
machen kann, resp. wie weit nicht gerade auf diesem Gebiet viel<lb/>
Blabla produziert. Tatsächlich brauchbare Informationen gibt es doch<lb/>
gar keine, die man nicht sowieso schon in der Zeitung gelesen hab!<lb/>
Politische Kombinationen sind doch gerade auf diesem Gebiet von<lb/>
einer derartigen Üppigkeit, dass sich jeder herausholen kann, was<lb/>
er will, und dabei immer noch behaupten, er versteht etwas von<lb/>
der Aussenpolitik. <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs> z.B. hatte strengst vertraulich dort<lb/>
gesagt, dass ja <rs type="person" ref="#per__140868">de Gaulle</rs> als die Engländer die Absicht hatten<lb/>
beizutreten den EG-Ministern gesagt hat, nackt und auf der Erde<lb/>
kriechend, wie ein Wurm müsste man die Engländer behandeln.<lb/>
Dies hat ein Minister der EG-Staaten wieder seinem parlamentarischen<lb/>
Ausschuss berichtet und dieses Ausschussmitglied hat dann im Europa<lb break="no"/>rat die anderen davon informiert. Eine solche Detailkenntnis ist total<lb/>
uninteressant, weil jeder wusste, dass <rs type="person" ref="#per__140868">de Gaulle</rs> auf alle Fäl<lb break="no"/>le grösste Bedenken gegen einen Beitritt Englands in die EG hatte-.<lb/>
Die sonstige Diskussion war ja hauptsächlich dadurch gekennzeichnet<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> auf der einen Seite Auskünfte wollte über das Vorgehen<lb/>
der Bundesregierung gegen die italienische Depotgebühr und auf der<lb/>
anderen Seite urgierte, dass das Finanzministerium endlich das<lb/>
Memorandum der Präsidentenkonferenz beantworten sollte. Seiner Mei<lb break="no"/>nung nach ist es ein Skandal, dass ein Memorandum, welches am<lb/>
13. gefasst wurde am 30. noch immer nicht beantwortet ist Dem trat<lb/>
ich glaube ich mit der richtigen Argumentation entgegen, indem ich<lb/>
darauf hinwies, wie lange früher auch in unserem Ministerium ent<lb break="no"/>sprechende Beantwortungen dauerten. Ohne es dort zu sagen, muss<lb/>
ich auf jetzt noch immer kämpfen, dass die Herren Beamten nicht<lb/>
nach guter alter Tradition einen Brief monatelang liegen lassen<lb/>
um ihn dann doch zu beantworten, vielleicht aber auch in der Hoff<lb break="no"/>nung, dass er sich in der Zwischenzeit selbst erledigt. Dies alles<lb/>
selbstverständlich mit der Begründung, die seien so überlastet, dass<lb/>
sie nicht dazu kommen. Ferner Dr. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> interessiert sich besonders für<lb/>
die Ursprungsfrage und ich habe ihm dann anschliessend nach der<lb/>
Sitzung vorgeschlagen, sofort sich mit unserem Spezialisten, der<lb/>
anwesend war, zusammenzusetzen und jedwede Detailinformation zu<lb/>
bekommen.</p><pb n="21-0669" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-30_0669.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_15">Dkfm. <rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs> kam nach der Sitzung zu mir, um mir die Arbeiterzeitung<lb/>
zu zeigen, wo eine Reportage über das Pickerl war. Dort wurde<lb/>
behauptet, dass der Handelsministeriumsvertreter <rs type="person" ref="#per__140290">Mitterhauser</rs><lb/>
erkärt hatte, eine Bestrafung, wenn einer das Pickerl nicht auf der<lb/>
Windschutzscheibe hat, ist möglich. Da genau das Gegenteil der<lb/>
Fall ist, habe ich <rs type="person" ref="#per__140290">Mitterhauser</rs> in der Früh sofort angerufen und<lb/>
um über die Aussprache mit dem Redakteur befragt. <rs type="person" ref="#per__140290">Mitterhauser</rs><lb/>
erklärte mir dezidiert, dass er niemals von einer Bestrafung<lb/>
geredet hat, da maximal eine Beanstandung durch die Polizei erfolgen<lb/>
könnte. Schon diese Auskunft ist meiner Meinung nach nicht sehr<lb/>
glücklich, steht aber auf alle Fälle im Gegensatz zu der Behauptung<lb/>
die der Redakteur dann schrieb. Dass man das Pickerl haben muss,<lb/>
sonst riskiert man eine Bestrafung, während die Polizei natürlich<lb/>
dezidiert erklärt, sie kümmert sich überhaupt nicht mehr darum.<lb/>
Ich hatte vorher mit <rs type="person" ref="#per__113613">Scheuch</rs> von der AZ über diese unglückselige <lb/>
Reportage geredet und meinte, er hätte doch seinen Redakteuren<lb/>
sagen sollen, dass man immer sich mit einem Problem im Handels<lb break="no"/>ministerium sich beschäftigen, den Minister oder das Minister<lb break="no"/>büro fragen sollte. Da ich überzeugt bin, ein anderer Minister<lb/>
hätte hier einen richtigen Stunk gemacht, geärgert<lb/>
hat es mich allerdings auch, aber in ruhiger Art <rs type="person" ref="#per__113613">Scheuch</rs>, der ja<lb/>
keine leichte Arbeit hat, darauf aufmerksam machte, hoffe ich<lb/>
dass in Hinkuft eine solche falsche Interpretation und Fehlmeldung<lb/>
unterbleiben wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte informiere unsere Zeitungen, dass<lb/>
sie sich jederzeit, wenn sie sich über<lb/>
Handelsministerium oder deren Agenden<lb/>
berichten, mit uns ins Einvernehmen setzen<lb/>
sollen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_17">Bei einer internen Vorbesprechung zwischen Vertretern der Gas<lb break="no"/>koks, die jetzt auch die ostdeutschen Kohlenlieferanten ver<lb break="no"/>treten und Polkarbon konnte <rs type="person" ref="#per__115020">Welser</rs>/<rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> erreichen, dass sie<lb/>
bereit sind, für Brikett 3 % zusätzliche Preissenkung zuzuge<lb break="no"/>stehen. Polkarbon wird noch für polnische Kohle am Wiener Raum,<lb/>
weil hier mehrere Spannen verrechnet werden, 2.-/to ebenfalls<lb/>
für Juni/Juli absenken. Dadurch können wir doch auf einen Teil<lb break="no"/>erfolg bei der morgigen offiziellen Besprechung mit dem Kohlenhan<lb break="no"/>del rechnen.</p><pb n="21-0670" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-30_0670.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_18">Mit <rs type="person" ref="#per__112014">Ehrbacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs>, der sich erst<lb/>
schön langsam in die ganze Energieproblematik einarbeiten muss,<lb/>
besprachen wir die Vorsprache des Verbundvorstandes. Das erste<lb/>
Problem war, der Wunsch der KELAG einen grösseren Anteil der<lb/>
Aktien der ÖDK zu bekommen. Der seinerzeitige Generaldirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> hat eine solche Zusage gemacht und dies ist in<lb/>
einem Aktenvermerk festgehalten . Sowohl <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> vom rechtlichen<lb/>
Standpunkt und vor allem einmal von der finanziellen Umöglichkeit<lb/>
dann einen einheitlichen Strompreis aus den Braukraftwerken für die<lb/>
Kelag und die Verbundgesellschaft zu erstellen, ist gegen eine<lb/>
solche Abgabe von Anteilen an die Kelag. <rs type="person" ref="#per__112014">Ehrbacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
haben sogar auch noch elektrizitätswirtschaftliche Vorbehalte.<lb/>
Da ich eine solche Zusage nicht gemacht habe, fühle ich mich<lb/>
natürlich an Äusserungen von <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> nicht gebunden und wir<lb/>
werden deshalb schon allein aus technischen und finanziellen<lb/>
Gründen einem solchen Wunsch nicht nähertreten. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> wird diesbe<lb break="no"/>züglich mit <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> Besprechungen aufnehmen, um die Kärntner<lb/>
zu informieren und vor allem, dass es womöglich zu keiner Ver<lb break="no"/>stimmung zwischen Kärnten – Kelag und Verbund Wien kommt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_19">Schwieriger ist die Frage der Vorarlberger Illwerke. Dort hat das<lb/>
Land ungeheure Forderungen – berechtigt oder unberechtigt will<lb/>
ich momentan gar nicht überprüfen und möchte sich diese eben<lb break="no"/>falls auch mit einem grösseren Anteil kaufen. Zumindestens der<lb/>
Finanzreferent der Landesregierung hat eine solche dezidierte<lb/>
Absicht geäussert- LH <rs type="person" ref="#per__118211">Keßler</rs> dagegen dürfte mehr an finanziel<lb break="no"/>len Mitteln, die die Illwerke dem Lande geben sollten, interessiert<lb/>
sein. Darüberhinaus gibt es aber noch einen Streit mit der deutschen<lb/>
Beteiligung. Hier haben die Schwaben sich schon bereiterklärt,<lb/>
dass sie die Forderung zwar nicht akzeptieren, aber das Schieds<lb break="no"/>gericht angerufen werden könnte und sollte. Da aber der Hauptabneh<lb break="no"/>mer die RKW in Köln sind dazu noch niemals geäussert hat, ersuche<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__112014">Ehrbacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, die die HWK-Leute in Mailand bei<lb/>
einer Sitzung der europäischen Verbundsystem treffen, vorzufühlen,<lb/>
ob auch sie mit einer solchen Lösung – Anrufung von Schiedsgericht<lb/>
– einverstanden sind. Ich erklärte allen, dass ich an und für sich<lb/>
sehr entschlussfreudig bin, aber in diesem Punkt möchte ich doch<lb/>
am liebsten die ganze Angelegenheit weiter hinausschieben. Vor<lb/>
den Vorarlberger Wahlen halte ich eine Entscheidung, in welcher<lb/>
Richtung sie immer gehen würde, für unzweckmässig.</p><pb n="21-0671" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-30_0671.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_20">Der dritte und wichtigste Punkt war die Aufsichtsratsgebühren<lb break="no"/>erhöhung. Hier erklärte ich rundweg, dass ich mir eine andere<lb/>
Art der Zusammenarbeit vorstelle, was natürlich sofort von den<lb/>
Anwesenden akzeptiert wurde und dass ich aber den jetzigen Zeit<lb break="no"/>punkt für eine Erhöhung nicht als richtig empfinde. Ich wurde<lb/>
vom Vorstand des Verbund ein Unternehmenskonzept bezüglich der<lb/>
Aufsichtsratpolitik erwarten. Wenn man bedenkt, dass jetzt der<lb/>
Verbund-Aufsichtsrat 24 Mitglieder hat, jetzt 12 Mitglieder im<lb/>
Zuge der Mitbestimmung dazukommen sollen, ergibt dies, dass<lb/>
wir 36 Mitglieder mit den 4 Vorstandsmitgliedern und den Protokoll<lb break="no"/>führern dann wahrscheinlich über 40 Leute bei einer Aufsichtsrat<lb break="no"/>sitzung haben. Dies ist kein arbeitfähiges Gremium mehr. Ich hätte<lb/>
deshalb erwartet und möchte es jetzt noch, dass man sich über die<lb/>
rein formelle Frage, ein Drittel Arbeitnehmer nicht den Kopf zerbricht<lb/>
aber wie man eine zweckmässige Zusammensetzung – keinesfalls über<lb/>
40 Personen – durchführen kann. Die Hauptschwierigkeit ist, dass<lb/>
die Anzahl- im zweiten Verstaatlichungsgesetz verankert ist.<lb/>
Vielleicht müsste man aber hier wirklich durch Besprechungen einen<lb/>
Konsens herbeiführen können, wo alle sagen, hier muss tatsäch<lb break="no"/>lich eine vernünftige Reduktion erfolgen. Was die weitere Zusammen<lb break="no"/>arbeit zwischen Fraktion und mir betrifft, habe ich erklärt, dass<lb/>
ich jederzeit zur Verfügung stehen werde und dass <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> absolut<lb/>
mein Vertrauen hat und dass man alle Details mit ihm besprechen soll<lb/>
Bezüglich der Ennskraftwerke und Eingliederung in die Donaukraft<lb break="no"/>werke kamen wir überein, dass versucht werden sollte, mit den Auf<lb break="no"/>sichtsräten eine einvernehmlichere Lösung zu erzielen und sollte<lb/>
die ÖVP sich dagegen wehren, <rs type="person" ref="#per__97339">Baumgartner</rs> in den Donauvorstand<lb/>
aufzunehmen und eine entsprechende Kompetenz ihm zu geben, dann<lb/>
die Drohung durchblicken zu lassen, dass <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> unser derzeit<lb/>
einziges soz. Vorstandsmitglied dann bei dem neuen Vierervorstand<lb/>
das Dirimierungsrecht bekommt d.h. Generaldirektor wird. Damit<lb/>
dies nicht eintritt, hoffe ich, dass die ÖVP bereit ist, mit mir eine<lb/>
vernünftige Lösung anzustreben. Ich werde dies dezidiert nicht als<lb/>
eine Verstärkung der politischen Macht in der Donau erklären, son<lb break="no"/>dern als eine notwendige organisatorische Änderung zur Konzentra<lb break="no"/>tion zwischen Enns und Donau. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> versicherte mir, dass der<lb/>
zeitige Ablauf so gesichert ist, dass wir noch im ersten Halbjahr<lb/>
1974 alle Beschlüsse fassen können, weil bekanntlicherweise dann<lb/>
durch die neue Zusammensetzung des Aufsichtsrates wir die Mehrheit<lb/>
in der Donau verlieren.</p><pb n="21-0672" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-30_0672.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_21">Auf der Landstrasse hat mir unsere Sekretärin <rs type="person" ref="#per__112037">Tischler</rs> bereits<lb/>
mitgeteilt, ist die Mitgliedschaft <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlägers</rs> bei der ÖVP wie<lb/>
eine Bombe eingeschlagen. Sie meint, dass am nächsten Dienstag in<lb/>
unserer Bezirksausschussitzung darüber eine heftige Diskussion sein<lb/>
wird, Mir persönlich wäre es auch lieber gewesen, ich hätte in meinem<lb/>
Bezirk dieselbe Möglichkeit gehabt wie ich sie am Vortag bei der<lb/>
ao. Bezirkskonferenz in Hietzing hatte, um unmittelbar nach Bekanntwerdung<lb/>
eine Bezirkskonferenz, wo man unseren Genossen etwas erörtert kann<lb/>
und mit ihnen diskutieren kann, auch dann, wenn es sehr unangehehm ist<lb/>
und wenn ich es selbst auch gar nicht verstehe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-30_22"/></div>
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            <head>Typoskript ÖGB-Finanzgebarung 1973 mit hs. Anmerkungen</head>
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